| |

Hauptmenu
|
Fragen an Apologeten
Wir haben in den Abschnitten über die Theodizee, über den Heilsplan und bei Adam & Eva gesehen, dass das ganze Glaubenssystem voller hochspekulativer Annahmen steckt, voller Widersprüche und komplizierter Hilfskonstruktionen zum "Wegerklären" der Widersprüche (was nicht wirklich geht) und lauter unbewiesener und unbeweisbarer altertümlicher Vorstellungen.
Und trotz der 1.600 Jahre Zeit und beträchtlicher Energie, die in dieses Gedankengebäude gesteckt wurde, ist das Ergebnis ziemlich mager. Viele Fragen aus den Anfangstagen des Christentums sind immer noch nicht plausibel und zufrieden stellend beantwortet. Man sollte von den Theologen und Apologeten erwarten, dass sie sich ein paar Gedanken gemacht haben, und daher die folgenden Fragen mühelos beantworten können. Ich nenne diese Sammlung "FUQ" (Frequently Unanswered Questions), häufig gestellte und noch nicht beantwortete Fragen. Solche Fragen haben →auch andere gestellt (und meist auch keine Antworten bekommen). Falls jemand versucht, Sie zu missionieren, sollten Sie diese Liste ausgedruckt und bereitliegen haben.
Denn eines sollte Ihnen klar sein: "Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen" (Bucaille). Das ist sehr höflich ausgedrückt - man könnte auch andere Begriffe für "unmöglich" einsetzen. Viele dieser Widersprüche werden von Christen schlicht nicht bemerkt.
Zunächst aber ein paar Bemerkungen zu den üblichen Taktiken von Apologeten. Diese benutzen meist folgende Verteidigungsstrategien, wenn es um die Bibel geht:
- Sie behaupten, man müsse die Stelle im Kontext lesen - und manchmal bilden sie diesen "Kontext" dann aus Stellen, die ein paar hundert Seiten später stehen.
- Oft bilden sie den "Kontext" dann mit Stellen, die sie selbst wiederum (im Widerspruch zu 1.) aus dem Kontext reißen.
- Dann wird gesagt, man dürfe die Stelle nicht wörtlich nehmen, sondern sinnbildlich. Daraufhin erfolgt dann eine wilde und hochspekulative Interpretation der Worte. Das ist insofern Unfug, weil aus dem Kontext entweder ersichtlich ist, ob das nur sinnbildlich zu verstehen ist oder nicht.
- Im nächsten Schritt (manchmal in Kombination mit 3.) werden Zusatzannahmen und Stützannahmen gemacht, für die es in der Bibel keine Beispiele oder Hinweise oder gar Belege gibt.
- Das nächste Manöver dient der Ablenkung und versucht, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten, und es wird eine Frage beantwortet, die so nicht intendiert war.
- Geht auch das nicht, dann wird auf den hebräischen oder griechischen Originaltext verwiesen, in dem angeblich dieses oder jenes steht.
- Die Ausrede, dass diese Stelle nicht wichtig wäre, kann an jeder Stelle erfolgen - und kommt meist an vorletzter Stelle, wenn der Apologet nicht weiter weiß.
- In ganz verzweifelten Situationen wird versucht, die Beweislast umzukehren, nach dem Motto: "Du kannst nicht beweisen, dass meine Interpretation falsch ist". Eine ganz besonders unredliche Taktik.
- Beliebt ist auch der Trick (wenn das vorige Manöver fehlschlug), auf das Originalmanuskript für die Bibel hinzuweisen, in dem der Widerspruch angeblich nicht existieren würde - da kein lebender Mensch diese Originale gesehen hat, ist dieser Trick nicht widerlegbar. Aber damit ist die ganze Bibel unglaubwürdig - wenn dort an wichtigen Stellen Dinge standen, die nun verschwunden sind (und auch noch ausgerechnet an den Stellen, die zum Widerspruch führen). Wenn das tatsächlich der Fall wäre, sollte man die Bibel auf den Müllhaufen werfen.
- In höchster Not greift man auch schon einmal die Person des Fragestellers an - wenn man den Frager genügend diskreditiert hat, dann ist damit doch die Frage beantwortet, oder?
- Liberale Theologen werden bereits vorher aufgegeben haben und zugeben, dass es sich um einen nicht auflösbaren Widerspruch handelt oder um etwas, was sie nicht erklären können. Ein Fundamentalist wird kaum bis zu diesem Schritt kommen. Aber liberale Theologen nehmen sowieso nicht an, dass die Bibel wortwörtlich wahr ist (womit die Bibel dann aber höchst unzuverlässig wäre).
Zunächst nur die Fragen, die Kommentare (Ausreden) von Apologeten schreibe ich später dazu. Diese Liste wird nach und nach ergänzt. Sollte jemand die Antwort verweigern, kann man auf →1 Petrus 3:15-16 verweisen. Falls jemand bei den Diskussionen unfaire Taktiken benutzt, sollte man sich dagegen wehren.
Am Kreuze ruft Jesus (→Matthaeus 27:46): "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" - zu wem spricht er da?
"Zu Gott" wird meist geantwortet - aber Jesus ist doch Gott!? Wieso kann ein Gott überhaupt sterben?
Wenn Jesus der Retter ist, dann kann er sich offenkundig nicht selber retten. Das sind auch nicht die Worte von jemandem, der sich für andere willentlich opfert. Das sind die Worte eines Verzweifelten, der sich von seinem Glauben (an Gott) im Stich gelassen fühlt. Und noch absurder wird es, wenn man annimmt, Jesus sei Gott selbst. Denn dann besagt obige Stelle aus der Bibel: "Ich, ich selbst, warum habe ich mich verlassen?".
Wenn Jesus so vorbildlich war, warum verdammt er es, wenn jemand einen anderen Narren (→Matthaeus 5:22) nennt, tut es aber selbst (→Matthaeus 23:17 oder →Lukas 11:40)?
Hier funktioniert der übliche Trick mit dem "zurück zum Griechischen" nicht, weil im griechischen Text überall "moros" steht. Jesus predigt, hält sich aber selbst nicht daran. Besonders vorbildlich ist das Verhalten also nicht, sondern nur eine sonderbare Doppelmoral.
Wenn Jesus als Person so bedeutend war und ist, wieso gibt es dann keine Hinweise auf ihn in antiken Schriften?
Die übliche Strategie hier besteht im Zitieren von Textstellen von antiken Geschichtsschreibern, die fast alle eines gemeinsam haben: Die Textstellen wurden später von Christen hinzugefälscht. Oder diese Textstellen beziehen sich nicht auf Jesus (das wird vor allem gerne mit Textstellen aus dem AT gemacht).
Jesus prophezeite in →Matthaeus 12:40 dass er für drei Tage und drei Nächte begraben sein wird - wieso traf dies nicht ein?
Von Freitag Nachmittag bis Sonntagmorgen sind es weder drei Tage, aber auch keine drei Nächte. Die Ausflüchte der Apologeten sind hier besonders spaßig. Zunächst wird behauptet, dass bei den Juden auch ein Teil des Tages als ganzer Tag gezählt werden könne. Das stimmt, aber dann werden daraus trotzdem keine drei Nächte.
Dann wird behauptet, Jesus sei am Donnerstag gekreuzigt worden. Es steht aber ganz klar in der Bibel, dass es einen Tag vor Sabbat war - also Freitag. Es gibt - nächstes Argument - spezielle Tage, die auch Sabbat genannt werden. Auch das stimmt - nur gibt es diese Tage ausschließlich im siebten Monat des Jahres, während die Kreuzigung im ersten Monat erfolgte.
Und wenn wir →Markus 8:31 nehmen, dann sollte Jesus nach drei Tagen auferstehen, also am vierten Tag, was dann Montag wäre. Hier versichern einem die Apologeten dann, dass "am dritten Tag" und "nach drei Tagen" dasselbe meint. Jede Wortverdrehung ist erlaubt, wenn man den Glauben verteidigt.
Nein, es ist klar, dass Jesus hier irrte und eine falsche Prophezeiung machte (nicht seine Einzige - s. nächste Frage).
Jesus sagt: "... der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast". Aber dann kräht der Hahn nach dem dritten Leugnen zum zweiten Mal, muss also bereits vorher gekräht haben. Und Petrus erinnert sich dann auch noch falsch an die Vorhersage!
Apologeten nehmen an, dass Jesus die zweite Vorhersage nach der ersten gemacht hat, nachdem Petrus ihm widersprochen hat. Aber über diese Annahme steht nichts in der Bibel. Effektiv versuchen die Apologeten hier, die Bibel "umzuschreiben".
Wieso gilt Jesus als vorbildlich, wenn er dies in →Markus 10:18 bestreitet?
Abgesehen davon, dass Jesus hier selbst der Auffassung widerspricht, er sei Gott (siehe zu dieser Frage auch Kuriose Übersetzungsprobleme), es gibt noch andere Stellen, an denen er sich nicht vorbildlich verhält. In →Johannes 7:8-10 sagt er erst, er werde nicht zum Fest gehen, geht dann aber heimlich. In →Matthaeus 26:18 lädt er sich selbst ein bei jemandem - nicht besonders höflich. In →Lukas 23:43 verspricht er dem Dieb, mit ihm zusammen im Paradies zu sein, wo Jesus doch vorher behauptet hat, er werde drei Tage im Grab liegen. Nur eines davon kann stimmen. Entweder hat er den Dieb angelogen oder eine falsche Prophezeiung gemacht.
Interessant ist auch die Stelle bei →Lukas 10:10-15, wo Jesus ganze Städte wegen mangelnder Gastfreundschaft verflucht. Die darin ausgesprochene Sippenhaft widerspricht unserem Rechtsempfinden völlig.
Sollen die Christen taufen oder das Evangelium verkünden?
Dies ist eine von mehreren Stellen, an denen Paulus Jesus ganz deutlich widerspricht: Jesus redet in →Matthaeus 28:19 von der Taufe, was Paulus in →1 Korinther 1:17 leugnet: "Denn Christus hat mich nicht ausgesandt zu taufen, ...". Paulus schreibt hier die Bibel um und sagt, dass Jesus lügt, bzw. er beansprucht zu sagen, wie es richtig ist.
Kann man Jesus überhaupt trauen, wenn das AT dies bestreitet?
In →Psalm 146:3 wird ganz klar gesagt: "Vertraut nicht auf Edle, auf einen Menschensohn, bei dem keine Hilfe ist!". Es gibt so viele Stellen im AT, bei denen weit hergeholte Interpretationen benutzt werden, um einen Hinweis auf Jesus herauslesen zu können, aber diese klare und eindeutige Stelle wird von den Apologeten völlig ignoriert. Ähnlich ist die (schlecht übersetzte) Stelle →Hiob 25:6, wo in den deutschen Varianten "Menschenkind" steht, in den Englischen aber die korrekte Übersetzung als "Sohn des Menschen".
Die anderen Stellen im AT, in denen angeblich Jesus prophezeit wurde, sind meist hanebüchen. Dazu schreibt Robert Ingersoll:
"Es gibt keine Prophezeiung über das Kommen von Jesus Christus im AT. Da ist nicht ein Wort im AT, was sich auf ihn bezieht - nicht ein Wort. Der einzige Weg, dies zu prüfen, besteht darin, die Bibel zu nehmen und jede Stelle im AT zu betrachten, in der steht: 'Es wird geschehen' oder 'wie gesagt wurde', und Sie werden sehen, dass keine Stelle auch nur das Geringste mit den Geschehnissen im NT zu tun hat - nicht das Geringste" (Übersetzung von mir).
Thomas Paine in "The Age Of Reason" kommt zu demselben Schluss. Und mir hat bislang auch noch keiner eine Bibelstelle zeigen können im AT, in dem es einen Bezug zu Jesus gab. Trotzdem gibt es die triumphale Behauptung, die Bibel sei wegen ihrer Tausenden von Prophezeiungen wahr (wie dieser Prophezeiungstrick funktioniert, habe ich an anderer Stelle entlarvt).
(Wird fortgesetzt).
Konfusius, er zitiert: "Glaubensbekenntnisse werden akzeptiert, nicht weil sie vernünftig sind, sondern weil sie wiederholt werden." (Oscar Wilde)
⇐ Adam & Eva - Hank ⇒
|
|

Suche und weiter(es)
|
|