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Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil II

Ursprünglich stand hier eine ausführliche Auseinandersetzung mit christlicher Apologetik. Ich hatte hierbei einen Artikel einer Website komplett zitiert. Der Autor (Ingmar Niderkleine) des zitierten Artikels wünscht aber keine öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Text (vor allem wohl keine Kritik) und hat mich mit Abmahnung bedroht. Ich habe die Zitate daher in der neuen Version (in blau und kursiv wie hier) auf ein absolutes Minimum beschränkt. Das macht den Text etwas schwerer lesbar - eventuelle Beschwerden deswegen aber bitte an Herrn Niederkleine!

Ich finde es interessant, dass auf Kritik gleich mit juristischen Schritten gedroht wird. Ich hatte bereits behauptet, dass Glauben auf einer geringeren Entwicklungsstufe stattfindet:
  1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
  2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
  3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Glauben verharrt auf Stufe 2 - Kritik wird mit allen (auch mit juristischen) Mitteln abgewehrt. Eine ähnliche, wenn auch ungleich rabiatere Methode benutzen manchmal Ideologen, wer diese kritisiert, muss sie auch zitieren (man muss das Kritisierte zur Kenntnis bringen, sonst ist die Kritik witzlos). Wer sie aber ausführlich oder gar komplett zitiert, verstößt gegen deren Copyright und gegen den kann man juristisch vorgehen. Und das wird weidlich ausgenutzt. Wobei ich dem Autor der zitierten Passagen hier zugute halten muss, dass er zwar gleich in der ersten Mail mit juristischen Mitteln droht, aber nicht sofort eine Abmahnung schickt. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack erhalten, einer Diskussion ist das sicherlich nicht förderlich.

Eine Diskussion mit mir wird "natürlich" auch nicht erwünscht, weil wegen meines "missionarischen Eifers" jedes Gespräch mit mir "zwecklos" sei. Auf der eigenen (christlichen) Seite wird missionarischer Eifer meist als etwas Positives und Erwünschtes angesehen, wenn aber jemand von der Gegenseite ebenfalls eine Leidenschaft in dieser Richtung entwickelt, dann ist ein Gespräch mit ihm deswegen zwecklos. Aha. Also, ich halte Diskussionen mit missionarischen Eiferern nicht a priori für zwecklos (dies mag in Einzelfällen so sein). Offensichtlich schließt der Autor der Email hier von seinem eigenen Verhalten auf das anderer Personen - weil eine Diskussion mit ihm zwecklos ist, hat dies andersherum auch der Fall zu sein. Punkt und basta. Oder fällt Ihnen ein besserer Grund dafür ein?

Aber mal im Ernst: Eine Diskussion mit Eiferern mag ja schwierig sein, ist aber auch eine spannende Herausforderung. Warum sollte man der ausweichen?

Übrigens kam in der Mail auch das Argument, ich würde mich ja "bloß mit meinem eigenen Katholizismus" auseinander setzen und völlig verfehlen, was er meint. Diese recht typische Argumentationsweise ad hominem (= gegen die Person gerichtet) hat man nur genau dann nötig, wenn einem die Argumente ausgehen, d. h., man kann zwar inhaltlich nichts gegen etwas einwenden, aber man kann stattdessen die Person attackieren.

Meine Texte hingegen können überall ganz oder teilweise zitiert werden. Sie können und sollen jederzeit Kritik üben an dem, was ich sage. Ich unterstelle auch niemandem, der anderer Meinung ist, pauschal Dummheit oder Arroganz. Ich unterstelle auch niemandem, eine bestimmte Argumentation aus "rein psychologischen Gründen" zu führen (obwohl das von meinem Beruf her nahe liegt und ich auf mich selbst aufpassen muss - aber lediglich, wenn ein Argument widerlegt wurde, aber trotz der Widerlegung aufrecht erhalten wird, dann darf man über psychologische Gründe spekulieren). Ich unterstelle auch niemandem von vornherein, es sei keine Diskussion mit ihm möglich, bloß weil er meine Argumente nicht einsieht.
Beweisverzicht als Tugend
Nochmal: Wenn etwas bewiesen ist, dann braucht man keinen Glauben. Nun wird der Begriff "Glauben" in ganz verschiedenen Bedeutungen verwendet (siehe auch die Definition im Glossar. Nennen wir im Folgenden den religiösen Glauben GLAUBEN und die umgangssprachliche Variante im Sinne von "vermuten, annehmen, für wahrscheinlich halten" als Glauben, damit keine Verwirrung entsteht. Denn obwohl es sich bei GLAUBEN und Glauben um zwei verschiedene Dinge handelt, werden diese jetzt vom kritisierten Autor heillos miteinander vermischt.

Kern der Überzeugung ist, dass die Beweisführung wiederholbar und damit kritisierbar ist. Wichtig ist, dass man damit auch Skeptiker und Zweifler überzeugen kann, in dem man die Beweise kontrollierbar macht.

Damit ist der Kernpunkt relativ gut dargelegt. Aber in der modernen Erkenntnistheorie, vertreten durch Gerhard Vollmer, wird dies nicht mehr so gesehen. In "Was können wir wissen? - Band 2 - Die Erkenntnis der Natur" widerlegt er diese Auffassung. Es würde hier zu weit gehen, dies auszuführen und ist für die weitere Diskussion auch nicht von Belang, außer, dass Ingmar Niederkleine hier mehr aus der Forschung ausblendet, als man ausblenden sollte. Wiederholbarkeit ist nur für bestimmte Teilbereiche in der Wissenschaft eine Voraussetzung, ebenso die Experimente. In der Astrophysik gibt es (meist) weder Wiederholbarkeit noch Experimente, trotzdem handelt es sich um eine Wissenschaft, die mit Beweisen arbeitet.

Es gibt auch noch indirekte Methoden des Beweises, aber bis auf das Weglassen dieser Art des Beweises ist der kritisierte Text richtig.

Ohne menschliche Kontrolle - entweder unmittelbar über das Objekt oder mittelbar im Wege der mathematischen Berechnung - gibt es jedoch keine Möglichkeit, etwas zu beweisen. Man muss sich allerdings vor Augen führen, dass dieser Bereich der menschlichen Kontrolle ziemlich groß ist und sowohl in den Makrokosmos Millionen von Lichtjahren hinein reicht bis hin zum Mikrokosmos.

Die von Niederkleine vertretene Auffassung, dass alles, was weder als Objekt greifbar noch mathematisch berechenbar ist, einem Beweis nicht zugänglich sei, ist allerdings falsch. Ferne Sonnen oder Galaxien sind weder greifbar noch berechenbar, sie sind aber beobachtbar. Das reicht schon häufig aus. Ferner gibt es auch die indirekten Beweise, mit denen wir - wie in einem Indizienprozess - diejenigen Dinge nachweisen, die wir nicht greifen können und die einem Experiment nicht zugänglich sind. Dafür sind Beweise durchaus ein taugliches Instrument.

Und auch menschliche Gefühle sind mess- und nachweisbar. Die beliebte Analogie, dass menschliche Gefühle nicht beweisbar sind, aber trotzdem existieren, ist nicht haltbar. Die Fortschritte in der Wissenschaft machen auch das möglich.

Gefühle wie Liebe oder Hoffnung brauchen wir eigentlich nicht zu beweisen, denn die kennen wir (sie stehen nicht im Widerspruch zu unserer Erfahrung). Und durch Gespräche mit anderen wissen wir, dass auch die Anderen lieben und hoffen können. Tatsächlich ist man aber inzwischen sogar soweit, diese Gefühle "beweisen" zu können, denn man kann sehen, welche Teile des Gehirns involviert sind. Man kann sogar messtechnisch nachweisen, ob ein ZEN-Meister meditiert oder nur so tut als ob, ob ein Gläubiger intensiv betet oder nur seine Gedanken schweifen lässt etc. Die Grenzen sind inzwischen sehr viel weiter hinausgeschoben worden.

Diese Argumente werden benutzt, um zu zeigen: Etwas kann existieren, ohne dass es zu beweisen ist. Das stimmt sogar. Aber wenn es existiert, dann nicht für uns, weil es offensichtlich nicht mit uns in Wechselwirkung tritt. Sobald eine Wechselwirkung da ist, und wir diese nachweisen können, können wir auch die Existenz beweisen. Von allen anderen Dingen kann man die Existenz zwar behaupten oder annehmen oder daran glauben, aber ohne Stütze ist es sehr schwer, sich nicht dabei zu irren. Aber auch ohne Beweis braucht man selbstverständlich eine Begründung für eine Existenzannahme. Ohne einen Beweis kann ich zwar behaupten, dass um den Sirius ein Planet mit intelligenten Außerirdischen kreist (das wäre sogar möglich), aber diese Behauptung bringt nichts. Niemand, der klar bei Verstand ist, würde darauf sein Leben aufbauen.

Außerdem wird gleich noch ein waghalsiger Schluss gezogen werden: Man kann nicht beweisen, dass es Gefühle wie Liebe oder Hoffnung gibt, aber trotzdem sind diese Gefühle da. Ich habe das Gefühl, Gott existiert. Auch das lässt sich nicht beweisen, wie bei den anderen Gefühlen, die aber da sind. Also ist auch Gott da. Wenn das kein Gottesbeweis ist ... und das, wo Herr Niederkleine doch keine Beweise nötig hätte (glaubt er)!

Wir können dieses Argument parodieren, dann wird der Fehler darin offensichtlicher: Ich hasse kleine, grüne Männchen. Ein Gefühl wie Hass kann man nicht beweisen, aber es existiert. Ich habe also das Gefühl, dass kleine grüne Männchen existieren. Das lässt sich genauso wenig beweisen wie der Hass, aber der existiert. Also existieren auch kleine, grüne Männchen.

Wir können dies im vorgestellten Text beobachten. Ingmar Niederkleine beweist nun aber zunächst, dass wir im täglichen Leben ohne Beweise auskommen können. Also können wir auch im Leben mit Gott ohne Beweise auskommen. Dann aber folgt ein Gottesbeweis auf den Nächsten ...

Aber zunächst muss Herr Niederkleine noch zeigen, dass es ein Leben ohne Beweise gibt. Er beweist dies sogar, obwohl das eigentlich nicht nötig wäre, denn wir wissen bereits, dass es ein Leben ohne Beweise gibt. Man nennt es GLAUBEN.

Konfusius, er zitiert: "Glaube heißt nicht wissen wollen, was wahr ist." (Friedrich Nietzsche)

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