Inhaltsverzeichnis:

      Ist Offenbarung ein Ausweg?
         Es gibt keine Kriterien für Offenbarungen
            Gottes erste Offenbarung
         Keine Offenbarung ist »offenbar«
         Viele Ausreden
         Kein Interesse für die Wahrheit
      Das betrifft auch unmittelbar die Existenz  Gottes!

Es gibt viele Bücher über religiöse Offenbarungen. 

Ist Offenbarung ein Ausweg?

Die monotheistischen Religionen sind zugleich auch immer Offenbarugsreligionen. Gott ist fern, abstrakt, und man kann nichts über ihn wissen – außer dem, was er über sich selbst offenbart hat.

Interessant ist, dass man sich weder darüber einigen konnte, was als Offenbarung gilt, noch, wie man diese interpretiert.

So hat jede Religion ihren eigenen Satz an Offenbarungen. Juden die Torah, Christen das alte und das neue Testament, Muslime das alte Testament sowie in Grenzen das neue Testament plus dem Koran. Die verschiedenen Richtungen im Islam zusätzlich unterschiedliche Hadithen (Überlieferungen des Propheten). Mormonen benutzen als Ergänzung das Buch Mormon.

Aus den unterschiedlichen Offenbarungen resultieren die verschiedenen Gottesbilder. Aus diesen wiederum ergibt sich, welche Offenbarung anerkannt wird und welche nicht, und wie man diese zu interpretieren hat. Die darin liegenden logischen Zirkel bemerken die meisten Gläubigen schon nicht mehr, dazu sind sie zu sehr in ihre unterschiedlichen Traditionen eingesponnen.

 

Es gibt keine Kriterien für Offenbarungen

Woran man eine »echte« Offenbarung erkennt, dafür gibt es keine allgemeinen Kriterien. Wenn, dann passen diese »rein zufällig« immer genau zu dem, was man für eine Offenbarung hält.

Offensichtlich übernimmt man da eine Wahl, von der man die Gründe nicht kennt, weswegen diese Wahl getroffen wurde! Oder man hat sich falsche Gründe einreden lassen.

 

Gottes erste Offenbarung

Betrachtet man Gott als einen Schöpfergott, so ist seine Schöpfung die erste Offenbarung. Man könnte als minimales Kriterium auf die Idee kommen, dass die erste Offenbarung zumindest keiner späteren Offenbarung widersprechen darf. Aber einen solchen Text gibt es nicht, jede der jeweils verschiedenen »anerkannten« Offenbarungen widerspricht an einigen Punkten gesichertem Wissen über die Natur. Die einzige Antwort darauf ist, die Interpretation so vage zu halten, dass es dann doch »irgendwie« noch passt. Aber je schwammiger man interpretiert, umso mehr entwertet man die Offenbarung. An der ist dann nichts mehr »offenbar«.

 

Keine Offenbarung ist »offenbar«

Es gibt aber noch mehr Probleme damit. Hinzu kommt noch das Problem, welches Thomas Paine in →The Age of Reason so formuliert hat (Übersetzung von mir):

Es ist eine selbst-widersprüchliche Behauptung, irgendetwas als Offenbarung zu bezeichnen, was wir aus zweiter Hand wissen, sei es geschrieben oder gesprochen. Offenbarung ist begrenzt auf die erste Kommunikation – nach dieser ist es nur eine Ansammlung von Worten von denen eine Person behauptet, es handle sich um eine Offenbarung, die ihm gemacht worden sei, und es mag sein, dass er sich verpflichtet fühlt, daran zu glauben, aber danach kann es für mich nicht die Pflicht sein, in derselben Art zu glauben, denn diese Offenbarung wurde nicht MIR gemacht, und ich habe nur sein Wort, dass es ihm geoffenbart wurde.

D. h.: Niemand hat ein sinnvolles Kriterium für das, was Gottes Offenbarung ist und was nicht. Es gibt dann auch keine Einigung darüber, wie man diese zu interpretieren hat. Zum Schluss kann nichts eine Offenbarung sein, was man aus zweiter Hand hat, und von dem man nicht wissen kann, woher es stammt (glauben kann man sowieso alles, wie die Vielzahl der Religionen beweisen). Zudem kann nichts eine Offenbarung sein, in dem fehlerhafte Annahmen über die Natur stehen. Es sei denn, man nimmt einen Schöpfergott an, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Dann sind aber alle Offenbarungen wertlos.

Daher bieten auch die sog. »Heiligen Schriften« keinen Ausweg aus dem Dilemma, dass man seinen Gott sich so geschaffen hat, dass man nichts über ihn wissen kann.

2.000 Jahre des Nachdenkens, und man bekommt nicht mehr als ein »Du musst es halt glauben«. Siehe auch:

Was bedeutet es, zu »glauben«?
 

Viele Ausreden

Der schlechte Standard, mit dem Offenbarungen betrachtet werden, gebiert seltsame Ausreden. So wird, wenn man auf offenkundige Fehler in der Bibel hinweist, darauf aufmerksam gemacht, dass die Bibel von Menschen geschrieben wurde, die sich auch irren konnten. Aber dann steht alles unter einem Irrtumsvorbehalt. Außer den Lieblingsstellen des Interpreten – es ist immer »nicht so gemeint«, wenn es Widersprüche zur Realität gibt, aber »genau so gemeint«, wenn man eine Interpretation vorlegt, die die eigene Meinung bestätigt. Man kann aber nicht beides nach Belieben haben.

Die Menschen, die das damals aufgeschrieben haben, wussten sehr genau zwischen metaphorischen und konkreten Beschreibungen zu unterscheiden. Im Neuen Testament (NT) wird das exakt gekennzeichnet – dann redet Jesus in Gleichnissen. Niemand käme auf die Idee, ein Gleichnis für eine wortwörtlich wahre Geschichte zu halten. Hier geht es vielmehr darum, etwas zu verdeutlichen, auf den Punkt zu bringen. Ob die Geschichte erfunden wurde oder nicht ist dafür völlig unerheblich!

D. h., dass auch damals die Autoren sich sehr wohl bewusst waren, wann und wie man metaphorisch etwas beschreibt. Man kann davon ausgehen, dass eine konkrete Beschreibung auch konkret gemeint war, und der Autor es nicht besser wusste. Oder dass er die Geschichte ohnehin gleich ganz erfunden hat und damit einen anderen Zweck verfolgt.

 

Kein Interesse für die Wahrheit

Die Exegese der Bibel ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass man kein Interesse mehr hat, die ursprüngliche Intention des Autors zu ermitteln. Vielmehr geht es darum, seine eigenen Interessen im Text wiederzufinden. Der Autor hat das wörtlich gemeint? Ach was, wir interpretieren es metaphorisch!

Man könnte ganze Bücher darüber schreiben, was mit der Exegese nicht in Ordnung ist – das wurde auch schon gemacht – ich sage an dieser Stelle nur, dass man die Wahl hat:

Wenn es einen Widerspruch zwischen der Welt und der Offenbarung gibt, kann offenkundig nicht der Schöpfer der Natur der Urheber dieser Offenbarung sein, oder aber er will uns nicht die Wahrheit erzählen. Beides ist, abgesehen von obigem Argument von Thomas Paine, ziemlich verheerend.

Die Antwort der Exegeten lautet einhellig: »Dann interpretieren wir es uns eben nach Lust & Laune zurecht, bis es wieder passt«.

 

Das betrifft auch unmittelbar die Existenz  Gottes!

Denn auch von der Existenz eines einzigen Gottes wissen wir nicht unmittelbar. Jeder Mensch, der an Gott glaubt, tut dies, weil es ihm ein anderer erzählt hat. Nur eine kleine Minderheit beruft sich auf eigene Erfahrung, was wir auch noch behandeln müssen. Gott ist nicht mächtig genu, um sich allen zu offenbaren, er braucht irgendwie immer Mittler. Das gibt ein eher schwaches Bild ab und erinnert eher an →die Geschichte von Hank.

Wenn Gott sich einem  Menschen offenbaren kann, warum dann nicht allen? Das würde viel Missverständnisse, Irrungen, Wirrungen, religiösen Spaltungen etc. vorbeugen. Entweder, Gott hat kein Interesse daran, Religionskriege zu vermeiden, der er existiert nicht, oder er ist bösartig.

Wir haben hier so etwas wie ein Theodizeeproblem der Offenbarung:

  1. Kann Gott sich nicht allen Menschen offenbaren, so ist er nicht allmächtig.
  2. Will er sich nicht allen offenbaren, kann er nicht gut sein (wegen der Konsequenzen daraus).
Wird fortgesetzt!

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