Inhaltsverzeichnis:

      Diese Position impliziert Panentheismus
      Wer denkt unsere Gedanken?
      Das Theodizeeproblem
      Das moralische Problem

Sind wir nur Schachfiguren im Geiste Gottes?  

Diese Position impliziert Panentheismus

Was wäre, wenn die Welt so etwas wie eine Simulation im Geist Gottes ist? Das ist eine logisch konsistente monotheistische Gottesvorstellung, bei der von den vier grundlegenden Konzepten

  1. Primat des Geistes
  2. Realismus
  3. Supernaturalismus
  4. Leib-Seele-Dualismus

alles aufgegeben wird außer der ersten Vorstellung.

Von den Ideen der Allmacht und des Allwissens muss man keine aufgeben. In seiner »Simulation« kann Gott tun und lassen, was er will. Es gibt nur schwere Probleme mit der Allwissenheit. Ohne Schwierigkeiten kann man annehmen, dass Gott alles über die Welt weiß und auch alle Vorgänge genauestens kennt. Wenn man aber annimmt, dass Gott wirklich alles weiß, läuft man in das Problem, wer die Welt geplant hat. Siehe Gott, der Planer von allem?
 

Wer denkt unsere Gedanken?

Für die Annahme einer »Weltsimulation« durch Gott ergeben sich aber einige weitere Probleme. Zum einen die Frage »Wer denkt unsere Gedanken?«. Wenn die Welt eine Simulation ist, sind die Gedanken, die wir denken, unsere oder die von Gott? Anders gefragt, sind sie ein Teil von Gott oder nicht?

Antwortet man mit »Sie sind ein Teil von Gott«, so sind nicht wir die Urheber der Gedanken, sondern Gott. Damit wäre er verantwortlich für alles, was wir denken, und für jede unserer Handlungen ! Das widerspricht so ziemlich jeder existierenden Religion – was nicht heißt, dass es falsch ist.

Lautet die Antwort »Wir sind es«, so gibt uns das zwar eine gewisse Autonomie, vermindert aber die Kontrolle Gottes über die Welt. Er kann dann nicht vorhersehen, wie sich die Welt entwickelt. Das macht aus Gott einen Experimentator, der seine Experimente durchführt, weil er nicht weiß, was dabei herauskommt. Was auch bedeutet, dass er kein vollständiges Wissen über die Welt haben kann. Kann er es vorhersehen, warum hat er uns dann erschaffen?

Man kann die Frage auch anders stellen, was aber in Konsequenz zu demselben Ergebnis führt: Kann Gott genau vorhersagen, wie wir denken werden? Falls ja, ist die Simulation überflüssig, und wir sind nur Schachfiguren. Falls nein, ist Gott nicht der Herr der Welt, sondern ein Experimenator, der etwas ausprobieren muss, um herauszufinden, was passieren wird.

In jedem Fall ist Gott aber ein Täuscher, der uns über unsere eigene Existenz massiv in die Irre führt! 

Das Theodizeeproblem

Abgesehen davon verschärft sich damit ein altes Problem – die Frage, warum wir leiden. Für uns  ist alles Leid real, das ist entscheidend – und überflüssiges ist es ohnehin. Damit denken wir uns einen Experimentator, der seine Geschöpfe täuscht, und sie unnötig leiden lässt, für ein zweifelhaftes oder überflüssiges Ergebnis.

Ich würde so einem Gott in keinem Fall trauen und würde mir eher wünschen, dass diese Ansicht komplett falsch ist!

So logisch das auch alles klingen mag, diese Art von Gott ist eher ein Monster.

 

Das moralische Problem

Diese Haltung impliziert einen extremen Amoralismus _1_. Wenn die Welt eine Illusion ist, ist das Leid entweder auch eine Illusion oder nicht.

Ist Leid eine Illusion, gibt es weder eine Notwendigkeit noch eine Basis für die Moral. Jede beliebige Handlung spielt letztlich keine Rolle. Ob ich jemandem eine Freude mache oder ihn foltere und umbringe hat keine realen Konsequenzen sondern ist lediglich die Manipulation von Gedanken. Das stuft Menschen zu weniger als Robotern herab – sie sind bloße Programmkonstruktionen. Wir sind dann in der Position eines Spielers von Ego-Shootern, der programmierte Instruktionen auf einem Computerchip »abschießt« – was eine Handlung ohne moralische Implikationen darstellt. Diese Dinge, die er abschießt, mögen optisch wie Menschen aussehen und sich so verhalten, aber ob man sie »tötet« oder nicht hat nichts mit Moral zu tun.

Das sieht anders aus, wenn Leid keine  Illusion ist. Dann aber läuft man in das Theodizeeproblem, nur dass man diesmal keine Chance hat, die Urheberschaft allen Leids von Gott abzuwenden. Speziell dann nicht, wenn Gott der Urheber unserer Gedanken ist.

In diesem Fall ist Gott ein Sadist, der uns grundlos leiden läßt.

Wir sollten alle hoffen, dass dies nicht der Fall ist. Wenn Gott ein Täuscher ist, sind alle religiösen Versprechungen, sofern sie überhaupt von ihm kommen, auch Täuschungen.

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