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Gedanken zu Gott

Im Abschnitt über Supernaturalismus hatte ich bereits angedeutet, dass es für uns eine übernatürliche Sphäre nicht geben kann, weil wir sie nicht denken können. Wenn man die Gedanken weiter durchdenkt, dann wird man feststellen, dass dies auch auf unsere Erfahrung übertragbar ist.

Betrachten wir mal unsere eigene Psyche (in ihrer Gesamtheit, Bewusstes, Unbewusstes, Vorbewusstes und Unterbewusstes etc.). Nun kann man grob drei Informationsquellen betrachten, von denen Informationen in unsere Psyche gelangen können:

  1. Von den Sinnesorganen (Augen, Ohren, Nase, Tastsinn etc.)
  2. Vom Körperinneren her (Gleichgewichtssinn, taktiler Positionssinn, Schmerzempfinden etc.)
  3. Von der Psyche selbst (innerpsychische Verarbeitung)
Jetzt nehmen wir einmal an, es gäbe noch einen vierten Weg - den "übernatürlichen Weg" (Telepathie beispielsweise). Telepathie müsste insofern ein "natürliches" Phänomen sein, weil es Reaktionen im Gehirn auslösen muss - bislang ist es noch nicht gelungen, psychische Vorgänge ausfindig zu machen, die dies nicht tun. Wir sind hier nicht besser als die Messgeräte der Physiker: Damit wir etwas bemerken oder erkennen muss es mit uns interagieren, d. h. es muss Zustände im Gehirn ändern.

Andererseits bewirken auch äußere Einwirkungen auf unsere Psyche Änderungen, sei es nun das Skalpell eines Chirurgen oder Rauschgifte. Wir können also ziemlich sicher sagen, dass unsere Psyche mit der materiellen Welt selbst interagiert. Und alles, was mit uns interagiert, ist auch ein Teil dieser Welt.

Wir könnten daher auch behaupten, dass Telepathie o. Ä. ein erforschbares (weil wahrnehmbares) Phänomen dieser Welt wäre. Telepathie wäre irrelevant (unbemerkbar), wenn es keine Änderungen in unserer Psyche bewirken würde. Deswegen die Schlussfolgerung, dass wir Telepathie (wenn sie denn existierte) als ein natürliches, erforschbares Phänomen betrachten können.

Eine telepathische Information wäre also als Ursache für Zustandsänderungen in unserer Psyche. Zu einer Ursache-Wirkungsbeziehung gehört immer auch eine Energieübertragung - ohne diese können wir allenfalls vom "zufälligen Zusammentreffen zweier unzusammenhängender Ereignisse" reden. Diese Energieübertragung wäre die Interaktion.

Also: Ich denke gerade intensiv an einen alten Freund - das Telefon klingelt, und just dieser alte Freund meldet sich. Das kann reiner Zufall sein, aber eben auch Telepathie. Aber was immer es auch tatsächlich ist, ich kann es ohne eine Batterie physikalischer Messgeräte nicht von Position 3. unterscheiden. Denn meine Gedanken müssen etwas in seiner Psyche ausgelöst haben. Für meinen Freund kam der handlungsauslösende Impuls aus seinem eigenen Inneren. Auch für ihn ist ohne ein externes Messgerät dies nicht von rein innerpsychischen Vorgängen unterscheidbar.

Anders gesagt: Ohne externe Evidenz (Übereinstimmung mit externen Fakten) gibt es keine Möglichkeit, selbst telepathische Phänomene von rein innerpsychischen Vorgängen wie Traum, Halluzination, innerem Denken, unbewussten Impulsen oder reinem Zufall etc. zu unterscheiden. Wieder anders gesagt: Es gibt tatsächlich nur drei Positionen für uns, so wie oben beschrieben, selbst wenn man "übernatürliche" Phänomen mit ins Kalkül zieht! Denn da wir diese nicht von Position 3. unterscheiden können, sind sie für uns identisch. Können wir sie von Position 3. unterscheiden, dann nur, wenn sie sinnlich erfahrbar sind (intersubjektiv prüfbar). Dann aber gehören sie zu Position 1. Ereignisse der Position 2. gehören mittlerweile ebenfalls zu den messbaren Phänomen.

Wir können also nur unterscheiden zwischen zwei Positionen: sinnlich erfahrbar und intersubjektiv nachprüfbar oder nicht nachprüfbar, dann also subjektiv (und damit nicht von Traum, Halluzination, Einbildung, unterbewusste Projektion etc. unterscheidbar). Wir hatten beim Münchhausentrilemma gesehen, dass etwas nur dann wahr sein kann, wenn es widerlegbar ist. Da innerpsychische Phänomene mangels Nachprüfbarkeit nicht widerlegbar sind (wer könnte mit Aussicht auf Erfolg bestreiten, dass ich letzte Nacht von rosa Einhörnern geträumt habe?), können die innerpsychischen Erscheinungen anderer Menschen für uns keinen Wahrheitscharakter haben, sind also in jeder Hinsicht für uns unverbindlich. Sie können weder wahr noch falsch sein. Deswegen ist die persönliche Gotteserfahrung kein Beweis für Gott, d. h. kein Satz, zu dem wir "wahr" oder "falsch" sagen können.



Konfusius, er zitiert: "Ich behaupte, wir sind beide Atheisten. Ich glaube nur an einen Gott weniger als Du. Wenn Du verstehst, warum Du alle anderen möglichen Götter ablehnst, dann wirst Du verstehen, warum ich Deinen ablehne." (Stephen Roberts)



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