Glauben: Der Wille, etwas für wahr halten zu können, ohne sich der Mühe zu unterziehen, dafür nach Beweisen oder Argumenten suchen zu müssen.
Inhaltsverzeichnis:

      Und am Anfang war das Argument?
      Drei Wege zum Glauben
      Schindluder mit den Gottesbeweisen
      Beispiel für einen Gottesbeweis
      Wie kann man einen Beweis oder ein Argument widerlegen?
      Widerlegung dieses Gottesbeweises
      Alles – außer Gott
      Was lernen wir daraus?

 

Und am Anfang war das Argument?

Bevor ich mit den Gottesbeweisen beginne eine Vorbemerkung.

Unter Theisten sind die Gottesbeweise umstritten. Viele Theologen vertreten die Auffassung, dass Beweise überflüssig seien. Sie sind genau genommen kontraproduktiv. Alle »Beweismethoden« implizieren, dass mit der ↑Logik der Welt Gott, zumindest in Teilen, den Regeln des Daseins unterliegt und damit logisch zugänglich ist.

Wenn man den Glauben in den Rang einer Tugend erhebt, würde ein Beweis ihn nutzlos machen. Kann man einen Sachverhalt wissenschaftlich belegen, muss man nicht daran glauben, der Glauben wäre entbehrlich. In jedem Fall sollte man sich fragen – wie sollte ein Ungläubiger zum Glauben kommen? Das Problem wäre nicht lösbar, man braucht Argumente, Gründe, die überzeugend wirken. Dass man sich »auf den Glauben einlassen muss« spricht nicht für einen spezifischen, sondern nur für den Glauben schlechthin. Sei es für einen Glauben an Gott, an UFOs, an paranormale Phänomene, an Zeus, an unsichtbare rosa Einhörner, an hinduistische Gottheiten usw. usf. Alle Glaubensrichtungen argumentieren, dass man sich auf den ihre Behauptungen »erstmal« einlassen sollte, damit man seine »Wahrheit« erkennt. Soll man an alles vorläufig vorbeugend glauben und merkt man die Richtigkeit von allem, wenn es sich zum Teil in extremen Maße widerspricht?

Mit dem religiösen Glauben geht einher eine lebhafte, innere, subjektive Überzeugung der Korrektheit eines Sachverhalts. »Es ist wahr« ist schon Teil der Auffassung. Es ist zirkulär, zu behaupten, wenn man dir Richtigkeit anerkennt, dass man es in dem Fall für richtig erachtet.

 

Drei Wege zum Glauben

Man kann nur auf drei Wegen (in Kombination) zum Glauben kommen:

  1. durch eine (frühkindliche) Indoktrination oder eine Gehirnwäsche oder andere Zwangsmaßnahmen
  2. oder durch überzeugende Argumente, mit den man die verschiedenen Glaubensrichtungen gegeneinander abwägen kann,
  3. oder durch ein »blindes« Einlassen auf den Glauben, oder kurz, durch kritikloses  Vertrauen in Autoritäten.

Jede Konversion bewegt sich zwischen den drei Polen: Indoktrination, (rationale) Überzeugung oder kritikloses aufnehmen der Inhalte. Eine Konvertierung, die auf nur einem Element beruht, ist schwer vorstellbar (man muss überzeugt oder indoktriniert werden, um sich darauf einzulassen). Die Mehrheit wird nicht konvertiert, sondern nimmt die Lebenseinstellung ihrer Umgebung an. Das entspricht einem Einlassen ohne Alternativen bzw. einer Indoktrination.

Die Berufung auf eine Offenbarung ist logisch zirkulär, ungültig. Um eine Botschaft als »göttliche Offenbarung« zu klassifizieren, muss man davon ausgehen, dass Gott existiert. Man muss voraussetzen, was erst zu zeigen wäre. Da alle »heiligen Schriften« von Menschen verfasst wurden, gleicht es einem Vertrauen in eine tote Autorität. Die hat zu einer Zeit gelebt, in der man viel weniger über die Welt wusste als heute jedes Schulkind _1_.

Moral ist kein Grund an Gott zu glauben, eher im Gegenteil. Des war Thema der Seiten über Moral.

Religiöser Glauben ist ein merkwürdiges Konstrukt. Hier muss man als gegeben annehmen, dass eine Person mehr darüber weiß wie wir. Das sind die Spezialisten (Theologen), die zugleich behaupten, dass man über Gott nichts wissen kann. Die Berufung auf eine Autorität ist ebenso logisch zirkulär, man muss voraussetzen, welchem der selbsternannten Experten über Gott man vertraut.

Ein »blindes« Einlassen auf den Glauben ist m. A. nach nicht rational gerechtfertigt, weil man auf die Weise anfangen kann, alles zu glauben. Nahezu alle Glaubensrichtungen argumentieren damit, dass man erstmal beginnen muss, zu kritiklos zu vertrauen. Das bedeutet, dass man anfängt, zu glauben, um zu glauben. Das ist zirkuläre ↑Logik. Es werden viele andere quasi-rationale Argumente verwendet, damit die Menschen anfangen, zu glauben. Etwa: dass die Mehrheit an Gott glaubt (was kein Argument für den Glauben ist), dass es keine Moral gibt ohne Glauben usw. usf.

An dieser Stelle beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit dem Weg der rationalen Überzeugung. D. h. ich setze voraus, dass es prinzipiell möglich sein kann, Gott zu beweisen, und dass der Glauben an Gott rational zu rechtfertigen ist. Aus dem Scheitern des Bemühens kann man schließen, dass der vernunftgemäße Weg zu Gott nicht funktioniert und nur die beiden anderen Wege offen stehen – Einlassen oder Indoktrination. Da man eine rationale Rechtfertigung benötigt, um sich auf einen spezifischen Glauben einzulassen, bedeutet das, dass es nur einen Weg gibt, auf dem man anfangen kann, zu glauben: den der Indoktrination. Rationale Überzeugung hätte nur eine Hilfsfunktion – man gaukelt dem Individuum vor, die Indoktrination sei rational gerechtfertigt.

 

Schindluder mit den Gottesbeweisen

Wenn Gott nicht der ↑Logik zugänglich ist, scheitern alle Gottesbeweise und man müsste sich nicht damit befassen. Da die Gottesbeweise populär sind und in Diskussionen eine gewichtige Rolle spielen werde ich sie hier darstellen und diskutieren. Ich werde zeigen, dass alle Argumente nur aufgrund von Denkfehlern für Gott zu sprechen scheinen, während sie in Wahrheit Argumente gegen  die Existenz Gottes sind.

Gottesbweise – oder Argumente für Gott – haben häufig eine Brückenfunktion. Zunächst setzt man die Rationalität voraus, um Gott beweisen zu können. D. h., man behauptet folgendes: »Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden«. Das ist ein katholisches Dogma, nebenbei. Dann benutzt man eine Reihe von Scheinargumenten, um Gott zu »beweisen«. Danach, wenn das Zielobjekt dieses Tricks, den Glauben an Gott für vernünftig hält, brennt man diese Brücke wieder ab. Plötzlich behauptet man, dass man Gott rational nicht widerlegen kann, dass er sich nicht durch ↑Logik beweisen oder widerlegen lässt. Nun hat man den Weg, der zum Glauben an Gott führt, wieder zerstört. Natürlich heißt dies, dass man auf diesem Pfad nie hätte zu Gott gelangen können. Man ist aber da, und der Rückweg ist versperrt. Das ist ein intellektuell höchst unredliches Manöver, eine Form des Betrugs. Diejenigen, die dieses Scheinmanöver durchführen, sind aber meistens selbst Leidtragende dieser Masche. Man benutzt seinen Intellekt, dann opfert man ihn.

In diesem Fall ist der Gottgläubige Opfer eines Trickbetrugs geworden. Dass die meisten Menschen dies nicht durchschauen spricht nicht für ihr Denkvermögen, sondern für ihre Irrationalität.

 

Beispiel für einen Gottesbeweis

Beschäftigen wir uns zunächst aber mit den logischen Wegen zu Gott. Glauben wir zunächst dem oben erwähnten katholischen Dogma.

Es gibt einen Einwand, der sich gegen fast jeden dieser Gottesbeweise vorbringen lässt: Viele Menschen nehmen an, dass wenn die Existenz eines Schöpfers bewiesen ist, dies bereits der christliche Gott mit allen seinen Eigenschaften sei. Das ist ein schwerer Trugschluss. Ich nehme mal einen populären Gottesbeweis und demonstriere seine Widerlegung und welche Folgen es hätte, wenn die Widerlegung scheitert:

»(P1) Alles hat eine Ursache.
(P2) Es ist nicht sinnvoll, einen unendlichen Regress von Ursachen _2_ anzunehmen.

(S1) Folglich muss es eine erste Ursache gegeben haben, die keine weiteren Ursachen hat.
(S2) Diese erste Ursache ist Gott.«
 

Wie kann man einen Beweis oder ein Argument widerlegen?

Definition: Ein Argument  ist eine Behauptung, die durch andere Behauptungen logisch  gestützt wird. Logik ist die Kunst des sachgemäßen, regelbasierten Denkens. Der Gegensatz zur Logik  ist Beliebigkeit  oder Irrationalität  oder Unvernunft. Die Voraussetzungen eines Arguments nennt man auch Prämissen.

Es gibt nur genau drei intellektuell redliche Wege, ein Argument zu widerlegen.

  1. Man zeigt, dass das Argument formal falsch ist, oder einen Logikfehler enthält.
  2. Man demonstriert, durch andere Argumente, dass eine oder mehrere der Prämissen (= Voraussetzungen) falsch sein müssen.
  3. Man beweist durch andere Argumente oder Beweise, dass die Schlussfolgerung falsch (0der eingeschränkt: sehr unwahrscheinlich) sein muss. Dann ist entweder eine oder mehrere der Voraussetzungen falsch, oder die ↑Logik ist mangelhaft, oder beides.

Jeder andere Weg ist intellektuell unredlich. Beliebt ist es beispeilsweise, die Person dessen anzugreifen, der das Argument geäußert hat. Aber egal wie dumm, bösartig, unwillig, unmoralisch, lügnerisch, verleumderisch, polemisch auch jemand sein mag: Argumente sind immer nur genau dann ungültig, wenn man dies auf einem der drei oben skizzierten Weisen zeigen kann. Angriffe auf die Person des Argumentierenden sind selbst ein deutliches Zeichen moralischer Verkommenheit oder der intellektuellen Unaufrichtigkeit oder des mangelnden Intellekts, oder alles davon.

Die stärkste Widerlegung ist der Beweis formaler Fehler. Diese kann man oft sogar zeigen, ohne den Inhalt des Arguments zu kennen. So wie man beweisen kann, dass »X + 1 < X« immer falsch ist, gleichgültig, um was für eine Zahl es sich bei X handelt.

Angenommen, dieser Beweis wäre gültig, d. h. (S1) wäre gerechtfertigt. Dann wäre (S2) aber mangelnde logische Folgerichtigkeit – es folgt keineswegs aus (S1), dass damit Gott bewiesen ist. Denn diese erste Ursache könnte das Universum selbst sein – der Beweis zeigt nur, dass es eine erste Ursache gegeben haben muss. Es könnte auch eine unpersönliche Kraft sein oder ein Naturgesetz. Es könnten ein Gott oder mehrere Götter sein, bekannte Götter wie unbekannte. Es könnte der Teufel persönlich sein. Es könnten Wesen sein, die über begrenzte Macht verfügen und über begrenztes Wissen, Wesen, die fehlbar sind. Es könnte sich um körperliche Wesen handeln. Usw. usf. Aus dem Erfolg dieses (und der meisten weiteren Argumente) kann man nicht auf die Existenz Gottes schließen, das wäre eine Über-Interpretation. Genau dies wird von geschickt argumentierenden Laienpredigern oder Theologen aber gerne versucht. Die Existenz einer ersten Ursache ist bewiesen, folglich muss es sich um den gesuchten Christengott handeln, der sich offenbart hat in Jesus, der auferstanden ist … langsam! genau das  folgt überhaupt nicht, eher im Gegenteil.

Meistens wird der Übergang von (S1) zu (S2) in den Gottesbeweisen »unterschlagen«. Aus gutem Grund, denn hier ist eine generelle Schwäche dieser Argumentation verborgen, die man übergehen muss, um den falschen Anschein zu erwecken, man habe einen Gottesbeweis. Vorsicht vor denen, die diesen kritischen Punkt verschweigen, denn sie haben keine redliche Argumentation im Sinne.

 

Widerlegung dieses Gottesbeweises

Die Widerlegung ist einfach und zeigt ein gewisses Schema, welches man auf fast jeden Beweis anwenden kann:

(1) Die Prämisse (P1) ist unbegründet. Warum sollte alles eine Ursache haben? Es wäre genauso gut vorstellbar, dass es unverursachte Ereignisse gibt. Tatsächlich argumentieren vor allem Theologen gerne mit dem freien Willen, der unverursacht sein soll. Wenn also ein Theologe mit dem freien Willen argumentiert und mit dem Beweis der ersten Ursache, so ist das selbst-widersprüchlich. Aus Widersprüchen kann man aber alles Mögliche folgern.

(2) Die Prämisse (P2) ist unbegründet. Es ist sehr wohl vorstellbar, dass es einen unendlichen Regress an Ursachen gegeben hat (beispielsweise: Das Universum existiert ewig, ohne Anfang). Tatsächlich, wenn (P1) wahr sein sollte, dann folgt daraus geradezu zwingend, dass es einen unendlichen Regress gegeben haben muss. Gott selbst ist ein gutes Beispiel für etwas, was als ein »ewiger Regress von Ursachen« existieren soll.

(3) Die Schlussfolgerung (S1) widerspricht der Prämisse (P1). Wenn es eine erste Ursache gegeben hat, die nicht selbst verursacht war, dann hat eben nicht alles eine Ursache. Folglich ist (P1) falsch und damit folgt die Schlussfolgerung nicht.

(4) Die Schlussfolgerung (S1) widerspricht der Prämisse (P2). Denn Gott selbst müsste ewig existieren, entspräche also einem unendlichen Regress von Ursachen. Wenn man dagegen einwendet, dass man das Kausalitätsprinzip (Ursache-Wirkung) nicht auf Gott anwenden kann, dann bricht der Beweis in sich zusammen. Dann wäre nämlich ein Kausalitätsschluss auf die erste Ursache (Gott) nicht möglich, das geht nur, wenn Gott selbst dem Prinzip der Kausalität unterliegt (und der ↑Logik).

(5) Die Prämisse (P1) widerspricht der Prämisse (P2) – wenn alles eine Ursache hat, dann muss es einen unendlichen Regress von Ursachen gegeben haben. Aus widersprüchlichen Prämissen kann man beliebige Schlüsse ziehen und genau dieser Umstand wird für diesen (und ähnliche) »Beweise« genutzt. Laien kann man damit verwirren und beeindrucken.

Vor allem (4) zeigt, dass der Beweis nur genau dann gültig sein kann, wenn man die im Beweis enthaltenen Prinzipien auch auf Gott anwenden kann. Wenn dies geht, dann funktioniert damit auch automatisch jeder Beweis gegen  Gott, der dieselben Prinzipien verwendet. Wenn es also einen Gottesbeweis gäbe, dann könnte man eventuell einen Beweis gegen Gott konstruieren. Das ist tatsächlich problemlos möglich – mehr noch: Die Beweise gegen Gott sind überzeugender als die für Gott, weil sie nicht auf Denkfehlern wie (1) bis (5) basieren. Ein Theist, der argumentiert, es gäbe einen Gottesbeweis, liefert damit zugleich überzeugende Gründe für einen positiven ↑Atheismus _3_.

Man kann nämlich folgern, wenn (P1) wahr ist, dass es einen unendlichen Regress an Ursachen gegeben haben muss und dass folglich das Universum keine erste Ursache gehabt haben kann, also ewig existiert. Wenn das Universum ewig existiert, dann hatte es keinen Schöpfer, folglich existiert der christliche Schöpfergott nicht. Für die Annahme, dass das Universum ewig existiert, spricht zudem, dass weder Materie noch Energie vernichtet werden können (man kann sie nur umwandeln). Das bedeutet, dass das Universum mindestens kein Ende hat. In diesem Beweis gegen Gott steckt zumindest kein Denkfehler (wie in dem Beweis für Gott) und er stimmt mit unseren empirischen Evidenzen und Beobachtungen überein. Folglich ist seine Plausibilität größer.

 

Alles – außer Gott

Interessant ist noch die Behauptung: (P1') Alles hat eine Ursache außer Gott.

In diesem Fall hat man Gott bereits in der Prämisse drin stecken, das bedeutet, man setzt voraus, was man zu beweisen sucht. Was einen zu der ↑Logik führt »Wenn Gott existiert, dann existiert Gott« – eine Tautologie oder ein zirkuläres Argument.

Die meisten der sog. kosmologischen Gottesbeweise  (aus bestimmten Eigenschaften des Kosmos wird auf Gott geschlossen) folgen demselben oder einem sehr ähnlichen Schema und lassen sich auch fast schematisch widerlegen. Um den Beweis zu »retten« müsste man zeigen, dass alle meine fünf Widerlegungen (1) bis (5) falsch sind, es reicht nicht zu zeigen, dass eines der Gegenargumente falsch ist. Und es müsste gezeigt werden, dass der Übergang von (S1) auf (S2) gerechtfertigt ist und es sich um den christlichen Gott handelt. Bbeides ist sehr schwer und wurde nur selten versucht.

Wenn also das nächste Mal jemand auf die Natur deutet und behauptet … und deswegen existiert Gott dann bedenken Sie noch eines: Wenn man von der Schönheit der Natur auf die Güte Gottes schließen kann, dann kann man von der Hässlichkeit und der Bösartigkeit in der Natur auch auf die Bösartigkeit Gottes schließen. Kann man das nicht, kann man auch nicht auf die Güte Gottes schließen, jeder Beweis wäre ungültig. Theisten sind wählerisch, sie möchten aus der Schönheit des Regenbogens auf Gottes Güte und Liebe schließen. Aber aus einem von einem Blitz verbrannten Kind nicht auf das Böse in Gott. Aber wenn man ersteres kann, kann man auch letzteres. Wenn man es nicht kann fehlt dem Theisten die rationale Rechtfertigung für seinen Glauben. Man sollte nicht mal so und mal so argumentieren. Doch, man kann es, und ich erlebe es in Diskussionen fast jeden Tag, aber redlich  ist das nicht. Es ist ein Indiz dafür, wie sehr Glauben das Denken verzerrt und vergiftet und die Rationalität unmerklich unbewusst unterminiert. Das ist ein schwerwiegendes Argument gegen den christlichen Glauben und die intellektuelle Redlichkeit der Anhänger dieses Glaubensbekenntnisses.

Im weiteren Verlauf analysiere ich die gängigen Gottesbeweise und die Folgerungen daraus, immer unter der Annahme, dass es möglich ist, Gott zu beweisen oder zu widerlegen. Das ist der Haken an den Gottesbeweisen: Wenn man etwas beweisen kann, dann kann man es auch widerlegen, zumindest prinzipiell. Deswegen reden viele Theisten auch nicht von Beweisen, sondern eher von Hinweisen oder Indizien, also einer Abschwächung, weil dies auch eine Widerlegung abschwächt. Doch woher kommt dann die Glaubensgewissheit? Die kann dann doch nur Trug und Schein sein.

Ein besonders nettes Argument möchte ich im Vorwege gleich aus dem Weg räumen. Es wird behauptet, dass diese Beweise alleine eben noch nichts im strengen Wortsinn beweisen. Dass sie aber in Kombination doch den Schluss zulassen, dass Gott existiert. Aber diese Beweise sind keine Wahrscheinlichkeitsbeweise oder eine Kette von Indizien, unter denen das eine oder andere Indiz schwach ist, aber die Kette insgesamt doch tragfähig ist. Diese Beweise sind allesamt falsch und beruhen auf Denkfehlern. Seit wann sagen ein Dutzend falscher Beweise etwas für eine Sache aus? Man stelle sich das schallende Gelächter vor Gericht vor, wenn man sagt, dass zwar jeder einzelne Beweis dafür, dass X der Mörder sei, gescheitert ist, aber das dies insgesamt doch die Annahme rechtfertigt, X sei der Mörder … In unserem Fall hier ist es unredlich, einen gescheiterten Beweis in ein schwaches Indiz für Gott umzudeuten, wo doch die Beweise, von den Denkfehlern befreit, teilweise gegen die Existenz Gottes sprechen oder bestenfalls neutral sind.

Auch die Umdefinition von gescheiterten (also falschen Beweisen) in Hinweise oder ähnliches ist nicht sinnvoll. Man gibt zwar zu, dass es kein strikter Beweis ist, aber dies könne man bei Gott auch nicht verlangen, es sei eben nur ein Hinweis, der nur auf Gott deuten, ihn aber nicht beweisen soll. Aber ein falscher Beweis ist auch kein schwacher Hinweis und deutet immer noch in die falsche Richtung.

 

Was lernen wir daraus?

Was kann man aus den Gottesbeweisen lernen? Zum einen, dass gerne in Diskussionen ungültige Argumente benutzt werden, die plausibel zu sein scheinen. Zum anderen aber kann man noch dieses lernen:

Wenn ich behaupte, dass Gott existiert, aber wiederholt mit den Beweisen scheitere, dann wird mit jedem Scheitern die Existenz Gottes unwahrscheinlicher. Denn gäbe es Gott und er wäre beweisbar, dann müsste mit jedem neuen Anlauf die Wahrscheinlichkeit steigen, dass man es diesmal richtig macht. Aber andersherum, nach sehr vielen gescheiterten Anläufen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Gott existiert und man dies nochmal beweisen kann. Und mit dieser seit über 2.000 Jahren sinkenden Wahrscheinlichkeit kann man nunmehr mit allem Recht behaupten, dass die Behauptung, dass Gott existiert, unwahrscheinlich ist und ferner und ferner jeder Erfahrung liegt. Und unwahrscheinliche Behauptungen benötigen starke Beweise. Außerdem bedeutet dies, dass die Beweislast völlig beim Theisten liegt, wenn er entgegen allem Scheitern der vergangenen Jahre die Existenz Gottes trotzdem behauptet.

Merkwürdig aber wahr: Diejenigen, die Gott am meisten liebten, haben Menschen am wenigsten geliebt

Robert Green Ingersoll

1. das merkt man den Schriften deutlich an. Zurück zu 1

2. A wird verursacht von B, B wird verursacht von C usw. usf., bis in alle Ewigkeit. Zurück zu 2

3. [Martin 1990] unterscheidet zwischen negativem Atheismus, wie ich ihn definiert habe, als Fehlen eines Glaubens an Gott und positivem Atheismus, der begründeten Annahme, dass es keinen Gott gibt. In seinem Buch argumentiert Michael Martin übrigens für einen positiven Atheismus. Ein negativer Atheismus ist bereits gerechtfertigt, wenn man alle Gottesbeweise widerlegt hat – was bedeutet, dass es keine rationalen Gründe gibt, an Gott zu glauben – und wenn man den Glauben selbst als nicht gerechtfertigt ansieht. Zurück zu 3


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