Inhaltsverzeichnis:

      Die Welt ist nicht genug
         Allwissenheit und bewusste Planung schließen sich gegenseitig aus!
         Primat des Naturalismus
         Noch ein Problem
         Wissen jenseits des Wissens, Vernunft jenseits der Vernunft
      Frage: Kann man etwas über die Bereiche wissen, über die wir nichts wissen?

 

Die Welt ist nicht genug

Die Probleme des Supernaturalismus und sein Einfluss auf die Welt werden hier diskutiert: Was sind Naturalismus und Supernaturalismus?

Wir haben es nicht nur mit natürlichen Dingen in der Welt zu tun – meinen die Monotheisten – sondern auch mit übernatürlichen Einflüssen. Einer davon ist offensichtlich die Entstehung der Welt selbst. Wenn die Welt die Schöpfung Gottes ist, dann folgt daraus, dass …

  1. Gott nicht Teil der Welt selbst sein kann,
  2. dass der Geist Gottes denken und handeln kann, und
  3. dass Gott aus der Transzendenz – oder dem übernatürlichen – heraus Einfluss auf diese Welt nimmt, mehr oder weniger.

Einige der durch diese Ansicht entstehenden Probleme habe ich bereits erwähnt. Etwa die, dass jeder Eingriff Gottes ihm im Voraus bekannt sein muss, sonst wäre er nicht allwissend. Kann er anders handeln, als er es weiß? Kann er es nicht, geht seine Macht nicht über die eines Bauern im Schachspiel hinaus, kann er es, kennt er offenkundig seine eigene Zukunft nicht. Was bedeutet, dass er nicht wissen kann, was aus seinen Plänen wird, seine Einsicht ist begrenzt. Denn wüsste er, was die Folgen seines Handelns sind, wüsste er automatisch auch, wie er handeln wird.

Natürlich denken die meisten Monotheisten, dass Gott ein Planer ist, der sein Vorhaben und alle Folgen genau kennt. Diese Schlussfolgerung folgt aus den moralischen Attributen, die man ihm zuschreibt, und auf die wir später kommen. Aber je besser sein Überblick, je mehr er darüber weiß, umso eingeschränkter sind seine Handlungsmöglichkeiten. Und dann muss man sich fragen: Woher kommt der Plan, nach dem er handelt? Hat er ihn sich ausgedacht? Das setzt voraus, dass es eine Zeit gab, zu der er selbst seine Intentionen nicht kannte. Oder er ist allwissend, dann kannte er diese »schon immer«, dann ist er nicht Urheber der Planung, die sein eigenes Verhalten steuert.

 

Allwissenheit und bewusste Planung schließen sich gegenseitig aus!

Ich wette, dass die meisten Monotheisten noch nie über diese Dinge wirklich nachgedacht haben. Man muss dieses Problem und seine Konsequenzen ignorieren, wenn man Gott eine eigene Persönlichkeit und ein Bewusstsein zuschreibt. Ansonsten hat man es mit einem unpersönlichen Gott zu tun, der einen anderen Namen trägt: Schicksal oder Karma oder Zufall.

Die Frage nach dem Bewusstsein hatten wir bereits geklärt. Aber eventuell möchten Sie nach diesen Überlegungen ihre Vorstellungen noch einmal überdenken:

Nein, Gott hat kein Bewusstsein
Gott ist keine personale Macht

Supernaturalismus kann man auch ohne Gott haben. Aber einen monotheistischen Schöpfergott nicht ohne Supernaturalismus! Wenn der Gott die Natur geschaffen hat, kann er nicht Teil dieser sein, seiner eigenen Schöpfung. Diese logische Überlegung führt dazu, ihn »über« die Natur zu stellen.

Naturalismus ist kompatibel zu folgenden Ansichten:

  1. Wir wissen nicht, wie die Natur entstanden ist.
  2. Die Natur entstand aufgrund unpersönlicher Eigenschaften.

Dass man auch 1. vertreten kann, wird meist übersehen. Es wird behauptet, beispielsweise Atheisten müssten glauben, dass das Universum aus dem Nichts entstanden ist. Das ist falsch, es reicht, dass man nicht weiß, wie es entstanden ist.

 

Primat des Naturalismus

Naturalismus geht von der Idee aus, dass die Natur die Summe aller Tatsachen ist. Oder, wie Wittgenstein es formulierte: »Die Welt ist alles, was der Fall ist«. Wenn die Existenz Gottes eine Tatsache wäre, gehört er zur Natur dazu. Es muss dann einen natürlichen Umstand geben, dem Gott seine Existenz zu verdanken hat. Supernaturalismus ist nicht mehr als das, von dem wir nicht wissen, ob es der Fall ist – ob es sich um eine Tatsache handelt oder nicht.

Über Tatsachen kann man drei Dinge sagen:

  1. Etwas ist höchstwahrscheinlich  eine Tatsache.
  2. Etwas ist keine Tatsache (etwa eine falsche Vorstellung).
  3. Wir wissen nicht, ob etwas eine Tatsache ist oder nicht.

Zur Natur der Dinge gehört, dass sie Eigenschaften haben.

Woher hat Gott seine Eigenschaften, etwa die, (all)mächtig zu sein? Er kann sie sich nicht selbst verliehen haben, denn dann müsste man fragen, woher er die Fähigkeit hat, sich so eine Macht selbst zu verleihen. Das führt zu einem unendlichen Regress. Man sagt, dass diese Eigenschaft zu seiner Natur gehört. Aber dann ist seine Natur ein »natürlicher Umstand«, eine Tatsache, die zur Natur selbst gehört.

Wenn Gott Eigenschaften hat, gehört seine Existenz zu den natürlichen Tatsachen. Auch die Eigenschaft selbst ist eine Tatsache. Damit gehört Gott zur Natur, und er hat eine Natur, die er nicht selbst erschaffen hat. Dann ergibt die Behauptung, er stünde über der Natur, keinen Sinn.Der Widerspruch besteht darin, dass Gott über der Natur steht, aber selbst Teil der Natur ist (und daher so etwas wie eine Natur hat). Er gehört also zur Natur und gleichzeitig nicht. Oder: Seine Existenz ist eine Tatsache, aber gleichzeitig keine  Tatsache.

Andererseits: Wenn Gott keine Eigenschaften hat, existiert er auch nicht. Nur was es gibt, hat auch Eigenschaften. Aus diesem Problem kommt man auch nicht heraus, wenn man sich weigert, Gott Eigenschaften zuzuschreiben. Zudem macht dies jede Religion, die darauf basiert, sinnlos.

Wenn man das Übernatürliche definiert als »das, worüber wir nichts wissen (können), das, was wir wissenschaftlich nicht erfassen/erkennen können«, dann betont dies nur, dass wir über Gott nichts wissen. Deswegen glaubt man auch an ihn. Damit verlegt man Gott nur in die »Sphäre des Unwissens«, aber stellt ihn keineswegs über die Natur. Das macht Gott zu einer Art »personifiziertem Nichtwissen«.

Man kann nichts über Gott wissen, die abrahamitischen Religionen agieren aber so, als ob man etwas über ihn wüsste _1_.

An dieser Stelle gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Widerspruch aufzulösen:

Nein, ich glaube nicht an Gott
Um an Gott glauben zu können, muss man die Logik verwerfen

Oder:

Naturalismus: In der Welt geht es natürlich zu

Wenn man das nicht will, dann muss man den Widerspruch hinnehmen. Wir machen an dieser Stelle weiter, als ob keinen Fehler in der Logik gäbe. Dies ist weder der erste noch der letzte Logikfehler im Konzept Gottes, auf den wir stoßen werden.

 

Noch ein Problem

Mit der Annahme eines Supernaturalismus entscheidet man sich, dass es eine Sphäre gibt, über die wir nichts wissen können, weil sie der Wissenschaft nicht zugänglich ist. Die »Größe« dieser Sphäre hängt davon ab, wie weit sich unser Wissen entwickelt hat. Außerdem erfolgt die Unterscheidung zwischen »Supernaturalismus« und »Nichtwissen« nach rein willkürlichen Kriterien.

Man muss dazu, um das zu umgehen, noch eine weitere Annahme machen. Nämlich die, dass man weiß, was man nicht wissen kann. Oder anders gesagt: Man behauptet, ein Erkenntnisprivileg  zu haben. Damit beschäftigen wir uns ab jetzt.

 

Wissen jenseits des Wissens, Vernunft jenseits der Vernunft

Dazu fragen wir uns:

 

Frage: Kann man etwas über die Bereiche wissen, über die wir nichts wissen?

Man kann über das, was man nicht weiß, nichts wissen
Man kann es nicht wissen, aber glauben!
Ja, das nennt man Offenbarung
Manche Menschen sind eben empfindsamer

1. Wir erinnern uns an die Definition des religiösen Glaubens : Vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Zurück zu 1


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