Übersicht ⇒ Die Verteidigung des Glaubens  betfalle.html   
   
  Die Verteidigung des Glaubens Nach unten
  Platzhalter

Hauptmenu

Übersicht
⇒ Religion & Glauben
Atheismus
Psychologie & Börse
Geistiges Eigentum?
Anmerkungen
Links
Über mich + Impressum



Ich empfehle Ihnen den FireFox-Browser

Ausdruck
Ausdruck der Website



Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil V

Ursprünglich stand hier eine ausführliche Auseinandersetzung mit christlicher Apologetik. Ich hatte hierbei einen Artikel einer Website komplett zitiert. Der Autor (Ingmar Niderkleine) des zitierten Artikels wünscht aber keine öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Text (vor allem wohl keine Kritik) und hat mich mit Abmahnung bedroht. Ich habe die Zitate daher in der neuen Version (in blau und kursiv wie hier) auf ein absolutes Minimum beschränkt. Das macht den Text etwas schwerer lesbar - eventuelle Beschwerden deswegen aber bitte an Herrn Niederkleine!

Ich finde es interessant, dass auf Kritik gleich mit juristischen Schritten gedroht wird. Ich hatte bereits behauptet, dass Glauben auf einer geringeren Entwicklungsstufe stattfindet:
  1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
  2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
  3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Glauben verharrt auf Stufe 2 - Kritik wird mit allen (auch mit juristischen) Mitteln abgewehrt. Eine ähnliche, wenn auch ungleich rabiatere Methode benutzen manchmal Ideologen, wer diese kritisiert, muss sie auch zitieren (man muss das Kritisierte zur Kenntnis bringen, sonst ist die Kritik witzlos). Wer sie aber ausführlich oder gar komplett zitiert, verstößt gegen deren Copyright und gegen den kann man juristisch vorgehen. Und das wird weidlich ausgenutzt. Wobei ich dem Autor der zitierten Passagen hier zugute halten muss, dass er zwar gleich in der ersten Mail mit juristischen Mitteln droht, aber nicht sofort eine Abmahnung schickt. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack erhalten, einer Diskussion ist das sicherlich nicht förderlich.

Eine Diskussion mit mir wird "natürlich" auch nicht erwünscht, weil wegen meines "missionarischen Eifers" jedes Gespräch mit mir "zwecklos" sei. Auf der eigenen (christlichen) Seite wird missionarischer Eifer meist als etwas Positives und Erwünschtes angesehen, wenn aber jemand von der Gegenseite ebenfalls eine Leidenschaft in dieser Richtung entwickelt, dann ist ein Gespräch mit ihm deswegen zwecklos. Aha. Also, ich halte Diskussionen mit missionarischen Eiferern nicht a priori für zwecklos (dies mag in Einzelfällen so sein). Offensichtlich schließt der Autor der Email hier von seinem eigenen Verhalten auf das anderer Personen - weil eine Diskussion mit ihm zwecklos ist, hat dies andersherum auch der Fall zu sein. Punkt und basta. Oder fällt Ihnen ein besserer Grund dafür ein?

Aber mal im Ernst: Eine Diskussion mit Eiferern mag ja schwierig sein, ist aber auch eine spannende Herausforderung. Warum sollte man der ausweichen?

Übrigens kam in der Mail auch das Argument, ich würde mich ja "bloß mit meinem eigenen Katholizismus" auseinander setzen und völlig verfehlen, was er meint. Diese recht typische Argumentationsweise ad hominem (= gegen die Person gerichtet) hat man nur genau dann nötig, wenn einem die Argumente ausgehen, d. h., man kann zwar inhaltlich nichts gegen etwas einwenden, aber man kann stattdessen die Person attackieren.

Meine Texte hingegen können überall ganz oder teilweise zitiert werden. Sie können und sollen jederzeit Kritik üben an dem, was ich sage. Ich unterstelle auch niemandem, der anderer Meinung ist, pauschal Dummheit oder Arroganz. Ich unterstelle auch niemandem, eine bestimmte Argumentation aus "rein psychologischen Gründen" zu führen (obwohl das von meinem Beruf her nahe liegt und ich auf mich selbst aufpassen muss - aber lediglich, wenn ein Argument widerlegt wurde, aber trotz der Widerlegung aufrecht erhalten wird, dann darf man über psychologische Gründe spekulieren). Ich unterstelle auch niemandem von vornherein, es sei keine Diskussion mit ihm möglich, bloß weil er meine Argumente nicht einsieht.
Die Falle des Betens
Die Frage nach den Beweisen für Gott wird auf der kritisierten Website so beantwortet: Beweise implizieren eine Kontrollierbarkeit Gottes, aber Gott entzieht sich dem. Im Gegenteil, wir unterliegen der Kontrolle Gottes. Gott ist als "Objekt" für uns weder greifbar noch berechenbar.

Den Satz: "Nichts entzieht sich unserer Kontrolle so sehr wie Gott" kann ich so unterschreiben. Aber der Nachsatz (wir unterliegen der Kontrolle Gottes) ist vollständig alogisch. Das ist Herrn Niederkleine vermutlich auch bewusst, denn wenn es einen Einfluss von außen gäbe, müsste sich das Wirken dieses Einflusses nachweisen lassen. Daher kommt er jetzt, nachdem er den Beweisen der Wissenschaftler quasi den "Boden unter den Füßen" weggezogen hat, zu folgendem Schluss:

Man könnte lediglich an einen indirekten Beweis denken. So wurde von Wissenschaftlern mehrfach nachgewiesen, dass Gebete eine messbare Wirkung haben.

Moment! Es ist zum einen keineswegs korrekt, dass →Wissenschaftler die Wirkung von Gebeten bewiesen haben. Zum anderen ist Herr Niederkleine doch eigentlich der Auffassung, dass das nichts beweist, wie er im folgenden ausführlichen Zitat von C. S. Lewis zeigt - das sollten Sie sich noch einmal genau durchlesen.

Er schließt mit: Ich gebe C.S.Lewis hier Recht. Ein unmittelbarer Beweis der Existenz Gottes ist für uns Menschen nicht möglich.

Zu einem ähnlichen Schluss - nämlich den, dass wir die Wirkung von Beten nicht nachweisen können, und dass alle wissenschaftlichen Studien dazu, mit denen das bewiesen wird, einen Denkfehler haben, finden Sie hier: →Can Science Prove that Prayer Works?

Wenn Beten keine beweisbare Wirkung hat, warum sollte man dann beten bzw. warum beten dann so viele Menschen  [1]? Wozu der Aufwand? Weil hier mit einem geradezu unglaublich raffinierten Trick gearbeitet wird.

Hier werden die Leute mit ein bisschen zirkulärer Logik in eine Denkfalle gelockt. Das geht so: Man schlägt jemandem (Ungläubigen, Atheisten, Skeptiker etc.) vor, es bei einem Problem doch mal mit Beten zu versuchen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, wie es ausgeht:

  1. Das Problem löst sich (ev. nicht auf die gewünschte Art, das spielt aber keine Rolle).
  2. Das Problem löst sich nicht.
Fall 2. ist Pech - das Beten hat nicht geklappt, und jetzt werden die obigen "Ausreden" benutzt. Fall 1. "beweist", dass Beten funktioniert und Gott Dich erhört hat. Zumindest wird es in diesem Moment als Beweis akzeptiert, temporär. Natürlich gibt es nicht den geringsten Beweis dafür, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Beten und Wunscherfüllung gibt. Und Fall 2. wird nur als Anlass genommen, es nochmal zu versuchen - irgendwann, sagt das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, muss es einfach klappen (spätestens, wenn man die Ansprüche herunterschraubt).

Gut - der Skeptiker hat jetzt sein Erfolgerlebnis: Beten "funktioniert". In dieser Auffassung wird er von den anderen Gläubigen bestärkt, meist mit einer Anekdotensammlung, wo es überall gelungen ist. Nichts wirkt überzeugender als eine Menge an Anekdoten ("Anekdotische Evidenz").

Unser Skeptiker ist jetzt (sagen wir mal) davon überzeugt, dass er den Dreh raus hat und dass sein Glauben "richtig" ist. Also betet er weiter. Er betet z. B. darum, dass es seiner Schwester gut geht. Das trifft tatsächlich ein, zumindest geht es der Schwester nicht schlechter als in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt auch. Er bittet noch um ein paar kleine Wünsche, und einige treffen ein (da wurde dann die "richtig" gebetet und die Bitte erhört), manches nicht (falsch gebetet, Bitte nicht erhört). Es treffen aber auch wundersame Dinge ein, um die er nicht gebetet hat, aber einige Gebete waren wohl zu unbestimmt.

Und jetzt spielen drei Faktoren eine Rolle:

  1. Die selektive Wahrnehmung - erfüllte Gebete bleiben erheblich besser im Gedächtnis haften als unerfüllte Gebete.
  2. Unser Ex-Skeptiker hat keine Vergleichsmöglichkeit, wie es ihm ohne Gebete ergangen wäre.
  3. Auch von anderen werden fast nur die positiven Gebetserhörungen berichtet (sonst würde man nämlich zugeben, nicht richtig gebetet zu haben bzw. nicht richtig zu glauben ... das bringt einem sozialen Misskredit ein). So bestärkt und täuscht man sich gegenseitig.
Er lenkt seine Wahrnehmung auf die erfüllten Gebete und "vergisst" die anderen bzw. benutzt dieselben Ausreden, die viele Gläubigen benutzen, um das "Versagen" wegzuerklären. Insgesamt scheint ihm sein Leben positiver geworden zu sein. Dass er vielleicht "die Frau seines Lebens" verpasst hat, weil er zu lange gebetet hat und daher eine S-Bahn nicht erwischt hat - das kann er nicht wissen. Auch, ob er ohne Gebete die Beförderung nicht sowieso bekommen hätte, kann er nicht wissen. Aber er nimmt an, dass die Gebete eine ursächliche Beziehung zu seinen Wünschen haben, weil er nun eine neue und aufregende Form der der Lebensbeeinflussung gefunden hat, in der es "nur" Erfolge gibt (denn die Misserfolge werden vergessen oder "weginterpretiert").

Beliebt ist auch der Trick, jedem Gebet "irgendeine" Wirkung zu unterstellen, nur eben oft nicht die Gewünschte, weil "irgendetwas" natürlich immer passiert, und man dann eine Kausalität unterstellen kann. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Und man kann die Wirksamkeit des Betens auch nicht widerlegen - da muss doch was dran sein. Außerdem glauben es Millionen anderer Menschen. Und schaden kann es ja auch nicht (leider doch - durch die ständige Wiederholung von Denkweisen frisst sich das Denken in bestimmte Bahnen fest, aber das geschieht unmerklich).

Eine typische Denkfalle hat sich entfaltet: Er steckt in einem Denken, welches er nicht mehr widerlegen kann, weil er jede Widerlegungsmöglichkeit "weginterpretiert" oder ignoriert. Und wieder wurde ein Mensch in die Falle gelockt, wieder jemand hat das "magische Denken" erlernt.

Auf exakt dieselbe Art und Weise entsteht Aberglauben . Anders gesagt, der Glaube an die Wirksamkeit des Betens ist reinster, induzierter Aberglauben . Es gibt keinen Wirksamkeitsnachweis, sondern jede Menge Argumente, mit der man keine Widerlegung zulässt. Die "Zerstörung der Widerlegung" ist eines der wichtigsten Bestandteile dieser Form der Denkfallen. Wenn die Leute erstmal glauben, dann nimmt man ihnen die Möglichkeit, den Glauben zu widerlegen. Jede Sekte arbeitet so, jede weltliche Ideologie. Man beraubt die Menschen um die Möglichkeit, ihre Ansichten zu ändern!

Jetzt sieht man auch, warum es so wichtig ist, schon die Kinder für die Religion zu gewinnen, denn die können sich erst recht nicht dagegen wehren. Ist die Falle erstmal "installiert", so perpetuiert sie sich von selbst.

Nun aber weiter im Text:

Es gibt keine Beweise für Gott, aber ich soll trotzdem glauben, dass er existiert (mit allen ihm von den Christen unterstellten Eigenschaften - dieser Anspruch schwebt immer explizit im Hintergrund mit). Glauben hat also keinen Grund.

Konfusius, er zitiert: "Aber laß also sein, dass ich euch nicht habe beschweret, sondern dieweil ich tückisch war, habe ich euch mit Hinterlist gefangen.." (Paulus, →2. Brief an die Korinther 12:16, Lutherbibel)



Anmerkungen:
  1.  Man sollte noch dazu bemerken, dass es verschiedene Arten von Gebeten gibt. Es gibt Gebete zur Lobpreisung Gottes, Dankesgebete, Gebete zur Stärkung des Glaubens usw. usf. Worauf ich mich hier beziehe, sind Bittgebete, bei denen ein Wunsch geäußert wird und darum gebittet wird, Gott möge diesen Wunsch doch erfüllen. (Zurück)

⇐ Kritik - Gottesbeweis ⇒
Platzhalter

Suche und weiter(es)

Suche
Glossar

HGA - Häufig geäußerte Argumente

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Stichworte
Alle Seiten


Diese Seite weiterempfehlen


Literatur- Verzeichnis


⇐ Kritik

Gottesbeweis ⇒



NEU!
Wenn Sie diesen Artikel diskutieren möchten, dann gehen Sie bitte zu Atheisten.org
 
 


 
Verweis: [URL=http://www.dittmar-online.net/religion/apologetik/betfalle.html]Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil V[/URL]
oder: <a href="http://www.dittmar-online.net/religion/apologetik/betfalle.html">Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil V</a>