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Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Einleitung
Ursprünglich stand hier eine ausführliche Auseinandersetzung mit christlicher Apologetik. Ich hatte hierbei einen Artikel einer Website komplett zitiert. Der Autor (Ingmar Niderkleine) des zitierten Artikels wünscht aber keine öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Text (vor allem wohl keine Kritik) und hat mich mit Abmahnung bedroht. Ich habe die Zitate daher in der neuen Version ( in blau und kursiv wie hier) auf ein absolutes Minimum beschränkt. Das macht den Text etwas schwerer lesbar - eventuelle Beschwerden deswegen aber bitte an Herrn Niederkleine!
Ich finde es interessant, dass auf Kritik gleich mit juristischen Schritten gedroht wird. Ich hatte bereits behauptet, dass Glauben auf einer geringeren Entwicklungsstufe stattfindet:
- Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
- Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
- Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Glauben verharrt auf Stufe 2 - Kritik wird mit allen (auch mit juristischen) Mitteln abgewehrt. Eine ähnliche, wenn auch ungleich rabiatere Methode benutzen manchmal Ideologen, wer diese kritisiert, muss sie auch zitieren (man muss das Kritisierte zur Kenntnis bringen, sonst ist die Kritik witzlos). Wer sie aber ausführlich oder gar komplett zitiert, verstößt gegen deren Copyright und gegen den kann man juristisch vorgehen. Und das wird weidlich ausgenutzt. Wobei ich dem Autor der zitierten Passagen hier zugute halten muss, dass er zwar gleich in der ersten Mail mit juristischen Mitteln droht, aber nicht sofort eine Abmahnung schickt. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack erhalten, einer Diskussion ist das sicherlich nicht förderlich.
Eine Diskussion mit mir wird "natürlich" auch nicht erwünscht, weil wegen meines "missionarischen Eifers" jedes Gespräch mit mir "zwecklos" sei. Auf der eigenen (christlichen) Seite wird missionarischer Eifer meist als etwas Positives und Erwünschtes angesehen, wenn aber jemand von der Gegenseite ebenfalls eine Leidenschaft in dieser Richtung entwickelt, dann ist ein Gespräch mit ihm deswegen zwecklos. Aha. Also, ich halte Diskussionen mit missionarischen Eiferern nicht a priori für zwecklos (dies mag in Einzelfällen so sein). Offensichtlich schließt der Autor der Email hier von seinem eigenen Verhalten auf das anderer Personen - weil eine Diskussion mit ihm zwecklos ist, hat dies andersherum auch der Fall zu sein. Punkt und basta. Oder fällt Ihnen ein besserer Grund dafür ein?
Aber mal im Ernst: Eine Diskussion mit Eiferern mag ja schwierig sein, ist aber auch eine spannende Herausforderung. Warum sollte man der ausweichen?
Übrigens kam in der Mail auch das Argument, ich würde mich ja "bloß mit meinem eigenen Katholizismus" auseinander setzen und völlig verfehlen, was er meint. Diese recht typische Argumentationsweise ad hominem (= gegen die Person gerichtet) hat man nur genau dann nötig, wenn einem die Argumente ausgehen, d. h., man kann zwar inhaltlich nichts gegen etwas einwenden, aber man kann stattdessen die Person attackieren.
Meine Texte hingegen können überall ganz oder teilweise zitiert werden. Sie können und sollen jederzeit Kritik üben an dem, was ich sage. Ich unterstelle auch niemandem, der anderer Meinung ist, pauschal Dummheit oder Arroganz. Ich unterstelle auch niemandem, eine bestimmte Argumentation aus "rein psychologischen Gründen" zu führen (obwohl das von meinem Beruf her nahe liegt und ich auf mich selbst aufpassen muss - aber lediglich, wenn ein Argument widerlegt wurde, aber trotz der Widerlegung aufrecht erhalten wird, dann darf man über psychologische Gründe spekulieren). Ich unterstelle auch niemandem von vornherein, es sei keine Diskussion mit ihm möglich, bloß weil er meine Argumente nicht einsieht.
Es gibt doch gute Gründe zu glauben - warum sonst würden Millionen von Menschen glauben? Da muss doch was dran sein!
Ja, da ist was dran, und deswegen beschäftige ich mich jetzt mit den Gründen, die die Verteidiger des Glaubens (die Apologeten) vorbringen. Ich greife dazu die Argumentation von Ingmar Niederkleine auf.
Leider kann ich den Text nicht komplett zitieren. Wer das Original sucht, der sehe unter →Gibt es Beweise dafür, dass Gott da ist? selber nach. Ich halte es sogar für sehr sinnvoll, den Originaltext zuerst zu lesen, ohne meine Kommentare dazu, und eine Weile darüber nachzudenken und erst dann hierher zurückzukehren. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!
Gut, haben Sie den Text aufmerksam gelesen? Dann kann ich ja fortfahren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung - Gibt es Beweise dafür, dass Gott da ist?
Der Autor des Textes behauptet selbst, dass er keine Beweise für Gott benötigt. Aber Skeptiker sind da anders, und denen möchte er antworten. Denn die Frage ist ja, ob man etwas ohne jeden Beweis glauben sollte. Die Frage ist deswegen so "schwierig", weil so viele Menschen Behauptungen aufstellen und fordern, man möge diese bitte doch ohne jeden Beweis als wahr akzeptieren. Welche dieser untereinander widersprüchlichen Behauptungen soll ich denn nun glauben? Ohne Beweise kann ich alles glauben.
Und auch der Autor behauptet letztlich, eben doch Beweise zu haben, wenn diese auch anders strukturiert sind, als das, was man gemeinhin als Beweis ansieht. Dazu braucht man eine Begründung. Und auf der oben genannten Website findet man genau diese Begründung.
Denn warum glauben beispielsweise Kinder, wenn wir ihnen etwas über den Glauben erzählen (und die meisten werden als Kinder zu Gläubigen)? Weil es ihnen Autoritätspersonen erzählen. Und die werden sich (zunächst) hüten, zu sagen "Ich glaube, weil es absurd ist und unbewiesen und wir keine Gründe dazu haben". Nicht einmal Kinder würden das akzeptieren!
Nein, Kinder glauben, weil es in einem uralten Buch steht, weil es dort Wunder gibt, weil es bezeugt wurde, weil die Prophezeiungen der Bibel "wahr" geworden sind, weil es gute Gründe gibt und Beweise. Und weil es alle anderen (ich habe als Kind wirklich geglaubt, alle Menschen müssten so denken) auch glauben. Auf derselben Site finden wir auch einen Text, der behauptet, dass →die Bibel wegen ihrer Prophezeiungen wahr ist (was ich von den Prophezeiungen halte, habe ich bereits dargelegt). Wozu diese "Beweise", wenn man nicht wegen der Beweise glaubt? Ist es vernünftig, etwas ohne Beweise zu glauben, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Statt von "Beweisen" zu reden wäre es sinnvoller, von Begründungen zu reden. Die Frage ist nicht, ob man Glauben beweisen kann - könnte man es, würde es sich nicht mehr um Glauben, sondern um Wissen handeln - sondern ob es eine rationale oder sonstige akzeptable Begründung dafür gibt, daran zu glauben.
Wir haben an anderer Stelle gesehen, dass man nicht alles beweisen kann, weil man dann eine Begründung bräuchte. Eine letztlich gültige Begründung gibt es aber nicht. Folglich ist es Unsinn, nur Dinge anzunehmen, die zu beweisen sind. Hier wird ein Pappkamerad aufgebaut und nachher demontiert.
Allerdings ist es Unsinn, etwas zu glauben, was man beweisen kann, denn dann ist kein Glauben nötig. Je beweisbarer etwas ist, umso weniger Glauben ist im Spiel. Glauben braucht man nur, wenn die Beweise mangelhaft sind oder ganz fehlen.
Der Clou an der Sache ist aber - und dies erwähnt der Autor nicht - dass man um so bessere Begründungen für eine Sache braucht, je mehr diese der Erfahrung widerspricht und je unwahrscheinlicher die Sache ist (das habe ich unter Warum ich Atheist bin ausführlich begründet). Wenn etwas - wie der Glauben an Gott - sehr weit von der Erfahrung entfernt ist, dann und nur dann braucht man tatsächlich extrem starke Beweise, um daran glauben zu können.
Die Sichtweise des Rationalismus?
Wie wir an anderer Stelle bei den Gottesbeweisen und den folgenden Seiten gesehen haben, gelten alle Gottesbeweise als widerlegt. Für einige der Gottesbeweise habe ich dies exemplarisch gezeigt, wenn auch (noch) nicht für alle gängigen (das würde auch ein Buch von mehreren tausend Seiten erfordern). Aber auch ein Theologe wie beispielsweise Küng 2001 kommt zu dem Schluss, dass alle Gottesbeweise bisher gescheitert sind. Ausführliche Darstellungen der Gottesbeweise (und ihre Widerlegung) finden wir bei Küng, Martin 1990, Angeles 1981, Barker 1992, Johnson 1981, Russell 1994, Smith 1979 und vielen anderen mehr.
Trotzdem finden wir auf der eingangs verlinkten Website eine ganze Reihe von längst widerlegten Gottesbeweisen. Warum? Weil einige der Gottesbeweise, wenn man sie ohne kritisches Hinterfragen liest, sich sehr überzeugend anhören. Dabei behauptet der Autor doch, dass die Beweismethoden selbst ungültig sind und widerspricht sich damit selbst! Dieses Verfahren habe ich unter dem Titel Die Kunst der Täuschung bereits kritisiert.
Im Abschnitt über die Gottesbeweise beschäftige ich mich ausführlich mit der Beweisbarkeit von Gott, für diejenigen, die meine Behauptung bezweifeln, dass man die Existenz Gottes nicht beweisen kann. In dem Abschnitt tue ich so, als ob es möglich wäre und analysiere einige der Gottesbeweise.
Konfusius, er zitiert: "Glauben heißt: Dinge für wahr halten, für die es keine Parallele und keinen Beweis gibt und die jemand verkündet, der über kein Wissen verfügt." (Ambrose Bierce)
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