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Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil III

Ursprünglich stand hier eine ausführliche Auseinandersetzung mit christlicher Apologetik. Ich hatte hierbei einen Artikel einer Website komplett zitiert. Der Autor (Ingmar Niderkleine) des zitierten Artikels wünscht aber keine öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Text (vor allem wohl keine Kritik) und hat mich mit Abmahnung bedroht. Ich habe die Zitate daher in der neuen Version (in blau und kursiv wie hier) auf ein absolutes Minimum beschränkt. Das macht den Text etwas schwerer lesbar - eventuelle Beschwerden deswegen aber bitte an Herrn Niederkleine!

Ich finde es interessant, dass auf Kritik gleich mit juristischen Schritten gedroht wird. Ich hatte bereits behauptet, dass Glauben auf einer geringeren Entwicklungsstufe stattfindet:
  1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
  2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
  3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Glauben verharrt auf Stufe 2 - Kritik wird mit allen (auch mit juristischen) Mitteln abgewehrt. Eine ähnliche, wenn auch ungleich rabiatere Methode benutzen manchmal Ideologen, wer diese kritisiert, muss sie auch zitieren (man muss das Kritisierte zur Kenntnis bringen, sonst ist die Kritik witzlos). Wer sie aber ausführlich oder gar komplett zitiert, verstößt gegen deren Copyright und gegen den kann man juristisch vorgehen. Und das wird weidlich ausgenutzt. Wobei ich dem Autor der zitierten Passagen hier zugute halten muss, dass er zwar gleich in der ersten Mail mit juristischen Mitteln droht, aber nicht sofort eine Abmahnung schickt. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack erhalten, einer Diskussion ist das sicherlich nicht förderlich.

Eine Diskussion mit mir wird "natürlich" auch nicht erwünscht, weil wegen meines "missionarischen Eifers" jedes Gespräch mit mir "zwecklos" sei. Auf der eigenen (christlichen) Seite wird missionarischer Eifer meist als etwas Positives und Erwünschtes angesehen, wenn aber jemand von der Gegenseite ebenfalls eine Leidenschaft in dieser Richtung entwickelt, dann ist ein Gespräch mit ihm deswegen zwecklos. Aha. Also, ich halte Diskussionen mit missionarischen Eiferern nicht a priori für zwecklos (dies mag in Einzelfällen so sein). Offensichtlich schließt der Autor der Email hier von seinem eigenen Verhalten auf das anderer Personen - weil eine Diskussion mit ihm zwecklos ist, hat dies andersherum auch der Fall zu sein. Punkt und basta. Oder fällt Ihnen ein besserer Grund dafür ein?

Aber mal im Ernst: Eine Diskussion mit Eiferern mag ja schwierig sein, ist aber auch eine spannende Herausforderung. Warum sollte man der ausweichen?

Übrigens kam in der Mail auch das Argument, ich würde mich ja "bloß mit meinem eigenen Katholizismus" auseinander setzen und völlig verfehlen, was er meint. Diese recht typische Argumentationsweise ad hominem (= gegen die Person gerichtet) hat man nur genau dann nötig, wenn einem die Argumente ausgehen, d. h., man kann zwar inhaltlich nichts gegen etwas einwenden, aber man kann stattdessen die Person attackieren.

Meine Texte hingegen können überall ganz oder teilweise zitiert werden. Sie können und sollen jederzeit Kritik üben an dem, was ich sage. Ich unterstelle auch niemandem, der anderer Meinung ist, pauschal Dummheit oder Arroganz. Ich unterstelle auch niemandem, eine bestimmte Argumentation aus "rein psychologischen Gründen" zu führen (obwohl das von meinem Beruf her nahe liegt und ich auf mich selbst aufpassen muss - aber lediglich, wenn ein Argument widerlegt wurde, aber trotz der Widerlegung aufrecht erhalten wird, dann darf man über psychologische Gründe spekulieren). Ich unterstelle auch niemandem von vornherein, es sei keine Diskussion mit ihm möglich, bloß weil er meine Argumente nicht einsieht.
3. Beweise im Alltag
Tatsächlich ist es so, dass niemand nur das glaubt, was beweisbar ist.

Und das Erstaunliche ist: Den meisten Menschen ist dies vollkommen bewusst. Wenn etwas für uns evident ist oder unserer Erfahrung entspricht oder (nach unserer Erfahrung) sehr wahrscheinlich ist, so können wir auf jeden Beweis (und sogar auf eine Begründung) völlig verzichten. Das spart Zeit und Nerven. Außerdem lässt sich nicht einmal alles begründen, geschweige denn beweisen.

Würde man für alles Beweise fordern, man könnte ich in der Tat auf keinen Stuhl setzen, weil nicht bewiesen ist, dass der auch unser Gewicht trägt.

Aber bei allen diesen Dingen kann man durch Ausprobieren herausfinden, ob sie stimmen oder nicht. Ich kann mich auf den Stuhl setzen - kracht er zusammen, ist damit bewiesen, dass er mein Gewicht nicht trägt. Ich kann nachprüfen, ob die Karte stimmt oder nicht. Und bei Autos und Flugzeugen kommt es tatsächlich zu Unfällen oder auch nicht.

Natürlich ist es schwer und unpraktikabel, bei jedem Stuhl zu testen, ob er mein Gewicht trägt oder nicht. Ich könnte, wenn ich es wollte, aber meist ist dies keine so gravierende Entscheidung, dass ich es für nötig befinde. Hier spielt eine Aufwand/Nutzen-Relation eine große Rolle, außerdem die bisher gemachte Erfahrung. Wenn ich allerdings bei den letzten zwei oder drei Stühlen die Erfahrung gemacht habe, dass sie unter mir zusammenbrechen, dann werde ich mich nur unter großem Misstrauen auf einem weiteren Stuhl niederlassen.

Auf einige Dinge vertrauen wir relativ blind, aber nur, weil wir auf dem Gebiet eine bestimmte Erfahrung haben. Aus dieser leiten wir nach mehr oder weniger bewussten Regeln ab, ob wir die Erfahrung übertragen können oder nicht. Und obwohl wir die Erfahrung haben, irren wir uns hin und wieder gewaltig. Aber dann haben wir den Beweis, dass wir dem Menschen oder der Situation nicht hätten trauen dürfen. Solche Beweise kommen meist zu spät, aber das ändert an der prinzipiellen Beweisbarkeit nichts. Wir können unsere Erfahrung sogar auf völlig unbekannte Gebiete transferieren. Das geht zwar oft schief, aber es ermöglicht uns, neue Erfahrungen zu sammeln.

Dass wir auf Beweise verzichten hat also rein praktische Gründe. Wir tun es nicht, weil es nicht geht, sondern weil es zu aufwendig wäre, und Kosten und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis stünden und weil es nicht nötig ist, etwas zu beweisen oder zu begründen, wenn es wahrscheinlich ist und/oder unserer Erfahrung entspricht. Es ist also richtig, wenn Herr Niederkleine schreibt, dass es die Erfahrung ist, die unser Vertrauen begründet.

Wobei wir unsere Erfahrung mit Stühlen mit anderen Stühlen gemacht haben, wir vertrauen einer Landkarte, weil wir Erfahrung mit anderen Landkarten gemacht haben, und wir vertrauen Gott, weil wir Erfahrung mit anderen Göttern gemacht haben. Ups. Das letzte bitte streichen, denn genau das haben wir ja nicht! Hier trägt die Analogie nicht mehr.

Wir können Menschen vertrauen, weil wir Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, die dies rechtfertigen. Wie aber können wir, wenn wir keine Erfahrung mit Göttern haben, Gott vertrauen? Wir wissen über Gott noch weniger als über unseren Nachbarn, wir wissen so wenig über Gott, dass wir nicht einmal wissen, ob er überhaupt existiert! Bei unserem Nachbarn gibt es da keinen Zweifel. Hinzu kommt, dass wir alltäglichen Umgang mit Menschen haben und unsere Erfahrungen. Wir wissen, dass es völlig unwahrscheinlich ist, dass ein Mensch ohne Maschinen fliegen kann, wir wissen aber, dass es Menschen gibt, die Bananen mögen. Wenn mir also jemand erzählt, X esse gerne Bananen und könne fliegen, dann glaube ich ersteres ohne Nachprüfen und ohne Beweis während ich keinen Beweis brauche, um letzteres abzulehnen.

Dazu schreibt Herr Niederkleine einige sehr wichtige Sätze:

Hier ist aber die Parallele zum christlichen Glauben: Es ist nämlich die Erfahrung eines gläubigen Christen, dass ihn Gott bewahrt und seine Gebete erhört. Ebenso ist es die Erfahrung eines Christen, dass sich die Bibel und ihre Aussagen als wahr erweisen, wenn man sie auf die Realität anwendet.

Parallele. Parallelen sind schwache Analogien, mit dem wir Erfahrung auf ein Gebiet zu transferieren suchen, auf dem uns die nötige Erfahrung fehlt. Das schlägt leider sehr häufig fehl, wenn sich die Gebiete nicht sehr ähnlich sind.

Hier behauptet Herr Niederkleine, dass (einige) Christen glauben, weil sie eine Erfahrung mit Gott Gebetserhörung gemacht haben. Später zeigt Ingmar Niederkleine dann (zusammen mit C.S. Lewis) was diese Erfahrungen wert sind, nämlich nichts, weil sie nichts beweisen. Aber hier an dieser Stelle wird geradezu ein Gottesbeweis daraus gemacht. Wenn man Erfahrungen auf die Realität anwendet, dann klappt es oder es klappt nicht. Klappt es nicht, dann ist damit bewiesen, dass das ein Fehler war.

Damit bewegt sich Herr Niederkleine auf dünnem Eis. Denn das würde bedeuten, dass, wenn man betet und es wird nicht erhört, man damit bewiesen hätte, dass Gott nicht existiert. Und dass eine nicht funktionierende Anwendung der Bibel-Erfahrung auf die Realität beweist, dass der Glauben nicht stimmt. Dagegen beugt er vor - und das Schöne daran ist: Er widerlegt sich selbst.

Halten wir zwei Dinge fest: Zunächst hat Ingmar Niederkleine behauptet, er braucht keinen Beweis, um zu glauben. Jetzt hat er gerade gezeigt, dass Christen aufgrund von Erfahrungen (= schwachen Beweisen) zu ihrem Glauben kommen, im Gegensatz zu der Auffassung, dass man keine Beweise benötigt, um zu Glauben. Und um den Widerspruch perfekt zu machen, beweist er als Nächstes auch noch, dass diese Erfahrungen wertlos sind!

Ich erkläre Ihnen nachher, warum das so ist bzw. sein muss. Wenn man es so nebeneinander stellt, hört es sich völlig verrückt an. Aber genau das ist es nicht! Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Aber lassen wir zunächst Ingmar Niederkleine und C. S. Lewis zu Wort kommen.

Konfusius, er zitiert: "Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben." (Friedrich Nietzsche)

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