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      Nach der Widerlegung der Gottesbeweise …
      12 Gründe, warum Gott der Logik unterliegt

 

Nach der Widerlegung der Gottesbeweise …

Da hat man alle Gottesbeweise logisch widerlegt, gezeigt, dass der Gottesbeweis gegen die Existenz Gottes spricht, wenn man die Logikfehler daraus entfernt (geht mit allen Gottesbeweisen). Und man benutzt →atheologische Argumente, um zu zeigen, dass der (monotheistische, christliche) Gott nicht existieren kann.

Um als Antwort zu bekommen:

»Gott ist der Logik nicht zugänglich, er unterliegt ihr nicht!«

Man muss an ihn glauben. Damit sind alle logischen Argumente ausgehebelt. Oder? Ist man damit am Ende?

Nein. Früher dachte ich, dass man damit am Ende der Diskussion angelangt sei (und nannte mich Agnostiker). Heute weiß ich, dass dem nicht so ist. Ich bin, bezüglich des christlichen Gottes, starker Atheist – ich bin der Ansicht, dass man logisch strikt zeigen kann, dass der christliche Gott unmöglich existieren kann.

 

12 Gründe, warum Gott der Logik unterliegt

1. Wenn man sagt, dass keine Logik die Existenz Gottes beweisen kann, gibt man zu, dass es keine rationalen Argumente für die Existenz geben kann. Das führt zu einem logischen Agnostizismus. Der Gläubige gibt zu, dass der Glauben irrational ist. Wenn der Theist sagt, ich glaube an Gott, gesteht er damit ein, dass der Atheist recht hat, wenn er den Glauben für unvernünftig hält. Aus guten Gründen, wenn es keine logischen Gründe (Argumente, Evidenzen etc.) für oder gegen eine Sache gibt, glauben wir normalerweise nicht daran. Der Nichtglauben ist in dem Fall die Standard-Möglichkeit- und das ist bei Gott so, warum sollte man willkürlich eine Ausnahme machen?

Man kann zwar dass Unlogische denken und es für möglich halten, man kann nicht zwei sich widersprechende Tatsachen gleichzeitig für wahr halten, nicht, ohne seinem Denken Gewalt anzutun.

2. Entzieht man der Religion die Logik, so entzieht man ihr den Boden, auf dem sie steht. Beispiel:

(P1) Um das Heil zu erlangen, muss man Jesus als seinem Retter akzeptiert haben (an ihn glauben, ihm folgen, seine moralischen Gebote für richtig halten – es ist gleichgültig, was man hier einsetzt, das Argument bleibt davon unberührt).

(P2) Ich akzeptiere Jesus nicht als meinen Retter (glaube nicht an ihn, folge ihm nicht, halte seine moralischen Gebote für falsch usw. usf.)


(S) Deswegen werde ich errettet werden (irrationale oder alogische Schlussfolgerung aus (P1) und (P2)).

Wobei (S) lauten könnte: Und es gibt es auf dem Mars violette Bananen mit Apfelsinengeschmack. Aus Falschem folgt Beliebiges.

Bertrand Russel sagte mal, er könne alles beweisen, vorausgesetzt, es gälte 1 + 1 = 1. Ok, forderte ihn ein Freund auf, beweise mal, dass Du der Papst bist! Woraufhin Russel entgegnete: »der Papst ist eine Person und ich bin eine Person. Daher sind der Papst und ich eins«.

3. Behauptet man, dass widersprüchliche Aussagen  wahr sein können, widerspricht man sich selbst. Beweis:

(P1) widersprüchliche Aussagen können gleichzeitig wahr sein (Behauptung des Gläubigen).

(P2) Widersprüchliche Aussagen können nicht beide wahr sein (meine Behauptung).


(S1) Aus (P1) folgt, dass (P2) gleichzeitig mit P(1) wahr sein kann.

Man sagt, dass widersprüchliche Aussagen wahr sein können und man sagt, dass widersprüchliche Aussagen nicht zugleich wahr sein können. Beides zusammen kann man nur behaupten, in dem man sich selbst widerspricht – und sich damit widerlegt. Widersprüchliche Aussagen sind selbstwiderlegend. Nur (P2) enthält keinen Selbstwiderspruch. (P2) ist damit analytisch wahr, (P1) ist analytisch falsch.

Zusätzlich, wenn (P1) wahr wäre, könnte Gott existieren und gleichzeitig nicht existieren. Wenn man das für Unsinn hält, gibt man zu, dass (P1) eine unsinnige Annahme ist und erkennt den Satz vom Widerspruch für Gott an.

4. Welches der logischen Grundgesetze gilt nicht für Gott? In 3. haben wir gesehen, dass das Gesetz des Widerspruchs für Gott gilt. Gilt dass Gesetz der Identität nicht? Ist Gott nicht mit selbst identisch? In dem Fall hat die Religion keine Basis, vor allem ist es falsch, dass Gott ewig und unwandelbar ist. Gilt dass Gesetz der ausgeschlossenen Mitte nicht? Das besagt, er könnte halb existieren. Das kann kein Gläubiger glauben. Er muss alle drei logischen Grundgesetze für Gott akzeptieren, und aus den Gesetzen folgt der Rest der (formalen) Logik.

5. Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann? Antwortet man mit »Nein«, gibt man zu, dass Gott den Gesetzen der Logik unterliegt – seine Allmacht beschränkt sich auf das, was logisch möglich ist. Sagt man »Ja, Gott kann widersprüchliche Dinge existieren lassen«, weiter bei 6.

6. Im Theodizeeproblem wird gesagt, dass Gott nicht gleichzeitig gütig, liebend und allmächtig sein kann, weil es Übel in der Welt gibt. Darauf wird geantwortet, dass Gott nicht eine Welt schaffen kann, in der keine Übel existieren und der Mensch einen freien Willen hat. Kann er nicht? Warum nicht? Gott unterliegt nicht der Logik in seinen Handlungen!

Er könnte eine Welt realisieren, in der es freien Willen und eine Freiheit von Übeln gibt, weil ihm keine Logik das Gegenteil gebietet. Wenn man behauptet, dass Gott keinerlei Logik unterliegt, gibt man zu, dass das möglich wären. Es existieren Übel – obwohl es (für Gott) keine logische Notwendigkeit gibt. Schlussfolgerung: Gott kann nicht gut sein. Bestreitet man dass, gibt man zu, dass Gott bei der Erschaffung der Welt sich an logische Notwendigkeiten halten musste und widerspricht damit der ursprünglich gemachten Behauptung von der »Unlogik« Gottes.

Wenn man zugibt, dass Gott keine Welt ohne Leid schaffen kann, bestreitet man die Existenz des Paradieses. Hält man das Paradies für möglich, behauptet man, dass Gott eine Welt ohne Leid hätte schaffen können und muss sich fragen, warum er das nicht gleich getan hat. Verweist man auf die Ursünde, behauptet man, dass es Gott entweder nicht möglich war, den Niedergang der Schöpfung zu verhindern, oder, dass es in einem neuen Paradies jederzeit wieder geschehen könnte! Aus was für Gründen sollte Gott den Fall seiner Schöpfung nicht verhindern können, wenn nicht, weil es logisch unmöglich war? Es könnte sein, dass er es nicht verhindern wollte, mit welchem Recht kann man ihn als »gut« bezeichnen?

7. Die Nichtexistenz der Logik für unser oder Gottes Handeln hat absurde moralische Konsequenzen. Es gibt keine nachvollziehbaren Regeln mehr. Eine darauf basierende Moral ist absurd, ebenso die Behauptung, Gott sei gut. Logik ist nichts weiter als die Behauptung, dass es Regeln im Universum gibt sowie Regeln, nach denen wir uns sinnvoll verhalten können, müssen und sollten. Bestreitet man, dass solche Regeln für Gott gelten, bestreitet man, dass Gott sich moralisch verhält. Zur Moral gehört, dass man sich auf eine für andere nachvollziehbare Weise verhält.

8. Wenn Gott keinen einsichtigen Regeln unterliegt, ist Gott ein Synonym für Zufall, und zwar einem Zufall, für den keine Chaostheorie möglich ist. Die Chaostheorie behauptet, dass transparenten Regeln im Chaos gibt und das Chaos nur entsteht, dass wir die Regeln (aus praktischen Gründen) nicht leicht nachvollziehen können. Folgt eine Sache keinen nachvollziehbaren Regeln, ist es für uns von chaotischem Zufall nicht unterscheidbar. Der Zufall ist keine gute Grundlage für moralische Regeln, folglich wäre Gott keine Grundlage für Moral. Abgesehen davon sehen die Gläubigen es als ihren Vorteil an, dass ihr Weltbild mit Gott den Zufall reduziert. Hier geben sie (indirekt) zu, dass es nur scheinbar der Fall ist.

9. Wenn Gott das »Zusammenfallen aller Widersprüche« ist, folgt daraus, dass widersprüchliche Dinge gleichzeitig wahr sein können. Das hat für die Religion unangenehme Konsequenzen. Das Paradies könnte die Hölle sein. Gott könnte uns die Wahrheit vorlügen. Gott könnte der Teufel selbst sein. Schwarz ist Weiß. Dass Gute ist schlecht, moralisches Verhalten ist falsch. Gutes zu tun ist falsch und richtig, Gottes Geboten zu folgen ist falsch und richtig zugleich. Wie sollten wir Menschen widersprüchlichen Geboten folgen?). Alles ist erlaubt, alles ist verboten, ein Kreis ist ein Quadrat und es gibt verheiratete Junggesellen. In einer derartigen Welt wäre nichts lebensfähig!

10. Wenn die Logik für Gott nicht gilt, ist es unmöglich, im Zusammenhang mit Gott festzustellen, was wahr und was unwahr ist. Logik ist einer der wichtigen Maßstäbe, um Wahres vom Falschem zu unterscheiden. Kann man das nicht, gibt es keine Wahrheit, man kann nicht behaupten, die Religion habe mit Wahrheit zu tun. Damit verlieren alle religiösen Aussagen ihren Sinn, nachdenken über Religion wird unmöglich. Woran sollte man erkennen können, was wahr ist?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um falsche Aussagen zu entdecken – die eine ist, dass die Aussage zu logischen Widersprüchen führt, die andere, dass die Aussage nicht mit mit der Realität übereinstimmt. Ohne Logik kann manh nicht sagen, ob eine Aussage mit der Realität übereinstimmt oder nicht. Woran erkennen wir, dass eine Aussage falsch ist?

Die Aussage »Gott existiert« sollte nicht zu logischen Widersprüchen führen. Verwirft man die Logik für Gott, bestreitet man, dass es einen Grund geben kann, die Aussage für falsch zu halten. Das ist das Ziel, wenn man behauptet, dass Gott nicht der Logik unterliegt. In dem Fall gibt es keinen Grund mehr, die Aussage für wahr zu halten! Wenn es keine Gründe gibt, eine Aussage für wahr oder falsch zu halten, gewinnt der Atheismus per Default. Die Aussage, dass Behauptungen weder wahr noch falsch sein können, führt dazu, die Aussage zu verwerfen, ihr Status kann nur »unbestimmt oder unbestimmbar« sein.

11. Man kann, in dem man die Logik verwirft, jede Lüge für wahr erklären und jede Wahrheit zur Lüge. Es wäre nicht mehr unmoralisch, jemanden eine Lüge zu erzählen. Weil man den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge erstens nicht unterscheiden kann und zweitens der Unterschied ohnehin keine Rolle spielt. Es ist moralisch fragwürdig, zu meinen, man sei in seinen Ansichten nicht an die Logik gebunden – und die Fragwürdigkeit gilt für Gott in gleichem Maße!

12. Wenn die Logik zwar für das Universum gilt, nicht für Gott, gibt es keine mögliche logische Verbindung zwischen Gott und dem Universum. Damit ist die Behauptung, dass Gott das Universum geschaffen haben könnte, sinnfrei. Es gibt keine logische Verbindung mehr zwischen Jesus und Gott, zwischen der Offenbarung und Gott, zwischen Wundern und Gott, zwischen religiösen Erfahrungen und Gott usw. usf. Kurz, dass die Religion eine Beziehung zu Gott hat, kann man nicht mehr behaupten.

Fazit: Wenn man die Gültigkeit der Logik für Gottes Existenz oder sein Handeln verwirft, gelangt man in viele unlösbare Probleme. Als Gläubiger sollte man lieber die Variante wählen, dass für Gott die Logik gilt. Und damit sind wir am Anfang der Diskussion – jetzt können unsere logischen Argumente funktionieren! Nur ist die Hintertür, dass Gott nicht der Logik unterliegt, versperrt.

Die religiöse Aussagen müssen der Logik unterliegen, damit sie sinnvoll sein können. Unterliegt das Hauptziel der Religion (Gott) nicht der Logik, gibt es keine religiöse Aussage mehr, die einen Sinn enthält, sofern sie sich auf Gott bezieht. Das ist genau das, was die Nonkognitivisten  behaupten, was bedeutet, der Atheismus ist gerechtfertigt. Ohne Logik ist die Religion Unsinn! Wer sagt, dass die Logik nicht für Gott gilt, sagt letzten Endes aus, dass er reinen Unsinn glaubt. Nur ist das den meisten Leuten nicht bewusst. Die Behauptung »Gott unterliegt nicht der Logik« wird nur als Ausrede benutzt, um nicht mehr weiterdenken zu müssen und logische Widersprüche akzeptabel zu machen. Und das ist den Gläubigen nicht klar, wohin das führt und was das für ihren Glauben bedeutet.

Das ist kein Vorwurf an die Gläubigen, niemand hat ihnen erzählt, was für Konsequenzen das hat – und dass es solche gibt. Obwohl die Theologen sich schon bemühen, im Großen und Ganzen Glauben und Vernunft (Logik) in Einklang zu bringen. Das wird von den Theologen selten gepredigt. Kaum jemand hat die Zeit, sich hinzusetzen und alles bis zum Ende hin zu durchdenken, und den meisten Menschen kann man aus dem Grund keinen Vorwurf machen. Die Mehrheit der Leute glauben nicht, weil sie Wahrheitsfanatiker sind, sondern weil der Glauben angenehme Konsequenzen bietet.

Man kann es den Menschen nicht verdenken, wenn sie sich das Leben angenehm machen.

Obwohl, da gerne ab und zu behauptet wird, dass der Atheismus unvernünftig sei, dürfen sich die Gläubigen nicht beschweren, wenn Atheisten die Unlogik hinter allem aufdecken. Schon um sich zu rechtfertigen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, der christliche Gott existiert, abhängig von seiner Definition, oder er existiert nicht. Wenn man sagt, dass der Glauben an Gott vernünftig sei, sagt man gleichzeitig, dass der Atheismus unvernünftig sei – auch, wenn man das nicht beabsichtigt. Das sähe anders aus, wenn ein Gläubiger sagt: »Gott und meine Religion sind an sich unvernünftig, während der Atheismus vernünftig sein kann, ich möchte trotzdem glauben«. Nur – reden relativ wenige Gläubige.



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