Woher will man wissen, angesichts der Übel der Welt, dass Gott gut ist?
Inhaltsverzeichnis:

      Reaktionen von Theologen
      Schon wieder: Wissen aus dem Nichts
      Quellen der Moral
      Woher will man wissen, angesichts der Übel der Welt, dass Gott gut ist?
      Die unakzeptable Antwort …

 

Reaktionen von Theologen

Die Mehrheit der Theologen gehen mit dem Problem ebenso um wie mit dem Theodizeeproblem: Sie ignorieren es.

Es gibt Leute, die sich damit auseinandersetzen. Ein Beispiel ist →Euthyphron und die Streitfrage der universellen Souveränität. Der Autor der Seite macht es sich leicht: Die ethischen Prinzipien gehören »einfach so« zu Gott, fertig. Sie stehen, wie er sagt »auf gleicher Höhe«. Das ist entweder eine schräge Formulierung oder grober Unsinn.

Man fragt sich zum einen wiederum, woher der Autor das wissen will. Normalerweise, sobald ein Kritiker des Gottesglaubens irgendeine  Aussage über Gott macht, heißt es, dass man das alles über Gott nicht wissen kann. Es vergehen keine fünf Minuten, und der Gläubige erzählt uns haargenau, was er alles über Gott zu wissen glaubt. Was er wirklich  erzählt ist, was er sich über Gott zusammenfantasiert. Der Gläubige weiß ebenso nichts über Gott, nimmt nur seine eigenen Spekulationen für bare Münze und entgegnet ansonsten auf jeden logischen Einwand, dass der Kritiker nichts über Gott wisse – ebenso wie er.

 

Schon wieder: Wissen aus dem Nichts

Woher kommt das Wissen über Gott? Aus der eigenen Fantasie! Per ↑Logik kann man Gott nicht nahe kommen – behaupten die Gläubigen.

Wenn man irgendwelche logischen Probleme im Zusammenhang mit Gott entdeckt, oder sich fragt, warum Gott so sein soll, lautet die Antwort »Gott ist eben so«. Damit wischt man alle Probleme einfach so  vom Tisch.

 

Quellen der Moral

Die Moral entsteht aus anderen Quellen, zum einen handelt es sich um Vorstellungen, die sich im Laufe der Evolution bewährt haben. Die Mehrheit der grundlegenden moralischen Vorstellungen kann man bei anderen Primaten beobachten. Das nimmt der Moral die befürchtete Relativität. Innerhalb des Rahmens sind alle moralischen Regeln durch die menschlichen Gesellschaften ausgehandelt worden. Man mag das bedauern, mehr gibt es nicht. Alle moralischen Regeln sind wertlos, wenn sich entweder niemand an sie hält, oder wenn sie nicht auf Einigung beruhen. Menschenrechte basieren auf einer Einigung, einer Vereinbarung, die logisch folgt aus Prinzipien. Wenn man es nicht mit der ↑Logik hat, bemerkt man das nicht.

Ddas Streben nach Gerechtigkeit beispielsweise ist angeboren und bei z. B. Schimpansen zu beobachten. Wenn alle das anstreben, und man kein inhärentes Prinzip kennt, nach dem die Interessen des einen den anderen zu bevorzugen wären, folgen daraus logisch eine Reihe von Dingen. Das Problem der Theologen ist, dass sie sich weigern, gleiche Rechte für andere anzuerkennen! Ihre angeblich »göttlichen Prinzipien« sollen immer  Vorrang haben. Was, wie gesagt, nichts weiter bedeutet, als dass man eine grundlegende Folgerung, gleichberechtigte Interessen aller, nicht teilen will – aus egoistischen Motiven. Seine Beweggründe muss man tarnen, da kommt man auf die Idee, ein Problem kurzerhand zu beseitigen, in dem man eine erwünschte Eigenschaft Gottes »mal eben einfach so« zu einem grundlegenden Wesenszug erklärt.

 

Woher will man wissen, angesichts der Übel der Welt, dass Gott gut ist?

Hier wird ein zusätzliches Problem übersehen: Gott wird »einfach so« zu dem Guten  erklärt. Es gibt einen schwerwiegenden Einwand, das Theodizeeproblem, mit dem wir uns später beschäftigen. So simpel, wie man es sich macht, geht es nicht.

Das bedeutet: Der »Vorschlag«, das Problem zu lösen, in dem man es wegdefiniert, gehört zwar zum üblichen theologischen Repertoire, Probleme zu tarnen, in dem man Sprachspielchen betreibt.

Wenn man die »Problemlösung« akzeptieren würde, ist das keine akzeptable Lösung! Wenn man sagt, dass eine spezifische Eigenschaft »einfach so«, ohne Grund, zu Gott dazugehört, ist man der Frage nur ausgewichen. Man hat sie nicht beantwortet. Das Problem ist verschoben, nicht aufgehoben.

 

Die unakzeptable Antwort …

Wenn ein Atheist auf die Frage, warum das Universum existiert, eine ähnlich strukturierte Antwort gibt, etwa dass das Universum »einfach so« existiert und »einfach so« die Eigenschaft hat, Leben hervorbringen zu können, reagieren die Theologen gleich. Sie akzeptieren die Antwort nicht. Weil es sich nicht um eine Erklärung handelt. Weil man damit nur der Frage ausweicht. Weil man damit keinen Grund angegeben hat. Weil die Antwort nicht mehr als pure Spekulation ist. Weil man das Problem nur verschoben, nicht gelöst hat.

Wenn es um Gott geht – ist das nicht nur erlaubt, sondern geboten. Hier bekommt man die stereotype Antwort »es ist eben einfach so« permanent. Kurz, es wird nicht nach fairen Regeln gespielt, was man als Antwort bei anderen  absolut nicht akzeptabel findet, ist die einzige Antwort, die man geben kann und will. Was nur bedeutet, dass man sich Sonderrechte einräumt. Was beweist, dass es nur um die Durchsetzung egoistischer Interessen geht. Das macht sich in den Diskussionen an allen Stellen bemerkbar.

Wenn ein Theologe dieselben Ansprüche und Forderungen, die er an andere Positionen stellt, an seine eigenen Grundlagen richten würde, würde er sein eigenes Fundament komplett vernichten.

Eine faire Diskussion ist mit nur wenigen Theologen möglich. Man sollte zu Beginn fragen: Bist Du gewillt, jeden Einwand, den Du gegen eine andere Position äußerst, gegen Deine Meinung zu akzeptieren? Wenn der Theologe zustimmt, kann man gegen ihn diskutieren, sonst kann man ihn nur vorführen und öffentlich lächerlich machen.

Menschen, die ihnen gerne ihre religiöse Weltsicht mitteilen, wollen meistens nichts von Ihrer hören

Dave Barry


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