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      Was ist Moral?

Gebotstafeln: Gebote alleine machen noch keine Moral aus. 

Was ist Moral?

Nach den Vorstellungen vieler Monotheisten ist Moral so etwas wie die Summe der Vorschriften, die Gott den Menschen gegeben hat (per Offenbarung, ein Thema, das noch zu behandeln sein wird). Dazu kommen dann noch menschengemachte Gesetze und Vorschriften und lokale Regeln.

Es wird meist zwischen »Ethik« und »Moral« unterschieden. Ethik ist demnach die Theorie, Moral die Praxis. Mir ist diese Unterscheidung zu theoretisch, um von praktischem Nutzen zu sein. Daher verwende ich »Ethik« und »Moral« als Synonyme _1_.

Ich nenne Moral schlicht »ein Verfahren, um die Probleme des menschlichen Zusammenlebens zu lösen«. Wenn mir mein Eigentum etwas wert ist, so muss ich anderen verbieten, zu stehlen. Da Moral aus allgemeingültigen Vorschriften für alle besteht, verbiete ich mir den Diebstahl daher selbst.

Da mir auch mein Leben etwas wert ist (sogar mehr als mein Eigentum), muss ich anderen das Töten verbieten. Damit verbiete ich es mir selbst, andere zu töten, da die Regeln für alle gelten. Warum sollen sie für alle gelten? Weil sonst jeder für sich eine Ausnahme reklamieren würde. Außerdem ist das nur gerecht, wenn alle sich an dieselben Regeln halten. Gerechtigkeit wiederum ist mir etwas wert, weil ich nicht schlechter behandelt werden möchte als andere.

Man muss es der Allgemeinheit verbieten, aus dem schlichten Grund, dass diese mir gegenüber immer in der Mehrheit sind. Und weil die meisten Menschen ein ähnliches Gerechtigkeitsempfinden wie ich besitzen. Jeder, der eine allgemeingültige Regel verletzt, erklärt sich zu einem wertvolleren Menschen  als alle anderen, die sich an die Regeln halten müssen, da für ihn eine Ausnahme gemacht wird.

Weil dies so simpel und so einsichtig ist, finden wir ein Verbot von Mord und Diebstahl in allen bekannten menschlichen Gesellschaften. Und wir finden überall auch dieselben Ausnahmen, etwa im Krieg. Gegen Außenstehende, die nicht Mitglied der Gesellschaft sind, ist man nicht so pingelig. Erst der universelle Humanismus hat diese Gebote auf die ganze Menschheit ausgedehnt. In der Bibel, beispielsweise, finden wir diese Idee nicht: Da kommt Moses vom Berge Sinai mit dem göttlichen Gebot »Du sollst nicht töten«, und schon im nächsten Abschnitt wird die Ermordung eines fremden Stammes, Frauen und Kinder eingeschlossen, befohlen. Offensichtlich hat das damals niemand als einen Widerspruch empfunden. Auch die Todesstrafe für bestimmte Vergehen wird nicht als ein Widerspruch empfunden – jedenfalls von Christen in den USA, beispielsweise, häufiger als bei Atheisten.

Es gibt einen Satz an Regeln, die wir in allen Gesellschaften finden, unabhängig von Religion und Kultur. Ebenso beobachten wir, dass es kulturell abweichende Regeln gibt. Beispielsweise existiert keine Kultur, in der Kindern nicht eine stark verminderte Verantwortlichkeit für ihr Verhalten zugesprochen wird.

Das deutet schon an, dass grundlegende Prinzipien der Moral nichts mit Religion zu tun haben können, sondern biologischen Ursprungs sein müssen. Wir sehen hier aber auch die allgegenwärtige »biologische Variabilität«, die dazu führt, dass es immer Individuen gibt, die anders entscheiden als wir. So finden wir weltweit, in allen Kulturen, unabhängig von der Religiosität, eine Verachtung für Pädophilie. Trotzdem beobachten wir auch Ausnahmen. Wir sind uns als Menschen sehr ähnlich, aber nie völlig gleich.

Eine spezifische »monotheistische Moral« existiert jedoch nicht, was ich an anderer Stelle ausgeführt habe:

Probleme monotheistischer MoralZurück

1. Ursprünglich war »Moral« nur die lateinische Übersetzung des griechischen Wortes »Ethik«. Zurück zu 1


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