Übersicht ⇒ Kritisch  kritisch.html   
   
  Kritisch Nach unten
  Platzhalter

Hauptmenu

Übersicht
⇒ Religion & Glauben
Atheismus
Psychologie & Börse
Geistiges Eigentum?
Anmerkungen
Links
Über mich + Impressum



Ich empfehle Ihnen den FireFox-Browser

Ausdruck
Ausdruck der Website



Was heißt hier kritisch?

Der logische (und kulturelle) Bruch, der sich durch unsere Geschichte zieht und m. A. nach die "alte Zeit" von der "Modernen" unterscheidet ist die Anwendung der Vernunft auf sich selbst. Die Griechen hatten damit zwar begonnen, aber dieses Projekt nur in Ansätzen durchdacht. Erst vor ca. 400 Jahren fing man damit wieder an, obwohl auch hier die ersten Ansätze schon sehr viel früher begannen. Und eigentlich war dieses Projekt erst mit →David Hume (1711-1776) an sein (scheinbares) Ende gekommen.

Wenn man die Gedanken bis zum Ende durchdenkt, landet man bei der Begründung. Und wenn man die Frage nach der Begründung der Begründung stellt, dann landet man fast unausweichlich beim →Münchhausentrilemma. Es war früher schon Philosophen aufgefallen, dass man in einem von drei Problemen landet, wenn man Begründungen nachgeht, aber erst seit neuerer Zeit weiß man, dass dies immer so ist.

Damit lässt sich also jede Begründung kritisieren.

Dies ist eine zentral wichtige Feststellung: Es lässt sich JEDE BEGRÜNDUNG kritisieren.

Dies ist die Demarkationslinie, der Point of no return, wenn man so will. Hier hat man tatsächlich nur die Freiheit, diese Erkenntnis zu ignorieren oder sie zu akzeptieren (was man ruhig skeptisch tun sollte: denn dies ist nur eine Behauptung von mir, und wenn ich recht habe, kann man diese Begründung anfechten - wozu man sie aber in diesem einen Fall akzeptieren müsste ...).

Um den Fall der Ignoranz brauchen wir uns hier nicht zu kümmern. Wer das Trilemma ignoriert, der wird auch mit diesem Text hier nichts anfangen können und ihn nicht verstehen. Der wird aber auch die moderne Denkweise nicht verstehen können - und, nebenbei, was man nicht versteht, kann man auch eher schlecht kritisieren (außer, die Unverständlichkeit selbst zu kritisieren).

Man kann das Trilemma selbst anfechten, wenn man eine Begründung aufzeigen kann, die nicht dem Trilemma unterliegt. Die Behauptung, das Trilemma sei unausweichlich, ist falsifizierbar. Sobald wir eine Aussage finden, die weder zu einem unendlichen Begründungsregress führt, noch in einen logischen Zirkel noch in den Dogmatismus ist die Allgemeingültigkeit des Trilemmas widerlegt. Ich werde mich zu einem späteren Zeitpunkt damit beschäftigen (denn ein häufiges Argument ist: Eine Offenbarung Gottes kann oder muss nicht dem Trilemma unterliegen - ein Trugschluss).

Übrigens: Wenn man sich fragt, warum man denn alles begründen muss, und anzweifelt, ob dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht, dann landet man beim willkürlichen Abbruch der Begründung, also im Dogmatismus ...

Wenn man also (und sei es nur vorläufig und unter Vorbehalt, oder als Gedankenexperiment) die akzeptiert, dann, so behaupte ich, hat man eine neue Stufe der Erkenntnis erreicht, einen Quantensprung des Wissens. Das erinnert zwar an Sokrates "ich weiß, dass ich nichts weiß", aber dies weiß man jetzt genau.

Denn von jetzt ab gibt es keine Möglichkeit mehr, im naiven, unschuldigen Zustand des gesicherten Wissens (oder Glaubens) zu verharren - und wenn doch, dann nur unter Ausschaltung des kritischen Verstandes. Dies ist die wahre, vergiftete Frucht vom Baum der Erkenntnis.

Wenn man so will, hat sich die Vernunft damit selbst zerstört bzw. den Boden unter den Füßen weggezogen (ganz so schlimm kommt es dann aber doch nicht, aber dies ist ein anderes Thema).

Man kann aus diesem Zustand verschiedene Konsequenzen ziehen. Hier eine kleine Auswahl (kein Anspruch auf Vollständigkeit!):

Nihilismus - nichts ist wahr, es gibt keine Wahrheit, es gibt keine Klarheit, denn es gibt keine Begründung.

Obskurantismus - alles ist wahr, alles ist möglich, denn alles lässt sich begründen, wenn auch nicht letztendlich.

Subjektivismus - es gibt keine objektive Wahrheit (bzw. diese ist uns unzugänglich), also ist alles Wissen nur subjektiv begründbar.

Buddhismus - Die Welt ist eine Illusion, ein Produkt unseres Verstandes.

Hypothetischer Realismus - Alles Wissen ist hypothetisch, nichts ist sicher, die Basis des Wissens ist dynamisch, Erkenntnis (auch objektive Erkenntnis) ist aber möglich und sogar wahrscheinlich. [Anmerkung: Dies ist die Richtung, zu der ich tendiere].

Fundamentalismus - wir wissen, was wahr ist - ist nach Anerkennung des Trilemmas nicht mehr möglich und eigentlich logisch erledigt. Wenn es doch noch Fundamentalismus gibt, dann nur in Ignoranz, d. h. der strikten Weigerung, die eigene Basis bis zum Ende zu durchdenken, also der Suspendierung der Vernunft. Dann aber, bitte schön, dürfen sich Fundamentalisten auch nicht mehr auf die Vernunft berufen und scheiden aus dem Kreis der Vernunftanwender aus. Sie sind zwar vernunftbegabt, machen aber nicht ausreichend Gebrauch davon.

Das Letztere mag hart, arrogant und intolerant klingen. Wir haben aber gesehen, dass Fundamentalismus selbst zur Intoleranz neigt (außer in Zeiten der Schwäche), und ich halte es für eine gemäßigte und gerechtfertigte Haltung, gegenüber Intoleranz keine Toleranz zu zeigen. Wir tun dies ja auch nur mit Worten - es geht nicht darum, Fundamentalismus zu verbieten, sondern nur darum, ihm einen angemessenen Platz in der Logik zuzuweisen. Der Platz des Fundamentalismus in der Welt wird davon nicht direkt berührt. Dies ist aber eine normative (ethische) Frage, und auf die wird hier an dieser Stelle nicht eingegangen (vielleicht später einmal). Ethik ist keine Frage der Logik!

Hart ist es in der Frage der Haltung: aber entweder ist man konsequent und denkt seine Haltung bis zum Ende durch (mit allen Härten als Folge), oder man tut dies nicht, dann fehlt es aber an Tiefe und Substanz.

Arrogant ist diese Haltung, weil sie über Sokrates insofern hinausgeht, da hier nicht nur behauptet wird, "ich weiß, dass ich nichts weiß", sondern "auch du weißt nichts, bist dir dessen aber nur nicht bewusst". Das ist das Kritische an der Haltung: wir halten uns nicht nur dazu berechtigt, Selbstkritik zu üben, sondern wir üben die Kritik auch bei anderen aus (auch, wenn es ihnen nicht passt, aber wie wir gesehen haben, gibt es keine Grenze der Kritik bzw. es hat noch niemand eine gefunden, und wir müssen die willkürlichen Grenzen des Denkens - die "Denkverbote" der Fundamentalisten - ja nicht akzeptieren).

Wir haben mit dem Trilemma zwar eine Grenze des Denkens erreicht (nämlich: Jedes Wissen ist hypothetisch), aber eine Reihe von anderen Grenzen und gesprengt (nämlich: Jedes Wissen ist hypothetisch, nicht nur unser eigenes).

Dies macht die Kritik an allen Auffassungen nicht nur notwendig, sondern auch konstituierend. Dies ist der Sprung vom "archaischen Denken" mit seinen Denkverboten (deswegen: bewusst, aber unkritisch) hin zu: bewusst und kritisch. Der Sprung in die Moderne muss auch im Kopf stattfinden.


⇐ Begründung - Indoktrination ⇒
Platzhalter

Suche und weiter(es)

Suche
Glossar

HGA - Häufig geäußerte Argumente

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Stichworte
Alle Seiten


Diese Seite weiterempfehlen


Literatur- Verzeichnis


⇐ Begründung

Indoktrination ⇒



NEU!
Wenn Sie diesen Artikel diskutieren möchten, dann gehen Sie bitte zu Atheisten.org
 
 


 
Verweis: [URL=http://www.dittmar-online.net/religion/kritisch.html]Was heißt hier kritisch?[/URL]
oder: <a href="http://www.dittmar-online.net/religion/kritisch.html">Was heißt hier kritisch?</a>