Psychologie, Religion & Glauben

Inhaltsverzeichnis
  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Die Ziele dieser Website
  3. Toleranz im Christentum
  4. Der Islam: ein nicht aufgeklärter Fundamentalismus
  5. Das Problem der Begründung des Glaubens
  6. Kann man mit Logik alles begründen?
  7. Was heißt hier kritisch?
  8. Warum uns Gott nicht hilft
  9. Wie man Ideen und Vorstellungen auf andere Menschen überträgt
  10. Wo bleibt das Gefühl?
  11. Glaube und Indoktrination: zwei Seiten einer Medaille
  12. Der "Abstieg" von der Sicherheit des Glaubens zur Unsicherheit des Wissens
  13. Kritik und Selbstkritik
  14. Intoleranz und Stagnation
  15. Denkfallen - was tun im Falle einer Falle?
  16. Denkfallen - die Pascalsche Wette
  17. Nur Atheisten kommen in den Himmel
  18. Subjektivismus als Ausweg?
  19. Wahrscheinlichkeit und große, schwarze Räume
  20. Naturalismus versus Supernaturalismus
  21. Naturalismus versus Supernaturalismus II
  22. Können Theologen die Welt erklären?
  23. Wunder und Supernaturalismus I
  24. Wunder und Supernaturalismus II
  25. Der Irrtum von der Irrtumsfreiheit
  26. Das Theodizeeproblem
  27. Die Rechtfertigung Gottes
  28. Ein grundlegendes Glaubensproblem
  29. Der unbekannte Gott
  30. Kommunikationsstörung mit Gott
  31. Jenseits der Grenzen
  32. Schlussbemerkung zum Teil I

Vorbemerkung

Über allem steht für mich ein Zitat des Philosophen Bertrand Russel:
'Eine gute Welt braucht Wissen, Güte und Mut; sie braucht keine schmerzliche Sehnsucht nach der Vergangenheit, keine Fesselung der freien Intelligenz durch Worte, die vor langer Zeit von unwissenden Männern gesprochen wurden.'

NEU! NEU! NEU! Neues Forum!: Mein eigenes Forum war bislang schlecht besucht, aus einem guten Grund - es ist Schrott. Aber dankenswerterweise habe ich nun ein neues Forum, in dem ich gerne alle Fragen mit Ihnen diskutiere: Atheisten.org (→ http://www.atheisten.org/phpBB2/portal.php). Sie können sich dort kostenlos anmelden. Interessante Fragen aus dem alten Forum (und aus einigen Mails) werde ich nach und nach dorthin transferieren.

NEU! Schluss mit Lustig: Auf der neuen Website www.hahne-buechen.de (→ http://www.hahne-buechen.de/) finden Sie eine Kritik an Peter Hahnes Buch "Schluss mit Lustig" - ein Beitrag zur Wertediskussion.

NEU! Glaubenszweifel - die Website für den Zweifel: Unter http://www.glaubenszweifel.de (→ http://www.glaubenszweifel.de) finden Sie eine neue Website, die sich mit Zweifel am Glauben und Unglauben beschäftigt.

NEU! Eine Herausforderung für atheistische Ansichten Von einer amerikanischen Website (Questions and challenges for atheists (→ http://www.challenging-atheism.com/challenges.html)) habe ich ein paar Fragen, die von Theisten an Atheisten gestellt werden. Hier sind meine Antworten: Fragen an Atheisten.

Weitere neuere Artikel: Neuigkeiten

Umfrage zu Gott: Ich habe eine kleine Umfrage zur Existenz des christlichen Gottes gemacht, es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie daran teilnehmen. Ich möchte gerne wissen, wie meine Besucher darüber denken. Selbstverständlich ist die Umfrage vollständig anonym.

Umfrage zur Existenz Gottes

Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Natürlich können Sie sich die Umfrageergebnisse auch ansehen, ohne daran teilzunehmen.

Umfrage zur Website: Und weil ich gerade dabei bin, hier noch eine Umfrage zur inhaltlichen Qualität dieser Website:

Umfrage zur Website


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Diskussionsbedarf: Wer gerne ausgiebig mit mir öffentlich diskutieren möchte, der findet mich auf Atheisten.org (→ http://atheisten.org/phpBB2/viewforum.php?f=16) unter dem Namen Volker.

Mykath.de: Außerdem finden Sie mich auch auf mykath.de (→ http://www.mykath.de/) unter dem Namen Volker.

Ferner diskutiere ich auch im Freigeisterhaus (→ http://freigeisterhaus.de/) des IBKA (→ http://www.ibka.org/) (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten) öfters mit, ebenfalls unter dem Namen Volker.

 Diskussions-Forum:   Neuen Beitrag schreiben - Vorhandene Beiträge ansehen
Dieses alte Forum bitte nicht mehr benutzen, es wird demnächst abgeschaltet!

Das alte Forum war technisch so schlecht, dass viele Leser es mit Recht kritisiert haben, daher bin ich in ein technisch besseres Forum umgezogen (Atheisten.org (→ http://atheisten.org/phpBB2/viewforum.php?f=16)). Sie müssen sich dort anmelden, aber das alles ist kostenlos! Vielen Dank, Andy! Falls Sie über einige der hier angesprochenen Themen eine Diskussion wünschen, so ist das Forum der geeignete Ort dazu.
Neue Version: Unter Illusion der Willensfreiheit finden Sie eine überarbeitete Fassung des Textes von Harry Krämer zu dem spannenden Thema Willensfreiheit.

Neuer Service: An dieser Stelle finden Sie aktuelle Nachrichten aus der Politik sowie aus Wissenschaft und Forschung.

Neues Design: Das neue Design von Atheismus-Online (→ http://www.atheismus-online.de) stammt wieder von TIFA29, http://www.tifa29.de (→ http://www.tifa29.de), ebenso das Design von http://www.atheismus-info.de (→ http://www.atheismus-info.de). Ich hoffe, es gefällt Ihnen auch gut wie mir ...

Murks! Ich sehe gerade, dass alle meine Links auf Bibeltexte kaputt sind - der Server bible.gospelcom.net hat ohne Vorwarnung seine Formate geändert, vor allem bietet er keine revidierte Elberfelder Ausgabe mehr an. Inzwischen habe ich die Links durch einen Verweis auf einen anderen Bibelserver ersetzt (http://www.mf.no/ (→ http://www.mf.no/)), ich kann aber noch nicht garantieren, dass alle Links wieder funktionieren, die meisten gehen aber.

NEU! Neue Website: Unter http://www.atheismus-info.de (→ http://www.atheismus-info.de) finden Sie eine neue Website, die sich mit dem Atheismus beschäftigt. Ich bin dafür kritisiert worden, dass meine Texte zu kompliziert zu lesen sind, mit allen den Syllogismen über Gott und die Religion. Daher habe ich mich entschlossen, eine Website zu gestalten, auf der einfacher argumentiert wird. Außerdem soll auf dieser Website gezeigt werden, wie man als Atheist argumentieren kann, ferner werde ich dort im nächsten Jahr einige neue Ideen realisieren, die mir schon lange im Kopf herumgeistern. Lesen Sie den ersten (leider etwas längeren Artikel): Einführung in den Atheismus - Diskussionen über den Atheismus (→ http://www.atheismus-info.de) und sehen Sie selbst ...

NEU! Kleiner Hinweis: Neuerdings finden Sie vor einigen Links das Zeichen →, dies bedeutet, der Link führt Sie auf eine externe Website. Links, vor denen dieses Zeichen nicht steht, führen hingegen zu Artikeln auf dieser Website.

Ferner habe ich die Druckseiten verbessert, da man auf ihnen (sofern man sie ausgedruckt hat) nicht auf Links klicken kann, steht die Linkadresse hinter dem Text, zusammen mit dem Verweispfeil.

NEU! NEU! NEU! Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum nicht - wie früher - ständig neue Artikel auf dieser Website veröffentlich werden. Der Grund dafür ist einfach: Ich schreibe an einem Buch über Religion. Es entsteht also momentan das Buch zur Website. Ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen, weil viele Leser danach gefragt haben. Den Titel des Werks möchte ich noch nicht verraten.

Das Projekt wird mich noch eine Weile beschäftigt halten, so etwas schreibt man nicht so nebenbei. In dem Buch werden Sie vieles finden, was Sie hier noch vermissen - einen roten Faden, eine systematische Übersicht, eine klare Struktur und eine genaue Erläuterung aller notwendigen Grundlagen. Ferner sind Themen, die ich hier nur angerissen habe oder die ganz fehlen, ein wichtiger Bestandteil des Werkes. Gerne nehme ich auch noch Anregungen von Ihnen auf, lieber Leser, sofern sie in das Konzept des Buches passen. Außerdem ist das Ganze einfacher geschrieben und daher leichter verständlich, ohne oberflächlich zu sein.

Ob, wann und wie das Buch veröffentlich wird, kann ich noch nicht sagen, weil ich noch keinen Verleger habe. Falls Sie zufällig Verleger sind und an dem Thema Religion interessiert sind, kann ich Ihnen gerne eine Vorabversion meines Manuskriptes zuschicken.

Was das Buch so interessant macht: Es füllt eine Lücke. Ein Buch über Religion, Glauben und Atheismus dieser Art gibt es m. W. noch nicht in der deutschen Literatur. Viel ist über den Glauben geschrieben worden, doch der Glauben aus der Sicht eines früher gläubigen Menschen und jetzigen Atheisten ist so noch nicht geschildert worden. Dabei nimmt der Atheismus - spätestens seit der Aufnahme der fünf neuen Bundesländer - stetig an Bedeutung zu. Dies ist das Buch, das mir stets gefehlt hat, und fast bedaure ich es, es selbst schreiben zu müssen und nicht einfach lesen zu können.

Warum veröffentliche ich das Buch nicht einfach auf meiner Website? Das hat nur einen Grund: Viele Menschen - zu denen auch ich gehöre - mögen lieber ein Buch lesen als lange Texte auf dem Computer, ein Buch ist einfach praktischer, man kann es überall lesen, in der Badewanne, auf der Toilette oder im Bett. Sollte ich keinen Verleger finden, dann werde ich das Buch aber hier veröffentlichen zum kostenlosen Download. Nur, wenn ich das von vornherein mache, werde ich keinen Verleger finden ...

Site-Download Download der Texte: Es ist möglich, alle Texte dieser Website in einem ZIP-Archiv herunterzuladen. Klicken Sie dazu auf diesen Download-Link. Entpacken Sie das Archiv mit allen Ordnern in ein Verzeichnis und klicken Sie auf die Datei index.html - dann können Sie in aller Ruhe die Texte lesen! Das Archiv wird bei jedem Update (zuletzt am 2005-10-04) der Seite automatisch aktualisiert.
Anmerkung: Die Zahlen verweisen auf die Hauptkapitel, die Buchstaben auf Nebenthemen, die man nicht unbedingt gelesen haben muss. Ein Verzeichnis der verwendeten Literatur finden Sie im Literaturverzeichnis.

Teil I: Eine Reise zu den Grenzen der Vernunft

  1. Die Ziele dieser Website
  2. Toleranz im Christentum
  3. Der Islam: ein nicht aufgeklärter Fundamentalismus
  4. Das Problem der Begründung des Glaubens
    1. Kann man mit Logik alles begründen?
    2. Was heißt hier kritisch
    3. Warum uns Gott nicht hilft
    4. Wie man Ideen und Vorstellungen auf andere Menschen überträgt
    5. Wo bleibt das Gefühl?
  5. Glaube und Indoktrination: zwei Seiten einer Medaille
  6. Von der naiven Anschauung und der anschaulichen Naivität zur Erkenntnis: der Abstieg von der Sicherheit zur Unsicherheit
  7. Kritik und Selbstkritik
  8. Intoleranz und Stagnation
  9. Denkfallen
    1. Denkfallen - die Pascalsche Wette
  10. Subjektivismus als Ausweg?
  11. Wahrscheinlichkeit und große, schwarze Räume
  12. Naturalismus versus Supernaturalismus
    1. Naturalismus versus Supernaturalismus II
    2. NEU! Können Theologen die Welt erklären?
    3. NEU! Wunder versus Naturalismus I
    4. NEU! Wunder versus Naturalismus II
  13. Der Irrtum von der Irrtumsfreiheit
  14. Das Theodizee-Problem
    1. Ein grundlegendes Glaubensproblem
    2. Der unbekannte Gott
    3. Kommunikationsstörung mit Gott
  15. Jenseits der Grenzen
  16. Schlussbemerkung zu Teil I

Teil II: Eine Reise in das Innerste

  1. In einem dunklen Spiegel
  2. Angst und Angstabwehr

Teil III: Die Rückkehr zu uns selbst

  1. In einem hellen Spiegel



Im ersten Teil berichte ich über die Auswirkungen, die zwei verschiedene Denkweisen auf uns Menschen haben: die 'archaische' oder 'alte' Denkweise, die u. a. fundamentalistische Weltanschauungen hervorgebracht hat, und die 'moderne' oder 'wissenschaftliche' Denkweise, die einen enormen Fortschritt der Erkenntnis der natürlichen Welt zur Folge hatte.

Dies ist deswegen notwendig, weil sich die archaisch Denkenden gegen den Untergang ihrer Ansichten wehren und so etwas wie eine anti-modernistische Front bilden, die die Wissenschaft angreift. Die Verbreitung wissenschaftlicher Denkweisen muss von jeder Generation neu erkämpft werden, wie nicht zuletzt auch die PISA-Studie zeigt. Und mit dem Islam beginnt sich eine zweite Front zu bilden. Besonders auffällig ist der Streit 'alt' gegen 'neu' momentan bei der Evolutionstheorie, wozu Martin Neukamm einiges Interessantes beisteuert (→ http://www.martin-neukamm.de/junker.html) - hier findet sich auch eine gute Einführung zur Wissenschaftstheorie.

Ich beschreibe vor allem die Unterschiede, und warum Vertreter der 'alten' Denkweise sehr schlecht mit Vertretern der 'neuen' (und jeder anderen) Denkweise diskutieren können, und was dies für Folgen für uns hat.

Ich versuche zu zeigen, dass Intoleranz und Stagnation Folgen der alten Denkweise, Toleranz und Fortschritt Folgen der neuen Denkweise sind. Die 'neue Denkweise' ist die der Wissenschaft. Vieles, was sich sonst noch so als 'neues Denken' bezeichnet, ist in Wahrheit ein Rückgriff auf das Mittelalter. Eine kurze Zusammenfassung der Argumentation befindet sich in der Schlussbemerkung zum ersten Teil.

Im zweiten Teil beschäftige ich mich mit dem Kern des religiösen Glaubens - unsere eigene Psyche (falls Sie sich schon fragten, wo denn die Psychologie bleibt). In diesem Teil fange ich mit den psychologischen Betrachtungen eigentlich erst an, Teil I ist der Aufbruch, Teil II die eigentliche Reise.

Im dritten Teil werde ich versuchen, eine Synthese der beiden ersten Teile zu schaffen. Wenn ein Kapitel noch nicht fertig ist, dann mag zwar schon die Kapitelüberschrift existieren, ist aber noch kein Link da.

Falls Sie gerne spaßige Geschichten mögen, auch wenn diese nichts mit dem Thema "Religion" zu tun haben, dann lesen Sie die Geschichte von Hank. zwinkerndes  Smiley

Die grundsätzliche Frage: 'Kann man mit Logik alles begründen?' finden Sie hier andiskutiert.

Es mag überraschen, dass ein Psychologe hier überwiegend mit Logik und Rationalität argumentiert, sofern man eher das Bild eines empathisch-einfühlenden Psychologen vor sich hat. Aber doch, auch solche Psychologen gibt es. Ich möchte den Menschen nicht auf seine Ratio reduzieren, ich möchte nur, dass er besseren Gebrauch davon macht. Erst im zweiten Teil beschäftige ich mich dann ebenso mit der Gefühlsseite der Religionen.

Für wen die Gefühle die wichtigere Seite darstellen, der möge bitte hier beginnen.

Häufig Geäußerte Argumente (HGA) sind Argumente für die Religion, die Sie bestimmt schon oft gehört haben. Eine Widerlegung der gängigsten Argumente finden Sie auf einer Extraseite.

Ich selbst bin (pan)kritischer Rationalist. Was kritischer Rationalismus ist, können Sie hier erfahren (→ http://hans-joachim.niemann.bei.t-online.de/).

Außerdem bin ich Atheist. Warum ich das bin, können Sie hier erfahren: www.atheismus-online.de.

Weitere Themen im Rahmen meiner Religionsauseinandersetzung:

Inhaltsverzeichnis für Religion-Glauben allgemein

Die Verteidigung des Glaubens (christliche Apologetik)
  1. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Einleitung
  2. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil I
  3. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil II
  4. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil III
  5. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil IV
  6. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil V
  7. Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil VI
  8. Was sind Alltagsbeweise?
  9. Ex-Atheisten
  10. Fragen an Apologeten
Der Heilsplan der Christen
  1. Der Heilsplan I / Wege zur Erlösung
  2. Der Heilsplan II / Ist Gott gerecht?
Fragen der Moral
  1. Warum Christen die besseren Menschen sind
  2. Euthyphrons Dilemma I
  3. Euthyphrons Dilemma II
  4. Was ist eigentlich "Sünde"?
  5. Wie Eva und Adam ausgetrickst wurden
  6. Adam - die wahre Geschichte?
  7. Vom richtigen Umgang mit der Bibel
Anmerkungen zu Gott
  1. Wer ist eigentlich Gott?
  2. Göttliche Offenbarung
  3. Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen
  4. Das Design-Argument
  5. Komplexität und Gott
  6. Das Theistische anthropische Prinzip I
  7. Das Theistische anthropische Prinzip II
  8. Kann Etwas aus dem Nichts entstehen?
  9. Die Eigenschaften Gottes I
  10. Draygombs Paradoxon - Gott und die Zeit
  11. Die Eigenschaften Gottes II
  12. Gott als die Ursache des Universums
  13. NEU! Existenz existiert - unverursacht
  14. NEU! Ein moralischer Beweis gegen die Existenz Gottes
  15. NEU! Kalamitäten mit Kalam
NEU! Das Theodizeeproblem
  1. Das Theodizeeproblem
  2. Die Rechtfertigung Gottes
  3. NEU! Die Offenbarung und das Theodizeeproblem
Logische Zirkel
  1. Im Teufelskreis des Glaubens
  2. Warum es keine Letztbegründung gibt
  3. Im Teufelskreis des Glaubens II
  4. Wie man dafür sorgt, dass es nur richtige Vorhersagen gibt
  5. Strafandrohung im Christentum
  6. Strafandrohung im Neuen Testament
Die Bibel
  1. Kuriose Übersetzungsprobleme
  2. Der Fundamentalirrtum
  3. Warum uns Gott nicht hilft
  4. Vom richtigen Umgang mit der Bibel
  5. Das alte Testament
  6. Prophezeiungen in der Bibel - kritisch betrachtet
  7. NEU! Prophezeiungen über Jesus - kritisch betrachtet
Essays zum Thema Religion allgemein
  1. Was ist eigentliche Glauben?
  2. Warum das Christentum eine falsche Religion ist
  3. Ockhams Rasiermesser
  4. Die persönliche Gotteserfahrung
  5. Eine Reise zu den Grenzen der Vernunft
  6. Eine Sammlung unfertiger Ideen und Anmerkungen
  7. Unglaublich! Niemand glaubt an Gott!
  8. Wie man Unsinn entlarvt
  9. Die Überzeugung ist ein schlimmerer Feind der Wahrheit als die Lüge
  10. Überzeugung und freier Wille
  11. Die Kunst der Täuschung
  12. Gastbeitrag: Die Illusion Willensfreiheit von Harry Krämer
  13. Der Glauben als Konflikt
  14. Erbsünde und stellvertretendes Opfer
  15. Die Uri-Geller-Show
  16. Was ist von der modernen Theologie zu halten?
  17. Einige persönliche Anmerkungen
  18. Ist das Fehlen eines Beweises ein Beweis für Fehlen?
  19. NEU! Nichts geschieht ohne Ursache
  20. NEU! Was ist Wissenschaftsaberglaube?
  • NEU! Fragen an Atheisten
  • Atheismus
    1. Die Begründung des Atheismus
    2. Bayes Theorem
    3. Sind Gläubige leichtgläubig?
    4. Suche in der Dunkelheit
    5. Brief an einen Atheisten - die Antwort
    6. Das Argument des Unglaubens
    7. Unglauben und freier Wille
    Geschichten
    1. Die Geschichte von Hank


    Konfusius, er zitiert: Darum ist das Recht fern von uns, und Gerechtigkeit erreicht uns nicht. Wir hoffen auf Licht, und siehe, [da ist] Finsternis, auf Lichtglanz, [aber] in dichtem Dunkel gehen wir umher. (Die Bibel, →Jesaja 59:9)


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    Die Ziele dieser Website

    In der letzten Zeit - bedingt durch den 11. September 2001 - wird verstärkt nach einer Verständigung mit dem Islam (→ http://www.islam.de/) gesucht. Verständigung ist immer gut, Toleranz, Dialog und Aussöhnung etc. ebenfalls. Und die Diskussion mit den verschiedenen Religionen ist in der letzten Zeit ohnehin sehr vernachlässigt worden.

    Trotzdem halte ich eine Auseinandersetzung mit dem fundamentalistisch orientierten Islam für vollkommen überflüssig, wenn man denkt, man könne Fundamentalisten "einfach so" von etwas überzeugen. Dann handelt es sich schlicht um reine Zeitverschwendung. Dies gilt auch für den Fall, dass der Dialogpartner dem Christentum (→ http://www.jesus-online.de/article.php?article=1967&channel=17) angehört. Denn hier prallen einfach nur zwei sehr unterschiedliche Standpunkte aufeinander und diese Art des Disputs ist in 2.000 Jahren Philosophiegeschichte vollkommen unfruchtbar verlaufen - jedes Mal. Wir können also auch hier erwarten, dass das Ergebnis nicht anders aussehen wird.

    Wie kann ausgerechnet ein Psychologe so etwas behaupten!?

    Weil es der Erfahrung entspricht. Schon Konfuzius (chinesischer Philosoph, nicht zu verwechseln mit dem Spötter Konfusius) wusste: 'Abweichende Lehren anzugreifen, ist nur schädlich.'. Wir sollten nicht aus falsch verstandenem Gutmenschentum (→ http://www.assoziations-blaster.de/a-blast.plx?begr=Gutmensch;s_e=xstart) sinnlose Debatten führen. Dies gilt auch und besonders dann, wenn die Gegenposition atheistisch bzw. agnostisch ist.

    Ein Dialog setzt gleichberechtigte und tolerante Partner voraus. Diese Voraussetzungen sind bei Dialogen mit (fundamentalistischen) Religionen, die sich auf Gott berufen, nicht gegeben (→ http://www.kirchenkritik.de/archiv/lebenohnegott.html). Während sich die eine Seite auf 'höhere Mächte' (= Gott (→ http://www.netstore.de/~god/)) beruft, ihre eigene Position damit gleichsam 'erhöht', argumentiert die andere Seite mit 'rein menschlichen' Positionen, d. h. von einer 'niederen' Warte aus - und wird so letztlich nie als gleichberechtigt angesehen. Toleranz aber setzt voraus, kritisch mit den eigenen Ideen umzugehen, stets auch seine eigenen Gedanken dem Verdacht auszusetzen, falsch zu sein. Ist diese Bereitschaft nicht da, gibt es (einseitig) keine Toleranz, denn der andere kann ja nur unrecht haben. So findet kein Dialog statt, sondern eine unfaire und intolerante Belehrung/Bekehrung oder ein unfruchtbarer Disput. Hier kann man allenfalls noch bei den Zuhörern für Toleranz werben.

    Die gesamte Fundamentalismus-Debatte haben wir bereits mit dem Christentum ausgetragen. Seitdem wissen wir: Es gibt kaum eine (fundamentalistische) tolerante monotheistische Religion. Extra ecclesiam nulla salus (→ http://www.joerg-sieger.de/glaube/themen/religio.htm) - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil [1]. Auch wenn dies die katholische Kirche heute so nicht mehr in scharfer Form vertritt: Dieses Credo hat genügend Menschen das Leben gekostet.

    Die Geschichte des Christentums kann man als Kriminalgeschichte (→ http://www.humanist.de/kultur/literatur/religion/deschner3.html) schreiben. Man mag dies für tendenziöse Geschichtsschreibung halten, aber die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Der Humanismus, den wir heute kennen, wurde zum Teil gegen die Religon durchgesetzt. Die Toleranz des Christentums ist größtenteil gegen das Christentum erstritten worden  [2], und nur, weil es heute so viele gemäßigte Christen gibt, heißt dies nicht, alle Fundamentalisten seien auch gemäßigt  [3].

    Einige grundsätzliche Anmerkungen zum Dialog finden Sie hier.

    Was also kann man tun? Man kann den Dialog aufnehmen mit den kritischen Kräften innerhalb des Christentums, mit kritisch denkenden Christen. Man kann darüber etwas bewirken, zum einen, bei denen, die noch keiner Religion angehören, zum anderen bei denen, die in einer Religion festverwurzelt sind, Nachdenklichkeit auslösen. Dies geht auch dann, wenn man mit Fundamentalisten diskutiert - in der Öffentlichkeit. Den Fundamentalisten wird man nicht erschüttern können, aber den Zuhörern vor Auge führen, was die Konsequenzen ihrer Denkweisen sind.

    Das Ziel einer Diskussion besteht auch darin, darzulegen, dass man gute Gründe für seine eigene Position hat - und nicht aus Gründen der Sturheit oder Unbelehrbarkeit oder Unwissenheit darauf beharrt, wie zu oft unterstellt wird.

    Konfusius, er zitiert: "Kaum haben sie Christus gepredigt, beschuldigen sie sich gegenseitig Antichristen zu sein ... und natürlich gab es unter diesen theologischen Gezänken kein Einziges, das nicht auf Absurditäten und Betrügereien aufgebaut gewesen wäre." (Voltaire)

    Toleranz im Christentum

    Vorweg: "Das Christentum" als solches scheint schon fast nicht mehr existent, weil es in eine so ungeheuer große Zahl von Kirchen, Sekten, Gruppierung und Grüppchen zersplittert ist. Ich rede hier aber von den Menschen, die sich traditionell selbst als "Christen" bezeichnen in seiner Gesamtheit als "dem Christentum".

    Dass uns das Christentum als so tolerant erscheint, ist die Folge eines mehrere Jahrhunderte währenden Zähmungsprozesses (→ http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/erledigt.htm). Die Bestie Intoleranz lauert immer noch im Christentum, sie kann jederzeit wieder ausbrechen (die schlimmsten Verbrechen hat die Kirche auch im gerade beendeten Jahrhundert begangen (→ http://www.blessedquietness.com/journal/housechu/pavelic.htm), nicht im Mittelalter - siehe auch The Pavelic Papers (→ http://www.pavelicpapers.com/) oder, auf Deutsch: Töten, vertreiben, zwangskonvertieren (→ http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2004/07/14.jhtml)). Der Preis unserer Freiheit ist eine permanente Wachsamkeit gegen die Christen - denn sie sind mehrheitlich (ihre Geschichte beweist dies) meistens nur dann tolerant, wenn sie schwach sind. Korrekterweise müsste man also sagen: es gibt sehr wohl tolerante monotheistische Religionen - dann, wenn sie schwach sind, zahlenmäßig zu einer Minderheit gehören oder soweit gesellschaftlich marginalisiert wurden, dass sie keine große Rolle mehr spielen.

    Es hat immer eine große Gruppe liberaler Christen gegeben, aber wir sollten es nicht dem Zufall überlassen, welche der Gruppen innerhalb des Christentums gerade wieder die überhand gewinnt.

    Toleranz ist eine Frage der Weltanschauung. Sowohl Christentum als auch Islam sind - in ihrer fundamentalistischen Ausprägung - "inkompatibel" zu dieser Weltsicht. Deswegen sind für uns beide gefährlich. Auch der Islam ist tolerant, wenn er schwach ist (hier bei uns z. B.) und intolerant (Iran, Afghanistan) wenn er stark ist. Toleranz selbst wird als Schwäche gedeutet (im Islam wird der Westen gerne als schwach gesehen, weil er so tolerant und liberal ist).

    "Extra ecclesia nulla salus" heißt im Islam: "Die Höllenqualen für die Ungläubigen und Gottlosen sind fürchterlich. Das Paradies dagegen ist wirklich paradiesisch schön mit allem, was ein Menschenherz erfreut" (zitiert nach: Payer, Alois 1944: Islam. -- Fassung vom 26. April 1999 -- (Materialien zur Religionswissenschaft). -- URL: http://www.payer.de/islam/islam.htm (→ http://www.payer.de/islam/islam.htm).

    Jesus hat ähnliche Drohungen gegen anders Denkende auch in der als ach so tolerant geltenden Bergpredigt ausgestoßen. Toleranz ist dem Christentum und dem Islam wesensfremd. Siehe dazu auch Franz Buggle (→ http://www.humanist.de/kultur/literatur/religion/buggle.html): "Denn sie wissen nicht, was sie glauben - Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann".

    Ein Beispiel aus der Bibel für Strafandrohungen befindet sich hier.

    Der Dämon der Intoleranz ist dem Christentum mit dem Zeitalter der Aufklärung quasi "ausgetrieben" worden. D. h. tolerantes Christentum ist kein Verdienst der Christen, sondern meist ein Verdienst der Gegner des Christentums gewesen. Viele Christen sehen dies genau andersherum  [4].

    Wer glaubt, die sei eine einseitige Darstellung, der hat zu viel christliche Apologetik (→ http://www.jf-archiv.de/archiv00/460yy42.htm) gelesen oder gehört. Als Gegenposition sei das Werk von Deschner (→ http://www.deschner.info/) "Kriminalgeschichte des Christentums" empfohlen. Die historischen Fakten, die gegen die These vom "an sich Guten, aber ab und zu von menschlichen Interessen missbrauchtem" Christentum sprechen, sind erdrückend. Wenn Gott selbst einem Recht gibt, ist eben kein Platz für gefühlsduselige Toleranz. Erhöhung der eigenen Position bei gleichzeitigem absoluten Wahrheitsanspruch kann keine Toleranz hervorbringen (dies gilt unabhängig davon, ob die Weltanschauung religiös begründet ist oder nicht!). Beide Ansprüche hat die 400 Jahre andauernde Aufklärung nicht widerlegt, sondern quasi "subversiv unterhöhlt".

    In dem lesenswerten Artikel von Ursula Neumann Sind Christen doch die besseren Menschen? (→ http://www.ibka.org/artikel/miz98/werte.html) befindet sich dazu ein Hinweis (→ http://www.ibka.org/artikel/miz98/werte.html#anm27) auf die übliche Verteidigungsstrategie der Kirchen:

    "Kaum ein Vorwurf ist gegen die christlichen Kirchen so oft und so leidenschaftlich erhoben worden, wie der Vorwurf der Intoleranz. Dieser Vorwurf ist deswegen besonders gravierend, weil Toleranz mit dem Wesen des christlichen Glaubens unlöslich verbunden ist. Die Geschichte der christlichen Kirchen ist freilich auch durch Exzesse von Intoleranz gezeichnet. Oft waren sie Folgen eines fanatisierenden Missverständnisses der Wahrheit des Evangeliums". (Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, a.a.O., S. cooles Smiley Dies ist der klassische Argumentationsstil. Obersatz: Das Christentum steht für Toleranz, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Solidarität ... Untersatz 1: In der Wirklichkeit hat es damit gehapert. Untersatz 2: Schuld daran waren Missverständnisse. Untersatz 3: Aber im Prinzip!


    Wir erkennen hier übrigens den Denkfehler des Wahren Schotten.

    Konfusius, er zitiert: "Keine Religion hat so viele Menschenopfer gefordert und auf eine so schmähliche Weise hingeschlachtet als diejenige, die sich rühmt, sie für immer abgeschafft zu haben." (Bruno Bauer, Theologe)

    Der Islam: ein nicht aufgeklärter Fundamentalismus

    Ursprünglich sollte dies eine Website zum Islam werden. Aber ich habe inzwischen meine Meinung darüber geändert, denn ich halte es für sinnvoller, "vor der eigenen Haustür" zu kehren. Und vor der eigenen Tür steht das Christentum, der Islam hat demgegenüber nur eine Minderheitenposition. Für eine Website in deutscher Sprache ist der Islam also eher zu vernachlässigen (das sähe anders aus, wenn ich auf Englisch schreiben würde). Warum sollte ich eine Minderheit kritisieren, wenn es wichtiger wäre, sich zuerst mit der Mehrheit auseinander zu setzen?

    Falls Sie also Informationen zum Islam suchen, dann muss ich sie auf eine andere Websites verweisen.

    Eine gute erste Einführung in den islamischen Glauben finden Sie bei Alois Payer: Materialien zur Religionswissenschaft - Islam (→ http://www.payer.de/islam/islam.htm). Eine längere und kritischere Einführung findet sich unter Das Leben Mohammeds, sein Reich und seine Lehre (→ http://www.jadu.de/religion/text/mohammed.html) (diese Seite ist christlich gefärbt und mit Vorsicht zu genießen, es ist aber oft interessant, zu hören, was die eine Religion über die andere zu sagen hat - die Kirchen, so sagt Robert Green Ingersoll, Misstrauen einander, weil sie sich selbst und die anderen kennen ...).

    In englischer Sprache gibt es hier Informationen: ISLAM - The second largest world religion ... and growing (→ http://www.religioustolerance.org/islam.htm). Diese Website, mit vielen Informationen zu allen größeren Religionen auf dieser Welt, hat sich der religiösen Toleranz und der Kritik an religiös motivierter Gewalt verschrieben. Ein wichtiger Punkt für Toleranz ist natürlich auch die Kenntnis der anderen Position. Die andere Position möge gehört werden ist ein wichtiger Grundsatz der Diskussion. Wer sich also über den Islam informieren möchte, der möge daher vor allem auch die islamische Seite berücksichtigen: Islam.de (→ http://www.islam.de/) oder Islam Today (→ http://www.islam-today.de/) (auch in deutscher Sprache, sowie in Englisch und Türkisch).  [5]

    Man darf aber nicht vergessen, dass der Islam, ähnlich wie das Christentum auch, selbst aus sehr unterschiedlichen Positionen besteht. Das liegt in der Natur der Sache. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Anhänger einer einzigen Position ist nämlich keine Weltanschauung in ihren Grundlagen völlig eindeutig. Christen berufen sich auf dieselbe Bibel, haben aber teilweise völlig unterschiedliche Interpretationen. Und obwohl der Koran nicht von der Uneinheitlichkeit der Übersetzungen und den verschiedenen Varianten geplagt wird wie die Bibel gibt es doch eine Uneinheitlichkeit der Interpretation. Teilweise beruht diese auf selektiver Auswahl der Suren, Missachtung des Kontexts und individuell geprägter Auslegung, teilweise aber auch an internen Widersprüchen (was im Islam genauso geleugnet wird wie im Christentum auch - in beiden Religionen werden Widersprüche "weginterpretiert").

    Übrigens wird auch im Islam Kritik als "Kufr" (= Unglauben) aufgefasst. Und wenn auch verschiedene Positionen im Islam (z. B. die Sura El-Kafiroun = die Ungläubigen) zur Toleranz gegen andere Philosophien oder Glaubensrichtungen aufrufen, so gibt es auch die Aufforderung, Ungläubige zu töten. Aber Kritik ist kein Angriff, sondern eine Aufforderung zum eigenen (selbstständigen) Denken.

    Die Drohung, im Falle einer Kritik Gewalt anzuwenden, kennen wir auch aus dem Christentum zur Genüge  [6] - dort aber vor allem aus der Zeit vor dem Zeitalter der Aufklärung. Nach der Aufklärung hat sich dies deutlich reduziert.

    Dem Islam mangelt es aber an einem Zeitalter der Aufklärung. Es gab und gibt im Islam keinen Voltaire (→ http://www.voltaire.ox.ac.uk/). Es gab keinen Kant (→ http://idealismus.de/kant.phtml), keinen Nietzsche (→ http://infonectar.com/aphorisms.html), keinen Feuerbach (→ http://www.ludwig-feuerbach.de/), keinen Sigmund Freud (→ http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/freud/freud1.htm). Viele andere wären noch zu nennen ...

    Immerhin, Voltaire hat sich auch zum Islam geäußert, nicht nur zum Christentum: Voltaire über Mohammed und den Islam (= Unterwerfung) (→ http://anti-islam.9cy.com/Voltaire.htm). Und es regt sich auch so allmählich im Islam selbst die Kritik am Islam. Ein Beispiel dafür finden Sie hier: Rationalist International (→ http://www.rationalistinternational.net/).

    Auch im Islam gibt es (wie im Christentum) Fundamentalismus. Wesentlich für den Fundamentalismus, gleich welcher Glaubensrichtung, ist: archaische, antiquierte und vorwissenschaftliche Denkweisen und Denkverbote. Die Moderne findet nicht statt.

    Solange Anders- oder Nichtgläubige als Menschen zweiter Klasse angesehen werden, solange wird es keine Möglichkeit zur Verständigung mit dem Islam oder dem Christentum geben mit dem Menschen, die solche Positionen vertreten. Man mag mit einzelnen, fortschrittlichen und aufgeklärten Anhängern des Islams oder des Christentums reden können, aber dies ist eine Einzelfallentscheidung. Zum Dialog gehören meistens zwei. Sonst ist es ein Monolog (wie dieser Text hier). Und zur Toleranz gehört es, die Position eines anders Denkenden grundsätzlich erstmal anzuerkennen, wie man den Anderen auch zunächst als Mensch akzeptieren muss. Und dies ist stets bei allen Beteiligten notwendig.

    Um zu begründen, welche Schwierigkeiten ein Dialog mit Fundamentalisten bereitet, muss zunächst gezeigt werden, wie fundamentalistische Auffassungen sich verbreiten, und wie die Alternativen entstanden sind. Aus Gründen der Vereinfachung nehme ich hier die europäische Geschichte und das Christentum. Was das Christentum angeht werde ich aber darüber hinaus auch zeigen müssen, dass auch in den liberalen Positionen noch viel von den antiquierten Ansichten mit drin stecken.

    Einiges an der grundlegenden Kritik am Christentum auf den folgenden Seiten kann man übrigens auch auf den Islam anwenden. So verwendet auch der Islam mit Vorliebe längst widerlegte Gottesbeweise, stützt sich auf Offenbarung und Wunder, hängt einem Supernaturalismus an und bekämpft den Atheismus. Und auch der Islam setzt sehr stark auf den (blinden) Glauben.

    Aber auch die modernen Ideen und die Kritik an den Religionen verbreitet sich nicht von alleine - um den Dialog zwischen der Moderne und den Glaubensformen wieder anzufachen, dafür sthet diese Website.

    Konfusius, er zitiert: "Wozu zwingt man die Menschen in bestimmte Religionssysteme, wenn sie nachher Jahrzehnte brauchen, um wieder davon loszukommen?" (Friedrich Schiller)

    Das Problem der Begründung des Glaubens

    Die entscheidende Grundfrage ist die: Was wissen wir eigentlich - sicher? Jede Philosophie und jede Religion setzt sich mit dieser Frage auseinander. Und jedes Zeitalter beschäftigt sich mit dieser Frage wieder neu. Es gibt zwar die "aufgeklärte" Position, nach der eine Religion nicht wahr, sondern nur in moralischem Sinne nützlich zu sein hat, aber dies ist keinesfalls die fundamentalistische Haltung: Danach ergibt sich der moralische Anspruch als Folge aus dem Wahrheitsanspruch. Was also ist wahr?

    Die verschiedenen Religionen hatten und haben darauf stets Antworten parat. Wenn wir uns die Antworten ansehen, dann sehen wir dieselben Muster: Es ist wahr, weil es geoffenbart wurde, es ist wahr, weil es in einer heiligen Schrift steht, es ist wahr, weil es eine Autorität verkündet hat (als Papst gar unfehlbar (→ http://www.alt-katholisch.de/info/historie/unfehl.htm)) etc. pp. Alle diese Dinge führen uns direkt in das Münchhausentrilemma (→ http://www.fh-niederrhein.de/fb06/SOB/meonchha.htm) (nach Hans Albert)  [7], d. h., wir landen entweder

    Die Religionen landen i. d. R. im Dogmatismus ("Es ist wahr, weil der Papst ex cathedra entschieden hat" oder "Es ist wahr, weil die Bibel es so sagt") oder in einem logischen Zirkel ("Die Bibel ist von Gott geoffenbart und daher wahr. Wir wissen dies, weil die Schreiber der Bibel es so sagen. Die Bibel selbst wiederum gibt uns Zeugnis, dass die Schreiber derselben göttlich inspiriert wurden" - diese Argumentationsweise wird auch von Hank bzw. seinen Freunden benutzt). Es ist meist nicht so plump wie in den Beispielen hier, die auch nur ein allgemeines Muster zeigen sollen. Ich bezeichne diese Denkweise als archaisch oder vorwissenschaftlich. Wenn man Gründe für den dogmatischen Anspruch sucht, stößt man meist wieder auf einen logischen Zirkel.

    Mindestens eine der drei Positionen lässt sich gegen jede Begründung vorbringen, auch gegen subjektive Erfahrungen, d. h., jede Begründung ist hinterfragbar (außer, Denkverbote verhindern dies). Es handelt sich hier nicht um ein Argument gegen die archaische Denkweise, denn die moderne Denkweise ist davon genauso betroffen. In der modernen Denkweise wird daraus aber nur der Schluss gezogen, jeden absoluten Wahrheitsanspruch anzufechten und dies auch nicht für die eigene Position zu reklamieren (Skeptizismus (→ http://www.skeptic.com/)), während religiöse Anschauungen sich gegen diese Kritik zu immunisieren suchen, also ihre Ansprüche wider die Vernunft durchzusetzen trachten.

    Diese (oft erfolgreiche) Immunisierung ist die wahre Bedrohung des Verstandes, denn sie suggeriert, dass man das Ende allen Wissens erreicht hätte, wo man doch erst am Anfang steht.

    Wir können folgende drei Stufen der Erkenntnis postulieren, die aufeinander aufbauen:
    1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
    2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
    3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
    Demnach wäre religiöser Glaube der zweiten Stufe zuzuordnen. Sicher ist der Glaube auch kritisch, aber nicht gegen seine eigenen Grundlagen, sondern überwiegend anderen Weltanschauungen gegenüber.

    Eine sehr schöne Beschreibung des hier kurz skizzierten Problems gibt Dr. Michael Schmidt-Salomon in: Das Münchhausentrilemma oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen? (→ http://www.schmidt-salomon.de/muench.htm).

    Siehe auch die Anmerkung: Was heißt hier kritisch?

    Anmerkungen zu der Zirkelhaftigkeit in der Bibel befinden sich hier.

    Zur Logik und zu logischen Fehlschlüssen befindet sich hier eine gute Übersicht (→ http://www.infidels.org/news/atheism/logic.html) (leider in englischer Sprache).

    Konfusius, er zitiert: "Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens". - (Johann Wolfgang von Goethe)


    Kann man mit Logik alles begründen

    Die Antwort auf diese Frage lautet schlicht NEIN.

    Es gibt noch eine Reihe weiterer Aspekte, z. B. normative (die Regeln betreffende, also ethische) Fragen, für die wir die Antworten weder aus den Wissenschaften, aus der Natur und aus der Logik entnehmen können. Auch in der Kunst hat die Logik nur dann etwas zu suchen, wenn der Künstler dies gerade als Stilmittel braucht, ist also mehr eine Frage des Geschmacks. Die Wissenschaft beschreibt, was ist, die Ethik beschreibt, wie es sein sollte.

    Wenn also der normative Bereich weder von Logik noch von Wissenschaft abgedeckt wird, dann heißt dies doch, das es sich um ein Gebiet der Religion handelt?

    Ja und nein. Ja, weil die Religion dies als ihr urtümliches Gebiet bezeichnet, dort sogar einen Monopolanspruch erhebt (wie bei der Wahrheit auch). Nein, weil man auf jede Form des religiösen Glaubens verzichten kann, um eine Ethik zu begründen (siehe dazu auch Euthyphrons Dilemma). Hier muss die Religion anerkennen, dass sie in einem Konkurrenzverhältnis steht.

    Im Übrigen wurde (und wird) der Monopolanspruch auf "Moralität" von der Religion auch deswegen erhoben, weil die Religion wahr ist. Erst mit dem Schwächeln dieses Wahrheitsmonopols wird versucht, zu retten, was zu retten ist, und wenigstens die Moral vor dem weltlichen Zugriff zu bewahren. Eine ausführliche Kritik der christlichen Ethik finden Sie bei Prof. Dr. Gerhard Streminger (→ http://www.gkpn.de/strem2.htm) (dieser Link funktioniert wieder!).

    Nun hat sich gezeigt, dass aus dem absoluten Wahrheitsanspruch auch eine gewisse Intoleranz folgt. Dies ist keine Behauptung, sondern eine Frage der Empirie (der Erfahrung), in diesem Fall der Geschichtswissenschaft. D. h. wenn man der Geschichte des Christentums folgt, dann wird man feststellen, dass das Christentum sehr wenig zu einer moralischen Besserung der Welt beigetragen hat. Meist standen die Christen aber auf der falschen Seite, und dies so häufig, dass man den Begriff des allzu menschlichen stark überdehnen muss.

    Fast alles, was wir als modernen, humanitären Fortschritt bezeichnen, auch der Begriff der Menschenwürde (den man aus der Bibel nicht ableiten kann), wurde gegen den Widerstand der Christen erkämpft, meistens von Gegnern der Kirche und des Glaubens. Eine Anmerkung noch: die Unterscheidung zwischen Christentum und Kirche wird erst seit dem 18. Jahrhundert getroffen und war und ist ein Mittel der Apologetik, um sich gegen eine bestimmte Form der Aufklärung zu wenden. Im Folgenden werden die Begriffe Christentum und Kirche synonym verwandt. Ein paar Beispiele:

    Abschaffung der Sklaverei - wurde von den Kirchen bis zuletzt bekämpft. Kirchensklaven waren sogar generell schlechter gestellt als die Sklaven weltlicher Herren. Sklaverei wird in der Bibel gerechtfertigt (→ http://www.religioustolerance.org/sla_bibl.htm), eine historische Übersicht über das Verhältnis Sklaverei/Christentum befindet sich hier (→ http://www.religioustolerance.org/chr_slav.htm) (in englischer Sprache).

    Abschaffung der Folter - auch hier hat die Kirche (wegen der Inquisition) lange Zeit starken Widerstand geleistet. Siehe vor allem Herrmann 1998: Sex & Folter in der Kirche.

    Abschaffung der Todesstrafe - auch hier haben die Christen bis zuletzt gekämpft. Das Christentum bestand in der Inquisition sogar oft auf einer besonders harten und grausamen Form der Todesstrafe (Verbrennung bei lebendigem Leibe).

    Einführung des Rechtsstaates - auch eine Errungenschaft, die aus dem Kampf gegen die Inquisition herrührt.

    Gleichstellung der Frau - auch heute noch ein umstrittenes Thema. Kirchenintern herrscht bei den Katholiken in dieser Frage noch tiefstes Mittelalter, während es im Evangelismus immerhin schon weibliche Bischöfe gibt. Fundamentalisten finden in der Bibel immer noch genügend Munition (→Leviticus 27:1-7, →Prediger 7:26, →1 Korinther 14:34-35, →Epheser 5:22-24, →1 Korinther 11:3, →Kolosser 3:181 Timotheus 2:11-14) gegen die Gleichstellung der Frau und benutzen dies auch heute noch.

    Sexuelle Freizügigkeit - umstritten (durch moralische, religiös motivierte Indoktrination) und daher auch heute noch ein beliebtes Streitthema. Ich halte die Befreiung der Sexualität von der Leibfeindlichkeit christlicher Prägung aber für eine Errungenschaft der Moderne, aus drei Gründen:
    1. macht sexuelle Enthaltsamkeit oft neurotisch
    2. ist die Unterdrückung der Sexualität (insbesonders bei Kindern) ursächlich gewaltfördernd (→ http://www.violence.de/prescott/bulletin/article-d.html)
    3. ist der Mensch von Natur aus eher promisk
    Nun kann aus 2. nicht gefolgert werden, dass eine Naturethik gerechtfertigt wäre, sondern nur, dass das Christentum ein falsches Menschenbild geprägt hat. 1. folgt aus der Psychoanalyse, 2. aus medizinischen Untersuchungen von Spermien: es gibt zwei Arten nicht-befruchtungsfähiger Spermien, die nur zur Verteidigung gegen andere Spermien mit fremder DNS dienen - so etwas kann sich nur dann in der Genetik niederschlagen, wenn der Mensch über Jahrhunderttausende promisk war (denn genetische Prozesse sind langsam). Mit der Unterdrückung der Sexualität alleine hat das Christentum bereits Leid und Elend über die Menschen dieser Welt gebracht.

    Noch heute tut sich die katholische Kirche mit der Anerkennung der Homosexualität  [8] schwer, vor allem, wenn es um die Gleichberechtigung geht.

    Bürgerliche Freiheitsrechte - auch ein Gebiet, auf dem die katholische Kirche bis heute noch gegen einiges kämpft, was modern ist. Im Faschismus bekämpften zwar einzelne Christen den Faschismus, die Kirche aber hat sich selten offiziell gegen den Faschismus gewehrt, oft sogar mit Faschisten zusammengearbeitet (Franco, Mussolini, Hitler und vor allem Ante Pavelic, dem übelsten faschistischen Verbrecher überhaupt), obwohl ihre interne Haltung gegen beispielsweise Hitler gerichtet war  [9], freie Meinungsäußerung wurde lange noch bekämpft (sogar bei uns, siehe den Streit um den sog. Gotteslästerungsparagraf - selbst die alten Griechen hatten hier eine vernünftigere Vorstellung: Für sie war die Verfolgung von Gotteslästerung alleine eine Sache der Götter, die Menschen nichts angeht). Der Index der verbotenen Schriften wurde erst 1966 (→ http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&manu_id=551&tag=14amp;&monat=6&weekd=&weekdnum=&year=2004&lang=de&dayisset=1) vom Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft und verdeutlicht das frühere zwiespältige Verhältnis der Kirche zur Meinungsfreiheit.

    Religionsfreiheit: Heute bekennen sich die Kirchen insgesamt auch zu dem Menschenrecht auf freie Religionsausübung - das war nicht immer so.

    Man könnte noch hunderte von Seiten damit füllen. Wer mehr darüber wissen möchte, der sollte sich das zehnbändige (!) Werk Kriminalgeschichte des Christentums (→ http://www.humanist.de/kultur/literatur/religion/deschner3.html) von Karlheinz Deschner ansehen (von dem bisher acht Bände erschienen sind).

    Fazit


    Es ist mir schlicht unerfindlich, woher das Christentum seinen moralischen Anspruch hernimmt, denn aus der Geschichte folgt eher das Gegenteil. Wenn wir also eine vernünftige Moral entwickeln wollten, dann wäre das Christentum nicht die Religion, die man zum Ausgang nehmen sollte. Der Buddhismus erscheint mir hier sehr viel sinnvoller.

    Aber man kann auch eine Ethik auf Kant gründen. Man braucht weder das Christentum noch irgendeine andere Religion dafür, auch, wenn es immer wieder gerne behauptet wird.

    Für ein Beispiel christlicher Ethik siehe auch den Abschnitt über die Strafandrohung für anders Denkende im Christentum.

    Konfusius, er zitiert: "Glauben ist wesentlich intolerant ... wesentlich deswegen, weil damit notwendigerweise die Illusion verbunden ist, dass die eigenen Beweggründe auch Gottes Beweggründe sind." (Ludwig Feuerbach)

    Was heißt hier kritisch?

    Der logische (und kulturelle) Bruch, der sich durch unsere Geschichte zieht und m. A. nach die "alte Zeit" von der "Modernen" unterscheidet ist die Anwendung der Vernunft auf sich selbst. Die Griechen hatten damit zwar begonnen, aber dieses Projekt nur in Ansätzen durchdacht. Erst vor ca. 400 Jahren fing man damit wieder an, obwohl auch hier die ersten Ansätze schon sehr viel früher begannen. Und eigentlich war dieses Projekt erst mit David Hume (→ http://www.humesociety.org/) (1711-1776) an sein (scheinbares) Ende gekommen.

    Wenn man die Gedanken bis zum Ende durchdenkt, landet man bei der Begründung. Und wenn man die Frage nach der Begründung der Begründung stellt, dann landet man fast unausweichlich beim Münchhausentrilemma (→ http://www.fh-niederrhein.de/fb06/SOB/meonchha.htm). Es war früher schon Philosophen aufgefallen, dass man in einem von drei Problemen landet, wenn man Begründungen nachgeht, aber erst seit neuerer Zeit weiß man, dass dies immer so ist.

    Damit lässt sich also jede Begründung kritisieren.

    Dies ist eine zentral wichtige Feststellung: Es lässt sich JEDE BEGRÜNDUNG kritisieren.

    Dies ist die Demarkationslinie, der Point of no return, wenn man so will. Hier hat man tatsächlich nur die Freiheit, diese Erkenntnis zu ignorieren oder sie zu akzeptieren (was man ruhig skeptisch tun sollte: denn dies ist nur eine Behauptung von mir, und wenn ich recht habe, kann man diese Begründung anfechten - wozu man sie aber in diesem einen Fall akzeptieren müsste ...).

    Um den Fall der Ignoranz brauchen wir uns hier nicht zu kümmern. Wer das Trilemma ignoriert, der wird auch mit diesem Text hier nichts anfangen können und ihn nicht verstehen. Der wird aber auch die moderne Denkweise nicht verstehen können - und, nebenbei, was man nicht versteht, kann man auch eher schlecht kritisieren (außer, die Unverständlichkeit selbst zu kritisieren).

    Man kann das Trilemma selbst anfechten, wenn man eine Begründung aufzeigen kann, die nicht dem Trilemma unterliegt. Die Behauptung, das Trilemma sei unausweichlich, ist falsifizierbar. Sobald wir eine Aussage finden, die weder zu einem unendlichen Begründungsregress führt, noch in einen logischen Zirkel noch in den Dogmatismus ist die Allgemeingültigkeit des Trilemmas widerlegt. Ich werde mich zu einem späteren Zeitpunkt damit beschäftigen (denn ein häufiges Argument ist: Eine Offenbarung Gottes kann oder muss nicht dem Trilemma unterliegen - ein Trugschluss).

    Übrigens: Wenn man sich fragt, warum man denn alles begründen muss, und anzweifelt, ob dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht, dann landet man beim willkürlichen Abbruch der Begründung, also im Dogmatismus ...

    Wenn man also (und sei es nur vorläufig und unter Vorbehalt, oder als Gedankenexperiment) die akzeptiert, dann, so behaupte ich, hat man eine neue Stufe der Erkenntnis erreicht, einen Quantensprung des Wissens. Das erinnert zwar an Sokrates "ich weiß, dass ich nichts weiß", aber dies weiß man jetzt genau.

    Denn von jetzt ab gibt es keine Möglichkeit mehr, im naiven, unschuldigen Zustand des gesicherten Wissens (oder Glaubens) zu verharren - und wenn doch, dann nur unter Ausschaltung des kritischen Verstandes. Dies ist die wahre, vergiftete Frucht vom Baum der Erkenntnis.

    Wenn man so will, hat sich die Vernunft damit selbst zerstört bzw. den Boden unter den Füßen weggezogen (ganz so schlimm kommt es dann aber doch nicht, aber dies ist ein anderes Thema).

    Man kann aus diesem Zustand verschiedene Konsequenzen ziehen. Hier eine kleine Auswahl (kein Anspruch auf Vollständigkeit!):

    Nihilismus - nichts ist wahr, es gibt keine Wahrheit, es gibt keine Klarheit, denn es gibt keine Begründung.

    Obskurantismus - alles ist wahr, alles ist möglich, denn alles lässt sich begründen, wenn auch nicht letztendlich.

    Subjektivismus - es gibt keine objektive Wahrheit (bzw. diese ist uns unzugänglich), also ist alles Wissen nur subjektiv begründbar.

    Buddhismus - Die Welt ist eine Illusion, ein Produkt unseres Verstandes.

    Hypothetischer Realismus - Alles Wissen ist hypothetisch, nichts ist sicher, die Basis des Wissens ist dynamisch, Erkenntnis (auch objektive Erkenntnis) ist aber möglich und sogar wahrscheinlich. [Anmerkung: Dies ist die Richtung, zu der ich tendiere].

    Fundamentalismus - wir wissen, was wahr ist - ist nach Anerkennung des Trilemmas nicht mehr möglich und eigentlich logisch erledigt. Wenn es doch noch Fundamentalismus gibt, dann nur in Ignoranz, d. h. der strikten Weigerung, die eigene Basis bis zum Ende zu durchdenken, also der Suspendierung der Vernunft. Dann aber, bitte schön, dürfen sich Fundamentalisten auch nicht mehr auf die Vernunft berufen und scheiden aus dem Kreis der Vernunftanwender aus. Sie sind zwar vernunftbegabt, machen aber nicht ausreichend Gebrauch davon.

    Das Letztere mag hart, arrogant und intolerant klingen. Wir haben aber gesehen, dass Fundamentalismus selbst zur Intoleranz neigt (außer in Zeiten der Schwäche), und ich halte es für eine gemäßigte und gerechtfertigte Haltung, gegenüber Intoleranz keine Toleranz zu zeigen. Wir tun dies ja auch nur mit Worten - es geht nicht darum, Fundamentalismus zu verbieten, sondern nur darum, ihm einen angemessenen Platz in der Logik zuzuweisen. Der Platz des Fundamentalismus in der Welt wird davon nicht direkt berührt. Dies ist aber eine normative (ethische) Frage, und auf die wird hier an dieser Stelle nicht eingegangen (vielleicht später einmal). Ethik ist keine Frage der Logik!

    Hart ist es in der Frage der Haltung: aber entweder ist man konsequent und denkt seine Haltung bis zum Ende durch (mit allen Härten als Folge), oder man tut dies nicht, dann fehlt es aber an Tiefe und Substanz.

    Arrogant ist diese Haltung, weil sie über Sokrates insofern hinausgeht, da hier nicht nur behauptet wird, "ich weiß, dass ich nichts weiß", sondern "auch du weißt nichts, bist dir dessen aber nur nicht bewusst". Das ist das Kritische an der Haltung: wir halten uns nicht nur dazu berechtigt, Selbstkritik zu üben, sondern wir üben die Kritik auch bei anderen aus (auch, wenn es ihnen nicht passt, aber wie wir gesehen haben, gibt es keine Grenze der Kritik bzw. es hat noch niemand eine gefunden, und wir müssen die willkürlichen Grenzen des Denkens - die "Denkverbote" der Fundamentalisten - ja nicht akzeptieren).

    Wir haben mit dem Trilemma zwar eine Grenze des Denkens erreicht (nämlich: Jedes Wissen ist hypothetisch), aber eine Reihe von anderen Grenzen und gesprengt (nämlich: Jedes Wissen ist hypothetisch, nicht nur unser eigenes).

    Dies macht die Kritik an allen Auffassungen nicht nur notwendig, sondern auch konstituierend. Dies ist der Sprung vom "archaischen Denken" mit seinen Denkverboten (deswegen: bewusst, aber unkritisch) hin zu: bewusst und kritisch. Der Sprung in die Moderne muss auch im Kopf stattfinden.

    Warum uns Gott nicht hilft

    Wenn die Bibel von Gott geoffenbart wäre - so meinen viele Christen - dann wären damit alle Probleme gelöst. Das ist ein Trugschluss. Denn selbst dann bleiben noch eine ganze Reihe von Fragen ungelöst und die Probleme werden noch schlimmer.

    Der generelle Fehler der angeblich göttlichen Offenbarungen der Bibel: Es fehlt die Anleitung, wie der Text zu interpretieren ist. Selbst in drittklassigen Handbüchern finden wir heutzutage (wo der naive Glaube, alles sei "aus sich selbst heraus verständlich", sich in Nichts aufgelöst hat) eine Anleitung zum Textverständnis - am Anfang. Und wozu gibt es die Bibel? Wenn die Schöpfung vollkommen wäre, wäre eine Anleitung für uns überflüssig. Ein vollkommenes technisches Gerät kann man ohne Anleitung benutzen, eine Anleitung ist immer ein Hinweis darauf, dass das Gerät nicht selbst erklärend ist. Eine Schöpfung, die nicht selbst erklärend ist, ist unvollkommen. Folglich kann man die Bibel nur als Nachbesserung sehen, um die Unvollkommenheit auszugleichen. Erkennt man die Bibel an, dann behauptet man, dass Gott unvollkommen war, denn er hätte bei unserer Erschaffung bereits alles in uns selbst anlegen können. Ferner stellt sich noch die Frage, warum Gott so spät zur Einsicht kam, wir benötigten eine Anleitung für diese Welt. Braucht er so lange, um zu lernen?

    Vor Jahrtausenden hat an solche Dinge noch kaum ein Mensch gedacht. Von einem Gott würde man ein wenig mehr Vorauswissen um die Problematik der Interpretation erwarten. Ergo ist die Wandlungsfähigkeit der Interpretation der Texte eine Evidenz gegen den göttlichen Ursprung der Schriften. Es handelt sich um Menschenwerk. In der fehlenden Anleitung zur Interpretation erkennen wir ein menschliches Versäumnis, welches einem Gott niemals unterlaufen wäre.

    Hinzu kommt noch das Problem, welches Thomas Paine (in: "The Age Of Reason (→ http://www.infidels.org/library/historical/thomas_paine/age_of_reason/part1.html)) so formuliert hat (Übersetzung von mir):

    Es ist eine selbst-widersprüchliche Behauptung, irgendetwas als Offenbarung zu bezeichnen, was wir aus zweiter Hand wissen, sei es geschrieben oder gesprochen. Offenbarung ist begrenzt auf die erste Kommunikation - nach dieser ist es nur eine Ansammlung von Worten von denen eine Person behauptet, es handle sich um eine Offenbarung, die ihm gemacht worden sei, und es mag sein, dass er sich verpflichtet fühlt, daran zu glauben, aber danach kann es für mich nicht die Pflicht sein, in derselben Art zu glauben, denn diese Offenbarung wurde nicht MIR gemacht, und ich habe nur sein Wort, dass es ihm geoffenbart wurde.


    Und an anderer Stelle ("The Life and Works of Thomas Paine", Vol. 9 S. 134) sagt Thomas Paine (Übersetzung von mir):

    Dass Gott nicht lügen kann, bringt Deiner Argumentation keinen Vorteil, weil es keinen Beweis dafür gibt, dass die Priester nicht lügen können oder die Bibel es nicht tut  [10].


    Letztlich setzt sich ein Mensch, gleichgültig, ob ihm etwas offenbart wurde oder nicht, selbst an die Stelle Gottes, wenn er von mir verlangt oder erwartet, ich sollte nach dieser Offenbarung handeln. Ich kann nämlich nicht unterscheiden, ob mich der entsprechende Mensch anlügt oder nicht, oder ob er sich eventuell selbst täuscht. Sie können auch nicht nachprüfen, ob ich letzte Nacht von dem unsichtbaren rosa Einhorn geträumt habe oder nicht, ich könnte Sie anschwindeln, ohne dass Sie auch nur die geringste Chance haben, mich bei dem Schwindel zu erwischen. Und genau dieser Umstand macht es für Betrüger auch so attraktiv, ihre Überzeugungen als die eines Gottes auszugeben - der Lohn, d. h. die Treue der Anhänger ist ihnen gewiss, aber die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, liegt geradezu bei Null. Hoher Ertrag und geringes Risiko ist immer ein großer Anziehungspunkt.

    Es gibt noch etwas, was auffällt an den göttlichen Offenbarungen der Bibel: Der Kern der Offenbarung besteht aus moralischen Geboten und Vorschriften. Das ist allerdings wegen Euthyphrons Dilemma völlig unmöglich - eine göttliche Offenbarung gleich welcher Art kann keine moralische Richtschnur sein! Es kann allenfalls eine Anregung sein, über Moral nachzudenken. Gott müsste um das Dilemma wissen und würde dies nur auf einem Wege umgehen können: In dem er aus den Geboten Regeln macht. Regeln sind Gebote plus einer guten Begründung, warum es sinnvoll ist, die Gebote einzuhalten. Denn die Regeln - sofern sie gut sind - können für sich selbst stehen, unabhängig davon, ob ich an die Offenbarung nun glaube oder nicht. Regeln sind ein Appell an die Vernunft, sie sind unabhängig davon, ob ich eine Autorität anerkenne oder nicht.

    Und was finden wir in der Bibel? Fast ausschließlich Gebote und so gut wie keine Regeln! Und wenn es sich um Regeln handelt, dann werden diese durch die Androhung von Höllenstrafen begründet.

    Was bedeutet es also, wenn jemand behauptet (und es ist nicht mehr als eine Behauptung), etwas sei ihm von Gott geoffenbart worden? Zum einen, dass ich nicht das Gegenteil beweisen kann, genauso, wie niemand mir beweisen kann, dass ich lüge, wenn ich behaupte, ich hätte letzte Nacht von dem unsichtbaren rosa Einhorn geträumt. Zum anderen ist es ein Test: Vertraue ich dem Anderen soweit, dass ich bereit bin, es ihm blind und ohne eigene Bestätigung zu glauben?

    Wie funktioniert dieser Test? Angenommen, ich mache eine absolut geniale Aussage und behaupte dann, sie sei mir von Gott geoffenbart worden. Wenn die Leute sagen "Wow, das kann sich kein Mensch ausgedacht haben, das ist so gut und so genial" - dann werden sie dazu neigen, mir zu glauben. Denn die Aussage kann auf eigenen Füßen stehen. Ihr übermenschlicher Charakter ist sozusagen "offenbar". Aber wenn ich mir so etwas selbst ausgedacht habe, wäre es natürlich dumm, mir diese Genialität nicht selbst anrechnen zu lassen, also kann man hier davon ausgehen, dass ich ehrlich war, denn es ist nicht zu meinem Vorteil, von einer Offenbarung gesprochen zu haben.

    Aber angenommen, meine Aussage ist überhaupt nicht von zweifelsfreier Genialität - dann kann man mir glauben oder es bleiben lassen. Wenn man es mir glaubt, dann ist das zu meinem Vorteil (= Autoritätsgewinn), und es ist unglaublich naiv, anzunehmen, kein Mensch könne diesen Vorteil nicht erlangen wollen, wenn man ihm dazu Gelegenheit gibt. Aber da die Genialität, das Übermenschliche, sehr schwer herzustellen ist, nimmt man einen anderen Weg. Man behauptet etwas, was unplausibel, unlogisch und unverstehbar ist und macht ein "Geheimnis" daraus (Geheimnisse üben eine ungeheure Anziehungskraft auf menschliche Neugier aus). Die Genialität wird dadurch simuliert, dass man es nicht verstehen kann. Es ist unverstehbar, wie die Geheimnisse der Relativitätstheorie, also ist es auch so genial. Die Effekte der Relativitätstheorie sind beobachtbar und widerlegbar, ganz im Gegensatz zu vielen Behauptungen der biblischen Offenbarung (abgesehen von den geschichtlichen Dingen, und gerade da erweist es sich, dass die Bibel vor Erfindungen nur so strotzt - siehe Finkelstein 2002).

    Außerdem ist es ungeheuer befriedigend zu sehen, dass die Menschen einem blind derartigen Unsinn glauben, gegen ihren Verstand glauben, also bereit sind, sich der Autorität soweit zu beugen, dass sie sagen "Ich bin bereit, Dir ohne Beweise zu glauben, selbst wenn mein Verstand sagt, es sei unsinnig". Wenn jemand dazu bereit ist, eine Autorität soweit anzuerkennen, dann kann diese Autorität quasi mit dem Menschen machen, was sie will (z. B. ihn auf Kreuzzüge zu schicken). Mehr Macht über Menschen bekommt man sonst nur noch mit einer geladenen Waffe in der Hand, aber das ist viel mühseliger. Außerdem ist es dann auch einfacher, den Menschen einen anderen Unsinn einzureden, wie beispielsweise, dass er eine Kirche braucht, um ein Leben nach dem Tode zu bekommen, und dass er dafür bezahlen muss (Kirchensteuer). Das einzig Sichere an der Erlösung ist der Erlös daraus, wie Deschner sagte. Wobei durch die Aufklärung die Bereitschaft, jeden Unsinn zu glauben, etwas abgenommen hat, ein Umstand, den die Theologen oft bemängeln, zwingt es sie doch zum Umbau ihrer Gedankengebäude und zu einer Anpassung ihrer "ewigen Wahrheiten". Für das, was heutige katholische Theologen mehrheitlich vertreten, wären sie im Mittelalter vor ein Inquisitionstribunal gezerrt worden. Aber es ist immer noch alles genau so wahr, wie es schon immer gewesen sein soll. Während Wissenschaftler freimütig ihre Irrtümer eingestehen, tun sich Theologen ungeheuer schwer damit. Und wenden die Freimütigkeit der Wissenschaftler beim Zugeben von Irrtümern sogar gegen die Wissenschaft. Aber das ist ein anderes Thema.

    Normalerweise - im Geschäftsleben - ist die Bereitschaft, ohne Beweise und gegen die Vernunft etwas zu glauben, eine Aufforderung an Betrüger, ein Betteln: "Bitte, bitte betrüge mich doch!". Diesem Wunsch wird auch fast immer stattgegeben. Im Geschäftsleben merkt man aber irgendwann, dass man herein gelegt worden ist. Beim Glauben ist es meist zu spät.

    Bei der Offenbarung der Bibel wird zumeist auch noch falschherum gedacht: Es gilt als ausgemacht, die Schrift sei göttlichen Ursprungs (ganz - Bibelfundamentalismus - oder teilweise - nach dem Verständnis der katholischen Kirche), und nun versucht man, ihre Göttlichkeit mit aller Gewalt, die man den Texten antun kann, hineinzuinterpretieren. Und, was man hineininterpretiert, kommt als Echo zurück. Ein Leser projiziert sein Verständnis auf die Texte. Von falschen Voraussetzungen angefangen kann das Ergebnis nur falsch sein.

    Für den Bibelfundamentalismus spricht eine ganz simple Logik: Wenn die Schrift von einem allwissenden, göttlichen Wesen offenbart wurde, gültig für eine lange Zeit, dann ist jede aufwändige, studierten Theologen vorbehaltene Interpretation, Unsinn - wobei die Bibelfundamentalisten dies auch nicht durchhalten können, weil dann nämlich jeder kleinste logische Widerspruch eine Evidenz gegen den göttlichen Ursprung ist, jeder Fehler spricht dagegen - und zwar gegen die Bibel als Ganzes. Also muss man die Fehler hinweginterpretieren. Ein logischer Zirkel: Die Bibel ist Gottes Wort, daher fehlerfrei, wenn wir einen Fehler entdecken, kann es nur ein Missverständnis sein, denn Gott macht keine Fehler, also müssen wir es so interpretieren, dass es fehlerfrei wird, was dann wiederum den fehlerfreien göttlichen Ursprung "beweist". Aber die angebliche Fehlerfreiheit ist eine menschliche Konstruktion.

    Eine nicht-wörtliche, symbolische Interpretation hat das gewaltige Problem, dass die Kriterien dazu nicht Bestandteil der Offenbarung selbst sind, die Kriterien wiederum sind menschengemacht, d. h. außerbiblischen Ursprungs und damit vollkommen willkürlich. Dass dem so ist spricht stark gegen eine "göttliche Inspiration". Man kann für Shakespeare tausend Interpretationen finden, nur eine nicht: Man kann nicht wissen, was er sich dabei gedacht hat. Folglich kann man nicht wissen, was sich ein Gott bei der Niederlegung der Schrift sich dabei gedacht haben sollte - es fehlt der Leitfaden. Dass Gott so etwas übersehen haben sollte, unterstellt menschliche Dummheit göttlichem Handeln. Gott, so dumm und unwissend wie unsere Vorfahren vor 2.000 Jahren? Das scheint mir blasphemisch zu sein, aber diese Blasphemie durchsetzt diese Interpretationen der Bibel als "inspirierte heilige Schrift".

    Die Idee der Inspiration selbst ist ohnehin ein Denkfehler. Um Robert Green Ingersoll zu zitieren:

    Nun wird behauptet, dieses Buch [die Bibel, Anm. VD] sei inspiriert. Es kümmert mich kein bisschen, ob dies stimmt oder nicht, die Frage ist, ist dies wahr? Wenn es wahr ist, dann braucht es nicht inspiriert zu sein. Nichts braucht Inspiration, außer etwas Falsches oder ein Fehler.


    Anders (und ebenfalls von Ingersoll gesagt), die Inspiration der Bibel beruht auf der Leichtgläubigkeit des Lesers.

    Die einzige Methode, diese ganzen Denkfehler zu vermeiden, besteht darin, die Bibel vom Kopf auf die Füße zu stellen: Sie ist reines Menschenwerk. Wenn man eine Idee darin erkennt, die offensichtlich genial ist, dann darf man gerne annehmen, sie sei göttlich offenbart, aber das ist dann nicht notwendig, um andere davon zu überzeugen. Wenn eine Idee nicht offenkundig genial ist, kann sie nicht von Gott stammen (warum sollte der unsere begrenzte Lebenszeit mit dem Aufzählen von Banalitäten verschwenden?), dann wird es aber auch schwierig, andere davon zu überzeugen. Dann braucht man wiederum so unsinnige Hilfskonstruktionen wie "man muss eben dran glauben" - jeder Astrologe, jeder Esoteriker, jeder Okkultist, jeder Scientologe, jeder Spiritist, jeder Muslim, jeder Obskurantist beruft sich auf genau dieselbe Argumentation, aus sehr durchsichtigen Gründen.

    Was macht die Bibel zu einem göttlich offenbarten Werk, den Koran aber nicht? Wenn die Argumente der Bibelgläubigen nicht erheblich und offensichtlich besser sind als die der Muslime, dann ist die Bibel genauso Menschenwerk wie der Koran auch. Wenn die Argumente nur genauso gut wie die der Muslime sind, dann gehören Christen der falschen Religion an und werden dafür später genauso in der Hölle schmoren wie Atheisten auch. Wegen der vielen verschiedenen Lesarten und Varianten und Übersetzungsprobleme ist diesbezüglich die Argumentation der Christen aber erheblich schlechter gegenüber dem Koran.

    Wenn man die Bibel als Menschenwerk ansieht, dann lösen sich alle Interpretationsprobleme nahezu in Nichts auf. Dann weiß man zwar immer noch nicht genau, was sich die Schreiber dabei gedacht haben, aber das ist dann auch nicht mehr so wichtig. Schriften zu wichtig zu nehmen ist ein Denkfehler, denn je mehr Energie zur Interpretation man hineinsteckt, umso wichtiger werden sie, und dann muss man deren Wichtigkeit beweisen - in dem man noch mehr Energie hineinsteckt, womit sie noch wichtiger werden und man noch mehr Probleme damit bekommt, sie als unwichtig zu klassifizieren usw. usf. Das nennt man einen Teufelskreislauf. Und je mehr man eine Schrift interpretiert, umso interpretationsbedürftiger wird sie - auch ein Teufelskreislauf.

    Die nahe liegende Lösung?

    Dass sich Menschen alle Dinge über Gott in der Bibel ausgedacht haben, aber über die Berufung auf ein höheres Wesen sich gerne einen Sonderstatus einräumen wollten. Diese Annahme erklärt alle Merkwürdigkeiten und kontrastiert mit keiner Tatsache.

    Konfusius, er sagt "Außergewöhnliche Behauptungen erfordern auch einen außergewöhnlich guten Beweis."

    Wie man Ideen und Vorstellungen auf andere Menschen überträgt

    Dialog-Gewalt-Indoktrination

    Wir sehen oben das Dreieck der Überzeugung, welches aus drei Eckpunkten besteht: Dialog, Indoktrination und Gewalt. Dies soll andeuten, dass es zwischen diesen Punkten fließende Übergänge gibt und keine scharfe Abgrenzung. Folter beispielsweise ist die Anwendung von Gewalt zur Indoktrination. Bestrafung ist auch eine Form der Gewaltanwendung zur Indoktrination. Erziehung ist - je nach der angewandten Methode - eine Mischung aus Belohnung, Bestrafung, Indoktrination und Dialog und siedelt sich mehr im rechten unteren Teil an. Krieg (sozusagen ein pervertierter und gewaltsamer Dialog) finden wir ganz links unten. Erziehung ohne Strafe befindet sich an dem rechten Rand des Dreiecks. Die Entfernung vom unteren Rand spiegelt u. a. auch das Alter des zu Erziehenden wieder. Drohungen befinden sich mehr auf der linken Seite des Dreiecks wieder.

    Zur Indoktrination siehe auch diesen Text.

    Wir können die meisten Dispute, Dialoge, Streits, Auseinandersetzungen - kurz alle Formen der offenen Kommunikation irgendwo auf diesem Dreieck wiederfinden, wenn diese gewisse Grundvoraussetzungen erfüllen. Nicht zu lokalisieren sind dort alogische Kommunikation, innerer Dialog, Visionen, Wahnzustände, Rauschzustände, verschlüsselte Kommunikation etc.

    Nun finde ich es wünschenswert, wenn Auseinandersetzungen sich möglichst weit vom unteren Rand entfernen. Dazu gibt es aber ein paar Voraussetzungen: Nur unter diesen Voraussetzungen kann es überhaupt einen fruchtbaren Dialog geben. Während der erste Punkt meist noch leidlich erfüllt wird, und man den zweiten Punkt meistens in den Griff bekommt, hapert es bei Diskussionen mit Gläubigen meistens mit der Anerkennung der Logik und der Begründung.

    Wir hatten an anderer Stelle bereits gesehen, dass eine Begründung stets in einem logischen Zirkel oder im Dogmatismus landet (ein unendlicher Regress ist aus praktischen Gründen nicht durchführbar, Dogmatismus ist nichts anderes als das willkürliche Abbrechen eines unendlichen Regresses). Somit gibt es keine letztendliche Begründung.

    Um dieser Tatsache nicht ins Auge sehen zu müssen, benutzen Gläubige in den Diskussionen meist eine zirkuläre Logik oder der Rückzug auf einen Supernaturalismus (d. h. alogische Argumente) als Ausweichreaktion.

    Supernaturalismus ("Es ist so, weil Gott es so wollte") ist eine Methode, mit der man alles begründen kann, damit zugleich aber eben nichts, d. h. eine tautologische, sinnfreie Form, eine Pseudo-Begründung. Eine Theorie, die alles begründen kann, ist vollkommen wertlos, und ihre einzige Begründung ist dogmatischer Natur.

    Wenn man länger mit Gläubigen (vor allem mit Fundamentalisten) diskutiert, wird man irgendwann auf zirkuläre Logik oder einen Rückzug auf den Supernaturalismus stoßen (oder auf beides). Wenn man beides nicht auflösen kann, ist ein weiterer Dialog sinnlos.

    Das gilt natürlich auch dann, wenn man selbst in zirkuläre Logik oder Dogmatismus ausweicht - so viel Selbstkritik muss sein.

    Konfusius, er sagt: "Wer behauptet, er suche die Wahrheit, aber nur findet, was er immer schon wusste, der hat sich selbst betrogen: Er hat nie gesucht."

    Wo bleibt das Gefühl

    Wenn Sie Ihre Gefühle über Ihre Ratio stellen, um zu glauben, dann bedenken Sie bitte eines:



    Es ist weder mit dem Verstand noch mit dem Gefühl möglich, an zwei einander widersprechende Dinge gleichzeitig zu glauben.

    Wenn ich Ihnen sage: "Diese Kugel hier ist gleichzeitig vollkommen weiß und vollkommen schwarz", und sie wollen das von ganzen Herzen glauben - dann geht es trotzdem nicht. Sie können an Wunder glauben, aber sie können nicht an Widersprüche glauben.



    Wenn man den Glauben als ein starkes Gefühl der Überzeugung sieht, so ist dies eine Einstellung, die ich respektieren kann. Dieses Gefühl kenne ich sehr gut.

    Wer gerne mehr über das "religiöse Grundgefühl" wissen möchte, dem sei folgende Lektüre empfohlen: Religion aus naturwissenschaftlicher Sicht (→ http://www.marienberger-seminare.de/religion_natur.pdf).

    Viele Leute schließen dann daraus, dass "Glauben" etwas höherwertiges ist als "Wissen". Vom Wissen kennt man diesen Grad der Überzeugung nicht. Wenn es also zu Konflikten zwischen "Glauben" und "Wissen" kommt, dann ist das Pech für das Wissen, da dieses immer "den Kürzeren zieht".

    Nun ist die Frage: Was hat Vorrang? Ich behaupte: Vorrang sollte der Verstand haben.

    Warum? Gefühle selbst sind stumm. Sie haben keine eigene Sprache, sondern basieren auf körperlichen Empfindungen. Emotio und Ratio sprechen nicht dieselbe Sprache. Wir können darüber reden, in dem wir die Gefühle in Worte fassen: Bei dieser Übersetzung gehen meist Informationen verloren. Wir können diese fehlenden Informationen über Empathie teilweise rekonstruieren, bestenfalls vielleicht sogar vollständig. Aber immer mit einer großen Unsicherheit. Sicher kann ich mir nur meiner eigenen Gefühle sein (und selbst da ist es schon schwierig).

    Stammesgeschichtlich sind Gefühle ziemlich alt. Sie sind vor dem Bewusstsein entstanden. Hunde z. B. können viele Gefühle, die ich habe, ebenfalls empfinden: Freude, Begeisterung, Zuneigung, Liebe, Wut, Ärger, Angst, Trauer usw. usf., also sowohl die positiven als auch die negativen Gefühle (bis auf Pseudogefühle wie Ehrgefühl, Pflichtgefühl etc. die nicht wirklich existieren - ein anderes Thema).

    Wenn also Konflikte zwischen Gefühl und Verstand auftreten, wem gebe ich den Vorrang? Dem Stammesgeschichtlich älteren Teil oder dem neueren Teil, welcher mich erst zu einem Menschen macht?

    Wenn es keinen Konflikt gibt, prima, dann freue ich mich.

    Aber wie sieht es in anderen Bereichen aus? Man kann diese Liste beliebig verlängern. Um einige dieser Dinge wurde blutiger Streit geführt. Besonders um den letzten Satz, wenn man "Mensch" durch "Arier" oder "Mitglied einer Gruppe oder Gesellschaft" o. Ä. ersetzt.

    Aber viele dieser Konflikte sind entschieden - vom Verstand. Gefühl und Anschauung, obwohl gegen den Verstand verbündet, haben in mindestens drei (wenn nicht allen vier) dieser Fragen Unrecht behalten.

    Und nun zum Konflikt aller Konflikte, quasi der "Mutter allen Streits". Ich vertrete meine Meinung. Mein Gefühl sagt mir, dass ich absolut Recht habe. Du vertrittst eine andere Meinung. Warum?

    Dafür kann es doch nur folgende Gründe geben: Ich werde dann entsprechend handeln.

    Andererseits: Wenn ich meinen Verstand befrage, dann sagt mir der: "Ich könnte Unrecht haben - mit allem, was ich sage, Du könntest Unrecht haben - wir brauchen mehr Informationen, um den Streit zu entscheiden, wir müssen weiter nachdenken". Wer hat nun recht: mein Verstand oder mein Gefühl?

    Ich weiß es nicht, aber es wäre besser, mein Verstand hätte recht, denn dann müsste ich Dir keine Uneinsichtigkeit unterstellen. Und es wäre mir auch lieb, wenn Du zu derselben Entscheidung kämest, denn dann können wir darüber reden. Über das Gefühl des "Ich bin mir sicher, ich habe recht" können wir nur dann diskutieren, wenn wir den Verstand als oberste Schlichtungsinstanz anerkennen.

    Der "historische Beweis" sieht so aus: Während in den letzten 200 Jahren viele Kriege aus religiösen Gründen geführt wurden, wurde noch kein einziger Krieg aus "wissenschaftlichen Gründen" vom Zaun gebrochen. Wissenschaft führt eine Konvergenz (= allmähliche Übereinstimmung der Meinungen und Ziele, Zusammenstreben) durch, historisch etwas vollkommen Einmaliges. Während Europa den 2. Weltkrieg führte, haben sich die Wissenschaftler aller beteiligten Länder weiter getroffen und ihre Auffassungen vereinheitlicht (misstrauisch beäugt von den jeweiligen Ländern, oft am Rande des Spionageverdachts). Während des kalten Krieges zwischen Amerika, Europa, der Sowjetunion sowie China haben die Wissenschaftler der Länder sich auf grundlegend-bahnbrechende Dinge geeinigt. Dabei neigen Wissenschaftler genauso zum Streit und zur Rechthaberei wie fast alle anderen Menschen auch.

    Während die Politiker sich stritten, weil sie fühlten, dass sie im Recht sind, und ihnen ihre Völker darin folgten, sagten sich die Wissenschaftler "Gleichgültig, ob ich fühle, dass ich im Recht bin, das ist irrelevant, lasst es uns ausdiskutieren" - und sie einigten sich. Leider missbrauchten die Politiker der Welt die Macht, die die Wissenschaftler daraus gewannen, weil sie fühlten, dass sie im Recht waren, wenn sie Massenvernichtungswaffen einsetzten ...

    Ich denke, wir Menschen kämen besser zurecht, wenn wir dieses Gefühl "Ich habe recht" ganz schnell zu den Akten legen würden, so schwer uns das auch fällt. Privat darf ja jeder denken, was er will, und solange dieses Gefühl ihn zu keiner Handlung nötigt, ist das auch in Ordnung. Solange ich dieses Gefühl nur als inneren Antrieb benutze, um noch sorgfältiger nachzudenken und meine Argumente noch präziser zu fassen (und um meine Irrtümer klarer zu sehen) ist das OK.

    Mein Gefühl sagt mir auch jetzt, ich sei absolut im Recht, aber ich bestehe nicht darauf, sondern sage: Es mag sein, dass ich mich irre. Wie sehen denn Deine Einwände aus, wo muss ich mich korrigieren, was ist falsch an dem, was ich sage, wo können wir uns einigen? Es fällt mir schwer, das zu sagen, weil ich ein verbohrter, sturer, rechthaberischer Betonkopf bin, aber über diesen Schatten springe ich, und wenn es mir weh tut und ich mir den Kopf stoße.

    Konfusius, er zitiert: "Unvermeidlich schlägt die Stunde, wo der Gefühlsglaube durch den Verstandesglauben ersetzt wird" (John William Draper)

    Glaube und Indoktrination: zwei Seiten einer Medaill

    Archaische Denkweisen sind auch heute noch weit verbreitet, denn sie haben einen enormen Vorteil: sie bieten eine sichere Basis (solange man die Basis nicht infrage stellt, aber selbst wenn man das tut, so landet man in einem Zirkel, in dem sich alles wunderbar gegenseitig bestätigt). "Herr A ist ein zuverlässiger Zeuge, soviel ist sicher. Warum ist das sicher? Weil Frau B es bezeugt. Und wie tadellos Frau B ist, wissen wir, weil Herr A uns dies selbst bestätigt hat". Häufig wird dies durch mehrere Zwischenstationen so verwirrend gestaltet, dass der Zirkel selbst für intelligente Menschen kaum zu durchschauen ist.

    Vier weitere Methoden werden eingesetzt, um diese Begründungen (des Glaubens) wahr erscheinen zu lassen: Indoktrination in frühester Kindheit ist sehr wirkungsvoll, weil wir in der Jugend die Denkmuster lernen, die wir später benutzen (und dies erklärt auch, warum Menschen meist bei der Religion ihrer Jugend bleiben - Wechsel kommen relativ selten vor und geschehen kaum spontan sondern brauchen eine lange Vorbereitung). Religion wird meist von den Eltern "geerbt" (im Sinne der Weitergabe von kulturellen Traditionen, nicht im genetischen Sinne).

    Zum Autoritätseffekt muss man kaum etwas sagen. Wir nehmen eher etwas an von Personen, die uns etwas bedeuten. Autoritäten geben uns Sicherheit und Geborgenheit und in den ersten Lebensjahren sind wir auf die Existenz von Autoritäten angewiesen, um überhaupt überleben zu können. Diesen Respekt vor Autoritäten werden Menschen kaum wieder los.

    Lernen geschieht fast ausschließlich durch die Wiederholung von Assoziationen. Jeder Mensch hat diese Erfahrung machen müssen. Nur durch ständiges Repetieren sitzt das Wissen des Prüflings. Wenn das Lernen dann noch in der Gruppe stattfindet und ritualisiert wird, dann schleifen sich die notwendigen Denkstrukturen schnell ein. Wer eine Messe in der Kirche mitgemacht hat, der erfährt folgendes: durch das Singen steigt (besonders bei ungeübten Sängern) der Kohlendioxidgehalt des Blutes an, die Denkfähigkeit lässt nach, und die Rituale üben eine fast hypnotische Wirkung aus.

    Dazu kommt dann auch noch der Gruppeneffekt: je mehr Menschen eine Überzeugung haben, um so eher nehmen wir an, dass das Gesagte wahr ist. Dabei spielt nicht so sehr die absolute Zahl eine Rolle, sondern die relative Nähe der beteiligten Gruppenmitglieder.

    Eine wichtige Rolle spielt auch der vierte Punkt: die Sanktionen gegen vorbildliche und abtrünnige Mitglieder. Daher hat fast jede der großen Religionen (mit Ausnahme des Buddhismus, dort geschieht dies eher indirekt) einen umfassenden Strafkatalog für Abweichler (bis hin zur Todesstrafe). Ungläubige werden im Christentum und Islam mit ewigen Höllenqualen bedroht - ein Schicksal, schlimmer als der Tod. Gläubige dagegen erwartet das Paradies. Durch die Indoktrination wird sichergestellt, dass niemand einen Beweis für diese Bestrafung oder die Belohnung verlangt (außer vielleicht einige mutige Kritiker).

    Diese Effekte potenzieren sich gegenseitig und wenn sie noch in die allgemeinen kulturellen Normen integriert werden, dann ist die Wirkung verheerender als eine mehrmonatige Gehirnwäsche. Dazu kommt, dass diese Prozesse der Indoktrination über mehrere Jahrtausende hinweg perfektioniert worden sind, in der Art einer kulturellen Auslese: Kulte, die nicht perfekt waren, sind untergegangen oder wurden assimiliert, später teilweise durch die Sieger sogar vernichtet, meist durch die Ermordung der Autoritätsfiguren des Kultes, manchmal auch durch die Ermordung fast aller Mitglieder. Dazu kommt noch die Missionierung, die im Christentum besonders gewalttätige Formen angenommen hat (selbst in der jüngeren Geschichte).

    Eine weitere Wirkung wird durch den hohen Erklärungswert der Glaubensvorstellungen erzielt. Menschen sind in hohem Maße darauf "konditioniert", Muster zu erkennen. Es ist praktisch kaum möglich, ein sinnloses Punktmuster z. B. durch Verspritzen von Tinte zu erzeugen, ohne dass wir Gestalten und Figuren darin erkennen. Auch in Wolkenformationen erkennen wir sofort Vertrautes.

    Da die Beschreibung der Welt stets unvollständig ist, werden die fehlenden Teile durch Musterergänzung komplettiert. Offensichtlich ist eine falsche Theorie, die die Welt komplett erklären kann, einer unvollständigen, aber korrekten Theorie immer überlegen (was die Annahme durch die Menschen angeht).

    Hier leisten die großen Religionen Erstaunliches: Sie liefern eine fast komplette Erklärung für die Welt und vermitteln so Sinn, Sicherheit und Geborgenheit. Deswegen "dürfen" die Glaubensvorstellungen auch nicht angegriffen werden, denn sonst könnten zu viele Leute aus dem Kontrollraster fallen.

    Und noch ein wichtiger Punkt spricht für die Glaubensvorstellungen: Sie sind so einfach gehalten, dass keine besondere intellektuelle Anstrengung nötig ist, sie zu begreifen. Wer aber geistige Herausforderungen nicht scheut, der findet auch dort genug Material für Fortgeschrittene.

    Wichtig ist auch noch zu erwähnen, dass Religionen kaum Vorhersagen über die Welt machen, die so eindeutig sind, dass ein Nichteintreffen etwa als eine Widerlegung gedeutet werden kann. Vorhersagen werden entweder keine gemacht, oder diese sind nicht explizit sondern werden durch spätere Deutung in die Texte hineininterpretiert, oder sie werden so Vage gehalten, dass eine Fülle von wahrscheinlichen Ereignissen zur "Bestätigung" der Vorhersage dienen kann. Dies übertrifft aber selten die Güteklasse billiger Jahrmarktsgaukler.

    Wenn man z. B. die mehrfach geäußerte Prophezeiung nimmt, mit der Jesus das baldige Ende der Welt verkündet, so wird entweder die Übersetzung angezweifelt, oder der Text "darf nicht so wörtlich interpretiert werden" etc. Ausreden lassen sich genug erfinden.

    Konfusius, er zitiert: "Es steht niemandem frei, Christ zu werden: Man wird zum Christen nicht "bekehrt", man muss krank genug dazu sein ..." (Friedrich Nietzsche)

    Der "Abstieg" von der Sicherheit des Glaubens zur Unsicherheit des Wissen

    Bei dieser Massivität und Gewalt - in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht - beim Durchsetzen bzw. beim Aufrechterhalten der Glaubensvorstellungen verwundert es kaum, dass es so lange gedauert hat, bis - anknüpfend bei alten griechischen Vorstellungen - ein Versuch gemacht wurde, andere Methoden der Wahrheitsfindung zu etablieren. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Kirche im Mittelalter praktisch ein Bildungsmonopol und ein Schriftmonopol hatte.

    Damit hatte die katholische Kirche zunächst auch ein Wahrheitsmonopol.

    Wie bis zum heutigen Tage wurde auch dieses Monopol missbraucht. Insbesondere wurde es zur Vernichtung der Andersgläubigen benutzt. In dem man ihre Bücher auslöschte oder fälschte konnte auch die Geschichte in ihrem Sinne gefälscht werden. Wie der große Bruder in George Orwells Roman "1984" kontrolliert der die Zukunft, der die Vergangenheit kontrolliert.

    Dieses System funktionierte in Europa über mehr als 1.000 Jahre - eine lange Zeit. In dieser Zeit wurden die meisten geistigen Fähigkeiten daraufhin ausgerichtet, dieses Glaubenssystem zu stärken und gegen jede Form des Einwands zu festigen. Aber mit der Stärkung der geistigen Fähigkeiten wurden zugleich auch die Fähigkeiten begründet, mit denen man das ganze System ins Wanken bringen konnte.

    Zur Stützung des Systems war hauptsächlich die Logik (→ http://www.infidels.org/news/atheism/logic.html) des Aristoteles benutzt und etwas weiterentwickelt worden. Wichtiges Merkmal der Logik ist aber, dass sie nur wahrheitsbewahrend, nicht wahrheitserweiternd ist. Logische Schlüsse können bestenfalls aus der Wahrheit der Prämissen Erkenntnisse hervorholen, die in den Prämissen bereits drinstecken (aber vielleicht nur nicht offensichtlich waren). Dies war im Sinne des Systems - denn wenn man die Prämissen durch Immunisierung nicht anzweifeln konnte bzw. durfte, dann konnten auch nur Wahrheiten herauskommen, die den Glauben stärkten.

    Die ersten Wissenschaftler versuchten nun, die Wahrheit zu erweitern. Zu dieser Zeit war der Versuch naiv, denn man hatte noch nicht bemerkt, dass jede Begründung unweigerlich in das Münchhausentrilemma führt. Damit unterminierte man aber zugleich auch die Sicherheit des alten Systems, denn wenn man das "neue Denken" kritisieren konnte, wieso dann nicht auch das archaische Denksystem? Wenn man mit der Kritik das Denken schärfen konnte, galt dies denn nicht für jegliches Denken? Wo sollte man Halt machen, und warum sollte man überhaupt halt machen?

    So kam es, dass die neu gefundenen Erkenntnisse zunehmend in Konflikt mit dem Glauben gerieten. Man war zwar froh, neue Erkenntnisse zu gewinnen, vor allem nützliches Wissen, aber man geriet an drei Fronten in Bedrängnis: dem Glauben, dem Begründungs-Trilemma und der Anschauung selbst. Offenkundig war das Universum bizarrer und vielfältiger als man ursprünglich gedacht hatte. Und offensichtlich ließ sich die Sicherheit des alten Glaubens nicht mehr retten. Man war von Dingen, die man "anschaulich" und "sicher" für wahr hielt, zu bizarrem, unanschaulichem und unsicherem Wissen gekommen, also vom Regen in die Traufe. Und je unsicherer das Wissen wurde, um so nützlicher wurde es gleichzeitig bei der Beherrschung der Welt. Dies ist ein gewaltiges Paradoxon ... wieso kann Wissen um so nützlicher werden, je unsicherer es wird?

    Weil es sich natürlich nicht um einen "Abstieg" handelt, der vom "sicheren" Glauben zum "unsicheren" Wissen führt, sondern ein Aufstieg, der vom illusionär und fälschlicherweise für sicher gehaltenen Glauben zu einer relativ besseren Form der Erkenntnis führte. Denn alle Gründe, die gegen ein gesichertes Wissen sprechen, sprechen in noch stärkerem Maße gegen den Glauben. Dies einzusehen ist für Gläubige so schmerzhaft, dass sie sich lieber vor dieser Erkenntnis verschließen.

    Konfusius, er sagt: "Je blinder der Glauben, umso sehender denken sich die Gläubigen."

    Kritik und Selbstkriti

    In den drei Schritten der Erkenntnis klang es bereits an: Die Fähigkeit zur Kritik ist nichts ohne die Fähigkeit zur Selbstkritik. Denn wenn alle Erkenntnis stets nur vorläufig begründbar ist, dann kann nur die Kritik die Erkenntnis in Bewegung halten (auf das Ziel von mehr und besserer Erkenntnis hin). Wenn die Kritik fehlt, dann fehlt auch der Antrieb, neue Erkenntnisse zu schaffen (sofern die Mängel nicht offensichtlich sind).

    Während weniger hundert Jahre wurde in Griechenland vor dem Christentum mehr an Erkenntnis gewonnen als in 1.000 Jahren Christentum. Wenn die Bibel (oder eine beliebige andere "heilige Schrift") schon alle wesentliche Erkenntnis enthält, wozu sich dann noch anstrengen, um diese Kenntnisse zu erweitern?

    Nur, wenn man die Vorläufigkeit aller Erkenntnis anerkennt, dann hat man einen gewichtigen Grund zu forschen.

    Die Religionen erkennen die hypothetische Natur aller Erkenntnis vor allem an, wenn es sich um den Glauben anderer handelt. Nur bitte die eigenen Grundlagen verschone man von der Kritik, bei Marginalien (oder was man dafür hält) ist man schon großzügiger. Dafür geißelt man sich dann als "Ausgleich" auch gerne, was die Erreichung unerreichbarer Glaubensanforderungen angeht - aber genau diese Form der Kritik bzw. des moralischen Masochismus ist mit selbst-kritisch nicht gemeint.

    Die Selbstkritik der Wissenschaft wird von Fundamentalisten mit Vorliebe gegen die Wissenschaft gewendet. Sie ist ein so wesentlicher Bestandteil der Wissenschaft, dass es keinerlei Anstrengung bedarf, sie zu finden. Vor allem zwei wichtige Kritikpunkte haben es den Fundamentalisten angetan:
    1. Die Tatsache, dass alles Wissen hypothetisch ist.
    2. Die Lückenhaftigkeit des Wissens.
    Um es mit Sokrates zu sagen: "Ich weiß, dass ich nichts weiß" (aber inzwischen weiß man das ein ganzes Stück genauer!).

    Vom 1. Punkt werden die eigenen Erkenntnisse natürlich ausgenommen. Dies scheint etwas zu sein, dass sich ausschließlich gegen die Wissenschaft wendet, eine ihrer großen "Schwächen". Wie ich oben gezeigt habe, wird dies aber von Wissenschaftlern bzw. wissenschaftlich gebildeten Menschen als Stärke angesehen. Festhalten an vorhandenem Wissen führt zur Stagnation. Wenn man nicht sicher ist, recht zu haben, wird man auch eher zur Toleranz neigen. Hinzu kommt, dass jede Untersuchung der Erkenntnis unweigerlich zu dem Schluss kommt, dass alles Wissen hypothetischer Natur sein muss: Denn wir landen jedesmal im beschriebenen Trilemma.

    Aber dies gilt auch für das angeblich so "sichere Wissen" der Fundamentalisten. Da diese ihre Basis aber gegen derartige Einwände immunisiert haben, wird dies nicht anerkannt. In der Folge redet man aneinander vorbei. Wie diese Immunisierung funktioniert, habe ich unter Denkfallen genauer beschrieben.

    Aber Ignoranz der Tatsachen ändert an den Tatsachen nichts. Glauben kann man durch Ignoranz ändern, Tatsachen nicht.

    Korrekt wäre es, die Immunisierung der Basis anzugreifen und die Fundamentalisten auf ihr "nicht-erkennen-wollen-können" aufmerksam zu machen. I. d. R. wird dies aber am psychologischen Widerstand scheitern.

    Auch der zweite Punkt (der aus dem ersten Punkt folgt) ist ein hervorragender, generischer Hebel, an dem man Kritik ansetzen kann. Die Menge an möglichen Forschungsthemen geht gegen unendlich, aber wir haben nur endliche Zeit und endliche Ressourcen, deswegen wird jede Forschung immer nur "Stückwerk" bleiben. In diese Lücken kann man vorstoßen und dort Erklärungen anbieten, die den Grundlagen der Wissenschaft widersprechen. D. h. die Evolutionstheorie (um nur ein beliebtes Beispiel zu nennen) lässt sich dadurch angreifen, dass die Wissenschaftler noch längst nicht alles wissen, sondern sich überall Erklärungslücken auftun, in denen sich ein "intelligenter Designer" unterbringen lässt. Die Wissenschaftler hingegen sind optimistisch, bei genügend großem Einsatz diese Lücken schließen zu können - dies ist auch recht häufig gelungen, wenn auch nicht immer.

    Aber auch wenn in der Vergangenheit diese Lücken häufig geschlossen wurden, so mag dies Optimismus für die Zukunft rechtfertigen, aber eine Sicherheit lässt sich daraus keineswegs ableiten. Diese Unsicherheit kann man ausnutzen, um den Leuten hier die eigene Sicherheit zu "verkaufen". Gewissheit (und sei sie auch nur scheinbarer Art) ist von großer Attraktivität.

    Man kann hier nur mit Wahrscheinlichkeiten argumentieren: wenn (im Beispiel: Evolutionstheorie) bislang Lücken nach und nach geschlossen werden konnten, wieso ging dies, obwohl sich doch irgendwo in diesen Lücken ein "intelligenter Designer" verbergen muss, auf den man unweigerlich hätte stoßen müssen? Wieso konnte man davon keine Spuren entdecken?

    Aber gerade die noch vorhandenen Lücken sind doch die Spur!

    Hier spekulieren beide Seiten über die Natur dieser Lücken, dies ist natürlich sehr unergiebig, da hier (von beiden Seiten aus!) nur Vermutungen, aber keine Argumente gegeneinander gesetzt werden. Für die Gläubigen ist dies legitim, besteht doch der Glauben selbst fast nur aus Vermutungen.

    Anders gesagt: Wir können schlecht über etwas reden, von dem wir nichts wissen, und Debatten darüber sind ziemlich sinnlos. Damit ist diese Debatte unentscheidbar.

    Der wichtige Unterschied ist: Während die eine Seite sich mit den Wissenslücken zufrieden gibt und ihre eigenen, generischen Hypothesen dort einpassen (was automatisch zu einer Stagnation des Wissens führen würde, wenn die Gegenseite sich davon beeindrucken ließe), sucht die andere Seite aktiv nach Möglichkeiten, diese Lücken zu schließen und vermehrt das Wissen. Hier lässt sich sehr gut zeigen, dass man Fortschritt gegen Stagnation verteidigt.

    Das Argument also lautet, dass die Fundamentalisten die Stagnation des Wissens verteidigen und auf dem Status quo beharren. Aber jedes Stück Wissen, dass man unerkannten Bereichen entreißt, ist zugleich ein Beweis dafür, dass es eben nicht ausreicht, nur darauf zu beharren, man habe doch recht.

    Übrigens kann auch die Wissenschaft jederzeit in den Fundamentalismus abrutschen, wenn man sich der Wichtigkeit der Kritik nicht ständig neu bewusst wird ...

    Konfusius, er sagt: "Glauben versetzt Berge? Nein, Glauben ignoriert Berge und spekuliert, wie es wohl dahinter aussehen mag, Wissen erklettert Berge."

    Intoleranz und Stagnatio

    Nur einmal einen Moment angenommen, meine Erkenntnisse seien absolut richtig (denn sie sind mir z. B. im Traum als absolute Wahrheit von Gott geoffenbart worden): Dann wäre es doch völlig sinnlos darüber zu debattieren?

    Denn Deine Kritik kann nur von einem menschlichen Standpunkt aus kommen - mein gesichertes Wissen hingegen stammt von einer höheren Warte. Mein Wissen wurde von einem weit über uns stehenden Wesen geadelt. Wieso sollte ich Kritik daran akzeptieren? Kann und muss fehlende Einsicht auf deiner Seite nicht vielmehr nur mit Bösartigkeit, Blindheit, Uneinsichtigkeit etc. erklärt werden?

    Man muss sich vor Augen führen, wie ungeheuer verlockend es für Menschen ist, dieser Versuchung nachzugeben und die eigene Meinung als die Meinung eines Gottes auszugeben (und damit absolute Folgsamkeit zu verlangen). Es ist sehr einleuchtend und wird sicher auch von Fundamentalisten zugegeben, dass dieser Missbrauch in der Weltgeschichte sehr häufig vorgekommen ist (wie könnte man sonst die anderen, falschen Fundamentalismen alle erklären?).

    Bei der Wissenschaft gibt es Korrekturmechanismen gegen falsche Behauptungen (Peer Review, Wiederholbarkeit, kritische Diskussionen, Experimente etc.). Sicher gab und gibt es auch in der Wissenschaft Fälschungen - auch Wissenschaftler sind gegen die Verlockungen nicht immun! Ich erinnere in diesen Zusammenhang an die Zwillingsstudien, die Cyril Burt vorgelegt hat, um in der Intelligenzdiskussion zu "beweisen", dass Intelligenz zum größten Teil angeboren ist. Aber immerhin ist der Schwindel aufgeflogen.

    Wenn nun in der Wissenschaft mit denselben Methoden wie im Fundamentalismus die Ergebnisse und Theorien gegen Kritik abgesichert werden würden, dann wäre es unmöglich gewesen, den Schwindel aufzudecken. Dann würden wir den Fälschungen Burts "glauben", weil sie von einem renommierten Wissenschaftler stammen, und die Folgen wären verheerend (die Fälschungen von Burt waren einer der Gründe dafür, dass in den USA die Fördermittel für Minderbegabte gestrichen wurden).

    Welche Mechanismen garantieren mir nun bei einem Fundamentalismus, dass ich nicht dort ebenfalls auf einen Schwindel hereinfalle? Und ich verlange diese Garantie, denn es gibt so viele "garantiert wahre", sich aber widersprechende Glaubensrichtungen, dass man sich da leicht (ver)irren könnte. Ich lege sehr hohe Maßstäbe an, d. h. mindestens dieselben wie bei der Wissenschaft - aber eigentlich (da absolut wahr) müssten diese sogar noch höher sein, also sind meine Maßstäbe sogar eher noch bescheiden.

    Aus dem Münchhausentrilemma sehen wir, dass mir niemand diese Garantie geben kann (auch die Wissenschaft nicht). D. h. der Glauben verletzt jedes denkbare Qualitätskriterium, entgegen allen hohen Behauptungen. Wenn man eine Qualitätssicherung bei der Erkenntnis durchführt, dann wird man sehen, dass der Glauben hier äußerst ungenügend ist ... diese Unsicherheit auf der einen und Gehorsam dem Glauben gegenüber anderseits bilden einen seltsamen Kontrast.

    Psychologisch gesehen wird durch das Verlangen nach "blindem" Gehorsam die Unsicherheit kompensiert: Sicherheit bekommt man nur als Gegenleistung dafür, keine Kritik zu äußern bzw. seinen kritischen Verstand gleichsam "abzuschalten". Da Glaubensvorstellungen häufig deckungsgleich zu Wunschvorstellungen sind, heißt dieses "Tauschgeschäft": Ich erfülle deine Wünsche, wenn du mir dafür deinen Verstand gibst. Das wäre ein fairer Handel, wenn die Erfüllung der Wünsche nachvollziehbar wäre. Aber für eine konkrete Leistung im Diesseits wird nur ein Versprechen gegeben (wie in der Geschichte von Hank). Wer immer daher auch die Fairness dieses Handels kritisiert, verdirbt damit ein Geschäft - und zieht den Zorn der Profiteure auf sich (auch den der Anhänger, denn die möchten ja gerne glauben und fühlen sich nun betrogen - allerdings wird hier der Überbringer der schlechten Nachrichten angegriffen, nicht der Verursacher). Oder, wie Deschner sagt: "Sicher an der Erlösung ist nur der Erlös daraus".

    Ohne Korrekturmechanismen und ohne Qualitätssicherung wird der Glaubenskunde in doppelter Hinsicht betrogen: zum einen um ein Leben im Diesseits, das ganz anders aussehen könnte und u. A. ja auch mit einer Stagnation des Wissens bezahlt wird, zum anderen auch um die Erfüllung seiner Wünsche im Jenseits.

    Wer glaubt, dies sei offensichtlich und leicht zu durchschauen, der sehe sich einmal die Protokolle einiger Betrugsszenarien an, wo die Betrogenen bis ganz zum Schluss felsenfest an die Erfüllung ihrer Wünsche geglaubt haben. Hier ist es allerdings so, dass der Betrug (oder die Selbsttäuschung) nie aufgedeckt werden kann, weil die Erfüllung der Wünsche nicht überprüft werden wird.

    Es gibt eine Ökonomie des Glaubens: je mehr Energie in eine Ansicht gesteckt wurde, um so schwerer fällt es, diese loszuwerden, weil damit die investierte Energie ja aufgegeben wird. Dies ist auch in der Wissenschaft ein Problem, aber es fällt durch die vielfältigen Absicherungsmaßnahmen moderater aus.

    Konfusius, er zitiert: "Hat eigentlich die Skepsis auf die Schlachtfelder geführt oder der Glaube?" (Karlheinz Deschner dt. Autor und Kirchenkritiker)

    Denkfallen - was tun im Falle einer Falle

    Das grundsätzliche Problem des Fundamentalismus ist eine Denkfalle (eine genauere Erläuterung einer Denkfalle befindet sich hier), in der sich die Gläubigen gefangen haben (oder gefangen wurden). Der Mechanismus der Denkfalle ist im Prinzip einfach, in der Praxis jedoch schwer zu durchschauen, da der Mechanismus durch (meist frühkindliche) Indoktrination verstärkt wurde. Hinzu kommt oft noch die Verwendung falscher Logik, dazu gibt es hier eine wunderschöne Sammlung (→ http://www.infidels.org/news/atheism/logic.html) (leider in englischer Sprache). Eine allgemeine Einführung in die Problematik der Denkfallen finden Sie hier: Denkfallen und Paradoxa (→ http://www.fh-fulda.de/~grams/dnkfln.htm).

    Wenn man die eigenen grundlegenden Anschauungen gegen Kritik immunisiert, so schafft man sich eine (scheinbar) sichere, durch keinerlei Argumente oder Fakten zu erschütternde Basis. In einem kulturellen Ausleseprozess setzen sich genau die Auffassungen durch, die sich am leichtesten durch Indoktrination quasi "einpflanzen" lassen, und die nicht argumentativ zu widerlegen sind. Vom logischen Standpunkt aus lässt sich zeigen, dass man damit fast zwangsläufig zum Monotheismus kommt: Denn hier hat man eine Basis, die man nicht mehr zu verteidigen braucht, weil eine Widerlegung unmöglich ist.

    Der Monotheismus ist also einer der möglichen logischen Endpunkte einer Immunisierungsstrategie gegen Kritik (ein anderer Endpunkt wäre der Solipsismus, der aber äußerst selten vertreten wird: vermutlich, weil das Werben von Anhängern sich mit der Grundannahme nicht verträgt, folglich kann sich diese Idee in einer Kultur nur schwerlich "fortpflanzen"). Sobald es keinen möglichen Einwand gegen die Grundlagen mehr geben kann, ist ein Stadium der Sicherheit erreicht, in der jeder Kritiker als Zerstörer von Sicherheit, damit als "Feind" erscheinen muss. Die Grundannahmen sind aber eine "uneinnehmbare" Festung, die nur einen (nicht offensichtlichen) Konstruktionsfehler hat: Es fehlt der Ausgang. Damit macht sich der Fundamentalist zum Gefangenen seiner eigenen Gedankenkonstruktion. Daraus resultiert eine Stagnation des Denkens.

    Vom Prinzip her ähnelt dies dem Grübelzirkel, dem Depressive oft zum Opfer fallen. Auch hier ist ein Ausweg schwer, weil Logik (d. h. die meisten sprachlichen Möglichkeiten) zur Hi