Seit die Schöpfung »gefallen« ist, wissen angeblich nur noch Priester, was Moral ist. Das könnte den Priestern so gefallen.
Inhaltsverzeichnis:

      Die bessere Begründung der Moral?
      Religiöse Moral: Egoistische Moral mit Tarnanstrich
      Appell an den Altruismus und die Nächstenliebe
      Nur meine Meinung zählt

 

Die bessere Begründung der Moral?

Von Religionsvertretern wird man bei jeder passenden wie unpassenden Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, dass es ohne Gott keine (gute) Begründung für moralisches Handeln gibt. Das ist aus sehr vielen Gründen falsch. Wenn damit eine Letztbegründung gemeint ist – die gibt es nicht (siehe Das Münchhausen-Trilemma). Aber auch eine anderweitige Begründung weist eine ganze Reihe von Mängeln auf. Das gilt auch beispielsweise für die Bergpredigt. Die wird oft als besonders vorbildlich hingestellt.

Selbstverständlich – was noch zu zeigen sein wird _1_ – gibt es keine sinnvolle, logisch konsistente  Rechtfertigung einer »religiösen Moral«. Außerdem, seit wann wird eigentlich in den monotheistischen Religionen Wert auf eine sorgfältige, vernünftige  Begründung für die eigenen Behauptungen gelegt? Und wieso sollte das bei der Moral plötzlich und unvermutet ganz anders sein? Warum  sollte jemand aus Einsicht  ungleich handeln, wenn man ihm im Rahmen seiner Religion erzählt, dass man mit rationalen  Methoden nicht zu genau hinsehen sollte, sondern lieber glauben und Autoritäten vertrauen  sollte?

Entweder, der einzelne Christ benutzt doch die rationale Methode, dann schließt dies bloßes  Vertrauen in Autoritäten aus. Damit hat er aber die Begründung der religiösen Moral nicht akzeptiert. Oder aber, er vertraut mehr oder weniger blind den selbst ernannten religiösen Autoritäten, dann ist die Basis irrational, denn Vertrauen in Autoritäten ist kein Teil der rationalen Methode. Wie er sich dann verhält  ist aber wieder eine ganz andere Frage!

Zudem hält keine der Begründungen einer logischen Analyse stand, was das Minimum ist, damit man annehmen kann, es handle sich um wirkliche Gründe und nicht um Pseudogründe.

Die Beteuerung, man habe eine besser begründete Moral, ist reiner Bluff! Man sollte diesen auch als einen solchen behandeln. Leider werden die offiziellen Vertreter der monotheistischen Religionen in der Öffentlichkeit viel zu selten herausgefordert, wenn es um diese abenteuerlichen Behauptungen geht. Stattdessen nicken zu viele ernsthafte Leute, wenn eine solche These mal wieder die Runde macht. Die meisten Theologen und Priester glauben u. a. auch selber daran, weil ihnen so selten jemand widerspricht.

Denn auch die religiöse Moral basiert letztlich nur auf einem: Vertraue meiner Autorität ! Das ist der substanzielle  Kern der Religion, und also auch die Basis der zugehörigen Ethik.

Es gibt zwei prinzipielle Probleme mit religiösen Begründungen: Zum einen sind diese oft das Gegenteil einer nach allgemeinen Standards anerkannten vernünftigen  Argumentation. In der Bergpredigt, beispielsweise, finden wir überhaupt keine Argumente, sondern nur eine Aneinanderreihung teils fraglicher Behauptungen. Zum anderen handeln Menschen sehr selten aus verstandesmäßiger Einsicht, und genau darin  werden sie durch ihre Religionslehre auch noch in allen Punkten bestärkt! Denn im Glauben geht es nicht darum, durch Anwendung rationaler Methoden, Beweise und Argumente und gute Gründe zu einer Ansicht zu kommen. Das gilt ebenso für die moralischen Ansichten.

Etwas »religiös« zu fundieren heißt fast immer: Wir verfügen über keine rationalen Gründe. Hat man sachliche, objektive, nüchterne, realistische Argumente, kann man diese äußern. Hat man keine, dann kann man man es ja mit frommen Beweggründen versuchen. Die Anhänger der eigenen Religion sind dafür fast immer offen. Wer die Grundlagen der Glaubenslehre nicht teilt, für den hört es sich fast immer töricht an.

 

Religiöse Moral: Egoistische Moral mit Tarnanstrich

Religiöse Moral ist nichts weiter als die individuell-egoistische Moral, durchgesetzt mit unlauteren Mitteln. Statt zu sagen »dies ist meine eigene Ansicht zur Moral!« schiebt man ein superintelligentes, supermächtiges kosmisches Alien vor, dass irgendwo außerhalb der erfassbaren Realität agiert. Und das natürlich Recht hat, weil es Gott ist.

Der Trick dabei: Ob nun jemand für oder gegen die Todesstrafe ist, für oder gegen Homosexualität oder gleichgeschlechtliche Ehen, für der gegen die Abtreibung, für oder gegen irgendein  anderes Gebiet, auf dem wir uns nicht einig sind – Gott ist »zufällig « immer derselben Ansicht wie der, der sich auf ihn beruft.

Wenn beispielsweise in puncto Todesstrafe alle Christen der gleichen Meinung wären, die sich auf Schöpfer berufen, dann  könnte man sagen: Gläubige richten sich nach ihrer Gottheit. Aber das ist nicht der Fall. Tatsächlich ist es umgekehrt so, dass Gott stets dieselbe Ansicht vertritt wie der, der sich auf ihn bezieht. Das gilt auch dann, wenn jemand seine Auffassung ändert – wundersamerweise hat unser höchstes Superwesen dann seine Sichtweise ebenso abgeändert!

Das kann man wissenschaftlich beweisen: Was jemand als Meinung Gottes ausgibt, ist seine eigene Meinung. Nur hat die mit einem Mal ein »höheres Gewicht«. Ich vertrete in Sachen Moral nur meine Meinung, der Gläubige glaubt, ein Superwesen auf seiner Seite zu haben, was seine Moral irgendwie »schwerwiegender« machen soll. Und wer auf den Bluff nicht hereinfällt, ist »natürlich« weniger moralisch. Er lässt sich nicht in Richtung der erwünschten – meiner – Moral manipulieren. Am Ende vertritt derjenige seine eigenen Interessen, und nicht meine! Wie furchtbar!

Den einzelnen Menschen ist das nicht bewusst, dass ihre eigene Moral und die Gottes im Gehirn auf identische Weise gebildet werden. Warum wird niemand misstrauisch, wenn er herausfindet, dass Gott ständig derselben Meinung ist, wie er, und derselbe Gott, an die andere glauben, durch und durch anderer Meinung? Wie kann das sein, und wie kann man das erklären? Außer durch den Umstand, das nicht Gott die Grundlage der Moral ist?

Man will keinen Dialog auf gleicher Augenhöhe mit anderen Menschen. Man will einen unlauteren Vorteil in der Diskussion. Man braucht die »religiöse Toleranz«, was nichts anderes bedeutet: Der religiös Gläubige darf jeden Bullshit äußern, jeden Bluff zur Durchsetzung seiner moralischen Sonderinteressen benutzen. Und aus höflicher, religiöser Toleranz »dürfen« sich die anderen mit ihrer Kritik zurückhalten. Nicht mit mir. Ich sage deutlich: Ich halte Deinen Gott für nicht existent, und somit hat Deine Moral für mich  nicht die geringste Grundlage.

 

Appell an den Altruismus und die Nächstenliebe

Aber, so wird sicher gleich eingewandt, gerade  die monotheistischen Religionen appellieren doch besonders  an den Altruismus, die Selbstlosigkeit, die Nächstenliebe? Als Beispiel dafür wird oft die überschätzte Bergpredigt genannt.

Wenn ein Egoist versucht, seine individuelle, egoistische Sondermoral durchzusetzen, dann wäre er ausgesprochen blöde, seine Ansichten als seine egoistischen Vorteile darzustellen. Nein, gerade dann wird das Ganze in Appellen an den Altruismus der Anderen verpackt werden. Nur ein Egoist mit einem weit unterdurchschnittlichen IQ wird den Egoismus der Mitmenschen steigern. Ein klein wenig mehr Verstand, und der halbwegs kluge Egoist wird in erster Linie die Uneigennützigkeit  der anderen fordern und fördern. Je altruistischer die anderen  sind, umso besser kann man sie ausbeuten !

Tatsächlich profitieren auch die anderen Egoisten von vermehrter Selbstlosigkeit. Aber das nimmt man gerne in Kauf, weil man sich damit zusätzlich als »moralisch überlegen« brüsten kann, und damit sogar seine Geschäfte machen kann. In Deutschland ist das »Geschäft mit der Nächstenliebe« eine milliardenschwere Industrie, die katholische Kirche einer der größten Arbeitgeber, und dieses Pfründe-Monopol wird natürlich verteidigt. Außerdem sichert man sich so ein Heer von willigen und billigen Arbeitskräften: Im Dienste der Nächstenliebe darf man sich nicht so viel Geld für seine Arbeit nehmen. Das hat dazu geführt, das Krankenschwester und Altenpfleger ein Beruf mit minimaler Ausbildung und kleinster Bezahlung geworden ist.

»Priester sagen, dass sie Wohltätigkeit lehren. Das ist nur natürlich. Sie leben von Almosen. Alle Bettler lehren, dass man anderen geben sollte. (Robert Green Ingersoll
 

Nur meine Meinung zählt

Wenn also das nächste Mal jemand sagt, »Gott will das so!«, dann muss man das Übersetzen mit: »Ich will das so, und ich will, dass meine Meinung mehr zählt als Deine und die aller anderen, die anderer Meinung sind!«

Untersatz: »Ich pfeif' auf Deine Meinung! Deine Interessen interessieren mich nicht! Du bist nicht erheblich! Ich schon! Ich! Ich! Ich zuerst!«

Keiner kann beweisen, dass seine Meinung die Ansicht Gottes auch nur annähernd wiedergibt. Denn jeder kann die Bibel, den Koran, oder meinetwegen auch Harry Potter nehmen und kunstvoll seine Exegese veranstalten, um seine Ansichten aus dem Text herauszulesen. Der nächste Exeget schafft das auch mit dem Gegenteil, und nicht weniger schlecht.

Einige lassen sich durch Worte leicht beeindrucken und dazu überreden, die x-beliebige Ansicht des Gegenübers mit der von Gott zu verwechseln. Das sind die Opfer in einem Krieg mit Worten, ihre Interessen werden leicht untergepflügt, und das ist der Sinn der Sache.

Das ist letztlich der Sinn – und fast schon der Definition – der Religion: Die Durchsetzung von moralischen Forderungen durch Überredungskünste, ohne dabei von logischen Argumenten oder vernünftiger Einsicht Gebrauch machen zu müssen. Weil es leichter ist, irrationale Menschen zu manipulieren als sich auf ihre (geringe) Rationalität zu stützen. Ob der einzelne Gläubige das selbst glaubt oder nicht, spielt keine Rolle, weil der Effekt derselbe ist.

Logische Argumentationen führen zudem zu leicht zu einem fairen Interessenausgleich, und das muss sich doch irgendwie verhindern lassen.

Organisierte Religion auf der Basis des Monotheismus ist ein Armutszeugnis für die Menschheit.

Einen interessanten Beitrag zur Moral der Kirche im 2. Weltkrieg finden Sie hier: →Die deutsche Tötungs-Theologie an der Ostfront. Gegen alle Tatsachen wird Hitlers Krieg gerne »dem ↑Atheismus« in die Schuhe geschoben!

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Christ: Einer, der daran glaubt, dass das Neue Testament ein göttlich inspiriertes Buch ist, bestens den geistlichen Bedürfnissen seines Nächsten angemessen. Einer, der die Lehren Christi befolgt, soweit diese nicht mit einem sündhaften Leben unvereinbar sind.

Ambrose Bierce

1. Siehe den Beitrag Euthyphrons Dilemma, Teil I. Zurück zu 1


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