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Glauben und Betrug
Der folgende Beitrag sollte eigentlich in der Rubrik "Psychologie der Börse" erscheinen. Aber passt er dort wirklich hin? Ja. Auch.
Woran erkennt man Betrüger? Das ist im Börsenumfeld nicht immer leicht herauszufinden. Es gibt aber eine Menge Indizien, mit denen man Anlagebetrüger erkennen kann. Meist sagt ein Einzelindiz nicht viel aus, aber wenn drei oder mehr der Indizien zutreffen, dann ist höchste Vorsicht angebracht:
Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen ist unrealistisch
Wenn zu Zeiten, als die Börse boomte, jemand ankam, und mir 20% Rendite versprach, so hätte ich, ohne zu zögern, "unseriös" dazu gesagt. Wenn mir jemand 40% angeboten hätte, so hätte ich Betrug gewittert. Nicht, dass es solche (und abenteuerlichere) Fälle nicht gegeben hätte. Ich erinnere mich noch gut an einen Tag, an dem ich die Renditeberechnung meines Programms per Hand nachvollzogen habe - in allen Details - weil es für ein Kundendepot eine Rendite von 900% (neunhundert Prozent) in zwei Jahren auswarf. Jeder, der es sah, inklusive mir, ging sofort von einem Rechenfehler aus. Mit dem Programm konnte etwas nicht stimmen. Es stellte sich heraus, dass das Programm perfekt gerechnet hatte. Aber das Ergebnis war so unwahrscheinlich, dass ich zuerst bei mir den Fehler gesucht habe.
Wenn also die Gewinnerwartung, die erweckt wird, zu hoch ist, dann handelt es sich meist um Betrug. Fast jedes Geschäft mit geringer Investition und hohem Gewinn ist ein Betrug, mit dem Unwissende übers Ohr gehauen werden.
Zu viel zu versprechen ist ein ziemlich sicheres Zeichen für Betrug. Je verlockender ein Angebot ist, umso größer die Gier der Menschen. Und Gier kann die Rationalität untergraben.
Bestimmte Fakten lassen sich nicht nachprüfen
Insbesonders ist es nicht möglich - meist durch Zufall - die relevanten Fakten, die für eine Entscheidungsbildung gebraucht werden, nachzuprüfen. Da sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen. Oft wird die Nachprüfbarkeit durch Zeitdruck erschwert, oft durch, dass die relevanten Personen nicht erreichbar sind. Auch andere Tricks sind üblich.
Wer es ehrlich meint, sorgt bereits im Vorfeld für Transparenz.
Besonders seriöses Auftreten
Das ist zwar in Bankkreisen üblich, aber Betrüger imitieren das meist, und manche übertreiben dabei. Seriöses Auftreten ist kein Garant für Seriosität.
Es wird viel und emotionalisierend geredet
Es werden vor allem Worte benutzt, die keinen besonderen Inhalt haben, aber die emotional hoch besetzt sind. Derartige Worte sind "Freiheit", "Liebe", "Sicherheit", "Wahrheit" und Ähnliches. Das sind alles Begriffe, die ohne einen bestimmten Kontext leer sind. Emotionale Besetzungen reduzieren oft die Aktivität der linken Hirnhälfte (Sitz des kritischen Verstands). Man kann die kritische Instanz auch durch Informationsüberflutung oder durch Ermüdung (lange Rituale) außer Gefecht setzen. Sauerstoffmangel betrifft die linke Gehirnhälfte auch zuerst.
Es werden auch gerne Phrasen benutzt, die inhaltlich leer sind, aber die sich gut anhören. Wenn man das lange genug macht, dann macht die kritische Instanz irgendwann schlapp. Und dann schlägt der Betrüger zu.
Argumente sind häufig zirkulär
Nach dem Motto "A stützt B, und B stützt A" - aber meist nicht so simpel - werden viele Menschen eingelullt. Es ist vielen Menschen nicht bewusst, dass zirkuläre Argumente ungültig sind. Entweder wird die Zirkularität verschleiert, oder sie ist nicht so offensichtlich.
Wenn jemand gute Argumente hat, für das, was er sagt, dann wird er sie Ihnen sagen. Wenn er keine guten Argumente hat, dann benutzt er logische Zirkel. Also ist die Anwendung logischer Zirkel fast immer ein sicheres Indiz für Betrug.
Besonders gerne werden Prominente genannt, die dieses Geschäft auch abgeschlossen haben
In den Broschüren der Betrüger werden immer überproportional viele Doktoren und Professoren genannt oder Prominente. Wir denken, wenn jemand in Physik gut ist, dann ist er nicht dumm, und wird auch in derartigen Dingen eine kluge Entscheidung treffen. Das aber ist nicht gesagt - wenn nicht die Erwähnung der Namen selbst Betrug ist und die Genannten überhaupt nicht wissen, für was sie herhalten sollen.
Man schmückt sich gerne mit berühmten Namen. Das nutzt die Autoritätsgläubigkeit der Menschen aus.
Es wird gerne auf große Massen erfolgreicher Menschen verwiesen
Menschen folgen gerne der Masse. Wenn alle es machen, dann kann es nicht falsch sein. Also wird gerne mit der Quantität der Gefolgsleute geprahlt, was bedeutet, dass man keine Argumente für die Qualität hat.
Der Erfolg der Investition ist nicht prüfbar
Das spricht schon für sich. Wenn man nicht permanent prüfen kann, ob die Investition sich rentiert, dann ist oft ein Trick dahinter. Meist merkt man dann zu spät, wenn man betrogen wurde, und der Betrüger ist über alle Berge.
Negative Fakten werden nicht genannt
Ein seriöser Berater wird immer auch die Punkte ansprechen, die gegen eine Anlage sprechen. Und glauben Sie mir, es gibt immer etwas, was gegen eine Anlagemethode spricht. Wer diese verheimlicht oder nicht von selbst anspricht, der ist nicht seriös.
Wenn nichts gegen eine Anlage spricht, dann spricht auch nichts dafür. Das ist eine ganz simple Regel.
Wenn negative Fakten auftauchen, so werden diese heruntergespielt
Wenn man dann doch auf negative Fakten stößt, dann werden diese verharmlost und angegriffen. Manchmal wird sogar die Logik selbst angegriffen und gezeigt, dass Logik hier nichts zu suchen hat. Das bedeutet höchste Alarmstufe - hier versucht Ihnen jemand etwas zu verkaufen, was nicht koscher ist, in dem er Ihre kritische Instanz außer Kraft setzt.
Kritiker werden herabgesetzt
Wer nichts zu verbergen hat, der stellt sich seinen Kritikern. Wer aber Kritiker persönlich angreift, der beweist, dass er keine vernünftigen Argumente gegen seine Kritiker hat, die er nennen könnte. Also muss er sich auf Angriffe der Person kaprizieren. Das ist nicht nur schlechter Stil und spricht gegen die Seriosität des "Beraters", es ist ein Indiz dafür, dass der "Berater" das nötig hat.
Wer nichts zu verbergen hat, der spricht mit Respekt von seinen Kritikern. Wer das nicht tut, hat meist etwas zu verbergen, z. B. den Umstand, dass die Kritik schwer wiegt. Insbesonders, wer seine Gegner pauschal als "Lügner" bezeichnet, der beweist Defizite in seiner Argumentation. Denn man hat normalerweise keinen Anlass, jemanden der Lüge zu bezichtigen, wenn man nicht Wissen um die eigene Verfassung auf andere projiziert. Ein Lügner bezeichnet Andere als Lügner, weil er sich selbst kennt und argwöhnt, dass er selbst, wenn er der Andere wäre, lügen würde. Die Strafe für Lügen besteht darin, dass man den Anderen nicht mehr trauen kann.
Bestimmte Grundsätze werden dogmatisch behauptet
Die meisten Grundlagen lassen sich vernünftig begründen. Wird das nicht gemacht oder ist der Berater dazu nicht in der Lage, sondern setzt Behauptungen als Dogmen ein, dann ist etwas faul. Dogmen sind Denkverbote, und wenn Ihnen jemand das Denken verbieten möchte, dann hat er dafür Gründe - meist die, dass Ihnen der kritische Verstand abraten würde, wenn sie weiter denken.
Hm ... sehen Sie sich ihre Investitionen in Ihr Leben noch einmal genau an, bevor Sie es sich zur Religion machen lassen.
Konfusius, er zitiert: " Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe." (Die Bibel, → Matthäus 7:15)
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