Wenn der Weg zum Heil über das Unheil der Religionen führt, kann das Heil auch nichts taugen.
Inhaltsverzeichnis:

      Erlösung ohne Plan
      Göttliche Gerechtigkeit
      Zwischenfazit
      Man weiß nicht, an was man glaubt – aber das von ganzem Herzen!
      Kognitive Dissonanz
      Die allgemeine Verwirrung
      Jetzt also doch: Gnade!
      Wenn sich die Begriffe verwirren …

 

Erlösung ohne Plan

Dies ist der zweite Teil der »großen Heilsplanverwirrung«. Im ersten Teil hatte ich gezeigt, dass aus der Bibel keine Anleitung zu entnehmen ist, wie man zur Erlösung finden kann. Diese Verwirrung ausgerechnet im zentralen Kern mag merkwürdig erscheinen, aber wir sind damit noch nicht am Ende.

Abgesehen von den verschiedenen (konfusen) Heilsplänen in der Bibel ist die gängige Definition so: Wenn man glaubt (sich zu Jesus bekennt), und wenn man gute Werke tut, dann wird man erlöst, sonst kommt man in die Hölle (ewige Qual oder ewige Gottesferne, im Gegensatz zur Glückseligkeit des Himmels). Eines alleine davon reicht nicht.

Es gibt mit Gottes Heilsplan einige interessante Probleme, ebenso wie mit den »Schlupflöchern« im Heilsplan (man kann auch zum Heil gelangen, wenn man sich nicht zu Jesus bekennt oder zur beispielsweise katholischen Kirche  _1_):

 

Göttliche Gerechtigkeit

A ist ein Mörder. Aber nach einiger Zeit hört er auf, zu morden, und bekennt sich kurz vor seinem Tode zu Jesus, lässt sich taufen und tritt dem christlichen Glauben bei. A wird ewig in Freuden leben.

B ist Atheist. Er ist Philanthrop (= Menschenfreund), ist stets freundlich und hilfsbereit. B ist gegen Gewalt und hat im 2. Weltkrieg vielen Juden das Leben gerettet, oft unter Einsatz seines eigenen Lebens. B wird ewig in der Hölle gequält werden.

C hat nie etwas von Jesus erfahren oder gehört. C ist ein übler Menschenfeind. C wird ewig in der Hölle schmoren.

D hat nie etwas von Jesus erfahren oder gehört. Er ist ein guter Mensch. Wird er errettet? Ja – meinen vielen Theologen (dies ist das erwähnte 'Schlupfloch').

E ist ein guter Mensch, der alle Menschen liebt, geradezu vorbildlich. E hat nie bislang nichts von Jesus erfahren oder gehört. E würde wie D errettet werden, aber dann kommt ein Missionar vorbei und erzählt ihm von Jesus. Da er die Geschichte von Jesus für unglaubwürdig hält und sie seinem Verstand  _2_ widerstrebt, lehnt er eine Taufe ab. Im Gegensatz zu D wird er ewig in der Hölle schmoren. Hätte E den Missionar umgebracht, bevor der den Namen Jesus erwähnt hätte, wäre E vermutlich erlöst worden.

Ein Ehepaar hat zwei Kinder. Beide Kinder (F und G) sind gut erzogen und liebevolle Menschen und werden religiös erzogen. F behält seinen Glauben, während G durch ein Bösewicht wie mich zum Denken verführt wird und den Glauben ablehnt. F wird erlöst, G landet in der Hölle, selbst wenn G das bessere Leben geführt hat. Im Himmel wird das Paar nur F wiederfinden, während sie wissen, dass G in der Hölle schmort. Halleluja! Kann unser Paar unter diesen Umständen glücklich sein? Denn wenn sie G niemals von Jesus erzählt hätten, wäre G jetzt bei ihnen.

H und I sind verheiratet und lieben sich sehr. Beide führen ein vorbildliches Leben, beide sind gläubig. I verliert eines Tages seinen Glauben, beide sterben. H landet im Himmel, I in der Hölle. Kann H jemals glücklich sein, wo H weiß, dass I ewige Qualen ausstehen muss? Oder manipuliert Gott H so, dass H trotzdem glücklich sein kann?

J ist ein Muslim, der gute Taten tut, aber durch Nachforschen und Nachdenken zum Schluss kommt, dass Jesus nur ein Prophet war (wie es im Islam üblich ist). Er bekennt sich zu Allah. Wird er errettet oder nicht?

Man kann das auch so sagen: Wenn die Menschen niemals von Jesus erfahren hätten, dann würden alle guten Menschen erlöst werden. Mit Jesus verschiebt sich alles, gute Menschen kommen in die Hölle, schlechte Menschen in den Himmel, die Ungerechtigkeit nimmt zu, nicht ab, weil zusätzliche Kriterien eingeführt werden, im Katholizismus beispielsweise »Glauben« und »Gnade« und »Werke«.

Nennen Sie das gerecht? Nennen Sie das einen guten Heilsplan? Ist das Ihre Vorstellung von Glückseligkeit?

Das Ganze wird nicht besser, wenn man die Hölle »abschafft« und die einen erlöst und die anderen nicht. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Dieser Heilsplan, der für gute Menschen die Wahrscheinlichkeit auf Erlösung senkt und sie für schlechte Menschen erhöht ist des Teufels. Zumindest ist er von so kruder Ungerechtigkeit und Unlogik, dass man ihn als denkender Mensch ablehnen muss. Ist also denkenden Menschen, gleichgültig, wie gut sie sind, ebenfalls der Weg ins Paradies versperrt?

Wenn aber gute Menschen sowieso erlöst werden – und nur so kann man die Ungerechtigkeit auflösen! – dann ist die ganze Religion schlicht überflüssig. Ansonsten ist sie zutiefst ungerecht. Wir haben also die Wahl: Die Religion ist entweder überflüssig oder ungerecht. Und die Kenntnis über Jesus hätte niemals  verbreitet werden dürfen, weil sie die Ungerechtigkeit erhöht.

 

Zwischenfazit

Halten wir also fest:

  1. Ein allgemein-christlicher Heilsplan ist in sich widersprüchlich.
  2. Ein widersprüchlicher Heilsplan ist nicht nachvollziehbar.
  3. Ein widersprüchlicher Heilsplan kann nicht gerecht sein, weil Nachvollziehbarkeit (Transparenz) ein wesentliches Kriterium für Gerechtigkeit ist.
  4. Die meisten Christen weigern sich hartnäckig, diese Widersprüche aufzulösen (Erfahrung aus Diskussionen).

Schlussfolgerung aus 1. sowie Erkenntnis eigener Überlegung: Die Widersprüche sind unauflösbar, d. h. jede mögliche konkrete Lösung hätte denselben Mangel wie mein Vorschlag. Solange keiner einen nachvollziehbaren Heilsplan vorlegt, ist dieser Schluss gerechtfertigt (bis zum Beweis des Gegenteils).

 

Man weiß nicht, an was man glaubt – aber das von ganzem Herzen!

Die erstaunlich hartnäckige Weigerung, etwas zur Aufklärung beizutragen, gipfelt in der allgemein vertretenen Auffassung, dass man »irgendwie« hoffen müsse, dass sich die Widersprüche »irgendwie«  _3_ von Gott auflösen lassen. Der Hinweis, dass es damit keine genaue Kenntnis eines Heilsplans gäbe, d. h. keine genaue Handlungsanleitung, sondern weit gehende Unsicherheit, wurde von erstaunlich heftigen psychologisch motivierten Ausbrüchen (bis hin zur Beleidigung) "(schein-)kompensiert", weitere Flucht- und Ausweichmanöver folgten. Das Eingeständnis einer real existierenden Unsicherheit löste heftigste Abwehrreaktionen aus, ein Eingeständnis wurde – je nach intellektuellem Niveau – verweigert bzw. verklausuliert. Dabei müssen wir uns hier und jetzt entsprechend verhalten, eine »Vertröstung« auf eine spätere Auflösung nützt uns momentan überhaupt nichts.

Das ist so, als ob ein Gericht ein völlig ungerechtes Urteil verkündet, um dann zu sagen, dass man später vielleicht irgendwie  das Urteil doch noch gerecht machen würde.

 

Kognitive Dissonanz

Dass man diese Abwehrreaktion nur psychologisch deuten kann, sollte jedem bewusst sein. Die Abwehrreaktion entstammt einer kognitiven Dissonanz. Die Dissonanz beruht auf folgenden zueinander widersprüchlichen Annahmen:

  1. Gottes Heilsplan ist gerecht, widerspruchsfrei und (deswegen) eine nachvollziehbare Handlungsanleitung für mein Leben, seine Kenntnis ist gewiss.
  2. Es ist nicht möglich, diesen Heilsplan ohne schwere logische Brüche und Widersprüche aufzuzeigen, daher versucht man es besser auch nicht, sondern belässt alles in einer schwammig-nebulösen Unsicherheit und Ungewissheit.

1. und 2. stehen im Widerspruch zueinander, beides zusammen kann nicht wahr sein. Der Glauben beruht auf der Annahme von 1., während 2. eine unbewusste Erkenntnis ist, die die rationale Auseinandersetzung darüber steuert und kontrolliert, so dass sie eine Überprüfung der Annahme 1. strikt verweigert wird, in dem Bewusstsein, dass man damit 1. widerlegen könnte. Annahme 1. wird gegen Kritik immunisiert, ist damit wesentlich irrational-ideologischer Natur.

Ein wesentlicher Aspekt des Glaubens wird daher, getrieben von unterbewusstem Wunschdenken, nicht gesehen: Auf der einen Seite wird eine »Glaubensgewissheit« suggeriert, auf der anderen Seite gibt es gleichzeitig einen Zustand starker Ungewissheit, den es nicht geben dürfte. Glauben ist, entgegen aller Behauptungen, im Wesentlichen höchst unsicher, die organisierte Abwehr dieser Unsicherheit gehört zu einem Kernaspekt des Glaubens und trägt dazu bei, dass der Glauben selbst die Rationalität unterhöhlt und negiert. Glauben ist allenfalls ratiomorph, d. h. vernunftähnlich, aber tatsächlich nicht vernünftig. Die starke Abwehrhaltung gegen ↑Logik ist ein starkes Indiz dafür.

 

Die allgemeine Verwirrung

Je genauer man sich zentrale Fragen des Glaubens ansieht, umso unschärfer und verworrener wird das Bild, daher die strikte Weigerung, genau hinzusehen. Dass sich die Unschärfe »irgendwie« auflösen ließe, entspringt derselben Hoffnung, mit der ein Kleinkind seine Augen schließt und hofft: »Ich sehe niemanden, und deswegen sieht mich auch niemand«. Oder, aus »glaubenstechnischer« Sicht: »Wenn ich die Augen vor den Widersprüchen verschließe, dann sind da auch keine«.

Denken in Widersprüchen (auch, wenn man und gerade wenn man diese leugnet) produziert reinen Unsinn  _4_.

Warum ein Gott auf der einen Seite ein höchst rationales und durch logisches Denken erschließbares Universum konstruieren sollte, auf der anderen Seite aber von den Menschen eine Aufgabe dieser Vernunft in Glaubensdingen fordern sollte, ist schlicht nicht nachvollziehbar. Wenn Glauben die Struktur der Schöpfung verfehlt, dann wird derselbe Glauben auch die Natur des Schöpfers dieser rational-logischen Schöpfung verfehlen. Hier hilft auch das Universalargument »Gottes Wege sind unerforschlich« nicht, denn Gott müsste  _5_ um diese Probleme wissen und sie so auflösen, dass wir die Lösung nachvollziehen können.

Und noch eine Anmerkung: Das Leben ist so gut wie nie Schwarz oder Weiß, Alles oder Nichts. Es gibt keine vollkommen guten Menschen und keine vollkommen bösen Menschen, sondern jede Art der Grauschattierung dazwischen. Hinzu kommt, dass die Menschen sehr unterschiedliche Startvoraussetzungen haben. Aber ein Straf- und Belohnungssystem, welches nur ganze zwei  Ausprägungen kennt – ewige Glückseligkeit oder ewige Qualen – kann niemals gerecht sein, d. h. den Taten oder selbst dem Glauben angemessen. Und bedenken Sie: Beurteilen können wir es nur nach dem was wir jetzt wissen, nicht nach einem Wissen, welches wir in Zukunft einmal haben werden.


 

Jetzt also doch: Gnade!

In letzter Zeit haben sich die beiden großen Konfessionen, die evangelische und die katholische Kirche, zunehmend darauf geeinigt, wie denn nun der Heilsplan von Gott auszusehen hat (hoffentlich weiß Gott Bescheid, wie dieser Kompromiss aussieht, und hält sich auch daran …). Da im evangelischen Glauben der Schwerpunkt auf »Glauben« lag, im katholischen hingegen auf einer nicht genauer spezifizierten Melange von Glauben und Werken, hat man sich auf ein Drittes geeinigt und die Gnade  in den Vordergrund geschoben. Das entspricht durchaus dem Zeitgeist, denn jetzt muss man weniger tun und weniger glauben als zuvor und darf stattdessen auf Gottes allumfassende Gnade hoffen. Es wird sogar nicht ausgeschlossen, dass einst alle Menschen ins Paradies kommen und das ewige Leben haben werden – das werden natürlich die bedauern, die im Leben angestrengt geglaubt und entsprechend gehandelt haben, und nun sehen, dass der freundliche Atheist von nebenan auch ins Paradies spaziert. Und dies ärgert schon jetzt die Himmel-und-Hölle-Scharfmacher unter den Christen. Wird damit doch die Höllendrohung, mit denen man gläubige Menschen so leicht gefügig machen kann, völlig entwertet. Wer sich in den letzten 2.000 Jahren für das Christentum abgearbeitet hat, wird sich nachträglich auch als ungerecht behandelt fühlen dürfen – er hätte sicher ein anderes Leben geführt, wenn man ihm dergleichen erzählt hätte.

Man merkt, dass eine weitere Religion dabei ist, dem Christentum das Wasser abzugraben: die Esoterik. Die Esoterik stellt das Wohlfühlen der Menschen stark in den Mittelpunkt, stärker als jede andere Religion, und gewinnt damit massenweise Anhänger hinzu. Vor allem sind die esoterischen Religionen sehr individuelle  Religionen und kommen damit dem individualisierten Menschen der Massengesellschaft  _6_ weit entgegen. Es gibt keinen zentralen Kanon, an den man glauben müsste, sondern Bausteine, aus denen man sich seine eigene Religion zusammenbasteln kann. Es führt aber zu weit vom Thema ab, dies genauer zu begründen.

Gnade  aber als zentrale Heilsvorstellung erhöht nicht die Heilsgerechtigkeit, sondern vermindert sie. Entweder, diese Gnade kommt allen Menschen im gleichen Maße zuteil, dann ist der Begriff sinnlos, dann wäre es besser, von allgemeiner Strafminderung oder von einem Straferlass zu reden. Oder sie kommt nicht allen Menschen gleichermaßen zuteil, dann ist es entweder reine Willkür (Heilslotterie) – was die Gerechtigkeit senkt, weil die ohnehin schon kaum vorhandene Transparenz weiter vermindert wird – oder es beruht auf zusätzlichen, weiteren Kriterien, die erfüllt werden müssen (und die eventuell nicht bekannt sind), dann schwindet die Transparenz ebenfalls und die Gerechtigkeit wird zu einem Glücksspiel. Bei weiteren Kriterien kann man aber ebenfalls nicht von Gnade reden, Gnade zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man sie unverdient  bekommt, also willkürlich. Wenn man hingegen den Begriff der Gnade im engeren Sinne versteht (als »das Wohlwollen gegenüber einem sozial oder beruflich Schwächeren«), dann ist es selbstverständlich, dass Gott uns gnädig sein muss, denn wir sind ihm gegenüber in der Position des Schwächeren.

 

Wenn sich die Begriffe verwirren …

In jedem Fall werden die Begriffe Heil, Erlösung, Gnade, Gerechtigkeit etc. damit zu völlig willkürlich-schwammigen Begriffen, die man dehnen kann wie Kaugummi, damit sie auf jede Situation passen. Es scheint mir, dass der Kern theologischen Denkens darin besteht, alltägliche Begriffe umzudefinieren und sie ihres Sinngehalts zu berauben. Die christliche Ethik ist entweder sehr unscharf und schwammig, dann ist sie ungerecht  _7_ und ähnelt eher einem Glücksspiel, oder sie wird scharf gefasst, dann ist sie erst recht ungerecht und zu wenig transparent, weil sie widersprüchlich ist. Die Elimination der Widersprüche gelingt nur durch Rückbesinnung auf eine mittelalterliche Strafethik, die weit unter heute gängigen ethischen Standards liegt. Und der Wandel von einer scharfen Strafethik zu einer schwammigen Gnadenethik spricht nicht dafür, dass es sich um eine zeitlos-absolute Ethik handelt. Auch hier löst sich der angebliche Vorsprung der christlichen Ethik in Nichts auf, unter Beibehaltung der üblichen Nachteile. Gegenüber modernen, atheistischen Ethiken sieht das Christentum eben »alt« aus.

Reinen Unsinn zu denken ist ein Privileg des Menschen

Konrad Lorenz

1. Das ganze Problem wird zusätzlich noch dadurch verschärft, dass jede der christlichen Kirchen, Sekten und Gruppen die Kriterien etwas anders versteht, und was bei dem einen zum Heil führt, führt bei dem anderen zu ewiger Verdammnis – und alle berufen sich auf denselben Gott, dieselbe Bibel und dieselbe ↑Logik! Wenn aber dieselben Argumente zu völlig unterschiedlichen Auffassungen führen, dann kann mit den Prämissen und/oder den Schlussfolgerungen etwas nicht in Ordnung sein (oder der ↑Logik). Warum sollte Gott die Menschen so verwirren? Noch extremer wird es, wenn wir dann noch die anderen Religionen berücksichtigen wie den Islam, nach deren Vorstellung Christen in der Hölle landen. Transparenz und (logische) Nachvollziehbarkeit sind wichtige Grundlagen der Gerechtigkeit, und ohne diese kann man von keiner Gerechtigkeit reden. Zurück zu 1

2. Es könnte auch seinem Gefühl widerstreben, nicht nur seinem Verstand oder beidem. Zurück zu 2

3. Stellen Sie sich vor, ein Staat hält einen Teil seiner Gesetze und die Methoden seiner Rechtsprechung geheim, und sie erfahren erst davon, wenn Sie vor Gericht stehen. Wäre eine solche Rechtsprechung nicht zutiefst  ungerecht? Warum sollte Gott das tun? Was für einen Sinn macht ein Heilsplan überhaupt, wenn er nicht generell bekannt ist? Das alles klingt nach einer rein menschlichen, aus Verzweiflung und Unwissenheit geborenen Ausrede. Menschliche Rechtsprechung mag zu Ungerechtigkeit führen und widersprüchlich sein, aber von einem Gott darf man schon ein wenig mehr verlangen … vor allem, wenn er allmächtig und allwissend ist, also unsere Probleme kennt Zurück zu 3

4. Es verleiht einem andererseits auch die Flexibilität, beliebige  Schlüsse ziehen zu können, also genau die, die beispielsweise dem gerade gehegten Wunschdenken entsprechen. Zurück zu 4

5. Warum? Weil Nachvollziehbarkeit bevor man handelt, also Transparenz, ein wichtiger Aspekt von Gerechtigkeit ist. Fehlt diese Transparenz – und wenn man sich alleine die verschiedenen Gruppen im Christentum ansieht, so handelt es sich um eine kaum bestreitbare Tatsache – dann ist das resultierende System ungerecht, so oder so. Und wie ich in Euthyphrons Dilemma beschrieben habe, müssen wirzwangsweise Moral und Gerechtigkeit unabhängig von eventuell vorhandenen göttlichen Maßstäben beurteilen. Wenn der Maßstab vom jeweiligen Glauben abhängig sein sollte, so ist er subjektiv verschieden und erst recht ungerecht, so als ob das Bürgerliche Gesetzbuch unterschiedlich formuliert sei, je nachdem, was man gerade an Gedankengut im Kopf hat. Zurück zu 5

6. Das ist nur scheinbar  ein Widerspruch. Je enger die Menschen aufeinander hocken, umso wichtiger wird für den Einzelnen, sich aus der Masse herauszuheben. Es gibt zwischen dem Versinken in der anonymen Masse  und dem Abheben von allen anderen Menschen  ein Spannungsverhältnis, welches ich hier aber nicht weiter auseinander nehmen möchte, weil es zu weit vom Thema wegführt. Zurück zu 6

7. Ein schönes Beispiel für christliche Vorstellungen von Gerechtigkeit findet sich im berühmten Weinberg-Gleichnis: Matthäus 20:1-16. Zurück zu 7


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