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In der letzten Zeit - bedingt durch den 11. September 2001 - wird verstärkt nach einer Verständigung mit dem →Islam gesucht. Verständigung ist immer gut, Toleranz, Dialog und Aussöhnung etc. ebenfalls. Und die Diskussion mit den verschiedenen Religionen ist in der letzten Zeit ohnehin sehr vernachlässigt worden.

Trotzdem halte ich eine Auseinandersetzung mit dem fundamentalistisch orientierten Islam für vollkommen überflüssig, wenn man denkt, man könne Fundamentalisten "einfach so" von etwas überzeugen. Dann handelt es sich schlicht um reine Zeitverschwendung. Dies gilt auch für den Fall, dass der →Dialogpartner dem Christentum angehört. Denn hier prallen einfach nur zwei sehr unterschiedliche Standpunkte aufeinander und diese Art des Disputs ist in 2.000 Jahren Philosophiegeschichte vollkommen unfruchtbar verlaufen - jedes Mal. Wir können also auch hier erwarten, dass das Ergebnis nicht anders aussehen wird.

Wie kann ausgerechnet ein Psychologe so etwas behaupten!?

Weil es der Erfahrung entspricht. Schon Konfuzius (chinesischer Philosoph, nicht zu verwechseln mit dem Spötter Konfusius) wusste: 'Abweichende Lehren anzugreifen, ist nur schädlich.'. Wir sollten nicht aus falsch verstandenem →Gutmenschentum sinnlose Debatten führen. Dies gilt auch und besonders dann, wenn die Gegenposition atheistisch bzw. agnostisch ist.

Ein Dialog setzt gleichberechtigte und tolerante Partner voraus. Diese Voraussetzungen sind bei Dialogen mit (fundamentalistischen) Religionen, die sich auf Gott berufen, →nicht gegeben. Während sich die eine Seite auf 'höhere Mächte' (= →Gott) beruft, ihre eigene Position damit gleichsam 'erhöht', argumentiert die andere Seite mit 'rein menschlichen' Positionen, d. h. von einer 'niederen' Warte aus - und wird so letztlich nie als gleichberechtigt angesehen. Toleranz aber setzt voraus, kritisch mit den eigenen Ideen umzugehen, stets auch seine eigenen Gedanken dem Verdacht auszusetzen, falsch zu sein. Ist diese Bereitschaft nicht da, gibt es (einseitig) keine Toleranz, denn der andere kann ja nur unrecht haben. So findet kein Dialog statt, sondern eine unfaire und intolerante Belehrung/Bekehrung oder ein unfruchtbarer Disput. Hier kann man allenfalls noch bei den Zuhörern für Toleranz werben.

Die gesamte Fundamentalismus-Debatte haben wir bereits mit dem Christentum ausgetragen. Seitdem wissen wir: Es gibt kaum eine (fundamentalistische) tolerante monotheistische Religion. →Extra ecclesiam nulla salus - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil [1]. Auch wenn dies die katholische Kirche heute so nicht mehr in scharfer Form vertritt: Dieses Credo hat genügend Menschen das Leben gekostet.

Die Geschichte des Christentums kann man als →Kriminalgeschichte schreiben. Man mag dies für tendenziöse Geschichtsschreibung halten, aber die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Der Humanismus, den wir heute kennen, wurde zum Teil gegen die Religon durchgesetzt. Die Toleranz des Christentums ist größtenteil gegen das Christentum erstritten worden  [2], und nur, weil es heute so viele gemäßigte Christen gibt, heißt dies nicht, alle Fundamentalisten seien auch gemäßigt  [3].

Einige grundsätzliche Anmerkungen zum Dialog finden Sie hier.

Was also kann man tun? Man kann den Dialog aufnehmen mit den kritischen Kräften innerhalb des Christentums, mit kritisch denkenden Christen. Man kann darüber etwas bewirken, zum einen, bei denen, die noch keiner Religion angehören, zum anderen bei denen, die in einer Religion festverwurzelt sind, Nachdenklichkeit auslösen. Dies geht auch dann, wenn man mit Fundamentalisten diskutiert - in der Öffentlichkeit. Den Fundamentalisten wird man nicht erschüttern können, aber den Zuhörern vor Auge führen, was die Konsequenzen ihrer Denkweisen sind.

Das Ziel einer Diskussion besteht auch darin, darzulegen, dass man gute Gründe für seine eigene Position hat - und nicht aus Gründen der Sturheit oder Unbelehrbarkeit oder Unwissenheit darauf beharrt, wie zu oft unterstellt wird.

Konfusius, er zitiert: "Kaum haben sie Christus gepredigt, beschuldigen sie sich gegenseitig Antichristen zu sein ... und natürlich gab es unter diesen theologischen Gezänken kein Einziges, das nicht auf Absurditäten und Betrügereien aufgebaut gewesen wäre." (Voltaire)



Anmerkungen:
  1.   Das Konzil von Florenz verkündete 1442: "Die heilige römische Kirche glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder die Heiden doch die Juden noch die Häretiker (=Ketzer) oder Schismatiker (= Abgespaltenen) des ewigen Lebens verhaftet werden, sondern in das ewige Feuer eingehen werden, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn sie nicht vor ihrem Tod sich der Kirche anschließen." (Zurück)
  2.  Eine Fülle von Beispielen finden wir bei Deschner. (Zurück)
  3.  Diesen Absatz habe ich - weil er vorher zu sehr polemisch gefärbt war - überarbeitet. (Zurück)

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