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Für Zweifler - gibt es Beweise für Gott? Teil VI

Ursprünglich stand hier eine ausführliche Auseinandersetzung mit christlicher Apologetik. Ich hatte hierbei einen Artikel einer Website komplett zitiert. Der Autor (Ingmar Niderkleine) des zitierten Artikels wünscht aber keine öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Text (vor allem wohl keine Kritik) und hat mich mit Abmahnung bedroht. Ich habe die Zitate daher in der neuen Version (in blau und kursiv wie hier) auf ein absolutes Minimum beschränkt. Das macht den Text etwas schwerer lesbar - eventuelle Beschwerden deswegen aber bitte an Herrn Niederkleine!

Ich finde es interessant, dass auf Kritik gleich mit juristischen Schritten gedroht wird. Ich hatte bereits behauptet, dass Glauben auf einer geringeren Entwicklungsstufe stattfindet:
  1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
  2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
  3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Glauben verharrt auf Stufe 2 - Kritik wird mit allen (auch mit juristischen) Mitteln abgewehrt. Eine ähnliche, wenn auch ungleich rabiatere Methode benutzen manchmal Ideologen, wer diese kritisiert, muss sie auch zitieren (man muss das Kritisierte zur Kenntnis bringen, sonst ist die Kritik witzlos). Wer sie aber ausführlich oder gar komplett zitiert, verstößt gegen deren Copyright und gegen den kann man juristisch vorgehen. Und das wird weidlich ausgenutzt. Wobei ich dem Autor der zitierten Passagen hier zugute halten muss, dass er zwar gleich in der ersten Mail mit juristischen Mitteln droht, aber nicht sofort eine Abmahnung schickt. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack erhalten, einer Diskussion ist das sicherlich nicht förderlich.

Eine Diskussion mit mir wird "natürlich" auch nicht erwünscht, weil wegen meines "missionarischen Eifers" jedes Gespräch mit mir "zwecklos" sei. Auf der eigenen (christlichen) Seite wird missionarischer Eifer meist als etwas Positives und Erwünschtes angesehen, wenn aber jemand von der Gegenseite ebenfalls eine Leidenschaft in dieser Richtung entwickelt, dann ist ein Gespräch mit ihm deswegen zwecklos. Aha. Also, ich halte Diskussionen mit missionarischen Eiferern nicht a priori für zwecklos (dies mag in Einzelfällen so sein). Offensichtlich schließt der Autor der Email hier von seinem eigenen Verhalten auf das anderer Personen - weil eine Diskussion mit ihm zwecklos ist, hat dies andersherum auch der Fall zu sein. Punkt und basta. Oder fällt Ihnen ein besserer Grund dafür ein?

Aber mal im Ernst: Eine Diskussion mit Eiferern mag ja schwierig sein, ist aber auch eine spannende Herausforderung. Warum sollte man der ausweichen?

Übrigens kam in der Mail auch das Argument, ich würde mich ja "bloß mit meinem eigenen Katholizismus" auseinander setzen und völlig verfehlen, was er meint. Diese recht typische Argumentationsweise ad hominem (= gegen die Person gerichtet) hat man nur genau dann nötig, wenn einem die Argumente ausgehen, d. h., man kann zwar inhaltlich nichts gegen etwas einwenden, aber man kann stattdessen die Person attackieren.

Meine Texte hingegen können überall ganz oder teilweise zitiert werden. Sie können und sollen jederzeit Kritik üben an dem, was ich sage. Ich unterstelle auch niemandem, der anderer Meinung ist, pauschal Dummheit oder Arroganz. Ich unterstelle auch niemandem, eine bestimmte Argumentation aus "rein psychologischen Gründen" zu führen (obwohl das von meinem Beruf her nahe liegt und ich auf mich selbst aufpassen muss - aber lediglich, wenn ein Argument widerlegt wurde, aber trotz der Widerlegung aufrecht erhalten wird, dann darf man über psychologische Gründe spekulieren). Ich unterstelle auch niemandem von vornherein, es sei keine Diskussion mit ihm möglich, bloß weil er meine Argumente nicht einsieht.
6. Wir haben keine Beweise für Gott, hier sind sie
Herr Niederkleine gibt nun an, dass er die Gewissheit besitzt, dass Gott trotz seiner Unbeweisbarkeit doch da ist, ja, dass er über diese Gewissheit verfügt.

"Vertrau mir, ich bin die Autorität" (Autoritätsbeweis). Nachdem Herr Niederkleine gezeigt hat, dass wissenschaftliche Beweise nicht funktionieren bzw. nicht angemessen sind, schaltet er um auf Alltagsbeweise. Nur, wie man leicht sehen kann, ist das daraus gewonnene "Wissen" sehr viel unsicherer als wissenschaftlich gewonnenes Wissen (und selbst das ist schon unsicher), es entstammt zudem von einem geringeren Niveau der Erkenntnis. Trotzdem wird von "Gewissheit" geredet, und das ist - muss man leider sagen - intellektuell unredlich. Hier wird eine Sicherheit vorgetäuscht, die nicht existieren kann.

Es ist eben nicht "dieselbe Art von Erfahrungswert" im Alltagsleben, denn die Tragfähigkeit eines Stuhles lässt sich beweisen, ebenso die Richtigkeit einer Landkarte, sogar mit Alltagsbeweisen geht dies halbwegs gut. Bei Gott geht es aber überhaupt nicht, also werden hier Äpfel mit Birnen verglichen.

Wer "bewusst und regelmäßig betet, weiß, dass Gott Gebete oft erhört werden" - aber dies sagt nichts über die Existenz Gottes aus, wie uns weiter oben Ingmar Niederkleine gezeigt hat. Hier wird nur die oben beschriebene Falle vorbereitet, mehr nicht.

Nur wer an Gott glaubt, erfährt ihn auch im Leben: Das ist wiederum zirkuläre Logik. Ich demonstriere den Zirkel nochmal:

Es gibt kleine, grüne Männchen. Aber nur, wer an sie glaubt, der kann sie auch sehen.

Vier logische Fälle:
  1. Kleine grüne Männchen existieren und ich sehe sie.
  2. Kleine grüne Männchen existieren und ich sehe sie nicht.
  3. Kleine grüne Männchen existieren nicht und ich sehe sie.
  4. Kleine grüne Männchen existieren nicht und ich sehe sie nicht.
Fall 1. trifft für Ungläubige nicht zu, aber Fall 2. wird behauptet. Fall 3. kann nicht vorkommen und Fall 4. würde die Behauptung, "kleine grüne Männchen existieren" eigentlich widerlegen. Aber nun kommt Ingmar und sagt: "Man kann kleine grüne Männchen nur sehen, wenn man an sie glaubt. Wenn Du sie nicht sehen kannst, dann beweist das nur, dass Du nicht an sie glaubst". Also ist die einzig mögliche Widerlegung für "ungültig" erklärt worden. "Ich sehe sie" ist ein Beweis, aber "ich sehe sie nicht" ist keine Widerlegung, folglich kann man die Existenz kleiner, grüner Männchen nur positiv beweisen, aber nie negativ.

Folglich haben wir den Beweis, dass kleine, grüne Männchen existieren. Denn niemand kann mir das Gegenteil beweisen, oder?

So erscheint es manchem Suchenden geradezu unmöglich, auf Gott zu vertrauen und Ihm zu glauben. Der Erfahrungswert, der einem Christen die Gewissheit gibt, fehlt ihm.

Die Gewissheit fehlt, weil sie nur vorgetäuscht wurde. Wenn eine Behauptung nicht widerlegt werden kann, d. h. gegen Kritik immunisiert wurde, dann folgt daraus nicht, dass sie wahr ist, sondern nur, dass Sicherheit vorgetäuscht werden soll, wo keine ist.

Nun werden noch eine Reihe weiterer Gründe aufgeführt, warum Gott existiert. Diese sehen wir uns der Reihe nach an:

(a) Es gibt viele Millionen Christen, die an Gott glauben, und die eine Gotteserfahrung hatten (laut Gallus-Umfrage sind dies ca. 10% der amerikanischen Kirchgänger). Man kann die Vielzahl dieser Erlebnisse nicht leugnen, auch wenn man einzelne davon in Frage stellen kann.

Ein Beweis durch die Vielzahl der Menschen, die daran glauben. Aber im Mittelalter hat die Mehrheit der Menschen auch daran geglaubt, dass die Erde unbeweglich ist. Dies hat die Mehrheit der Menschen "erfahren". Also muss es wahr sein.

Es gibt aber eine Mehrheit von Menschen, die keinen persönlichen Gott erfahren haben. Wenn das eine ein Beweis für die Existenz Gottes ist, wieso ist dann die Mehrheit kein Beweis gegen Gott? Hier wird zwar ein Beweis für etwas anerkannt, aber dieselbe Erfahrung, die das Gegenteil zeigt, wird ignoriert bzw. nicht gewertet. Es ist aber ein Fehler, bekannte Tatsachen nicht zu berücksichtigen, sondern sich auf eine Auswahl zu beschränken.

(b) Einer der Belege für die Existenz Gottes sei die Schöpfung selbst (laut Bibel). Andere Theorien werden als unbewiesen und unglaubwürdig zurückgewiesen.

Mal angenommen, das Universum selbst sei Gottes erste Offenbarung. Nun offenbart sich im Universum selbst eine gewisse Struktur. Wenn ich nun mein Denken an dieser Struktur ausrichte (Vernunft ist eine Anpassungsleistung an die Struktur des Universums selbst), dann ist beispielsweise die Logik, mit der man die Funktionsweise des Universums selbst durchschauen kann, also von Gott geoffenbart worden. Wenn wir nun annehmen, dass die Bibel die zweite Offenbarung Gottes ist, und diese steht im logischen Widerspruch zur ersten Offenbarung, dann widerspricht sich Gott hiermit selbst - und aus widersprüchlichen Dingen kann man beliebiges folgern. Folglich ist jeder logische Widerspruch in der Bibel eine Evidenz gegen die Behauptung, die Bibel sei von Gott geoffenbart worden - oder ich habe einen Gott, der sich selbst widerspricht, damit also wenig vertrauens- und glaubwürdig wäre.

Außerdem würde ich in der Grausamkeit der Natur auch die Absicht des Schöpfergottes widerspiegeln. Wer also behauptet, dieser Gott sei liebend, gütig und gerecht hat einen Widerspruch zwischen der ersten Offenbarung und dem christlichen Gott gefunden.

Und von wegen "Beweise seien als Mittel untauglich". Hier wird der klassische Gottesbeweis gegeben. In aller Kürze die Widerlegung: Wenn etwas so komplex ist wie das Universum, dann muss es jemand (Gott) geschaffen haben. Dieser Gott ist sicher auch hochkomplex, folglich muss es einen Super-Gott gegeben haben, der diesen geschaffen hat. Wer jetzt annimmt, dass es diesen Super-Gott nicht gegeben hat, der besagt, dass er eben nicht daran glaubt, dass alles Komplexe von einem darüber stehenden Wesen geschaffen sein muss - er hat sich selbst widerlegt. Dieses Argument habe ich ausführlich unter Gottesbeweise / Komplexität und Gott dargestellt.

Gott müsste ewig existieren oder aus dem Nichts entstanden sein. Das können wir auch vom Universum annehmen, welches den Vorzug hat, dass es zu existieren scheint.

(c) Die Bibel ist ein außergewöhnliches Buch (das kann man wohl kaum bestreiten). Nun haben sich viele Menschen nach dem Lesen der Bibel gewandelt - daraus wird auf eine ungeheure Kraft geschlossen, die in diesem Buch liegt.

Aber auch "Mein Kampf" von Adolf Hitler ist ein Buch, welches die Leben vieler Menschen verändert hat. Ist daher das Buch wahr? Kann nicht vielmehr ein Buch dadurch, dass es den Menschen in einer Illusion bestärkt, viel wirksamer werden als ein Buch, welches die schlichte (aber eventuell unannehmbare) Wahrheit verkündet? Bestimmte Dinge müssen nicht wahr sein, um in den Köpfen der Menschen zu wirken, im Gegenteil, Wahrheit ist da manchmal eher ein Hindernis. Ein Buch über Quantenphysik mag vollständig wahr sein, aber seine Wirkung wird gering ausfallen. "Mein Kampf" war ganz sicher nicht wahr, aber seine Wirkung war ungeheuer.

Die Bibel hatte auch viele negative Konsequenzen (Kreuzzüge, Hexen- und Ketzerverbrennungen, Rechtfertigung der Sklaverei, der Minderstellung der Frau, Religionskriege etc. pp.). Was darf man denn daraus für dieses Buch schließen?

(d) Des weiteren werden die "ungeheure Vielzahl" an erfüllten Prophezeiungen angeführt. Diese seien nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nicht anders erklärbar als durch die Exustenz Gottes.

Dazu braucht man aber nicht die Gesetze der Wahrscheinlichkeit, um zu erklären, dass die Prophetie der Bibel nichts beweist (außer vielleicht die Leichtgläubigkeit der Gläubigen). Wenn, übrigens, die Prophezeiungen der Bibel so gut sind wie behauptet, dann beweist dies ziemlich eindeutig, dass →Jesus nicht der Messias ist. Denn sehr viele der dazu prophezeiten Bedingungen sind nicht eingetroffen.

Aber die übergroße Mehrheit der Prophezeiungen wurden niedergeschrieben, lange nachdem die prophezeiten Ereignisse eingetreten sind. Es handelt sich somit nicht um wirkliche Prophezeiungen. Ferner sind viele der Prophezeiungen nicht eingetreten (z. B. die Naherwartung des Reiches Gottes durch Jesus). Von den tausenden Prophezeiungen bleiben nur wenige übrig, die nicht vor ihrem Auftreten aufgeschrieben wurden, es wäre nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit extrem unwahrscheinlich, wenn einige davon nicht eingetreten wären. Die Existenz Israels (als eine der eingetretenen Vorhersagen) ist überdies eine sich selbst erfüllende Prophezeiung (s. u.). Die Ursache für die Gründung Israels war die Prophezeiung selbst - und nicht umgekehrt.

Das AT wurde teilweise so geschrieben, dass es sich bei den beschriebenen Ereignissen um eine Erfüllung alttestamentlicher Weissagungen handelte. Das ist natürlich ein Trick, der besonders dort offenbar wird, wo sich der Evangelist geirrt hat.

Diese Gedanken habe ich ausführlich erläutert unter Die Bibel / Prophezeiungen über Jesus - kritisch betrachtet und unter Die Bibel / Prophezeiungen in der Bibel - kritisch betrachtet.

Daher kann man das Weissagungsargument zurückweisen.

(e) Hier wird die Existenz des Volkes der Juden und die Existenz Israels selbst als eine gelungene Prophezeiung angegeben.

Es wäre extrem unwahrscheinlich, wenn es keine einzige korrekte Prophezeiung gäbe. In den Büchern von Jules Verne findet man noch mehr korrekte Prophezeiungen, beweist dies, dass alle seine Geschichten wahr sind? Außerdem, wenn überhaupt, so beweist dies die Wahrheit des Judentums, sofern man sich auf das AT bezieht. Das weitere Gegenargument habe ich oben bereits genannt.

(f) Ein weiterer Beleg, so wird behauptet, sei die Existenz des Gewissens, welches Gott selbst in den Menschen hineingelegt habe.

Für das menschliche Gewissen gibt es eine ganze Reihe sehr viel besserer Erklärungen. Und was gut und böse ist, war eine Auffassung, die einem ständigen Wandel unterlag. Und es ist nicht so ganz kulturunabhängig, wie viele glauben. Das moralische Argument habe ich in Die Verteidigung des Glaubens / Euthyphrons Dilemma II einer genaueren Analyse unterzogen.

(g) Als ein weiterer Beweis wird die Existenz einer unsterblichen menschlichen Seele angeführt, wobei dieser Beweis sich aus den Nahtoderfahrungen ableitet. Vor allem die Ähnlichkeit der Erfahrungen beim Nahtod werdenangeführt.

Diese Beschreibungen entsprechen genau den Erfahrungen, die man unter "sensorischer Deprivation" (= Reizentzug) macht (und Tod ist so etwas wie ein "vollständiger Reizentzug"). So fängt das menschliche Gehirn ohne Reize an, zu halluzinieren etc. Was beweisen diese Halluzinationen? Außerdem werden diese Erfahrungen auch noch vom Glauben selbst beeinflusst, siehe auch: →Near-death experiences und auch die Erfahrungen von →Dr. Susan Blackmore. Auf der genannten Website werden diese Dinge ausführlich diskutiert, wobei die Skeptiker deutlich in der Minderheit sind, aber es wäre voreilig, deswegen ihre Positionen zu verwerfen. Die Evidenzen sprechen sowohl dafür als auch dagegen, was bedeutet, dass man (noch) keine sinnvollen Schlüsse daraus ziehen kann.

Aber Nahtod heisst nur "nah am Tod", die Leute, die davon berichten, waren nicht tot, sie waren eben nur nahe dran. Es handelt sich also nicht um ein "Erlebnis des Todes" - von dort ist noch niemand zurückgekehrt (obwohl das von Jesus behauptet wird). Folglich deuten auch diese Erlebnisse auf nichts, was nach dem Tode geschieht.

Bleibt noch die Frage, was gegen die Existenz Gottes und für den Atheismus spricht.

Das ist die Kehrseite der Medaille: Wenn man Gott nicht beweisen kann, so kann man seine Nicht-Existenz schon überhaupt nicht beweisen. Deswegen spricht nichts "objektiv" für oder gegen die Existenz Gottes (und deswegen nenne ich mich auch "Agnostiker"). Aber es gibt eine Reihe von Gründen, die gegen die Existenz Gottes sprechen, vor allem gegen den christlichen Gott. Einige habe ich an anderer Stelle aufgeführt: Atheismus / Die Begründung des Atheismus.

Ich kann trotzdem verstehen, wenn ein Mensch an Gott zweifelt, der selbst keine Erfahrungen mit Ihm gemacht hat. Ganz klar: Zweifel verstehe ich, weil die Erfahrungswerte fehlen, die das Vertrauen begründen. Aber was ich kann nicht verstehen, dass viele Menschen sich wegen ihrer Zweifel von vornherein weigern, sich auf Gott einzulassen. So vieles spricht für Gottes Existenz und so bedeutsam ist diese Frage für unser Leben, dass eigentlich niemand etwas Wichtigeres zu tun haben kann, als mit brennendem Herzen die Frage zu stellen: Was ist Wahrheit? Ist Gott da?

Wenn man sich darauf einlässt, dann kann man leicht in eine Falle geraten, wie ich oben geschildert habe. Das wird einen richtigen Skeptiker schon mal stutzig machen. Außerdem werden diese Argumente in derselben Form auch für den Islam vorgebracht. Welche der Religionen ist denn nun richtig?

Übrigens war ich nicht immer Zweifler, sondern einst selbst ein sehr gläubiger Mensch. Ich habe mich bereits über einen langen Zeitraum auf Gott eingelassen und an ihn geglaubt, und ich muss diese Erfahrung nicht noch einmal machen. Dazu werde ich später noch mehr schreiben. Ich habe früher den Glauben mit denselben oder ähnlichen Argumenten gegen meine atheistischen Freunde und Bekannte verteidigt, aber mich überzeugt das keineswegs (mehr).

Man kann ehrlichen Herzens nach Gott suchen, ich fürchte aber, alles, was man finden wird, ist in Widerschein des eigenen Egos, goldumrahmt und wohl lackiert.

Fazit


Meiner Meinung nach richtet sich die Website nicht an ungläubige Zweifler, sondern an Gläubige, die anfangen, zu zweifeln. Ein ungläubiger Zweifler wird sich selten in der skizzierten Position wiedererkennen, ein Gläubiger wird gewarnt, so zu werden, wie karikiert (es mag tatsächlich Atheisten geben, die so sind wie beschrieben, aber sie sind sehr, sehr selten, IMHO).

Wie wir sehen können, funktioniert die Überzeugung der u. a. Gläubigen so:

Phase I - es werden Alltagsbeweise zur Überzeugung benutzt.

Phase II - wird erstmal geglaubt, dann werden alle Beweismittel (wissenschaftliche Beweise), die die Unwahrheit beweisen könnten, demontiert.

Jetzt hat man eine Überzeugung, die man nicht mehr loswerden kann - denn es funktionieren nur Beweise, die den Glauben positiv "beweisen" können, wissenschaftliche Beweise - die meist auf Widerlegung basieren - werden für unzulässig erklärt. Diese Falle hat einen Eingang (Alltagsbeweise), aber dank der Immunisierungsstrategie, keinen Ausgang mehr, also keine Widerlegungsmöglichkeit! Kein Wunder, dass es so viele Gläubige gibt, denn es ist recht unwahrscheinlich, dass jemand aus dieser Falle einen Ausgang findet. Und am Eingang lässt man bevorzugt Kinder ein, die die Falle noch nicht überblicken können.

Schnappt die Falle zu, dann lässt sie einen nicht mehr so schnell los. Deswegen ist es so wichtig, die Kinder vor Religionsunterricht zu bewahren und zu schützen - sie haben diesen Schutz bitter nötig.

An anderer Stelle hatte ich gezeigt, dass es verschiedene Stufen in der Entwicklung der Erkenntnis gibt, die aufeinander aufbauen:
  1. Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
  2. Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
  3. Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.


Die Alltags- und Glaubensbeweise funktionieren nach einem anderen, einem einfachen Prinzip und bauen darauf auf, dass man etwas positiv beweisen kann ("Es ist wahr, weil es geschrieben steht"). Dieses Verfahren ist unkritisch, d. h. es kennt keine Kritik an seiner eigenen Methodik bzw. lässt diese nicht zu. Erst die Widerlegung ist ein kritisches Verfahren, welches erst ab der 3. Stufe angewandt wird (inklusive Selbstkritik der eigenen Methoden). Glauben beharrt - wie Ingmar zeigen konnte - auf der 2. Stufe, und in dem man die höhere 3. Stufe für "nicht zuständig, nicht anwendbar" erklärt, verharrt der Glauben auf der unkritischen niedrigen 2. Stufe und wird durch Immunisierungsstrategien gegen Widerlegung resistent gemacht. Glauben gedeiht auf dem Niveau der Alltagsbeweise. Die Alltagsbeweise sind längst widerlegt, d. h. sie kommen zum Erkenntnisgewinn nicht infrage. In dem man die Kritik daran "unterdrückt" (früher durch Ketzerverbrennungen, heute nur noch durch Worte) lässt man die Menschen auf dem niedrigen Erkenntnisniveau verharren.

Konfusius, er zitiert: "Weil Wissen das Glauben übersteigt, deswegen ist Gottlosigkeit immer noch die höchste Kulturstufe." (Dieter Nuhr)



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