Die Idee, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein ist vielleicht der gefährlichste Wahn, dem je Menschen erlegen sind.
»Nun, die Wahrheit ist ein eigenartiges und recht seltenes Phänomen. In der Badewanne der Geschichte ähnelt sie einem Stück Seife, dass man nur mit Mühe festhalten kann – vorausgesetzt, man findet es überhaupt. – (Terry Pratchett, Der Zauberhut )«

Inhaltsverzeichnis:

      Das Münchhausen-Trilemma
      Eine unendliche Folge von Begründungen
      Der willkürliche Abbruch der unendlichen Folge
      Logische Zirkel
      Ergänzung: Wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht

 

Das Münchhausen-Trilemma

In unseren ganzen Theorien darüber, was wahr ist, verbirgt sich eine ganz tückische Falle – das macht die Seife so glitschig. Denn eine Wahrheit sollte sich stets begründen lassen. Aber sobald wir dies versuchen, landen wir in genau einem von drei Problemen – einem Trilemma. Ein Dilemma entsteht, wenn wir unweigerlich in einem von zwei Problemen landen, bei einem Trilemma handelt es sich um drei Probleme. Diese sind:

 

Eine unendliche Folge von Begründungen

Kleine Kinder (und große auch) können uns mit Warum?-Fragen ein Loch in den Bauch fragen. Denn nach jedem Warum und der darauf geantworteten Begründung kann auf jede Begründung wieder eine neue Frage folgen. So kann aus einer harmlosen Frage – beispielsweise »Warum ist der Himmel blau?« jede Antwort weiter hinterfragt werden. Dies geht solange, bis uns die Zeit oder die Geduld ausgeht – was immer auch zuerst geschieht. Oder bis wir auf die Ausrede verfallen »Gott war es«.

Dies nennt man einen unendlichen Regress (eine unendliche Folge) an Begründungen. Irgendwann müssen wir den – völlig willkürlich – abbrechen, denn man könnte ja noch unendlich weiter fragen, wenn man Zeit und Geduld und Antworten genug hätte.

In der Praxis können wir keine unendliche Folge durchführen, denn dazu benötigte man unendlich viel Zeit, die wir nicht haben. A können wir mit B begründen und B wiederum mit C und C wieder mit D – ohne an ein Ende zu kommen. An irgendeiner Stelle müssen wir damit aufhören. Wenn wir begründen sollten, warum wir gerade hier aufhören, landen wir erneut in einem unendlichen Regress oder in einem der beiden folgenden Probleme:

 

Der willkürliche Abbruch der unendlichen Folge

Diesen bezeichnet man auch als Dogmatismus. Irgendwann müssen wir einfach sagen: »Es ist eben so, basta«. Das ist sehr unbefriedigend, weil wir gerne wüssten, warum es denn nun einfach so sein soll. Aber wenn wir dies tun, dann erzeugen wir erneut eine unendliche Folge, die wir wieder nur willkürlich abbrechen können (oder wir landen in dem letzten Problem).

 

Logische Zirkel

Wir können auch im Kreis herum etwas begründen. Gott hat sich in der Bibel offenbart, die darum das wahre Wort Gottes ist. Woher wissen wir das? Weil die Bibel es uns so sagt. Und aus der Bibel können wir wiederum begründen, dass es einen Gott gibt, der sich offenbart, von dem wir wissen, dass die Bibel seine wahre Offenbarung ist usw. usf. Wir drehen uns ewig im Kreis. Letztlich begründet damit eine Sache sich selbst, was nicht sein kann. Nichts kann der Grund für sich selbst sein. Ein Fundament ist nicht das Fundament seiner selbst.

Ich werde mich im weiteren Verlauf des Buches noch ausführlich damit beschäftigen, warum im-Kreis-begründen keine gute Begründung darstellt. Von allen drei Alternativen gilt diese als die schlechteste Wahl. Denn zu jedem logischen Zirkel lässt sich jederzeit auch das Gegenteil mit einer gegenteiligen Aussage herstellen, die, wenn man den Zirkel anerkennt, auch wahr sein müsste. Aber es kann nicht etwas wahr sein und gleichzeitig sein Gegenteil.

Auf diesen logischen Zirkel werden wir von nun an so häufig stoßen, dass ich mir an dieser Stelle die Begründung dafür spare, warum ein logischer Zirkel ein so schlechtes Ansehen bei Wissenschaftlern, Philosophen und auch Theologen hat. Nicht umsonst nennt man den logischen Zirkel auch einen »Teufelskreis« oder einen vitiösen (= fehlerhaften, bösartigen) Zirkel.

Anmerkung: Dieser Text stammt ebenfalls aus dem Buch »Der unglaubliche Glauben«.

 

Ergänzung: Wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht

Seinen Namen hat das Münchhausentrilemma daher, dass man sich wie weiland der Baron von Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann.

Dazu muss man nur die Vorläufigkeit aller Begründungen akzeptieren. Das schließt jeden Dogmatismus und jede Letztbegründung aus.

84% der Leute, die diese Seite gelesen haben, lasen auch diese: →Der unglaubliche Glauben

Übrigens: Wahrheit ist wie Seife – je fester man zupackt, desto leichter flutscht sie.



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