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Einige persönliche Anmerkungen
Wofür ich einstehe
Der Atheismus, den ich vertrete (ich spreche im folgenden nur für mich, auch dann, wenn ich es allgemein formuliere - bitte beachten!), hat nicht das Ziel, die Religionen zu verdrängen oder überflüssig zu machen.
Ich wurde Atheist, nicht, weil ich meine Religion nicht mochte oder gerne gegen Autoritäten kämpfte oder weil ich lieber dem ungezügelten Hedonismus/Egoismus/Individualismus/Wasweissichismus frönen wollte. Mir sind Gründe völlig suspekt, bei denen man festlegt, wie man leben möchte (und sei es nur der Tradition gemäß), um dann von dieser Basis aus dazu zu kommen, was ich für wahr halte.
Das Leben vom Kopf auf die Füße stellen
Das scheint mir, stellt das Leben selbst auf den Kopf. Meine Lebensweise ergab sich aus biographischen Zufällen (ich wurde zufällig in Westdeutschland zufällig in eine katholische Familie hineingeboren und wurde daher zufällig Katholik). Wenn ich aus dieser Lebensweise nun ableite, was ich für wahr halten möchte, dann lasse ich den Zufall über mein Leben und Denken bestimmen. Kurz, ich lasse den Zufall für mich denken! Mehr als 90% aller Katholiken halten den Katholizismus ja überwiegend deswegen für richtig, weil sie zufällig als Katholik geboren wurden und dazu gedrängt wurden, Alternativen nicht ernsthaft zu erwägen. Solchen Menschen kann es nicht primär um Wahrheit gehen, sondern nur darum, ihre zufällig erworbene Lebensweise zu verteidigen.
Ich finde das höchst unbefriedigend. Man lebt sozusagen sein Leben falsch herum. Ich kann nichts für diese Zufälle, ich kann nur versuchen, daraus das Beste zu machen.
Ich kenne natürlich auch die christlich-katholische Erpressung mit den zwei Alternativen, sie wurde lange genug an mir durchexerziert:
Entweder, Du glaubst an Gott, nur dann hast Du eine Moral und einen Sinn des Lebens, oder Du bist gottlos, morallos und lebst ein sinnloses Leben.
Aber ich habe relativ früh - meinem Vater sei Dank - damit angefangen, meine Prioritäten anders zu setzen: Schau auf die Evidenzen und gehe dahin, wo immer sie Dich auch hinführen werden. Das ist sozusagen der "Kern der Wissenschaft". Denke nicht, dass sich das Universum nach Deinem Denken und Wünschen richtet, sondern richte Dein Denken nach dem Universums und versuche, mit den Konsequenzen zu leben - denn am Ende wird das Universum immer stärker sein als Du. Leugne die Realität und trage die Konsequenzen, oder sei so mutig und stelle Dich der Realität und trage dann die Konsequenzen mit Fassung. Das sind meine Maximen, und dazu stehe ich, und dafür stehe ich.
Ich wurde also Atheist, nicht, weil ich das Leben als Atheist so toll und lebenswert finde, sondern weil ich mich auf die Suche begab, nach dem, wozu ich Grund habe, es für wahr zu halten, Ohne Grund, das wurde mir schnell klar, kann man jeden Schwachsinn für wahr halten, und der Verdacht erhebt sich, dass man auch genau das tun wird. Zumindest wird man gegen Einwände dann nichts finden, um seine Lebensweise zu verteidigen, sie also vor sich selbst zu rechtfertigen - geschweige denn vor anderen. Ich lasse es nicht gerne auf mir sitzen, Unsinn zu glauben - eher ändere ich das, was ich glaube.
Atheismus bedeutet für mich: Glaube nur an das, was Du vor Dir selbst und anderen rechtfertigen kannst
Man kann natürlich darauf verzichten, sich vor sich selbst zu rechtfertigen, man kann aber nur schwer darauf verzichten, dies vor anderen zu tun, es sei denn, man lebt als Eremit. Also halte ich es für sinnvoll, nur das vor mir selbst zu rechtfertigen, was ich auch vor anderen rechtfertigen kann - jedenfalls meistens, denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Ich wurde Atheist, weil ich angefangen habe, meinen Glauben vor mir selbst zu rechtfertigen - und weil ich herausfand, dass es sich im Einklang mit der Logik tatsächlich besser leben lässt, man hat dann zwar vielleicht andere Menschen gegen sich, die diese Auffassung nicht teilen, aber wenigstens nicht das Universum. Macht man das nicht, hat man nicht nur die Menschen zum Teil gegen sich, sondern überdies auch noch das Universum. Und das hat immer die besseren Karten - alte Pokerregel: Eine Smith & Wesson sticht vier Asse.
Das Universum selbst und andere Menschen sind alle Hilfe, die wir bekommen werden
Das Universum selbst gibt uns alle Hilfestellung, die wir benötigen - denn wir existieren nur, weil wir uns in beschränktem Maße an das Leben angepasst haben. Diese Hilfestellung mag nicht viel sein, sie ist aber alles, was wir bekommen werden - da hilft kein Jammern und kein Klagen und kein Ich will aber an was anderes glauben. Da hilft nur ein "Werde erwachsen, übernimm für Dich selbst die Verantwortung, sonst werden dies andere für Dich tun, und zwar nicht zu Deinem Vorteil".
Alle Lebensformen, die sich nicht an das Universum angepasst haben, sind untergegangen. Das sollte Warnung genug sein!
Und sich anpassen hat zwei Aspekte - zum einen schränkt es natürlich das Leben ein, meist wird nur dieser Nachteil gesehen, zum anderen eröffnet es aber auch Möglichkeiten und Chancen, keine ohne Risiko, aber ohne Risiko auch kein Gewinn. Und man hat dann durchaus eine Reihe von Menschen auf seiner Seite, nicht unbedingt die große Masse, aber die Klügsten unter den Menschen - und die sind es auch meist wert. Um selbst klug zu werden, muss man lernen, wie die Klügsten (zu) denken, man kommt schließlich nicht auf alles von alleine. Man wird nur groß, wenn man sich auf die Schultern von anderen stellt, vorzugsweise auf die größten unter den Menschen.
Von anderen lernen heißt, leben lernen
Dazu muss man mit anderen Menschen Erfahrungen austauschen, die Alternative, alle Erfahrungen selbst zu machen, ist schmerzhaft und wenig attraktiv. Dazu wiederum braucht man eine Basis, mit der man die Erfahrungen austauschen kann, man muss nicht nur wissen, was man lernen sollte, sondern auch, wie man lernen kann. Was man lernen soll, bekommt man in der Schule vermittelt, wie man lernen soll kaum - das muss man sich überwiegend selbst beibringen. Bedauerlich, weil es sich um eine Schwäche unseres Schulsystems handelt, aber kaum zu ändern.
Ich wurde also Atheist, weil ich wissen wollte, wie diese Welt funktioniert, damit ich mich besser in ihr zurecht finden kann. Und ich fand heraus, dass ich auch als Atheist eine Moral haben kann und einen dem eigenen Leben einen Sinn geben kann - bei mir hat die Erpressung mit den zwei Alternativen nicht funktioniert. Wenn man nur zwei Alternativen zu haben glaubt, braucht man Kreativität, um herauszufinden, ob dem wirklich so ist. Oft ist es anders, dann eröffnen sich neue Freiheiten, vor allem die Freiheit, das zu denken, was notwendig ist, verbunden mit der Chance, dass für sich Beste herauszufinden.
Denken, Handeln und Realität: für mich eine notwendige Einheit
Ich wollte nicht nur Denken und Handeln miteinander in Einklang bringen - das ist leicht - sondern vor allem Denken und Realität, das ist schwer, aber lohnend, denn nun stehen auch Handeln und Realität miteinander in Einklang. Kurz, ich strebe eine Harmonie zwischen Realität, Denken und Handeln an. Und da ist für einen religiösen Glauben einfach kein Platz.
Ich weiß nicht, was Sinn und Halt für andere Menschen ist, ich maße mir darüber auch kein Urteil an, weil ich nicht möchte, dass sich ein anderer anmaßt, mir dies vorzuschreiben. Aber ich habe Methoden entwickelt, meinen Sinn für mich zu finden, und ich bin gerne bereit, diese Methoden auch anderen zu vermitteln oder von ihnen zu lernen - deswegen schreibe ich hier.
Und die Moral ist, dass wenn wir unsere Fähigkeiten zusammenwerfen, dass es uns allen dann etwas besser gehen wird, auch wenn wir in einzelnen Punkten zurückstecken müssen. Aber eine Moral gegen die Realität ist eine Unmoral im Sinne des Wortes, erfunden meist zu dem Zweck, anderen Menschen nützlich zu sein, aber nicht mir. Eine echte Moral aber berücksichtigt nicht nur die Realität, sondern auch die Mehrheit der Menschen, mit denen man zusammen lebt (die Mehrheit aller Menschen ist leider unrealistisch, aber ein anzustrebendes Ideal).
Meine Hilfestellung besteht nicht darin, zu behaupten, dass ich an Deiner Stelle weiß, was für Dich besser ist - diese Art Hilfe wurde meist missbraucht, und in ihrer Anmaßung liegt die Aufforderung, sich anderer zu bedienen, sie zu einem Werkzeug zu machen für die eigenen egoistischen Zwecke, verbrämt mit der Unverschämtheit, sich zugunsten anderer selbst zurückzustellen, getarnt mit einer Selbstlosigkeit, die man gerne bei anderen, aber nicht bei sich selbst sehen würde. Ich weiß nicht, was für Dich besser ist, aber ich kenne Methoden, wie wir zusammen, gemeinsam, herausfinden können, was für jeden von uns und für uns gemeinsam besser ist, zum gemeinsamen Nutzen und nicht zum einsamen Vorteil.
Meine Moral und der Sinn des Lebens
Moral ist, was wir gemeinsam daraus machen. Und den Sinn Deines Lebens kannst Du nur selbst finden, aber dabei helfe ich Dir gerne. Ich kann auch nicht verstehen, wieso man meinen kann, das eigene Leben habe keinen Sinn - m. A. nach ist das unmöglich, selbstwidersprüchlich. Wenn ich meine, keinen Sinn im Leben zu haben, dann besteht der Sinn meines Lebens darin, herauszufinden, was der Sinn meines Lebens ist. Also kann ich kein sinnloses Leben führen. Es gibt so viele Menschen, die sich darum Gedanken gemacht haben, man braucht sie nur zu lesen, zu verstehen - und schon darin alleine könnte ein Sinn des Lebens liegen. Wer sein Leben als sinnlos empfindet, sollte sich selbst zum Experten für den Sinn des Lebens machen, in dem er zunächst studiert, was andere dazu gesagt haben, und irgendwann wird er seine eigene Meinung dazu haben - zwangsläufig. Und hat damit seinem Leben einen Sinn gegeben!
Sinn ist nämlich nichts, was man so ohne weiteres von anderen übernehmen kann, wenn man sein eigenes Leben und nicht das von und für andere leben will. Sinn bedeutet, sich seine Zwecke selbst zu setzen, und nicht, sich seinen Zweck von anderen setzen zu lassen, um sich damit zum Instrument eines fremden Willen zu degradieren, zu einem bloßen Werkzeug, geschaffen für den Nutzen anderer. Und dazu wiederum braucht man eine Moral, denn nur mit ihr kann man Gemeinsamkeiten finden, um von anderen lernen zu können, um weder sich selbst noch andere zu einem bloßen Werkzeug zu machen.
Aus dem bloßen Atheismus folgt weder eine Moral noch ein Sinn des Lebens, aber die Methoden, die mich zum Atheisten werden ließen, sind auch dazu geeignet, Moral und Sinn zu finden. Man muss sie nur konsequent anwenden, und die Stärke meine Atheismus ist es gerade, konsequent zu denken - oder zumindest sollte es so sein (wenn man nicht willens oder bereit ist, konsequent zu denken, dann sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen, ob man nicht im Glauben besser aufgehoben ist und dem Atheismus den Rücken kehren).
Mein Atheismus: nichts für schwache Nerven
Mein Atheismus stellt ziemlich hohe Anforderungen an den Menschen, nicht jeder ist dazu bereit, sich dem zu stellen. Es gibt für die, die das nicht können oder wollen, immer noch die Tröstungen der Religion oder anderer Ideologien. Deswegen ist mein Atheismus auch nicht mehrheitsfähig, noch ist er etwas, was man den Menschen aufzwingen kann oder sollte. Mein Atheismus verträgt sich schlecht mit Zwang, denn ein unideologischer Atheismus ist die Aufforderung, für sich selbst zu denken, auch wenn man zu einer abweichenden Meinung kommt. Aber wenn man gelernt hat, für sich selbst zu denken, ist man auch stark genug, es zu ertragen, wenn die Mehrheit anderer Meinung ist als man selbst. Für einen ideologischen Atheismus gilt, dass er mehr mit einer Religion gemeinsam hat, als einem lieb sein sollte, wenn man ernsthaft Atheist sein möchte. Die ideologischen Atheismen sind auch deswegen untergegangen, weil sie religiöse Züge trugen, aber ihre Versprechungen nicht einhalten konnten - dieses Problem haben die meisten Religionen nicht, wenn man merkt, dass man betrogen wurde, ist es bereits zu spät, noch etwas zu unternehmen.
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