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Ist das Fehlen eines Beweises ein Beweis für Fehlen?

Man kann nichts Negatives beweisen!

Das hört man immer wieder - "Du kannst nicht beweisen, dass Gott nicht existiert!". Wenn das stimmt, und man die Nichtexistenz von Gott prinzipiell nicht beweisen kann, dann gilt dies natürlich auch für die Existenz Gottes. Dann ist der Theismus nicht widerlegbar - aber, Kehrseite der Medaille, der Atheismus ist ebenfalls nicht widerlegbar.

Das Fehlen eines Beweises für eine Sache ist kein Beweis für das Fehlen einer Sache!

Aber so plausibel es sich auch anhört, dass man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen kann - es stimmt so nicht, jedenfalls nicht für alle Fälle. Nehmen wir folgenden Fall als Beispiel:

Stellen Sie sich vor, Sie reisen mit einem Passagierschiff, auf dem sich außer Ihnen noch ein paar Dutzend Leute aufhalten. In der Nacht eines schweren Sturms sinkt das Schiff, und mit Mühe und Not können Sie sich an Land retten, auf eine Insel in der Nähe der Unglücksstelle. Am nächsten Morgen stellen Sie fest, dass außer Ihnen niemand an Land gespült worden ist. Aber was Ihnen gelungen ist, kann auch einem anderen Gelungen sein - es könnte also außer Ihnen noch weitere Überlebende geben.

Und so machen Sie sich auf die Suche. Wie findet man jemanden auf einer relativ großen Insel? Dazu gibt es drei Wege: Man sucht die Insel ab, man gibt selber Zeichen und man sucht nach den Zeichen, die andere Überlebende hinterlassen haben, die so wie Sie ebenfalls nach Überlebenden suchen werden. Also streifen Sie über die Insel und hinterlassen Zeichen. Sie ritzen Worte in einen Baum, sie legen Steine in ein Quadrat mit einem Pfeil drin, der auf Ihre provisorische Unterkunft zeigt, Sie geben Rauchsignale und was Ihnen sonst noch einfällt. Und Sie suchen nach ähnlichen Zeichen, die nicht von Ihnen stammen sowie nach Fußspuren im Sand, die nicht die Ihren sind.

Aber vergeblich, weder reagiert jemand auf Ihre Rufe, Rauchsignale und Zeichen, noch finden Sie andere Zeichen oder Spuren, obwohl Sie auf jede Kleinigkeit achten. Da liegen drei Steine exakt in einer Reihe - ein Zeichen oder ein Zufall? Wären es 20 Steine in einer Reihe, das Zeichen wäre unmissverständlich, aber bei drei Steinen könnte es auch Zufall sein.

Aber jemand außer Ihnen muss einfach überlebt haben! Die Einsamkeit ist schwer zu ertragen!

Und so vergehen die Tage, Wochen und Monate, schließlich Jahre. Nichts zu finden. Und Sie malen sich aus, wieso Sie die anderen Überlebenden nicht finden. Verstecken Sie sich vor Ihnen? Aus welchem Grund? Warum wollen die anderen nicht entdeckt werden? Und Sie ersinnen 1.000 Gründe, warum Sie die anderen nicht bemerken und diese nicht auf Ihre Signale reagieren. Mit der Zeit entwickeln Sie eine richtige Paranoia ...

Die Frage ist: Ab wann können Sie mit genügender Sicherheit davon ausgehen, dass Sie der einzige Überlebende auf dieser Insel sind?

Nach zwei Wochen? Zwei Monaten? Zwei Jahren? Zwanzig Jahren? Natürlich kann man endlos über die Gründe spekulieren, warum sich die anderen nicht deutlich zeigen und stets neue "Ausreden" erfinden. Vielleicht wollen die anderen nur, dass man fest genug an sie glaubt ... Aber irgendwann muss man sich eingestehen, dass das Fehlen von Evidenzen (die auf andere Schiffbrüchige auf der Insel hindeuten) selbst eine Evidenz ist für das Fehlen weiterer Überlebender. Und irgendwann einmal wird man aufhören, zu suchen, weil jede weitere Suche zwecklos ist.

Aber das muss man nicht. Es gibt keine feste Grenze, ab der man sagen kann, dass jede weitere Suche aussichtslos ist. Der eine gibt nach zwei Wochen auf, der andere nach zwei Monaten, andere nach 2 Jahren - und einige, die nach Gott suchen, geben auch nach 2.000 Jahren (oder eher mehr) nicht auf. Die Hartnäckigkeit mag bewunderungswürdig sein, vor allem, wenn die Suche mit viel Aufwand betrieben wird. Aber irgendwann wandelt sich die Hartnäckigkeit zu Starrsinn und schließlich wird aus dem Starrsinn Unbelehrbarkeit.

Die Suche nach Gott hat längst das Stadium der Unbelehrbarkeit erreicht. Natürlich behaupten viele, sie hätten Gott gefunden, aber viele der von Ihnen angegebenen Indizien ähneln denen des bedauernswerten Schiffbrüchigen, der jede Kleinigkeit als Anwesenheit von anderen Überlebenden deutet. Denn interpretieren kann man viel, und wenn einem die Interpretation nur halbwegs plausibel erscheint, dann kann man sich daran festklammern. Aus der Suche wird irgendwann eine "fixe Idee". Und so scheint mir, ist es auch mit Gott: Das Fehlen von Evidenzen, die für Gott sprechen, ist selbst zu einer Evidenz gegen Gott geworden. Aber man kann sich immer noch an die so plausibel erscheinende Idee klammern.

Und so kann auch das Fehlen eines Beweises für eine Sache ein Beweis für das Fehlen der Sache selbst sein. Irgendwann schlägt die Stunde, an der man den Tatsachen ins Auge blickt und sich sagt: Es gibt keine anderen Schiffbrüchigen. Alle die Ideen sind nur Hirngespinste, an die man glaubt und an die man sich klammert, gerade weil sie so bedeutsam für das Leben sind oder zu sein scheinen.

Und bei jenen, die meinen, Gott gefunden zu haben, läuft es letztlich doch nur darauf hinaus, dass sie glauben, Gott gefunden zu haben, denn ihre Interpretationen kann man auch ganz anders interpretieren. Über 2.000 Jahre vergeblicher Suche nach Gott - wann kommt die Stunde, in der man sich sagt: Wenn es einen Gott gäbe, man hätte seine Spur längst finden müssen?
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