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Im Teufelskreis des Glaubens II

Auch in der modernen Theologie gibt es durchaus noch Verwendung für logische Zirkel. Ein sehr hübsches Beispiel dafür stammt aus dem Buch von W. Härle: "Dogmatik". Zunächst das Zitat, bei dem es um Menschen geht, die zu der Überzeugung gelangt sind, dass es sich beim christlichen Glauben um Irrtum oder Lüge handelt:

"Wenn diese Überzeugung sich nicht als momentaner Zustand oder als Station in einem Entwicklungsprozess, sondern als Resultat sorgfältiger Prüfung und Erwägung einstellt, dann erscheint die Trennung von der Theologie als die einzig redliche Konsequenz. Aus der Sicht des christlichen Glaubens kann man sagen, dass ein Mensch dann durch die Wahrhaftigkeit, mit der er zu seinem Unglauben steht, Gott die Ehre gibt, indem er nicht bereit ist, sich oder anderen vorzumachen, dass das auf Gott verwiese, was den Charakter des Irrtums oder der Lüge hat."

Der erste Satz ist weit gehend in Ordnung. Er legt die Messlatte zwar ziemlich hoch, weil man sich nie sicher sein kann, ob man schon am Ende (Resultat) einer Prüfung angekommen ist oder nicht (und wir wissen, dass dieser Prozess prinzipiell unendlich zu sein scheint, also kann eine Überzeugung immer nur ein "momentaner Zustand" sein, nie ein feststehendes Resultat). Aber immerhin wird davon gesprochen, dass dann eine Trennung von der Theologie "redlich" sei. Aber der zweite Satz "hat es in sich".

Wer sieht den logischen Zirkel?

Nun, abgesehen davon, dass es neben Wahrheit und Irrtum (oder dem bösartigen Halbbruder des Irrtums, der Lüge) noch mindestens eine andere Möglichkeit gibt (nämlich die, dass das Christentum ganz oder in Teilen sinnfrei ist), sieht die Sache doch (ganz stark vereinfacht) so aus:

  1. Das Christentum ist wahr und verweist auf einen existierenden Gott
  2. Das Christentum ist nicht wahr, aber Gott existiert
  3. Das Christentum ist wahr und es gibt keinen Gott
  4. Das Christentum ist nicht wahr und es gibt keinen Gott


Die Alternative 3. ist offenkundig unsinnig, denn eine der zentralen Aussagen des Christentums ist ja gerade, dass Gott existiert. Wir würden mit den meisten Christen auch sofort Übereinstimmung erzielen, dass ohne Gott das ganze Christentum unsinnig ist.

Alternative 1. ist natürlich die Variante, um die es den Theologen geht. Angesprochen wird jetzt noch die Variante 2., und Variante 4. lässt man vorsichtshalber unter den Tisch fallen. Nun wird die Variante 2. dazu benutzt, ebenfalls als Bestätigung für das Christentum herzuhalten. Denn auch hier "gibt der Ungläubige Gott die Ehre und bestätigt seine Existenz. Er weigert sich nur, anzunehmen, dass eine Lüge oder ein Irrtum auf Gott verweist.

Man kann also die Existenz Gottes durch die Wahrheit bestätigen, oder man kann sie dadurch bestätigen, dass man sagt, ein Irrtum sei zur Lobpreisung Gottes ungeeignet. Aber was immer man auch tut, es preist Gott (und bestätigt damit - indirekt - seine Existenz). Wenn aber Gott (der christliche Gott) existiert, dann muss auch das Christentum (wenigstens teilweise) wahr sein. Gut, nicht?

"Aus der Sicht des Gläubigen" also wird selbst der Zweifel, den andere am Glauben haben, zur Verstärkung des (eigenen) Glaubens herangezogen.

Dieser logische Zirkel ist sicher harmlos, und vor allem operiert er nicht mit einer Strafandrohung, im Gegenzug, im Gegenteil, er ist sogar sehr versöhnlich. Wir können daraus schließen, dass der Autor kein Fundamentalist ist (und auf dieser Website geht es in erster Linie um fundamentalistisches Christentum - ich hoffe, dass das noch jedem im Bewusstsein ist). Insofern ist dies hier eine Abschweifung.

Wir sehen hier auch, dass man mit Ungläubigen selbst bei Verwendung von logischen Zirkeln redlich umgehen kann. Und dass manche logische Zirkel auch harmlos sein können.

Aber kehren wir zurück zum Fundamentalismus und seiner Argumentationsweise. Es gibt noch eine andere, verblüffende Art von logischen Zirkeln, die unter Einbeziehung des Faktors "Zeit" funktionieren. Mit dieser Methode, der Prophetie, beschäftigen wir uns im nächsten Abschnitt. Dort verrate ich Ihnen, wie man die Zukunft in nahezu perfekter Weise vorhersagen kann, wenn man logische Zirkel verwendet.
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