Religiöse Ideen, wenn man sie zu ernst nimmt, erfüllen oft alle drei Kriterien der Definition eines Wahns.
Inhaltsverzeichnis:

      Der Fehler des Atheismus?
      Gottesvorstellungen
      Die Notwendigkeit einer Diskussion
      Es geht um Immunisierung gegen Kritik
      Meine Definition von Gott

 

Der Fehler des Atheismus?

Es gibt eine Ansicht, nach der ↑Atheismus unlogisch (logisch nicht konsistent) ist, weil der Atheist ablehnt, was nicht genau definiert ist. Die Frage ist: Was ist der gewichtigere Fehler? Eine Sache zu glauben, von dem man nicht weiß, was es ist? Oder nicht an das zu glauben, von dem niemand weiß, worum es sich im Kern handelt?

Es gibt eine Variante des positiven, starken ↑Atheismus, die besagt: Gott ist ein nicht zu definierendes Konzept, oder die Definition ist sinnfrei. Das ist eine absolut ausreichende Grundlage, um den Glauben an den monotheistischen Schöpfergott strikt abzulehnen. Michael Martin argumentiert auf die Weise in [Martin 1990], ebenso wie andere. Man kann sich vielleichteinbilden, an einen Sachverhalt zu glauben, von dem man nicht weiß, was es ist. Das ist per Definition eher ein Wahn, es wäre in dem Fall gerechtfertigt, von einem »Gotteswahn« zu reden.

Es ist nicht das Problem der Atheisten, dass Gott vage und unscharf definiert ist. Normalerweise, außerhalb der Religion, würde niemand an einen Tatbestand glauben, von dem er nicht hinreichend genau weiß, worum es wesentlich geht.

 

Gottesvorstellungen

Die Mehrheit der Gläubigen denken, dass sie eine ausreichend präzise Vorstellung von dem haben, was Gott ist. Sie meinen gleichzeitig, dass man Gott nicht ausreichend erfassen kann. Viele sagen nur, dass sie an eine »irgendwie höhere Macht« glauben. In aller Regel haben die Gläubigen ihr Konzept von Gott nur in Teilen durchdacht. Das liegt u. a. daran, dass man ihnen eingeredet hat, dass man sich keine Vorstellung von Gott machen kann oder machen darf. Das 1. Gebot (der zehn Gebote) besagt nur, dass man sich kein Bildnis  von Gott machen darf. Man darf ihn nicht, wie es etwa Michelangelo getan hat, malen oder eine Statue anfertigen. Nur Juden und Muslime halten sich an das Gebot.

Es heißt nicht »Du sollst Dir keine Vorstellung  von Gott machen«. Das wird nur auf solche Weise interpretiert. Da das Gebot einen ↑Agnostizismus impliziert wäre es ein für ein Gott wie Jahwe ein ausgesprochen dummes  Gebot. Es ist logisch nur erfüllbar, wenn man keine Sekunde über Gott nachdenkt und ihn bei jeder Gelegenheit ignoriert. Das kann nur ein überzeugter Atheist. Oder jemand, der niemals vom Superschöpfergott gehört hat. Vergleichbar wäre das Gebot »Du sollst nicht an eine schwarze Katze denken«. Was passiert, wenn man das hört? Man denkt an eine schwarze Katze. Um herauszufinden, an was man nicht denken soll, muss man erst herausfinden, was das ist. Man muss daran denken, das ist unvermeidlich.

Um zu wissen, wovon man sich keine Vorstellung machen soll, muss man sich erst eine Vorstellung von dem machen, wovon man sich keine Vorstellung machen soll. Das ist unmöglich. Wäre das Gebot, so gemeint, handelte es sich um das dümmste Gebot, das man sich vorstellen kann. Dümmer geht es nicht. Als Verbot einer Abbildung  ist es schon möglich.

 

Die Notwendigkeit einer Diskussion

Um beweisen zu können, dass es ein Ding gibt oder nicht gibt, braucht man eine angemessen  scharfe Definition von dem, was man sucht. Die Mehrheit der Gläubigen glauben, dass sie eine solche Vorstellung besitzen. Sie werfen dem Atheisten vor, dass er nicht genau dieselbe Idee habe und nicht weiß, was er ablehnt. Mag sein, es wäre die Aufgabe des Glaubenden, zu sagen, was es ist, woran er glaubt. Es ist nicht die Verpflichtung des Atheisten, zu beweisen, dass nicht existiert, was undefiniert bleibt. Wenn der Gläubige, wie die Masse, nicht verständlich machen kann, woran er glaubt, sollte er sich nicht wundern, wieso der Atheist nicht an dasselbe glaubt.

Es gibt eine weitverbreitete Idee von Gläubigen. Die besagt, dass der Atheist »an den falschen Gott nicht glaubt«. Der Atheist hat, lautet die Theorie, eine eigene Vorstellung von Gott. Die ist falsch – mehr oder weniger ist sie das in allen Fällen – und aus dem Grund lehnt der Atheist den falschen Gott ab. Hier verhält es so, dass man versucht, aus der eigenen, totalen Unfähigkeit und Inkompetenz, zu definieren, woran man glaubt, dem Atheisten einen Strick zu drehen. Da kann ich nur wiederholen: Ich nehme das, wovon Du mir erzählst, dass es für Dich Gott ist, und ich sage Dir, ob ich daran glaube oder nicht. Es ist unverschämt, mir zu unterstellen, dass es mein  Problem ist, dass ich nicht weiß, was Du nicht erläutern und nicht ausdrücken kannst oder willst. Viel schlimmer: Du erwartest, dass ich einer Moral folge, von der Du nicht erklären kannst, woher sie kommt? Und Du hast die Chuzpe, herumzuposaunen, Du hättest eine Begründung  oder Grundlage für Deine Moral?

Wie soll man nach einer Sache suchen, wenn man nicht weiß, was es ist?

 

Es geht um Immunisierung gegen Kritik

Wie Pascal Boyer herausfand (in [Boyer 2009]) haben die meisten Menschen in der Tat eine präzise Vorstellung von Gott. Sie wissen genau, was Gott tun kann und was er nicht tun würde. Sie versuchen nur, sich in Diskussionen vor dem Reden über Eigenschaften zu drücken. Die Zuschreibung von Wesensmerkmalen macht ihren Glauben angreifbar. Je mehr Erfahrung jemand in der Diskussion mit Ungläubigen hat, umso größer wird der Bogen, den er um das Thema herum macht. Das ist das Problem der Gläubigen: Ihr Unwille oder Unfähigkeit über Gott zu reden macht erstens  misstrauisch und zweitens  sollten sie das nicht ihrem Gesprächspartner anlasten.

Es heißt: Ich will mich jeglicher Kritik an meinem Glauben entziehen. Ich bin nicht bereit, auf intellektueller Basis die Verantwortung zu übernehmen – man verlangt es umso energischer vom Atheisten. Ich bin nicht geneigt, meine Gründe darzulegen, ich erwarte trotz alledem von Dir Respekt und Akzeptanz, selbst wenn Du nicht erfährst, worum es im Kern geht.

Analogie: Wer auf einer solchen Basis einem Gebrauchtwagenhändler ein Auto abkauft, hat es verdient, bestraft zu werden – wegen Dummheit.

 

Meine Definition von Gott

Aus dem Grund nehme ich den Gläubigen hier die Arbeit ab und definiere Gott als ein »Geistwesen, dass Schöpfer von Allem außer sich selbst ist«. Was Gott darüber hinaus sein soll interessiert mich nicht, weil es schon ausreicht, dass ich sage: Das kann es nicht geben.

Das Unsichtbare und das Nichtexistente sehen ziemlich gleich aus.

Delos B. McKown


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