Psychologie, Religion & Glauben
Atheismus

Hier entsteht ein Bereich, der sich speziell mit
dem
Atheismus beschäftigt. Den großen Teil der Auseinandersetzung finden Sie
unter
Psychologie, Religion und Glauben. Falls Sie die
Seite von
Frank Welker über
Atheismus suchen - die existiert leider nicht mehr.
Neue Version: Unter
Illusion der Willensfreiheit finden Sie eine überarbeitete Fassung des Textes von
Harry Krämer zu dem spannenden Thema
Willensfreiheit.
Neuer Service: An dieser Stelle finden Sie
aktuelle Nachrichten aus der Politik sowie aus Wissenschaft und Forschung.
Neues Design: Das neue Design von
Atheismus-Online (→ http://www.atheismus-online.de) stammt wieder von TIFA29,
http://www.tifa29.de (→ http://www.tifa29.de), ebenso das Design von
http://www.atheismus-info.de (→ http://www.atheismus-info.de). Ich hoffe, es gefällt Ihnen auch gut wie mir ...
Murks! Ich sehe gerade, dass alle meine Links auf Bibeltexte kaputt sind - der Server bible.gospelcom.net hat ohne Vorwarnung seine Formate geändert, vor allem bietet er keine revidierte Elberfelder Ausgabe mehr an. Inzwischen habe ich die Links durch einen Verweis auf einen anderen Bibelserver ersetzt (
http://www.mf.no/ (→ http://www.mf.no/)), ich kann aber noch nicht garantieren, dass alle Links wieder funktionieren, die meisten gehen aber.
NEU! Neue Website: Unter
http://www.atheismus-info.de (→ http://www.atheismus-info.de) finden Sie eine neue Website, die sich mit dem
Atheismus beschäftigt. Ich bin dafür kritisiert worden, dass meine Texte zu kompliziert zu lesen sind, mit allen den Syllogismen über Gott und die Religion. Daher habe ich mich entschlossen, eine Website zu gestalten, auf der einfacher argumentiert wird. Außerdem soll auf dieser Website gezeigt werden, wie man als
Atheist argumentieren kann, ferner werde ich dort im nächsten Jahr einige neue Ideen realisieren, die mir schon lange im Kopf herumgeistern. Lesen Sie den ersten (leider etwas längeren Artikel):
Einführung in den Atheismus - Diskussionen über den Atheismus (→ http://www.atheismus-info.de) und sehen Sie selbst ...
NEU! Kleiner Hinweis: Neuerdings finden Sie vor einigen Links das Zeichen →, dies bedeutet, der Link führt Sie auf eine externe Website. Links, vor denen dieses Zeichen nicht steht, führen hingegen zu Artikeln auf dieser Website.
Ferner habe ich die Druckseiten verbessert, da man auf ihnen (sofern man sie ausgedruckt hat) nicht auf Links klicken kann, steht die Linkadresse hinter dem Text, zusammen mit dem Verweispfeil.
* Wichtiger Hinweis zur Website, bitte unbedingt lesen!
Wichtiger Hinweis in eigener Sache: Durch einen totalen Festplattencrash habe ich alle Änderungen an meiner Website verloren - und leider auch alle E-Mail. Falls Sie mir im letzten Monat eine E-Mail geschrieben haben und ich nicht geantwortet habe, dann werde ich das auch nicht mehr können. Bitte schicken Sie mir Ihre E-Mail nochmal!
Das Ganze wirft mich leider weit zurück. Auch die neue Software zur Erstellung meiner Website ist verloren, die Sicherungskopien sind leider unbrauchbar. Ich habe eine ganze Menge verloren. Es tut mir Leid, dass ich nicht mit besseren Neuigkeiten aufwarten kann ...
NEU! Wichtiger Hinweis zu einem anderen Thema: Stehen Sie kurz vor einer Abtreibung? Dann sollten Sie sich diese Entscheidung noch einmal überlegen. Sie finden dazu Hilfe, Anregungen, Tipps etc. unter:
www.vor-abtreibung.de (→ http://www.vor-abtreibung.de/). Reden darüber können Sie in einem eigens dafür eingerichteten
Forum zum Thema Schwangerschaft und Abtreibungen (→ http://vor-abtreibung.invisionzone.com/). Ich mag zwar
Atheist sein, aber das macht mich nicht zu einem Befürworter von Abtreibungen!
NEU! NEU! NEU! Neues Forum!: Mein eigenes Forum war bislang schlecht besucht, aus einem guten Grund - es ist Schrott. Aber dankenswerterweise habe ich nun ein neues Forum, in dem ich gerne alle Fragen mit Ihnen diskutiere:
Atheisten.org (→ http://www.atheisten.org/phpBB2/portal.php). Sie können sich dort kostenlos anmelden. Interessante Fragen aus dem alten Forum (und aus einigen Mails) werde ich nach und nach dorthin transferieren.
NEU! Schluss mit Lustig: Auf der neuen Website
www.hahne-buechen.de (→ http://www.hahne-buechen.de/) finden Sie eine Kritik an Peter Hahnes Buch "Schluss mit Lustig" - ein Beitrag zur Wertediskussion.
NEU! Glaubenszweifel - die Website für den Zweifel: Unter
http://www.glaubenszweifel.de (→ http://www.glaubenszweifel.de) finden Sie eine neue Website, die sich mit Zweifel am Glauben und Unglauben beschäftigt.
NEU! Eine Herausforderung für atheistische Ansichten Von einer amerikanischen Website (
Questions and challenges for atheists (→ http://www.challenging-atheism.com/challenges.html)) habe ich ein paar Fragen, die von Theisten an
Atheisten gestellt werden. Hier sind meine Antworten:
Fragen an Atheisten.
Weitere neuere Artikel:
Neuigkeiten
Umfrage zu Gott: Ich habe eine kleine Umfrage zur Existenz des christlichen Gottes gemacht, es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie daran teilnehmen. Ich möchte gerne wissen, wie meine Besucher darüber denken. Selbstverständlich ist die Umfrage vollständig anonym.
Umfrage zur Existenz Gottes
Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Natürlich können Sie sich die Umfrageergebnisse auch ansehen, ohne daran teilzunehmen.
Umfrage zur Website: Und weil ich gerade dabei bin, hier noch eine Umfrage zur inhaltlichen Qualität dieser Website:
Umfrage zur Website
NEU! NEU! NEU!
Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum nicht - wie früher - ständig neue Artikel auf dieser Website veröffentlich werden. Der Grund dafür ist einfach:
Ich schreibe an einem Buch über Religion. Es entsteht also momentan das Buch zur Website. Ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen, weil viele Leser danach gefragt haben. Den Titel des Werks möchte ich noch nicht verraten.
Das Projekt wird mich noch eine Weile beschäftigt halten, so etwas schreibt man nicht so nebenbei. In dem Buch werden Sie vieles finden, was Sie hier noch vermissen - einen roten Faden, eine systematische Übersicht, eine klare Struktur und eine genaue Erläuterung aller notwendigen Grundlagen. Ferner sind Themen, die ich hier nur angerissen habe oder die ganz fehlen, ein wichtiger Bestandteil des Werkes. Gerne nehme ich auch noch Anregungen von Ihnen auf, lieber Leser, sofern sie in das Konzept des Buches passen. Außerdem ist das Ganze einfacher geschrieben und daher leichter verständlich, ohne oberflächlich zu sein.
Ob, wann und wie das Buch veröffentlich wird, kann ich noch nicht sagen.
Was das Buch so interessant macht: Es füllt eine Lücke. Ein Buch über Religion, Glauben und
Atheismus dieser Art gibt es m. W. noch nicht in der deutschen Literatur. Viel ist über den Glauben geschrieben worden, doch der Glauben aus der Sicht eines früher gläubigen Menschen und jetzigen
Atheisten ist so noch nicht geschildert worden. Dabei nimmt der
Atheismus - spätestens seit der Aufnahme der fünf neuen Bundesländer - stetig an Bedeutung zu. Dies ist das Buch, das mir stets gefehlt hat, und fast bedaure ich es, es selbst schreiben zu müssen und nicht einfach lesen zu können.
Warum veröffentliche ich das Buch nicht einfach auf meiner Website? Das hat nur einen Grund: Viele Menschen - zu denen auch ich gehöre - mögen lieber ein Buch lesen als lange Texte auf dem Computer, ein Buch ist einfach praktischer, man kann es überall lesen, in der Badewanne, auf der Toilette oder im Bett.
Ansonsten bin ich - wie immer - sehr stark an einem Linktausch interessiert. Von einem Linktausch profitieren Sie ebenfalls - meine Seite hat inzwischen ein hohes Page Ranking bei Google (→ http://www.google.de) - geben Sie mal "Atheismus" ein, meine Seite erscheint dort als erste - und wenn eine Seite mit einem hohen Ranking auf Ihre Seite zeigt, dann erhöht sich auch Ihr Ranking! Da es sich gezeigt hat, dass die meisten Leute maximal auf die Links von den ersten drei bis sieben Seiten klicken, kann es sein, dass Ihre Seite nur über meine Seite gefunden wird! Es lohnt sich also.
Kontakt: E-Mail schreiben -
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Neuer Eintrag im Gästebuch -
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Diskussionsbedarf: Wer gerne ausgiebig mit mir öffentlich diskutieren möchte, der findet mich auf
Atheisten.org (→ http://atheisten.org/phpBB2/viewforum.php?f=16) unter dem Namen
Volker.
Mykath.de: Außerdem finden Sie mich auch auf
mykath.de (→ http://www.mykath.de/) unter dem Namen
Volker.
Ferner diskutiere ich auch im
Freigeisterhaus (→ http://freigeisterhaus.de/) des
IBKA (→ http://www.ibka.org/) (Internationaler Bund der Konfessionslosen und
Atheisten) öfters mit, ebenfalls unter dem Namen
Volker.
Diskussions-Forum: Neuen Beitrag schreiben -
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Dieses alte Forum bitte nicht mehr benutzen, es wird demnächst abgeschaltet!
Das alte Forum war technisch so schlecht, dass viele Leser es mit Recht kritisiert haben, daher bin ich in ein technisch besseres Forum umgezogen (
Atheisten.org (→ http://atheisten.org/phpBB2/viewforum.php?f=16)). Sie müssen sich dort anmelden, aber das alles ist kostenlos! Vielen Dank, Andy!
Inhaltsverzeichnis
- Warum ich Atheist bin
- Bayes Theorem
- Sind Gläubige leichtgläubig?
- Suche in der Dunkelheit
- Brief an einen Atheisten - die Antwort
- NEU! Das Argument des Unglaubens
- NEU! Unglauben und freier Willen
Außerdem plane ich eine Bildergalerie zum Thema - erste vorsichtige Versuche können Sie sich
hier ansehen.
Was ist Atheismus?
Aus dem Glossar:
Atheismus: Wenn Theismus der Glaube an Gott ist, dann ist Atheismus der Nicht-Glauben an Gott, d. h. das Fehlen eines Glaubens an übernatürliche Wesenheiten. Ein Atheist ist als nicht jemand, der sagt "Es gibt keinen Gott" [1] sondern jemand, der sagt "Ich glaube nicht an Gott".
Agnostizismus: Gnosis heißt "Erkenntnis", also bezeichnet Agnostizismus Nicht-Erkenntnis. Im Zusammenhang mit Gott ist ein Agnostiker jemand, der sagt, dass man die Existenz Gottes nicht erkennen kann
Die Frage ist, ob man den Atheismus rational und undogmatisch rechtfertigen kann oder nicht. Genau dieser Frage, ob es geht und wie es geht, ist Thema dieser Website. Keineswegs ist der Atheismus eine Ideologie, sondern es handelt sich um die Negation (Verneinung) einer Ideologie.
Weitere Verweise zum Thema Atheismus (auf anderen Websites) finden Sie auf meiner Linkseite. Bücher zum Thema Atheismus finden Sie im Literaturverzeichnis.
Das Bild der Atheisten wird von den Theisten häufig sehr negativ gezeichnet. So wird den Atheisten ganz gerne ein genereller Hang zu unmoralischem Verhalten nachgesagt. Dies geschieht aber meist nicht mit lauteren Argumenten, sondern auf eine Art und Weise, die weder moralisch noch logisch einwandfrei ist. Dazu lesen Sie bitte Warum Christen die besseren Menschen sind, Euthyphrons Dilemma und Was ist eigentlich Sünde?.
Kleine Kinder sind z. B. Atheisten, bis ihnen ein Erwachsener die Idee nahe bringt, es gäbe einen Gott. Menschen, die noch nie etwas von Gott gehört haben und deswegen keinen Glauben an ihn haben, bezeichne ich als "implizite Atheisten". Menschen, die über Gott und den Glauben nachgedacht haben und deswegen den Glauben ablehnen, beschreibe ich als "explizite Atheisten". Menschen, die behaupten, es gäbe keinen Gott, bezeichne ich als Antitheisten. Und Agnostiker bezeichne ich auch weiterhin aus Respekt als Agnostiker, obwohl sie meiner Definition nach Atheisten sind (und ich ihrer Definition nach Agnostiker). Zur Unterscheidung von Atheisten und Agnostiker siehe auch das FAQ: Agnostizismus und Atheismus - wo ist da der Unterschied?.
Muss man den Atheismus rechtfertigen?
Eigentlich muss man das nicht. Aber man kann es. Vor allem muss man den Leuten erklären, was Atheismus eigentlich ist. Häufig wird eine falsche Definition von Atheismus verwandt und diese dann demontiert. Das machen einige Theologen, z. B. der Herr Küng 2001, sehr gerne. Es gibt nämlich (so sagt inzwischen die Mehrheit der Theologen) keinen Beweis für die Existenz Gottes. Wenn nun ein Atheist tatsächlich behaupten würde (wie der Theologe ihm fälschlicherweise unterstellt), es gäbe keinen Gott, so müsste der Atheist einen positiven Beweis der Nichtexistenz führen, was logisch unmöglich ist. Nur wer allwissend ist, könnte definitiv behaupten, dass kein Gott existiert. Also ist der Atheismus irrational. Damit wäre allerdings die Behauptung, es gäbe keinen Weihnachtsmann, gleichermaßen irrational.
Man wird aber fast keinen einzigen Atheisten aus den letzten Jahrhunderten finden, der behauptet, Gott existiere nicht. Hier wird eine falsche Definition von Atheismus zugrunde gelegt, um die Atheisten auf dieser Basis diskreditieren zu können. Denn sowohl die Mehrheit der Theologen als auch die Mehrheit der Atheisten oder die Mehrheit der Agnostiker sind sich darüber völlig einig, dass es keinen Beweis für und auch keinen Beweis gegen einen Gott gibt. Es sind die Theisten, die sagen, dass man daher einen Glauben an Gott benötigt, sozusagen als Ersatz für einen Beweis. Und ein Atheist ist schlicht jemand, dem dieser Glauben fehlt bzw. jemand, der Glauben für einen schlechten Ersatz für Wissen hält, und der daher die Idee, man könne jenseits des Wissens und jenseits des Erkennens etwas wissen oder erkennen, oft für unsinnig hält (mit Ausnahmen - es gibt auch Esoteriker, die Atheisten sind). Außerdem müsste man genauer über die Eigenschaften Bescheid wissen, die ein Gott haben soll, um zu erwägen, ob dieser Gott existieren kann oder nicht.
Es gibt eine unendlich große Menge an Dingen, an die wir nicht glauben. Bei gläubigen Christen gehören z. B. fast alle Götter anderer Religionen dazu. Also sind auch Gläubige dazu fähig, an etwas nicht zu glauben, obwohl sie keinen "Beweis für die Nichtexistenz" haben. Es ist nämlich nicht möglich, einen Beweis für Nichtexistenz zu haben - deswegen ist es irrational, an etwas zu glauben, weil die Nichtexistenz nicht bewiesen wurde ... In der logischen Umkehrung wäre es also nur rational, an etwas zu glauben, dessen Existenz bewiesen wurde oder zumindest sehr wahrscheinlich ist oder dessen Existenz unbedingt notwendig ist, um nachgewiesene Phänomene zu erklären. Mit der Hypothese "Gott existiert" kann man aber nichts erklären - siehe Wie Theologen die Welt erklären.
Warum ich Atheist bin
Warum sollte man nicht an Gott glauben? Die Mehrheit der Menschen tut es doch!
Für einen Nicht-Glauben an Gott gibt es einen ganz einfachen Grund. Ich glaube nicht an Gott aus Mangel an Beweisen.
Nehmen wir eine Analogie, um das Prinzip zu erklären. Angenommen, ein vertrauenswürdiger Freund erzählt mir, dass in ein leer stehendes Haus in der Nähe eine fünfköpfige Familie einzieht, Vater, Mutter und drei Kinder. Dann werde ich ihm dies ohne weiteres glauben. Denn das ist für den Ortsteil, in dem ich lebe, völlig normal. Aber angenommen, ich kenne das Haus und weiß, dass es eben nicht leer steht und dass darin eine Bekannte von mir lebt, mit der ich erst kürzlich gesprochen habe, und die auf jeden Fall hier weiter leben wollte. Dann würde ich anfangen, an der Geschichte zu zweifeln. Ich hätte immer noch keinen Grund, an meinem Freund zu zweifeln - denn solche Dinge kommen vor, und meine Bekannte könnte inzwischen ihre Meinung geändert haben. Aber ich würde so etwas wie einen Beweis oder ein Indiz fordern, bevor ich das völlig glaube.
Wenn nun aber mein Freund behauptet, dass in das Haus eine Familie vom Sirius einzieht, menschenähnliche Außerirdische - dann würde ich mit völligem Unglauben reagieren, Vertrauenswürdigkeit hin oder her, und ich würde einen starken Beweis für seine Behauptung verlangen. Und nur nach dem Vorliegen eines sehr überzeugenden Beweises (Fotos würden mir beispielsweise nicht ausreichen) würde ich anfangen, an diese Geschichte zu glauben (im Sinne von: vermuten, es sei wahr).
D. h. je weiter etwas von meiner alltäglichen Erfahrung weg ist, umso stärker müssen die Beweise sein, dass etwas wahr ist. Das ist das "normale" Verfahren. Das gilt in ganz besonders starkem Maße, wenn die gemachte Behauptung von mir eine Revision meines Denkens oder meiner Lebensweise erfordert. Je weiter etwas von meiner Wissensbasis entfernt ist, umso perfekter (überzeugender) müssen die Beweise sein.
Nun ist es so, dass die Behauptung, dass es ein unendliches, ewiges, allmächtiges, (all)gütiges, allwissendes, unsichtbares und allgegenwärtiges Wesen gibt, unendlich weit von meiner eigenen Erfahrung weg ist. Außerirdische vom Sirius mag ich mir noch vorstellen können, aber bei Gott ist das fast unmöglich. Die Beweise für die Existenz Gottes müssten also sehr, sehr, sehr stark sein, erheblich besser, als wenn ich annehmen sollte, es zögen Außerirdische in ein Nachbarhaus ein.
Diese starken Beweise aber - so geben die Theisten selbst zu - existieren nicht. Im Gegenteil, die Gottesbeweise beruhen alle auf Denkfehlern und sind widerlegt (siehe Gottesbeweise / Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen), und die Berufung auf das Gefühl ist noch sehr viel schwächer. Auch die Behauptung, man müsse eben auf Beweise verzichten und "einfach so" glauben kann nicht befriedigen - denn dieses schwache Argument wird auch für Vishna, Krishna, Allah etc. angeführt. Danach könnte man sich für jeden Gott entscheiden - was aufgrund des Exklusivitätsanspruchs der Religionen nicht möglich ist. Man kann an alles glauben, wenn man seine rationalen Skrupel über Bord wirft, aber warum sollte man? Denn um zu entscheiden, warum ich den einen Glauben einem anderen vorziehe, muss ich meine Vernunft einsetzen und die Argumente abwägen. Deswegen gibt es ein Primat der Vernunft gegenüber dem Glauben. Es wäre fahrlässig, ohne Not auf die Vernunft zu verzichten.
Warum das Primat der Vernunft? Weil wir uns für einen Glauben entscheiden müssen (es gibt sehr viele Möglichkeiten zur Auswahl - selbst dann, wenn man sich auf das Christentum beschränkt). Wir können natürlich (wie die übergroße Mehrheit der Gläubigen) den erstbesten Glauben nehmen, mit dem wir als Kind konfrontiert wurden - aber dann haben wir überhaupt keine Entscheidung getroffen, sondern diese dem "biografischen Zufall" überlassen. Wenn wir auf diese Weise keine Entscheidung treffen, dann können wir auch nicht behaupten, wir hätten eine rationale Entscheidung getroffen, denn diese bestünde aus einem Abwägen der Gründe für und wider etwas. Man kann auch nicht einfach anfangen, etwas zu glauben, um es dann für die richtige Entscheidung zu halten, weil man es glaubt - dies ist ein logischer Zirkel. Allerdings locken so ziemlich alle Glaubensrichtungen damit, dass man sich erstmal auf den Glauben einlassen solle, der Rest würde sich dann finden - was wiederum bedeutet, dass man keine Entscheidung trifft. Da fast alle Glaubensrichtungen mit dieser Strategie der Entscheidungsvermeidung locken, ergibt sich daraus kein Grund, sich für die eine oder die andere Richtung zu entscheiden. Dieser "Grund" (wenn es denn einer wäre) spricht für alle Glaubensrichtungen, also für keinen bestimmten. Wie wir es auch drehen und wenden: Ohne ein Abwägen der Gründe für und wider gibt es keine Entscheidung, die Gründe können sich nicht erst einstellen, wenn wir bereits glauben, wir müssen also mit dem Abwägen beginnen, bevor wir anfangen, zu glauben, ansonsten ist es eine Täuschung, anzunehmen, man habe sich aus vernünftigen Gründen für den Glauben entschieden.
Es nützt auch nichts, mir vorzuhalten, man müsse schließlich an etwas ohne Beweise glauben, z. B. an die Logik. Zum einen ist die Logik ein ungeeignetes Beispiel, weil sie Voraussetzung meines Denkens ist, d. h., es ist kein Glauben nötig, sondern die Existenz der Logik ist die Vorbedingung, um überhaupt glauben zu können (das gilt für viele andere Beispiele auch - ich halte es sogar für einen unlauteren Trick, solche Beispiele überhaupt zu benutzen, was mein Misstrauen noch verstärkt). Zum anderen, selbst wenn der Theist recht hätte, und es gäbe Dinge, an die ein Glauben unverzichtbar ist, dann hätte ich nicht die Wahl, ob ich daran glaube oder nicht.
Ich habe aber die Wahl, ob ich an Gott glaube oder nicht. Mehr noch: Ich sehe in den Naturwissenschaften, dass Erklärungen besser sind, die auf Gott verzichten. Ich sehe sogar den Erkenntnisfortschritt, den es gegeben hat, seitdem man auf Gott als Supererklärung verzichtet hat. Die Behauptung, wir sollten auf starke Beweise verzichten, weil dieses in diesem Fall nicht sinnvoll ist, ist wiederum eine Behauptung, die weit weg von aller alltäglichen Vernunft ist und wiederum eines starken Beweises bedürfte, damit man sie akzeptieren könnte. Die Beweislast liegt bei den Theisten, die solches behaupten.
Gott mag existieren oder nicht existieren - dies ist von unserem Glauben daran vollkommen unabhängig - aber für den Glauben selbst bräuchte man eine rationale Rechtfertigung, und die gibt es nicht [2]. Folglich ist es sinnvoll, nicht an Gott zu glauben, bis zum Vorliegen eines wirklich starken Beweises. Und deswegen bin ich Atheist.
In den anderen Artikeln zum Thema Psychologie, Religion und Glauben beschäftige ich mich mit der Religion, speziell der christlichen und dem Wesen des Glaubens:
Wieso glauben wir, woran wir glauben und wie funktioniert der Glauben? Diese Fragen werden hier psychologisch fundiert beantwortet - und das theologisch-christliche Denken zugleich fundamental kritisiert. Es wird gezeigt, dass es keine rationale Rechtfertigung für den Glauben gibt, und dass demgegenüber der
Atheismus (das Fehlen eines Glaubens an Gott) eine vernunftgemäße Grundlage hat. Das Denken in der Religion ist
archaischer Natur, es ist dogmatisch-stagnierend und führt zur Intoleranz, weil sich der Glauben nicht mit der Vernunft verteidigen kann, sondern mit den Mitteln der Indoktrination und des Zwangs arbeiten muss, um sich durchzusetzen. Toleranz und Meinungsfreiheit folgen aus der Idee, sich irren zu können. Während die Wissenschaft den Irrtum einkalkuliert und ihm einen hohen Stellenwert bei der Erkenntnis zuweist, versucht der Theismus, den Irrtum zu verdrängen und zu ignorieren und sucht nach Erkenntnis jenseits der Erkenntnis, Wissen jenseits des Wissens und versucht die wissenschaftlich erklärbare Welt mit dem Unerklärlichen zu mystifizieren und dem Verstehen zu entziehen. Aber jenseits der Vernunft gibt es nur Unvernunft, jenseits des Verstehens nur Unverständnis und jenseits des Verstands nur Unverstand. Jenseits des Rationalen lauern die Denkfallen des Irrationalen und wer vom Obskurantismus angelockt in sie hingerät, der wird seinen Verstand gebrauchen müssen, um aus dem Labyrinth wieder hinauszufinden. Wie man dies macht, das ist das Thema dieser Seiten, eine Anleitung zur Dekonstruktion christlichen Denkens, eine Wegbeschreibung zum eigenständigen Denken, eine Anleitung, der Gedankenkontrolle der Religion zu entkommen. Denken in Freiheit ist das Ziel der Aufklärung.
Bis dieser Bereich fertig ist, muss ich Sie leider vertrösten, aber es gibt bereits einige Artikel zu diesen Themen im Bereich Psychologie, Religion und Glauben:
Interessante Literatur zum Thema
Pro Atheismus
Boyer, Pascal: 2004,
Und Mensch schuf Gott, Klett-Cotta , Stuttgart. Eine anthropologische, neurobiologische und linguistische Theorie, warum der Mensch Gott erfinden musste, eine Theorie sämtlicher existierender Religionen - gründlich fundiert und experimentell abgesichert. Ein Muss, wenn man wissen will, wieso die Religionen entstanden sind.
Mackie, John L.: 1985,
Das Wunder des Theismus, Reclam, Ditzingen. Eine der besten deutschsprachigen Einführungen in den
Atheismus.
Barker, Dan: 1992b,
Losing Faith In Faith. From Preacher To Atheist., Freedom From Religion Foundation, Inc., Madison. Das Buch eines Mannes, der 19 Jahre lang fundamentalistischer Priester war und der
Atheist wurde. Humorvoll zu lesen, aber eben auch sachlich-fundiert.
Drange, Theodore M.: 1998,
Nonbelief and Evil: Two Arguments for the Nonexistence of God, Prometheus Books, New York. Zwei Argumente für die Nichtexistenz des (christlichen) Gottes, eines davon ist das
Theodizeeproblem, hier systematisch dargestellt und mit einer Widerlegung der meisten bekannten Lösungen des Problems.
Gale, Richard M.: 1993,
On the Nature and Existence of God, Cambridge University Press, Cambridge. Sehr in die Tiefe gehendes Werk über die Natur Gottes.
Martin, Michael: 1990,
Atheism: A Philosophical Justification, Temple University Press, Philadelphia. Das grundlegende Werk zur Einführung in den
Atheismus, sehr anspruchsvoll.
Martin, Michael (Hrsg.) und Monnier, Ricki (Hrsg.): 2002,
The Impossibility of God, Prometheus Books, New York. Ein Buch mit sog.
atheologischen Argumenten, die beweisen, dass es keinen Gott geben kann.
Minois, Georges: 2000,
Geschichte des Atheismus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart., Böhlaus Nachf., Weimar. Das Geschichtswerk über den
Atheismus.
Smith, George H.: 1979,
Atheism : The Case Against God, Prometheus Books, New York. Gründliche und systematische Einführung in den
Atheismus.
Contra Atheismus
Bibel: 2001,
Die Bibel, R. Brockhaus, Haan. Das Buch der Bücher – laut Isaac Asimov eine der besten Begründungen für den
Atheismus, die je ersonnen wurden.
Fries, Heinrich und Glockmann, Peter: 1971,
Ich sehe keinen Gott, Herderbücherei, Freiburg. Auseinandersetzung mit dem
Atheismus aus gläubiger Sicht.
Frossard, André: 1970,
Gott existiert. Ich bin ihm begegnet., Herder, Freiburg. Ein überzeugter
Atheist begegnet Gott und wird so von seiner Existenz überzeugt - kein Roman, sondern ein autobiographischer Bericht eines Ex-Atheisten.
Küng, Hans: 2001,
Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, Piper, München. Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes aus theologischer Sicht, fundiert, aber langatmig und wenig befriedigend
Kutschera, Franz von: 1991,
Vernunft und Glaube, de Gruyter, Berlin. Gründliche Einführung in den Glauben und eine Begründung dafür, warum es vernünftig ist, zu glauben.
Lewis, Clive Staples: 2001,
Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben., Brunnen-Verlag, Gießen. Vernünftige Gründe eines ehemaligen
Atheisten, warum er an Gott glaubt und Christ wurde, literarisch sehr gut gemacht und sehr gut zu lesen.
Sölle, Dorothee: 2002,
Gott denken. Einführung in die Theologie., Dtv, München. Gute Einführung in die Theologie über Gott.
Weissmahr, Bela: 2002,
Philosophische Gotteslehre, Kohlhammer, Stuttgart. Eine gründliche und tiefgehende philosophische Einführung in die Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben, argumentativ sicher das fundierteste Werk Pro-Werk, das ich bislang gelesen habe.
Das ist nur ein Ausschnitt aus meinem
Literaturverzeichnis. Dort finden Sie noch weitere Literatur zum Thema.
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Konfusius, er zitiert: "
Ein Atheist sagt nicht 'Es gibt keinen Gott', aber er sagt 'Ich weiß nicht, was Du mit Gott meinst; ich habe keine Idee, was Gott sein könnte; das Wort Gott ist für mich ein Laut ohne eine klare Bedeutung' ... 'Den Gott der Bibel verneine ich; an den christlichen Gott kann ich nicht glauben; aber ich bin nicht so voreilig und behaupte, es gäbe keinen Gott so lange Du mir nicht definieren kannst, was das ist'." (
Charles Bradlaugh)
Man kann die Alltagserfahrung durch Bayes Theorem [3] ausdrücken, aber ich möchte Ihnen hier die Mathematik ersparen. Bayes Theorem besagt, dass je unwahrscheinlicher eine Hypothese nach erstem Augenschein (unserem Alltagswissen) ist, umso bessere Evidenzen müssen wir verlangen, um die Hypothese annehmen zu können. Für eine so unserer Alltagserfahrung und unserem bisherigen Wissen widersprechenden Hypothese wie "Gott existiert" müssten also die Evidenzen schon sehr, sehr stark sein.
Stattdessen haben wir nicht den Hauch eines Beweises. Wir haben auch keine akzeptablen Gründe dafür, dass wir die Entscheidung, ob wir an Gott glauben sollen oder nicht, auf jeden Fall treffen müssen. Wir haben auch keine Hinweise darauf, dass Glauben ein angemessener Ersatz für Wissen ist, und dass wir daher unsere rationalen Bedenken über Bord werfen sollten. Viele Menschen glauben, weil sie nie einen Grund gefunden haben, den (kulturell) ererbten Glauben in Frage zu stellen. Sie haben daher auch nie wirklich eine Entscheidung getroffen. Und alleine deswegen wäre es schon notwendig, eine offensichtlich von anderen Menschen getroffene Entscheidung zu hinterfragen.
Wenn wir eine Hypothese akzeptieren oder zurückweisen, so sollten wir stets damit rechnen, dass wir dabei Fehler machen - dies ist eine Folge des Münchhausentrilemmas. Es gibt keine perfekte Erkenntnis - eigentlich ist dies selbst eine triviale Erkenntnis. Es gibt dabei zwei Arten von Fehlern, die wir machen können (und unvermeidbar auch hin und wieder machen werden):
- Fehler 1. Ordnung: Wir akzeptieren eine Annahme als wahr, dabei ist sie leider falsch.
- Fehler 2. Ordnung: Wir lehnen eine Annahme als falsch ab, dabei ist sie aber wahr.
Je mehr wir unter konstanten Bedingungen versuchen, Fehler 2. Ordnung zu vermeiden, umso sicherer begehen wir Fehler 1. Ordnung. Wir müssen, um Fehler der einen oder der anderen Art zu minimieren, die Qualität und/oder die Quantität der Evidenzen erhöhen. Nun versuchen Gläubige unter allen Umständen, Fehler 2. Ordnung zu vermeiden - es könnte ja "doch etwas dran sein". Da sie die Qualität der Evidenzen nicht beeinflussen können (meist, weil es keine gibt) bedeutet dies, dass sie umso sicherer bestimmte Annahmen als wahr akzeptieren, die falsch sind (Fehler 1. Ordnung).
Nun zeigt die Erfahrung, dass wahre Annahmen generell viel seltener sind als falsche Annahmen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für Fehler 2. Ordnung gering ist, die für Fehler 1. Ordnung aber sehr hoch - die Gläubigen sorgen sich um die falsche Fehlerart, tatsächlich rechnen sie oft überhaupt nicht damit, an falsche Annahmen zu glauben. Wer nun sagt, dass diese Erfahrung nicht für den religiösen Glauben gilt, der weiß nicht, ob dies nicht bereits wieder ein Fehler ist. Wenn wir keine Erfahrung über ein Gebiet haben bzw. unsere normale Erfahrung dort nicht gilt, dann sind solche Behauptungen besonders kühn und benötigten daher auch besonders starke Evidenzen.
Verkürzt gesagt, wer Angst davor hat, einen Glauben als falsch zurückzuweisen, der wird umso sicherer an das Falsche glauben. Das gilt auch für die Behauptung, unsere Erfahrung sei auf dem Gebiet des Glaubens nicht gültig - je weniger Erfahrung wir auf einem Gebiet haben, umso mehr Fehler werden wir machen.
Um Fehler dieser Art zu vermeiden, bleibt uns nur der dritte Weg übrig: Weder die Hypothesen zu akzeptieren noch sie zu verwerfen - Agnostizismus . Damit die Gläubigen diesen Weg nicht gehen, wird psychologischer Druck ausgeübt, z. B. durch Androhung von Höllenstrafen oder Ähnliches, z. B. der Verlust des ewigen Lebens. Das scheint höchst unredlich zu sein. Warum sollte Gott es nötig haben, Menschen gegen ihre Erfahrung handeln zu lassen, wenn er sich in seiner Allmacht doch leicht offenbaren könnte? Die üblichen Offenbarungen kann man nicht für stichhaltig halten, weil sie alle aus zweiter Hand stammen - etwas aus zweiter Hand aber kann keine göttliche Offenbarung sein. Das Fehlen einer objektiven göttlichen Offenbarung ist eine weitere schwer wiegende Evidenz gegen die Existenz Gottes (oder eine Evidenz dafür, dass Gott nichts mit uns zu tun haben will - das würde alle sog. "Offenbarungsreligionen" aber ungültig machen).
Nicht damit zu rechnen, Fehler zu machen, scheint mir schon der erste Fehler der Theologie zu sein. Jede Erfahrung zu verwerfen, weil wir auf dem Gebiet keine Erfahrung haben können, scheint mir dann gleich der zweite Fehler zu sein. Und an Offenbarungen aus zweiter Hand zu glauben, dass bedeutet eben nicht, an göttliche, sondern an menschliche Offenbarung zu glauben und Menschen an die Stelle Gottes zu setzen. Und dass Gott es nicht besser kann, sondern so brüchige Konstruktionen benutzen muss, um an seine Verehrung zu kommen (die er wozu braucht?) scheint mir eher Blasphemie zu sein.
Dass wir Behauptungen nur im Lichte alter Erfahrungen überhaupt beurteilen können, veranlasst die Theisten meist, unseren Verstand und unser Wissen zu attackieren. Aber je unsicherer unsere Basis wird, umso mehr müssen wir uns darauf verlassen, dass das, was wir noch wissen, stimmt. Wenn wir aber einmal nicht zutreffendes Wissen annehmen - sei es aus Irrtümern heraus, sei es, weil wir an etwas Falsches zu glauben genötigt werden - dann ist unsere Wissensbasis korrumpiert, und wir können dazu veranlasst werden, die unwahrscheinlichsten und unmöglichsten Dinge für wahr zu halten - weil wir die neuen Behauptungen anhand alter (falscher) Angaben beurteilen. Deswegen bemühen sich die Theisten so sehr, unser Wissen als unsicher darzustellen, damit sie ihre Glaubenssätze einschmuggeln können, d. h., wir sollen ungeprüfte (und meist unprüfbare) Behauptungen als sicheres Wissen in unsere Wissensbasis einfügen. Dadurch wird die Basis unseres Denkens aber korrumpiert, vor allem, weil diese Glaubenssätze gegen Widerlegung immunisiert worden sind - es also nicht einfach, falsche Aussagen wieder zu entfernen.
Der Glauben besteht meist nicht in einer Ansammlung beliebiger Aussagen. Die Glaubenssätze sollen unmittelbare Konsequenzen für unser Leben haben. Normalerweise prüfen wir Aussagen, die Einfluss auf unser Leben haben, viel gründlicher als Aussagen, die keinen Einfluss haben. Wenn Sie mir beispielsweise erzählen, sie äßen jeden Morgen zum Frühstück ausschließlich Bananen, so werde ich Ihnen dies ungeprüft glauben. Nichts aus meiner Erfahrung spricht dagegen, dass das möglich ist. Menschen essen noch viel ungewöhnlichere Dinge zum Frühstück. Wenn Sie mir nun aber weismachen wollen, dass dies für meine Gesundheit von ungeheurer Wichtigkeit ist, mein Verhalten Ihrem Verhalten anzupassen und meine Ernährung umzustellen - dann werde ich schon skeptischer und werde Sie nach einer Begründung fragen. Können Sie mir eine sehr gute Begründung liefern, so werde ich erwägen, mein Frühstück auch auf Bananen umzustellen. Ist Ihre Begründung nicht sonderlich gut, so werde ich Ihnen sagen: "Ist ja schön und gut, wenn Sie nur Bananen frühstücken, aber ich bleibe bei meinem Vollkornbrot".
Wenn Sie nach theistischer Überzeugungsmanier verfahren würden, um mich zu überzeugen, dann würden Sie zunächst mein Ernährungswissen attackieren und das klein reden (Angriff ist die beste Verteidigung - das lenkt dann von den fehlenden Begründungen ab). Dann würden Sie diese Lücken nutzen, um Überzeugungen über Ernährung in mein Denken zu schleusen, die nicht überprüfbar sind und die ich nicht widerlegen kann. Außerdem würden Sie von den Freuden des Bananenessens schwärmen und wie gesund das sei und gleichzeitig meine Essgewohnheiten als krank machend darstellen (alles ohne Beweise oder Indizien, versteht sich). Und irgendwann hätten Sie genug Kontrolle über meine Überzeugungen, um meine Gewohnheiten zu ändern - zumindest im Denken. Ich würde eventuell selbst meist Vollkornbrot essen, aber anderen von Bananen vorschwärmen, um zu sehen, ob das überzeugend ist. Nichts gegen Bananen - das war nur ein Beispiel - aber diese Methode der Bananenmission überzeugt mich nicht und macht mich eher misstrauisch. Warum sollte ich aufgrund unüberprüfbarer Behauptungen mein Leben ändern?
Nein, wenn Sie mich überzeugen wollen, dann bitte mit guten Gründen. Auf etwas anderes reagiere ich nicht - aus Erfahrung. Und wenn Sie meine Erfahrung angreifen und schlecht machen, dann werde ich misstrauisch. Denn aus der Tatsache, dass unser Wissen begrenzt ist und unser Verstand schwach, da schließe ich, dass wir neues Wissen nur sehr zögerlich akzeptieren dürfen, nur aus guten Gründen und nicht ohne sorgfältige Prüfung. Und je kleiner und unsicherer unsere Basis ist, umso strenger und genauer muss geprüft werden - nicht weniger, wie uns die Theisten glauben machen wollen.
Weiterführende Links zum Thema
Die Formel der Wirklichkeit (→ http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/news/2002/2708_tagesspiegel.htm). Ein sehr guter Artikel zum Thema Bayes Theorem.
Konfusius, er zitiert: "
Ist Gott ein Atheist? Wenn nicht, wer schuf ihn? Und wenn er es ist, warum sollte ich nicht in seinem Unglauben mit ihm übereinstimmen?" (
John Nicholson)
Aus dem vorher Gesagten könnte man jetzt die Auffassung entnehmen, dass ich die Gläubigen für leichtgläubig halte. Denn sie akzeptieren Behauptungen als wahr, die sowohl sehr unwahrscheinlich sind als auch sehr weit von unserer Erfahrung entfernt sind. Trotzdem basiert die Annahme des Glaubens auf demselben Prinzip wie meine Ablehnung des Glaubens. Wie kann das sein?
Nur mal kurz, was ich unter Leichtgläubigkeit verstehe. Zum einen kann man keinen Trennstrich ziehen und sagen: Das ist Gläubigkeit, und exakt ab da beginnt die Leichtgläubigkeit. Beides geht ineinander über. Genauso wenig kann man Alltagsglauben und Wissen voneinander trennen, weil beides ineinander übergeht, es hat eben alles verschiedene Grade der Sicherheit und erreicht so gut wie nie 100%. Und von vielem Wissen können wir diesen Grad an Sicherheit nicht einmal angeben.
Die WEG-Basis
Wir haben eine Wissens- und emotionale Glaubensbasis (Glauben im Sinne von vermuten, für wahr halten, alles mit geringerem Grad an Sicherheit als beim Wissen), von der aus wir die Welt beurteilen müssen. Wir können nicht von dem ausgehen, was wir nicht wissen (und von dem wir teilweise nicht einmal wissen, dass wir es nicht wissen). Wir können aus dem, was wir nicht wissen, auch keine Grundlage beziehen. Glaubt man trotzdem, dass das geht, dann ist der erste Schritt in die Leichtgläubigkeit bereits getan - man korrumpiert seine eigene Basis, was den Stand erschwert. Außerdem besteht unser Wissen nicht nur aus Daten, Fakten und Verknüpfungen, sondern wird wesentlich durch emotionale Bewertungen bestimmt - Dinge, die emotional hoch bewertet werden, brauchen nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, um akzeptiert zu werden und umgekehrt. Man muss also von einer Wissens- und Emotionalen Glaubensbasis sprechen, kurz WEG-Basis.
Ein Beispiel
Sie erinnern sich hoffentlich noch an das Beispiel mit dem leerstehenden Haus von den Seiten zuvor?
Was heißt hier "Beweise"?
Was bedeutet "überzeugender Beweis"? Das selbst ist wiederum ein subjektives Kriterium. Aber wir halten im allgemeinen Dinge eher für wahr, wenn sie mit unserem (bisherigen) Wissen/Emotionen/Glauben übereinstimmen, als wenn sie dem völlig widersprechen. Das erklärt, warum ein Christ nicht einfach noch zusätzlich an Shiva glauben kann, denn dies widerspricht fundamental einem Teil seiner Glaubensbasis. Einem Christen müsste man schon ganz schön harte Fakten und überzeugende Argumente bieten, damit er an Shiva glaubt. Vermutlich wäre ein Christ in dieser Hinsicht genauso schwer zu überzeugen wie ein harter Atheist, vielleicht sogar eher noch schwerer. Widerspruch kann auch emotionaler Art sein, meist ist es eine Mischung.
Was Shiva angeht, ist also kaum ein Christ als leichtgläubig zu bezeichnen. Denn Leichtgläubigkeit bedeutet, Dinge als wahr zu akzeptieren, die der eigenen WEG-Basis widersprechen, ohne dafür angemessene Beweise oder Argumente zu verlangen. Wer im obigen Beispiel mit dem Haus einfach glaubt, dass dort Außerirdische einziehen, den würden wir als naiv und leichtgläubig bezeichnen. Wobei Widerspruch alleine nicht ausreicht, zusätzlich kommt noch die Wahrscheinlichkeit hinzu. Wir sind eher bereit, Informationen geringer Wahrscheinlichkeit zurückzuweisen (die Wahrscheinlichkeit wird wiederum subjektiv bewertet, ausgehend von der vorhandenen Wissenbasis). Und wir weisen auch eher Dinge zurück, die gegen emotional hoch bewertetes Wissen verstoßen.
Allerdings: Wer ohnehin davon überzeugt ist, dass gerade eine Invasion Außerirdischer vom Sirius im Gange ist, der wird die Behauptung akzeptieren - und wir können ihr oder ihm nicht unbedingt Leichtgläubigkeit attestieren (außer bei der Annahme der Sirius-Invasionsgeschichte zu Beginn).
Konversion und Korruption
Wie kann man nun einem Menschen beibringen, dass eine Invasion vom Sirius im Gange ist? In dem man seine WEG-Basis korrumpiert. Dabei ist es nicht einfach, widersprechende Informationen in die WEG-Basis einzuschleusen - ein gewisses Maß an Widersprüchen existiert bei Jedem, aber neue Widersprüche werden meist leicht zurückgewiesen. Wenn die WEG-Basis noch relativ leer ist, ist es natürlich einfach, korrupte Informationen dort einzuschleusen - da ist noch wenig Potenzial für Widersprüche. Sprich, Kinder glauben deswegen leichter (sind aber deswegen nicht unbedingt leichtgläubiger), weil ihnen die Basis fehlt, um neues Wissen als widersprüchlich und/oder unwahrscheinlich zu entlarven. Wenn also ein Erwachsener korrupte Informationen bei Kindern einschleust, so werden diese später unwahrscheinliche Dinge leichter glauben und diese Kinder werden später als Erwachsene wiederum korruptes Wissen weitergeben etc. Das nennt man ein sich selbst-korrumpierendes System. Besonders leicht geschieht dies über emotionale Besetzungen - Widerspruch in emotional wichtigen Dingen ist schwerer zu akzeptieren als in emotional gering bewerteten Dingen.
Korrupte Informationen sind falsche Informationen oder falsche Gründe, die für die Richtigkeit von Informationen (scheinbar) sprechen. Wenn beispielsweise behauptet wird, dass Märtyrer die Wahrheit einer Religion bezeugen, so ist dies ein falscher Grund zur Bewertung des Wahrheitsgehalts einer Religion, denn dies ist aus logischen Gründen unakzeptabel.
Bei Erwachsenen ist die Korruption der WEG-Basis sehr viel schwieriger, aber es gibt dazu ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten, von korrumpierenden Argumenten bis hin zur Gehirnwäsche gibt es die volle Bandbreite. Korrumpierende Argumente sind z. B. Ultra-skeptische Argumente, mit denen die Integrität der WEG-Basis selbst angezweifelt wird. Wenn man die WEG-Basis zum Schrumpfen bringt, in dem man vorhandenes Wissen "wegerklärt", und/oder die emotionale Wertigkeit absenkt, dann kann man neues Wissen einschleusen, weil die Basis für Widerspruch geschrumpft ist. Werdet wie die Kinder, wie Jesus bereits empfiehlt ... denn Kinder haben eine kleine, leicht zu korrumpierende Basis.
Besonders gut funktioniert dies in emotionalen Krisen, wo man meist sowieso mit einer "Umwertung aller Werte" (Emotionen sind Bewertungen) beschäftigt ist. Dann ist die Basis des "emotionalen Widerspruchs" geschrumpft. Bei rein intellektuell orientierten Menschen ist das schwieriger, aber dafür hat man den Ultra-Skeptizismus. Der kann wie ein Virus die vorhandene Wissenbasis "zerfressen" (welchem Wissen kann man denn noch trauen?). Und intellektuell orientierte Menschen sind mit emotionalen Dingen leichter zu "kriegen".
Schlussfolgerung
Anders gesagt: Die Mehrheit der Gläubigen sind nicht leichtgläubiger als Nichtgläubige auch. Aber ihre WEG-Basis ist eine andere, folglich können sie bestimmte Dinge leicht akzeptieren, die einem Ungläubigen schwer fallen und umgekehrt. Und es gibt unter Gläubigen wie Nichtgläubigen vermutlich eine eher gleiche Verteilung der Leichtgläubigkeit. Und die Basis selbst hat ein gewisses "Beharrungsvermögen", was uns "resistent" gegen die Annahme "fremden" Wissens macht. Als Balance dagegen steht z. B. die Neu-Gier, d. h. das Streben nach neuem Wissen. Mit dem Untergraben der WEG-Basis und dem Erhöhen der Neugier macht man die Menschen aufnahmefähiger für Neues, danach, wenn die Basis umstrukturiert wurde, senkt man die Neugier und macht die Menschen zusätzlich resistent gegen Änderungen - z. B. in dem man Zweifel emotional negativ bewertet, damit wird die Offenheit für neue Informationen untergraben (interessanterweise wird dadurch die Leichtgläubigkeit sogar vermindert).
Daher ist die Auffassung, Gläubige seien "leichtgläubiger" als Nichtgläubige, zurückzuweisen.
Begründung: Weil Gläubige aufgrund ihrer WEG-Basis nicht viel anders verfahren als Ungläubige auch.
Das bedeutet, dass Glauben und Unglauben auf demselben Prinzip beruhen. Anders gesagt, vor allem Glauben steht die Abschätzung der emotionalen Bewertungen, der Wahrscheinlichkeiten und ob das Behauptete einen Bezug zu unserer Erfahrung hat. Allerdings hat man den Gläubigen ausgetrickst, in dem man ihm unbewiesene Sätze von hoher Emotionalität in seine WEG-Basis geschmuggelt hat (meist über die Erziehung). Man muss nämlich, bevor man überhaupt anfangen kann, zu glauben, nach Bayes Theorem den Glauben selbst bewertet haben. Diese Bewertung selbst ist rationaler Analyse zugänglich, Gauben scheint häufig nur deswegen akzeptabel, weil diese Analyse unterblieben ist oder die Ergebnisse einer solchen Analyse in ihrer Glaubwürdigkeit erschüttert wurden. Wenn man aber Bayes Theorem ablehnt, dann hat die Annahme des Glaubens selbst keine Grundlage mehr. Ohne eine Grundlage aber kommt man dazu, falsche Dinge zu akzeptieren. Denn Bayes Theorem hat sich in unserer Wahrnehmung bewährt, verwirft man, verwirft man alle seine Wahrnehmung, folglich muss man auch den Glauben verwerfen, denn dann kann man nichts mehr glauben.
Geglaubt wir meist nicht, weil man die Gründe, die für und wider den Glauben sprechen, gegeneinander abgewogen hat - die Gründe, die gegen den Glauben sprechen, kennen die meisten Gläubigen überhaupt nicht bzw. in verzerrter Form [4]. Aber gerade das Abwägen der Gründe ist Vernunft in Aktion, sofern es nicht einseitig ist. Und dies muss man tun, bevor man eine Entscheidung trifft, sonst meigt man dazu, seine bereits getroffene Entscheidung nur einfach zu bestätigen (eine menschliche Schwäche).
Daraus folgt ein Primat der Vernunft und des Prinzips der kritischen Prüfung. Glauben kann sich nicht selbst begründen. Das ist seine große Schwachstelle, die zwar getarnt ist, aber nichtsdestotrotz hier gegen ihn verwandt wird. Denn es gibt viele verschiedene Glaubensrichtungen, wie kann ich entscheiden, welcher Glauben richtig ist? Auch nur durch vernünftiges Abwägen. Und auch daraus folgt dass Primat der Vernunft. Auch der Glauben muss sich der Vernunft stellen. Stellen die Gläubigen die Vernunft infrage, zerstören sie ihre eigene Basis. Ablehnen der Vernunft bedeutet, keine Entscheidung getroffen zu haben, d. h. man weiß nicht, warum man eigentlich glaubt. Wenn man denkt, man glaubt, weil man eine Entscheidung getroffen hat, so ist dies (schon aus statistischen Gründen, die überwiegende Mehrheit der Menschen hat den Glauben der Eltern oder der Umwelt "einfach so" übernommen) eine Täuschung - was bedeutet, die Grundlage des Glaubens basiert bereits auf einer Täuschung!
Konfusius, er sagt: "Ein Glauben, der es wert ist, geglaubt zu werden, muss Zweifel und kritische Prüfung überleben - wer sich vor der Prüfung drückt, und sei es auch nur in einem kleinen Teil, der ist nicht glaub-würdig."
Wir haben jetzt gelernt, Hypothesen nur dann zu akzeptieren, wenn die Güte der Begründung in einem angemessenen Verhältnis zur Entfernung der Hypothese von unserer Erfahrung steht (je weiter entfernt, desto besser muss die Begründung sein). Unsere ganze Wahrnehmung und unser Denken beruht auf diesem Grundsatz (Bayes Theorem ), offensichtlich hat sich dieser Satz im Laufe einer 3,5 Milliarden Jahre dauernden Evolution so gut bewährt, dass sich unser ganzes Wissen auf diese Grundlage verlässt.
Theisten und Theologen haben dagegen aber einen Einwand, der gerne mit folgendem Witz erläutert wird:
Mitten in der Nacht sieht Paul seinen Freund Erich, wie er auf der Straße ständig um eine Laterne herumläuft, den Blick auf den Boden gesenkt.
Paul: Was machst Du denn hier?
Erich: Ich habe meinen Haustürschlüssel verloren, den suche ich jetzt.
Paul: Wo genau hast Du ihn denn verloren?
Erich: Etwa bei dem Häuserblock da hinten.
Paul: Warum suchst Du ihn denn nicht dort, sondern hier?
Erich: Weil es dort stockfinster ist - da sehe ich ja nichts!
Das Gleichnis will uns sagen, dass der Verstand unsere Umwelt nur in einem begrenzten Umkreis "erleuchtet". Vieles liegt im Finstern, und wenn wir dort etwas verloren haben, dann hilft uns der Verstand bei der Suche auch nicht weiter. Dann müssen wir, statt um die Laterne herumzulaufen, doch im Dunkeln suchen, wo wir etwas verloren haben, nicht im Hellen, wo wir nichts verloren haben.
Die Geschichte hinkt aber gleich auf mehreren Füßen. Zum einen ist es der Theist, der uns einreden möchte, wir hätten etwas im Dunkeln verloren, was wir unbedingt finden müssten (und was so wichtig ist wie ein Haustürschlüssel). Zum anderen kann uns der Theist nicht begründen, warum wir das, was wir eigentlich nicht suchen und nicht vermissen, im Dunkeln verloren haben und nicht im Hellen.
Warum sollten wir uns vom Theisten ins Dunkle locken lassen, wo wir nichts sehen können? Wenn man etwas verloren hat, aber nicht genau weiß wo, dann handelt Erich völlig sinnvoll, wenn er zuerst im Hellen sucht. Denn im Dunklen wird er es ohnehin nicht finden. Das gilt sogar für den Fall, dass es relativ unwahrscheinlich ist, dass er den Schlüssel in der Nähe der Laterne verloren hat, aber die Wahrscheinlichkeit, dort etwas zu finden, ist einfach größer als im Dunkeln [5].
Glauben hilft uns hier einfach nicht weiter. Wir können etwas (in verschieden Graden der Verlässlichkeit) wissen oder in verschiedenen Graden der Ungewissheit vermuten oder glauben. Wir können Wahrscheinlichkeiten abschätzen, und wir können feststellen, dass sich die Frage nicht eindeutig oder ausreichend beantworten lässt und die Frage dann einfach offen lassen. Und die Begründung der Antwort muss von ausreichender Qualität sein.
Wir haben keinen Beweis dafür, dass Gott existiert [6]. Es scheint, dass es keine logische Möglichkeit für uns gibt, zu Gott vorzustoßen und ihn zu erkennen - auch das wird von Theologen zugegeben. Gott ist unerkennbar (mindestens in Teilen). Gott ist im Dunkeln, und wir können ihn nicht sehen - falls er überhaupt da ist. Gott in der unendlichen Dunkelheit zu suchen macht überhaupt keinen Sinn. Gott müsste schon auf uns zukommen - immerhin soll er allmächtig sein. Er müsste ins Licht treten, damit wir eine Chance haben, ihn zu sehen. Und die Offenbarungen nützen uns nichts - es reicht nicht, dass jemand behauptet, er habe im Dunklen Gott erkennen können, genau dort, wo die Täuschungsmöglichkeiten am Größten sind. Es läge an Gott, sich uns zu offenbaren. Gott aber hat sich nicht offenbart. Es gibt nur einzelne Menschen, die behaupten, er habe sich ihnen offenbart, aber diese Art der Offenbarung geht uns nichts an, weil wir weder Täuschung, Selbsttäuschung noch Lüge ausschließen können.
Warum ein allmächtiger Gott, der sich jederzeit zweifelsfrei zu erkennen geben könnte, ausgerechnet eine der unsichersten Methoden der Erkenntnis - den Glauben - bevorzugen sollte, ist schlechterdings unerfindlich. Das ist so, als ob wir unser Geld nur von Leuten zählen ließen, von denen wir sicher sind, dass sie sich verzählen - denn ist sind ja anderseits die Theologen, die uns ständig erzählen, wir könnten nicht ausreichend erkennen. Das macht eine Täuschung in dieser Frage aber eben nur wahrscheinlicher. Gerade, wenn die Theologen mit ihrem Zweifel am Verstand recht hätten, dann müssten wir noch mehr Sicherheit für ihre Behauptungen verlangen. Aber es es fast paradox: Unser Verstand soll zu schlecht sein, um Gott zu erkennen, und deswegen sollen wir ohne jeden Beweis akzeptieren, was sie uns sagen!
Je schmaler meine Basis des Erkennens ist, desto sorgfältiger muss ich neue Erkenntnisse prüfen, nicht umso sorgloser kann ich glauben, was mir erzählt wird.
Wer gerne den mathematischen Beweis sehen möchte, mit dem man zeigen kann, wieso es sinnvoller ist, im Licht zu suchen, dem sei das sehr gute und sehr vergnügliche Buch Der Schein der Weisen empfohlen. In diesem Buch wird gezeigt, von welcher Relevanz Bayes Theorem im alltäglichen Leben ist.
Konfusius, er zitiert: "Es ist besser, einen Flammenwerfer anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen." (Terry Pratchett)
Der folgende Text stammt von einer Website, ich habe ihn durch Zufall gefunden. Ich setze mich damit auseinander, weil er eine Fülle von Vorurteilen gegen Atheisten enthält. Die Zitate aus dem Brief sind in weißer Schrift auf blauem Grund. Vielleicht lesen Sie aber zunächst den kompletten Text ohne meine Kommentare.
Brief an einen Atheisten (→ http://www.waytruthlife.de/beitraege/weltanschauung/briefaneinenatheisten.htm). Dazu gibt es ein Buch, siehe auch Brief an einen Atheisten (→ http://www.clv.de/index.php?sid=ab624575f2ab27e52eaf6d7b6d81fbaf&cl=details&cnid=&anid=333) von Dietmar Fink.
| Sie sind Atheist. Sie glauben, es gibt keinen Gott. Sie glauben, alles ist von selbst entstanden - der Kosmos nach einem zufälligen Urknall, das Leben in einer zufälligen Ur-Brühe, der Mensch aus einem zufällig mal etwas intelligenterem affenähnlichen Wesen, Sie selber das zufällige Produkt zufälliger Eltern. Ihr eigenes Leben wird nur von Zufällen regiert, und wenn Sie zufällig mal sterben sollten, so werden Ihre Überreste in irgendeiner zufälligen Grube landen. Nichts in Ihrem Leben geht auf Planung zurück. Woher auch? Es ist doch alles nur Zufall, aus anderem Zufall hervorgegangen. Es hätte deshalb ja auch alles rein zufällig ganz anders sein können. |
Die Überbetonung des Zufalls ist ein probates Mittel zur Diskreditierung der Evolutionstheorie und des Atheismus. Ob der Urknall zufällig war, können wir (momentan) nicht wissen, darüber zu spekulieren ist müßig. Die Entstehung des Lebens aber geschah definitiv nicht nur aus einem Zufall heraus, sondern aus einem Wechselspiel von Zufall und Notwendigkeit. Sich nur auf den Zufall zu versteifen ist daher unsinnig. Dass Zufälle im Leben eine Rolle spielen - wer wollte das bestreiten? Der Schluss, dass deswegen nichts in meinem Leben auf Planung zurückgeht, ist dann aber ein ohne jeden logischen Zusammenhang. Gerade weil es im Leben Zufall gibt, muss man sorgfältig planen, nur, man muss es selbst tun, es wird einem nicht abgenommen. Wenn man dagegen (konsequent) denkt, die Planung käme von außen, dann macht man sich selbst zum Spielball des Zufalls (so konsequent sind die meisten Gläubigen dann aber doch nicht, zu ihrem Glück).
Es stimmt, alles hätte rein zufällig auch anders sein können. Ich hätte nicht geboren werden müssen, umso erfreuter bin ich, dass ich trotzdem existiere.
| Ob Sie nun ein Türke oder Deutscher, arm oder reich, Christ oder Kommunist, klug oder dumm sind - stets haben Sie die Entschuldigung zur Hand, dass Sie ja nur aus Zufall sind, was Sie sind. Sie selber tragen also für nichts in Ihrem Leben Verantwortung! |
Das ist wiederum so eine Annahme: dass der Zufall uns die Verantwortung nimmt. Vieles in meinem Leben ist Teil einer sorgfältigen Planung, und für Dinge, bei denen ich handle, bin ich auch selbst verantwortlich. Wenn ich zufällig vorbeikomme, wenn gerade ein Mensch ertrinkt, dann gehe ich nicht weiter und sage "Alles nur Zufall, ich bin für nichts verantwortlich". Im Gegenteil, gerade, weil ich zufällig vorbeikomme, bin ich jetzt dafür verantwortlich, den Ertrinkenden zu retten.
Und eine Entschuldigung zu haben, macht mein Leben auch nicht besser. Im Gegenteil, wenn Gott dafür ursächlich verantwortlich ist, dass ich Türke oder Deutscher in, arm oder reich etc., dann habe ich selbst keine Verantwortung dafür, aber immer eine Entschuldigung! Ich kann nur verantwortlich sein für meine eigene Planung, aber nicht für die Gottes. Vor allem, wenn ich meine, Gott Gehorsam zu schulden, dann gebe ich damit meine Verantwortung auf.
| Eine wunderbare Ausrede: Deshalb besteht für Sie auch keine tiefere Veranlassung, die von zufälligen Juristen und Politikern geschaffenen zufälligen Gesetze einzuhalten. Sie dürfen also nach Herzenslust rauben, morden und plündern. Oder etwa nicht? Und wie steht es mit der Moral? Ist die nicht auch das zufällige Produkt zufälliger Moralprediger, die Ihnen ihren Willen aufzwingen wollen? Sie dürfen also als überzeugter Atheist getrost auch auf Moral verzichten. Denn schließlich ist alles, was Sie umgibt - und auch Sie selber - rein zufällig und deshalb sinnlos. Ob es Sie überhaupt gibt oder nicht, spielt gar keine Rolle. Ob es Ihnen gut geht oder schlecht, hat nichts zu bedeuten. Es lohnt sich also gar nicht, Sie eines weiteren Blickes zu würdigen, Sie als Zufallsprodukt überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. |
Das ist ein absurdes Argument ad hominem. Hier wird wieder so getan, als ob Atheisten moralisch verantwortungslose Menschen sein. Zum einen ist das faktisch nicht so, eher im Gegenteil (siehe auch Sind Christen bessere Menschen?). Zum anderen: Selbst wenn es so wäre (was ich bestreite), macht dies den Atheismus nicht falsch.
Es ist ein simpler Denkfehler, zu behaupten, etwas sei falsch, weil es zu unangenehmen Konsequenzen führt. Etwa nach dem Motto: "Es ist unmoralisch, dass der Stärkere gegenüber dem Schwächeren gewinnt, und deshalb ist der Darwinismus falsch". Moralische Regeln beschreiben, wie etwas sein Soll, Wissenschaft beschreibt, was Ist, und nie verwechselt man ungestraft das Eine mit dem Anderen.
Außerdem ist hier wieder die ungerechtfertigte Behauptung: Etwas ist zufällig, also ist es sinnlos. Da Sinn etwas ist, was wir dem Leben geben, können wir auch zufälligen Dingen einen Sinn geben, damit sind sie nicht mehr sinnlos. Es gibt einfach keinen logischen Zusammenhang zwischen "zufällig" und "sinnlos".
| Sie sind anderer Meinung? Sie halten doch etwas auf sich? Sie wollen mehr sein, als ein zufälliger Haufen Fleisch an einem rein zufälligen Ort? Sie behaupten gar, Intelligenz zu besitzen? Ja woher denn? Ein eiserner Grundsatz der Informatik ist, dass Information - also auch Intelligenz - nicht von selbst, also nicht aus Zufall entstehen kann. |
Dass Information nicht durch Zufall entstehen kann, ist durch nichts bewiesen, eher im Gegenteil. Selbstverständlich enthält jeder Zufall auch Informationen. Und auch hier wieder diese Überbetonung des Zufalls, denn Information entsteht aus Zufall und Notwendigkeit. Trennt man das Eine von dem Anderen, wie hier versucht wird, so entsteht ein reiner Unsinn, den man dann bequem demontieren kann. Man bezeichnet dies als Strohmann-Argumentation: Da man dem Atheismus nicht mit Argumenten beikommen kann, baut man einen falschen Atheismus auf, denn man dann widerlegt, um behaupten zu können, damit den eigentlichen Atheismus widerlegt zu haben. Im Atheismus geht es aber um das Fehlen eines Glaubens an Gott, nicht darum, dass unser Leben komplett vom Zufall regiert wird.
Es gibt sogar einige atheistische Philosophien, für die es überhaupt kaum Zufall gibt, sondern alles Teil einer logischen Entwicklung ist - Beispiel Kommunismus. Atheismus verträgt sich sehr gut mit der Annahme, dass es so gut wie keinen Zufall gibt oder sogar überhaupt keinen Zufall.
Hinzu kommt: Wenn das Argument stimmt, dass Intelligenz nicht aus Zufall oder dem Nichts entstehen kann, dann darf man auch nicht annehmen, dass Gott intelligent ist, denn woher sollte seine Intelligenz kommen? Hier wird eine Pseudo-Erklärung benutzt: Es gibt Intelligenz, weil es Intelligenz gibt. D. h., Intelligenz wurde durch Gott geschaffen, der selbst intelligent ist. Dass eine Intelligenz auch wiederum Intelligenz erzeugen kann, kann man wohl kaum bestreiten, aber damit ist die Herkunft der Intelligenz bloß verschoben. Damit ist die Behauptung, dass Intelligenz nicht durch Zufall (und Notwendigkeit) entstehen kann, rein tautologischer Natur, also völlig sinnfrei. Es wird vorausgesetzt, was man eigentlich erklären möchte, womit die Erklärung ungültig ist.
Das Argument sieht formal so aus:
(P1) Keine Intelligenz kann durch Zufall entstehen, sondern setzt bewusste (intelligente) Planung voraus.
(P2) Menschen sind intelligent.
Schlussfolgerung:
(S) Menschliche Intelligenz ist durch bewusste und intelligente Planung entstanden.
Die Prämisse (P1) ist aber falsch, denn woher kommt die Intelligenz Gottes? Sie kann - wenn (P1) richtig sein sollte - nur durch bewusste (intelligente) Planung entstanden sein. Entweder gab es also einen Superschöpfer, der Gott geschaffen hat, der wiederum einen Supersuperschöpfer benötigt usw. usf. bis in alle Ewigkeit (dies nennt man einen unendlichen Regress). Oder aber wir nehmen Gott davon aus - seine Intelligenz beruht nicht auf bewusster (intelligenter) Planung. Damit ist (P1) aber widerlegt, denn dort steht keine Intelligenz, aber das stimmt nicht, denn Gottes Intelligenz kam ohne bewusste (intelligente) Planung zustande. Also gibt es Ausnahmen, damit ist (P1) falsch und damit auch die Schlussfolgerung (S).
Wir haben hier ein Beispiel, bei dem mit einem längst widerlegten Gottesbeweis gearbeitet wird. Das mag zunächst plausibel erscheinen, ist aber notwendig falsch. Das macht dann auch die Schlussfolgerungen des nächsten Abschnitts völlig falsch:
| Wenn Sie das nicht glauben wollen, dann schalten Sie doch mal ihren Computer an und warten darauf, dass er von selber Intelligenz entwickelt. Ich wette mit Ihnen, da können Sie lange darauf warten. Wenn Sie nicht irgendwann damit anfangen, selber Intelligenz in den Rechner zu stecken - entweder Ihre eigene oder fremde in Form von gekauften Programmen - dann wird das Ding gar nichts tun. Da können Sie ruhig ein paar Millionen Jahre davor sitzen und warten - der Rechner wird nie von selber intelligent werden. Eben weil Information, also auch Intelligenz, nicht von selber kommt. Doch kommen wir auf Sie zurück: Da Sie aus Zufall entstanden sind, können Sie folglich auch nicht Intelligenz haben, keinen Geist! |
Da ich aber trotzdem einen Geist habe, ist dieses Beispiel falsch (es ist deswegen u. a. falsch, weil Computer sich nicht selbst replizieren - würde man sich selbst replizierende Maschinen bauen, dann könnten diese eines Tages auch Intelligenz entwickeln).
| Sie beharren trotzdem darauf, dass ich Sie als intelligentes Wesen respektieren soll? Wenn dem wirklich so wäre, dann müsse doch irgendetwas mit Ihrer atheistischen Grundannahme falsch sein: dann könnten Sie kein Zufallsprodukt sein. Dann müsste Ihnen ja irgendjemand, der mit planerischer Intelligenz begabt ist, ein Programm gegeben haben, das Ihnen sagt, wie Sie essen und trinken, atmen, laufen, schlafen, lieben und denken sollen. Können Sie sich das vorstellen? Nun, in der Tat, Sie haben so ein Programm! Es steckt in Ihren Genen. Man entziffert es gerade weltweit in mehreren Laboratorien; schon in wenigen Jahren wird dieses sog. "Genom-Projekt" beendet sein. Jeder Mensch hat ein derartiges Programm. Und das ist nicht nur irgend so ein hingehunztes Programm wie manchmal die kommerziellen, die unseren Computer zum Absturz bringen. Nein, unser eingebautes inneres Programm, ist so perfekt, dass es typischerweise 70 bis 100 Jahre ohne Absturz funktioniert! Und es ist so kompliziert und raffiniert geschrieben, dass wir es trotz aller Bemühungen bis heute nicht richtig verstehen. Wir können inzwischen zwar schon große Teile davon lesen, denn wir kennen die Buchstaben (die Aminosäuren); wir kennen auch die grammatischen Regeln, die die Buchstaben zusammen binden (also die Molekularchemie); wir verstehen sogar schon die Bedeutung mancher Programmteile (z.B. zur Produktion von Enzymen, Förderung oder Hinderung von Wachstum usw.)- aber wir verstehen beileibe noch nicht die Sprache, in der unser Programm geschrieben ist. Wir Menschen sind allenfalls stolz darauf, dass wir schon wissen, wie wir unser persönliches Programm kaputt kriegen: z.B. mit Radioaktivität oder Gift. Hiroshima-Krüppel und Contergan-Kinder sind dafür der lebendige Beweis. Und es ist nicht nur ein persönliches Programm, dass Sie bekommen haben - Sie haben dazu auch noch einen eingebauten Code erhalten. Den versteht Ihr Körper und deshalb kann er die Aminosäuresequenzen ihres Programms, in ihren Zellen lesen und in die entsprechenden Befehle übersetzen: Wachse! Iss! Denke! |
Ich beharre darauf, als intelligentes Wesen akzeptiert zu werden, weil ich mit der Widerlegung des Gottesbeweises das Vorhandensein einer gewissen Intelligenz bewiesen habe.
Für die in diesem Abschnitt besprochenen Dinge haben wir eine Theorie, die völlig ohne einen Gott auskommt: die Evolutionstheorie. Ich kann also auch weiterhin Respekt als intelligentes Wesen erwarten, selbst wenn es keinen Gott gibt.
| Nun nutzen Sie diese Befehle? Denken Sie? Wer hat Sie wohl programmiert? Der Zufall kann es nicht sein: Das haben wir geklärt. Menschen sind dazu bis jetzt noch nicht in der Lage, dazu ist ihr Programm viel zu kompliziert. Wer bleibt da als Täter übrig? Niemand? Das ist unlogisch, denn dann könnten Sie nicht existieren, Sie mit ihrem komplizierten eingebauten Programm. Es gibt Sie aber! Und das wissen Sie selber. |
Wenn Denken von Gott programmiert wurde, warum ist dann das Programm so unvollkommen, dass Menschen auf so einfache Denkfehler wie in dem obigen Beispiel hereinfallen? Ist es dann logisch, von Gott Allwissenheit anzunehmen?
| Ich behaupte hier, dass ich diesen Täter kenne. Ich kenne seinen Namen, seine Herkunft und seine Geschichte. Sogar sein Tatmotiv. Es handelt sich dabei um Jesus, den Sohn Gottes, der als Christus vor knapp 2000 Jahren auf der Erde war. Jetzt dämmert es Ihnen: Der Bursche, der Ihnen dieses Büchlein gegeben hat, ist so dumm dreist, Ihnen als aufgeklärtem Atheisten eine Religion unterjubeln zu wollen! Ist das nicht eine Frechheit? Können Sie sich in Ihrem Stolz so etwas überhaupt bieten lassen? Wo Sie doch wissen, dass Sie völlig sinnlos, ohne jegliches Programm, rein aus Zufall entstanden sind und deshalb auch keinen Gott nötig haben! Daran glauben Sie doch, das ist doch Ihre Art von Religion! Oder ist Ihre Religion nicht vielleicht doch falsch? Ist da nicht etwas doch ein Widerspruch vorhanden? Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie ein intelligentes Lebewesen sind, mit Verstand und Gefühl begabt, dann sollte Sie es schon interessieren, woher Sie eigentlich wirklich kommen. Schon deshalb, damit Sie begreifen, was aus Ihnen einmal werden wird. |
Die Frage ist nur, ob man seine Behauptungen begründen kann, und wie gut man das kann. Und abenteuerliche Behauptungen bedürfen auch einer besonders guten Begründung. Wir haben gesehen, dass die Begründung in diesem Brief auf einem logischen Fehler aufgebaut ist, d. h., die Behauptung hat überhaupt keine Begründung und muss daher zurückgewiesen werden. Mein Stolz als intelligentes Wesen beruht darauf, dass ich in der Lage bin, fehlerhafte Begründungen zu entdecken und zurückzuweisen.
Abgesehen davon ist Atheismus keine Religion, sondern das Fehlen eines Glaubens an Gott. Ansonsten müsste man auch das "Nichtsammeln von Briefmarken" als ein Hobby bezeichnen oder "Glatze" als eine Haarfarbe.
| Bitte lassen Sie es mich an dieser Stelle ganz klar und deutlich sagen: Ich will Ihnen keine Religion andrehen! Sie sollen nicht Ihren Verstand abschalten und dümmlich hinter irgendeinem Guru hinterherlaufen (mitsamt Ihrem Geldbeutel, versteht sich)! Im Gegenteil! Sie sollen Ihren ganzen Verstand gebrauchen, soviel Sie auch immer davon haben! |
Ja, das finde ich gut. Und wir sehen, was dabei herauskommt, wenn man seinen Verstand gebraucht.
| Dieser Jesus Christus, von dem wir schon sprachen, ist die personifizierte Intelligenz schlechthin. Im Auftrag Gottes, seines Vaters, hat er Sie geschaffen - also Ihr Programm in codierter Form geschrieben und dafür gesorgt, dass dieser Code auch gelesen und in die Tat umgesetzt wurde. Sie sind das intelligente Produkt der höchsten nur denkbaren Intelligenz! Nichts, wirklich gar nichts wurde bei Ihnen dem Zufall überlassen. |
Wenn nichts dem Zufall überlassen wurde (und wir den Denkfehler mal einen Moment ignorieren), dann ist dieser Jesus für alles verantwortlich, also auch für alles Leid dieser Welt. Tut mir Leid, aber wer für so viel Übel verantwortlich ist, könnte auch leicht ein bösartiger Dämon sein oder ein Mischgott (sowohl gut als auch böse) oder es könnte sich um mehrere Götter handeln [7].
| Falls Sie sich jemals die Knochen brechen sollten - ich wünsche Ihnen von Herzen, dass das nie passiert! - dann werden diese nach ein paar Wochen wieder "von selbst" zusammengewachsen sein. Wenn Sie sich in den Finger schneiden, dann wird die Wunde "von selbst" wieder heilen. Wenn Sie mit Ihrem Partner in Liebe zusammen sind, dann wird "von selbst" ein Kind entstehen. Wirklich alles nur "von selbst"? Blinder Zufall? Im Gegenteil, all das ist das Resultat perfekter Planung, umgesetzt in eine perfekte Programmierung, die auch Eventualitäten einschließt, die in Ihrem Leben vielleicht nie eintreten werden. Komplizierte Prozesse wie Selbstreparatur und Selbstreproduktion sind in Ihnen vorprogrammiert, wie es unsere ausgeklügelten technischen Produkte bis heute noch nicht aufweisen. Stellen Sie sich bloß vor, Sie hätten ein Auto, dass sich nach einem Unfall selbst reparieren würde und das sich, kurz bevor Sie es zur Müllkippe fahren, reproduzieren würde, damit Sie ein neues haben! Alberner Wunschtraum? Nein- Sie selber sind so ein Hightech-Produkt! Mit derart fantastischen Eigenschaften, dass Sie davon noch nicht einmal träumen können! Also genau das Entgegengesetzte von blindem Zufall. |
Komisch, dass Jesus nur für das Heilen, aber nicht für das Brechen der Knochen verantwortlich sein soll (aber ansonsten für alles verantwortlich sein sollte). Da passt etwas nicht ganz zusammen ...
| Sie sind nun neugierig geworden, woher ich das wissen will? Weil es mir der "Große Programmierer" mit seinem Vater selbst mitgeteilt hat. Seine Information liegt mir in Buchform vor, aber es gibt sie auch als CD und im Internet. Diese Information ist, weil in allgemein verständliche Sprache übertragen, leicht zu verstehen. Man muss sich bloß die Mühe machen, seine Nachricht zu lesen. Diese Mühe kann und will ich Ihnen aber nicht abnehmen. Denn ich will auf keinen Fall, dass Sie das Gefühl bekommen, ich würde Sie übertölpeln, Sie zu etwas überreden, was nicht stimmt: Sie selber müssen diese Sache mit Gott und Jesus Christus persönlich überprüfen und klären! Lesen Sie kritisch seine gesammelten Werke, genannt: die Bibel. Lassen Sie sich nicht von historischem Beiwerk ablenken, sondern überlegen Sie sich bei jeder Geschichte, was diese, auf Sie persönlich bezogen, für Sie zu bedeuten hat. Wenn Sie etwas nicht gleich verstehen, so lesen Sie trotzdem weiter: Die Bibel ist (wie jedes gute wissenschaftliche Handbuch) selbst erklärend aufgebaut. Was Sie nicht gleich verstehen, wird ihnen später klar werden. Dieses Buch ist ein perfekter Leitfaden für jede Lebenssituation, für jeden Menschen an jedem Ort und zu jedem Zeitalter - auch hier finden wir auf psychologischer, sozialer, literarischer und allgemein menschlicher Ebene dieselbe Perfektion, wie sie uns Gott in seiner lebendigen Programmierkunst zeigt. |
Dem Schreiber dieses Briefs wurde von Gott selbst mitgeteilt, dass es sich um eine Offenbarung Gottes handelt. Mir hat Gott nichts dergleichen mitgeteilt, und darin liegt auch schon das ganze Problem einer Offenbarung. Soll ich dem Schreiber dieses Briefes jetzt glauben oder nicht? Aber wie sollte ich jemandem trauen - vor allem in so einer schwer wiegenden Frage - der versucht, mit falscher Logik mich von etwas zu überzeugen? Entweder, er kannte den logischen Fehler, dann hat er versucht, mich zu betrügen. Oder er kannte den Fehler nicht, wie soll ich dann darauf vertrauen können, dass er nicht bei der Anerkennung der Offenbarung einen weiteren Fehler gemacht hat? Und genau dies ist der Fall, wie ich im Abschnitt über die Offenbarung gezeigt habe: Auch der angebliche Offenbarungscharakter der Bibel beruht auf einer Reihe von Denkfehlern. Auch dies spricht nicht dafür, dem Briefschreiber in dieser Frage zu trauen.
Wenn die Bibel wirklich selbst erklärend wäre, wozu dann dieser gewaltige Aufwand mit der Exegese? Eines habe ich nämlich inzwischen gelernt: Es ist vollkommen gleichgültig, wie ich eine Bibelstelle interpretiere, stets wird einem heftig widersprochen. Dabei gibt es dann auch unter Christen meist mehrere Meinungen pro Exeget.
| Ich möchte Ihnen einen Ratschlag geben: Probieren Sie einfach mal aus, was Gott Ihnen in diesem Buch rät. Zum Beispiel: mit ihm zu reden - man nennt das "Beten". Das ist möglich: drahtlose Kommunikation ohne jeden technischen Schickschnack. Es kostet nichts, Nulltarif! Das Einzige, was Sie dazu brauchen: etwas Konzentration, guten Willen und Glauben daran, dass es funktioniert. Also wirklich keine besonderen Voraussetzungen. Übrigens, was den Glauben angeht, den haben Sie schon: denn wenn sie mal Ihren Chef bei der Arbeit anrufen müssen, dann glauben Sie ja auch daran, dass er abheben wird - oder wenigstens seine Sekretärin. Wenn Sie Gott anrufen, dann können Sie wenigstens sicher sein, dass Sie von keiner Sekretärin abgewimmelt und vertröstet werden. Der Chef hört Sie stets selber! Höchstpersönlich. Und wenn er der Meinung ist, dass ihr Anliegen berechtigt ist, dann wird er sich um Sie kümmern - das hat er uns nämlich schriftlich zugesagt (kontrollieren Sie ruhig sein Versprechen, lesen Sie in der Bibel). Natürlich weiß der Chef mehr als Sie - und wird deshalb eventuell auch anders reagieren, als Sie sich das vorstellen. Aber Sie können getrost dieses Risiko eingehen, denn Gott hat uns ebenfalls schriftlich zugesagt, dass alles, was er tut, stets zu unserem Besten sein wird. Wenn wir ihm unsere Angelegenheiten übergeben, dann können wir also beruhigt sein. Er ist unser bester Anwalt. |
Wie der Trick, den der Autor hier versucht, funktioniert, habe ich bereits beschrieben: Die Falle des Betens. D. h. als der Briefschreiber weiter oben behauptet hat, er wolle uns keine Religion andrehen, da hat er es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Das sollte uns misstrauisch machen ...
| Also nochmal ganz klar: Ihr Schöpfer, Gott und sein Sohn Jesus Christus, sind gewaltige intelligente Personen, die auch von Ihnen klare Intelligenz abverlangen. Prüfen Sie kritisch Ihre jetzige Weltanschauung mit dem Maßstab moderner Information, Genetik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Lassen Sie sich nicht auf scheinbar plausible populärwissenschaftliche Märchen ein, wenn diese Ihrer kritischen Intelligenz nicht mehr standhalten! Denken Sie! |
Das habe ich getan. Ich denke, ich würde eher "populärwissenschaftlichen Märchen" vertrauen, denn die enthalten zumindest einen Kern an Wahrheit, während die 2.000 Jahre alten Märchen mir zu viele Denkfehler enthalten. Aber ich würde mein Leben nur anhand von Märchen ausrichten, wenn ich nicht anders kann, z. B. durch Zwang.
| Und fragen Sie im Zweifelsfall Jesus Christus persönlich, ob es ihn gibt und ob er Sie erschaffen hat - ich bin sicher, er wird es Ihnen beweisen. Ich bin deshalb so sicher, weil er sich auch mir als der Herr aller Dinge geoffenbart hat, der mich und viele andere Christen schon durch manche kritische Lebenssituation hindurch getragen hat. Auch ich war einmal ein überzeugter Atheist. Weil er mir inzwischen den Sinn meines Lebens aufgezeigt hat, weiß ich, dass ich kein sinnloses Zufallsprodukt bin - und auch, dass Sie das nicht sind. Er hat unserem Leben einen Sinn gegeben, weil er uns als seine selbst geschaffenen Geschöpfe liebt. Ja, er kennt dieselben Gefühle wie wir- Liebe und Zorn, Geduld und Barmherzigkeit - von ihm haben wir sie schließlich bekommen! |
Ich habe Jesus gefragt, und er hat mir nie geantwortet. Was ich bekommen habe, waren vage Intuitionen aus meinem Unterbewusstsein (die ich immer noch als Atheist habe, aber die Intuitionen haben sich auch damals nicht namentlich vorgestellt, woher sollte man wissen wollen, dass sie von Jesus stammen?), aber keine Beweise. Beweise bekam ich erst durch die Beschäftigung mit der Wissenschaft. Und bis zum Vorliegen weiterer Beweise (sofern die nicht auf Denkfehlern beruhen) bleibe ich dabei.
Bitte versuchen Sie nie, ein "religiöser Mensch" zu werden, (der durch Ausschalten seines Verstandes z.B. durch Meditieren Erkenntnis bekommen will), sondern benutzen sie alles, was Sie haben: Herz und Verstand. Setzen Sie ihr ganzes Streben dazu ein, Gott zu suchen so wird er sich von ihnen finden lassen. Reden Sie darüber hinaus mit Menschen, die Christus bereits erlebt haben und Ihnen davon berichten können - besuchen Sie eine lebendige Gemeinde Jesu Christi und genießen sie bewusst ihre sinnvolle Existenz als ein großartiges Geschöpf Gottes! Ich gratuliere Ihnen dazu!
© by CLV |
Da ich mit dem Herz nicht denken kann, sondern nur mit dem Gehirn, setze ich dieses ein und weise daher diesen Brief als unbegründet zurück. Mir gefällt es nicht, dass gegen mich als Atheisten moralische Argumente angeführt werden, mir gefällt es nicht, dass man mir Denkfehler unterjubeln möchte, und mir gefällt es nicht, dass man mich anlügt und mir versucht, hier eine Religion zu verkaufen, nachdem man das verneint hat. Auch ist mir die Argumentation zu schwammig - zuerst wird ein fehlerhafter Gottesbeweis verwendet, dann kommt ein gewaltiger Sprung zu Jesus und der Bibel. Das kenne ich ansonsten von Staubsaugervertretern: Zunächst wird behauptet, mein bisheriger Staubsauger taugt nichts, dann wird behauptet, ihr Staubsauger sei der Beste von allen. Selbst wenn das Erste stimmt, dann folgt daraus nicht gleich das Zweite. Ich brauche zunächst eine Begründung, warum mein Staubsauger nichts taugt, dann brauche ich eine gesonderte zweite Begründung, warum das angebotene Modell die beste Wahl ist. In diesem Brief scheitert der Autor bei der ersten Begründung und versucht die zweite erst überhaupt nicht. Der Fehler der meisten Religionen besteht ohnehin darin, dass sie nicht begründen können, warum sie besser sind als andere Religionen, weil sie meist die gleichen Argumente für unterschiedliche Inhalte verwenden (was einiges über die Qualität der Argumente aussagt).
Konfusius, er zitiert: "Ich traue keinem Menschen, der genau weiß, was Gott will, weil ich bemerkte, dass dies immer zufällig mit ihren eigenen Wünschen übereinstimmt." (Susan B. Anthony)
Das folgende Argument stammt von Theodore Drange und entspricht in etwa der Überzeugung, die ich im Heilsplan I und Heilsplan II [8] ausgedrückt und ausführlich begründet habe.
Dies ist eine verkürzte Version.
Betrachten wir ein Glaubensbekenntnis folgenden Inhalts:
- Der Gott der Theisten existiert.
- Der Gott der Theisten liebt die Menschen.
- Dieser Gott möchte jeden Menschen retten, und zwar dadurch, dass jeder Mensch ausreichenden Glauben hat, also ein Glaubensbekenntnis wie dieses glaubt.
Das Glaubensbekenntnis selbst besteht aus mindestens dem hier aufgeführtem Teil plus Glaubensaussagen wie "Jesus starb für unsere Sünden", "Jesus ist wieder auferstanden" etc., was immer auch in dem jeweiligen Glaubensbekenntnis notwendig ist, um errettet zu werden. Wer also dieses Glaubensbekenntnis glaubt, der wird errettet werden, wer das Glaubensbekenntnis nicht glaubt, wird nicht errettet werden. Zu dem Glaubensbekenntnis gehören natürlich auch Glaubensinhalte wie "Liebe Deinen Nächsten" oder "Tue Gutes" - was immer eben notwendig ist. Nehmen wir der Einfachheit halber an, das Glaubensbekenntnis sei vollständig. Wichtig ist nur der oben erwähnte Teil, der Rest tut für dieses Argument nichts zur Sache.
Und nun zu dem Argument - P bezeichnet die Prämissen (Voraussetzungen), S die Schlussfolgerungen:
- (P1) Wenn Gott existiert, dann will er das Beste für alle Menschen.
- (P2) Das Beste für jeden Menschen ist es, errettet zu werden.
- (S1) Daher, wenn Gott existiert, möchte er, dass jeder Mensch das Glaubensbekenntnis glaubt, damit jeder errettet werde.
- (P3) Wenn Gott möchte, dass jeder Mensch gerettet werden sollte, dann würde jeder Mensch das Glaubensbekenntnis glauben.
- (P4) Nicht jeder Mensch glaubt an das Glaubensbekenntnis.
- (S2) Deswegen möchte Gott nicht, dass jeder errettet wird, in dem er das Glaubensbekenntnis glaubt.
- (S3) Deswegen existiert Gott nicht.
Die Prämisse (P1) wird wohl von den meisten Christen geteilt - wenn Gott gut ist, wird er das Beste für alle Menschen wollen.
Die Prämisse (P2) wird wohl ebenfalls von den meisten Christen geteilt, wenn nicht sogar von allen.
(P3) ist ebenfalls unproblematisch. Wenn Gott existiert, dann würde er genügend Evidenzen hervorbringen, so dass die Menschen das Glaubensbekenntnis glauben. Was wäre mit dem freien Willen? Der wäre davon nicht wirklich berührt. Denn Sie glauben beispielsweise daran, dass es den Papst gibt. Gibt es irgendetwas, was ihren freien Willen eingeschränkt hat, an den Papst zu glauben? Es gibt genügend Hinweise auf die Existenz des Papstes, und so glauben Sie und ich, dass er wirklich existiert. Sehen Sie eine Einschränkung ihres freien Willens darin, an die Existenz des Papstes zu glauben? Nein. Und Gott könnte ebenfalls genügend Hinweise in dieser Welt hervorgebracht haben, so dass Sie und vor allem ich daran glauben. Es gäbe genügend Ereignisse, durch die Gott das sicherstellen könnte. Die Sterne könnten plötzlich den Schriftzug formen "Gott existiert" oder jedes Buch könnte plötzlich den Inhalt der Bibel enthalten usw. usf. Wie beim Papst gäbe es keinen erkennbaren Grund für Gott, sich hier zurückzuhalten.
Zu den nicht-erkennbaren Gründen komme ich später.
(P4) ist unbestreitbar wahr. Es gibt genügend Menschen, die bis zu ihrem Tode einen Glauben an das Glaubensbekenntnis (gleich welchen Inhalts) abgelehnt haben oder es nicht kannten.
Und damit sind auch die Schlussfolgerungen (S1) und (S2) gerechtfertigt. (S3) ist nur eine von zwei möglichen Schlussfolgerungen. Wenn Gott nämlich böse wäre oder eben desinteressiert an der Errettung von Menschen, dann wäre ein solcher Gott mit den Prämissen vereinbar. Aber ein gütiger Gott nicht. Wenn wir also von einem gütigen Gott ausgehen (siehe den Anfang des Glaubensbekenntnisses), so müssen wir schlussfolgern, dass dieser nicht existiert.
Kommen wir nun zu einer kritischen Bewertung von (P3). Es ist nämlich so, dass Gott - so argumentieren die Theisten - einen guten Grund dafür hat, dass nicht jeder Mensch das Glaubensbekenntnis glaubt. Allerdings ist dieser Grund gänzlich unbekannt. Wenn es einen unbekannten Grund gäbe, so würde das Argument fehlschlagen. Immerhin hat Gott eine äußerst ineffiziente Methode gewählt, um das Glaubensbekenntnis zu verbreiten - Missionare. Das deutet nicht auf ein allmächtiges Wesen hin (Mittel zu einem Zweck nötig zu haben ist genau das, was Macht von Allmacht unterscheidet).
Es ist natürlich bequem, sich immer dann, wenn man nicht weiter weiß, auf unbekannte Gründe zurückzuziehen, die die eigene Auffassung retten würden, wenn man sie nur wüsste. In der Wissenschaft würde man ausgelacht, wenn man so argumentierte, auch vor Gericht - sogar meistens im praktischen Leben.
Selbstverständlich lassen sich immer unbekannte Gründe anführen, mit denen man jedes Argument "aushebeln" kann. Allerdings auch jedes Argument der Theisten. Diese Haltung ist nichts weiter als dreiste Rechthaberei. Wenn also die Theisten darauf beharren, dieses als Gegenargument zu benutzen, dann beweist dies allerdings auch eines sehr klar: Die Theisten haben in entscheidenden Punkten keine Ahnung (sie nennen im Allgemeinen ihre Ahnungslosigkeit "Geheimnis"), was ihr Gott warum und aus welchen Gründen von uns verlangt. Das bedeutet ferner, dass Theisten sich nicht auf den Willen Gottes berufen können und berufen sollten, weil alles unter dem Irrtumsvorbehalt unbekannter Gründe steht.
Denn der Grund dafür, warum nicht alle an das Glaubensbekenntnis glauben, könnte auch der sein, dass dies eine Art Intelligenztest für die Menschen ist. Wenn genügend Menschen nicht mehr an das Glaubensbekenntnis glauben, dann ist die Menschheit reif genug, die Wahrheit zu erfahren. Da die Theisten zugeben, den Grund nicht zu kennen, kann es ein beliebiger Grund sein - entweder, man hat Argumente, um einen Grund zu nennen, oder man hat keine. Theisten können jetzt also wählen - sie können das Argument ablehnen und damit ihr Unwissen eingestehen. Das bedeutet aber auch, dass sie keine rationalen Gründe für den Glauben haben, ein beliebiges Glaubensbekenntnis würde zur Errettung führen. Oder sie können es anerkennen, aber dann wären sie keine Christen mehr. Die Prämissen und Schlussfolgerungen sind allerdings kompatibel mit dem Deismus und dem Taoismus.
Hinzu kommt, dass das gesamte Verfahren höchst ungerecht und willkürlich ist. Warum sollte ein beliebiges Glaubensbekenntnis das Kriterium für eine Errettung sein? Wenn man weiterhin annimmt, dass Gott gerecht ist, dann lässt sich diese Behauptung nicht mehr stützen. Man könnte auch argumentieren, dass Glauben entweder irrelevant ist oder der christliche Gott nicht existiert, aber nicht beides zusammen.
Auch bei der Theodizee spielt dieses Argument eine Rolle - denn wenn man behauptet, dass Gott für einen Ausgleich aller Ungerechtigkeiten im nächsten Leben sorgt, so betrifft dies nur Menschen, die an das Glaubensbekenntnis glauben. Folglich wird nur ein Teil der Ungerechtigkeiten ausgeglichen. Folglich ist Gott ungerecht und nicht gütig.
Im nächsten Abschnitt untersuche ich noch weitere Gründe, warum Gott sich nicht so eindeutig offenbart, dass die Menschen das Glaubensbekenntnis glauben.
Konfusius, er zitiert: "Wer kennt die Ursprünge der Religion? Sicher nicht der, der an sie glaubt. Verstehen und Glauben sind Gegensätze. Der Mensch, der die Religion versteht, glaubt nicht an sie, und der an sie glaubt, der versteht sie nicht." (Chapman Cohen)
Nach dem christlichen Glauben muss man ein bestimmtes Glaubensbekenntnis glauben (und danach leben), wenn man errettet werden will. Die Frage war, warum Gott nicht alle Menschen dazu bringt, dieses Bekenntnis zu glauben, so dass alle errettet werden. Hier wird meist das Argument des freien Willens benutzt, welches ich im vorigen Abschnitt kurz widerlegt habe.
Es würde eine einzige "objektive Offenbarung" genügen, und schon würden alle Menschen an Gott glauben. Beispiele dazu hatte ich genannt. Aber diese objektive Offenbarung gibt es nicht. Es gibt nur "Offenbarungen", von denen Menschen behaupten, sie seien göttlichen Ursprungs. Diese Auffassung muss man rundheraus ablehnen. Das habe ich im Abschnitt über die Offenbarung genauer beleuchtet. Es gibt keine göttliche Offenbarung aus zweiter Hand.
Warum sollte ein allmächtiges Wesen den Weg über die Behauptungen von irrtums- und fehleranfälligen Menschen nehmen, die sich täuschen können, getäuscht werden, die selbst lügen und betrügen können, die nach Art der "stillen Post" Botschaften verfälschen, deren Gedächtnis begrenzt und fehleranfällig ist etc.? Warum dieses untaugliche Mittel zu einem dubiosen Zweck? Warum keine objektive Offenbarung? Wenn wir aus der Vergangenheit eines wissen, dann dieses: Ereignisse, die mehr als 40 Jahre zurückliegen, werden selbst im Zeitalter der Medien (Film, Fotos, allgemeine Schriftkenntnisse) selten korrekt weitergegeben. Das war vor 2.000 Jahren eher schlechter als besser. Gott hätte diesem nur mit einer objektiven Offenbarung begegnen können. Warum tat er das nicht?
Weil, so wird gerne gesagt, Gott damit unseren freien Willen einschränken würde. Wir müssen, so wird behauptet, uns freiwillig für Gott entscheiden. Dieses Argument hat einen entscheidenden Nachteil: Es wird von Christen gerne in Argumentationen gebracht, aber die Christen beweisen tagtäglich durch ihr Handeln, dass sie nicht daran glauben. Sie erziehen nämlich ihre Kinder so, dass sie an Gott glauben. Sie sagen nämlich nicht: "Warte, bis Du Dich frei entscheiden kannst, an Gott zu glauben". Sie pflanzen den Glauben schon frühzeitig ein, sorgfältig. Statistisch gesehen ist die weitaus überwiegende Mehrheit der Christen nicht deswegen zu einem Christen geworden, weil es irgendein Abwägen von Argumenten, irgendeine Auswahl unter den vorhandenen Religionen gegeben hätte, sondern weil bereits die Eltern daran geglaubt haben. Fast alle Menschen - und es gibt nur wenige Ausnahmen! - nehmen die Religion der Eltern an, meist ist es die einzige Religion, die sie kennen (mehr oder weniger, oft eher wenig).
Wenn die Christen tatsächlich daran glaubten, dass man Gott aus freiem Willen annehmen sollte, so trifft dies erstens auf die Mehrheit der Menschen nicht zu, zweitens wird alles getan, damit es beim eigenen Nachwuchs auch nicht vorkommen kann. Kaum ein Mensch akzeptiert Gott oder weist ihn zurück aus einem freien Willensentschluss. Ich bin durchaus eine seltene Ausnahme: christlich-religiös erzogen und jetzt bekennender Atheist.
Die Christen wissen, dass ihre Argumente für den Glauben so schwach sind, dass es für Erwachsene meist nicht mehr reicht, um sie zu überzeugen. Deswegen lässt man es erst nicht darauf ankommen. Kinder vertrauen ihren Eltern, weil unsere Spezies anders nie hätte überleben können und übernehmen daher vieles von dem, was die Eltern sagen, unkritisch. Einiges davon wird später einer Revision unterzogen und verworfen, mit Ausnahme der Inhalte, die prinzipiell nicht widerlegt werden können. Denn hier ist nur schwer eine Revision möglich - mit diesen Inhalten kann man ja nicht an der Realität scheitern.
Aber nehmen wir mal an, es gäbe sowohl Gott als auch einen freien Willen. Tut Gott alles, um die Menschen zu retten, in dem sie das Glaubensbekenntnis [9] glauben? Offenkundig (empirisch beweisbar, unbestreitbar) nicht. Wenn der freie Wille für Gott ein Hindernis ist, dass die Menschen an ihn glauben, warum schuf Gott dann den freien Willen bzw. warum verlangt er von den Menschen, dieses geschaffene Hindernis zu überspringen?
Es scheint, als sei das Argument des "freien Willens" ein Sammelbecken für alle Ausreden, die man braucht, um
- Gott von allen Übeln dieser Welt als Verursacher freizusprechen,
- dem Menschen alle Schuld an allen Übeln zuzuschanzen und
- zu erklären, warum nicht alle Menschen sich zu diesem Gott bekennen
Aber Gott als Schöpfer des freien Willens ist nicht von den dadurch verursachten Übeln freizusprechen. Denn die Konsequenzen müssen Gott bekannt gewesen sein. Und ein so hohes Gut, dass man damit alles Leid rechtfertigen könnte, ist der freie Willen nun auch wieder nicht. Es wäre noch verständlich, wenn alles Leid tatsächlich direkt aus dem freien Willen entstünde, aber es ist nicht einzusehen, warum Naturkatastrophen und Krankheiten etc. (die es schon vor dem Menschen und vor der Existenz des freien Willens gab) nun dem Menschen in die Schuhe geschoben werden. Gott ist der Verursacher von allem, aber nicht an allem Schuld. Eine merkwürdige Auffassung von Schuld und Verantwortung.
Wenn aus dem freien Willen zwangsläufig Übel erwachsen, so sind diese von Gott verursacht. Erwachsen sie nicht zwangsläufig daraus, wenn es also keine Kausalität gibt, so kann man den entsprechenden Menschen nicht für seine Taten verantwortlich machen - er hat sie nicht verursacht, sondern sie sind eine nebenläufige Folge seines "freien Willens". Und dann wäre Gott auch dafür verantwortlich. So oder so ist nicht der Mensch an den moralischen Übeln schuld, sondern mindestens einen Teil der Schuld trägt Gott.
Den freien Willen kann man auch nicht dazu benutzen, zu erklären, warum sich nicht alle Menschen zu diesem Gott bekennen. Denn die meisten Menschen bekennen sich zu dem Gott, der ihnen als Kind eingetrichtert wurde. Da es vom Zufall abhängig ist (seine Eltern kann man sich nicht aussuchen) entscheidet in der überwiegenden Anzahl der Fälle auch der Zufall darüber, ob man Christ, Moslem, Hindu, Shintoist, Buddhist, Jainist oder Atheist (usw. usf.) wird. Wir reden hier von mehr als 95% aller Fälle - da den freien Willen ins Spiel zu bringen erscheint mir vollkommen unsinnig zu sein. Einen freien Willen hat man nur, wenn man sich von der Religion der Eltern abwendet. Wer wollte ein Kind hinduistischer Eltern in Indien dafür verantwortlich machen, dass es sich nicht dem christlichen Gott zuwendet?
Denn die Argumente für diesen Gott sind genauso stark oder schwach wie die für die hinduistischen Götter. Mehr noch, viele Probleme wie etwa das Theodizeeproblem gibt es nur in den monotheistischen Religionen! Und während den Christen noch jahrhundertelang aufgeschwatzt wurde, dass man die Existenz Gottes beweisen könne, finden wir in den älteren hinduistischen Schriften schon Hinweise darauf, dass dies eben nicht möglich sei (mitsamt den Gründen). Und auch in den restlichen Dingen scheint mir das Christentum nur schwer bis überhaupt nicht mit der Vernunft in Einklang bringen zu lassen (diese Website ist voll davon - und ich habe bislang erst an der Oberfläche gekratzt!).
Wir können aus dem Argument des Unglaubens und der Heilsplanverwirrung I und der Heilsplanverwirrung II eines mit Sicherheit schließen:
Einen Gott, der ein bestimmtes Glaubensbekenntnis verlangt, den gibt es nicht.
Das Verhältnis zwischen Überzeugung und freiem Willen habe ich hier genauer beleuchtet: Überzeugung und freier Willen.
Konfusius, er zitiert: "Ist es möglich, dass ein unendlicher Gott diese Welt als ein Platz für Sklaven und Diener erschuf? Nur um orthodoxe Christen großzuziehen? Dass er ein paar Wunder bewirkte, um sie zu erstaunen? Dass alle Übel des Lebens einfach seine Strafe sind, und dass er zum Schluss den Himmel in eine Art religiöses Museum verwandelt, gefüllt mit blasierten Baptisten, prüden Puritanern und methodistische Mumien?" (Robert Green Ingersoll - den letzten Halbsatz habe ich sehr frei übersetzt, weil es sich um Wortspiele handelt, die unübersetzbar sind)
Die christliche Ethik hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Hier ist eine harte Nuss:
Wir nennen wir jemanden, der einen Menschen in bewusster Absicht tötet, einen Mörder. Als Ausnahme lassen wir die Selbstverteidigung gelten - wer in Notwehr tötet, ist kein Mörder. Es dürfte außer Frage stehen, dass Gott nicht in Notwehr handeln kann (niemand kann die Existenz Gottes bedrohen), also können wir von diesem Fall absehen. Es ist auch umstritten, ob Tötung im staatlichen Auftrag (Soldaten als Beispiel) als Mord gelten soll oder (meist) nicht. Da es aber keine Instanz "über" Gott gibt können wir diesen strittigen Fall ebenfalls ausschließen.
Es bleibt noch der Fall übrig, dass man jemanden sterben lässt, obwohl man lei