Psychologie, Religion & Glauben

Über Gott

Inhaltsverzeichnis
  1. Wer ist eigentlich Gott?
  2. Göttliche Offenbarung
  3. Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen
  4. Das Design-Argument
  5. Komplexität und Gott
  6. Das Theistische anthropische Prinzip I
  7. Das Theistische anthropische Prinzip II
  8. Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?
  9. Die Eigenschaften Gottes I
  10. Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit
  11. Die Eigenschaften Gottes II
  12. Gott als die Ursache des Universums
  13. Existenz existiert - unverursacht
  14. Ein moralischer Beweis gegen die Existenz Gottes
  15. Kalamitäten mit Kalam

1. Wer ist eigentlich Gott?

Einleitung: Wenn wir uns mit Gott beschäftigen, so ist zunächst zu fragen: Mit welchem Gott? Es gibt sehr viele (Tausende) von Göttern, und wenn man bedenkt, dass viele Gläubige sehr unterschiedliche Gottesbilder haben, so muss man doch eines finden, welches so allgemein anerkannt ist, dass man nicht am Gottesbild einfach vorbeiredet. Ich habe mir daher das katholische Gottesbild vorgenommen, weil die Katholiken den größten Teil des Christentums bilden. Aber auch auf die in der Bibel genannten Eigenschaften bin ich (am Rande) eingegangen. Wenn man nicht weiß, worüber man redet, dann ist jede Aussage im Wortsinn gegenstandslos.

Im Folgenden einige Aussagen über Gott, alle dem Katholischen Erwachsenen-Katechismus (→ http://dbk.de/katechismus/index.html) (KEK) entnommen. Alle Textstellen zwischen den beiden folgenden Trennlinien stammt, sofern nicht anders angegeben, aus dem KEK. Anmerkungen von mir sind in eckigen Klammern. Die Eigenschaften stammen aus KEK, Band I, Seite 71  [1].
Das I. Vatikanische Konzil (1869/70) hat das biblische Zeugnis von der Erkennbarkeit Gottes folgendermaßen zusammengefasst:

"Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden." (DS 3004; NR 27) [KEK Band I, Seite 28]

Liebend: Gott hat sich als die Liebe erwiesen (vgl. →1 Johannes 4:8-16). So dürfen wir gewiß sein: "Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (→Römer 8:38-39) [KEK Band I, Seite 66]

Unbegreifbar: Er ist kein Gegenstand, den man wie andere Gegenstände feststellen könnte. Gott gibt es nicht in der Weise, wie es die Dinge oder auch die Menschen in der Welt gibt. Er ist nicht irgendwo "da oben". Sein Geheimnis umfängt uns überall. Darum ist er auch nicht ein Lückenbüßer-Gott, der nur an den Grenzen menschlicher Erkenntnis in den Blick kommt. Die Bibel nennt ihn den verborgenen Gott (vgl. →Jes 45,15), der im unzugänglichen Lichte wohnt (vgl. →1 Tim 6,16). Als endliche Wesen können wir den Unendlichen, alles Umfassenden nie begreifen. [KEK Band I, Seite 33]

Alles, was wir von Gott sagen und denken, gilt darum in einem ganz einmaligen, unendlich vollkommenen Sinn. Alle unsere Begriffe und Bilder, die wir für Gott bemühen, sind nur wie ein Richtungspfeil. In keinem von ihnen "haben" wir Gott. Alle schicken uns vielmehr auf den Weg zu Gott. Sie sind Einweisungen in ein Geheimnis, dem man nur in der Haltung der Anbetung gerecht wird. [KEK Band I, Seite 36]

Schöpfer der Welt: Im Credo bekennen wir von Gott, dass er "alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt". [KEK, Band I, Seite 92]

Personales Wesen: Das personale Wesen Gottes ist die tiefste Begründung für die personale Würde jedes Menschen. Deshalb ist es ein Missverständnis zu meinen, Gott sei im Grunde nichts anderes als ein Ausdruck für ein gutes mitmenschliches Verhalten, eine bestimmte Art der Mitmenschlichkeit. Daran ist richtig, dass Gottes Liebe zu uns unsere Liebe untereinander begründet. Die Liebe zu Gott ist unlösbar mit der Liebe zum Nächsten verbunden (vgl. →Mk 12:30-31). Gott ist nie nur eine Privatsache und eine reine Herzensangelegenheit; unser Gottesglaube hat Bedeutung für die anderen. [KEK Band I, Seite 75]

Allmächtig: In Heil und Gericht erweist sich gleichermaßen Gottes Allmacht. Nur wenn Gott allmächtig ist, kann seine Liebe in jeder Situation wirkmächtig helfen und gegen alle Mächte und Gewalten des Bösen die Herrschaft der Liebe heraufführen. Nur wenn Gott die Allmacht der Liebe ist, bedeutet seine Liebe keine naive Verklärung der Welt, sondern deren Infragestellung und schöpferische Verwandlung. Nur eine allmächtige Liebe kann der Grund unserer Hoffnung sein. [KEK Band I, Seite 65]

Allwissend: Die verschiedenen Eigenschaften Gottes betrachten das eine Wesen Gottes in seinem Verhältnis zur Welt unter verschiedenen Gesichtspunkten. Da Gott Geist ist, weiß er um jeden und um alles, nichts kann ihm verborgen bleiben: Gott ist allwissend. Er wirkt auch alles in allem, nichts und niemand kann sich seiner Herrschaft entziehen: Gott ist allmächtig. [KEK Band I, Seite 71]

Allgegenwärtig: Auf der anderen Seite ist Gott nicht neben oder über der Welt, er ist auch innerweltlich. Er ist uns in allen Dingen nahe. Wir können ihm in den gewöhnlichen wie außergewöhnlichen Ereignissen des Lebens begegnen. Vor allem begegnet er uns durch andere Menschen. Er durchdringt, umfängt, durchwaltet alles. Er ist grenzenlos, unendlich und deshalb allgegenwärtig. "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (→Apg 17,28). Man nennt dies die Immanenz Gottes. [KEK Band I, Seite 70]

Barmherzig/gnädig: Gott ist gütig und barmherzig. Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe sind kein Gegensatz. Denn die Liebe Gottes bedeutet, dass Gott jeden Menschen unbedingt annimmt; das schließt Gerechtigkeit ein, die jedem gibt, was ihm gebührt. [KEK Band I, Seite 71]

Gütig: Das Bekenntnis zu Gott dem allmächtigen Vater nennt Gott deshalb einerseits den Allmächtigen, der alles schafft, trägt und lenkt, der die Welt und die Geschichte in seiner Hand hält. Auf der anderen Seite ist dieser allmächtige Gott kein Despot und kein Tyrann, sondern ein gütiger Vater. Er kümmert sich, mehr noch als um das Gras des Feldes und um die Vögel in der Luft, um den Menschen (vgl. →Mt 6,26-30). [KEK, Band I, Seite 72]

Gerecht: Denn die Liebe Gottes bedeutet, dass Gott jeden Menschen unbedingt annimmt; das schließt Gerechtigkeit ein, die jedem gibt, was ihm gebührt. Im biblischen Sinn meint die Gerechtigkeit Gottes sogar die gnädige Zuwendung Gottes zum Menschen, durch die der sündige Mensch erst gerecht wird. Gottes Gerechtigkeit ist also eine schöpferische und schenkende Gerechtigkeit, die sich aus reiner Liebe des Sünders erbarmt. [KEK Band I, Seite 71]



Ein paar der Eigenschaften Gottes aus der Bibel:

Es gibt drei Möglichkeiten, Gottes Eigenschaften zu definieren, und manche davon wurden und werden auch miteinander kombiniert.

  1. Positiv durch Zuschreibung positiver Attribute, wie etwa gütig (positive Theologie).
  2. Negativ, in dem man sagt, was Gott nicht ist, wie etwa unbegreifbar (negative Theologie).
  3. Durch Zuschreibung von unbegrenzten Attributen, wie etwa 'all' (z. B. in allmächtig).
Nun hat Existenz selbst eine interessante Eigenschaft - Existenz ist begrenzt. Wir kennen keine Objekte, die unbegrenzt sind. Wir erkennen Objekte dadurch, dass sie sich von anderen unterscheiden und dass man sie eingrenzen kann. Deswegen kann man Existenz auch grundsätzlich mit positiven Eigenschaften beschreiben, negative Eigenschaften sind die Eigenschaften der Nichtexistenz.

Wenn man also sagt, Gott sei unendlich, unsichtbar und unbegreifbar, dann kann man damit Nichts meinen - denn auch folgender Satz ist wahr: Das Nichts ist unendlich, das Nichts ist unsichtbar und das Nichts ist unbegreifbar. Eine solche Definition ist leer, sie enthält nichts mehr. Der Vorgang des Definierens selbst bedeutet stets ein Eingrenzen - ohne diese Grenzziehung enthalten wir leere und/oder sinnlose Begriffe. Da aber Gott nicht eingegrenzt werden soll, kann er auch nicht definiert werden. Demnach wäre nämlich eine Definition stets falsch. Was aber nützt es, über einen Gott zu reden, über den man nichts weiß oder über den das, was man weiß, schlicht falsch ist?

Damit landen wir bei der Eigenschaft "undefinierbar". Wir können nur definieren, was existiert, die Nichtexistenz ist nicht definierbar und unbegrenzt. Man könnte auch sagen, Gott hat alle Eigenschaften der Nichtexistenz. Die Theisten befinden sich in einem Dilemma. Entweder definieren sie die Eigenschaften so, dass man etwas mit ihnen anfangen kann, dann begrenzen sie Gott. Damit wird der Gottesbegriff gleichzeitig anfällig für Kritik (so kann man anhand der Theodizee zeigen, dass Gott nicht gütig sein kann). Da es den Theisten aber darum geht, ihren Gott vor Kritik zu schützen, müssen sie ihn negativ oder mit unbegrenzten Eigenschaften (wie Allmacht, Ewigkeit, Unbegreifbarkeit etc.) ausstatten, aber damit sind die Definitionen zum einen kognitiv leer (man kann sich nichts Sinnvolles mehr darunter vorstellen), zum anderen haben sie Gott damit aus dem Bereich der Existenz entfernt. Denn wenn Existenz weiterhin ein sinnvoller Begriff sein soll, dann funktionieren die theistischen Definitionen nicht.

Wenn der Begriff Gott leer oder sinnlos ist, dann ist es folglich alles Reden über Gott auch. Stellen Sie sich vor, Sie werden in ein Zimmer geschickt, um dort einen Gegenstand zu suchen, aber man kann Ihnen nicht sagen, um was es sich eigentlich handelt. Alles, was Sie finden, könnte der gesuchte Gegenstand sein oder auch nichts. Die Sachlage wird dann noch einmal dadurch komplizierter, dass ein Zimmer ein begrenzter Raum ist, wir aber suchen in einem Universum nach Spuren Gottes, welches zeitlich und räumlich fast unendlich groß ist. Der Vorteil für die Gläubigen: Sie können, wann immer wir nichts finden, einfach behaupten, wir hätten nicht gründlich genug gesucht. Der Nachteil ist, dass die Gläubigen nicht behaupten können, Gott gefunden zu haben, wenn sie nicht wissen, was Gott überhaupt ist. Kann man sich nichts Sinnvolles unter Gott vorstellen, dann kann man weder behaupten, Gott gefunden zu haben noch kann man behaupten, sinnvolle Aussagen über Gott zu machen. Und die Aussage, es gäbe nur genau einen einzigen Gott, ist dann erst recht eine sinnfreie Behauptung  [2].

Außerdem kommen alle positiven Eigenschaften aus menschlichen Zusammenhängen. Sie sind in einem bestimmten Kontext gültig und haben eine endliche Bedeutung, die, angewandt auf ein übernatürliches Wesen, jede sinnvolle Bedeutung verlieren, da sie aus dem natürlichen Rahmen entfernt werden.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass Gott selbst für Erklärungen benutzt wird. Erklären heisst aber, etwas Unbekannes auf Bekanntes zurückführen. Zwingend notwendig dazu ist eine Kette aus Erkennen -> Erklären -> Verstehen. Ohne Erkennen gibt es kein Erklären, ohne Erklären gibt es kein Verstehen - und da Gott nicht erkennbar ist, kann man ihn auch nicht erklären oder verstehen. Und das bedeutet wiederum, dass jede Erklärung, in der Gott vorkommt, nicht funktionieren kann, im Gegenteil, man kann bekannte Dinge damit unbekannt machen, dass man sie mit Gott "erklärt" (siehe auch Können Theologen die Welt erklären?). Zum Verstehen unbekannter Dinge trägt so etwas erst recht nichts bei. Gott wird zum Instrument der Verschleierung der Welt - was die Theologen auch unverhohlen zugeben, wenn sie vom Geheimnis oder vom Mystischen reden.

Hier hilft auch kein Glauben, denn wenn man etwas weder erkennen noch verstehen kann, dann weiß man auch nicht, woran man eigentlich glaubt. Theisten helfen sich auf zweierlei Art aus dem Dilemma. Die eine Methode besteht darin, Glauben als eine Form der "höheren Erkenntnis" und das angebliche Verständnis der Theisten zu einer Art "höherem Verstehen" zu (v)erklären. Das ist zutiefst unredlich, weil hier nur totales Unverständnis mit hohlen Phrasen übertüncht wird. Wenn man moderne Theologen (wie etwa Küng, Beinert, Sölle, Werbick) über Gott sprechen hört, dann wird man feststellen, dass die wesentlichen Sätze auch auf Kisuaheli oder Koreanisch gesprochen werden könnten oder in einem Dialekt sirianischer Aliens. Denn die Theologen haben die wesentlichen Fragen immer noch nicht beantwortet - sie wissen weder, wie man an Erkenntnisse kommt, noch wie man deren Zuverlässigkeit prüfen kann, noch was erkennen, erklären oder verstehen in ihrem Rahmen eigentlich bedeuten soll. Sie dichten jedem dieser Worte in ihrem Zusammenhang ein "Geheimnis" an, was sie vor Kritik schützt (vermeintlich).

Wir können vielleicht nicht beweisen, dass Gott nicht existiert, aber wir können ganz klar zeigen, dass Gott für uns unbegreiflich, unverstehbar und unerklärlich ist, falls er überhaupt existieren sollte - und dass wir daher rational keine Möglichkeit haben, an ihn zu glauben. Und Aussagen über ihn können wir schon überhaupt nicht treffen. Man kann nur an ihn glauben - auf derselben Basis, auf der man auch an Tausende von ganz anderen Göttern glauben kann. Christen trifft der Vorwurf, sie wollten nicht an einen Gott glauben, genauso wie jeden Atheisten - es gibt Tausende von Göttern, an die weder ein Christ noch ein Atheist glaubt. Der Atheist ist nur nicht bereit, willkürlich bei einem beliebigen Gott eine Ausnahme zu machen.

Die andere Methode besteht darin, dass Gott sich eben offenbart habe, und wir daher positiv über einige seiner Eigenschaften Bescheid wüssten (siehe den KEK oder die Bibelstellen), aber eben nicht über alles, es sei eben ausreichend. Dazu wird ein besonders raffinierter Trick benutzt: das Vexierspiel Gott. Es funktioniert so:

Vexiergott

Auf der einen Seite haben wir den unbekannten und unbegreifbaren Gott, auf der anderen Seite der Skala einen verstehbaren und rational erfassbaren Gott. Wann immer wir nun Eigenschaften Gottes kritisieren, z. B. die angebliche Güte Gottes, und der Theist keinen Ausweg mehr weiß, wird Gott nach links verschoben - er wird "unerforschlich" gemacht. Wann immer wir aber sagen, dass Gott prinzipiell nicht erkennbar ist, also alle Aussagen über ihn falsch sein müssen, wird das Gottesbild (durch die rote Perle symbolisiert) flugs wieder nach rechts verschoben und auf Offenbarungen etc. verwiesen, die Gott eben doch verständlich machen. So kann je nach Argumentationslage das Gottesbild mehr nach links oder mehr nach rechts verschoben werden, stets weit genug, um sich vor jeglicher Kritik zu immunisieren. Wenn also der Katechismus sagt: "Alle unsere Begriffe und Bilder, die wir für Gott bemühen, sind nur wie ein Richtungspfeil. In keinem von ihnen "haben" wir Gott." ([KEK Band I, Seite 36], siehe oben) dann wird diese Verschiebetaktik damit zur Methode erhoben. Wann immer man den Gottglauben kritisiert, kann der Theist behaupten, dass der Atheist Gott nur einfach nicht richtig verstanden habe und daher die Kritik ins Leere zielt. Was der Theist übersieht: Wenn dem so ist, zielt auch sein eigenes Verständnis und sein eigener Glaube ins Leere - wenn er sein Verständnis von Gott nicht vermitteln kann, dann hat er kein Verständnis von Gott. Etwas zu verstehen bedeutet nämlich, es erklären zu können. Das kann der Theist aber nicht (dazu fehlt ihm sogar die Erkenntnis, selbst die Begrifflichkeit). Das Vexierspiel tarnt nur, dass er selbst ebenfalls nicht weiß, woran er eigentlich glaubt.

Die meisten Gläubigen behelfen sich damit, dass sie nicht weiter über Gott nachdenken, sogar eine gewisse Scheu davor haben und teilweise ärgerlich reagieren, wenn man versucht, sich ihr Gottesbild erklären zu lassen - denn dabei werden sie versagen, und dies löst Ungewissheit und Angst aus, wird daher vermieden, wo es geht.

Meist wird auf Offenbarung verwiesen, aber das ist eine zirkuläre Argumentation. Angenommen, Gott existiert - dann könnte er sich doch trotz des "supernaturalistischen Grabens" auf unserer natürlichen Seite der Welt bemerkbar machen, z. B. in der Form von Offenbarungen. Dies könnte die Bibel sein. Die Offenbarung wiederum ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott existiert. Damit wird logisch-zirkulär "bewiesen", was ursprünglich vorausgesetzt worden ist. Zur Stützung der Offenbarung werden dann des Weiteren noch die angeblichen Wunder angeführt - wobei die Bibel durch die Wunderschilderungen nur noch unglaubwürdiger wird, abgesehen davon ist es nicht möglich, durch Wunder die Existenz Gottes zu beweisen. Dann werden noch Prophezeiungen angeführt, aber nur die Eingetroffenen, die zumeist auf frommen Betrug beruhen.

Es ist in sich widersprüchlich, Gott als unbegreifbar zu beschreiben und ihm dennoch positive Eigenschaften zu unterstellen. Man kann nicht beides haben, einen unerforschlichen Gott und einen Gott mit ganz bestimmten Attributen. Und eine teilweise Unerforschbarkeit ist logisch äquivalent zu einer vollständigen Unbegreifbarkeit. Angenommen, Sie lesen folgenden Satz: "Der Ball ist xxxxxx rot", wobei "xxxxxx" für den nicht verstandenen (unerforschlichen) Teil steht. Ist der Ball, von dem die Rede ist, nun rot oder nicht? Das kann man nicht sagen, denn "xxxxxx" könnte für "nicht", "teilweise" oder "vollständig" stehen. Dasselbe gilt für jede einzelne Eigenschaft von Gott - und es gilt umso mehr, als Gott als unendlich gedacht wird. Da unser Wissen über Gott endlich ist, ist unser Unwissen von Gott unendlich groß. Das bedeutet, wir wissen so gut wie nichts über Gott, im Verhältnis ist unser Wissen unendlich klein, also praktisch fast Null (jede beliebig große Zahl ist gegenüber dem Unendlichen nahe Null).

So ein Gott kann sich übrigens vielleicht offenbaren, nur wird dadurch das Rätsel nicht kleiner, denn auch die Offenbarung ist unendlich gering im Vergleich zur Unendlichkeit Gottes. Ob etwas davon stimmt und ob wir etwas davon richtig verstanden haben, können wir nicht sagen - denn wir können es wiederum nicht vom Unerklärlichen her erklären. Dass auch angebliche Offenbarungen nichts daran ändern, darüber im nächsten Kapitel.

Weiterführende Links zum Thema

Katholischen Erwachsenen-Katechismus (→ http://dbk.de/katechismus/index.html) Katechechismus der katholischen Kirche, Online-Version. Nicht ganz so aktuell wie die unten aufgeführte Buchversion - aber an "ewigen Wahrheiten" ändert sich so schnell auch nichts.

Eintrag der Wikipedia zu Gott (→ http://de.wikipedia.org/wiki/Gott)

Interessante Literatur zum Thema

Pro Gott

Katholische Kirche (Hrsg.): 2003, Katechismus der Katholischen Kirche, m. CD-ROM, St. Benno, München. Was man als Katholik glauben sollte.

Bibel: 2001, Die Bibel, R. Brockhaus, Haan. Das Buch der Bücher – laut Isaac Asimov eine der besten Begründungen für den Atheismus, die je ersonnen wurden.

Fries, Heinrich und Glockmann, Peter: 1971, Ich sehe keinen Gott, Herderbücherei, Freiburg. Auseinandersetzung mit dem Atheismus aus gläubiger Sicht.

Frossard, André: 1970, Gott existiert. Ich bin ihm begegnet., Herder, Freiburg. Ein überzeugter Atheist begegnet Gott und wird so von seiner Existenz überzeugt - kein Roman, sondern ein autobiographischer Bericht eines Ex-Atheisten.

Küng, Hans: 2001, Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, Piper, München. Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes aus theologischer Sicht, fundiert, aber langatmig und wenig befriedigend

Kutschera, Franz von: 1991, Vernunft und Glaube, de Gruyter, Berlin. Gründliche Einführung in den Glauben und eine Begründung dafür, warum es vernünftig ist, zu glauben.

Lewis, Clive Staples: 2001, Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben., Brunnen-Verlag, Gießen. Vernünftige Gründe eines ehemaligen Atheisten, warum er an Gott glaubt und Christ wurde, literarisch sehr gut gemacht und sehr gut zu lesen.

Neuner, Roos; Rahner; Weger: 1992, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, Friedrich Pustet, Regensburg. Die offizielle Lehre der katholischen Kirche, eine fast schon erschreckende Sammlung ihrer Dogmen.

Sölle, Dorothee: 2002, Gott denken. Einführung in die Theologie., Dtv, München. Gute Einführung in die Theologie über Gott.

Weissmahr, Bela: 2002, Philosophische Gotteslehre, Kohlhammer, Stuttgart. Eine gründliche und tiefgehende philosophische Einführung in die Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben, argumentativ sicher das fundierteste Werk Pro-Werk, das ich bislang gelesen habe.

Contra Gott

Boyer, Pascal: 2004, Und Mensch schuf Gott, Klett-Cotta , Stuttgart. Eine anthropologische, neurobiologische und linguistische Theorie, warum der Mensch Gott erfinden musste, eine Theorie sämtlicher existierender Religionen - gründlich fundiert und experimentell abgesichert. Ein Muss, wenn man wissen will, wieso die Religionen entstanden sind.

Mackie, John L.: 1985, Das Wunder des Theismus, Reclam, Ditzingen. Eine der besten deutschsprachigen Einführungen in den Atheismus.

Brams, Steven J.: 1983, Superior Beings - if They Exist, how Would We Know?: Game-Theoretic Implications of Omniscience, Immortality, and Incomprehensibility, Springer-Verlag, New York. Einführung in die Spieltheorie anhand der Interaktion von mensch und Gott und sicher eine der originellsten Begründungen des Atheismus.

Barker, Dan: 1992b, Losing Faith In Faith. From Preacher To Atheist., Freedom From Religion Foundation, Inc., Madison. Das Buch eines Mannes, der 19 Jahre lang fundamentalistischer Priester war und der Atheist wurde. Humorvoll zu lesen, aber eben auch sachlich-fundiert.

Drange, Theodore M.: 1998, Nonbelief and Evil: Two Arguments for the Nonexistence of God, Prometheus Books, New York. Zwei Argumente für die Nichtexistenz des (christlichen) Gottes, eines davon ist das Theodizeeproblem, hier systematisch dargestellt und mit einer Widerlegung der meisten bekannten Lösungen des Problems.

Gale, Richard M.: 1993, On the Nature and Existence of God, Cambridge University Press, Cambridge. Sehr in die Tiefe gehendes Werk über die Natur Gottes.

Martin, Michael: 1990, Atheism: A Philosophical Justification, Temple University Press, Philadelphia. Das grundlegende Werk zur Einführung in den Atheismus, sehr anspruchsvoll.

Martin, Michael (Hrsg.) und Monnier, Ricki (Hrsg.): 2002, The Impossibility of God, Prometheus Books, New York. Ein Buch mit sog. atheologischen Argumenten, die beweisen, dass es keinen Gott geben kann.

Minois, Georges: 2000, Geschichte des Atheismus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart., Böhlaus Nachf., Weimar. Das Geschichtswerk über den Atheismus.

Smith, George H.: 1979, Atheism : The Case Against God, Prometheus Books, New York. Gründliche und systematische Einführung in den Atheismus.

Das ist nur ein Ausschnitt aus meinem Literaturverzeichnis. Dort finden Sie noch weitere Literatur zum Thema.


-+Konfusius, er zitiert: "Das Unbekannte mit dem Bekannten zu erklären ist ein logisches Verfahren; das Bekannte mit dem Unbekannten zu erklären ist eine Form des theologischen Irrsinns." (David Brooks)

2. Göttliche Offenbarung

Im vorigen Abschnitt haben wir gesehen, dass sich der Gottgläubige in einem eigenartigen Dilemma befindet: Wenn er Gott verständlich macht, dann wird sein Gottesbild kritisierbar, wenn er Gott unverständlich macht, werden alle seine Erklärungen leer und inhaltslos und hören auf, überhaupt etwas zu erklären, und das Ziel seines Glaubens verschwindet in einem diffusen Nebel vollkommenen Unwissens. Dies wird noch dadurch verschärft, dass Gott ein supernaturales Wesen sein soll. In den Offenbarungsreligionen wird nun behauptet, dass durch die Offenbarung Gottes unsere Unwissenheit überwunden wird.

Daraus entsteht sofort ein weiteres Dilemma. Entweder wir können von der natürlichen Welt auf die supernaturale Welt (= Jenseits, die Welt jenseits der natürlichen Welt) logisch schließen, oder wir können es nicht (wäre für jeden Einzelfall gesondert zu untersuchen). Können wir es nicht, dann bleibt das Jenseits für uns unverstanden, unerklärbar und unerkennbar. Damit wäre jede Offenbarung absolut wertlos für uns, man könnte aus ihr beliebige Schlüsse ziehen, aber keine sinnvollen. Können wir aber Rückschlüsse ziehen, dann wäre das Jenseits für uns verstehbar, aber damit automatisch ein verstehbarer Bestandteil der natürlichen Welt, in der wir mit unseren Begriffen operieren können wie in der natürlichen Welt.

Beide Zustände (in den Abschnitten über den Supernaturalismus wurde dieses Thema bereits angesprochen) sind für den Gläubigen höchst unerwünscht. Er möchte nämlich gerne beides haben - er möchte seine eigenen (beliebigen!) Schlüsse aus den Offenbarungen ziehen können, aber wenn er Schlüsse ziehen kann, z. B. mithilfe der Logik, dann macht er sich zugleich angreifbar für Kritik. Da er aber nicht kritisiert werden möchte, muss er die Offenbarung und seine Schlussfolgerungen daraus immunisieren, und je mehr er das macht, umso zirkulärer und inhaltsleerer wird seine Argumentation, vor allem wird das Ziel seiner Argumentation von jedem Sinn entleert. Zwischen diesen beiden Polen (Schlussfolgerung und Bedeutungsgewinnung versus logische Zirkel und Inhaltsleere) bewegt er sich und versucht, von beidem die Vorteile einzukassieren, ohne sich die Nachteile einzuhandeln. Er will den Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten.

Aber man kann nicht beides haben.

Offenbarung, so hatte ich im letzten Abschnitt bereits verdeutlicht, ist in hohem Maße anfällig für zirkuläres Denken. Und wenn die Offenbarung zirkulär ist, ist sie als Offenbarung überflüssig. Zunächst ein paar Überlegungen dazu, woran man eine göttliche Offenbarung überhaupt erkennen könnte.

Angenommen, ein Gott wollte uns z. B. moralisch auf die Sprünge helfen und offenbart seine Vorstellungen von Moral in einer Schrift, sagen wir mal, der Bibel. Wie können wir herausfinden, ob es sich um eine Offenbarung Gottes handelt oder um eine menschliche Fabrikation, um ein Produkt menschlicher Einbildung oder gar einer Fälschung? Die Offenbarung selbst kann ihre Echtheit zwar von sich selbst behaupten, aber das nützt uns nichts, das könnte auch eine Fälschung sein. Wir sind also gezwungen, die darin verwandten moralischen Maßstäbe mit unseren eigenen Maßstäben zu bewerten. Anders gesagt, wir befinden uns mitten in Euthyphrons Dilemma. Wenn wir die geoffenbarte Moral für gut befinden, so haben wir dies durch eigenes Nachdenken geschafft - damit wäre eine Offenbarung eigentlich überflüssig, wir hätten es auch aus eigenem Antrieb geschafft. Deswegen wäre ein Erkennungszeichen einer göttlichen Offenbarung, dass sie sich moralischer Ratschläge enthält. Denn so intelligent sollte Gott schon sein, dass er Euthyphrons Dilemma kennt. Menschen allerdings würden eine göttliche Offenbarung fabrizieren, um sich "höhere" Unterstützung für ihre eigenen Moralvorstellungen zu holen. Sie könnten sich damit eine Begründung ihrer Moral ersparen.

Eine göttliche Offenbarung sollte überdies Kennzeichen enthalten, die nicht von Menschen hergestellt werden können - denn sonst kann es von einer Fälschung nicht unterschieden werden. Da bieten sich ein paar Beispiele an: die Lösung von mathematisch-technischen Problemen, die knapp über dem momentanen menschlichen Horizont liegen (nicht zu weit, sonst wären die Lösungen nicht verstehbar, nicht innerhalb des menschlichen Wissens liegend, sonst wären die Problemlösungen von Menschenhand fabrizierbar). Soweit ich weiß, gibt es dafür in der Bibel kein einziges Beispiel. Ferner würden Beschreibungen der Welt nicht durch spätere Erkenntnisse obsolet, beispielsweise würden wir folgende Beschreibungen nicht finden:

Lukas 4:5-7: "5 Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. 6 Und der Teufel sprach zu ihm: Ich will dir alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. 7 Wenn du nun vor mir anbeten willst, soll das alles dein sein." (Hervorhebung von mir - übrigens scheint auch der Teufel nicht gewusst zu haben, dass Jesus Gott selbst ist oder der Sohn Gottes.)

Es kann keinen Berg geben, der so hoch ist, dass man von dort "alle Reiche des Erdkreises" sehen könnte. Der Schreiber dieser Textstelle hat nicht bedacht oder nicht gewusst, dass die Erde eine Kugel ist. Solche (und viele, viele ähnliche Stellen) müssen einfach misstrauisch machen, weil sie ganz eindeutig für menschliche Fabrikation sprechen.

Es bleiben als weiteres Echtheitskennzeichen noch die Prophezeiungen. Dabei würde sich ein übermächtiges Wesen aller Prophezeiungen enthalten, die auch Menschen machen könnten. Denn dadurch wäre eine Fälschung ebenfalls nicht von einer echten Offenbarung unterscheidbar. Vor allem müsste jenes Verfahren vermieden werden, welches ich bereits kritisiert habe: die Prophezeiung im Nachhinein, wie wir sie in der Bibel zu hunderten finden (vor allem im NT). Jeder dieser Weissagungstricks ist ein starkes Indiz für menschliche Fabrikation. Insbesonders würde Gott auch alle Vorhersagen vermeiden, die auf menschlichem Verhalten basieren, denn hier besteht der Verdacht der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Israel wurde im letzten Jahrhundert gegründet, weil dies den Juden in der Bibel geweissagt worden ist - die Erfüllung dieser Prophezeiung kann also vollständig durch natürliche Geschehnisse erklärt werden. Eine echte Prophezeiung würde sich auf Ereignisse beziehen, die nicht von Menschen beeinflusst werden können. 1908 schlug in Sibirien ein riesiger Asteroid ein - das wäre ein Ereignis dieser Art oder die Explosion eines bestimmten Sterns, die präzise (zeitliche) Vorhersage des Entstehens einer Supernova. Prophezeiungen ohne Zeitangabe hingegen sind vollkommen wertlos - dass es "vermehrt Kriege zwischen den Nationen geben wird", zu bestimmten Zeiten, ist allgemeines menschliches Wissen, kein Ausweis göttlicher Kenntnisse. Auch von dieser Art präziser Prophezeiung finden wir keine einzige in der Bibel, wenn doch, dann handelt es sich um den beschriebenen Trick.

Christen behelfen sich bei dieser Kritik meist damit, dass Gott die Bibel nicht selbst geschrieben habe - warum eigentlich nicht? Wir können an der Bibel mit ihren tausenden von Lesarten, unterschiedlichen Abschriften, ihren ganzen Übersetzungsproblemen, den Schwierigkeiten bei der Auslegung etc. deutlich sehen, dass menschliche Bibelschreiber eine ganze Reihe schwer wiegender Probleme verursachen, die voll und ganz auf die göttliche Intention "durchschlagen". Ein echter Gott wüsste sicher Wege, diese höchst überflüssigen und ärgerlichen Probleme zu vermeiden, deswegen ist jedes Problem mit der Bibel eine Evidenz gegen den göttlichen Ursprung der Bibel. Auch jeder Fehler ist eine Evidenz dagegen, denn wenn es Fehler in Dingen gibt, die wir nachprüfen können, so muss uns dies besonders misstrauisch machen gegen Dinge, die wir nicht nachprüfen können - wer sagt uns denn, dass nicht gerade dort die größten Verständnis- und Übersetzungsprobleme liegen? Denn je weiter wir uns von den alltäglichen Dingen unserer Anschauung entfernen, umso leichter schleichen sich Fehler ein. Jeder sachliche Fehler in der Bibel zöge ein Mehrfaches an Fehlermöglichkeiten in den sachlich nicht nachprüfbaren Dingen nach sich. Deswegen ist ein minimaler Anspruch an eine göttliche Offenbarung auch die Fehlerfreiheit. Bereits ein einziger Fehler ist eine starke Evidenz gegen eine göttliche Offenbarung - und es scheint, als sei dies nur den Bibelfundamentalisten bewusst. Es wird angenommen, dass die Inhalte der Bibel durch "Inspiration" vermittelt worden sind (offensichtlich ist diese Inspiration sehr fehleranfällig - kein Merkmal eines perfekten Gottes, denn hier vermisst man jegliche Perfektion. Aber entweder, ich kann an der Güte der Beschreibungen oder Lösungen von technisch-mathematischen Problemen oder durch präzise Prophezeiungen die Güte der Offenbarung erkennen, dann ist Inspiration (vor allem beim Lesen) vollkommen überflüssig, oder ich kann die Qualität nicht erkennen, dann ist Inspiration ein schlechter Ersatz. Um Robert Green Ingersoll zu zitieren (Übersetzung von mir):

Nun wird behauptet, dieses Buch [die Bibel, Anm. VD] sei inspiriert. Es kümmert mich kein bisschen, ob dies stimmt oder nicht, die Frage ist, ist dies wahr? Wenn es wahr ist, dann braucht es nicht inspiriert zu sein. Nichts braucht Inspiration, außer etwas Falsches oder ein Fehler.


Nichts unterscheidet die Bibel von einer durchaus beeindruckenden menschlichen Fabrikation. Hinzu kommt, sobald man anfängt, die Ereignisse in der Bibel genauer nachzuprüfen, stellt man Unmengen an (Übersetzungs-)Fehlern und historischen Ungenauigkeiten und Falschheiten fest  [3]. Warum sollte Gott es zulassen, dass seine Offenbarung durch derartige Dinge "verunreinigt" wird? Warum sollte Gott nicht Vorkehrungen dagegen treffen, dass "sein Buch" durch falsche Übersetzungen verstümmelt wird? Und wieso findet sich keine Anleitung in der Bibel, wie man diese zu lesen hat? Warum sollte ein Theologiestudium nötig sein, um einfache Gleichnisse, geschrieben für ungebildete Menschen von vor 2.000 Jahren, überhaupt verstehen zu können? Alle diese Ungereimtheiten, Mängel, Fehler und fehlenden Echtheitskennzeichen einer göttlichen Offenbarung lassen nur einen Schluss zu: Die Bibel wurde von Menschen fabriziert, die ihrem Werk dadurch einen höheren Status geben wollten, dass sie es als durch Gott geoffenbart deklarierten. Das ist ihnen so gut gelungen, dass heute noch Millionen von Menschen diesen Schwindel nicht durchschauen. Und das ist das eigentlich Beeindruckende an der Bibel und macht es zu einem Werk von Weltrang. Über die Offenbarung der Bibel gibt es ein eigenes Kapitel.

Was man aus der Bibel herauslesen kann, ist die sich wandelnde Vorstellung der Menschen von Gott. Als ein Selbstzeugnis für Gott eignet es sich nicht, es sei denn, man glaubt zirkulär bereits an den dort "geoffenbarten" Gott und nimmt die Bibel als Bestätigung für das, was man vorher ohnehin schon geglaubt hat.

Konfusius, er zitiert: "Richtig gelesen ist die Bibel eines der mächtigsten Argumente für den Atheismus, welches je ersonnen wurde." (Isaac Asimov)

3. Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen

Bevor ich mit den Gottesbeweisen beginne eine kleine Vorbemerkung.

Auch unter Theisten sind die Gottesbeweise umstritten. Viele Theologen vertreten die Auffassung, dass diese Beweise überflüssig sind. Sie sind sogar in einer gewissen Weise kontraproduktiv. Denn alle diese "Beweise" implizieren, dass mit der Logik dieser Welt Gott zumindest in Teilen, was seine Existenz angeht, auch der Logik dieser Welt unterliegt und Gott damit logisch zugänglich ist.

Mehr noch: Wenn man den Glauben in den Rang einer Tugend erhebt, dann würde ein Beweis den Glauben selbst nutzlos machen. Wenn man etwas beweisen kann, dann braucht man nicht daran zu glauben, folglich wäre der Glauben überflüssig. Allerdings - wie sollte ein Ungläubiger zum Glauben kommen? Dieses Problem wäre nicht lösbar, denn man braucht dazu Argumente, die überzeugend wirken. Denn dass man sich "auf den Glauben einlassen muss" spricht nicht für einen spezifischen Glauben, sondern nur für den Glauben schlechthin - sei es für einen Glauben an Gott, an UFOs, an paranormale Phänomene, an Zeus, an unsichtbare rosa Einhörner, an hinduistische Gottheiten usw. usf. Denn alle Glaubensrichtungen argumentieren damit, dass man sich auf den Glauben "erstmal" einlassen sollte, damit man seine Wahrheit erkennen kann. Soll man nun an alles erstmal vorbeugend glauben und erkennt man dann die Wahrheit von allem, auch wenn es sich zum Teil in extremen Maße widerspricht? Wohl kaum.

Man kann also nur auf drei Wegen (in Kombination) zum Glauben kommen:

  1. Durch eine (meist frühkindliche) Indoktrination oder eine Gehirnwäsche oder andere Zwangsmaßnahmen
  2. oder durch überzeugende Argumente, mit den man die verschiedenen Glaubensrichtungen gegeneinander abwägen kann,
  3. oder durch ein "blindes" Einlassen auf den Glauben.
Jede Konversion bewegt sich irgendwo zwischen diesen drei Polen: Indoktrination, (rationale) Überzeugung oder Einlassen auf den Glauben. Eine Konversion, die auf nur einem Element beruht, ist schwer vorstellbar (man muss schließlich auch irgendwie überzeugt oder dazu indoktriniert werden, um sich auf den Glauben einzulassen). Allerdings werden die meisten Menschen nicht konvertiert sondern nehmen den Glauben ihrer Umgebung an. Das entspricht einem Einlassen ohne Alternativen bzw. einer Indoktrination.

An dieser Stelle beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit dem Weg der rationalen Überzeugung. D. h. ich setze zunächst voraus, dass es prinzipiell möglich sein kann, Gott zu beweisen, und dass der Glauben an Gott rational zu rechtfertigen ist. Aus dem Scheitern dieses Bemühens kann man schließen, dass der rationale Weg zu Gott nicht funktioniert und nur die beiden anderen Wege offen stehen - Einlassen oder Indoktrination. Da man allerdings eine rationale Rechtfertigung benötigt, um sich auf einen spezifischen Glauben einzulassen, bedeutet dies, dass es nur einen Weg gibt, auf dem man anfangen kann, zu glauben: den der Indoktrination. Rationale Überzeugung hätte dann nur eine Hilfsfunktion - man gaukelt dem Individuum vor, die Indoktrination sei rational gerechtfertigt.

Ein "blindes" Einlassen auf den Glauben ist m. A. nach nicht rational gerechtfertigt, weil man auf diese Weise anfangen kann, alles zu glauben. Denn nahezu alle Glaubensrichtungen argumentieren damit, dass man erstmal anfangen muss, zu glauben. Das bedeutet aber, dass man anfängt, zu glauben, um zu glauben. Das ist zirkuläre Logik. Es werden noch viele andere quasi-rationale Argumente verwendet, damit die Menschen anfangen, zu glauben - dass die Mehrheit an Gott glaubt (was kein Argument für den Glauen ist), dass es keine Moral gibt ohne Glauben usw. usf.

Wenn Gott selbst überhaupt nicht der Logik dieser Welt zugänglich ist, dann scheitern alle Gottesbeweise und man müsste sich eigentlich nicht damit befassen. Aber da die Gottesbeweise sehr populär sind und in Diskussionen eine große Rolle spielen werde ich sie hier darstellen und diskutieren. Ich werde zeigen, dass einige dieser Argumente nur aufgrund von Denkfehlern für Gott zu sprechen scheinen, während sie in Wahrheit Argumente gegen die Existenz Gottes sind.

Und es gibt einen Einwand, der sich gegen fast jeden dieser Gottesbeweise vorbringen lässt: Viele Menschen nehmen an, dass wenn die Existenz eines Schöpfers bewiesen ist, dies bereits der christliche Gott mit allen seinen Eigenschaften sei. Das ist ein schwerer Trugschluss. Ich nehme mal einen populären Gottesbeweis und demonstriere seine Widerlegung und welche Folgen es hätte, wenn die Widerlegung scheitert:

(P1) Alles hat eine Ursache.
(P2) Es ist nicht sinnvoll, einen unendlichen Regress von Ursachen  [4] anzunehmen.

(S1) Folglich muss es eine erste Ursache gegeben haben, die keine weiteren Ursachen hat.
(S2) Diese erste Ursache ist Gott.

Angenommen, dieser Beweis wäre gültig, d. h. (S1) wäre gerechtfertigt. Dann wäre (S2) aber mangelnde logische Folgerichtigkeit - es folgt keineswegs aus (S1), dass damit Gott bewiesen ist. Denn diese erste Ursache könnte das Universum selbst sein - der Beweis zeigt nur, dass es eine erste Ursache gegeben haben muss. Es könnte auch eine unpersönliche Kraft sein oder ein Naturgesetz. Es könnten ein Gott oder mehrere Götter sein, bekannte Götter wie unbekannte. Es könnte der Teufel persönlich sein. Es könnten Wesen sein, die über begrenzte Macht verfügen und über begrenztes Wissen, Wesen, die fehlbar sind. Es könnte sich um körperliche Wesen handeln. Usw. usf. Aus dem Erfolg dieses (und der meisten weiteren Argumente) kann man nicht auf die Existenz Gottes schließen, das wäre eine Über-Interpretation. Genau dies wird von geschickt argumentierenden Laienpredigern oder Theologen aber gerne versucht. Die Existenz einer ersten Ursache ist bewiesen, folglich muss es sich um den gesuchten Christengott handeln, der sich offenbart hat in Jesus, der auferstanden ist ... langsam! Genau das folgt überhaupt nicht, eher im Gegenteil.

Meistens wird der Übergang von (S1) zu (S2) in den Gottesbeweisen "unterschlagen". Aus gutem Grund, denn hier ist eine generelle Schwäche dieser Argumentation verborgen, die man übergehen muss, um den falschen Anschein zu erwecken, man habe einen Gottesbeweis. Vorsicht vor denen, die diesen kritischen Punkt verschweigen, denn sie haben keine redliche Argumentation im Sinne.

Die Widerlegung ist einfach und zeigt ein gewisses Schema, welches man auf fast jeden Beweis anwenden kann:

(1) Die Prämisse (P1) ist unbegründet. Warum sollte alles eine Ursache haben? Es wäre genauso gut vorstellbar, dass es unverursachte Ereignisse gibt (tatsächlich argumentieren vor allem Theologen gerne mit dem freien Willen, der unverursacht sein soll. Wenn also ein Theologe mit dem freien Willen argumentiert und mit dem Beweis der ersten Ursache, so ist das selbst-widersprüchlich. Aus Widersprüchen kann man aber alles Mögliche folgern.

(2) Die Prämisse (P2) ist unbegründet. Es ist sehr wohl vorstellbar, dass es einen unendlichen Regress an Ursachen gegeben hat (beispielsweise: Das Universum existiert ewig, ohne Anfang). Tatsächlich, wenn (P1) wahr sein sollte, dann folgt daraus geradezu zwingend, dass es einen unendlichen Regress gegeben haben muss.

(3) Die Schlussfolgerung (S1) widerspricht der Prämisse (P1). Wenn es eine erste Ursache gegeben hat, die nicht selbst verursacht war, dann hat eben nicht alles eine Ursache. Folglich ist (P1) falsch und damit auch die Schlussfolgerung.

(4) Die Schlussfolgerung (S1) widerspricht der Prämisse (P2). Denn Gott selbst müsste ewig existieren, entspräche also einem unendlichen Regress von Ursachen. Wenn man dagegen einwendet, dass man das Kausalitätsprinzip (Ursache-Wirkung) nicht auf Gott anwenden kann, dann bricht der Beweis in sich zusammen, dann wäre nämlich ein Kausalitätsschluss auf die erste Ursache (Gott) nicht möglich, das geht nur, wenn Gott selbst dem Prinzip der Kausalität unterliegt.

(5) Die Prämisse (P1) widerspricht der Prämisse (P2) - wenn alles eine Ursache hat, dann muss es einen unendlichen Regress von Ursachen gegeben haben. Aus widersprüchlichen Prämissen kann man beliebige Schlüsse ziehen und genau dieser Umstand wird für diesen (und ähnliche) "Beweise" genutzt. Laien kann man damit verwirren und beeindrucken.

Vor allem (4) zeigt, dass der Beweis nur genau dann gültig sein kann, wenn man die im Beweis enthaltenen Prinzipien auch auf Gott anwenden kann. Wenn dies geht, dann funktioniert damit auch automatisch jeder Beweis gegen Gott, der dieselben Prinzipien verwendet. Wenn es also einen Gottesbeweis gäbe, dann könnte man eventuell einen Beweis gegen Gott konstruieren. Das ist tatsächlich problemlos möglich - mehr noch: Die Beweise gegen Gott sind überzeugender als die für Gott, weil sie nicht auf Denkfehlern wie (1) bis (5) basieren. Ein Theist, der argumentiert, es gäbe einen Gottesbeweis, liefert damit zugleich überzeugende Gründe für einen positiven Atheismus  [5].

Man kann nämlich folgern, wenn (P1) wahr ist, dass es einen unendlichen Regress an Ursachen gegeben haben muss und dass folglich das Universum keine erste Ursache gehabt haben kann, also ewig existiert. Wenn das Universum ewig existiert, dann hatte es keinen Schöpfer, folglich existiert der christliche Schöpfergott nicht. Für die Annahme, dass das Universum ewig existiert, spricht zudem, dass weder Materie noch Energie vernichtet werden können (man kann sie nur umwandeln). Das bedeutet, dass das Universum mindestens kein Ende hat. In diesem Beweis gegen Gott steckt zumindest kein Denkfehler (wie in dem Beweis für Gott) und er stimmt mit unseren empirischen Evidenzen und Beobachtungen überein. Folglich ist seine Plausibilität größer.

Interessant ist noch das Argument: (P1') Alles hat eine Ursache außer Gott.


In diesem Fall hat man Gott bereits in der Prämisse drin stecken, das bedeutet, man setzt voraus, was man zu beweisen sucht (was einen zu der Logik führt "Wenn Gott existiert, dann existiert Gott" - eine Tautologie).

Die meisten der sog. kosmologischen Gottesbeweise (aus bestimmten Eigenschaften des Kosmos wird auf Gott geschlossen) folgen demselben oder einem sehr ähnlichen Schema und lassen sich auch fast schematisch widerlegen. Um den Beweis zu "retten" müsste man zeigen, dass alle meine fünf Widerlegungen (1) bis (5) falsch sind, es reicht nicht zu zeigen, dass eines der Argumente falsch ist. Und es müsste gezeigt werden, dass der Übergang von (S1) auf (S2) gerechtfertigt ist und es sich um den christlichen Gott handelt (beides ist sehr schwer und wurde nur selten versucht).

Wenn also das nächste Mal jemand auf die Natur deutet und behauptet "... und deswegen existiert Gott" dann bedenken Sie noch eines: Wenn man von der Schönheit der Natur auf die Güte Gottes schließen kann, dann kann man von der Hässlichkeit und der Bösartigkeit in der Natur auch auf die Bösartigkeit Gottes schließen. Kann man das nicht, kann man auch nicht auf die Güte Gottes schließen, jeder Beweis wäre ungültig. Theisten sind wählerisch, sie möchten aus der Schönheit des Regenbogens auf Gottes Güte und Liebe schließen, aber aus einem von einem Blitz verbrannten Kind nicht auf das Böse in Gott. Aber wenn man ersteres kann, kann man auch letzteres. Wenn man es nicht kann fehlt dem Theisten die rationale Rechtfertigung für seinen Glauben. Man sollte nicht mal so und mal so argumentieren. Doch, man kann es, und ich erlebe es in Diskussionen fast jeden Tag, aber redlich ist das nicht. Es ist ein Indiz dafür, wie sehr Glauben das Denken verzerrt und vergiftet und die Rationalität unmerklich unbewusst unterminiert.

Im weiteren Verlauf analysiere ich die gängigen Gottesbeweise und die Folgerungen daraus, immer unter der Annahme, dass es möglich ist, Gott zu beweisen oder zu widerlegen. Das ist der Haken an den Gottesbeweisen: Wenn man etwas beweisen kann, dann kann man es auch widerlegen, zumindest prinzipiell. Deswegen reden viele Theisten auch nicht von Beweisen, sondern eher von Hinweisen oder Indizien, also einer Abschwächung, weil dies auch eine Widerlegung abschwächt. Doch woher kommt dann die Glaubensgewissheit? Die kann dann doch nur Trug und Schein sein.

Ein besonders nettes Argument möchte ich im Vorwege gleich aus dem Weg räumen. Es wird behauptet, dass diese Beweise alleine eben noch nichts im strengen Wortsinn beweisen, dass sie aber in Kombination doch den Schluss zulassen, dass Gott existiert. Aber diese Beweise sind keine Wahrscheinlichkeitsbeweise oder eine Kette von Indizien, unter denen das eine oder andere Indiz schwach ist, aber die Kette insgesamt doch tragfähig ist. Diese Beweise sind allesamt falsch und beruhen auf Denkfehlern. Seit wann sagen ein Dutzend falscher Beweise etwas für eine Sache aus? Man stelle sich das schallende Gelächter vor Gericht vor, wenn man sagt, dass zwar jeder einzelne Beweis dafür, dass X der Mörder sei, gescheitert ist, aber das dies insgesamt doch die Annahme rechtfertigt, X sei der Mörder ... In unserem Fall hier ist es unredlich, einen gescheiterten Beweis in ein schwaches Indiz für Gott umzudeuten, wo doch die Beweise, von den Denkfehlern befreit, teilweise gegen die Existenz Gottes sprechen oder bestenfalls neutral sind.

Auch die Umdefinition von gescheiterten (also falschen Beweisen) in Hinweise oder ähnliches ist nicht sinnvoll. Man gibt zwar zu, dass es kein strikter Beweis ist, aber dies könne man bei Gott auch nicht verlangen, es sei eben nur ein Hinweis, der nur auf Gott deuten, ihn aber nicht beweisen soll. Aber ein falscher Beweis ist auch kein schwacher Hinweis und deutet immer noch in die falsche Richtung.

Was kann man aus den Gottesbeweisen lernen? Zum einen, dass gerne in Diskussionen ungültige Argumente benutzt werden, die plausibel zu sein scheinen. Zum anderen aber kann man noch dieses lernen:

Wenn ich behaupte, dass Gott existiert, aber wiederholt mit den Beweisen scheitere, dann wird mit jedem Scheitern die Existenz Gottes unwahrscheinlicher. Denn gäbe es Gott und er wäre beweisbar, dann müsste mit jedem neuen Anlauf die Wahrscheinlichkeit steigen, dass man es diesmal richtig macht. Aber andersherum, nach sehr vielen gescheiterten Anläufen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Gott existiert und man dies nochmal beweisen kann. Und mit dieser seit über 2.000 Jahren sinkenden Wahrscheinlichkeit kann man nunmehr mit allem Recht behaupten, dass die Behauptung, dass Gott existiert, unwahrscheinlich ist und ferner und ferner jeder Erfahrung liegt. Und unwahrscheinliche Behauptungen benötigen starke Beweise. Außerdem bedeutet dies, dass die Beweislast völlig beim Theisten liegt, wenn er entgegen allem Scheitern der vergangenen Jahre die Existenz Gottes trotzdem behauptet.

Konfusius, er zitiert: "Merkwürdig aber wahr: Diejenigen, die Gott am meisten liebten, haben Menschen am wenigsten geliebt." (Robert Green Ingersoll)

4. Das Design-Argument

Wir haben gesehen, dass man aus der göttlichen Offenbarung nicht auf die Existenz eines Gottes schließen kann. Wie kann man nun rechtfertigen, an einen Gott zu glauben? Dazu dienen (meistens) die sog. "Gottesbeweise". Zwar hält auch eine Mehrheit der Theologen diese Beweise für ungültig, aber in der Diskussion mit Ungläubigen spielen sie immer noch eine große Rolle. Deswegen werde ich im Weiteren zunächst diese Gottesbeweise widerlegen. Kurzformen der Widerlegungen finde sie unter: Ex-Atheisten.

Die populäre Variante dieses "Beweises" sieht so aus: Sie gehen an einem Strand spazieren und finden dort eine Uhr. Was ist nun plausibler: Dass diese Uhr durch bloßen Zufall entstanden ist, oder das sie ein Uhrmacher hergestellt hat? Wenn man sich vergleichsweise das Universum ansieht, welches sicher noch wunderbarer als eine Uhr ist, muss man dann nicht auch annehmen, dass es von einem "Uhrmacher" hergestellt wurde? Dieser Uhrmacher ist Gott!

Kurz gesagt: Von Dingen, die (vergleichsweise) komplex sind und die eine nichtzufällige Anordnung haben (wie z. B. eine Uhr) schließen wir auf einen Hersteller.

Formal sieht der Beweis so aus - (P1), (P2) sind die Prämissen, (S) ist die Schlussfolgerung:

  1. (P1) Alle komplexen Dinge in ungewöhnlicher Anordnung wurden hergestellt.
  2. (P2) Das Universum ist komplex und ungewöhnlich angeordnet.
  3. (S) Daraus folgt: Das Universum wurde hergestellt - von einem Schöpfer (Gott).


Widerlegung:

(1) Wenn (P1) wahr ist, dann muss auch Gott geschaffen worden sein, der Schöpfer von Gott muss wiederum geschaffen worden sein usw. usf. Wenn man nun einwendet, dass Gott nicht geschaffen worden ist, dann ist (P1) als Annahme falsch, denn dort steht, dass alle komplexen Dinge (wie z. B. Gott) hergestellt wurden. Wenn aber (P1) falsch ist, ist auch die Schlussfolgerung falsch. Wenn man bei Gott eine Ausnahme macht, so ist damit die universelle Gültigkeit von (P1) widerlegt, folglich können komplexe und ungewöhnliche Dinge auch ohne einen Schöpfer entstehen. Das gilt auch für das Universum! Und das Universum hat den Vorteil, dass wir wissen, dass es existiert.

Man kann sogar sagen, dass dieses Argument widerlegt, dass das Universum einen Schöpfer braucht, denn nicht alles benötigt einen Schöpfer.

(2) Der Hauptfehler des Arguments liegt darin, dass es voraussetzt, was es zu beweisen sucht, d. h., es ist zirkulär. Es erklärt keine Komplexität, sondern setzt diese voraus. Komplexes (z. B. Gott) kann Komplexes (z. B. das Universum) schaffen - doch woher kommt die ursprüngliche Komplexität? Wenn man argumentiert, dass nichts Komplexes durch Zufall oder aus dem Nichts entstehen kann, dann hat man ein Argument gegen Gott. Wenn man aber annimmt, dass sich aus einfachen Dingen komplexe Dinge entwickeln können, dann ist es nicht notwendig, einen Gott anzunehmen. Man kann dann argumentieren, dass das Universum genau die Struktur hat, die man erwarten müsste, wenn man davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, denn erstaunlicherweise hat sich das Universum aus einfachsten Objekten gebildet. Oder man müsste einen Gott annehmen, der selbst sehr einfach gestrickt ist, also beispielsweise über kein Bewusstsein verfügt (denn Bewusstsein ist ein komplexes Phänomen). Oder man müsste annehmen, dass Gott selbst einer Evolution unterliegt. Auch diesen Schlussfolgerungen mögen Theisten nicht zustimmen.

(3) (P2) ist ebenfalls falsch (folgt aus (2)). Tatsächlich besteht das Universum aus sehr einfachen Bausteinen. Die aus diesen einfachen Bausteinen entstandene Komplexität hat sich entwickelt. Es lässt sich empirisch nachweisen, dass alle komplexen Objekte sich aus sehr einfachen Objekten zusammensetzen. Man kann also nicht sagen, dass das Universum komplex ist, man kann nur sagen, es hat sich so entwickelt.

(4) Woran erkennen wir Design? Daran, dass sich etwas von natürlichen Gegenständen unterscheidet. Sie finden am Strand eine Uhr und schließen darauf, dass es einen Uhrmacher gegeben haben muss. Bedeutet dies, wenn Sie einen Stein finden, dass es auch einen Steinemacher gegeben haben muss? Das wäre sogar denkbar - ich könnte das Hobby haben, perfekt natürlich aussehende Steine herzustellen, die so gut gemacht sind, dass sie von natürlichen Steinen nicht zu unterscheiden wären. Je perfekter ich arbeite, umso weniger Grund hätten Sie zur Annahme, der Stein sei künstlich hergestellt.

Anders gesagt, Sie können eine hergestellte Uhr von einem nicht hergestellten Stein an bestimmten Unterscheidungsmerkmalen auseinander halten. Beim Stein schließen Sie, dass er natürlich ist, bei der Uhr, dass sie hergestellt wurde. Was Sie benötigen, ist ein Referenzobjekt, um diesen Vergleich durchführen zu können.

Nun die Frage: Mit wie vielen Universen haben wir unser Universum verglichen, um den Schluss auf ein Design ziehen zu können? Wir könnten so einen Schluss nur genau dann ziehen, wenn wir unser Universum mit einem natürlich entstandenen Universum vergleichen. Da wir das nicht können, ist der Schluss nicht gerechtfertigt.

(5) Beim Uhrmachergleichnis wird von der Analogie nur genau der Teil entnommen, der für das spricht, was man zu beweisen sucht. Wenn aber der Teil der Analogie gültig ist, warum dann nicht auch die anderen Teile? Da wären z. B.:

  1. Je komplexer etwas ist, umso mehr "Uhrmacher" waren daran beteiligt. Eine Uhr wird von vielleicht einem Dutzend Menschen hergestellt, ein Flugzeugträger von Tausenden, eine Stadt von Hunderttausenden. Folglich müssen eine sehr große Anzahl von Göttern an der Schöpfung unseres Universums beteiligt gewesen sein, je nach "Schöpfungsvermögen". Es gibt aber keinen Grund, anzunehmen, dass es nur einen einzigen Schöpfer gibt.
  2. Noch nie ist ein Gegenstand wie eine Uhr durch körperlose Wesen geschaffen worden (fehlende empirische Evidenz). Folglich müssen auch die Schöpfer des Universums körperlich gewesen sein.
  3. Noch nie wurde eine Uhr aus dem Nichts geschaffen. Uhren werden durch Reorganisation vorhandener Materie geschaffen, also muss auch unser Universum durch Reorganisation bereits vorhandener Materie geschaffen worden sein.
  4. An den Fehlern der produzierten Dinge kann man erkennen, dass diese Dinge von nicht perfekten, unvollkommenen, fehlerbehafteten Wesen geschaffen wurden. An den Fehlern der Welt kann man also die Fehlerhaftigkeit der Götter ablesen.


Wenn man die Logik aus dem Uhrmachergleichnis anerkennt und auf Gott überträgt, dann ist das nur möglich, wenn dieser Gott derselben Logik gehorcht. Dann sind (a) bis (d) aber ebenfalls plausibel. Erkennt man das nicht an, bedeutet dies, dass man die Logik in unzulässiger Weise überdehnt hat auf einen Bereich, in dem sie nicht gültig ist, folglich ist der Beweis durch Analogie ungültig. Auf der einen Seite behaupten Theisten gerne, sobald man ihren Glauben mit der Logik kritisiert, dass die Logik auf ihren Glauben und besonders auf Gott nicht anwendbar wäre (diese Behauptung wird meist nicht begründet). Wenn dies der Fall wäre, wären gleichzeitig auch alle logischen Gottesbeweise widerlegt - andernfalls wären die theistischen Behauptungen selbst-widersprüchlich. Auch hier versuchen viele Theisten, wieder zwei widersprüchliche Dinge gleichzeitig zu haben: Anwendung zur Logik zum Beweis von Gott, Nichtanwendbarkeit der Logik auf Gott. Sie sollten sich für eine Variante entscheiden. Besonders das Theodizeeproblem deutet darauf hin, dass wir sehr viele Evidenzen für die Richtigkeit von (d) haben.

Um die Widerlegung scheitern zu lassen, müsste man für jeden der fünf Punkte nachweisen, dass die Widerlegung falsch ist. Findet man nur für eine einzige der fünf Widerlegungen kein Gegenargument, so ist der Beweis gescheitert.

Ich schließe daraus, dass der Gottesbeweis widerlegt wurde und gescheitert ist.

Übrigens: Wenn der Gottesbeweis gültig wäre, beweist er nicht die Existenz des christlichen Gottes, sondern nur die Existenz eines Schöpfers. Dies könnte auch der taoistische Gott sein, der deistische Gott, Zeus, die shintoistischen Götter, die hinduistischen Götter, Allah, Manitu, Zarathustra ... oder gar uns völlig unbekannte Götter, oder eine natürliche Kraft. Das wird bei diesen Gottesbeweisen meist gerne übersehen (siehe Gegenargument (5) und siehe Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen).

Ich würde mal behaupten, dass die Mehrheit der Theologen heutzutage die Gottesbeweise für gescheitert hält. In Küng 2001 widerlegt der Theologe Küng übrigens alle gängigen Gottesbeweise.

Der generelle Fehler ist, anzunehmen, dass Planung immer auch einen Planer voraussetzt. Wir sind das so sehr von unserer menschlichen Welt gewohnt, dass es uns schwer fällt, davon abzusehen. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass es Menschen so schwer fällt, die Evolutionstheorie anzuerkennen: Sie widerspricht der Intuition. So wie der Aufbau des Sonnensystems, der Atome, der Quantentheorie usw. usf. unserer Intuition widerspricht. Es wäre daher unklug, unsere Intuition zum Maßstab für Wahrheit zu machen. Aber genau dies geschieht momentan wieder, dieser längst widerlegte Gottesbeweis taucht als eine Pseudo-Theorie über "intelligentes Design" wieder auf - siehe Intelligentes Design (→ http://science.orf.at/science/news/10601).

Man muss bereits an Gott glauben, um diesen "Beweis" für gültig zu halten. Man kann das als Indiz sehen, wie der Glauben das Denken verzerrt und uns Dinge für plausibel halten lässt, die logisch falsch sind.

Es kommt aber noch schlimmer: Wenn man die Grundprämissen dieses Gottesbeweises genauer durchdenkt, dann wird daraus ein Argument gegen Gott. Das behandle ich im nächsten Abschnitt.

Konfusius, er zitiert: "Die Theorie der Evolution durch kumulative natürliche Selektion ist die einzige Theorie, die wir haben, um prinzipiell die Existenz organisierter Komplexität zu erklären." (Richard Dawkins in Dawkins 1996)

5. Komplexität und Gott

Die Tatsache, dass wir unser Universum als "designed" interpretieren können (aber nicht müssen), hat viele Leute dazu veranlasst, einen "Intelligenten Designer" zu postulieren. Vor allem "Kreationisten", die die alten Schöpfungsmythen gerne wieder aufleben lassen möchten, nutzen diese Argumentation. Diese Seite benutzt die Argumentation von Science, Complexity, and God (→ http://freethought.freeservers.com/reason/complexity.html).

Wir sehen die Natur und vor allem Menschen als ein sehr, sehr komplexes Phänomen. Wir haben die Komplexität selbst oft genug (noch) nicht verstanden. Wenn wir uns aber den Fortschritt der Wissenschaften betrachten, so stellen wir fest, dass viele der komplexen Phänomene sich durch einfache Prinzipien erklären lassen. Man könnte sogar sagen, dass die Erklärung komplexer Dinge durch einfache Prinzipien eines der Hauptanliegen der Wissenschaft ist.

Nun behaupten die Anhänger der "Intelligenten Design Theorie" (ID-Theorie, es handelt sich um heiße Luft in neuen Schläuchen, um einen neuen Anlauf des Kreationismus), dass die Wissenschaft bei diesem Versuch beim Leben gescheitert ist und dass sie auch immer daran scheitern wird. Es handelt sich folglich um eine Aussage über die Zukunft der Wissenschaft. So eine Aussage ist allerdings völlig unsinnig - die Fortschritte der Wissenschaft der letzten Jahrhunderte lassen im Gegenteil vermuten, dass die Wissenschaft noch nicht an ihre Grenzen gestoßen ist und dass dies auch nicht so schnell der Fall sein wird. Wobei wir nicht verkennen dürfen, dass unsere Erkenntnis über diese Welt nicht perfekt ist, so dass immer begründete Zweifel möglich sind. Das bedeutet, dass man die Einwände der Kreationisten ebenso ernst nehmen muss wie die, die aus der Wissenschaft selbst gegen die Evolutionstheorie kommen.

Aber wir müssen uns auf die Gegenwart konzentrieren - mit zukünftigen möglichen oder unmöglichen wissenschaftlichen Erklärungen kann man nicht wirklich argumentieren, weil es sich um Spekulationen handelt. Tatsächlich hat die Wissenschaft noch nicht alle komplexen Phänomene durch Reduktion auf einfachere Dinge erklärt. Die "Reduktion auf Einfachheit" (oft als Reduktionismus bezeichnet) stößt sogar oft auf Probleme. Immer, wenn wir auf solche Probleme stoßen, so behaupten einige Kreationisten, ist ein "Intelligenter Designer" die bessere Erklärung. Allerdings scheitern die Argumente des ID bislang alle daran, dass es keinen Beweis, nicht einmal ein Indiz, dafür gibt, dass sich bestimmte komplexe Phänomene nicht auf einfachere zurückführen lassen, und dass wir daher eine übernatürliche Erklärung brauchen (abgesehen von den Problemen, die der Supernaturalismus selbst hat).

Die Anhänger des ID berufen sich dabei auf "fundamentale Komplexität", d. h. Komplexität, die sich nicht weiter in Einfachheiten zerlegen lässt. Die Existenz fundamentaler Komplexität ist bislang unbewiesen. Sie müsste bewiesen werden, um eine Basis für ID zu haben, aber aus prinzipiellen Gründen lässt sich dieser Beweis kaum führen, was eine fundamentale Schwäche des ID bedeutet. Inzwischen wird deswegen auch von "nicht reduzierbarer Komplexität" gesprochen siehe auch Allgemeine 'wissenschaftstheoretische' Argumentationsstrukturen der ID-Bewegung (→ http://www.waschke.de/twaschke/gedank/diskuss/id/struktur.htm), womit das Problem aber nicht gelöst ist.

Da man diese fundamentale Komplexität nicht nachweisen kann, muss man sie postulieren und damit argumentieren. Tatsächlich gibt es etwas, was, wenn es existiert, fundamental komplex sein muss - Gott. Gott hat sich per Definition nicht aus einfacheren Dingen entwickelt, Gott unterliegt keiner Evolution, Gott (hier wird natürlich wieder der christliche Gott unterstellt, darüber sollte man sich im Klaren sein) hat eine Persönlichkeit, er ist allwissend und allmächtig etc.

Sie erkennen vermutlich schon den Denkfehler - wenn man für eine "fundamentale Komplexität" einen "intelligenten Designer" braucht, um das erklären zu können, dann braucht man einen intelligenten Designer für Gott. Wenn fundamentale Komplexität (wie Gott) aber entstehen kann, ohne dass man einen Designer benötigt, dann ist die Existenz von fundamentaler Komplexität (falls man sie mal finden sollte) kein Indiz für das Vorhandensein eines Designers.

Das Argument:

Als "komplex" bezeichnen wir Phänomene, die aus vielen einzelnen Teilen bestehen, die untereinander verbunden sind, womit das Phänomen vielschichtig und vielfältig wird.

(P1) Sehr komplexe Phänomene, welche prinzipiell nicht auf einfachere Phänomene rückführbar sind, sind extrem unwahrscheinlich.
(P2) Gott ist (siehe Definition) (a) ein bewusstes Wesen und (b) fundamental in dem Sinne, dass Gott nicht entstanden ist und sich nicht entwickelt hat.
(P3) Bewusste Wesen sind sehr komplex.
(S1) Aus (P2a) und (P3) folgt: Gott ist sehr komplex.
(S2) Aus (S1) und (P1): Gott kann nicht auf einfachere Phänomene reduziert werden, weil nach (P2b) Gott fundamental komplex ist.
(S3) Aus (P1) und (S1) und (S2): Die Existenz Gottes ist sehr unwahrscheinlich.


Die Logik dieses Beweises scheint mir korrekt zu sein. Nun sehen wir, ob wir die Prämissen rechtfertigen können:

(P1) ist die Behauptung der Kreationisten, sie ist auch die Grundlage aller Wissenschaft, die sich mit der Reduktion komplexer Phänomene auf einfache Phänomene beschäftigt. Deswegen ist (P1) unbestritten. Wenn man argumentiert, dass (P1) falsch ist, dann wäre damit der Kreationismus widerlegt (und auch das Design-Argument).

(P2) entspricht einer Definition von Gott, der die meisten Theisten wohl zustimmen könnten. Wenn man annimmt, dass (P2b) falsch ist, dann könnte auch ein hinreichend weit entwickelter Außerirdischer Gott sein.

(P3) Diese Prämisse gilt für Menschen, und man könnte argumentieren, dass sie für übernatürliche Wesen wie Gott nicht gilt. Aber ob natürlich oder übernatürlich ist irrelevant, denn zur Bewusstheit gehören (mindestens) ein Gedächtnis, eine Methode, Gedächtnisinhalte wiederzufinden, eine Methode, diese zu verarbeiten, eine Methode, um Schlussfolgerungen zu ziehen und Tatsachen abzuwägen, Dinge wahrzunehmen, und dies alles ist miteinander verbunden. Gerade die Anzahl der (möglichen) Verbindungen ist ein Maß für Komplexität und diese muss sehr hoch sein, gemessen an der Allwissenheit Gottes und dem Umstand, dass er alles gleichzeitig beobachten können soll. Die Anzahl der Verbindungen müsste sogar unendlich hoch sein. Daher ist auch Gott ein unendliches oder zumindest sehr komplexes Wesen  [6].

(P2) ist wahr per Definition, und obwohl (P1) und P(3) nicht mit absoluter Sicherheit bewiesen werden können, so sind sie doch sehr wahrscheinlich. Das bedeutet, dass auch die Schlussfolgerung korrekt ist - die Existenz Gottes ist sehr, sehr unwahrscheinlich.

Wenn man die Argumentation nicht für stichhaltig hält, kann man auch kein Kreationist sein, denn von dieser Basis aus argumentieren Kreationisten.

Es gibt übrigens noch einen interessanten psychologischen Aspekt bei diesem Gottesbeweis durch Design. Um zu zeigen, dass Gott hinter allem steckt und alles in der Natur nicht nur durch Zufall entstanden ist (wobei die Rolle des Zufalls meistens maßlos übertrieben wird) wird z. B. der Regenwald oder das menschliche Auge als Beispiel genommen. D. h. es werden Dinge genommen, die positive Beispiele sind. Aber eigentlich müsste man sofort fragen, ob dann nicht auch die Pest, Retroviren, Krebs, Kindersterblichkeit, Geisteskrankheiten, Erdbeben usw. usf. - auch alles sehr komplexe und teilweise nicht verstandene Phänomene - nicht ebenso designed sein müssen? Und das menschliche Auge ist nicht perfekt - es weist Designfehler auf (Biologen sprechen in dem Zusammenhang vom "allgegenwärtigen evolutionären Pfusch", siehe auch Riedl 2000). Ist Gott als Designer nicht auch der Pfuscher? Bei vielen dieser Dinge können sogar wir Menschen - Wesen ohne Allwissenheit und Allmacht - uns bessere Lösungen vorstellen.

Beim menschlichen Auge laufen z. B. die Nervenbahnen der Sehzellen an einer Stelle zusammen. Dort befinden sich keine Sehzellen - wir haben einen "blinden Fleck", der wiederum durch aufwändige Tricks kompensiert werden muss, aber unser Sehvermögen beeinträchtigt. Das Auge des Tintenfischs weist diesen Konstruktionsfehler nicht auf. Auch die Fassettenaugen der Insekten haben ihre Vorteile. War das ein und derselbe Designer, der mal eine geglückte und mal eine weniger geglückte Variante designed hat? Oder waren es gar verschiedene Designer, die alle ein wenig gepfuscht haben - und wie verträgt sich das mit der angeblichen Vollkommenheit Gottes? Und wer war der perfide und grausame Designer der Retroviren? Es erfordert eine sehr selektive Auswahl von Beispielen aus den Grausamkeiten und Schwachpunkten der Natur, wenn man einen "guten Designer" postulieren möchte. Vor allem, wenn dieser Designer permanent in den Ablauf eingegriffen hat: Je mehr Gott in die Naturabläufe eingegriffen hat, umso verantwortlicher ist er für Pest und Cholera und Erdbeben und Dürrekatastrophen und Virenepidemien und jedes Massaker in der Natur. Retroviren gab es schon, bevor es Menschen gab - menschliche Verfehlungen für deren Existenz verantwortlich zu machen wäre ein Hohn.

Konfusius, er zitiert: "Zu glauben, dass das, was wir einst glaubten, nicht das ist, was wir glauben sollten, ist der erste Schritt hin zum intellektuellen Wachstum." (Thomas L Thompson)

6. Das Theistische anthropische Prinzip I

Ein weiteres gerne verwendetes Argument für die Existenz Gottes wird als "Theistisches anthropisches Prinzip" (TAP im Folgenden genannt) bezeichnet. Das Prinzip lautet wie folgt  [7]:

(P1) Viele physikalische Konstanten haben die Hervorbringung von Leben überhaupt erst ermöglicht.
(P2) Wenn sie nur um eine Winzigkeit von den tatsächlichen Werten verschieden wären, so wäre niemals Leben entstanden.
(P3) Die spezifische Kombination von Werten ist extrem unwahrscheinlich.
(P4) Deswegen können die Konstanten nicht zufällig ihre Werte haben (folgt aus (P3).
(P5) Es muss also jemand diese Konstanten so fein eingestellt haben, dass Leben möglich wurde (Schlussfolgerung aus (P4)).

(S) Dieser jemand ist Gott.


Kurz gesagt, die Anfangsparameter unseres Universums wurden sehr fein eingestellt (fein getuned), sodass Leben entstehen konnte. Würde die Gravitationskonstante nur in der fünften Nachkommastelle von ihrem jetzigen Wert abweichen, so hätten sich keine Galaxien und keine Sterne bilden können, folglich auch kein Leben. Jemand muss dafür gesorgt haben, dass diese ganzen Parameter präzise den Wert hatten, der zu unserer Entstehung geführt hat - Gott.

Widerlegung:

(1) Die Annahmen (P1) und (P2) sind unbegründet. Wir kennen nur dieses eine Universum, aber das schließt nicht aus, dass auch bei einer völlig anderen Einstellung von Parametern Leben entstehen kann - tatsächlich hat man gerade eine kleine Krebsart entdeckt, die bei Temperaturen von über 100° Celsius existiert. Vorher hat man Leben in diesem Bereich für unmöglich gehalten. Und vielleicht sagt gerade in einem anderen Universum ein grüner Nebel zu einem violetten Nebel: "Wie unwahrscheinlich, dass dieses Universum genau so fein eingestellt ist, dass hier intelligente Nebel entstehen konnten".

(2) Die Annahme von (P3) ist aus folgenden Gründen falsch: Erstens können wir keine Annahmen über die Wahrscheinlichkeiten der Parametereinstellungen machen, weil wir zu wenig Informationen haben. Es wäre z. B. möglich, dass es keine andere Möglichkeit für Materie gibt, als genau diese Einstellungen zu haben. Oder die Parameter können nicht unendlich viele Werte annehmen, sondern nur einige wenige Werte, womit unser Universum eine recht hohe Wahrscheinlichkeit hätte. Wahrscheinlichkeiten verteilen sich meist nicht gleichmäßig, wenn man zwei Würfel wirft, ist eine Zwölf viel weniger wahrscheinlich als eine Sieben.

Ferner wäre es auch möglich, dass es unendlich viele verschiedene Universen gibt, jedes mit einem anderen Satz von Parametern. In den meisten Universen entstand kein intelligentes Leben, dort sitzt also niemand und wundert sich darüber, dass die Bedingungen zu schlecht sind, um intelligentes Leben hervorzubringen ... zwinkerndes  Smiley Und in den wenigen Universen mit günstigen Parametern entstand intelligentes Leben und wundert sich darüber.

Hinzu kommt: Auch wenn etwas astronomisch unwahrscheinlich ist, so bedeutet dies nicht, dass es nicht passieren kann. Also ist auch (P4) eine unbewiesene Behauptung.

Das kann man wie folgt begründen: Angenommen, wir haben eine riesig große Lotterie mit einer Milliarde Teilnehmern. Die Wahrscheinlichkeit, den Preis zu gewinnen, ist sehr gering, aber die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt jemand den Preis gewinnt, ist 100%. Die Verteidiger von TAP müssten sich hier auf den Standpunkt stellen, dass es eine Verschwörung ist, dass der Preis gewonnen wurde oder dass Gott dort eingegriffen haben muss ...

(3) Es ist eine Frage, ob es überhaupt möglich ist, an den Parametern herumzumanipulieren. (P5) ist also sogar recht unwahrscheinlich. Wenn man nicht zeigen kann, dass es möglich ist, die Parameter zu ändern, so macht die Annahme, dass es einen "Jemand" gibt, der es tun kann, keinen Sinn. Hier wird vorausgesetzt, was zu beweisen wäre.

(4) Die Annahme, dass unser Universum gemacht wurde, um Leben hervorzubringen, steckt in (P1). Das ist aber eine unbewiesene Annahme. Das Universum könnte einen anderen Zweck haben und als "Abfallprodukt" uns hervorgebracht haben. Flöhe beispielsweise würden auch glauben, dass der Hund nur für sie gemacht worden ist ...

(5) Gott als eine Hypothese zur Erklärung der Parametereinstellungen ist eine sehr schlechte Hypothese. Sie erklärt weder, wie die Parameter eingestellt wurden noch warum und erlaubt auch keine Vorhersagen. Es wird nicht erklärt, wie eine Schöpfung aus dem Nichts entstehen konnte. Gott wirft mehr Fragen als Antworten auf:

Theologen behaupten, dies sei eben ein "Geheimnis". Wir fingen mit einem Geheimnis an, das wir erklären wollten, und jetzt haben wir noch mehr Rätsel als vorher, und die angebliche Lösung widerspricht unserer Erfahrung, unserer Intuition, ist logisch inkonsistent, unverstehbar, unbegreifbar. Das bedeutet, wir haben mit Gott eine sehr schlechte Erklärung, die alle Geheimnisse vergrößert, statt eine Lösung anzubieten. Man kann das nicht eine Erklärung nennen, allenfalls eine Mystifikation.

Bessere Erklärungen für diesen Umstand sind: Alles ist ein großer Zufall, die Parameter lassen sich nicht anders einstellen oder bestimmte Einstellungen sind sehr viel wahrscheinlicher als andere, es gibt noch sehr viel mehr Universen oder das Universum existiert nur in unserer Einbildung. Jede dieser Hypothesen ist sehr viel besser als die Gott-Hypothese.

Wenn man etwas erklären möchte, sollte man die Anzahl der erklärungsbedürftigen Dinge vermindern und nicht sie vermehren, sonst ist die Erklärung selbst unsinnig.

Damit sind wir mit der Widerlegung aber noch nicht am Ende! Jetzt wird es allerdings richtig kompliziert. Denn wenn man diesen "Gottesbeweis" weiter durchdenkt und seine Folgerungen genau analysiert, dann kommt man auch hier wieder zum Schluss, dass es sich um ein Argument gegen die Existenz Gottes handelt, welches durch einen Denkfehler zu einem Argument für Gott gemacht wurde.

Konfusius, er zitiert: "Meinen Sie, wenn Ihnen Allmacht und Allwissenheit und dazu Jahrmillionen gegeben wären, um Ihre Welt zu vervollkommnen, dass Sie dann nichts Besseres als den Ku-Klux-Klan oder die Faschisten hervorbringen könnten?" (Bertrand Russel)

7. Das Theistische anthropische Prinzip II

Damit sind wir mit unseren Argumenten aber noch nicht am Ende.

(6) Das TAP enthält einen Denkfehler in seinem Umgang mit Logik. Nehmen wir folgende Abkürzungen:

F = Das Universum ist fein eingestellt.
N = Das Universum entstand auf natürlichem Weg.


Dann ist die Behauptung: P (F|N) << 1 (das Zeichen '|' liest man als "gegeben")

P (F|N) ist die Wahrscheinlichkeit, dass F wahr ist, gegeben, dass N wahr ist. 1 bedeutet, dass es sicher ist, << 1 bedeutet, dass es sehr unwahrscheinlich ist, 0 bedeutet, es ist unmöglich. Also lautet die Aussage P (F|N) dass, wenn ein Universum entsteht, es sehr unwahrscheinlich ist, dass seine Parameter fein eingestellt sind. Aber die Anhänger des TAP behaupten, dass weil unser Universum fein eingestellt ist, ist es sehr unwahrscheinlich ist, dass es natürlich entstanden ist - und diese Behauptung folgt nicht logisch aus P (F|N), es lautet P (N|F) << 1 und meint etwas ganz anderes. Man kann N und F nicht einfach vertauschen, das ist ein sehr gängiger Fehler in Wahrscheinlichkeitsannahmen.

Zur Erläuterung:

F = Ich habe einen Royal Flush (die höchste Kartenkombination beim Pokern, sehr, sehr selten)
N = Ich werde diese Poker-Partie gewinnen.


P (N|F) = 1 - wenn ich einen Royal Flush habe, so werde ich mit Sicherheit die Poker-Partie gewinnen. Nun vertauschen wir N und F, so wie dies die Anhänger von TAP in ihren Annahmen auch machen:

P (F|N) << 1 - wenn ich die Partie auch gewinne, so ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich zwingend einen Royal Flush habe. Wie man sieht, kann man bei Wahrscheinlichkeiten nicht die Argumente austauschen, weil sich dann die Aussage komplett ändert.

Es mag also unwahrscheinlich sein, dass ein natürlich entstandenes Universum fein eingestellt ist, aber daraus folgt nicht, dass ein fein eingestelltes Universum nicht natürlich entstanden sein kann bzw. dass dies sehr unwahrscheinlich ist. Das ist ein Denkfehler.

(7) Es gibt noch eine Tautologie in den Wahrscheinlichkeitsannahmen, die nicht leicht zu entdecken ist. Das wird jetzt leider eine harte Nuss (es wird niemand von Ihnen verlangen, das Folgende zu verstehen - gehen Sie einfach zur Interpretation, wenn Sie die Details uninteressant finden). Das TAP benutzt nicht alle Informationen, die wir haben - es dreht sich nur um die Frage, ob man aus der Feineinstellung auf eine übernatürliche Ursache schließen kann. Wir müssen aber noch berücksichtigen, dass es außerdem Leben in unserem Universum gibt, welches sich aus der Feineinstellung entwickelt hat. Wir kennen dieses bekannte Muster von anderen theologischen Argumenten - um das Argument einfacher und überzeugender zu machen, werden wichtige Informationen unter den Tisch fallen gelassen, womit das Argument zwar verstehbar wird, aber zugleich falsch (Beispiel: Die Pascalsche Wette. Demgegenüber hat man, wenn man wie ich gründlich vorgeht, immer den "natürlichen" Nachteil, dass die Argumente schwerer zu verstehen sind und damit auch weniger überzeugend - man muss ein Argument erst verstanden haben, um es überzeugend finden zu können.

Wir haben gesehen, dass aus der sehr geringen Wahrscheinlichkeit, dass ein existierendes Universum fein eingestellt ist, nicht folgt, dass es nicht natürlich entstanden ist - Argument (6). Es gelten:

N = Das Universum ist natürlich entstanden.

Dann ist die Frage, wie groß ist P (N) (= die Wahrscheinlichkeit, dass das Universum natürlich entstanden ist) im Vergleich zu P (~N) (= die Wahrscheinlichkeit, dass das Universum nicht natürlich entstanden ist, "~" bedeutet "nicht"). Das Universum muss entweder auf natürlichem Weg entstanden sein, oder es muss geschaffen worden sein. Daher gilt:

P (N) + P (~N) = 1 (a)

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein natürliches Universum fein eingestellt wurde, sei

P (F|N) * P (N)  [8].

Die Wahrscheinlichkeit, dass es fein eingestellt ist und auf übernatürlichem Wege entstanden ist:

P (F|~N) * P (~N)

Die folgenden beiden Formeln (b) und (c) gehören ebenfalls zu Bayes Theorem , sie sind beispielsweise hier zu finden: Bayes' Theorem: Conditional Probabilities (→ http://faculty.vassar.edu/lowry/bayes.html).

P (N|F) = P (F|N) * P (N) / P (F) (b)

Jetzt fehlt uns noch P (F):

P (F) = P (F|N) * P (N) + P (F|~N) * P (~N) (c)

Wenn wir (c) in (b) einsetzen, ergibt das:

P (N|F) = P (F|N) * P (N) / ( P (F|N) * P (N) + P (F|~N) * P (~N) )

Diese Formel müssen wir nun interpretieren.

Die Anhänger von TAP behaupten, dass P (N|F) sehr klein ist, weil P (F|N) klein ist. Diesen Denkfehler hatte ich in (6) bereits entlarvt. Dass ein natürlich entstandenes Universum fein eingestellt ist, mag unwahrscheinlich sein, aber dass ein fein eingestelltes Universum nicht natürlich sein kann, folgt daraus überhaupt nicht. Wir sehen in dieser Formel den Grund dafür: Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass das Universum natürlichen Ursprungs ist (P (N)), hoch ist, und P (~N) dementsprechend klein (oder P (F|~N) ist klein), dann ist die Wahrscheinlichkeit eines natürlichen fein eingestellten Universums ebenfalls hoch. Wenn also natürliche Universen wahrscheinlicher sind als übernatürliche geschaffene Universen, oder wenn übernatürlich geschaffene Universen nicht fein eingestellt sind, dann versagt TAP komplett.

Wenn man nun argumentiert, P (~N) sei wahrscheinlicher als P (N), dann sagt man nichts weiter, als dass unser Universum übernatürlichen Ursprungs ist, wenn es übernatürlichen Ursprungs ist! Das ist die verborgene Tautologie.

Eine weitere versteckte Annahme wird jetzt ebenfalls offenbar: Die Annahme, dass wenn ein Gott ein Universum schafft, dieses notwendig fein eingestellt sein wird. P (F|~N) ist dann sehr groß. Es gibt aber kein Argument, um diese Annahme zu stützen, im Gegenteil, warum sollte Gott das tun? Es ist nicht notwendig, weil Gott jederzeit eingreifen kann! Ansonsten sagt man, dass es unwahrscheinlich ist, dass Gott in das Universum eingreift, gleichgültig, ob P (F|~N) hoch ist oder P (N|F). Das macht Beten überflüssig und die Entsendung von Jesus unwahrscheinlich ... und spräche eher für den deistischen Gott. Ein Gott, der nicht eingreift, ist allerdings für uns genauso gut wie kein Gott.

Interpretation (ohne Formeln!):

Man kann das Ergebnis in Worten so interpretieren: Angenommen, unser Universum sei nicht fein eingestellt. Dann könnte kein Leben entstehen. Es existiert aber Leben in unserem Universum - obwohl das eigentlich nicht möglich wäre. In diesem Fall müsste man annehmen, dass es einen übernatürlichen Einfluss auf diese Welt gibt.

Nun ist aber unser Universum fein eingestellt - daraus folgt nicht, dass es nicht auch natürlich sein kann, im Gegenteil. Gerade die Feineinstellung deutet auf einen natürlichen Ursprung hin, denn sie wäre, wenn es Gott gäbe, nicht nötig - Gott kann ja jederzeit eingreifen. Aber in einem fein eingestellten Universum braucht Gott nicht einzugreifen. Mit anderen Worten, unser Universum hat genau die Einstellung und die Struktur, die es braucht, um ohne jeden Gott auszukommen. Entweder, weil Gott nicht eingreift (und nicht eingreifen will) oder weil er nicht existiert - beide Fälle kann man durch das Argument selbst nicht unterscheiden. Die Struktur unseres Universums ergibt kein Unterscheidungskriterium für die Frage, ob Gott existiert oder nicht, macht dies aber die Existenz unwahrscheinlich.

Noch anders ausgedrückt: Man sieht es dem Universum nicht unbedingt an, ob es einen, keinen oder beliebige viele Götter gibt (die Wahrscheinlichkeit deutet eher in die Richtung, dass es keinen gibt, jedenfalls keinen, der eingreift). Das kosmologische Argument baut aber genau auf dieser Vorstellung auf - es interpretiert zwar diese Spuren eines Gottes in den Kosmos hinein, aber diese Interpretation hält einer genauen Untersuchung nicht stand. Man kann sogar sagen, dass man bestimmte Spuren nur dann als Gottes Spuren ansieht, wenn man sowieso schon an Gott glaubt. Alle kosmischen Gottesbeweise sind Tautologien: Wenn man von Gottes Existenz ausgeht, sieht man Spuren von Gott. Oder, wenn einem von klein an erzählt wird, es seien Elfen für den Regen verantwortlich, so wird man in jedem Regen den Beweis für die Existenz von Elfen sehen.

Damit ist das Theistische Anthropische Prinzip gescheitert. Es beweist nicht, dass unser Universum übernatürlich geschaffen wurde, es macht dies sogar noch eher unwahrscheinlich! Auch hier müssten wieder sämtliche sieben Argumente entkräftet werden - und selbst dann wüsste man nur, dass es eine außerhalb unseres Universums liegende Kraft war, die dieses Universum schuf (die üblichen Einwände aus der Vorbemerkung wären gültig).

Theisten sollten dieses Argument (TAP) nicht mehr verwenden. Es spricht gegen ihre Ansichten, nicht dafür.

Konfusius, er zitiert: "Sie wissen, dass wir Vernunft und Wissenschaft repräsentieren, und gleichgültig wie zuversichtlich sie in ihrem Glauben auch sein mögen, sie fürchten, dass wir ihre Götter niederwerfen. Nicht durch einen vorsätzlichen Akt, aber auf eine subtile Art. Wissenschaft kann Religion durch Ignorieren oder auch durch die Widerlegung ihrer Lehren zerstören. Soweit ich weiß, hat niemand bislang die Nichtexistenz von Zeus oder Thor bewiesen, aber es gibt nur noch wenige Anhänger davon." (Arthur C. Clarke)

8. Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?

Von Nichts kommt nichts ...

Es wird von einigen Gläubigen immer gerne behauptet, dass von Nichts auch nichts kommen kann. Das sieht dann so aus:

Von Nichts kommt nichts, das Universum kann also nicht aus dem Nichts entstanden sein. Jemand muss es geschaffen haben - Gott.

Was ist von dieser Behauptung zu halten?

Das ist, wenn man das logische und naturgesetzliche Rahmenwerk dieses Universums nimmt, wohl tatsächlich der Fall. Setzt man die Logik und die bekannten Naturgesetze voraus, dann gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass im Universum aus Nichts etwas entstehen kann. Das ist eine korrekte logische Schlussfolgerung.

Sagen wir also Folgendes:

(P1) Wenn die Naturgesetze und damit die Logik gelten, kann unmöglich etwas aus dem Nichts entstehen (empirische Beobachtung).
(P2) Die Naturgesetze und die Logik gelten in unserem Universum (empirisch gestützte Annahme).

(S1) Folglich kann nicht Etwas aus dem Nichts entstehen  [9].

Selbstverständlich ist (S1) nur unter bestimmten Umständen eine gültige Schlussfolgerung: Erstens, die Logik muss gültig sein - gilt die Logik nicht, so kann man (S1) selbst dann nicht behaupten, wenn (P1) und (P2) korrekte Annahmen sind. Zweitens müssen beide Prämissen wahr sein, ist nur eine von ihnen falsch, dann ist (S1) nicht gerechtfertigt und es kann etwas ganz anderes der Fall sein.

Wenn aber weder Logik noch Naturgesetze gelten - diese sind vermutlich überhaupt erst mit dem Universum entstanden - dann sind nicht nur die Prämissen (P1) und (P2) falsch, sondern auch (S1) ist ungültig. Man muss sich immer über die Voraussetzungen im Klaren sein, wenn man gültige Schlussfolgerungen ziehen will.

Nun nehmen wir eine weitere logische Schlussfolgerung:

(S1) Es kann nicht etwas aus dem Nichts entstehen (aus (P1) und (P2), s. o.).
(P3) Die Welt existiert (Ontologisches Axiom).
(S2) Folglich muss etwas die Welt geschaffen haben - Gott.

Nun nochmal: (S2) ist gültig unter der Voraussetzung, dass Naturgesetze und Logik gelten, weil nur dann (S1) gültig ist. Gelten weder Naturgesetze noch Logik, dann ist (S1) nicht gerechtfertigt, damit ist (S2) ein ungültiger Schluss.

Wenn man nun behauptet, dass die Naturgesetze und die Logik nur innerhalb des Universums gelten - also Gott weder den Naturgesetzen noch der Logik unterliegt (letzteres wird aus verschiedenen Gründen nicht von allen Theologen unterstützt), dann ist die Schlussfolgerung (S1) falsch. Die Grundlagen sind nicht gegeben, um (S1) für gültig zu erachten! Ohne die Voraussetzungen kann man nicht behaupten, (S1) sei wahr!

Wenn aber ohne ein existierendes Universum die Voraussetzungen nicht gegeben sind, dann ist (S2) eine falsche Schlussfolgerung. Vor allem gelten die Naturgesetze nicht für Gott, wie die Theologen (mehrheitlich) behaupten.

Nimmt man nun an, dass kein Gott existiert, dann widersprechen sich (S1) und (P3), und aus sich widersprechenden Prämissen kann man keine logische Schlussfolgerung ziehen. Folglich muss eine der beiden Prämissen - (S1) oder (P3) - falsch sein. Nun kann man (P3) schlecht anzweifeln, wenn man an den christlichen Gott glaubt und auch kaum, wenn man nicht an ihn glaubt. Folglich ist (S1) falsch.

(S1) ist auch deswegen falsch, weil wenn noch kein Universum existiert, es weder Naturgesetze gibt noch die Logik gilt. Daher kann man den Schluss ziehen, dass es ohne ein existierendes Universum möglich ist, dass etwas aus dem Nichts entsteht! Außerdem, wenn man (S1) korrekt aufschreibt, dann lautet (S1):

(S1) Folglich kann nichts aus dem Nichts entstehen - in diesem Universum.

Damit würde der Beweis so aussehen:

(S1) Es kann nicht etwas aus dem Nichts entstehen - in diesem Universum.(aus (P1) und (P2), s. o.).
(P3) Die Welt existiert (Ontologisches Axiom).
(S2) Folglich muss etwas die Welt geschaffen haben - Gott.

Damit klingt dieser Beweis - nach korrekter Formulierung - schon sehr viel weniger überzeugend ...

Nimmt man nun an, dass Gott existiert, dann ist (S2) nur genau dann gültig, wenn man voraussetzt, dass auch für Gott die Naturgesetze und die Logik gelten. Da aber genau das von den Theisten bestritten wird (mindestens, was die Naturgesetze angeht), ist (S2) eine ungültige Schlussfolgerung.

Es ist also völlig gleichgültig, ob man an Gott glaubt oder nicht - (S2) ist in jedem Fall ungültig. Der Schluss ist unausweichlich.

Man kann das analog für den Beweis der ersten Ursache, für Kontingenz und und und machen und kommt immer zu demselben Schluss - ohne die Gültigkeit der Logik und der Naturgesetze für Gott ist ein Schluss auf Gott immer ungültig. Das ist der Denkfehler des gestohlenen Konzepts. Man setzt zunächst die Gültigkeit der Logik voraus, um auf Gott zu schließen. Sobald man dazu gekommen ist, bestreitet man die Gültigkeit der Logik für Gott, was bedeutet, man hätte zunächst nicht auf Gott schließen dürfen. Man benutzt das Konzept der Logik, um auf Gott zu schließen, sobald man dort angelangt ist, zieht man sich selbst den Boden unter den Füßen wieder weg. Damit ist aber jede gemachte Schlussfolgerung ungültig, also auch die, die einen angeblich auf die Spur des "allein wahren Gottes" geführt hat.

Aus diesem Grund ist die Behauptung, man könne mit seinem Verstand und der Vernunft auf Gott schließen, schlicht falsch. Außerdem ist die Behauptung, das Universum könne nicht aus dem Nichts entstanden sein, ebenso falsch. Es gibt keine Möglichkeit, diese Behauptung zu beweisen.

Auch die Empirie gilt dann und nur dann, wenn die Naturgesetze gültig sind  [10]. Also:

(P1) Wenn die Naturgesetze und damit die Logik gelten, kann unmöglich etwas aus dem Nichts entstehen (empirische Beobachtung).

(P1) ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Naturgesetze gelten. (P1) ist aber sehr zweifelhaft, wenn diese nicht gelten.

Weitere Schlussfolgerungen



(P4) Nur wenn Logik und Naturgesetze auch für Gott gelten, können wir mit unserem Verstand auf Gott schließen (Logisches Axiom).
(P5) Die Naturgesetze und die Logik gelten nicht für Gott (theistische Behauptung).
(S3) Folglich können wir mit unserem Verstand nicht auf Gott schließen.

Das ist das theistische logische Dilemma. Nimmt man an, dass Gott der Logik unterliegt, kann man nicht auf Gott schließen, mehr noch, Gültigkeit der Logik vorausgesetzt, kann man eventuell darauf schließen, dass der christliche Gott unmöglich existieren kann. Nimmt man an, dass Gott nicht der Logik unterliegt, kann man nicht auf Gott schließen, weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind.

Ich denke, wenn man behauptet, dass man von der Welt aus auf Gott schließen kann, dann ist den meisten nicht bewusst, dass sie damit die Gültigkeit der Logik für Gott voraussetzen. Das liegt daran, dass sich Gläubige so wenig für Logik interessieren und daher die Fehler nicht kennen, die sie machen.

Und selbst wenn man das alles ignoriert und (S2) für gültig erklärt - trotz aller Probleme - dann ist der Schluss, dass es sich um Gott handeln muss, immer noch nicht gerechtfertigt, weil man nur bewiesen hat, dass "etwas" das Universum geschaffen hat. Das können mehrere Götter sein, hochstehende Lebewesen, die keine Götter sind, eine unpersönliche, übernatürliche Kraft, ein einzelner Gott, der aber weder allmächtig, allwissend noch sonst etwas sein muss, ein Gott, dessen einzige Fähigkeit darin besteht, das Universum zu schaffen können, das Universum könnte ein Überbleibsel eines Gottes sein, der sich selbst vernichtet hat usw. usf.

Außerdem, wenn man behauptet, es könne nicht Etwas aus Nichts entstehen, dann ist dies gleichbedeutend mit der Behauptung:

(P6) Es existiert kein Grund, aus dem Etwas existiert.

Allerdings behaupten die Theisten, dass Gott ohne Grund existiert. Sie widersprechen sich also damit selbst, wenn sie behaupten, Gott könne ohne Grund existieren, das Universum aber nicht (beides, Gott und Universum, könnten auch ewig existieren - man kann also die Existenz des Universums auch ohne Gott erklären, wenn man die Hypothese, dass das Universum aus dem Nichts entstanden ist, für zu gewagt hält).

Diese Überlegungen zeigen, dass die Existenz eines Universums, welches nicht geschaffen wurde, nicht logisch widersprüchlich ist, wie oft behauptet wird.

Ich hatte bereits geschrieben, dass bestimmte Dinge das Vergehen von Zeit voraussetzen. Eine Handlung setzt mindestens voraus, dass es ein "nachher" gibt und zwei Zustände, die sich voneinander unterscheiden. Kausalität setzt aber mehr voraus: Sie setzt voraus, dass es ein "vorher" gibt und ein "hinterher". Wenn es ohne ein Universum keine Zeit gibt, dann gibt es kein "vorher" (auch wenn wir uns das nicht vorstellen können - wir sind eben an eine Raum-Zeit gebunden). Da es ohne Universum kein "vorher" gab, kann Gott das Universum nicht verursacht haben. Es ist daher unsinnig zu behaupten, dass Gott das Universum in irgendeiner Form "verursacht" oder geschaffen haben sollte. Gott hatte keine Zeit, um das Universum zu schaffen. Da Zeit eine Zustandsänderung bedeutet gab es ohne Raum und Zeit auch keine Zustände, die hätten verändert werden können. Erst mit der Entstehung des Universums entstand ein "nachher" und dann Kausalität.

Man kann daraus schließen, dass das Universum unverursacht entstanden ist.

Von Gott wird (von christlichen Theologen) angenommen, dass er "außerhalb" von Raum und Zeit existiert - aber das ist eine unsinnige Annahme. Wie soll Gott agieren können, wenn er keine Zeit hat, um eine Aktion durchzuführen? Wie soll er im Universum agieren können, wenn er nicht zeitlich wird? Aber agieren kann er erst, wenn es ein Universum bereits gibt.

Übrigens bedeutet dies auch, dass beliebig viele Universen existieren können, die alle unverursacht entstanden sind. Vielleicht gibt es in der Mehrheit dieser Universen kein Leben, dass sich darüber wundern kann, dass die Umstände so ungünstig sind, dass es kein Leben gibt. In einigen Universen aber gibt es Leben, welches sich dann darüber wundert, wieso die Umstände so günstig sind, dass Leben entstehen konnte.

9. Die Eigenschaften Gottes I

Bevor ich die Eigenschaften Gottes analysiere, noch folgende Vorbemerkung zum Glauben: Vor allem zum letzten Punkt sei gesagt, dass wohl jeder Lernende den falschen Aha-Effekt kennt, d. h. den Eindruck, man habe etwas verstanden. Sobald man dann versucht, es umzusetzen (oder anders zu erklären), stellt man fest, dass dies nicht der Fall war. Wenn man also denkt, man wüsste etwas über Gott, dann ist es wahrscheinlich, dass man nur glaubt, man wüsste etwas über Gott. Im Folgenden werde ich das noch genauer begründen.

Eine Methode, um die Nichtexistenz von etwas beweisen zu können, besteht darin, logische Widersprüche in den Eigenschaften zu finden. So kann ein quadratischer Kreis nicht existieren - ein Kreis kann nicht rund und quadratisch zugleich sein. Man kann diese Widersprüche mit der Logik aufspüren, ihre Existenz ist allerdings von der Logik selbst unabhängig. D. h. gleichgültig, ob ich formale Logik, dialektische Logik, Fuzzy Logic (unscharfe Logik) oder eine parakonsistente Logik verwende, ein quadratischer Kreis bleibt eine Unmöglichkeit.

Wenn man die Anwendung von Logik auf Gott bestreitet, bestreitet man damit zugleich auch die Beweisbarkeit, Erkennbarkeit, Verstehbarkeit und Erforschbarkeit von Gott. Hier versuchen Theologen wiederum, miteinander nicht zu vereinbarende Dinge gleichzeitig zu haben - z. B. einen Gottesbeweis sowie die Nichtanwendbarkeit von Logik auf Gott. Andererseits, obwohl angeblich keine Logik Gott treffen kann, will man genau über Gottes Willen Bescheid wissen. Auch das kann man nicht beides zusammen haben, es ist bloß ein Trick, um beliebige Schlussfolgerungen zu ziehen. Siehe dazu auch den Abschnitt Ist Gott der Logik zugänglich?.

Wenn also Theologen Gott Eigenschaften zuschreiben, dann sind diese auch logisch erforschbar und verwertbar. Sind sie es nicht, dann landen wir bei einem taoistischen Gottesbild, bei einem Gott, über den man keine Aussagen treffen kann. Wenn man keine Aussagen über Gott machen kann, dann ist das Christentum als Religion widerlegt, weil es sehr viele Annahmen über göttliche Eigenschaften macht. Aus genau diesen Annahmen folgt: Man kann auch logische Schlussfolgerungen ziehen. Die Abwehr von Schlussfolgerungen, die einem nicht in den Kram passen, ist bloß ein ideologischer Trick - eine Immunisierung gegen Kritik. Logik ist ein unbestechliches Werkzeug, es kommt nicht immer das dabei heraus, was man gerne haben möchte. Dies verführt die Menschen dazu, die Logik zu akzeptieren, wenn herauskommt, was sie gerne möchten und sie zu verwerfen, wenn das nicht der Fall ist. So missbrauchte Logik nennt man "Wunschdenken" oder "Bedarfslogik".

Göttliche Offenbarung hilft einem aus diesem Dilemma nicht hinweg. Auch wenn Jesus gelebt hat, Gottes Sohn war und wesentliche Eigenschaften Gottes offenbart hat - wenn es sich um widersprüchliche Eigenschaften handelt, dann kann man daraus beliebige (auch entgegengesetzte) Schlussfolgerungen ziehen.

Die wesentlichen angenommenen Eigenschaften hatte ich bereits erwähnt in: Wer ist eigentlich Gott?. Im weiteren beschreibe ich die Widersprüche in diesen Eigenschaften. Entweder, ein so widersprüchlicher Gott existiert nicht oder er ist für uns vollständig unverstehbar und unerkennbar. Vollständig heißt: Es lassen sich über diesen Gott keine zutreffenden Aussagen machen.

Wir begeben uns hier auf den Boden der sog. atheologischen Argumente. Die Gottesbeweise sind gescheitert, nun sehen wir, ob wir das Gegenteil beweisen können: die Nichtexistenz Gottes. Wenn eine Behauptung falsch ist, dann sollten wir folgendes erwarten:
  1. Es wird keine Beweise oder Argumente dafür geben, die nicht auf einem Fehler beruhen, die nicht logisch inkonsistent sind.
  2. Es wird keine unabhängigen Beobachtungen geben, die dafür sprechen.
  3. Es wird Beweise oder Argumente geben, die dagegen sprechen.
Diese Situation haben wir nun - alle Argumente für Gott  [11] sind widerlegt, es gibt keine unabhängigen Beobachtungen, die dafür sprechen  [12], und es gibt Argumente, die dagegen sprechen. Man muss sich fragen, was man noch mehr braucht, um etwas für falsch zu befinden?

Beschäftigen wir uns nun also mit den Argumenten, die gegen die Existenz des christlichen Gottes sprechen. Zwei wichtige Argumente habe ich bereits aufgeführt, das Theodizeeproblem und das Argument des Unglaubens.

Schöpfer der Welt: Nehmen wir folgenden logischen Beweis:
  1. (P1) Alles, was existiert, hat eine Ursache oder einen Ursprung.
  2. (P2) Das Universum existiert.
  3. (S1) Das Universum hat eine Ursache oder einen Ursprung
  4. (S2) Diese Kette aus Ursachen und Ursprüngen kann keinen Anfang gehabt haben, weil nichts ohne Ursache oder Ursprung existiert.
Daraus folgt, dass das Universum ewig existieren muss, ohne erste Ursache und ohne einen ersten Ursprung. Auch der Urknall wäre demnach nur ein Glied in dieser Kette. Wenn das Universum aber ewig existiert, ohne Anfang (und nach dem, was wir wissen, auch ohne ein Ende), dann kann es folglich keinen Schöpfer gehabt haben.

Die Annahme, es gäbe keinen unendlichen Regress von Ursachen und Ursprüngen, ist unbegründet. Es ist sehr wohl möglich, dass alles unendlich lange existiert, oder dass es sich um einen geschlossenen Kreis handelt. Gott anzunehmen hilft hier nichts, denn dieser Gott müsste ebenfalls ewig existieren, d. h. (S2) müsste auf ihn genauso zutreffen. Wenn (P1) falsch ist, dann kann auch das Universum einen Ursprung gehabt haben.

Folglich gibt es keinen Schöpfer dieser Welt.

Wenn (P2) falsch ist, dann kann man aus dieser Position allenfalls einen Agnostizismus begründen (wie im Buddhismus) - wenn das Universum eine Konstruktion unseres Geistes ist, dann ist es auch Gott.

Man kann allerdings auch (P1) bestreiten - das Universum muss keine Ursache gehabt haben, siehe auch Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?. Nun ist das intuitiv nicht unbedingt einleuchtend, weil wir zu einem Denkfehler neigen. Dieser besteht darin, dass wir von den Eigenschaften der Mitglieder einer Menge auf die Eigenschaft der Menge selbst schließen. Dazu ein Beispiel:

Kein Kaninchen kann 100 Jahre leben. Kann man daraus schließen, dass die Gesamtmenge der Kaninchen keine 100 Jahre existieren kann? Der Schluss ist nun ganz sicher falsch, Kaninchen gab es auch schon vor mehr als 100 Jahren. Ein analoger Fehlschluss besteht darin, dass wir folgenden Schluss ziehen: Alles im Universum hat eine Ursache, also muss auch das Universum als Ganzes eine Ursache haben. Dieser Schluss ist ebenso wenig gerechtfertigt wie der, dass, weil alle Kaninchen keine 100 Jahre leben können, die Gesamtmenge aller Kaninchen keine 100 Jahre existieren kann!

Übrigens, wenn man annimmt, dass alles eine Ursache hat, dann steht das im Widerspruch dazu, dass wir einen freien Willen haben, der unverursacht sein muss, sondern dies spricht für einen strikten Determinismus. Außerdem widerspricht die Annahme, dass alles eine Ursache haben muss den Ergebnissen der Quantenphysik, aber dagegen könnte man anführen, dass uns die Ursachen nur nicht bekannt sind. Ferner, wenn man annimmt, dass alle Ursachenketten, die wir kennen, zu einer einzigen Ursache zurückführen (Gott), dann ist Gott auch für alles Übel, alles Leid und alles Böse letztlich voll verantwortlich, er war dann die letztliche Ursache für den Holocaust und andere Gräuel.

Personales Wesen:

Es macht überhaupt keinen Sinn, von der Personalität eines reinen Geistes auszugehen. Dies ist mit unserer Erfahrung überhaupt nicht vereinbar (und warum sollte man an etwas glauben, was unsere Erfahrung so weit überschreitet, wenn wir dafür keine wirklich guten Beweise haben?). Wie sollte man etwas schaffen oder auch nur bewegen können, wenn man keinen Körper hat?

Zum Denken gehört auch ein Gehirn, Denken ohne Gehirn ist wie ein Handwerk ohne Hände.

Und wenn Gott eine Ewigkeit ohne ein Gegenüber existierte, wie sollte er da eine Persönlichkeit ausbilden? Unsere Persönlichkeit bildet sich erst durch den Kontakt mit anderen Menschen. Hatte Gott, bevor Menschen existierten, keine Persönlichkeit? Und wenn doch, wodurch sollte sich diese gebildet haben? Es nützt nichts, wenn man annimmt, dass Gott jenseits unserer Vorstellungskraft ist, denn dann hat man den Begriff "Persönlichkeit" aus unserer Vorstellung auf ein Gebiet übertragen, wo dieser Begriff nichts zu suchen hat.

Denn wenn Gott schon vor dem Universum und vor allen anderen Wesen existierte, war er alles, was es gab. Zur Herausbildung einer Persönlichkeit braucht man eine Umgebung, mit der man interagieren kann. Man muss sich als frei und als beschränkt selbst erleben. Da Gott keine Grenzen kennt, konnte er in Folge dessen auch keine Persönlichkeit herausbilden. Wenn man behauptet, Gott habe "schon immer" eine Persönlichkeit gehabt, so muss man sich fragen, woher diese denn kommen sollte, so quasi aus dem Nichts, ohne Wissen Gottes? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Intelligenz, Persönlichkeit etc. "einfach so" entstehen. Es in die Ewigkeit zurückzuverlagern löst das Rätsel der Entstehung nicht, sondern verschiebt es nur. Das gilt auch für die Entstehung des Universums. Allerdings ist die Entstehung eines Universums ohne Intelligenz und ohne Persönlichkeit viel wahrscheinlicher als die ewige Existenz eines persönlichen und intelligenten Gottes. Denn im Universum bildet sich die Intelligenz etc. erst im Laufe der Zeit heraus, aus einfachen Elementen. Man mag die Entstehung von Intelligenz aus einfachen Prozessen heraus für unwahrscheinlich halten, aber die Existenz von Intelligenz "einfach so" ist noch sehr, sehr viel unwahrscheinlicher. Siehe auch Komplexität und Gott.

Außerdem ist die Annahme einer "Persönlichkeit" bei Gott eine Anthropomorphisierung (= Vermenschlichung). Wenn man aber annimmt, dass Gott eine "unpersönliche Kraft" ist, macht das ganze Christentum wiederum keinen Sinn, vor allem, weil das Problem der Persönlichkeit durch die Trinität noch verschärft wird.

Folglich kann Gott keine Persönlichkeit haben.

Personales Wesen und Allwissenheit:

Dazu benutze ich den Beweis von Dan Barker:

Der freie Willen betrifft nicht nur uns - er betrifft Gottes Handeln selbst. Dan Barker bemerkt dazu (→ http://ffrf.org/fttoday/1997/august97/barker.html) (Übersetzung von mir):

Der christliche Gott ist ein personales Wesen, welches allwissend ist.

Um einen freien Willen zu haben, muss man mehr als eine Option haben, von denen jede Einzelne vermeidbar ist. D. h. bevor man eine Wahl trifft, muss es einen Zustand der Ungewissheit während einer Zeitspanne voller Möglichkeiten geben: Du kannst die Zukunft nicht kennen. Selbst wenn man glaubt, man könne die Entscheidung vorhersagen, wenn Du behauptest, Du hättest einen freien Willen, Du musst zugeben, Du hast die Möglichkeit (wenn nicht sogar den Wunsch) Deine Meinung zu ändern, bevor die Entscheidung endgültig ist.

Ein Wesen, welches alles weiß, kann keinen "Zustand der Unsicherheit" haben. Es kennt seine Wahl vorher. D. h. es hat keine Möglichkeit, seine Wahl zu vermeiden, und hat daher keinen freien Willen. Da es keinen freien Willen hat, ist es auch kein personales Wesen, ein personales Wesen, welches alles weiß, kann nicht existieren.

Deswegen existiert der christliche Gott nicht.


Wir sehen hier, dass die Eigenschaften "personales Wesen" und "allwissend" zueinander im Widerspruch stehen. So wenig es also einen quadratischen Kreis geben kann, sowenig kann es einen allwissenden und personalen Gott geben.

Folglich kann es keinen allwissenden, personalen Gott geben.

Fortsetzung unter: Die Eigenschaften Gottes II.

Konfusius, er zitiert: "Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen." (Bucaille)

10. Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit

Gott als Schöpfer der Zeit

Entweder, die Zeit existiert schon ewig (d. h. es verging immer schon Zeit, oder die Zeit begann zu einem Zeitpunkt, beispielsweise mit dem Beginn des Universums. Die Zeit kann auch vor dem Beginn des Universums angefangen haben, das spielt für dieses Argument aber keine Rolle  [13]

Definition: Als erstes definieren wir (den christlichen) Gott als ein Wesen, welches unter anderen die Eigenschaft hat, der Schöpfer von allem außer sich selbst zu sein. Wenn wir sagen, dass Gott die Ursache dafür ist, dass überhaupt etwas existiert (wie es die Theologen tun), dann muss folglich auch Gott der Schöpfer der Zeit sein, d. h. ohne Gott dürfte es keine Zeit geben.

1. Fall: Wenn die Zeit schon ewig läuft, dann war Gott nicht der Schöpfer der Zeit. Das bedeutet, dass ein Gott, der alles geschaffen hat, nicht existiert.

2. Fall: Wenn wir sagen, dass etwas geschaffen wurde, oder dass ein Ereignis verursacht wurde, dann setzen wir das Vergehen von Zeit voraus. Ereignis A kann Ereignis B dann und nur dann verursachen, wenn folgende vier Bedingungen alle gegeben sind:
  1. Ereignis A liegt zeitlich vor dem Ereignis B.
  2. Ereignis A muss in einem räumlichen Kontinuum mit B stattgefunde haben.
  3. Ereignis A muss das Potenzial haben, B hervorzubringen
  4. Ereignis A muss Energie auf das Ereignis B übertragen haben
Ist eine dieser vier Bedingungen (Zeit, Raum, Potentialität, Energieübertragung) nicht gegeben, so kann man nicht von verursachen reden. Jede der drei Voraussetzungen muss erfüllt sein. Das gilt auch, wenn wir davon reden, dass Gott das Universum geschaffen (= verursacht) hat  [14].

Damit Gott den Beginn der Zeit verursacht haben kann, muss also bereits die Existenz von Zeit vorausgesetzt werden! Es musste also bereits Zeit vergehen, damit Gott die Zeit schaffen konnte. Das aber ist völlig absurd - woher sollte die Zeit kommen, die bereits vergeht, bevor die Zeit geschaffen wurde? Es ist also unmöglich, dass etwas den Beginn der Zeit verursacht haben kann. Anders gesagt, die Zeit wurde nicht geschaffen.

Ein Gott, der die Zeit geschaffen (= verursacht) hat, kann also nicht existieren.

Ohne Zeit hatte Gott keine Zeit, um zu entscheiden, die Zeit zu schaffen

Dies ist Draygombs Paradox (→ http://www.iidb.org/vbb/showthread.php?t=90082&highlight=draygombs+paradox), eine Verfeinerung des vorigen Arguments.

Definitionen:
Gott wird definiert als die bewusste erste Ursache des Universums (Thomas von Aquin).
Die erste Ursache ist das, was die Zeit geschaffen hat.
Bewusstsein ist (mindestens) etwas, was uns zu Entscheidungen befähigt.
Eine Entscheidung ist die Aktion, mit der wir unser Bewusstsein vom Zustand "unentschieden" zum Zustand "entschieden" verändern.
Zeit ist ein Maß für Veränderung.

Prämissen:
Etwas, was verursacht wurde, kann nicht notwendig sein für das, wovon es verursacht wurde (die Wirkung kann nicht für die Ursache notwendig sein).

Schlussfolgerungen:
Zeit ist notwendig für Veränderung.
Eine Entscheidung ist eine Veränderung.
Eine Entscheidung benötigt daher Zeit.
Einem Bewusstsein ist es nicht möglich, eine Entscheidung ohne Zeit zu treffen.
Bewusstsein benötigt Zeit.
Gott ist (u. a.) Bewusstsein.
Gott benötigt daher Zeit.

Gott kann nicht die Ursache der Zeit sein, wenn Gott dafür Zeit benötigt.
Gott ist daher nicht die Ursache für die Zeit.
Gott ist nicht die erste Ursache.

Wenn Gott nicht die bewusste erste Ursache ist, dann existiert Gott nicht.

Wer meint, dies alles treffe auf Gott nicht zu, weil Gott mit der Logik nicht zu erfassen sei, der lese bitte: Ist Gott der Logik zugänglich?.

11. Die Eigenschaften Gottes II

Die folgende Sammlung stammt von von Theodore M. Drange: Incompatible-Properties Arguments: A Survey (1998) (→ http://www.infidels.org/library/modern/theodore_drange/incompatible.html). Wer meint, dies alles treffe auf Gott nicht zu, weil Gott mit der Logik nicht zu erfassen sei, der lese bitte: Ist Gott der Logik zugänglich?. Dies hier ist eine kurze Zusammenfassung (nur die Argumente):

1. Vollkommenheit versus Schöpfung

Version #1:
(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein vollkommen Wesen kann keine Bedürfnisse oder Wünsche haben.
(P4) Wenn jemand das Universum schuf, dann muss er dazu ein Bedürfnis oder den Wunsch dazu gehabt haben.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen der Schöpfer des Universums sein kann (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Der gängigste Einwand gegen dieses Argument ist, das Wort "vollkommen" anders zu definieren als wir es normalerweise verstehen. Aber vollkommen bedeutet normalerweise, dass etwas nicht mehr besser zu machen ist. Definiert man es anders, dann gibt man zu, dass der Begriff "vollkommen" irreführend verwendet worden ist, und dass Gott eben nicht im ursprünglich verstandenen Sinne vollkommen ist. Bedürfnisse oder Wünsche kann man nur haben, wenn man unvollkommen ist. Wieso sollte Gott dann das Bedürfnis oder den Wunsch haben, dass Universum zu erschaffen?

Version #2:
(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Wenn ein Wesen vollkommen ist, dann muss alles, was es schafft, auch vollkommen sein.
(P4) Aber das Universum ist nicht vollkommen.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen das Universum geschaffen hat (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).


Warum sollte ein vollkommenes Wesen etwas erschaffen, was nicht selbst vollkommen ist? Und woran will man beispielsweise einen vollkommenen Möbelbauer erkennen, wenn nicht daran, dass seine Möbel, die er herstellt, vollkommen sind? Wie also kommt man zu der Annahme, dass Gott vollkommen sei, wenn man nicht von einer vollkommenen Schöpfung auf ihn logisch zurückschließen kann?

Definiert man den Begriff "vollkommen" anders, dann gibt man zu, dass Gott eben nicht im ursprünglichen Sinne "vollkommen" ist, sondern unvollkommen.

2. Die Unveränderlichkeit Gottes versus Schöpfung

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu einer Zeit eine Absicht haben und zu einem anderen Zeitpunkt keine Absicht.
(P4) Für ein Wesen, das etwas erschafft, muss vor der Erschaffung die Absicht haben, es zu erschaffen, aber später, nach der Schöpfung, keine Absicht haben, etwas zu erschaffen.
(P5) Daher ist es unmöglich für ein unwandelbares Wesen irgendetwas zu erschafft zu haben (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Wenn etwas vollkommen ist, dann führt jede Änderung dazu, dass es nicht mehr vollkommen ist. Auch hier gibt man mit der Umdefinition des Begriffes zu, dass Gott eben nicht vollkommen ist, so, wie man es ursprünglich versteht, also wird das Attribut "vollkommen" irreführend verwendet.

3. Unwandelbarkeit versus Allwissenheit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu verschiedenen Zeiten unterschiedliches Wissen haben.
(P4) Um allwissend zu sein, müsste ein Wesen alles über Vergangenheit und Zukunft wissen.
(P5) Aber was Vergangenheit und was Zukunft ist, wandelt sich ständig.
(P6) Daher, um die Eigenschaften der Vergangenheit und der Zukunft zu wissen, müsste ein Wesen verschiedene Dinge zu verschiedenen Zeiten wissen (aus (P5)).
(P7) Daraus folgt, dass ein Wesen, um allwissend zu sein, unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Zeiten wissen müsste (aus (P4) und (P5)).
(P8) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, allwissend zu sein (aus (P3) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)).

Vollkommenheit und Wandel schließen einander aus. Außerdem, wenn Wissen vollkommen wäre, dann würde jede Korrektur dieses Wissen bestätigen, dass Gott eben doch nicht vollkommen ist. Allwissenheit und Dazulernen schließen einander aus.

4. Unwandelbarkeit versus Liebe

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er liebend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht durch Ereignisse verändert werden.
(P4) Um liebend zu sein, muss ein Wesen durch Ereignisse verändert werden können.
(P5) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, liebend zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).


5. Transzendenz versus Allgegenwart

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht irgendwo im Raum existieren.
(P4) Um allgegenwärtig zu sein muss ein Wesen überall im Raum existieren
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, allgegenwärtig zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Transzendenz und Immanenz schließen einander aus. Trotzdem wird vom christlichen Gott behauptet, er sei beides.

6. Transzendenz versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P4) Aber ein persönliches Wesen muss existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, eine Person zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Vom christlichen Gott wird behauptet, er existiere "außerhalb der Zeit". Das ist eine sinnfreie Behauptung, weil Gott nicht innerhalb der Zeit agieren kann, wenn er nicht "dazugehört".

7. Nichtkörperlich versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er nichtkörperlich.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Eine Persönlichkeit muss körperlich existieren.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)).

Wir kennen nur Personen, die einen Körper haben. Wie kann man da Gott als "personal" bezeichnen, wenn er keinen Körper besitzt?

8. Allgegenwart versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Was immer allgegenwärtig ist, kann keine Persönlichkeit sein.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)).

Personalität bedeutet, innerhalb der Zeit in einem Körper zu existieren. Wenn man "personal" anders definiert, dann gibt man zu, dass Gott nicht im eigentlichen Sinne personal sein kann. Warum belegt man Gott mit Begriffen, die keinen Sinn ergeben?

9. Allwissenheit versus Freiheit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er frei.
(P3) Ein allwissendes Wesen muss genau wissen, was er in Zukunft tut und nicht tun wird.
(P4) Wenn Gott weiß, was er tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es nicht zu tun, und wenn er weiß, was er nicht tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es zu tun.
(P5) Daher, was immer Gott auch tut, er muss es tun, und was immer er nicht tut, kan er nicht tun (aus (P3) und (P4)).
(P6) Um frei zu sein, muss man offene Optionen haben, was bedeutet, die Fähigkeit zu haben, auch anders zu handeln, als man tatsächlich handelt.
(P7) Wenn also jemand frei ist, dann muss er nicht tun, was er tatsächlich tut, und er ist fähig, zu tun, was ernicht tatsächlich tut (aus (P6)).
(P8) Daher kann ein allwissendes Wesen nicht frei sein (aus (P5) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)).

Wenn Gott allwissend ist, dann kennt er die Zukunft. Wenn er weiß, wie er handeln wird, so kann er nicht anders handeln, als er es vorher weiß. Handelt er doch anders, dann war sein Vorherwissen falsch. Wer allwissend ist, der kann sich nicht anders besinnen, denn dann wäre er nicht allwissend.

10. Gerechtigkeit versus Gnade

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gerechter Richter.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gnädiger Richter.
(P3) Ein gerechter Richter behandelt jeden Täter exakt nach der Schwere seiner Taten, so wie sie/er es verdient.
(P4) Ein gnädiger Richter behandelt jeden Täter mit weniger Strenge nach seinen Taten, so wie sie/er es verdient.
(P5) Es ist unmöglich, einen Täter nach der Schwere seiner Taten zu behandeln, so wie sie/er es verdient, und gleichzeitig weniger streng zu behandeln, als sie/er es verdient.
(P6) Daher ist es unmöglich, ein gnädiger und ein gerechter Richter zu sein (aus (P1) bis (P5)),

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P6)).

Gnade ist stets ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit.

Einige der Argumente von Drange passen nur auf den christlichen Gott, einige auf alle Götter. Einige sind solider in der Argumentation als andere. Aber trotzdem interessant, mal so eine Übersicht zu haben, oder? Dabei ist diese Sammlung nicht einmal vollständig!

11. Gott als die Ursache des Universums

Wenn man in westlichen Ländern von "dem einen Gott" redete, so meint man damit den Schöpfer "des Lebens, des Universums und allem anderen". Aber auch der östliche Monotheismus, z. B. im Hinduismus (der nicht rein polytheistisch ist, es gibt auch einen Hinduismus mit Hang zum Monotheismus) wird davon ausgegangen, dass Gott die Ursache der Existenz des Universums ist, einfach deswegen, weil man sich nicht vorstellen kann, dass das Universum unverursacht "einfach so" entstanden sein soll. Allerdings kann man widerspruchsfrei annehmen, dass das Universum aus dem Nichts hervorgegangen ist, siehe auch Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?, womit das Universum letztlich die Ursache seiner selbst gewesen ist. Geht man allerdings davon aus, dass das Universum ewig existiert, dann hat es selbstverständlich auch keinen Schöpfer gegeben, weil es keinen Anfang des Universums gegeben hat. Der Urknall, also die allgemein anerkannte Tatsache, dass das Universum entstanden ist, ist kein Gegenargument gegen eine ewige Existenz des Universums, weil unser Universum beispielsweise aus einer Sigularität aus einem anderen Universum hervorgegangen sein könnte. Außerdem kann auch die Zeit - wie die Oberfläche einer Kugel - weder Beginn noch Ende haben, eine Ansicht, die beispielsweise von dem berühmten Physiker Stephen Hawking vertreten wird. Auch diese Annahme schließt einen Schöpfer, also eine Ursache für das Universum, aus.

Erinnern wir uns an die Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen und den klassischen Gottesbeweis von Thomas von Aquin der ersten Ursache:

(P1) Alles hat eine Ursache.
(P2) Es ist nicht sinnvoll, einen unendlichen Regress von Ursachen  [15] anzunehmen.

(S1) Folglich muss es eine erste Ursache gegeben haben, die keine weiteren Ursachen hat.
(S2) Diese erste Ursache ist Gott.

Dass dies kein Beweis für die Existenz Gottes ist, habe ich bereits dargelegt. Obwohl dieser Beweis intuitiv plausibel erscheint, ist er logisch falsch. Korrigiert man die Fehler des Beweises, kann man daraus einen Beweis gegen die Existenz Gottes machen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum Gott nicht die Ursache des Universums gewesen sein kann, den ich noch nicht angeführt habe.

Was bedeutet es, wenn wir sagen, Gott sei die Ursache der Existenz des Universums? Dazu muss man sich die Bedeutung des Begriffs "Ursache" etwas genauer ansehen. Normalerweise gibt es vier Vorbedingungen dafür, dass wir etwas als Ursache bezeichnen - die ersten drei der Vorbedingungen hat David Hume angeführt, die vierte Bedingung stammt aus der Evolutionären Erkenntnistheorie (siehe Vollmer 1988. Damit Ereignis A das Ereignis B verursacht haben kann, muss jede der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es muss eine zeitliche Kontinuität geben, d. h. Ereignis A muss zeitlich vor dem Ereignis B liegen.
  2. Es muss eine räumliche Kontinuität geben, d. h. A und B müssen im selben, miteinander verbundenen Raum, stattgefunden haben.
  3. Ereignis A muss das Potenzial haben, B hervorzubringen.
  4. Ereignis A muss Energie auf das Ereignis B übertragen haben.
Unter Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit habe ich bereits beschrieben, dass keine einzige dieser vier Bedingungen auf Gott zutreffen kann, vor allem dann nicht, wenn man annimmt, dass Gott Zeit, Raum, Energie und die Potenzialität aller Dinge überhaupt erst hervorgebracht hat:

  1. Wenn es vor der Schöpfung keine Zeit gab, gab es auch kein "vor" der Schöpfung, damit entfällt die Möglichkeit, dass Gott die Ursache für das Universum gewesen sein kann.
  2. Wenn auch der Raum erst mit dem Universum entstanden ist, dann kann Gott ebenfalls nicht die Ursache des Universums gewesen sein, weil er nicht räumlich in der Nähe des Universums gewesen sein kann.
  3. Wenn alle Potenzialität erst mit dem Universum entstanden ist, kann man nicht sagen, dass Gott das Potenzial hatte, das Universum zu erschaffen.
  4. Wenn die Energie erst mit dem Universum entstanden ist, dann kann man auch nicht sagen, dass Gott der Verursacher der Existenz von Energie ist, denn es hätte bereits Energie gegeben haben müssen, bevor Energie entstand - und das ist eine absurde Annahme.
Ist eine der vier Bedingungen nicht gegeben, so reicht das bereits aus, um mit Sicherheit sagen zu können, dass Gott das Universum nicht verursacht haben kann, mithin auch nicht der Schöpfer des Universums sein kann. Es ist aber keine einzige der Bedingungen erfüllt! Oder anders gesagt, ein Wesen, welches das Universum geschaffen oder verursacht hat, kann nicht existieren. Man kann es auch so ausdrücken, dass das Universum nicht verursacht sein kann, wenn man annimmt, dass es, bevor das Universum anfing zu existieren, weder Raum, Zeit noch Energie gab.

In Diskussionen versuchen sich Theisten meist damit herauszureden, dass Gott das Universum eben "irgendwie anders" verursacht haben müsse. Aber man kann redlicherweise ohne die vier Grundbedingungen nicht von Ursache sprechen, sondern müsste dafür einen völlig anderen Begriff von Schöpfung und Ursache benutzen - und würde damit jeden Sinn aus der Behauptung entfernen, Gott sei der Schöpfer des Universums.

Das ähnelt dem Versuch, die Behauptung "Der Ball ist weiß" damit gegen die Tatsache, dass der Ball schwarz ist, zu "verteidigen", in dem man das Schwarz zu einer "anderen Art von Weiß" umdefiniert und weiterhin davon redet, dass der Ball weiß sei, während doch jeder sieht, dass er schwarz ist. Wenn man aber so die Begriffe verkehrt und umdefiniert, dann bedeutet dies, dass von allem ebenso das Gegenteil der Fall sein kann, die Worte verschwimmen, die Begriffe werden zu ihrem Gegenteil, man verwendet sie nur anders, versucht aber immer noch, sie im ursprünglichen Sinne zu verwenden. Das erschwert eine Diskussion bis hin zur Unmöglichkeit, miteinander zu reden, wenn man versucht, jedes Problem zu lösen, in dem man erstmal sich die Begriffe so zurechtdefiniert, wie man möchte. Denn selbst wenn man Weiß zu Schwarz umdefiniert - die Zuordnung von Begriffen zu Eigenschaften ist ja willkürlich - ist der Ball immer noch nicht schwarz und weiß gleichzeitig, der von mir oben skizzierte Widerspruch verschwindet nicht, in dem man die Begriffe umdefiniert.

Außerdem handelt es sich um ein magisches Wortverständnis - die Realität wandelt sich nicht, in dem wir die Worte anders verwenden. Die Welt bleibt die Gleiche, auch wenn wir eine andere Sprache reden und jedes Wort anders verwenden, als ursprünglich gedacht.

Es gibt noch einen schwächeren Einwand gegen Gott als der Ursache des Universums. Unter welchen Bedingungen können wir eine Kausalität (Ursache-Wirkungs-Beziehung) überhaupt annehmen? Genau dann, wenn wir eine Regelmäßigkeit beobachtet haben: Immer dann, wenn Ereignis A eintritt, tritt kurz darauf das Ereignis B ein. Das ist noch kein Beweis für Kausalität, so könnte man z. B. beobachten, dass immer dann, wenn in Hamburg um zwölf Uhr eine Sirene heult, die Menschen einer Fabrik in München zur Mittagspause eilen - aber die Sirene in Hamburg ist nicht die Ursache des Verhaltens der Menschen in München. Trotzdem ist eine Regelmäßigkeit oft ein Hinweis auf einen Kausalzusammenhang oder eben dem Verdacht, dass eine Kausalbeziehung vorliegen könnte. Aber von wie vielen Universen haben wir beobachten können, dass wann immer Gott sich anschickt, eines zu schaffen, auch tatsächlich ein Universum entsteht? Von keinem einzigen! Insofern ist es nicht gerechtfertigt, davon auszugehen, dass Gott die Ursache für die Entstehung des Universums ist!

Außerdem ist da noch der Punkt 3., der uns zu einem weiteren interessanten Gedanken führt. Gott, der Schöpfer des Universums, müsste selbst das Potenzial haben, die Welt hervorzubringen. Man könnte dies als "Schöpferfähigkeit" oder "Schöpferpotenzial" bezeichnen. Es ist die Fähigkeit, seinen Willen direkt in Ereignisse umzusetzen. D. h. wenn Gott beispielsweise will, dass in der Welt gilt: E = m * c^2 (Energie ist gleich Masse mal dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit, Einsteins berühmte Formel), dann ist dies fortan eine Eigenschaft der Welt. Woher hat Gott diese Fähigkeit?

Normalerweise wird Gott noch etwas zugeschrieben, was für ihn wesentlich sein soll. Gott, so wird gesagt, kann von nichts anderem abhängen. Seine Existenz kann nicht auf etwas beruhen, was nicht Gott selbst ist. Man bezeichnet die Tatsache, dass unsere Existenz von etwas abhängt, als Kontingenz. Ich selbst bin als Person kontingent, d. h. meine Existenz hängt davon ab, dass meine Eltern existieren. Ohne meine Eltern gäbe es mich nicht. Meine Eltern wiederum hängen von ihren Eltern ab, sind also kontingent, usw. usf., bis zum ersten Ur-Einzeller, dessen Existenz wieder von verschiedenen Umständen abhängt (der Existenz der Erde, den Naturgesetzen usw. usf.). Man kann auch sagen, dass jede Existenz bedingt ist, also von bestimmten Bedingungen abhängt, ohne die es nicht existieren kann. Das bedeutet, dass jedes Ding ebenso gut auch nicht existieren könnte, denn wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, dann existiert es auch nicht. Hätte es meine Eltern nie gegeben, so würde es auch mich nicht geben. Daraus wurde abgeleitet, dass dies für Gott nicht gelten kann, ja nicht gelten muss. Gott kann nicht kontingent sein, andernfalls wäre er nicht Gott!

Daraus entstand der Kontingenzbeweis. Alles ist von Vorbedingungen abhängig, ohne die es nicht existieren könnte. Es sei aber sinnlos, diese Bedingungen bis ins Unendliche weiterzuführen, es muss also etwas geben, was von keiner Vorbedingung abhängt, also nicht kontingent ist. Dieses Wesen nennen wir Gott. Dieser Beweis ist dem der ersten Ursache sehr ähnlich und kann auch genau so widerlegt werden. Formal:

(P1) Alles, was existiert, hängt von Vorbedingungen ab (ist also kontingent).
(P2) Es ist aber sinnlos, eine unendliche Kette von Vorbedingungen (oder Kontingenzen) anzunehmen.

(S1) Es muss daher etwas gegeben haben, das von keiner Vorbedingung abhängt.
(S2) Dieses Wesen nennen wir Gott.

Selbst wenn (S1) ein korrekter Schluss wäre, so folgt daraus nicht (S2), denn schon die Existenz des Universums selbst könnte von keiner Vorbedingung abhängen. (P1) widerspricht (P2) und damit auch (S1). Ob (P2) gerechtfertigt ist, ist sehr zweifelhaft, bislang konnte nicht gezeigt werden, dass eine endlose Kette von Ursachen oder Kontingenzen unmöglich ist. Außerdem, wenn die Existenz von allem letztlich von Gott abhängt, ist Gott eine Vorbedingung für die Existenz des Bösen und aller Übel, womit man an seiner vollkommenen Güte zweifeln müsste, ebenso generell an seiner Vollkommenheit. Ich will die Widerlegung hier aber nicht komplett ausführen.

Halten wir fest, dass Gott von nichts und niemandem abhängig sein kann, weil wir in dem Fall nicht von Gott reden würden (jedenfalls nicht von dem Gott des Judentums, Christentums und des Islams). Greifen wir aber wieder die Frage auf, woher Gott die Fähigkeit hat, seinen Willen zu aktualiseren, also real werden zu lassen?

Er kann sie sich nicht selbst verliehen haben, denn dann müsste man sofort fragen, woher er die Fähigkeit hat, sich selbst solche Fähigkeiten zu verleihen usw. usf., man gerät in einen unendlichen Regress. Nimmt man an, wie es die Theologen tun, dass ein unendlicher Regress nicht durchführbar ist oder logisch nicht möglich, dann kann Gott nicht existieren. Wieso?

Weil Gott dann von etwas abhängig wäre, was nicht auf ihn zurückgeht. Die Fähigkeit zur Schöpfung kann er sich nicht selbst verliehen haben, aber von der Vorbedingung, diese Fähigkeit zu haben, hängt seine Existenz als Gott ab. Ohne diese Fähigkeit wäre er nicht Gott! Man kann nun sagen, dass diese Fähigkeit zum Wesen Gottes selbst gehört, aber das beantwortet nicht die Frage danach, warum Gott das alles kann. Sein Wesen, seine Eigenschaften, sind dann von seiner Natur abhängig, aber diese Natur kann er nicht erschaffen haben, was bedeutet, dass diese für ihn grundlegend ist. Gott ist von seiner eigenen Natur abhängig, und diese Natur ist etwas, was Gott nicht geschaffen hat, er ist also kontingent, was seine Fähigkeiten betrifft. Aber behaupten die Theologen nicht, dass Gott nicht kontingent sein kann, sonst wäre er nicht Gott? Aber da es auch für Gott Vorbedingungen gibt, deren Schöpfer er nicht sein kann, ist Gott kontingent. Wenn er aber kontingent ist, ist er nicht Gott.

Fazit

:

Ein Gott, der die Ursache des Universums ist, gibt es nicht, weil es sinnlos ist, Gott als die Ursache des Universums zu bezeichnen. Ein Gott, der von nichts abhängig ist, kann ebenfalls nicht existieren, weil seine Fähigkeit zur Schöpfung von einer grundlegenden Natur abhängig ist. Kurz, der Gott des Christentums kann unmöglich existieren.

Es nützt nichts, die Begriffe anders zu definieren, weil man damit keine Probleme löst, sondern nur die Diskussion unmöglich macht. Setzt man für Gott die Logik außer Kraft, handelt man sich eine Fülle weiterer Probleme ein. Alle diese Probleme lassen sich vermeiden, wenn man annimmt, dass das Universum unverursacht und nicht geschaffen ist, oder ewig existiert, oder kein Beginn und kein Ende hat, aber in jedem dieser Fälle kann ein Schöpfergott nicht existieren.

Der Denkfehler, der hinter dem allen steckt



Die Annahme, dass Gott existiert, beruht auf einem ganz bestimmten Denkfehler - dieser Fehler macht die Annahme, dass es einen Gott gibt, so plausibel, aber nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Fehler. Wir nehmen normalerweise an, dass wenn alle Elemente einer Menge eine bestimmte Eigenschaft haben, dass diese Eigenschaft dann auch für die Menge insgesamt gilt. Wenn alle Dinge im Universum eine Ursache haben (oder kontingent sind), dann muss auch die Gesamtheit aller Dinge - also das Universum selbst - eine Ursache haben (oder kontingent sein). Wie man sieht, kann man diese Behauptung nicht aufrecht erhalten, ohne dass sich logische Widersprüche ergeben. Ein Beispiel, um den Fehlschluss zu verdeutlichen, der hinter diesen Annahmen steckt:

(1) Alles im Universum hat eine Ursache, folglich muss das Universum selbst eine Ursache haben.

(2) Alle Kaninchen, die jemals existiert haben, konnten nicht älter werden als 100 Jahre. Folglich kann die Gesamtheit der Kaninchen nicht älter als 100 Jahre sein.

Derselbe falsche Schluss, einmal, wie in (1), nicht offensichtlich, aber in (2) offensichtlich falsch. Wenn "kann nicht älter als 100 Jahre werden" eine Eigenschaft aller jemals existierenden Kaninchen war, so gilt dies nicht für die Gesamtheit aller Kaninchen. Man wechselt die Ebene - man schließt von der Gesamtheit aller einzelnen konkreten Kaninchen darauf, dass die Menge der Kaninchen selbst nicht älter als 100 Jahre ist. Der Fehler in (2) ist deswegen so offensichtlich, weil wir ganz genau wissen, dass es schon vor mehr als 100 Jahren Kaninchen gab, und weil wir wissen, dass sich Kaninchen fortpflanzen, es also eine Kette von Kaninchen gibt, so dass die Gesamtheit der Kaninchen nicht die Eigenschaft jedes einzelnen Kaninchens haben muss. Die "Menge aller Kaninchen" hat auch weder ein Fell noch rote Augen, auch wenn alle Kaninchen diese Eigenschaft hätten  [16].

Aber was Universen angeht, so haben wir nicht viel Erfahrung - wir kennen nur genau eines, und das auch noch unvollkommen. Von daher widerspricht unsere Erfahrung nicht dem Fehlschluss, weil wir schlicht keine Erfahrung haben, die dem widersprechen könnte! Daher fällt der logische Widerspruch in (1) nicht auf, und die Theologen können uns diesen Fehlschluss "unterjubeln", so wie er auch ihnen vermittelt worden ist (viele Theologen glauben an die Richtigkeit dieses Fehlschlusses). Lässt man sich von seiner Intuition nicht irreleiten und denkt die logischen Konsequenzen "bis zum bitteren Ende" durch, dann wird offensichtlich, dass mit der Behauptung, dass Gott existiert, etwas nicht stimmen kann.

Machen wir das nochmal deutlich: Wenn die Gesamtheit aller Dinge, die existiert, eine Ursache hat (und/oder kontingent ist), dann gilt dies auch für alle Dinge, die ich dieser Menge hinzufüge. Finde ich nur ein Ding, für dass das nicht gilt, dann gilt auch, dass nicht alle Dinge, die existieren, eine Ursache haben muss (oder kontingent sind). Wenn man also zu der Gesamtheit aller Dinge, die existieren, noch Gott, der ja auch existieren müsste, hinzufügt, dann muss entweder die Gesamtheit aller Dinge (auch Gott!) eine Ursache haben, oder es haben nicht alle Dinge (wie etwa Gott) eine Ursache. Wenn aber nicht alles, was existiert, eine Ursache haben musss, dann kann man dies auch vom Universum behaupten, denn mit der Annahme, dass es einen Gott gibt, widerspricht man explizit der Behauptung, dass alles eine Ursache haben müsste. Außer natürlich, man nimmt an, dass auch die Existenz Gottes eine Ursache hat, aber dann reden wir nicht mehr über den monotheistischen Gott. Die "Gesamtheit aller Dinge" muss nicht genau die Eigenschaft haben, die jedes einzelne Mitglied der Gesamtheit hat, dieser Schluss ist unlogisch.

Die Umdefinition der Begriffe nützt nichts, weil man dann entweder mitten in seiner Argumentation die Definitionen ändern muss, was bedeutet, dass die Argumentation inkonsistent ist, also logisch falsch, oder man muss zugeben, dass der Schluss nicht aus der Argumentation folgt, womit die Argumentation ungültig wird. Und wenn man mitten in der Argumentation die Dinge umdefiniert, also aus Schwarz plötzlich Weiß macht, dann ist alles möglich - und aus Falschem folgt Beliebiges (aber eben immer etwas Falsches). In diesem Fall folgt die falsche Behauptung, dass Gott existiert.

Konfusius, er sagt: "Gott existiert nicht, und ich bin sein Prophet."

11. Existenz existiert - unverursacht

Das Argument von der Existenz

Letztlich ist Existenz unverursacht, d. h., kausal nicht determiniert. Das sage ich nicht so daher, das kann man beweisen - und zwar analytisch. Die Argumentation habe ich ausführlich unter Nichts geschieht ohne Ursache behandelt, dies ist eine Verfeinerung.

Definition: Was ist eine Ursache?

Normalerweise, wenn wir sagen, dass A die Ursache von B ist, gehen wir davon aus, dass alle der folgenden vier Bedingungen erfüllt sind. und zwar ausnahmslos:

  1. A liegt zeitlich vor B oder geschieht gleichzeitig (Zeit als Voraussetzung).
  2. A ist im räumlichen Kontinuum nahe B (Raum als Voraussetzung).
  3. A überträgt auf B Energie (Energie als Voraussetzung).
  4. A hat das Potenzial, B zu verursachen (Potenzial als Voraussetzung).
  5. Ist eine einzige dieser Bedingungen nicht erfüllt, können wir nicht von Verursachung reden oder davon, dass A die Ursache von B ist. Außerdem setzt der Begriff der Ursache noch zwei weitere Dinge voraus: erstens, die Gültigkeit der Logik, zweitens, dass sowohl A als auch B bereits existieren. Bestreitet man hierfür die Gültigkeit der Logik, dann kann man auch nicht davon reden, dass Gott das Universum geschaffen (oder verursacht) hat. Auf die zweite Voraussetzung komme ich gleich zu sprechen.

    Nun wird auch behauptet, dass Existenz verursacht wurde. Das ist, wie wir noch sehen werden, falsch. Aber gehen wir um des Arguments Willen erstmal davon aus, dass Existenz verursacht wird. Ich definiere das folgendermaßen:

    Definition: A ist die Ursache von B, wenn B nicht ohne A existieren würde und die A Existenz von B begonnen oder hervorgebracht hat. Man kann auch sagen, dass A die Existenz von B erklärt (Warum existiert B? Weil A B hervorgebracht hat).

    Nun gehen wir meistens davon aus (als "unbewusstes Vorurteil"), dass alles verursacht ist. Und da alles verursacht wurde, muss beispielsweise auch das Universum verursacht sein worden.

    Also A bringt B hervor, B bringt C hervor usw. Oder, Gott bringt das Universum hervor, das Universum bringt Leben hervor usw. usf. (stark verkürzt). Wir können als Analogie eine Kette annehmen, wo ein Glied mit dem anderen verbunden ist. Welche möglichen Formen kann diese Kette annehmen?

    Es gibt nur exakt drei logische Möglichkeiten (nicht mehr, nicht weniger):

    1. (1) Die Kette der verursachenden Ereignisse ist unendlich lang.
    2. (2) Die Kette hat einen Beginn.
    3. (3) Die Kette ist kreisförmig.
    Ob die Kette ein Ende hat im Fall (1) oder (2) interessiert hier nicht, wir betrachtn nur den Anfang (wenn es einen gab, was im Fall (1) oder (3) nicht gegeben ist). Auch ist es nicht relevant, ob sich diese Kette in irgendeiner Form verzweigt (meine Eltern brachten mich und meine Schwester hervor, und sie hatten ihrerseits wieder zwei Eltern etc.). Auch kann man, was die Form der Kette angeht, sich beliebige komplexe Muster ausdenken, davon wird das Argument nicht berührt, weil wir nur einen möglichen Anfang betrachten.

    Alle drei Fälle sind logisch möglich, und eine der Möglichkeiten muss wahr sein. Fall (1) oder (2) werden übrigens nicht dadurch ausgeschlossen, dass das Universum einen Anfang (den Urknall) hatte, weil man nicht auschließen kann, dass ein Universum ein anderes hervorbringt. Nun untersuchen wir alle drei möglichen Fälle:

    Fall (1): Es gibt keine erste Ursache (und, nebenbei, wenn dies der Fall ist, kann kein Gott der Verursacher aller Existenz sein). Aber: Die Existenz der Kette als Ganzes hat keine Ursache. Zwar ist jedes einzelne Glied dieser Kette verursacht, aber eben nicht die Kette als Ganzes. Warum diese Kette existiert, ist nicht erklärbar. D. h., letztlich ist die Existenz unverursacht.

    Fall (2): Die Kette hat einen Beginn, aber dieser Beginn (etwa Gott oder das Universum selbst) kann selbst keine Ursache haben. Warum diese Kette existiert, ist nicht erklärbar. D. h., letztlich ist die Existenz unverursacht.

    Fall (3): Hier trifft alles zu, was wir für den ersten Fall schon betrachtet haben - die Kette hat keinen Beginn, sie hat als Ganzes keine Ursache. Zwar ist jedes einzelne Glied dieser Kette verursacht, aber eben nicht die Kette als Ganzes. Warum diese Kette existiert, ist nicht erklärbar. D. h., letztlich ist die Existenz unverursacht.

    Existenz ist generell unverursacht

    Gleichgültig, welchen Fall wir auch für gegeben halten, der Schluss bleibt immer gleich:

    Letztlich ist der Beginn von Existenz unverursacht, d. h., es kann keine Erklärung dafür geben, warum etwas existiert.

    Nehmen wir einmal die gängige theistische Erklärung: Das Universum wurde von Gott verursacht (= geschaffen), weil Gott alleine in der Lage ist, überhaupt Existenz hervorzubringen. Aber Gott selbst kann nicht verursacht sein (seine Existenz etwas anderem verdanken). Das ist unabhängig davon, ob man Gott als zeitlich ewig existierend oder als "außerhalb von Zeit und Raum" existierend betrachtet. Das bedeutet, dass man die Frage: "Warum existiert Gott?" nicht beantworten kann, weil die Warum-Frage ja eine kausale Erklärung voraussetzt, also dass es eine Ursache für Gott gab (etwas hat Gott hervorgebracht), aber dann hätten wir es nicht mit "dem" christlichen Gott zu tun.

    Das bedeutet: Gott ist die Ursache aller Existenz, aber Gott selbst ist unverursacht. Letztlich ist damit - wie bei allen betrachteten Fällen - Existenz durch nichts verursacht. Wenn Gott existiert, dann kann er selbst die Frage danach, warum er existiert, nicht beantworten. Nicht einmal der allwissende Gott weiß, warum er existiert, nicht einmal er kann seine Ursache kennen (weil es keine gibt). Gott muss seine eigene Existenz ebenso als ein unlösbares Rätsel ansehen wie wir unsere Existenz!

    Es hilft auch nichts, wenn man nun einfach behauptet, dass Gott "irgendwie" auf eine ganz spezielle Art und Weise existiert - existieren muss er, aber eben unverursacht, d. h. ohne dass er selbst erklären könnte, wieso es ihn gibt und nicht nichts. Was auch bedeutet: Letztlich erklärt die Existenz Gottes überhaupt nichts!

    In jedem Fall lautet die Antwort auf die Frage nach der Existenz also:

    Existenz existiert unverursacht, alle Fragen nach dem "Warum" sind letztlich unsinnig. Letzten Endes gibt es für Existenz keine Erklärung, ja, es kann keine geben, vor allem keine kausale.

    Und nun zu einem impliziten Missverständnis: Ich habe Existenz als verursacht bezeichnet, wohl wissend, dass dies ein Irrtum ist. Nehmen wir als Beispiel einmal die Quantenfluktuation. Bei dieser erscheinen Positronen-Elektronen-Paare quasi aus dem Nichts, und laut den Physikern geschieht dies ohne Ursache. Wie kann man das behaupten? Ist die Ursache nicht einfach nur unbekannt?

    Nein. Ich hatte oben die Bedingungen definiert, unter denen man etwas als "verursacht" bezeichnen kann. Nun nehmen wir einmal an, dass irgendwo ein A existiert, und dass B in der Nähe anfängt, zu existieren. Können wir behaupten, dass A B verursacht hat? Untersuchen wir alle Möglichkeiten:

    1. Liegt A zeitlich vor oder geichauf mit B? Nein, denn wenn B nicht existiert, existiert es auch in keiner Zeit. Erst, wenn (nachdem!) B anfängt zu existieren, befindet sich B in der Zeit. A kann also nicht vorher oder gleichzeitig existieren, folglich kann A nicht die Ursache für B sein. Bedingung 1 ist nicht erfüllt.
    2. Ist A in räumlicher Nähe zu B? Wenn B nicht existiert, befindet sich A nicht in der Nähe von B. Wieweit ist A von einem noch-nicht existierenden B entfernt? Die Frage ist sinnlos, man kann keine "Nähe" zur Nichtexistenz angeben. Sobald B anfängt, zu existieren, geht das - aber erst danach. Folglich kann A nicht die Ursache für B sein. Bedingung 2 ist nicht erfüllt.
    3. Kann A auf B Energie übertragen? Man kann auf etwas, was nicht existiert, keine Energie übertragen. Erst wenn (nachdem) B angefangen hat, zu existieren, kann A Energie auf B übertragen. Folglich kann A nicht die Ursache für B sein. Bedingung 3 ist nicht erfüllt.
    4. Hat A das Potenzial, B hervorzubringen? Diese Frage kann man nicht beantworten, es gibt auch keine logische Verbindung zwischen der Existenz von A und dem beginn der Existenz von B. Auch hier kann man sinnvollerweise nicht davon reden, dass A B verursacht hat.
    Wie ich sagte: Alle vier Bedingungen müssen erfüllt sein, ist eine der Bedingungen nicht erfüllt, kann man nicht mehr von Ursache und Wirkung reden. Wir haben aber mindestens drei, wenn nicht sogar vier unerfüllte Bedingungen. A kann nicht die Ursache von B sein, egal, um was es sich bei A handelt (das gilt auch für Gott). Nicht einmal Gott ist in der Lage, Existenz zu verursachen. Der Ausdruck "A verursachte B" ist schlicht falsch.

    Wir sehen, dass wir bei Verursachung noch zwei weitere Dinge implizit vorausgesetzt haben: Die Logik und Existenz (wie oben bereits erwähnt).

    Nur ein existierendes A kann etwas bei einem schon existierenden B verursachen. Man kann auch sagen: Bei Ursache und Wirkung nimmt ein bereits existierende A einen Einfluss auf ein existierendes B. Aber beide müssen zusammen existieren. Ursache setzt Existenz voraus, ohne Existenz keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Und nun kann man auch sehen, warum die Physiker sagen, dass die Quantenfluktuation unverursacht ist.

    Offensichtlich gibt es nicht nur unverursachte Ereignisse - es ist logisch nicht möglich, dass Existenz verursacht ist. Man missbraucht den Begriff der Ursache, wenn man sagt, A habe B verursacht. Und es kann nicht anders sein, denn letztlich ist Existenz - wenn man "an den Anfang" geht (sofern es den überhaupt gab!) unverursacht.

    Und nun verwundert es auch nicht mehr, dass es so etwas wie Quantenfluktuation überhaupt gibt. Quantenfluktuation - wenn sie Existenz hervorbringt - hat keine Ursache und kann keine haben.

    Schlussfolgerungen

    Gott kann die Existenz von irgendetwas nicht verursacht haben. Anders gesagt, der Gott, der die Ursache unserer Existenz ist, kann nicht existieren.

    Die "Erklärung", dass Gott der Grund, die Antwort auf die Warum-Frage nach der Existenz ist, ist nicht haltbar. Für Gott ist das Rätsel seiner Existenz ebenso groß wie das Rätsel unserer Existenz. Das gilt auch, wenn man die Allwissenheit Gottes voraussetzt- sie hat hier ihre deutliche Schranke.

    Auch ein allmächtiger Gott existiert nicht: Gott kann keine Existenz verursachen, weil dies selbstwidersprüchlich ist. Er kann auch den letzten Grund der Existenz nicht hervorbringen, denn dazu müsste er sich selbst hervorgebracht haben, was wiederum selbstwidersprüchlich ist - er müsste bereits existieren, um sich als Existenz hevorzubringen. Somit ist jede Existenz ohne eine letzte Ursache, ohne einen letzten Grund, ohne eine Erklärung. Existenz existiert unverursacht ist die letztliche "Erklärung" (die keine ist, aber es kann keine Erklärung notwendig sein, weil es keine geben kann).

    Alle "Erklärungen" für Existenz sind Pseudoerklärungen. Sie erklären nichts.

    Existenz selbst ist notwendig, sie wäre auch die Vorbedingung für Gott. Existenz ist das "notwendige Wesen" - sonst würden wir diese Dinge hier nicht diskutieren können. Gott ist kein notwendiges Wesen, sondern könnte allenfalls die Folge von Existenz sein.

    Der christliche Gott als Erklärungsprinzip und als metaphysischer Grund für die Existenz existiert nicht, er kann nicht existieren, seine Existenz ist logisch unmöglich - und deswegen bin ich Atheist. Ich kann die Existenz eines Schöpfergottes mit analytischer Sicherheit ausschließen. Ich glaube nicht an seine Existenz, weil ich weiß, dass er nicht existieren kann.

    Existenz existiert unverursacht ist ein letztlich notwendiges metaphysisches Prinzip - der Beginn und das Ende zugleich einer jeden Metaphysik. Es gibt zwei metaphysische Prinzipiene, die sich gegenseitig ausschließen - das (1) Primat der Existenz (Existenz existiert) und das (2) Primat des Bewusstseins (Bewusstsein existiert, bevor etwas anderes existiert). Ist (1) wahr, kann es (2) nicht sein und umgekehrt (siehe Links für einen Beweis). Da Bewusstsein nicht existieren kann ohne Existenz vorauszusetzen, und Bewusstsein immer ein "bewusstes Sein" voraussetzt, also das Sein selbst (oder die Existenz) gibt es kein Bewusstsein ohne Existenz, oder eben, Existenz geht dem Bewusstsein voraus - was bedeutet, dass es keinen Gott geben kann, der Existenz verursacht, weil das selbstwidersprüchlich wär.

    Alle "Erklärungen" wie "Gott als erste Ursache" oder als "unbewegter Beweger" oder als "nichtkontingentes Wesen" sind letztlich falsch. Denn Existenz hat keine Ursache, also gibt es keine erste Ursache außer der Existenz selbst, sie benötigt keinen Beweger, weil Bewegung eine Eigenschaft ist, die man nicht von der Existenz ablösen kann, und Existenz ist selbst nicht kontingent, weil sie von nichts abhängt und durch nichts verursacht wurde. Außerdem, wie man eine Kette von Ursachen anordnen kann, ist keine Frage der Logik, dies ist von jeder Logik unabhängig, die Möglichkeiten einer Anordnung ist - bezogen auf die Ursache - begrenzt.

    Die Annahme, dass man die Logik hier irgendwo nicht verwenden kann, bringt nichts, weil ohne Logik gibt es auch keine Ursache. Man käme auch dann zu dem Schluss, dass Existenz letztlich nicht verursacht ist. Gott als die Erklärung der Existenz hat selbst dann ausgedient, Gott als Annahme ist überflüssig.

    Verwandte Themen

    Nichts geschieht ohne Ursache Argumente zur "Verursachung" von Existenz, mit der Schlussfolgerung, dass es unverursachte Existenz geben muss.

    Kann Etwas aus dem Nichts entstehen? Wieso und warum etwas aus dem Nichts entstehen kann - einem populären Vorurteil zum Trotz.

    Gott als die Ursache des Universums Ein Argument, das zeigt, warum Gott das Universum nicht verursacht haben kann - dies wird im vorliegenden Artikel noch verfeinert, in dem ich zeige, dass Existenz generell unverursacht sein muss.

    Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen Enthält die Widerlegung des "Arguments der ersten Ursache" für die Existenz Gottes.

    Einwände gegen die Wissenschaft Dort sind einige Bemerkungen zu den Warum-Fragen enthalten.

    Können Theologen die Welt erklären? Dies ist die Frage danach, ob Theologen die Welt erklären können - und die Antwort lautet "Nein".

    Weiterführende Links zum Thema

    The Argument from the Fact of Existence (→ http://www.geocities.com/Athens/Sparta/1019/AFE/AFE1.htm) Englischer Artikel über ein Argument gegen Gott, welches mit der Tatsache der Existenz argumentiert (Primat der Existenz versus dem Primat des Bewusstseins.

    Siehe auch meine Liste mit interessanten Links.

    Interessante Literatur zum Thema

    Stenger, Victor J.: 2003, Has Science Found God?: The Latest Results in the Search for Purpose in the Universe, Prometheus Books, New York. In letzter Zeit wird das Gerücht verbreitet, dass neuere wissenschaftliche Erkenntnisse eine Bestätigung alter religiöser Ideen beinhalten. Prof. Stenger untersucht diese Behauptung und kommt zu genau entgegengesetzten Schlüssen – auf gründliche und informative Art.

    Das ist nur ein Ausschnitt aus meinem Literaturverzeichnis. Dort finden Sie noch weitere Literatur zum Thema.

    11. Ein moralischer Beweis gegen die Existenz Gottes

    Voraussetzungen, Definitionen

    Wenn ich im Folgenden von Gott rede, dann meine ich damit den christlichen Gott, der unter anderem folgende Eigenschaften hat:

    1. Er ist der Schöpfer der Welt.
    2. Er ist moralisch gut und liebend.
    3. Er ist allmächtig und allwissend.
    Nun wissen wir, dass dies zum Theodizeeproblem führt. Wenn das Theodizeeproblem nicht lösbar ist, dann führt dies zu der Annahme, dass kein guter, allmächtiger und liebender Gott existiert. Ohne eine Lösung des Problems kann man zwar annehmen, dass ein anderer Gott existiert, aber der wäre nicht durch und durch gut und/oder nicht allmächtig. Halten wir also fest:

    Wenn das Theodizeeproblem nicht lösbar ist, existiert der christliche Gott nicht.

    Nehmen wir aber einmal an, konträr zu dem, was ich behaupte, dass das Theodizeeproblem lösbar ist. Die nächste theistische Behauptung besteht darin, dass Gott ein Garant für die Existenz von Moral ist. Oder, kurz gesagt, ohne Gott keine Moral. Wir können dies auch andersherum formulieren: Wenn es keine Moral gibt, dann existiert auch kein moralisch guter Gott. Ohne eine Moral wäre nämlich die Behauptung, dass Gott moralisch gesehen gut ist, sinnfrei.

    Wie sieht eine mögliche Lösung des Theodizeeproblems aus? Eine Möglichkeit ist, dass es kein Leid gibt. Das führt aber sofort zu einem Folgeproblem. Was nämlich ist Moral? Ziel einer Moral ist es, entweder Interessenkonflikte zu lösen oder aber Leid zu verhindern, zu vermindern oder zu lindern. Damit es eine Moral geben kann, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein:

    Was ist Moral?

    1. Es muss möglich sein, eine moralische Entscheidung zu treffen.D. h., ich muss in der Lage sein, zwischen gut und böse zu unterscheiden und meine Handlungen so auszurichten, dass etwas Gutes daraus folgt. Eine Entscheidung ist dann moralisch richtig, wenn daraus mehr Gutes als Schlechtes folgt, sie ist moralisch falsch, wenn daraus mehr Schlechtes als Gutes folgt, und sie ist moralisch neutral, wenn sich das Gute und das Schlechte ausgleichen oder wenn aus der Entscheidung weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes folgt. Wenn es kein Leid gibt, dann gibt es in diesem Sinne auch keine moralische Entscheidung, die zu weniger Leid führen könnte. D. h., Moral ist überflüssig, und wenn es keine Moral gibt, dann gibt es auch den christlichen Gott nicht.
    2. Es kann nicht alles verursacht sein - wenn alles, was ich tue, kausal determiniert ist (also vollständig verursacht ist), dann kann ich nicht anders handeln, als ich es tue. Kann ich mich nicht entscheiden und Leid verhindern, dann ist jede Moral überflüssig, jedenfalls eine Moral, die als Ziel eine Verhinderung von Leid hat. Christen sollten es sich also gut überlegen, ob sie der Behauptung, alles sei verursacht, zustimmen können. Auch ist nicht plausibel, wieso Gott den ganzen Ablauf der Zeit und der Ereignisse kennen kann, ohne dass alle Ereignisse festgelegt sind.
    Daher nehmen christliche Theologen gemeinhin auch an, dass es einen freien Willen gibt. Obwohl diese Annahme höchst problematisch ist (siehe auch Die Illusion Willensfreiheit), gehe ich im weiteren davon aus, dass es einen freien Willen gibt. Gott gab uns den freien Willen, damit wir keine Marionetten sind. Das hat aber zur Folge, dass wir auch das Böse tun können. Darin steckt die Annahme, dass der freie Willen ein so hohes Gut ist, dass diese Gabe, die eben auch zum Leid führt, die Existenz von Leid rechtfertigt.

    Grob gesehen gibt es zwei Arten von Leid: Leid, das gerechtfertigt ist, weil es zu einem höheren Gut führt, und Leid, welches nicht gerechtfertigt ist, weil daraus kein höheres Gut folgt.

    Beispiel:

    Zum Zahnarzt zu gehen und sich einen vereiterten Zahn ziehen zu lassen, führt zu Leid - die Zahnentfernung verursacht nämlich Schmerzen. Aber, wenn man nicht zum Zahnarzt geht, dann kann der vereiterte Zahn zu sehr viel mehr Schmerzen führen, zu Folgekrankheiten und sogar zum Tod. Wir gehen daher zum Zahnarzt und erlauben ihm, uns Schmerzen zuzufügen. Wir tun es, weil dieses Leid, dass er verursacht, gerechtfertigt ist, es führt zu einem höherwertigen Gut, nämlich, keine weiteren Zahnschmerzen mehr, keine Folgeschmerzen, keine weiteren Krankheiten und kein vorzeitiger Tod.

    Genaugenommen beruht das Theodizeeproblem nicht auf der Existenz von jeder Art von Leid. Der Zahnarzt fügt uns auch Leid zu, trotzdem würden wir sie oder ihn deswegen nicht als einen schlechten Menschen betrachten, im Gegenteil, wir sind froh, dass es sie oder ihn überhaupt gibt. Wenn man also zeigen kann, dass jedes Leid gerechtfertigt ist (einem höheren Ziel dient oder zu einem höheren Gut führt), dann ist das Theodizeeproblem gelöst und die Existenz von Leid spricht nicht gegen Gott. Es ist also nur das ungerechtfertigte Leid, welches gegen Gott spricht. Halten wir also fest:

    Nicht die Existenz von Leid an sich spricht gegen Gott, sondern nur die Existenz von ungerechtfertigtem Leid.

    Die bisherigen Lösungen des Theodizeeproblems behaupten daher auch meistens, dass es kein ungerechtfertigtes Leid gibt. Eine mögliche Lösung wäre, dass eben der freie Willen ein so hohes Gut ist, dass er das vorhandene Leid rechtfertigt, oder aber, dass jedes existierende Leid später im Paradies ausgeglichen wird. Menschen sind ja durchaus bereit, etwa ein schmerzhaftes Training zu absolvieren, wenn sie damit die Chance erhöhen, ein begehrtes Ziel, etwa eine olympische Goldmedaille, zu erhalten. Leid wäre also durchaus erträglich, wenn wir wüssten, dass es uns nachher dafür umso besser geht.

    Um das Hoffen zu können, muss man natürlich voraussetzen, dass es ein Paradies gibt, und dass Gott gut ist. Ein moralisch schlechter Gott würde diese Hoffnung unrealistisch machen  [17].

    Was wäre, wenn das Theodizeeproblem lösbar wäre?

    Um also das Theodizeeproblem lösen zu können, muss der Theist, der uns eine Lösung bietet, zur folgenden Behauptung kommen:

    Es gibt kein ungerechtfertigtes Leid.

    Ich nenne dies die "Alles-wird-gut"-Hypothese. Sicher, es gibt Leid und Schlechtigkeit in dieser Welt, aber in der nächsten Welt wird alles besser, jedes Leid wird "irgendwie" ausgeglichen, so wie unser Leid beim Zahnarzt durch die spätere Leidfreiheit belohnt wird. Der Atheist hingegen muss behaupten:

    Es gibt ungerechtfertigtes Leid.

    Es wird von Theisten - zu Recht - darauf hingewiesen, dass wenn der Atheist mit dieser Behauptung scheitert, man annehmen kann, dass das Theodizeeproblem lösbar ist, und dass dies den Glauben an einen guten Gott rechtfertigt. Man müsste also, um das Theodizeeproblem gegen Gott anführen zu können, beweisen, dass es Leid gibt, das nicht ausgeglichen wird, das kein höheres Gut erzielt. Aber dieser Beweis ist, zugegeben, recht schwer, weil man immer behaupten kann, dass wir nur nichts von einem Ausgleich wissen. Aber unser Unwissen rechtfertigt nicht, zu behaupten, dass es ungerechtfertigtes Leid gibt.

    Nehmen wir also an, dass der Theist Recht hat. Alles Leid wird ausgeglichen, dass Theodizeeproblem ist lösbar, die Existenz eines guten Gottes ist eine logische Möglichkeit, und das Argument für die Nichtexistenz Gottes bricht in sich zusammen. Ist der Theist damit "aus dem Schneider"? Meine Behauptung: Nein, denn das ist zu kurz gedacht. Bis hierhin ist noch alles plausibel, aber wenn wir weiter denken, dann ergeben sich daraus neue, noch schwerere Probleme.

    Ich hatte oben bereits gesagt, dass eine Moral nur dann möglich ist, wenn unsere moralischen Entscheidungen dazu führen, Leid zu verhindern, zu vermindern oder zu lindern. Eine Entscheidung ist dann moralisch richtig, wenn sie zu einer besseren Welt führt, als wenn ich die Entscheidung anders fälle. Wenn der Theist allerdings Recht hat, dann ist das unmöglich.

    Warum? Nehmen wir ein Beispiel. Ich sehe einen Mann, der in einem See ertrinkt. Nun muss ich eine moralische Entscheidung treffen: Helfe ich ihm und rette ihn, oder lasse ich ihn ertrinken? In ersterem Fall würde ich sein Leid verhindern (und eventuell auch das seiner Familie), im zweiteren Fall würde ich das Leid vermehren. Also ist es richtig, dass ich ihm helfe. Aber Halt - wenn jedes Leid dazu dient, ein höheres Gut zu erreichen, dann verhindere ich, in dem ich ihm helfe, dass dieses höhere Gut erreicht wird. Vielleicht ist aber auch die Anspornung, dass ich ihm helfe, das höhere Gut? Dann erreiche ich das höhere Gut, in dem ich ihm helfe. Aber gleichgültig, was ich auch tue, in jedem Fall wird ein höheres Gut erreicht. Alles wird gut, auch dann, wenn ich nicht weiß, wieso und warum und wie. Aber das Leid, dass der Ertrinkende erfährt, ist ja in jedem Fall - so der Theist - gerechtfertigt.

    Und daraus folgt, dass es mir unmöglich ist, eine falsche Entscheidung zu treffen.

    Jede mögliche Entscheidung führt zur Erlangung eines höheren Guts. Also ist jede Entscheidung, gleich, wie sie ausfällt, moralisch richtig. Aber besteht die Möglichkeit einer Moral nicht gerade darin, dass ich eine Entscheidung treffen kann, die richtig oder falsch ist? Wie soll eine Moral überhaupt möglich sein, wenn ich niemals eine falsche Entscheidung treffen kann? Denn alles wird gut. Und wenn dem so ist - und das folgt aus der Behauptung des Theisten - gibt es keine Moral.

    Wenn aber keine Moral existiert, dann gibt es auch keinen guten Gott. Gott ist also nicht der Garant dafür, dass Moral möglich ist, er ist vielmehr ein Garant dafür, dass jede Moral unmöglich ist, weil ja keine meiner Entscheidungen zu einer schlechteren Welt führen kann - jedenfalls nicht, wenn man die diesseitige und die jenseitige Welt im Zusammenhang betrachtet.

    Schlussfolgerung

    Wenn also das Theodizeeproblem nicht lösbar ist, dann existiert der christliche Gott nicht. Wenn aber das Theodizeeproblem lösbar ist, dann ist eine Moral unmöglich, und es existiert kein guter Gott, der ein Garant für Moral ist. Gleichgültig also, welchen Fall man betrachtet, Moral ist entweder völlig unabhängig von Gott, was bedeutet, es gibt keinen Gott, der ein Garant unserer Moral ist, und aufgrund unserer unabhängigen Moralbetrachtung  [18] und der Unlösbarkeit des Theodizeeproblems kommen wir zu der Feststellung, dass es keinen guten Gott gibt. Oder aber, das Theodizeeproblem ist lösbar, dann gibt es keine Moral und folglich auch keinen guten Gott.

    Gleichgültig also, was man auch annimmt und ob man dem Theist zustimmt oder nicht, als Schluss bleibt nur übrig, dass es keinen moralisch guten Gott geben kann. Der christliche Gott existiert also nicht, er kann sogar unmöglich existieren.

    11. Kalamitäten mit Kalam

    Vorbemerkung

    Dies ist ein weiteres Argument für die Existenz Gottes, es gehört zu den "kosmologischen Gottesbeweisen". Vor allem im islamischen Raum ist es sehr weit verbreitet. Das Wort Kalam (→ http://de.wikipedia.org/wiki/Ilm_al-Kalam) bedeutet soviel wie arabische Philosophie oder Theologie. Das Argument selbst geht zurück auf Aristoteles, ist aber hier sehr viel weiter entwickelt worden. Es besteht aus mehreren Argumenten, die aufeinander aufbauen.

    Das Argument

    Zunächst die Darstellung des Arguments:

    Argument 1



    Dieses Argument habe ich bereits kurz behandelt unter: Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen.

    Argument 2

    Begründung für (P2):



    Wir kennen zwar aus der Mathematik unendliche Mengen (z. B. die Menge aller natürlichen Zahlen), aber dies ist nur eine theoretisch existierende Unendlichkeit. Praktisch aber, so wird in dem Argument behauptet, kann nichts existieren, was auch tatsächlich (oder eben aktuell) unendlich ist.

    Argument 3

    Warum kann eine aktuelle Unendlichkeit nicht existieren? Hier die Begründung:



    Argument 4



    Argument 5



    Argument 6



    Argument 7



    Argument 8



    Argument 9



    Argument 10



    Soweit die reine Darstellung des Arguments. Finden Sie es überzeugend? Was wären Ihre Einwände, basierend auf dem, was ich bislang dargestellt habe? Welche der Prämissen sind überzeugend, und welche nicht? Welche Alternativen sind denkbar? Gibt es logische Fehler in diesem Argument?

    Kritik des Arguments

    Positiv ist auch an diesem Argument hervorzuheben, dass die Existenz Gottes nicht einfach so behauptet wird, sondern dass dies durch rationale Argumente gestützt wird. Es wird eine Begründung geliefert, und wenn man bereit wäre, etwas ohne Begründung zu glauben, dann könnte man buchstäblich alles glauben, und das ist selbstwidersprüchlich - denn wenn man bereit wäre, alles zu glauben, dann auch von allem das Gegenteil, und das geht nicht.

    Fangen wir also zunächst mit den Prämissen an:

    (P1) Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache für seine Existenz.

    Diese Prämisse ist selbstwidersprüchlich, also falsch. Den Beweis dazu habe ich unter Existenz existiert - unverursacht bereits ausführlich gebracht. Zum einen wird der Begriff der Ursache missbräuchlich verwendet, aber selbst, wenn man die Definition ändert, wird es auch nicht besser, sondern die Schlussfolgerung muss lauten: Nicht alles kann eine Ursache haben. Das Argument kommt ja selbst zu dem Schluss, dass Gott keine Ursache haben kann, damit basiert das Argument auf einem Selbstwiderspruch.

    Aber selbst wenn wir nicht so streng sind: Normalerweise beobachten wir nicht, dass etwas zu existieren beginnt. Davon, dass im Universum alles eine Ursache zu scheinen hat (was von der modernen Physik bestritten wird), kann man nicht schließen, dass auch der Beginn von Existenz verursacht wird - das ist eine falsche Analogie. "Etwas beginnt zu existieren" ist nicht dasselbe wie "Etwas bereits Existierendes wirkt als Ursache auf etwas anderes, was auch bereits existiert". Ich finde es bemerkenswert, wie wenigen Menschen diese Unstimmigkeit auffällt.

    Man müsste (P1) umformulieren, um die falsche Analogie zu entfernen. Aber auch dann wird es nicht besser. Man kann beispielsweise sagen, dass alles, was zu existieren beginnt, einen Grund dafür hat. Aber dann muss man fragen, was der Grund für diese Existenz ist - entweder etwas, was bereits existiert (dann gelangt man in einen unendlichen Regress), oder aber etwas, was nicht existiert - dann muss man sagen, dass Existenz aus dem Nichts entsteht (siehe auch: Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?).

    Wenn aber (P1) falsch ist, bricht das gesamte Argument wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Aber das ist nicht die einzige Unstimmigkeit.

    Das alles eine Ursache hat, ist ein Vorurteil, welches aus alltäglicher Erfahrung gewonnen wurde - die Basis dieses Vorurteils ist, dass wir stets nach einer Ursache suchen (was evolutionäre Gründe hat), und dass wir uns auch stets eine ausdenken können. Es bedeutet aber nicht, dass auch für alles tatsächlich eine Ursache existiert - moderne Physiker bestreiten die Existenz von Ursachen für eine Reihe von Ereignissen. (P1) wurde also aus einer relativ oberflächlichen Beobachtung der Welt gewonnen, die Art von Beobachtung, mit der wir auch darauf schließen können, dass die Erde eine Scheibe ist oder die Sonne um die Erde kreist. Außerdem habe ich an anderer Stelle bereits bemerkt, dass die Existenz eines unverursachten freien Willens - eine der Annahmen, die von einigen christlichen Theologen gemacht werden, um das Theodizeeproblem lösen zu können - ebenfalls (P1) widerspricht.

    (P2) Das Universum begann zu existieren.

    Dies wird zwar angenommen (Urknalltheorie), ist aber nicht logisch zwingend - siehe die Kritik der folgenden Argumente. Aber selbst wenn man (P2) zustimmt, rettet dies nicht das Argument, vielmehr kann man, wie ich es getan habe, sogar argumentieren, dass Existenz in jedem Fall unverursacht sein muss, gleichgültig, ob es nun ewig existiert oder nicht. Auch wenn das Universum mit einem Urknall begann, so bedeutet dies nicht, dass vor diesem Beginn nicht bereits etwas anderes existierte, was den Urknall verursacht hat. Keine der bisherigen kosmologischen Theorien widerspricht dieser Möglichkeit. Dass also Existenz erst mit dem Universum begann, ist eine unbegründete Annahme - zudem eine, die nur gemacht wurde, damit man einen Gott in das Argument schmuggeln kann.

    In keinem Fall ist die Schlussfolgerung (S1) gerechtfertigt. Dazu reicht es schon aus, zu zeigen, dass (P1) falsch ist, und das habe ich bewiesen (siehe Existenz existiert - unverursacht).

    (P3) Etwas kann nicht aktuell unendlich sein.

    Diese Prämisse ist umstritten. Würde man ihr zustimmen, dann könnte Gott nicht unendlich sein. Aber genau dafür wird später argumentiert, ein weiterer Widerspruch in den Argumenten. Auch hier haben wir - wie im ersten Argument - den Denkfehler einer "Berufung auf einen Spezialfall". Jede Existenz soll verursacht sein - dann führt dies zu einem unendlichen Regress an Ursachen, wobei die gesamte Kette aber nicht verursacht sein kann. Also wird Gott eingeführt, ein "Spezialfall" von Existenz, für den die Argumente entweder gelten - dann haben wir einen Widerspruch - oder aber nicht gelten, dann wird damit etwas eingeführt, für das die Logik nicht gelten soll, aber das kann man wiederum nicht logisch ableiten, was den Beweis insgesamt wertlos macht. Dasselbe bei der Unendlichkeit: Es soll keinen unendlichen Regress von Existenzen geben, aber Gott wäre selbst eine "spezielle Form" der Existenz, für die da snicht gelten soll. Warum das Universum nicht selbst so ein spezieller Fall sein soll, ist unerfindlich.

    (P4) ist als Prämisse korrekt, aber das rettet das Argument nicht, vor allem nicht, was Gottes angebliche Unendlichkeit anbetrifft.

    (P5) Eine Menge, die durch sukzessives Hinzufügen von Elementen entsteht, kann nicht aktuell unendlich sein.

    Auch hier muss man sich fragen: Warum kann das nicht der Fall sein? Die Frage, ob etwas aktuell unendlich ist, kann man letztlich kaum beantworten, weil man dazu alle Elemente der Menge absuchen müsste, und das kann man nicht. Nicht, weil es prinzipiell unmöglich wäre, wie behauptet wird, sondern weil wir nicht genügend Zeit dafür haben. Daher kann man nicht unbedingt behaupten, dass (P5) korrekt ist, aber man kann auch nicht sagen, dass es falsch ist, es handelt sich um eine metaphysische Annahme, die sich weder bestätigen noch widerlegen lässt. In der analytischen Philosophie und in der Wissenschaft bezeichnet man solche Annahmen als sinnfrei, und darauf kann man kein Argument stützen.

    (P6) wiederum ist wahr, aber das rechtfertigt den Schluss nicht, der ebenso unbestimmt ist wie (P5).

    (P7) Die Ursache des Universums muss unabhängig von dem sein, was es verursacht hat (also unabhängig von Zeit, Energie und Materie).

    In diesem Fall kann man nicht von Verursachung reden. Ursachen beruhen auf Zeit, Energie und Materie. Nennt man es nicht "Verursachung", sondern "Hervorbringung von Existenz", so könnte man (P7) gelten lassen. Aber dann müsste man den Nachsatz korrigieren und sagen:

    P7') Wenn die Existenz A die Existenz von B hervorbringt, dann kann A nicht von der Existenz von B abhängig sein. Aber diese Prämisse hilft dem Argument nicht weiter, weil damit über die Art der Existenz von A nichts ausgesagt werden kann. A kann in Raum und Zeit existieren oder nicht. Und damit kann man auch zur Schlussfolgerung nur sagen: Was immer das Universum hervorgebracht hat, kann zeitlos sein (dann wäre das Universum aber unverursacht) oder nicht. Was davon zutrifft kann man nicht sagen.

    (P9) Ein Ereignis oder ein Wesen kann nur dann eine Ursache haben, wenn es einen Anfang hat.

    Hier ist wieder die Verwechlsung von Ursache und Hervorbringung. Ein "zeitloses Etwas" kann nicht die Ursache für etwas sein - siehe auch Nichts geschieht ohne Ursache. Wenn Etwas zeitlos ist, kann es keine Ursache sein, weil der Begriff der Ursache das Vergehen von Zeit voraussetzt, und dies ist nicht gegeben. Man kann umgekehrt sagen, dass nur das verursacht seinen kann, was einen Anfang hat, aber die Ursache muss zeitlich vor (oder wenigstens gleichzeitig) mit der Wirkung liegen, bei einem zeitlosen Anfang aber gibt es kein "davor". Und dass irgendetwas zeitlos und damit unverursacht sein muss, ist eine zwingende logische Folgerung - entweder das Universum oder Gott. Wenn man annimmt, dass Gott unverursacht entstanden ist, kann man schlecht bestreiten, dass dies auch für das Universum möglich ist. Man kann aber (P9) durchaus für gegeben halten - wenn etwas verursacht wurde, muss es einen Anfang haben. Es kann aber eben auch unverursacht entstanden sein, d. h., es kann einen Anfang haben, aber keine Ursache.

    Auch (P10) kann man annehmen, womit sich der Schluss (S5) ergibt. Aber das schließt nicht aus, dass unser Universum durch ein Vorläuferuniversum oder ähnliches hervorgebracht wurde, womit sich aus diesem Argument nichts ergibt, was für Gott als Schöpfer spricht und nichts dagegen. Man kann nur sagen, dass dieses Argument im Widerspruch zu (P1) steht und letztlich besagt, dass etwas ohne Ursache entstanden sein muss (das Universum, oder das, was letztlich das Universum hervorgebracht hat, oder Gott). Dieser Widerspruch macht aber das ganze Argument ungültig, aus Widersprüchlichem folgt Beliebiges - oder, anders gesagt, aus Falschem folgt Beliebiges.

    (P11) Alles, was zeitlos existiert muss ewig existieren.

    Das ist eine seltsame Auffassung von "ewig" - wir verstehen darunter meist "von unendlicher Dauer". Zeitlos ist das genaue Gegenteil davon: von begrenzter Dauer, in diesem Fall einer "Dauer" von 0. Aber es ist jedem unbenommen, den Begriff "ewig" anders zu definieren.

    (P12) Kein natürlicher Prozess kann zeitlos existieren (folgt aus (S3) und (S4)).

    Das wiederum ist richtig - auch Prozesse setzen Zeit voraus. Daher ist der Schluss (S6) Das Universum kann keine natürliche Ursache haben durchaus möglich, man muss ihn aber erweiteren zu: Das Universum kann keine Ursache haben, weder eine natürliche noch eine übernatürliche. Und, aufgrund der vorherigen Argumentation: Dies gilt entweder für das Universum, oder für das, was das Universum hervorgebracht hat, oder für das, was das, was das Universum hervorgebracht hat, hervorgebracht hat usw. usf. In dem in dem Argument verschwiegen wird, das es weder eine natürliche noch eine übernatürliche Ursache haben kann, wird ein kleiner Trick versucht: Wenn es keine natürliche Ursache hat, dann muss es eine übernatürliche Ursache haben. Das ist ein non seqitur, es folgt nicht, weil es auch sein kann, dass es überhaupt keine Ursache hatte. Hier führt uns das Argument in die Irre, in dem eine Möglichkeit "unterschlagen" wird. Und man muss diese Möglichkeit berücksichtigen, weil ja irgendetwas ohne Ursache entstanden sein muss. (S6) müsste also lauten: Entweder, das Universum hatte eine natürliche oder übernatürliche Ursache, oder es ist unverursacht entstanden.

    Außerdem, es gibt keine Beobachtung, kein empirisches Faktum, welches der These widerspricht, dass das Universum eine vollkommen natürliche Entstehungsgeschichte haben kann. Im Gegenteil, alle kosmologischen Theorien deuten an, dass das Universum in einem komplett natürlichen Prozess entstanden ist.

    Damit ist auch das Folgeargument falsch: P(13) mag man als gegeben annehmen, aber (P14) Das Universum kann keine natürliche Ursache haben (siehe (S6)) ist möglicherweise falsch, also folgt auch nicht, dass ein willentlicher Agent das Universum hervorgebracht hat, das ist nur eine unter mehreren Möglichkeiten. Die Möglichkeit eines unverursachten Universums bleibt bestehen, damit verliert das Argument jegliche Beweiskraft (und letztlich bleibt bei dem Argument nur übrig: Entweder, Gott existiert, oder er existiert nicht - mehr etabliert das Argument nicht).

    Aber: (P13) Eine Wirkung muss entweder durch einen natürlichen Prozess oder einen willentlichen Agenten verursacht werden ist unvollständig, weil man auch einen übernatürlichen Prozess annehmen kann, der nicht willentlich ist.

    (P15) Alles, was weder auf Zeit, Energie noch Materie basiert, ist immateriell.

    "Immateriell" kann man auf zweierlei Arten interpretieren: Als etwas, was nicht auf Materie basiert, oder etwas, was inexistent ist. Information beispielsweise gitl als immateriell, aber Information basiert unserer Erfahrung nach stets auf Materie/Energie (im weiteren schreibe ich nur noch "Materie", weil Energie und Materie äquivalent sind, eines kann in das andere umgewandelt werden, es handelt sich also nur um zwei Seiten einer Medaille). Ohne Materie gibt es nichts, was Träger der Information sein kann. Anders gesagt: Immaterielle Existenz setzt materielle Existenz voraus. Entfernt man die Materie, entfernt man die Information und gelangt so zu dem, was inexistent ist.

    Die Schlussfolgerung (S8) Daher: Das Universum hat eine immaterielle Ursache muss man ergänzen mit: oder es existiert keine Ursache (die Ursache ist inexistent). Damit ist der Beweis allerdings insgesamt gescheitert, weil er lediglich wiederum besagt, dass Gott das Universum geschaffen hat oder nicht - keine überraschende Neuigkeit ...

    (S9) Daher: Die Ursache des Universums ist Gott ist damit kein zwingender Schluss mehr, weil in den Prämissen eine wichtige Möglichkeit fehlt.

    (P19) Wenn das Universum zu existieren begann (P2), und die Ursache des Universums Gott ist, dann muss Gott existieren.

    Das ist richtig. Aber:

    (P20) Das Universum begann zu existieren und kann nur Gott als Ursache haben

    ist falsch, weil das Universum auch keine Ursache haben kann, oder durch einen natürlichen Prozess entstand, der keine Ursache hatte.

    Damit aber muss die letzte Schlussfolgerung lauten:

    (S10) Daher: Gott existiert, oder das Universum hat keine Ursache, oder es entstand durch einen Prozess. der letztlich keine Ursache hatte.

    Das Argument scheitert also daran, dass es in sich widersprüchlich ist und einige Möglichkeiten nicht berücksichtigt, die sich aus dem Argument selbst ergeben. Auch mit diesem Argument bleibt es also eine Glaubenssache, ob man einen Gott einschiebt oder dies nicht tut. Haupteinwand bleibt aber, dass Existenz so oder so unverursacht sein muss, man also mit weniger Annahmen auskommt, wenn man annimmt, dass es keinen Gott gibt.

    Ferner gelten die üblichen Einwände: Es könnten auch mehrere Götter sein, oder eine Mixtur aus einem oder mehreren Göttern plus natürlichen Prozessen. Dass es nur einen Gott gibt, kann sich aus dem Argument auch dann nicht ergeben, wenn man alle Prämissen als gegeben annimmt und die Widersprüche ignoriert. Es ist nämlich nicht nur falsch, zu sagen "Alles hat eine Ursache", es ist auch noch falsch, zu behaupten, "Alles hat eine Ursache". Im Regelfall haben wir es fast immer mit Bündeln von verschiedenen Ursachen zu tun, und zwar wirken umso mehr Ursachen zusammen, je komplexer das Gebilde ist, mit dem wir uns befassen. Einzelne Ursachen treten praktisch nur in subatomaren Bereichen auf. Man müsste also das Argument eigentlich so formulieren:



    Oder man könnte sogar sagen: Je komplexer etwas ist, umso mehr Ursachen müsste es auch haben. Dagegen kann man nur noch einwenden, dass ja nicht alles eine Ursache haben kann - aber damit ist das ursprüngliche Argument widerlegt.

    Weiterhin, selbst wenn man eine übernatürliche Ursache annimmt, so muss diese nicht unbedingt willentlich sein. Die Annahme der Zeitlosigkeit widerspricht zudem der Behauptung, dass das Universum durch einen willentlichen Agenten geschaffen wurde, weil die Ausübung eines Willens wiederum Zeit voraussetzt. Siehe auch: Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit - wenn es keine Zeit gab, dann hatte Gott keine Zeit dazu, sich zu entscheiden, die Zeit zu erschaffen. Zeit kann nicht durch einen willentlichen Agenten erschaffen worden sein.

    Weiterführende Links zum Thema

    Existenz existiert - unverursacht Beweis der Behauptung, dass Existenz letztlich unverursacht sein muss.

    Kann Etwas aus dem Nichts entstehen? Behandelt die Frage, ob etwas aus dem Nichts (d. h. auch: ohne Ursache) entstehen kann.

    Nichts geschieht ohne Ursache Warum Dinge sehr wohl ohne Ursache geschehen können.

    Gott als die Ursache des Universums Warum Gott nicht der Schöpfer des Universums sein kann.

    Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit Wenn Gott zeitlos ist, dann hatte er keine Zeit, um zu entscheiden, die Zeit zu erschaffen.

    Dr. Craig's Unsupported Premise (→ http://www.strongatheism.net/library/counter_apologetics/craigs_unsupported_premise/) Sehr fundierte Auseinandersetzung mit den Basis-Prämissen des Arguments.

    Siehe auch meine Liste mit interessanten Links.

    Interessante Literatur zum Thema

    Angeles, Peter Adam: 1981, The Problem of God: A Short Introduction, Prometheus Books, New York. Philosophische Einführung in die Gottesbeweise samt ihrer gründlichen Widerlegung.

    Bühler, Axel: 2000, Einführung in die Logik. Argumentation und Folgerung., Alber, Freiburg.

    Craig, William Lane: 2000, The Kalam Cosmological Argument, Wipf & Stock Publishers , Eugene. Darstellung des Kalam kosmologischen Arguments für die Existenz Gottes.

    Everitt, Nicholas: 2004, The Non-Existence of God, Routledge, New York. Exzellente, fundierte, informative und sehr sachliche philosophische Einführung in die Frage, warum man Gott für nicht existent halten sollte.

    Hoerster, Norbert: 2005, Die Frage nach Gott, C. H. Beck, München. Kleine, aber feine Einführung in die Frage nach der Existenz Gottes.

    Hume, David: 1981, Dialoge über natürliche Religion, Reclam, Ditzingen. Religionskritisches Meisterwerk eines genialen Philosophen in Form eines Dialogs.

    Küng, Hans: 2001, Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, Piper, München. Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes aus theologischer Sicht, fundiert, aber langatmig und wenig befriedigend

    Mackie, John L.: 1985, Das Wunder des Theismus, Reclam, Ditzingen. Eine der besten deutschsprachigen Einführungen in den Atheismus.

    Martin, Michael: 1990, Atheism: A Philosophical Justification, Temple University Press, Philadelphia. Das grundlegende Werk zur Einführung in den Atheismus, sehr anspruchsvoll.

    Mills, David: 2004, Atheist Universe, Xlibris Corporation , Philadelphia. Interessante und gründliche Einführung in den Atheismus.

    Smith, George H.: 1979, Atheism : The Case Against God, Prometheus Books, New York. Gründliche und systematische Einführung in den Atheismus.

    Das ist nur ein Ausschnitt aus meinem Literaturverzeichnis. Dort finden Sie noch weitere Literatur zum Thema.



    Anmerkungen:
    1.  Die Verweise auf die Bibel verweisen auf die Elberfelder Bibel (→ http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3417254701/psycholreligi-21), die nicht die "offizielle" Bibel der Katholiken ist. Von der katholischen Version der Bibel gibt es m. W. keine Online-Version, mit der man so schön anklickbare Zitate auf seine Website einbauen kann. Es gibt zwischen allen diesen verschiedenen Versionen teils subtile, teils weniger subtile Differenzen, die häufig zu einem breiten Interpretationsspektrum führen. Manchmal führen auch Nuancen in der Ausdrucksweise zu erheblichen Unterschieden im Ausdruck. Ich selbst würde vermuten, dass ein Gott zur Offenbarung nicht eine menschliche Sprache sondern eher die Sprache der Mathematik wählen würde, um diese Diskrepanzen nicht so ausufern zu lassen, wie das bei den verschiedenen Bibelversionen der Fall ist. Wobei auch die Mathematik mehrdeutig sein kann, aber nicht so extrem.
    2.  Eine öfters genutztes Argument besteht darin, dass ein Atheist nicht einfach behaupten kann, es gäbe keinen Gott, weil er dazu das gesamte Universum und alle übernatürlichen (unzugänglichen) Welten durchsucht haben müsste, um diese Behauptung aufzustellen. Abgesehen davon, dass kaum ein Atheist behauptet, es gäbe keinen Gott (sondern nur, dass es nicht sinnvoll ist, an ihn zu glauben), so kann man, wenn das Argument korrekt ist (und das ist es in meinen Augen) nun auch nicht mehr behaupten, es gäbe nur einen einzigen Gott mit bestimmten Eigenschaften. Es könnte Milliarden von Göttern geben, ohne dass wir es bemerken. Wenn die Behauptung, dass der positive Atheismus falsch ist, richtig ist, dann ist auch der Monotheismus falsch.
    3.  Beispiel: Beim Exodus aus Ägypten (ca. 1200 vor Christus) werden Ortschaften genannt, die frühestens seit dem 6. Jahrhundert vor Christus existieren. Mose konnte von diesen Ortschaften nichts gewusst haben, ebenso hätte jeder seiner Zeitgenossen sich gefragt, wovon Mose da überhaupt spricht. Weitere Fehler und Ungenauigkeiten siehe auch Biblical Errancy (→ http://members.aol.com/ckbloomfld/) von Dennis McKinsey (McKinsey 1995 oder The Skeptic's Annotated Bible (→ http://skepticsannotatedbible.com/).
    4.  A wird verursacht von B, B wird verursacht von C usw. usf., bis in alle Ewigkeit.
    5.  Martin 1990 unterscheidet zwischen negativem Atheismus, wie ich ihn definiert habe, als Fehlen eines Glaubens an Gott und positivem Atheismus, der begründeten Annahme, dass es keinen Gott gibt. In seinem Buch argumentiert Michael Martin übrigens für einen positiven Atheismus. Ein negativer Atheismus ist bereits gerechtfertigt, wenn man alle Gottesbeweise widerlegt hat - was bedeutet, dass es keine rationalen Gründe gibt, an Gott zu glauben - und wenn man den Glauben selbst als nicht gerechtfertigt ansieht.
    6.  Einige Theisten behaupten sogar, Gott sei eben sehr, sehr einfach - mehr wie eine fundamentale Kraft. Zum einen ist das wieder eine unbegründete Behauptung, zum anderen würde sich "Einfachheit" und "Bewusstsein" gegenseitig ausschließen. Auch hier wird wieder versucht, beides zu haben, auch wenn es unvereinbar ist. Und zwar in dem man es einfach so behauptet. Hier erfolgt wiederum der schon erwähnte Rückzug auf den "unerforschbaren Gott", ein Manöver von Beliebigkeit (Gott ist immer gerade so, wie man ihn braucht).
    7.  Große Teile dieses Textes sind von folgenden Websites inspiriert: Theistic Anthropic Principle Refuted (→ http://www.positiveatheism.org/faq/anthropic.htm) von Victor Gijsbers und The Anthropic Principle Does Not Support Supernaturalism (→ http://quasar.as.utexas.edu/anthropic.html) von Ikeda & Jefferys.
    8.  Das bezeichnet man als Bayes Theorem - ein alter Bekannter, wenn man meine Begründung des Atheismus gelesen hat.
    9.  Diese Schlussfolgerung wird oft durch den Hinweis bestritten, dass in der Quantenmechanik Materie und Energie aus dem Nichts entsteht - das ist keine bloße Theorie, sondern beruht auf dem messbaren Casimir-Effekt. Allerdings gilt hierbei, dass die Quantenmechanik die Existenz von Materie voraussetzt, ohne Materie kann also auch nichts aus dem Nichts entstehen. Könnte man nachweisen, dass der Effekt auch ohne jede Materie vorhanden ist, dann hätte man ein empirisches Gegenargument gegen die Schlussfolgerung, aber ein solcher Nachweis ist nicht möglich.
    10.  Ein weiterer Einwand ist der: Wenn die Naturgesetze existieren, dann (und nur dann) kann nicht Etwas aus dem Nichts entstehen. Aber, wenn nichts existiert, dann gelten die Naturgesetze nicht, die verbieten, dass Etwas aus dem Nichts entsteht. Folglich ist es logisch möglich. Dasselbe Ergebnis, wenn man die Kausalität einbezieht. Kausalität gibt es nur, wenn Zeit vergeht und die Naturgesetze gelten. Dann kann ein Ereignis sich nicht selbst verursachen. Nun sind aber Zeit und Kausalität erst mit dem Universum entstanden, folglich ist es möglich, dass ein Ereignis - die Entstehung des Universums - sich selbst verursacht.
    11.  zumindest die, die ich Ihnen genannt habe, es gibt noch mehr, die aber bislang auch alle widerlegt wurde, sogar viele Theologen sind bereit, zuzugeben, dass die Gottesbeweise bislang gescheitert sind.
    12.  Erinnern Sie sich an den Ausspruch von Phillip K. Dick: Realität ist das, was übrig bleibt, wenn man aufhört, daran zu glauben. Demnach kann man sich nicht auf den Glauben berufen, wenn man behauptet, etwas sei real existierend!
    13.  Die moderne Physik geht davon aus, dass die Zeit erst mit der Existenz des Universums begonnen hat.
    14.  Tatsächlich ist, wenn man annimt, dass Gott der Schöpfer des Universums sein soll, keine einzige dieser vier Bedingungen erfüllt ist, was bedeutet, dass es keinen Sinn ergibt, wenn man behauptet, Gott sei die Ursache für die Existenz des Universums. Damit ist natürlich auch der bekannte Beweis der ersten Ursache widerlegt - siehe auch Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen
    15.  A wird verursacht von B, B wird verursacht von C usw. usf., bis in alle Ewigkeit.
    16.  Es ist übrigens ein gutes Mittel, wenn man die Logik eines Arguments überprüfen will, den Inhalt des Arguments auszuwechseln und zu sehen, ob das Argument dann immer noch einleuchtet. Gute Argumente sind für Änderungen des Inhalts "unanfällig".
    17.  Das Argument ist natürlich zirkulär: Vorausgesetzt wird, dass ein guter Gott existiert, weswegen wir auf das Paradies hoffen können. Die Existenz des Paradieses zeigt, dass ein guter Gott möglich ist. Aber ich will an dieser Stelle alle Einwände gegen diese Lösungen beiseite schieben und einfach annehmen, dass eine Lösung möglich ist.
    18.  Dass unsere Moral von Gott unabhängig sein muss, habe ich hier gezeigt: Euthyphrons Dilemma I