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Toleranz im Christentum
Vorweg: "Das Christentum" als solches scheint schon fast nicht mehr existent, weil es in eine so ungeheuer große Zahl von Kirchen, Sekten, Gruppierung und Grüppchen zersplittert ist. Ich rede hier aber von den Menschen, die sich traditionell selbst als "Christen" bezeichnen in seiner Gesamtheit als "dem Christentum".
Dass uns das Christentum als so tolerant erscheint, ist die Folge eines mehrere Jahrhunderte währenden →Zähmungsprozesses. Die Bestie Intoleranz lauert immer noch im Christentum, sie kann jederzeit wieder ausbrechen (die schlimmsten Verbrechen hat die Kirche auch im →gerade beendeten Jahrhundert begangen, nicht im Mittelalter - siehe auch →The Pavelic Papers oder, auf Deutsch: →Töten, vertreiben, zwangskonvertieren). Der Preis unserer Freiheit ist eine permanente Wachsamkeit gegen die Christen - denn sie sind mehrheitlich (ihre Geschichte beweist dies) meistens nur dann tolerant, wenn sie schwach sind. Korrekterweise müsste man also sagen: es gibt sehr wohl tolerante monotheistische Religionen - dann, wenn sie schwach sind, zahlenmäßig zu einer Minderheit gehören oder soweit gesellschaftlich marginalisiert wurden, dass sie keine große Rolle mehr spielen.
Es hat immer eine große Gruppe liberaler Christen gegeben, aber wir sollten es nicht dem Zufall überlassen, welche der Gruppen innerhalb des Christentums gerade wieder die überhand gewinnt.
Toleranz ist eine Frage der Weltanschauung. Sowohl Christentum als auch Islam sind - in ihrer fundamentalistischen Ausprägung - "inkompatibel" zu dieser Weltsicht. Deswegen sind für uns beide gefährlich. Auch der Islam ist tolerant, wenn er schwach ist (hier bei uns z. B.) und intolerant (Iran, Afghanistan) wenn er stark ist. Toleranz selbst wird als Schwäche gedeutet (im Islam wird der Westen gerne als schwach gesehen, weil er so tolerant und liberal ist).
"Extra ecclesia nulla salus" heißt im Islam: "Die Höllenqualen für die Ungläubigen und Gottlosen sind fürchterlich. Das Paradies dagegen ist wirklich paradiesisch schön mit allem, was ein Menschenherz erfreut" (zitiert nach: Payer, Alois 1944: Islam. -- Fassung vom 26. April 1999 -- (Materialien zur Religionswissenschaft). -- URL: →http://www.payer.de/islam/islam.htm.
Jesus hat ähnliche Drohungen gegen anders Denkende auch in der als ach so tolerant geltenden Bergpredigt ausgestoßen. Toleranz ist dem Christentum und dem Islam wesensfremd. Siehe dazu auch →Franz Buggle: "Denn sie wissen nicht, was sie glauben - Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann".
Ein Beispiel aus der Bibel für Strafandrohungen befindet sich hier.
Der Dämon der Intoleranz ist dem Christentum mit dem Zeitalter der Aufklärung quasi "ausgetrieben" worden. D. h. tolerantes Christentum ist kein Verdienst der Christen, sondern meist ein Verdienst der Gegner des Christentums gewesen. Viele Christen sehen dies genau andersherum [1].
Wer glaubt, die sei eine einseitige Darstellung, der hat zu viel →christliche Apologetik gelesen oder gehört. Als Gegenposition sei das Werk von →Deschner "Kriminalgeschichte des Christentums" empfohlen. Die historischen Fakten, die gegen die These vom "an sich Guten, aber ab und zu von menschlichen Interessen missbrauchtem" Christentum sprechen, sind erdrückend. Wenn Gott selbst einem Recht gibt, ist eben kein Platz für gefühlsduselige Toleranz. Erhöhung der eigenen Position bei gleichzeitigem absoluten Wahrheitsanspruch kann keine Toleranz hervorbringen (dies gilt unabhängig davon, ob die Weltanschauung religiös begründet ist oder nicht!). Beide Ansprüche hat die 400 Jahre andauernde Aufklärung nicht widerlegt, sondern quasi "subversiv unterhöhlt".
In dem lesenswerten Artikel von Ursula Neumann →Sind Christen doch die besseren Menschen? befindet sich dazu ein →Hinweis auf die übliche Verteidigungsstrategie der Kirchen:
"Kaum ein Vorwurf ist gegen die christlichen Kirchen so oft und so leidenschaftlich erhoben worden, wie der Vorwurf der Intoleranz. Dieser Vorwurf ist deswegen besonders gravierend, weil Toleranz mit dem Wesen des christlichen Glaubens unlöslich verbunden ist. Die Geschichte der christlichen Kirchen ist freilich auch durch Exzesse von Intoleranz gezeichnet. Oft waren sie Folgen eines fanatisierenden Missverständnisses der Wahrheit des Evangeliums". (Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, a.a.O., S.  Dies ist der klassische Argumentationsstil. Obersatz: Das Christentum steht für Toleranz, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Solidarität ... Untersatz 1: In der Wirklichkeit hat es damit gehapert. Untersatz 2: Schuld daran waren Missverständnisse. Untersatz 3: Aber im Prinzip!
Wir erkennen hier übrigens den Denkfehler des Wahren Schotten.
Konfusius, er zitiert: "Keine Religion hat so viele Menschenopfer gefordert und auf eine so schmähliche Weise hingeschlachtet als diejenige, die sich rühmt, sie für immer abgeschafft zu haben." (Bruno Bauer, Theologe)
Anmerkungen:
- Die Position, dass es auch ein Heil außerhalb der Kirche geben könne, wird seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) von der katholischen Kirche vertreten. (Zurück)
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