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Warum das Christentum eine falsche Religion ist

Der folgende Text ist eine kurze Zusammenfassung von:

Christlicher Glaube und kritische Vernunft von Prof. Gerhard Streminger →Von der Güte Gottes und die Leiden der Welt. Ein Überblick über das Theodizeeproblem von Prof. Gerhard Streminger →Die Leiden an der Güte Gottes - Gedanken zu: A. Kreiner, Die Leiden der Welt und das Theodizee-Problem von Prof. Gerhard Streminger

An den christlichen Gott, so wird gesagt, kann man nur glauben, denn alle Versuche, seine Existenz zu beweisen, sind gescheitert. Der Verstand, so wird behauptet, kann einem da nicht weiterhelfen. Das hat dazu geführt, die Vernunft im Christentum abzuwerten zugunsten des Glaubens - denn nur über den Glauben kann man zu Wahrheiten finden, die sich nicht beweisen lassen und für die es keine Evidenzen gibt.

Vernunft sei hier definiert als das sachliche Abwägen von Evidenzen, die für und wider eine Behauptung sprechen. Wenn mehr Evidenzen für als gegen eine Aussage sprechen, kann man diese annehmen, sonst muss man sie verwerfen. Als Methode des Abwägens kann man die formale Logik nehmen, die dialektische Logik, transzendentale Logik oder sog. parakonsistente Logiken. Auch bei der Wahl der Methode selbst muss man abwägen.

Wenn man die Gesamtheit aller Glaubensaussagen nimmt, so ist diese Menge (nahezu) unendlich groß. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Glaubensaussage wahr ist, eins zu unendlich ist, also praktisch null. Aus diesem Grund kann man nur die Vernunft nehmen und muss auch die Glaubensaussagen vernünftig gegeneinander abwägen - daraus folgt als eine zwingende Konsequenz ein Primat der Vernunft gegenüber dem Glauben. Aus diesem Dilemma - das Vernunft die Voraussetzung des Glaubens sein muss - kommt man durch den Glauben alleine nicht heraus. Glauben kann sich nicht selbst begründen.

Wägen wir also das Für und Wider eines Glaubens an den (monotheistischen) christlichen Gott ab. Für den Glauben an Gott sprechen keine Evidenzen, aber sehr wohl gegen den Glauben an einen allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott. Denn die Übel dieser Welt sind eindeutige Argumente gegen einen allgütigen Gott, wenn dieser zugleich als allmächtig und allwissend gedacht wird. Ohne Lösung des Theodizeeproblems gibt es also berechtigte Gründe, die Annahme der Existenz des christlichen Gottes zu verwerfen. Dies hat Streminger in seinem Artikel →Von der Güte Gottes und die Leiden der Welt ausreichend dargelegt, mehr noch in seinem Buch: Streminger, Gerhard: 1992, →Gottes Güte und die Übel der Welt, Das Theodizeeproblem, Mohr Siebeck, Tübingen.

Da also das Theodizeeproblem ungelöst ist, bleibt gegenüber diesem Gott nur die Position des Atheismus übrig. Ein Gott, der allmächtig und allgütig ist, ist angesichts des Leids in der Welt undenkbar. Da es zudem unmöglich ist, an etwas zu glauben, was in sich widersprüchlich ist, ist dieser Gott folglich nicht glaubbar.

Wenn es den christlichen Gott nicht gibt, ist auch das Christentum selbst schlicht falsch. Hinzu kommt, dass die in der Bibel aufgeführten Evidenzen sehr, sehr schwach sind. Wir wissen inzwischen, dass die Erschaffung der Welt in der Bibel ein Mythos ist, eine Legende. Auch die Schöpfung des Menschen hat sich nicht wie in der Bibel geschrieben zugetragen. Der Mensch ist im Verlaufe eines ca. vier Millionen Jahren andauernden Prozesses aus tierischen Vorfahren hervorgegangen. Damit entfällt auch der Sündenfall in der Bibel als Begründung gegen das Theodizeeproblems, weil es das Leid in der Welt schon gab, bevor der Mensch auf der kosmischen Bühne erschien. Und aus einer offensichtlich erfundenen Geschichte kann man keine Begründungen beziehen. Auch viele der weiteren Geschichten im AT sind Legenden (siehe dazu die archäologischen Fakten in Finkelstein, Israel und Silberman, Neil A.: 2002, →Keine Posaunen vor Jericho, C. H. Beck, München), gegen die die Evidenzen sprechen, obwohl einzelne Fakten in der Bibel durchaus geschichtlich korrekt sind.

Die Güte Gottes wurde aber insbesonders im NT eingeführt von Jesus. Da dieser Gott, auf den sich Jesus bezieht, nicht existieren kann, ist das Zeugnis Jesus insgesamt unglaubwürdig, soweit es Gott betrifft. Auch das NT selbst beruht nicht auf nachprüfbaren Fakten, teilweise sprechen die Fakten sogar gegen die dort niedergeschriebenen Geschichten, die, wie wir wissen, sich nicht aus dem Glauben selbst belegen können.

Bleibt noch die allgemein angeführte persönliche Gotteserfahrung, die von einigen wenigen Gläubigen angeführt wird. Nehmen wir mal einen Moment an, wir selbst hätten eine solche Erfahrung: Ein gütiges, mächtiges und wissendes Wesen würde uns erscheinen und beweisen, dass es über zukünftige Ereignisse zuverlässig Bescheid weiß. Können wir aus diesem Erlebnis auf die Richtigkeit des monotheistischen Gottesglaubens schließen? Offenkundig nicht, denn dazu müssten wir wissen, dass dieses Wesen das Einzige seiner Art wäre. Um diese Behauptung aufstellen zu können, müssten wir das gesamte Universum zu allen Zeiten und alle jenseitigen (transzendenten) Sphären außerhalb unseres Universums überblicken können, was sowohl praktisch als auch logisch unmöglich ist und auch noch von keinem Menschen behauptet wurde. Und auch nur bei einem Gesamtüberblick wüssten wir, ob dieses Wesen wirklich allgütig und allmächtig wäre.

Da außerdem sich die Gotteserfahrungen der verschiedenen Menschen zum Teil dramatisch unterscheiden, können wir auch nicht darauf schließen, dass allen dasselbe Wesen erschienen ist - im Gegenteil, diese unterschiedlichen Erfahrungen sprechen recht eindeutig (wenn wir sie als Fakt hinnehmen) für einen Polytheismus. Ironisch ausgedrückt kann nämlich jeder dahergelaufene Gott uns gegenüber behaupten, er sei der einzige existierende Gott - ohne einen absoluten Gesamtüberblick ist diese Behauptung aber ohne jede Evidenz, muss also nach Abwägung aller Erlebnisse zurückgewiesen werden. Hinzu kommt, dass die erstaunliche Übereinstimmung einer jeden geschilderten Gottesbegegnung mit dem kulturell verankerten Gottesbild in allzu großem Maße übereinstimmt, also auch allein auf kulturelle Einflüsse zurückgeführt werden kann - wäre dies anders, dann müssten auch den Hinduisten Jesus erscheinen. Auch dies spricht also eindeutig gegen den Monotheismus.

Und wenn man behauptet, dämonische Kräfte könnten als falsche Götter erscheinen, um die Menschen zu verwirren, dann entzieht eine persönliche Gotteserfahrung dem Glauben an einen bestimmten Gott endgültig den Boden, denn dann kann man selbst auch nicht sagen, dass der einem selbst erschienene Gott der einzig wahre Gott ist, denn dies behaupten alle Anderen auch. Wobei den Hinduisten ja mehrere Götter erscheinen, dies ist auch viel plausibler, wenn man die Vielfalt der Göttererscheinungen betrachtet - in einem Polytheismus gibt es nämlich das Theodizeeproblem nicht. Es gibt auch keinen Grund, anzunehmen, ein einziger Gott würde in vielen verschiedenen Gestalten auftreten, aber trotzdem gleichzeitig fordern, nur an einen einzigen Gott zu glauben. Hier würde sich Gott selbst widersprechen, und man kann unmöglich an widersprüchliche Dinge glauben.

Aus diesen Gründen (und vielen anderen) ist also das Christentum eine falsche Religion.

Um zu zeigen, dass meine Begründung falsch ist, müsste man eine allgemein akzeptable und vernünftige Lösung des Theodizeeproblems finden. Ohne diese Lösung ist es vernünftiger, das glaubensunmögliche Christentum zu verwerfen, mit allen Konsequenzen. Übrigens gälte für den Islam dasselbe, dieser zählt aus denselben Gründen auch zu den falschen Religionen. Und Streminger muss man darin zustimmen, dass dann nur psychologische Gründe für die Erklärung des Glaubens übrig bleiben. Die Theologie wäre demnach auf Biologie, Psychologie, Anthropologie und Soziologie zu reduzieren, ihre Ansprüche zurückzuweisen.

Konfusius, er zitiert: "Wir sollen glauben, weil unsere Urväter geglaubt haben. Aber diese unsere Ahnen waren weit unwissender als wir, sie haben an Dinge geglaubt, die wir heute unmöglich annehmen können. Die Möglichkeit regt sich, dass auch die religiösen Lehren von solcher Art sein könnten." (Sigmund Freud)

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