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Ist Gott der Logik zugänglich?

Da hat man nun alle Gottesbeweise logisch widerlegt, sogar gezeigt, dass der Gottesbeweis gegen die Existenz Gottes spricht, wenn man die Logikfehler daraus entfernt (geht mit fast allen Gottesbeweisen). Und nun benutzt man →atheologische Argumente um zu zeigen, dass der (monotheistische, christliche) Gott nicht existieren kann.

Um dann als Antwort zu bekommen: Gott ist der Logik eben nicht zugänglich. Man muss an ihn glauben. Damit sind nun alle logischen Argumente ausgehebelt. Oder? Ist man damit am Ende?

Nein. Früher dachte ich, dass man damit am Ende der Diskussion angelangt sei (und nannte mich daher auch Agnostiker). Heute weiß ich, dass dem nicht so ist (und bin daher, bezüglich des christlichen Gottes, auch starker Atheist - ich bin der Ansicht, dass man logisch strikt zeigen kann, dass der christliche Gott unmöglich existieren kann).

1. Wenn man sagt, dass keine Logik die Existenz Gottes beweisen kann, dann gibt man zu, dass es keine rationalen Argumente für die Existenz Gottes geben kann. Das führt zu einem logischen Agnostizismus. Der Gläubige gibt also zu, dass der Glauben irrational ist. Wenn der Theist sagt, ich glaube aber an Gott, dann gesteht er damit ein, dass der Atheist recht hat, wenn er den Glauben für unvernünftig hält. Außerdem, aus guten Gründen, wenn es keine logischen Gründe (Argumente, Evidenzen etc.) für oder gegen etwas gibt, dann glauben wir normalerweise auch nicht daran. Der Nichtglauben ist in diesem Fall die Standard-Möglichkeit- und das ist dann auch bei Gott so, denn warum sollte man willkürlich eine Ausnahme machen?

Man kann zwar dass Unlogische denken und es für möglich halten, aber man kann nicht zwei sich widersprechende Tatsachen gleichzeitig für wahr halten, jedenfalls nicht, ohne seinem Denken Gewalt anzutun.

2. Entzieht man der Religion die Logik, so entzieht man ihr den Boden, auf dem sie steht. Beispiel:

(P1) Um das Heil zu erlangen, muss man Jesus als seinem Retter akzeptiert haben (an ihn glauben, ihm folgen, seine moralischen Gebote für richtig halten - es ist gleichgültig, was man hier einsetzt, das Argument bleibt davon unberührt).
(P2) Ich akzeptiere Jesus nicht als meinen Retter (glaube nicht an ihn, folge ihm nicht, halte seine moralischen Gebote für falsch usw. usf.)

(S) Deswegen werde ich errettet werden (irrationale oder alogische Schlussfolgerung aus (P1) und (P2)).

Wobei (S) auch lauten könnte: Und daher gibt es auf dem Mars auch violette Bananen mit Apfelsinengeschmack. Aus Falschem folgt Beliebiges.

Bertrand Russel sagte einmal, er könne alles beweisen, vorausgesetzt, es gälte 1 + 1 = 1. Ok, forderte ihn ein Freund auf, dann beweise mal, dass Du der Papst bist! Woraufhin Russel entgegnete: "Der Papst ist eine Person und ich bin eine Person. Daher sind der Papst und ich eins".

3. Behauptet man, dass widersprüchliche Dinge wahr sein können, dann widerspricht man sich selbst. Beweis:

(P1) Widersprüchliche Aussagen können gleichzeitig wahr sein (Behauptung des Gläubigen).
(P2) Widersprüchliche Aussagen können nicht beide wahr sein (meine Behauptung).

(S1) Aus (P1) folgt, dass (P2) gleichzeitig mit P(1) wahr sein kann. Man sagt also, dass widersprüchliche Aussagen wahr sein können und man sagt, dass widersprüchliche Aussagen nicht zugleich wahr sein können. Beides zusammen kann man nur behaupten, in dem man sich selbst widerspricht - und sich damit selbst widerlegt. Widersprüchliche Aussagen sind also selbstwiderlegend.

Lediglich (P2) enthält keinen Selbstwiderspruch. (P2) ist damit analytisch wahr, (P1) ist analytisch falsch.

Außerdem, wenn (P1) wahr wäre, könnte Gott existieren und gleichzeitig nicht existieren. Wenn man das für Unsinn hält, gibt man zu, dass (P1) eine unsinnige Annahme ist und erkennt den Satz vom Widerspruch auch für Gott an.

4. Welche der logischen Grundgesetze gilt nicht für Gott? In 3. haben wir gesehen, dass das Gesetz des Widerspruchs für Gott gilt. Gilt dass Gesetz der Identität nicht? Ist Gott nicht mit selbst identisch? Dann hat die Religion keine Basis, vor allem ist es falsch, dass Gott ewig und unwandelbar ist. Gilt dass Gesetz der ausgeschlossenen Mitte nicht? Dann könnte Gott halb existieren. Das kann aber kein Gläubiger glauben. Daher muss er alle drei logischen Grundgesetze für Gott akzeptieren, und aus diesen Gesetzen folgt der Rest der (formalen) Logik.

5. Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann? Antwortet man mit "Nein", dann gibt man zu, dass Gott den Gesetzen der Logik unterliegt - seine Allmacht beschränkt sich auf das, was logisch möglich ist. Sagt man "Ja, Gott kann widersprüchliche Dinge existieren lassen", dann weiter bei 6.

6. Im Theodizeeproblem wird gesagt, dass Gott nicht gleichzeitig gütig, liebend und allmächtig sein kann, weil es Übel in der Welt gibt. Darauf wird meist geantwortet, dass Gott nicht eine Welt schaffen kann, in der keine Übel existieren und der Mensch einen freien Willen hat. Kann er nicht? Warum nicht? Gott unterliegt doch nicht der Logik in seinen Handlungen!

Er könnte also eine Welt realisieren, in der es freien Willen und eine Freiheit von Übeln gibt, weil ihm keine Logik das Gegenteil gebietet. Wenn man also behauptet, dass Gott keinerlei Logik unterliegt, dann gibt man zu, dass das möglich wären. Es existieren aber Übel - obwohl es dazu (für Gott) keine logische Notwendigkeit gibt. Schlussfolgerung: Gott kann nicht gut sein. Bestreitet man dass, gibt man zu, dass Gott bei der Erschaffung der Welt sich an logische Notwendigkeiten halten musste und widerspricht damit der ursprünglich gemachten Behauptung von der "Unlogik" Gottes.

Ferner, wenn man zugibt, dass Gott keine Welt ohne Leid schaffen kann, bestreitet man die Existenz des Paradieses. Hält man das Paradies für möglich, dann behauptet man, dass Gott doch eine Welt ohne Leid hätte schaffen können und muss sich fragen, warum er das nicht gleich getan hat. Verweist man auf die Ursünde, dann behauptet man, dass es Gott entweder nicht möglich war, den Niedergang der Schöpfung zu verhindern, oder aber, dass dies auch in einem neuen Paradies jederzeit wieder geschehen könnte! Aber aus welchen Gründen sollte Gott den Fall seiner Schöpfung nicht verhindern können, wenn nicht deswegen, weil es logisch unmöglich war? Es könnte natürlich sein, dass er es nicht verhindern wollte, aber mit welchem Recht kann man ihn dann als "gut" bezeichnen?

7. Die Nichtexistenz der Logik für unser oder Gottes Handeln hat absurde moralische Konsequenzen (es gibt dann keine nachvollziehbaren Regeln mehr). Eine darauf basierende Moral ist selbst absurd, ebenso die Behauptung, Gott sei gut. Logik ist nichts weiter als die Behauptung, dass es Regeln im Universum gibt sowie Regeln, nach denen wir uns sinnvoll verhalten können, müssen und sollten. Bestreitet man, dass solche Regeln für Gott gelten, so bestreitet man, dass Gott sich moralisch verhält. Zur Moral gehört auch, dass man sich auf eine für andere nachvollziehbare Weise verhält.

8. Wenn Gott keinen nachvollziehbaren Regeln unterliegt, dann ist Gott ein Synonym für Zufall, und zwar einem Zufall, für den auch keine Chaostheorie möglich ist. Denn auch die Chaostheorie behauptet, dass es nachvollziehbare Regeln im Chaos gibt und das Chaos nur dadurch entsteht, dass wir die Regeln (meist aus praktischen Gründen) nicht leicht nachvollziehen können. Folgt etwas keinen nachvollziehbaren Regeln, so ist es für uns von chaotischem Zufall nicht unterscheidbar. Aber der Zufall ist keine gute Grundlage für moralische Regeln, folglich wäre dieser Gott auch keine Grundlage für Moral. Außerdem sehen die Gläubigen es gerade als ihren Vorteil an, dass ihr Weltbild mit Gott den Zufall reduziert - aber hier geben sie (indirekt) zu, dass dies nur scheinbar der Fall ist.

9. Wenn Gott das "Zusammenfallen aller Widersprüche" ist, folgt daraus, dass auch widersprüchliche Dinge gleichzeitig wahr sein können. Das hat für die Religion sehr unangenehme Konsequenzen, weil das Paradies dann die Hölle sein könnte, oder uns Gott die Wahrheit vorlügen könnte oder Gott der Teufel selbst ist, Schwarz ist Weiß, dass Gute ist schlecht, moralisches Verhalten ist falsch, Gutes zu tun ist falsch und richtig, Gottes Geboten zu folgen ist falsch und richtig zugleich (aber wie sollten wir Menschen widersprüchlichen Gebpten folgen?), alles ist erlaubt, aber alles ist auch verboten, ein Kreis ist ein Quadrat und es gibt verheiratete Junggesellen. In einer derartigen Welt wäre nichts Lebensfähig!

10. Wenn die Logik für Gott nicht gilt, dann ist es unmöglich, im Zusammenhang mit Gott festzustellen, was wahr und was unwahr ist. Denn Logik ist einer der wichtigsten Maßstäbe dafür, um Wahres vom Falschem zu unterscheiden. Kann man das nicht, dann gibt es auch keine Wahrheit, man kann also auch nicht behaupten, die Religion habe etwas mit Wahrheit zu tun. Damit verlieren alle religiösen Aussagen ihren Sinn, nachdenken über Religion wird unmöglich. Woran sollte man nun noch erkennen können, was wahr ist?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um falsche Aussagen zu entdecken - die eine ist, dass die Aussage zu logischen Widersprüchen führt, die andere, dass die Aussage nicht mit mit der Realität übereinstimmt. Ohne Logik kann man aber auch nicht sagen, ob eine Aussage mit der Realität übereinstimmt oder nicht. Woran erkennen wir sonst, dass eine Aussage falsch ist?

Die Aussage "Gott existiert" sollte nicht zu logischen Widersprüchen führen. Verwirft man die Logik für Gott, so bestreitet man, dass es irgendeinen Grund geben kann, diese Aussage für falsch zu halten (das ist das Ziel, wenn man behauptet, dass Gott nicht der Logik unterliegt). Leider gibt es dann auch keinen Grund mehr, die Aussage für wahr zu halten! Wenn es aber keine Gründe gibt, etwas für wahr oder falsch zu halten, dann gewinnt der Atheismus per Default. Die Aussage, dass etwas weder wahr noch falsch sein kann, führt dazu, die Aussage selbst zu verwerfen, ihr Status kann allenfalls "unbestimmt oder unbestimmbar" sein.

11. Man kann, in dem man die Logik verwirft, jede Lüge für wahr erklären und jede Wahrheit zur Lüge. Es wäre dann auch nicht mehr unmoralisch, jemanden eine Lüge zu erzählen, weil man den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge erstens nicht unterscheiden kann und zweitens der Unterschied ohnehin keine Rolle spielt. Es ist also auch moralisch fragwürdig, zu meinen, man sei in seinen Ansichten nicht an die Logik gebunden - und diese Fragwürdigkeit gilt auch für Gott!

12. Wenn die Logik zwar für das Universum gilt, aber nicht für Gott, dann gibt es keine mögliche logische Verbindung zwischen Gott und dem Universum, damit ist die Behauptung, dass Gott das Universum geschaffen haben könnte, sinnfrei. Es gibt dann auch keine logische Verbindung mehr zwischen Jesus und Gott, zwischen der Offenbarung und Gott, zwischen Wundern und Gott, zwischen religiösen Erfahrungen und Gott usw. usf. Kurz, dass die Religion irgendeine Beziehung zu Gott hat, kann man nicht mehr behaupten.

Fazit: Wenn man die Gültigkeit der Logik für Gottes Existenz oder sein Handeln verwirft, gelangt man in so viele unlösbare Probleme, dass man als Gläubiger doch lieber die Variante wählt, dass auch für Gott die Logik gilt. Und damit sind wir wieder am Anfang der Diskussion - denn jetzt können unsere logischen Argumente funktionieren! Nur ist die Hintertür, dass Gott nicht der Logik unterliegt, versperrt.

Auch religiöse Aussagen müssen der Logik unterliegen, damit sie sinnvoll sein können. Unterliegt das Hauptziel der Religion (Gott) nicht der Logik, gibt es auch keine religiöse Aussage mehr, die irgendeinen Sinn enthält, sofern sie sich auf Gott. Das ist genau das, was die Nonkognitivisten behaupten, was bedeutet, der Atheismus ist völlig gerechtfertigt. Ohne Logik ist auch die Religion Unsinn! Wer also sagt, dass die Logik nicht für Gott gilt, sagt letztlich aus, dass er reinen Unsinn glaubt. Nur ist das den meisten Leuten nicht bewusst - denn die Behauptung "Gott unterliegt nicht der Logik" wird nur als Ausweg benutzt, um nicht mehr weiterdenken zu müssen und logische Widersprüche akzeptabel zu machen. Und daher ist den meisten Gläubigen nicht klar, wohin das eigentlich führt und was das für ihren Glauben bedeutet.

Das ist kein Vorwurf an die Gläubigen, denn niemand hat ihnen erzählt, welche Konsequenzen das hat - und das es überhaupt welche gibt. Obwohl die Theologen sich schon bemühen, im großen und Ganzen Glauben und Vernunft (mithin auch Logik) in Einklang zu bringen, so wird dies von den Theologen aber so gut wie nie gepredigt. Außerdem, kaum jemand hat die Zeit, sich hinzusetzen und alles bis zum Ende hin zu durchdenken, und den meisten Menschen kann man deswegen keinen Vorwurf machen. Die meisten Menschen glauben nicht, weil sie so große Wahrheitsfanatiker sind, sondern weil der Glauben durchaus angenehme Konsequenzen hat. Und man kann es den Menschen nicht verdenken, wenn sie sich das Leben angenehm machen.

Allerdings, da ganz gerne ab und zu mal behauptet wird, dass der Atheismus eigentlich unvernünftig sei, dürfen sich die Gläubigen auch nicht beschweren, wenn Atheisten die Unlogik hinter allem aufdecken, schon um sich selbst zu rechtfertigen. Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, der christliche Gott existiert (wie immer man ihn auch definiert, oder er existiert nicht. Wenn man nun sagt, dass der Glauben an Gott vernünftig sei, sagt man gleichzeitig, dass der Atheismus unvernünftig sei - selbst, wenn man das nicht beabsichtigt. Das sähe anders aus, wenn ein Gläubiger sagt: "Gott und meine Religion sind an sich unvernünftig, während der Atheismus durchaus vernünftig sein kann, ich möchte aber trotzdem glauben". Nur - so etwas sagen nur relativ wenige Gläubige.
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