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Wie man dafür sorgt, dass es nur richtige Vorhersagen gibt
Eine der Methoden, potenzielle Gläubige von der Richtigkeit der Bibel zu überzeugen, ist der Hinweis auf richtige Vorhersagen in der Bibel. Skeptiker weisen dies meist zurück, weil auch einzelne richtige Vorhersagen nichts über die Wahrheit der Bibel als Ganzes aussagen. Das ist wie bei der Liste von Hank: Auch wenn einzelne Gebote akzeptabel sind, so überträgt sich dies nicht auf alle Gebote.
Von Fundamentalisten wird aber davon ausgegangen, dass die Bibel als Ganzes wahr ist. Der Grund dafür ist einfach: Würde man akzeptieren, dass es Irrtümer in der Bibel gibt, so würde man zugleich die göttliche Herkunft der Bibel infrage stellen und damit die (vermeintliche) Sicherheit des gesamten Fundaments. Damit stärkt jede richtige Vorhersage die ganze Bibel - und nicht nur die Stelle, an der die Vorhersage gemacht wird.
In einer Analogie könnte man Folgendes behaupten:
Jules Verne hat in dem Roman "20000 Meilen unter dem Meer" die Existenz von U-Booten richtig vorhergesehen. Deswegen ist auch der Roman als Ganzes wahr, Kapitän Nemo hat tatsächlich gelebt. Der Vergleich hinkt nur deswegen, weil Jules Verne nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er sich die Geschichte ausgedacht hat.
Eine weitere Analogie:
In der Wissenschaft wird die Fähigkeit einer Theorie, Vorhersagen zu machen, als eine Bestätigung der Theorie angesehen. Deswegen werden übrigens Skeptiker auch gerne mit den Vorhersagen der Bibel konfrontiert, denn wenn in der Wissenschaft Vorhersagen zur Stützung einer Theorie benutzt werden, so müsste dies doch auch bei der Bibel klappen ...
Der Unterschied ist nur der, dass in der Wissenschaft eine falsche Vorhersage als Widerlegung der Theorie akzeptiert wird. Dies führt dazu, dass die Theorie insgesamt oder in Teilen verworfen wird.
Angewandt auf die Bibel heißt dies aber auch, dass nur eine einzige falsche Vorhersage die These von der Bibel als "Gesamtwahrheit" widerlegen würde. Diesem Risiko würden sich die Fundamentalisten aber nie aussetzen, und so wird die Bibel durch Apologetik und andere Kunstgriffe vor diesem Missgeschick geschützt. Dem kommt der Umstand entgegen, dass es in der Bibel kaum konkrete Vorhersagen gibt. Vor allem gibt es keine Vorhersagen, die einen bestimmten Zeitraum betreffen. So kann man immer behaupten, dass eine Vorhersage eben noch nicht eingetroffen sei. Aber auch hiervon gibt es Ausnahmen, einige falsche Prophezeiungen habe ich hier aufgelistet - vor allem Jesus hat einige falsche Vorhersagen gemacht.
Eine der Methoden zum Schutze der Bibel haben wir im vorherigen Abschnitt kennen gelernt. Eine zweite Methode benutzt denselben Trick, den auch Zauberkünstler für ihre Vorhersagen benutzen. So hat z. B. vor einiger Zeit David Copperfield im Fernsehen unter notarieller Aufsicht die Lottozahlen vorhergesagt. Hier haben wir sogar eine unglaublich präzise Vorhersage, die alle Propheten der Bibel mühelos in den Schatten stellt. Der Trick lautet: Vorhersage im Nachhinein.
Der Zettel mit der Vorhersage der Lottozahlen enthielt eine beliebige Zahlenfolge und wurde nach dem Eintreffen des Ereignisses durch einen sehr raffinierten Trick (den ich nicht enthüllen werde) gegen den Zettel mit den richtigen Zahlen ausgetauscht.
Es gibt noch eine weitere einfache Methode für richtige Vorhersagen. Diese funktioniert so: Ich lege drei Gegenstände auf den Tisch, und der Zuschauer darf sich einen davon aussuchen. Nachdem er sich entschieden hat, sage ich ihm, er solle den Aschenbecher hochheben. Unter dem Aschenbecher liegt ein Zettel, auf dem ich die Wahl richtig vorhergesagt habe. Dieser Trick ist sehr simpel. Hätte der Zuschauer einen anderen Gegenstand ausgewählt, so hätte ich ihm gesagt, er solle den Briefbeschwerer hochheben - und siehe da, unter dem Briefbeschwerer liegt ein Zettel mit der richtigen Vorhersage. D. h. es gibt für jede Möglichkeit eine Vorhersage an einer anderen Stelle.
Mit der Bibel funktioniert der Trick in ähnlicher Form - allerdings handelt es sich hier nicht um Täuschung, sondern um eine Selbsttäuschung. Sobald ein bedeutendes Ereignis eintrifft, wird die Bibel nach Stellen durchsucht, die auf dieses Ereignis hindeuten könnten. Bei sehr vielen Ereignissen wird man auch fündig, man muss nur einige Stellen aus dem Zusammenhang reißen, ihnen eine neue Bedeutung verleihen, und voilà, wir haben eine Vorhersage, die sehr gut passt. Dies funktioniert auch sehr gut mit den Vorhersagen von Nostradamus. Bei beiden handelt es sich um eine Interpretation im Nachhinein, niemand wird bestreiten können, dass das Ereignis eingetroffen ist, und es gibt kaum eine Gefahr, dies zu widerlegen. Bei Prognosen über die Zukunft (sofern diese überhaupt gemacht werden) wird dann wieder die Methode aus dem vorigen Abschnitt benutzt.
Es werden also beide erwähnten Methoden kombiniert: Vorhersagen werden nur im Nachhinein getroffen [1], und es werden dem staunenden Publikum stets die Bibelstellen präsentiert, die auf das Ereignis passen, wobei der heimliche Austausch durch Austausch der Interpretation vonstatten geht und stets die Stelle, an der die Vorhersage "gefunden" wird, nicht vor dem Eintreffen des Ereignisses bekannt gegeben wird. Das wirkt doch äußerst überzeugend, oder?
Wer diese Pseudo-Prophetie gerne in "voller Aktion" erleben möchte, dem empfehle →diesen Link (in englischer Sprache), um sich ein Bild davon zu machen, wie hier gedreht, getrickst, uminterpretiert, aus dem Zusammenhang gerissen wird "auf Teufel komm raus". Eine Analyse einiger der Prophezeiungen, wie sie vor allem von Zeugen Jehovas gemacht werden, findet sich hier: →Weissagungen, die auf Jesus hindeuten.
Interessanterweise lässt man natürlich auch alle nicht oder falsch eingetroffenen Prophezeiungen einfach unter den Tisch fallen. Zwar sollen die richtigen Prophezeiungen den göttlichen Offenbarungscharakter der Bibel beweisen, aber die falschen Vorhersagen werden als Widerlegung nicht anerkannt. Eine Liste der falschen Prophezeiungen in der Bibel (leider in englischer Sprache) können Sie hier finden: →False Prophecies, Broken Promises, and Misquotes in the Bible.
Unter →Prophezeiungen in der Bibel - kritisch betrachtet und →Prophezeiungen über Jesus - kritisch betrachtet betrachte ich Prophezeiungen in der Bibel.
Konfusius, er zitiert: "Der Weissagungsbeweis ist für uns abgetan. Wir wissen alle, dass er nicht stimmt" (Der Theologe Hirsch)
Anmerkungen:
- Dafür haben die Theologen den Ausdruck vaticinia ex eventu geprägt, was Weissagung vom Ergebnis her wörtlich übersetzt bedeutet - ein Ereignis wird erst prophezeit, wenn es bereits eingetreten ist. Korrekter wäre es, dies mit frommer Betrug zu übersetzen, denn genau darum handelt es sich. Speziell im NT wird diese Methode sehr häufig eingesetzt. Auch im AT benutzte man es ausgiebig, denn das AT ist erst sehr viel später entstanden, als man zunächst gedacht hat, viele Ereignisse waren schon längst eingetreten, als man sie "prophezeite", siehe auch Finkelstein 2002. (Zurück)
⇐ Moderne Theologie - Strafdrohung im AT ⇒
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