Papier ist geduldig. Auch das, worauf man Bibeln druckt.
Inhaltsverzeichnis:

      Vorbemerkung zu dem Heilsplan des Christentums
      Wege zur Errettung/Erlösung:
      Nur der Glauben rettet uns.
      Nur durch gute Werke werden wir errettet
      Nur der Glauben in Verbindung mit guten Werken errettet uns
      Nur die Gnade rettet uns
      Es ist der Willkür Gottes anheim gestellt, ob wir gerettet werden oder nicht
      Wer errettet wird, ist vorherbestimmt
      Alle Menschen werden errettet
      Kein Mensch wird errettet
         Zusätzliche Anmerkung:

 

Vorbemerkung zu dem Heilsplan des Christentums

Beim Theodizee-Problem haben wir bereits gesehen, wie durch das Konzept vom allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott Widersprüche in die Argumente gelangen, die nicht aufzulösen sind. Das von Apologeten eingeführte Argument, dass Menschen einen freien Willen haben, wird durch die Bibel aber kaum gestützt. Aus der Bibel _1_ kann man genauso gut eine Prädestinationslehre begründen, wie es Calvin getan hat: Gleichgültig, wie man handelt, ob man errettet wird oder nicht, es ist schon vor der Geburt eines Menschen festgelegt.

Wir haben hier eines der Gebiete, wo die Bibel voller schwerster Widersprüche steckt. Und dies ausgerechnet bei der zentralen Frage, wie man Erlösung erlangen kann! Ähnlich viele Widersprüche finden wir nur noch in der anderen zentralen Geschichte, die der Auferstehung (siehe auch →Leave No Stone Unturned. Folgende Möglichkeiten zur Erlangung des Heils bietet die Bibel an:

 

Wege zur Errettung/Erlösung:

Im Weiteren gebe ich Belege aus der Bibel an, die die jeweiligen Positionen stützen. Wer danach verwirrt ist, teilt die Verwirrung, die unter Christen herrscht. Die »Lösung« besteht für die Mehrheit der Christen darin, sich eines dieser Konzepte herauszupicken und die anderen zu ignorieren (bzw. einem anderen – einer Kirche – in der Auswahl zu folgen). Die Mehrheit der Christen kennt die Bibel nicht und kann daher auch nicht beurteilen, wie verworren das Ganze ist. Kirchen, die ein bestimmtes Konzept vertreten, zitieren dann meist selektiv genau das, was ihre Auffassung stützt. Die wenigen Gläubigen, die die Bibel komplett lesen, lesen gläubig, d. h. mit einem vorgefassten Interpretationsmuster im Kopf, das auf alle Textstellen angewendet wird – auch eine Form des selektiven Lesens bzw. des selektiven Uminterpretierens. Dies ist angeblich auch die einzige Methode, die Bibel »richtig« zu lesen, die Ungläubige selbstverständlich nicht beherrschen (weswegen sie dann zu so ungeheuerlichen Behauptungen kommen, die Bibel stecke voller Widersprüche). Für mich ist »gläubiges Lesen« ein Synonym für »selektiv, voreingenommen und unkritisch  _2_ lesen«. Deswegen weise ich die Behauptung auch zurück, nur als Gläubiger könne man die Bibel wirklich lesen – eher im Gegenteil.

Die Werke von Homer kann man schließlich auch lesen und verstehen, ohne ein unbedingter Fan von ihm zu sein. Und was für ein seltsames Verständnis von »Verstehen« steckt dahinter, wenn man erst an etwas glauben muss, um es verstehen zu können?

 

Nur der Glauben rettet uns.

Glauben beginnt dort, wo die Vernunft endet. Wir haben gesehen, dass die Vernunft ihre Grenzen hat, und so scheint dies zunächst ein einleuchtendes Konzept zu sein (welches ich an anderer Stelle kritisiere). Hier die Textstellen, die »beweisen«, dass nur der Glaube den Gläubigen vor der ewigen Verdammnis (wenn man daran auch glaubt) rettet bzw. zur Erlösung vom sündigen Leben im Diesseits wie im Jenseits führt:

Johannes 14:6  6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Johannes 3:18  18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Johannes 3:36  36 Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.
Johannes 5:24  24 Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.
Apostelgeschichte 16:30-31  30 Er führte sie hinaus und sagte: Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden? 31 Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.
Johannes 8:24  24 Ich habe euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.
Markus 16:16  16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
1 Korinther 3:11  11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

Bei den obigen Bibelstellen muss man noch hervorheben, dass sie nicht nur sagen, dass der Glauben rettet, sondern auch, dass nur der Glauben rettet. Das ist schon recht eindeutig. Andere Verse betonen die Rolle des Glaubens, wenn auch nicht in dieser Ausschließlichkeit:

Johannes 3:16  16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
Johannes 6:28-29  28 Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? 29 Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Johannes 6:47  47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
Apostelgeschichte 4:12  12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.
Apostelgeschichte 13:39  39 wird jeder, der glaubt, durch ihn gerecht gemacht.
Römers 5:1  39 wird jeder, der glaubt, durch ihn gerecht gemacht.
Galater 3:11  11 Dass durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht wird, ist offenkundig; denn: Der aus Glauben Gerechte wird leben.
2 Timotheus 3:15  15 denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst.
Hebräer 11:6  6 Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.
Epheser 2:8-9  8 Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt -, 9 nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann.

Aus dem letzten Vers werden die Werke übrigens explizit ausgeschlossen! Wir haben also genügend Bibelstellen beisammen, um zu »beweisen«, dass man nur durch den Glauben bzw. hauptsächlich durch den Glauben gerettet wird.

 

Nur durch gute Werke werden wir errettet

Auch die Errettung durch gute Taten wird propagiert. Es spielt also keine Rolle, was man glaubt oder wie intensiv man glaubt. Sehen Sie selbst:

Micha 6:8  8 Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist / und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, / Güte und Treue lieben, / in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.
5 Mose 10:12-13  12 Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir außer dem einen: dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf allen seinen Wegen gehst, ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dienst; 13 dass du ihn fürchtest, indem du auf die Gebote des Herrn und seine Gesetze achtest, auf die ich dich heute verpflichte. Dann wird es dir gut gehen.
Prediger 12:13  13 Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.
Matthäus 19:16-21  16 Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 17 Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist »der Gute«. Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! 18 Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; 19 ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! 20 Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? 21 Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.
Lukas 18:18-22  18 Einer von den führenden Männern fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 19 Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. 20 Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre deinen Vater und deine Mutter! 21 Er erwiderte: Alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. 22 Als Jesus das hörte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
Psalm 62:12-13  12 Eines hat Gott gesagt, / zweierlei habe ich gehört: Bei Gott ist die Macht; / 13 Herr, bei dir ist die Huld. Denn du wirst jedem vergelten, / wie es seine Taten verdienen.
Lukas 19:8-9  8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. 9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Psalm 15:1-3  1 [Ein Psalm Davids.] Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, / wer darf weilen auf deinem heiligen Berg? 2 Der makellos lebt und das Rechte tut; / der von Herzen die Wahrheit sagt / 3 und mit seiner Zunge nicht verleumdet; der seinem Freund nichts Böses antut / und seinen Nächsten nicht schmäht;
Johannes 5:28-29  28 Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 29 und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.
Jakobus 2:21  21 Wurde unser Vater Abraham nicht aufgrund seiner Werke als gerecht anerkannt? Denn er hat seinen Sohn Isaak als Opfer auf den Altar gelegt.
Jakobus 2:25  25 Wurde nicht ebenso auch die Dirne Rahab durch ihre Werke als gerecht anerkannt, weil sie die Boten bei sich aufnahm und dann auf einem anderen Weg entkommen ließ?
Matthäus 7:24  24 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.
1 Mose 4:7  7 Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, / doch du werde Herr über ihn!
Hesekiel 18:4-9  4 Alle Menschenleben sind mein Eigentum, das Leben des Vaters ebenso wie das Leben des Sohnes, sie gehören mir. Nur wer sündigt, soll sterben. 5 Ist jemand gerecht, so handelt er nach Recht und Gerechtigkeit. 6 Er hält auf den Bergen keine Opfermahlzeiten ab. Er blickt nicht zu den Götzen des Hauses Israel auf. Er schändet nicht die Frau seines Nächsten. Einer Frau tritt er nicht nahe während ihrer Blutung. 7 Er unterdrückt niemand. Er gibt dem Schuldner das Pfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er von seinem Brot und den Nackten bekleidet er. 8 Er leiht nicht gegen Zins und treibt keinen Wucher. Er hält seine Hand vom Unrecht fern. Zwischen Streitenden fällt er ein gerechtes Urteil. 9 Er lebt nach meinen Gesetzen, er achtet auf meine Rechtsvorschriften und befolgt sie treu. Er ist gerecht und deshalb wird er am Leben bleiben – Spruch Gottes, des Herrn.
Matthäus 16:27  27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.
Lukas 10:25-28  25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? 27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben.

Alle diese Passagen zeigen, dass es wichtig ist, was man tut und nicht wichtig, was man glaubt. Diese stehen also im Widerspruch zu den Stellen im vorigen Abschnitt. Die Verteidigung der Apologeten besteht nun darin, zu sagen: »Bevor Jesus gekreuzigt wurde, bestand die einzige Möglichkeit in den Werken, nach seinem Opfergang aber im Glauben«. Wenn Sie das plausibel finden, dann habe ich hier Textstellen für Sie, die erst nach der Kreuzigung entstanden sind:

2 Korinther 5:10  10 Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
1 Korinther 7:19  19 Es kommt nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, die Gebote Gottes zu halten.
1 Korinther 9:24  24 Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt.
Apostelgeschichte 10:35  35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Offenbarung 22:14  14 Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.
Offenbarung 22:12  12 Siehe, ich komme bald und mit mir bringe ich den Lohn und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht.
2 Petrus 1:10  10 Deshalb, meine Brüder, bemüht euch noch mehr darum, dass eure Berufung und Erwählung Bestand hat. Wenn ihr das tut, werdet ihr niemals scheitern.
Römer 2:5-6  5 Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt, sammelst du Zorn gegen dich für den »Tag des Zornes«, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht. 6 Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen:
Römer 2:13  13 Nicht die sind vor Gott gerecht, die das Gesetz hören, sondern er wird die für gerecht erklären, die das Gesetz tun.
Jakobus 1:27  27 Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.
Offenbarung 20:12-15  12 Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. Und Bücher wurden aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens wurde aufgeschlagen. Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war. 13 Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren; und der Tod und die Unterwelt gaben ihre Toten heraus, die in ihnen waren. Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. 14 Der Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod: der Feuersee. 15 Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.

Also auch nach dem Kreuz werden Menschen (nur) nach ihren Werken beurteilt. Weitere wichtige Verse:

Lukas 14:13-14  13 Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. 14 Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Lukas 14:23-24  23 Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.
Lukas 18:29-30  29 Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, 30 wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben.
Matthäus 7:21  21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
Matthäus 10:42  42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Johannes 6:27  27 Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
2 Korinther 6:17  17 Zieht darum weg aus ihrer Mitte / und sondert euch ab, spricht der Herr, / und fasst nichts Unreines an. / Dann will ich euch aufnehmen

Und noch ein paar Verse, die zeigen, dass Glauben nutzlos ist und alleine die Werke wichtig sind. Diese stammen alle aus Jakobus, von Luther geschmäht, weil die Textstellen dem Glauben der Protestanten genau entgegengesetzt sind:

Jakobus 1:25  25 Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.
Jakobus 2:24  24 Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.
Jakobus 2:17  17 So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.
Jakobus 2:20  20 Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?
Jakobus 2:26  26 Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke.
Jakobus 2:14  14 Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
 

Nur der Glauben in Verbindung mit guten Werken errettet uns

Aus diesem Dilemma haben einige Apologeten den nahe liegenden Ausweg gewählt und die Erlösung von beidem abhängig gemacht: Glauben und Werken. Aber in beiden vorigen Abschnitten haben wir Stellen gesehen, die die andere Methode jeweils ausschließt, vor allem im Jakobusbrief. Insofern steht diese Position im Widerspruch zu den Textstellen, die ausschließlich sind in beiden vorigen Abschnitten. Das macht den Widerspruch nicht kleiner. Vor allem erhebt sich jetzt die Frage nach der Gewichtung … und kann aus der Bibel nicht beantwortet werden.

Es gibt noch die Position, dass der Glauben so etwas wie die Voraussetzung ist, um gute Werke tun zu können. Wenn man sich das tatsächliche Verhalten der Gläubigen ansieht, dann scheint das nicht der Fall zu sein. Aber selbst wenn dem so wäre, es steht in der Bibel, dass nur der Glauben oder nur die Werke retten, und es steht auch beides  darin.

 

Nur die Gnade rettet uns

Gnade ist ebenfalls für die Erlangung der Erlösung wichtig. Und obwohl genügend Textstellen da sind, die entweder Glauben oder gute Werke verlangen, kann es doch nicht ohne Gnade gehen oder vielleicht doch durch Gnade ohne Glauben und ohne Werke? Oder Gnade mit Glauben, aber ohne Werke? Oder Gnade mit guten Werken, aber ohne Glauben? Jede dieser Positionen lässt sich belegen:

Johannes 6:44  44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
1 Korinther 12:18  18 Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.
Römer 9:16  16 Also kommt es nicht auf das Wollen und Streben des Menschen an, sondern auf das Erbarmen Gottes.
Johannes 3:27  27 Johannes antwortete: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.
Titus 3:5  5 hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist.
Jesaja 43:25  25 Ich, ich bin es, der um meinetwillen deine Vergehen auslöscht, / ich denke nicht mehr an deine Sünden.
Apostelgeschichte 15:11  11 Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.
Apostelgeschichte 22:14  14 Er sagte: Der Gott unserer Väter hat dich dazu erwählt, seinen Willen zu erkennen, den Gerechten zu sehen und die Stimme seines Mundes zu hören;
Jeremia 30:21  21Sein Machthaber wird ihm selbst entstammen, / sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen. Ich gewähre ihm Zutritt, sodass er mir nahen kann; / denn wer sonst dürfte sein Leben wagen, um mir zu nahen? / – Spruch des Herrn.
Römer 3:24  24 Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.
Römer 6:23  23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
Römer 11:5-6  5 Ebenso gibt es auch in der gegenwärtigen Zeit einen Rest, der aus Gnade erwählt ist – 6 aus Gnade, nicht mehr aufgrund von Werken; sonst wäre die Gnade nicht mehr Gnade.
Epheser 2:5  5 Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet.
Psalm 86:13  13Du hast mich den Tiefen des Totenreichs entrissen. / Denn groß ist über mir deine Huld.

Warum sich »gute Werke« und Gnade wechselseitig ausschließen, steht in der Bibel selbst, ich wiederhole das nochmal:

Römer 11:6  6 aus Gnade, nicht mehr aufgrund von Werken; sonst wäre die Gnade nicht mehr Gnade.

Gnade, die auf Werken beruht wie in Römer 11:5-6 wäre kein Geschenk – seit wann muss man sich ein Geschenk verdienen? Wenn man annimmt (wie einige Apologeten), dass einige Menschen aufgrund ihrer Werke, andere aufgrund ihres Glaubens, wieder andere durch eine Mischung, noch andere wieder aufgrund von Gnade errettet werden, dann wäre dieses trotzdem ein Kuddelmuddel. Wonach soll man sich denn richten? Aber wir sind noch nicht am Ende. Es wird immer besser.

Das Konzept der Gnade wäre ja ganz nett, aber wenn es mir sowieso aus der Hand genommen wurde, ob ich errettet werde oder nicht … was soll ich dann noch tun? Nichts? Einige Christen glauben ja (gestützt auf einige Bibelverse, wie wir gesehen haben), dass Erlösung eine Gnade ist, ein freies Geschenk des Christentums an die Welt, wie in Epheser 2:8-9 zum Ausdruck kommt (und zwar deutlich). Na gut, so ganz frei ist es denn doch nicht, das wäre gelogen, man muss doch Jesus als den persönlichen Erlöser akzeptieren (weitere Bedingungen werden dann danach bekannt gegeben). Auch dieser Glauben muss erarbeitet werden … dieses seltsame Verständnis, Gnade bekommt man, wenn man für den Glauben arbeitet, kommt auch in einigen Versen zum Ausdruck:

1 Thessalonicher 1:3  3 unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn.
Johannes 6:29  29 Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Galater 5:4-6  4 Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt, dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun; ihr seid aus der Gnade herausgefallen. 5 Wir aber erwarten die erhoffte Gerechtigkeit kraft des Geistes und aufgrund des Glaubens. 6 Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.

Also obwohl es eine Gnade ist, muss man etwas dafür tun? Das wird ja immer schöner … dabei sind wir noch nicht am Ende.

 

Es ist der Willkür Gottes anheim gestellt, ob wir gerettet werden oder nicht

Ein anderes Wort für »Gnade« wäre aber »Willkür«. Rettung durch Gnade widerspricht nämlich Römer 2:11 und Epheser 6:9 eklatant. Wenn Gott also Gnade gewährt ohne Ansehen der Person, dann wäre es Willkür. Willkommen in der Erlösungslotterie!

Wenn im Widerspruch zu den Behauptungen der Bibel, nach denen nur der Glauben oder nur die Werke oder eben die Gnade zählt oder eine beliebige Mischung daraus, dann wäre auch dies eine hübsche Willkür. Soll man jetzt mehr glauben als handeln und auf Gnade hoffen oder umgekehrt?

Wenn Ihnen das nächste Mal jemand erzählt, er hätte eine frohe Botschaft für sie und wüsste, wie Sie zu erretten seien, dann lassen Sie sich den Heilplan genau erklären, mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

 

Wer errettet wird, ist vorherbestimmt

Das Konzept der Prädestination  ist für die Theodizee entscheidend. Denn wenn vorherbestimmt ist, wer errettet wird und wer nicht, dann spricht dies für die Allwissenheit Gottes aber gegen den freien Willen des Menschen.

Aus folgenden Textstellen der Bibel wurde (und wird) die Prädestination herausgelesen bzw. herausinterpretiert:

Epheser 1:4-5  4 Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, / damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; 5 er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, /
Römer 8:29-30  29 denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. 30 Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Epheser 1:11  11 Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt / nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, / wie er es in seinem Willen beschließt;
Apostelgeschichte 13:48  48 Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn; und alle wurden gläubig, die für das ewige Leben bestimmt waren.
Epheser 2:10  10 Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.
Psalm 139:16  16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, / in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, / als noch keiner von ihnen da war.
1 Thessalonicher 5:9  9 Denn Gott hat uns nicht für das Gericht seines Zorns bestimmt, sondern dafür, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, das Heil erlangen.
Sprüche 16:9  9 Des Menschen Herz plant seinen Weg, / doch der Herr lenkt seinen Schritt.
Hiob 23:14 14J a, er vollendet, was er mir bestimmt hat; / und Ähnliches hat er noch viel im Sinn.
1 Korinther 7:17  17 Im Übrigen soll jeder so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gottes Ruf ihn getroffen hat. Das ist meine Weisung für alle Gemeinden.
Sprüche 20:24  24 Der Herr lenkt die Schritte eines jeden. / Wie könnte der Mensch seinen Weg verstehen?
Johannes 6:44  44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
Sprüche 19:21  21 Viele Pläne fasst das Herz des Menschen, / doch nur der Ratschluss des Herrn hat Bestand.
Sprüche 16:33  33 Im Bausch des Gewandes schüttelt man das Los, / doch jede Entscheidung kommt allein vom Herrn.
Hiob 14:5  5 Wenn seine Tage fest bestimmt sind / und die Zahl seiner Monde bei dir, / wenn du gesetzt hast seine Grenzen, / sodass er sie nicht überschreitet,
Apostelgeschichte 17:26  26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
Apostelgeschichte 2:47  47 Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.
Psalm 37:23  23 Der Herr festigt die Schritte des Mannes, / er hat Gefallen an seinem Weg.
Daniel 11:36  36 Der König tut, was er will. Er wird übermütig und prahlt gegenüber allen Göttern, auch gegenüber dem höchsten Gott führt er unglaubliche Reden. Dabei hat er Erfolg, bis der Zorn (Gottes) zu Ende ist. Denn was beschlossen ist, muss ausgeführt werden.
Matthäus 20:23  23 Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat.
Apostelgeschichte 4:28  28 um alles auszuführen, was deine Hand und dein Wille im voraus bestimmt haben.
Offenbarung 17:8  8 Das Tier, das du gesehen hast, war einmal und ist jetzt nicht; es wird aber aus dem Abgrund heraufsteigen und dann ins Verderben gehen. Staunen werden die Bewohner der Erde, deren Namen seit der Erschaffung der Welt nicht im Buch des Lebens verzeichnet sind. Sie werden bei dem Anblick des Tieres staunen; denn es war einmal und ist jetzt nicht, wird aber wieder da sein.
2 Timotheus 1:9  9 Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde;
Matthäus 25:34  34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
1 Petrus 2:9  9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Jeremia 1:4-5  4 Das Wort des Herrn erging an mich: 5 Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.
Judas 1:4  4 Denn es haben sich einige Leute eingeschlichen, die schon seit langem für das Gericht vorgemerkt sind: gottlose Menschen, die die Gnade unseres Gottes dazu missbrauchen, ein zügelloses Leben zu führen, und die Jesus Christus, unseren einzigen Herrscher und Herrn, verleugnen.
1 Petrus 1:20  20 Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen.
Offenbarung 13:8  8 Alle Bewohner der Erde fallen nieder vor ihm: alle, deren Name nicht seit der Erschaffung der Welt eingetragen ist ins Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet wurde.
Offenbarung 20:15  15 Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.

Abgesehen davon, dass eine Prädestinationslehre sich verheerend auf die Moral der Menschen auswirkt, so verdeutlicht sie das Problem der Theodizee nochmal: Adam und Eva sündigen, woraufhin sie und alle ihre Nachfahren aus der Nähe Gottes verstoßen werden. Dann gibt Gott den Menschen einen äußerst widersprüchlichen Heilsplan, dessen einer Teil im Widerspruch zu anderen Teilen der Bibel besagt, dass genau vorher festgelegt wurde, wer den nun errettet wird und wer nicht.

Aus allen diesen Textstellen lässt sich ablesen, dass – nach der Bibel – der Mensch eben keinen freien Willen besitzt. Folglich ist der Mensch nicht für das Böse verantwortlich, sondern alles Böse kommt von Gott. Eine Folge der Vorstellung, Gott sei allmächtig!

 

Alle Menschen werden errettet

Das ist ein Thema, welches Apologeten möglichst meiden bzw. vermeiden. Dabei wäre das ja eigentlich die »wahre« frohe Botschaft: Alle Menschen werden errettet. Das sagt die Bibel:

Johannes 12:32  32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
1 Timotheus 4:10  10 Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen.

Der Retter aller Menschen, besonders  der Gläubigen – nicht nur der Gläubigen.

1 Korinther 15:22  22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Markus 3:28  28 Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
Römer 5:18  18 Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt.
Römer 11:32  32 Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen.
1 Johannes 2:2  2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.
Johannes 1:29  29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

Weitere, wenn auch nicht so ganz überzeugende Verse:

Johannes 1:9  9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, / kam in die Welt.
1 Timotheus 2:4  4 er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Titus 2:11  11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.
Hebräer 2:9  9 aber den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt.
2 Korinther 5:19  19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute.
Epheser 1:8-9  8 Durch sie hat er uns mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt 9 und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, / wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat:
Apostelgeschichte 3:21  21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
Kolosser 1:19-20  19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, / 20 um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, / der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
2 Petrus 3:9  9 Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren.
Philipper 2:10  10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde / ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu

Auch der Universalismus hat seine Anhänger im Christentum! Übrigens gibt es noch mehr Wege, um errettet zu werden, die ich Ihnen hier nicht unterschlagen möchte – zur allgemeinen Verwirrung tragen sie allemal bei:

Apostelgeschichte 2:21  21 Und es wird geschehen: / Jeder, der den Namen des Herrn anruft, / wird gerettet.
Römer 10:13  13 Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
Römer 8:24  13 Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
Apostelgeschichte 10:35  35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Johannes 6:50-54  50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. 52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

Immerhin führt uns diese Stelle zu dem rituellen Kannibalismus, der als Bestandteil christlicher Messen zelebriert wird …

 

Kein Mensch wird errettet

Dies ist sicher kein Weg zur Errettung, passt also nur insoweit zum Thema »Errettung« als hier demonstriert, wie viele widerstreitende Konzepte und Ideen es in der Bibel gibt.

Prediger 9:5  5 Und: Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden; die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr. Sie erhalten auch keine Belohnung mehr; denn die Erinnerung an sie ist in Vergessenheit versunken.
Prediger 3:19-21  9 Denn jeder Mensch unterliegt dem Geschick und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Beide sind Windhauch. 20 Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück. 21 Wer weiß, ob der Atem der einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt?
Das ist doch deutlich, oder? Wenn man nun sagt: »Ja, aber der neue Bund …« dann erhebt sich die Frage, wieso Jesus so spät kam, und was mit den Menschen vor dem neuen Bund war. Sind die alle verloren? _3_
Psalm 88:11  11 Wirst du an den Toten Wunder tun, / werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? [Sela]

Damit werden alle vorherigen Textstellen null und nichtig.

Man mag vielleicht meinen, dass bei einigen Versen die Interpretation weit hergeholt ist. Aber sie ist nicht annähernd so weit hergeholt wie viele der Interpretationen, mit der einige Gläubige versucht haben, das alles zu harmonisieren! Jeder natürlich auf eine andere Weise, etwa, in dem man »den Kontext« bei allen Passagen bemüht, die dem eigenen Konzept widersprechen. Aber der Kontext macht es in den meisten Fällen keineswegs besser.


Die Taktik der Apologeten im Umgang mit den Widersprüchen ist folgende: Zuerst entscheidet man sich für eine bestimmte Interpretation. Dann betrachtet man alle anderen Stellen einzeln, um durch die Brille dieser (vorher festgelegten) Interpretation diese so umzuinterpretieren, dass es wieder passt. Wenn man eine Reihe von Apologeten damit beauftragt, ist der Streit quasi vorprogrammiert, da sich (fast) jeder für eine andere Sichtweise entscheidet _4_.

Es gibt eine Regel für die Exegese (Auslegung), die besagt, dass wenn eine Textstelle in verschiedene Richtungen interpretiert werden kann, man diejenige nimmt, die nicht zu anderen Versen im Widerspruch steht. Dem liegt die Auffassung zugrunde, dass es keine Widersprüche gibt. Wenn man menschliche Werke (z. B. diese Website) nimmt, dann ist das keine sinnvolle Ansicht, denn ich bin mir sogar sicher, dass ich mir an verschiedenen Stellen widersprochen habe – denn meine Auffassungen haben sich beim Schreiben dieser Texte entwickelt. Wenn also jemand in meinen Texten einen Widerspruch entdeckt, dann werde ich nicht zögern, die Texte zu ändern. Die Bibel aber kann man nicht (beliebig) ändern, weil sie als das unverrückbare Wort Gottes angesehen wird. Also muss man Um- oder Neuinterpretieren (oder Neuübersetzen, ein beliebter Trick bei Widersprüchen ist, auf das griechische oder hebräische Original zurückzugreifen und mit den Bedeutungen zu spielen, bis es wieder passt – wenn Sie zufällig weder griechisch noch hebräisch können, dann haben Sie schlechte Karten in diesem Spiel).

Die im vorigen Absatz zitierte Regel basiert auf zirkulärer ↑Logik: Man nimmt an, die Bibel ist widerspruchsfrei, also interpretiert man sie so, dass die Widerspruchsfreiheit sich aus der Interpretation ergibt. Um dann damit die Widerspruchsfreiheit, die man angenommen hat, zu »beweisen« …

Man könnte also sagen, dass die Widerspruchsfreiheit durch den Akt der Interpretation erst hergestellt wird. In der nicht-theologischen Textkritik gilt dies als Fehler, hier ist es Methode. In der historisch-kritischen Methode geht man nicht von Vorannahmen aus, sondern versucht den Text kritisch zu lesen, also auch »gegen den Strich«. Nur so kann man eventuell vorhandene Widersprüche tatsächlich aufspüren. Wir können also wieder feststellen, dass gläubiges Lesen und Interpretieren auf dem Ausblenden von Kritik beruht und daher auf Stufe 2 der Erkenntnis stehen geblieben ist.

Es gibt auch Gläubige, die die Bibel kritisch lesen, aber sie lesen sie selektiv-kritisch, d. h. sie kritisieren die Textstellen, die nicht ihrer Meinung entsprechen. Das entspricht auch zirkulärer ↑Logik, denn woher soll die Meinung dann stammen? Aus der Bibel jedenfalls nicht, sondern wieder aus einem Vorverständnis.

Es ist zwar unmöglich, einen Text ohne Vorverständnis zu lesen, aber ohne ein gewisses Maß an Selbstkritik und in dem Bewusstsein der eigenen Voreingenommenheit geht dies mit Sicherheit schief. Aber Selbstkritik wird erst auf Stufe 3 der Erkenntnis ernst genommen … und dort finden wir keine Religion mehr vor. Höher- oder weiterentwickelte Erkenntnisformen sind meist religionsfrei.


 

Zusätzliche Anmerkung:

Aus der Vielzahl der möglichen Interpretationen pickt sich jede christliche Gruppe nun eine heraus, die entweder durch wörtliches Verständnis oder durch Exegese entstanden ist, und dann wird mir vorgeworfen, ich würde die Bibel zu wörtlich nehmen oder zu weit hergeholt interpretieren. Das mag ja sein, aber für jede Interpretation kann man eine Gruppe von Christen finden, die dies genau so glaubt! Diese Verwirrung findet eben nicht in meinem Kopf statt, sondern ist eine objektiv existierende Verwirrung innerhalb des Christentums. Und selbstverständlich wirft sich jede Gruppe gegenseitig (und alle mir) ein falsches Verständnis vor und genau dies ist das Problem. Es ist auch völlig unmöglich, zu irgendeiner Auffassung zu kommen, für die man keine christliche Kritiker finden kann. Wer also nur einfach sagt, meine Interpretation sei falsch, der hat das Kernproblem nicht verstanden. Jede mögliche Interpretation ist falsch, dies ist eine starke Evidenz gegen den Offenbarungscharakter der Bibel selbst. Wenn Gott irgendeine Konsequenz für uns fordern würde – würde er dies so tun, dass wir ihn missverstehen müssen und uns auf keine Interpretation einigen können? Abgesehen davon gibt es ohnehin weitere Probleme mit allen Formen göttlicher Offenbarung aus zweiter Hand.

Subjektiv steht dieser Erkenntnis entgegen, dass jeder einzelne Christ glaubt, die einzig mögliche Interpretationsweise gefunden zu haben (und alle anderen irren). Damit kann die Verwirrung subjektiv leicht übersehen werden, die objektiv aber herrscht.

Im nächsten Teil beschäftige ich mich mit den Auswirkungen, die so ein Heilsplan hat, mit den Konsequenzen – und da geht es weiter mit den Widersprüchen.

Lasst uns die Bibel lesen ohne die schlecht passenden gefärbten Brillengläser der Theologen, so wie wir andere Bücher lesen, uns unser eigenes Urteil bildend, basierend auf der Vernunft, auf unsere innere Stimme hörend, nicht auf das Gebrabbel achtend. Die meisten von uns besitzen analytische Denkfähigkeiten. Können wir sie benutzen oder müssen wir von anderen gefüttert werden wie Babies?

Luther Burbank

1. Alle Zitate stammen aus der →Einheitsübersetzung. Da es in der Vergangenheit alle paar Monate Ärger mit der Verlinkung von Bibelzitaten gab, habe ich alle Zitate in den Text kopiert, statt Links zu verwenden, die alle naslang aufhören, zu funktionieren. Das verlängert den Text. Zurück zu 1

2. Man kann die Bibel auch kritisch lesen, viele Theologen tun dies. Unkritisch bedeutet in diesem Fall nur, so zu tun, als ob diese kritische Lesart die einzige mögliche Herangehensweise sei. Und unkritisch bedeutet, die Widersprüche zu glätten und wegzuinterpretieren. Zurück zu 2

3. Bedenken Sie Folgendes: »Vor mehr als 4.000 Jahren gab es keine Juden. Vor mehr als 2.000 Jahren gab es keine Christen. Vor mehr als 1.400 Jahren gab es keine Moslems. Was waren die Menschen dann? Waren sie nicht schon, was sie immer waren? « (Adolph Levy) Zurück zu 3

4. Daran ändert auch das hermeneutische Verfahren  nichts, weil jeder Leser – je nach Vorwissen, Vorverständnis etc. – trotzdem wieder zu einem anderen Ergebnis kommt. Zurück zu 4


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