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Wie Eva und Adam ausgetrickst wurden

Einer der Kernpunkte des christlichen Glaubens ist die Erbsünde (Erbschuld). Demnach ist durch die Ursünde von Adam und Eva Schuld auf alle Menschen geladen worden, die den Menschen den Tod (die Sterblichkeit) brachte, die dann durch das Opfer von Jesus Christus reingewaschen wurde. Wem dieses Konzept merkwürdig und alogisch vorkommt: Willkommen im Kreis der Denker und Zweifler ...

Dass in der Bibel die Erbsünde eine gewichtige Rolle spielt, kann man an folgenden Textstellen sehen: →Römers 5:12, →Roemers 5:19, →1 Korinther 15:22 - dies steht im Widerspruch zu →5 Mose 24:16, →Hesekiel 18:20, →Hesekiel 33:20, →Jeremia 31:29-30, →Röemers 2:6 und →Hesekiel 18:4. Alle müssen leiden wegen der Verfehlung der ersten Menschen, aber ein jeder soll nach seinen eigenen Taten gerichtet werden. Hmpf.

Die Geschichte, die die Bibel dazu in →1 Mose 1-3 erzählt, ist schon ziemlich merkwürdig. Zunächst erschafft Gott den Menschen (nach seinem Bild  [1]. Und er liebt ihn so sehr, dass er ihm einen freien Willen gibt (behaupten die Theologen, in der Genesis-Geschichte finden wir kein Wort davon, dies ist eine spätere Erfindung). Er setzt den Menschen Adam und seine Gefährtin Eva ins Paradies und sagt ihnen: "... aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!" (→1 Mose 2:17). Laut Bibel sagt er es nur Adam, Eva wird erst danach erschaffen.

Der "Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen" - was sagt uns das? Dass Adam und Eva wohl erst Gut und Böse unterscheiden können, nachdem sie von der Frucht gegessen haben (dazu kommen wir später). Wichtig ist nur: Zunächst können Adam und Eva Gut und Böse nicht unterscheiden. Gott (allwissend, wie er gedacht wird) wird das genau gewusst haben.

Wenn Adam und Eva Gut und Böse nicht unterscheiden können, woher sollen sie dann wissen, dass das Essen der Frucht eine böse Handlung ist? Und woher sollen sie wissen, was eine Lüge ist? Damit ist der Ausgang der Geschichte praktisch "vorprogrammiert" - und man muss nicht allwissend sein, um zu vorherzusehen, dass das nur schief gehen kann. Abgesehen davon: Wenn der Mensch einen freien Willen hätte, dann wäre Gott nicht allwissend, ist er aber allwissend, dann gibt es keinen freien Willen  [2].

Wieso dieser Test mit dem Verbot? Gott ist allmächtig, wenn er den Baum wirklich hat schützen wollen, dann hätte er ihn woanders hinsetzen können oder unter eine Schutzglocke packen. Denn so wird die Verlockung irgendwann übermächtig - dumm von ihm, wenn er das nicht vorhersieht. Und warum sollten Adam und Eva nicht in der Lage sein, Gut und Böse voneinander zu unterscheiden? Was für einen Wert hat der freie Wille, wenn Gut und Böse als dasselbe erscheinen (und wenn es gleich erscheint, dann ist es gleich für den Betrachter)? Hinzu kommt, dass mir das Essen einer Frucht, auch wenn es verboten wurde, mir nicht als besonders böse erscheint - vor allem war das Verbot ungenügend begründet und daher willkürlich.

Und es kommt, wie es kommen muss: Die Schlange verführt Eva dazu, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen, und Adam folgt ihr (das alte Thema: die Frau als bösartige Verführerin - ein patriarchalisch-archaisches Märchen). Da Eva nicht wusste, was eine böse Tat ist, konnte die Schlange sie überreden. Eva konnte ja vor dem Genuss der Frucht nicht wissen, dass die Handlung böse war. Dadurch, dass Gott Eva diese Fähigkeit absichtsvoll vorenthalten hat, macht er sie anfällig für Täuschungen und für böse Handlungen! Wenn aber Adam und Eva es doch unterscheiden konnten - welchen Zweck hat dann der Baum der Erkenntnis gehabt?

1 Mose 3:4-5: "4 Da sagte die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! 5 Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses."

Das Unvermeidliche passiert und Eva und Adam essen von der Frucht (von der übrigens nirgendwo gesagt wird, um welche Art Frucht es sich handelt). Danach erkennen sie die Nacktheit als schlecht  [3] (Auch ein christliches Thema: Was mit Sexualität auch nur indirekt zu tun hat, ist böse). Danach fragt dann der (Allwissende!) Gott, wo sich Adam versteckt, und er fragt, ob er denn etwa von der Frucht gegessen habe? Was er ja wohl wissen sollte.

Eva wendet zu Recht ein, sie sei getäuscht worden, was sie vor dem Genuss der Frucht nicht erkennen konnte, sondern erst hinterher. Gott sollte dies wissen, aber er straft trotzdem - zunächst die Schlange, die sich fortan vom Staub ernähren solle (was eine Legende ist - Schlangen fressen alles Mögliche, nur keinen Staub  [4]).

Erinnern wir uns an die Drohung Gottes in →1 Mose 2:17: "... aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!". An dem Tag. Gott hat gelogen, die Schlange hat die Wahrheit gesagt. Denn weder Adam noch Eva müssen an dem Tag sterben. Ihre Strafe wird noch verschärft um ein paar nicht angekündigte Dinge (→1 Mose 3:16-19), aber sterben müssen sie erst später - und mit ihnen alle späteren Menschen.

Einwand: Gott hat eine andere Zeitvorstellung. Entgegnung: Das sollte Gott dann aber wissen und seine Worte entsprechend wählen, denn sonst könnte man das ja missverstehen. Oder ist Gott ein Gott der Konfusion  [5], im Widerspruch zu →1 Korinther 14:33?

Ja, das behaupten die Theologen: Wir müssen deswegen sterben, weil vor langer, langer Zeit zwei Menschen einen Fehler begingen, für den sie nichts konnten, weil Gott sie hereingelegt hat. Diese Sippenhaft - laut Bibel nicht statthaft, siehe auch →5 Mose 24:16 (weitere Belege oben) - zeigt deutlich, welches merkwürdige Gerechtigkeitsempfinden die Bibelschreiber und Theologen hatten. Mir kam das schon als siebenjähriges Kind während des Kommunionunterrichts sehr, sehr fragwürdig vor.

Einwand: Es war nicht die Rede davon, dass Adam und Eva physisch sterben. Sie sind eben spirituell gestorben. Entgegnung: Diese Unterscheidung zwischen physisch und spirituell wird nicht durch die Bibel gestützt (diese Denkweise wurde erst mit dem Platonismus in das Christentum importiert). Die Juden berufen sich auf dieselbe Bibel, verwerfen aber diese Interpretation. Auch aus dem NT lässt sich so eine Deutung nur mit Mühe herauslesen, meist in dem man den Zusammenhang von Textstellen (Kontext) ignoriert. Wenn man zur Interpretation aber ständig gezwungen ist, nicht aus dem Kontext hervorgehende Zusatzkonstruktionen (Zusatzannahmen) zu machen, dann ist die Bibel als Richtschnur unbrauchbar! Denn dann bräuchte man wiederum Kriterien für diese Zusatzannahmen, Kriterien wie man an diese Zusatzannahmen kommt etc. und dies müsste man begründen - und landet prompt im Münchhausentrilemma, produziert also höchst unsicheres Wissen. Genauer gesagt produziert man damit eine Beliebigkeit. Und das ist genau das, was ich auf meiner Website zeigen möchte!

Einwand: Wer sagt denn, dass Gott sich an seine eigenen Regeln halten muss? Die Regeln sind für Menschen gemacht worden! Entgegnung: Wie soll dann bei Menschen ein Empfinden für Gut und Böse geschaffen werden, wenn Gott diese Regeln bricht, wann es ihm passt? Will Gott die Menschen moralisch verwirren? Oder ist es nicht eher so, dass hier die patriarchalisch-tyrannische Weltsicht der alten Orientalen auf Gott projiziert wird? Im modernen Rechtsstaat sind wir weiter: Da muss sich auch der Staat selbst an Recht und Ordnung halten.

Fassen wir zusammen: Gott trickst Adam und Eva aus, in dem er sie der (von ihm geschaffenen) Schlange aussetzt und sie etwas tun lässt, was er vorher ahnen konnte bzw. wissen musste. Er belügt sie über die Konsequenzen und bestraft nicht nur Adam und Eva. Er hat zwar gesagt in →1 Mose 2:17: "... aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!", aber er bestraft gleich alle Menschen bzw. alle ihre Nachkommen. Wir sperren zwar Straftäter ein für ihr Vergehen, nicht aber auch alle ihre Nachkommen und lassen uns dann feiern und Lobpreisen, wenn wir nach ein paar tausend Jahren mit dieser Praxis aufhören  [6].

Mit dieser Tat wurden - sagen die Theologen - alle Menschen sündig und damit sterblich. Für diese Kollektivschuld gibt es keine Begründung.

Und dann schickt er als Wiedergutmachung seinen Sohn Jesus, um mit seinem Opfertod die Sünde reinzuwaschen (behaupten die Theologen). Und dafür sollen wir ihm dankbar sein. Erst trickst er Adam und Eva aus, dann bestraft er alle Menschen dafür, mit Konsequenzen, von denen vorher nicht die Rede war - dann "vergibt" er uns in Form eines äußerst merkwürdigen Opfergangs seines Sohnes (statt einfach zu sagen: "Ok, lasst uns die Geschichte vergessen, ich habe da einen Fehler gemacht, Adam und Eva haben einen Fehler gemacht, wir sind quitt"), und wir sollen ihm dafür auch noch dankbar sein. Wir haben keine Schuld an den Fehlern unserer Vorfahren. Wenn es denn ein Fehler war und nicht Teil einer Planung - in →der Geschichte von Hiob quält er einen Mann ja auch nur so zum Spaß (Wette). Wenn Gott uns für eine Sünde bestraft, die wir nicht begangen haben, sollen wir ihm dann tatsächlich "dankbar" sein, wenn er dieses Unrecht an uns wieder gut macht?

"Wer bin ich als Mensch, dass ich Gott richte!" ist der Einwand der Theologen.

Tut mir Leid, aber diese ganze Geschichte hört sich sehr nach menschlicher Legenden- und Mythenbildung an, der dann durch immer neuere Interpretationen einen Sinn aufgezwängt wurde - nicht sehr erfolgreich, wie ich hinzufügen möchte. Deswegen richte ich hier auch nur über menschliche Mythen - und da zeigt der Daumen nach unten. Den Versuch, dies durch den Verweis auf ein höheres Wesen der Kritik zu entziehen, kann ich leider nicht gelten lassen.

Denn ich bin ein Mensch und muss daher menschliche Maßstäbe anlegen. Gott sollte das bekannt sein. Und wenn Gottes Wege unerforschlich sind (auch eine beliebte Ausrede), dann wäre alle Forschung darüber und alle Gedanken ohnehin müßig und wahrscheinlich falsch und die Theologie völlig überflüssig. Dann ist das Christentum auch falsch, denn es tut ja gerade so, als ob der Heilsplan sehr wohl erforschbar sei, der Rückzug auf die Unerforschlichkeit kommt meist dann, wenn sie sich so sehr in Widersprüche verstrickt haben, dass nur noch ein ungeordneter Rückzug erfolgen kann (auf eine unangreifbare Position  [7]).

Einen Zweck verfolgt diese Geschichte: Den Menschen Schuld einzureden, auf dass man ihnen eine Erlösung anbieten kann. Das ist wie bei einem Doktor, der einen erst krank macht, um dann von der Behandlung profitieren zu können. Dieses Geschäft läuft heute noch. Wie sagt doch Karlheinz Deschner: "Das Sichere an der Erlösung ist der Erlös daraus".

Ich lasse mir keine Sünde aufschwätzen, die ich nicht begangen habe. Entweder, Gott hat Adam und Eva hereingelegt, oder die Theologen waren es.

Im nächsten Abschnitt kommen wir zur spannenden Frage: Was ist, wenn wir diese Geschichte nur symbolisch verstehen, aber nicht wörtlich? Denn das wörtliche Verständnis ist eine der häufigsten Einwände gegen meine Kritik des Adam-und-Eva-Mythos ...

Konfusius, er sagt: "Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben." (Albert Einstein)



Anmerkungen:
  1.  Vielleicht war es auch umgekehrt: Der Mensch schuf sich Gott nach seinem Bilde (denn nach welchem sonst sollte er das tun?). (Zurück)
  2.  Theologen erkennt man daran, dass sie diese Widersprüche ignorieren und mit der Unvorstellbarkeit Gottes "wegerklären" - aber trotz der angeblichen Unvorstellbarkeit trotzdem eifrig über Gottes Natur spekulieren. (Zurück)
  3.  Zunächst halten schämen sie sich ihrer Nacktheit nicht, wie aus →1 Mose 2:25 hervorgeht. Nach dem sie von der Frucht gegessen haben, werden "ihnen die Augen aufgetan" in →1 Mose 3:7 und sie basteln sich Schurze, um ihre Nacktheit zu verbergen - wenn man also Gut und Böse unterscheiden kann, so wird suggeriert, dann erkennt man Nacktheit als etwas, was zu verbergen ist. Adam benutzt dies auch als Vorwand, um Gott zu erklären, warum er sich vor ihm versteckt hat, in →1 Mose 3:10-11, und Gott erkennt an der neuen Schamhaftigkeit, dass Adam von der Frucht gegessen hat. (Zurück)
  4.  Man kann das wörtlich deuten oder sinngemäß - wörtlich ist es falsch, daher muss man es sinngemäß deuten. Es gibt drei Kriterien dafür, wie man "wörtliche" und "sinngemäße" Deutung unterscheiden kann: wenn es selbst dort steht (bei Gleichnissen z. B.), wenn es anders nicht verständlich ist, und wenn es falsch ist. Besonders letzteres Kriterium sollte einen misstrauisch machen. (Zurück)
  5.  Im Englischen wird das Wort "Confusion" anstatt Unordnung verwendet. (Zurück)
  6.  Im Falle Adams waren es "nur" 900 Jahre, aber ziemlich viel für ein Vergehen, welches Gott selbst provoziert hat. (Zurück)
  7.  Eine Position, die unangreifbar ist, enthält aber leider weder Wahrheit noch Sinn. (Zurück)

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