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Das Problem der Begründung des Glaubens
Die entscheidende Grundfrage ist die: Was wissen wir eigentlich - sicher? Jede Philosophie und jede Religion setzt sich mit dieser Frage auseinander. Und jedes Zeitalter beschäftigt sich mit dieser Frage wieder neu. Es gibt zwar die "aufgeklärte" Position, nach der eine Religion nicht wahr, sondern nur in moralischem Sinne nützlich zu sein hat, aber dies ist keinesfalls die fundamentalistische Haltung: Danach ergibt sich der moralische Anspruch als Folge aus dem Wahrheitsanspruch. Was also ist wahr?
Die verschiedenen Religionen hatten und haben darauf stets Antworten parat. Wenn wir uns die Antworten ansehen, dann sehen wir dieselben Muster: Es ist wahr, weil es geoffenbart wurde, es ist wahr, weil es in einer heiligen Schrift steht, es ist wahr, weil es eine Autorität verkündet hat (als Papst gar →unfehlbar) etc. pp. Alle diese Dinge führen uns direkt in das →Münchhausentrilemma (nach Hans Albert) [1], d. h., wir landen entweder
Die Religionen landen i. d. R. im Dogmatismus ("Es ist wahr, weil der Papst ex cathedra entschieden hat" oder "Es ist wahr, weil die Bibel es so sagt") oder in einem logischen Zirkel ("Die Bibel ist von Gott geoffenbart und daher wahr. Wir wissen dies, weil die Schreiber der Bibel es so sagen. Die Bibel selbst wiederum gibt uns Zeugnis, dass die Schreiber derselben göttlich inspiriert wurden" - diese Argumentationsweise wird auch von Hank bzw. seinen Freunden benutzt). Es ist meist nicht so plump wie in den Beispielen hier, die auch nur ein allgemeines Muster zeigen sollen. Ich bezeichne diese Denkweise als archaisch oder vorwissenschaftlich. Wenn man Gründe für den dogmatischen Anspruch sucht, stößt man meist wieder auf einen logischen Zirkel.
Mindestens eine der drei Positionen lässt sich gegen jede Begründung vorbringen, auch gegen subjektive Erfahrungen, d. h., jede Begründung ist hinterfragbar (außer, Denkverbote verhindern dies). Es handelt sich hier nicht um ein Argument gegen die archaische Denkweise, denn die moderne Denkweise ist davon genauso betroffen. In der modernen Denkweise wird daraus aber nur der Schluss gezogen, jeden absoluten Wahrheitsanspruch anzufechten und dies auch nicht für die eigene Position zu reklamieren (→Skeptizismus), während religiöse Anschauungen sich gegen diese Kritik zu immunisieren suchen, also ihre Ansprüche wider die Vernunft durchzusetzen trachten.
Diese (oft erfolgreiche) Immunisierung ist die wahre Bedrohung des Verstandes, denn sie suggeriert, dass man das Ende allen Wissens erreicht hätte, wo man doch erst am Anfang steht.
Wir können folgende drei Stufen der Erkenntnis postulieren, die aufeinander aufbauen:
- Wahrnehmung, diese ist unbewusst und unkritisch.
- Erkenntnis, diese ist bewusst und unkritisch.
- Wissenschaft, diese ist bewusst und kritisch.
Demnach wäre religiöser Glaube der zweiten Stufe zuzuordnen. Sicher ist der Glaube auch kritisch, aber nicht gegen seine eigenen Grundlagen, sondern überwiegend anderen Weltanschauungen gegenüber.
Eine sehr schöne Beschreibung des hier kurz skizzierten Problems gibt Dr. Michael Schmidt-Salomon in: →Das Münchhausentrilemma oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen?.
Siehe auch die Anmerkung: Was heißt hier kritisch?
Anmerkungen zu der Zirkelhaftigkeit in der Bibel befinden sich hier.
Zur Logik und zu →logischen Fehlschlüssen befindet sich hier eine gute Übersicht (leider in englischer Sprache).
Konfusius, er zitiert: "Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens". - (Johann Wolfgang von Goethe)
Anmerkungen:
- Auch bekannt unter den Namen →Agrippas Trilemma oder Fries Trilemma. (Zurück)
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