Lieber Gott, verzeihe mir meinen Atheismus. Und vergib mir, wenn ich Deine Gläubigen mit Logik verwirre!
Inhaltsverzeichnis:

      Der Trick mit den zwei Göttern
      Die Erpressung mit der einzigen Alternative

 

Der Trick mit den zwei Göttern

Die meisten Atheisten (und Gläubigen), die ich kenne, halten die Behauptung für wahr, dass man Gott weder widerlegen noch beweisen könne. Aber damit sind die meisten auf die Zwei-Götter-Lehre der Theisten hereingefallen.

Im Monotheismus (!) ist stets von zwei gänzlich verschiedenen Göttern die Rede:

  1. Der rein transzendente Gott, der nicht in die Welt eingreift, und der tatsächlich weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Ich nenne diesen Gott den »Kopfgott«, weil er über die Vernunft verteidigt werden kann.
  2. Der immanente Gott, der permanent in diese Welt eingreift, und den man in den Religionen tatsächlich verehrt. Diesen bezeichne ich als »Bauchgott«, weil er das Gefühl anspricht.

Man könnte auch zwischen rationalem und irrationalem Gott unterscheiden. Nicht in dem Sinne, dass der erstere rational bewiesen sei, sondern nur, dass er rational nicht zu widerlegen ist. Es gibt aber auch keine rationalen Gründe, an ihn zu glauben.

Zum einen, weil »transzendent« ein völlig ungenügend definierter Begriff ist. Wenn man ihn genau betrachtet, dann stellt man fest, dass er ein Synonym für »(prinzipiell) unerkennbar, unerforschbar, nicht zu wissen, nicht beweisbar« ist, ähnlich wie »übernatürlich«. Es ist trivial, dass der »transzendente Gott« schon rein sprachlich der Gott ist, der nicht beweisbar ist. Er gehört zur Klasse der nicht beweisbaren Götter. Hinter diesem Gott verstecken sich die Gläubigen, sobald ein Atheist Kritik übt, weil sie diesen gegen jeden Einwand verteidigen können.

Es gibt keine Religion, die einen solchen Gott verehrt.

Zur Beweisbarkeit Gottes siehe auch: Ein Argument gegen Gott

Ein Gott, der in die Welt eingreift, wäre durchaus beweisbar. Ein Gott, der das nicht tut, wäre es nicht. Aber der wäre irrelevant.

 

Die Erpressung mit der einzigen Alternative

So nannte das Hans Albert in [Albert 2005]. Hans Küng macht davon in seinem Buch über die Existenz Gottes gebrauche, siehe [Küng 2001b]. Nachdem Küng ausführlich darlegt, warum alle Versuche, Gott zu beweisen, gescheitert sind, gibt er folgenden Grund an, an Gott zu glauben:

Wenn man nicht an Gott glaubt, dann hat man weder eine Moral noch einen Sinn in seinem Leben.

Wer möchte das schon? Man hat also keine Wahl: Entweder, man glaubt an Gott, oder … muss sein Leben ohne Moral und ohne Sinn verbringen. Schrecklich!

Aber in Probleme monotheistischer Moral habe ich bereits demonstriert, dass es keine monotheistische Moral gibt, sondern nur ein Phantom, das man so nennt. Einen ähnlichen Fall stellt der »Sinn des Lebens« dar. Auch den kann man ohne Autonomie nicht haben: Welchen Sinn wir unserem Leben geben ist unsere autonome Entscheidung. Gegenständen und Sklaven verleiht man einen Sinn von außen.

Es ist also geradezu umgekehrt: Mit Gott hat man weder eine Moral noch einen echten Sinn im Leben (man kann sich aber einbilden, man hätte beides – und man hat auch beides, täuscht sich aber über die Herkunft). Es wird aber so getan, als ob es genau umgekehrt sei. Man »erpresst« damit die Leute zum Glauben an Gott.

Damit ist der kleine Exkurs über die Tricks noch nicht ganz am Ende, weil wir die 10 Gebote der Diskussion behandeln müssen.



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