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Die Eigenschaften Gottes II

Die folgende Sammlung stammt von von Theodore M. Drange: →Incompatible-Properties Arguments: A Survey (1998). Wer meint, dies alles treffe auf Gott nicht zu, weil Gott mit der Logik nicht zu erfassen sei, der lese bitte: Ist Gott der Logik zugänglich?. Dies hier ist eine kurze Zusammenfassung (nur die Argumente):

1. Vollkommenheit versus Schöpfung

Version #1:
(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein vollkommen Wesen kann keine Bedürfnisse oder Wünsche haben.
(P4) Wenn jemand das Universum schuf, dann muss er dazu ein Bedürfnis oder den Wunsch dazu gehabt haben.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen der Schöpfer des Universums sein kann (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Der gängigste Einwand gegen dieses Argument ist, das Wort "vollkommen" anders zu definieren als wir es normalerweise verstehen. Aber vollkommen bedeutet normalerweise, dass etwas nicht mehr besser zu machen ist. Definiert man es anders, dann gibt man zu, dass der Begriff "vollkommen" irreführend verwendet worden ist, und dass Gott eben nicht im ursprünglich verstandenen Sinne vollkommen ist. Bedürfnisse oder Wünsche kann man nur haben, wenn man unvollkommen ist. Wieso sollte Gott dann das Bedürfnis oder den Wunsch haben, dass Universum zu erschaffen?

Version #2:
(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er vollkommen.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Wenn ein Wesen vollkommen ist, dann muss alles, was es schafft, auch vollkommen sein.
(P4) Aber das Universum ist nicht vollkommen.
(P5) Daher ist es unmöglich, dass ein vollkommenes Wesen das Universum geschaffen hat (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).


Warum sollte ein vollkommenes Wesen etwas erschaffen, was nicht selbst vollkommen ist? Und woran will man beispielsweise einen vollkommenen Möbelbauer erkennen, wenn nicht daran, dass seine Möbel, die er herstellt, vollkommen sind? Wie also kommt man zu der Annahme, dass Gott vollkommen sei, wenn man nicht von einer vollkommenen Schöpfung auf ihn logisch zurückschließen kann?

Definiert man den Begriff "vollkommen" anders, dann gibt man zu, dass Gott eben nicht im ursprünglichen Sinne "vollkommen" ist, sondern unvollkommen.

2. Die Unveränderlichkeit Gottes versus Schöpfung

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er der Schöpfer des Universums.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu einer Zeit eine Absicht haben und zu einem anderen Zeitpunkt keine Absicht.
(P4) Für ein Wesen, das etwas erschafft, muss vor der Erschaffung die Absicht haben, es zu erschaffen, aber später, nach der Schöpfung, keine Absicht haben, etwas zu erschaffen.
(P5) Daher ist es unmöglich für ein unwandelbares Wesen irgendetwas zu erschafft zu haben (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Wenn etwas vollkommen ist, dann führt jede Änderung dazu, dass es nicht mehr vollkommen ist. Auch hier gibt man mit der Umdefinition des Begriffes zu, dass Gott eben nicht vollkommen ist, so, wie man es ursprünglich versteht, also wird das Attribut "vollkommen" irreführend verwendet.

3. Unwandelbarkeit versus Allwissenheit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht zu verschiedenen Zeiten unterschiedliches Wissen haben.
(P4) Um allwissend zu sein, müsste ein Wesen alles über Vergangenheit und Zukunft wissen.
(P5) Aber was Vergangenheit und was Zukunft ist, wandelt sich ständig.
(P6) Daher, um die Eigenschaften der Vergangenheit und der Zukunft zu wissen, müsste ein Wesen verschiedene Dinge zu verschiedenen Zeiten wissen (aus (P5)).
(P7) Daraus folgt, dass ein Wesen, um allwissend zu sein, unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Zeiten wissen müsste (aus (P4) und (P5)).
(P8) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, allwissend zu sein (aus (P3) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)).

Vollkommenheit und Wandel schließen einander aus. Außerdem, wenn Wissen vollkommen wäre, dann würde jede Korrektur dieses Wissen bestätigen, dass Gott eben doch nicht vollkommen ist. Allwissenheit und Dazulernen schließen einander aus.

4. Unwandelbarkeit versus Liebe

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er unwandelbar (sonst wäre er nicht vollkommen).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er liebend.
(P3) Ein unwandelbares Wesen kann nicht durch Ereignisse verändert werden.
(P4) Um liebend zu sein, muss ein Wesen durch Ereignisse verändert werden können.
(P5) Daher ist es für ein unwandelbares Wesen unmöglich, liebend zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).


5. Transzendenz versus Allgegenwart

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht irgendwo im Raum existieren.
(P4) Um allgegenwärtig zu sein muss ein Wesen überall im Raum existieren
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, allgegenwärtig zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Transzendenz und Immanenz schließen einander aus. Trotzdem wird vom christlichen Gott behauptet, er sei beides.

6. Transzendenz versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er transzendent (d. h. er existiert außerhalb von Zeit und Raum).
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Wenn etwas transzendent ist, dann kann es nicht existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P4) Aber ein persönliches Wesen muss existieren und innerhalb von Zeit agieren.
(P5) Daher ist es für ein transzendentes Wesen unmöglich, eine Person zu sein (aus (P3) und (P4)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P5)).

Vom christlichen Gott wird behauptet, er existiere "außerhalb der Zeit". Das ist eine sinnfreie Behauptung, weil Gott nicht innerhalb der Zeit agieren kann, wenn er nicht "dazugehört".

7. Nichtkörperlich versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er nichtkörperlich.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Eine Persönlichkeit muss körperlich existieren.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)).

Wir kennen nur Personen, die einen Körper haben. Wie kann man da Gott als "personal" bezeichnen, wenn er keinen Körper besitzt?

8. Allgegenwart versus Persönlichkeit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allgegenwärtig.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er eine Person (oder ein persönliches Wesen).
(P3) Was immer allgegenwärtig ist, kann keine Persönlichkeit sein.

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1) bis (P3)).

Personalität bedeutet, innerhalb der Zeit in einem Körper zu existieren. Wenn man "personal" anders definiert, dann gibt man zu, dass Gott nicht im eigentlichen Sinne personal sein kann. Warum belegt man Gott mit Begriffen, die keinen Sinn ergeben?

9. Allwissenheit versus Freiheit

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er allwissend.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er frei.
(P3) Ein allwissendes Wesen muss genau wissen, was er in Zukunft tut und nicht tun wird.
(P4) Wenn Gott weiß, was er tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es nicht zu tun, und wenn er weiß, was er nicht tun wird, dann ist es unmöglich für ihn, es zu tun.
(P5) Daher, was immer Gott auch tut, er muss es tun, und was immer er nicht tut, kan er nicht tun (aus (P3) und (P4)).
(P6) Um frei zu sein, muss man offene Optionen haben, was bedeutet, die Fähigkeit zu haben, auch anders zu handeln, als man tatsächlich handelt.
(P7) Wenn also jemand frei ist, dann muss er nicht tun, was er tatsächlich tut, und er ist fähig, zu tun, was ernicht tatsächlich tut (aus (P6)).
(P8) Daher kann ein allwissendes Wesen nicht frei sein (aus (P5) und (P7)).

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P8)).

Wenn Gott allwissend ist, dann kennt er die Zukunft. Wenn er weiß, wie er handeln wird, so kann er nicht anders handeln, als er es vorher weiß. Handelt er doch anders, dann war sein Vorherwissen falsch. Wer allwissend ist, der kann sich nicht anders besinnen, denn dann wäre er nicht allwissend.

10. Gerechtigkeit versus Gnade

(P1) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gerechter Richter.
(P2) Wenn Gott existiert, dann ist er ein gnädiger Richter.
(P3) Ein gerechter Richter behandelt jeden Täter exakt nach der Schwere seiner Taten, so wie sie/er es verdient.
(P4) Ein gnädiger Richter behandelt jeden Täter mit weniger Strenge nach seinen Taten, so wie sie/er es verdient.
(P5) Es ist unmöglich, einen Täter nach der Schwere seiner Taten zu behandeln, so wie sie/er es verdient, und gleichzeitig weniger streng zu behandeln, als sie/er es verdient.
(P6) Daher ist es unmöglich, ein gnädiger und ein gerechter Richter zu sein (aus (P1) bis (P5)),

(S) Folglich ist es unmöglich, dass Gott existiert (aus (P1), (P2) und (P6)).

Gnade ist stets ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit.

Einige der Argumente von Drange passen nur auf den christlichen Gott, einige auf alle Götter. Einige sind solider in der Argumentation als andere. Aber trotzdem interessant, mal so eine Übersicht zu haben, oder? Dabei ist diese Sammlung nicht einmal vollständig!


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