Inhaltsverzeichnis:

      Zusammenfassung
         Logische Gründe für diese Ansichten
         Logische Widersprüche in diesen Ansichten

 

Zusammenfassung

Bisher vertreten Sie folgende Ansichten über Gott:

  1. An Gott muss man glauben  man kann nicht wissen, ob er existiert.
  2. Gott ist der Schöpfer des Universums, unter anderem.
  3. Gott ist reiner Geist.
  4. Es gibt eine von unserem Bewusstsein unabhängige Welt.
  5. Geist und Materie sind zwei verschiedene Dinge (Leib-Seele-Dualismus).
  6. Gott ist allwissend.
  7. Gott ist entweder allmächtig oder wenigstens sehr mächtig.

Bis auf Punkt 4. führt alles zu Problemen, die ich schon skizziert oder angedeutet habe. Außerdem, ebenfalls abgesehen von 4., weiß _1_ man nicht, ob es sich so verhält, man glaubt  es. Auf die Idee, dass die Realität von unserem Bewusstsein unabhängig ist, kann man auch ohne Gott kommen.

 

Logische Gründe für diese Ansichten

Der einzige Grund, die Punkte 1., 2., 3., 5., 6. und 7. zu glauben ist der, dass abweichende Annahmen zu logischen Widersprüchen führen. Das alles folgt aus der Vorstellung, dass es dieser eine Gott war, der das Universum erschaffen hat (Punkt 2.).

Das bedeutet, dass er nicht aus Materie bestehen kann, da die Materie des Universums seine Schöpfung ist (Punkt 3.). Daher muss er aus einer anderen »Substanz« bestehen – und da kommt nur Geist infrage.

Die »materielle Welt« muss unabhängig von unserem Bewusstsein existieren, sonst ist unser Geist der Erschaffer der Welt (Punkt 4.). Daraus folgt auch, dass Geist und Materie zwei gänzlich voneinander verschiedene Dinge sind (Punkt 5.) _2_.

Punkt 6. ist eine Voraussetzung für Punkt 7. Um das Universum erschaffen zu können, muss Gott zumindest sehr viel wissen und praktisch alles können. Minimal muss er nur wissen, wie man so etwas wie das materielle Universum erschaffen kann und nur genau diese Macht besitzen. An dieser Stelle, unter Berücksichtigung der bislang behandelten Vorstellungen, folgen Allwissen und Allmacht nicht logisch _3_. Das folgt aus weiteren Überlegungen, die wir aber noch nicht erörtert haben.

Damit alles dies logisch folgt, muss man die Logik voraussetzen – auch für Gott. Sobald man diese bestreitet, folgt keine der behandelten Punkte aus keiner Annahme. Ohne Logik herrscht Beliebigkeit!

 

Logische Widersprüche in diesen Ansichten

Man muss unterscheiden: Steht eine Idee im (logischen) Widerspruch zu unseren Erkenntnissen über diese Welt, oder steht sie in einem logischen Widerspruch zu sich selbst? Ersteres kann man bestreiten, indem man unser Wissen für falsch erklärt. Daher erwähne ich es hier lediglich als Information. Letzteres jedoch macht die damit verbundene Ansicht falsch. Das ist sogar eines der sichersten Indizien für Falschheit, das wir kennen.

Zu 1.: Es gibt keinen einzigen logisch gültigen Beweis für die Existenz Gottes.

Zu 2.: Nach den geltenden kosmologischen wissenschaftlichen Theorien ist ein Schöpfer für das Universum schlicht überflüssig.

Zu 3.: Es gibt keine Beweise dafür, dass so etwas wie »reiner Geist« existieren kann. Dies steht auch im Widerspruch zu allen neurologischen Erkenntnissen. Demnach stehen alle bekannten geistigen Prozess in direktem Verhältnis zu der Physiologie des Gehirns.

Zu 3.: Es besteht ein Widerspruch zwischen der Annahme, dass Gott denken oder handeln kann, und den statischen Eigenschaften von Ideen. Wenn Gott »rein geistig« ist, und wir zugestehen, dass Ideen »rein geistig« sind, besteht Gott aus der Summe aller möglichen Ideen und ist daher auch statisch. Wenn man sagt, dass Gott unveränderlich sei, drückt man dies auf andere Weise aus.

Zu 5.: Alle neurologischen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass es ohne materielle Vorgänge kein Denken geben kann.

Zu 6.: Gott kann u. a. nicht wissen, was er nicht weiß. Zudem widerspricht der Beweis von Gödel der logischen Möglichkeit von Allwissenheit.

Zu 7.: Reiner Geist kann nichts bewegen oder erschaffen. Der Leib-Seele-Dualismus nimmt an, dass geistige Prozesse in materielle Prozesse eingreifen können. Dies widerspricht einem fundamentalen physikalischen Prinzip, dem Energieerhaltungssatz. Ein Monismus (Geist ist eine Funktion der Materie) hat dieses Problem nicht.

Zu 7.: Allmacht wird durch die Gesetze der Logik begrenzt. Gott kann nichts tun, was logisch widersprüchlich ist. Kann Gott Böses tun? Wenn man mit »Nein« antwortet, begrenzt man seine Handlungsmöglichkeiten noch mehr _4_.

Zu 6. und 7.: Allwissenheit steht im logischen Widerspruch zur Allmacht. Kann Gott etwas anderes tun als das, was er weiß, was er tun wird? Wenn ja, wusste er nicht alles. Wenn nein, dann ist er eine Marionette seines eigenen Wissens: Er kann nichts anderes tun als das, von dem er weiß.

Gleichzeitig ist Allwissenheit die Voraussetzung  für Allmacht.

Wir können jetzt sehen, warum es so viele verschiedenen Ansichten zu Gott gibt. Sobald man anfängt, an einem dieser Punkte zu zweifeln, entsteht ein vom klassischen Theismus abweichendes Gottesbild. Dabei haben wir gerade an der Oberfläche gekratzt! Mit jeder Zusatzannahme zu Gott vermehren  sich die Widersprüche.

Wenn wir die Logik verwerfen, explodieren die Möglichkeiten, wie Gott sein könnte. Das wird von Gläubigen meistens übersehen, weil sie die Logik wegwerfen, um bestimmte  Eigenschaften Gottes vor der Widerlegung zu retten. Um ihre Ansichten an keinerlei Realität oder Erfahrung anpassen zu müssen ist dies ein »sicherer Weg«. Die Folge dessen: Gott kann alles und nichts sein.

Aber ohne Logik gibt es buchstäblich kein Fundament mehr, auf dem man seinen Glauben stellen könnte.

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1. Es gibt kein Übergewicht an Argumenten, die für  die Existenz Gottes sprechen. Zurück zu 1

2. Man kann vertreten, dass unser Geist etwas anderes ist als »der Geist Gottes«. Mit dieser Ansicht kann man zwar unseren Geist als Funktion der Materie betrachten, aber nicht den von Gott. Das Problem dabei ist, dass man die erfahrbare Welt damit verdreifacht hat, um eine Sache zu »erklären«, die man nicht versteht. Man hat damit nur nichts erklärt. Zurück zu 2

3. Logisch gesehen sind Allwissen und Allmacht für ein Gotteskonzept völlig überflüssig. Die Gründe für diese beiden Annahmen sind interessant, ich werde das aber nicht hier diskutieren. Zurück zu 3

4. Man muss dazu noch bemerken, dass es einen Ausweg gibt: Man definiert kurzerhand alles, was Gott tut, als »moralisch richtig«. Wenn also Gott die Menschheit ersäuft, so ist das moralisch völlig OK. Damit wird Moral zur absoluten Willkür eines absolutistischen Herrschers. Zurück zu 4


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