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Zuletzt hochgeladen: 24.07.2016


Inhaltsverzeichnis:


      Was ist Atheismus?
      Muss man den Atheismus rechtfertigen?
      Warum ich Atheist bin
      Ein Atheist ist jemand, der Beweise für Gott braucht
      »Nur glauben« reicht nicht

 

Was ist Atheismus?

Atheismus: Wenn Theismus der Glaube  an Gott ist, dann ist Atheismus der Nicht-Glauben  an Gott, d. h. das Fehlen eines Glaubens an übernatürliche Wesenheiten. Ein Atheist ist nicht unbedingt jemand, der sagt »Es gibt keinen Gott«  _1_ Sondern meistens  jemand, der sagt »Ich glaube nicht an Gott«.

Im Allgemeinen bezeichnet man es als schwachen oder negativen Atheismus, wenn jemand sagt, »Ich glaube nicht an Gott«. Als starken oder positiven Atheismus bezeichnet man es, wenn die Aussage lautet, »Es gibt keinen Gott« oder »Der Begriff Gott ist sinnlos«.

Agnostizismus: Gnosis heißt »Erkenntnis«, also bezeichnet Agnostizismus Nicht-Erkenntnis. Im Zusammenhang mit Gott ist ein Agnostiker jemand, der sagt, dass man die Existenz Gottes nicht erkennen  kann. Ist dies trotzdem mit einem Glauben an Gott verbunden, so redet man von Fideismus : »Man kann nicht wissen, ob es Gott gibt oder nicht, daher muss man an ihn glauben«.

Die Frage ist, ob man den Atheismus rational und undogmatisch rechtfertigen kann oder nicht und wozu das gut ist. Genau diese Frage, ob es geht und wie es geht, ist Thema dieser Website. Keineswegs ist der Atheismus eine Ideologie, sondern es handelt sich um die Negation (Verneinung) einer Ideologie .

Das Bild der Atheisten wird von den Theisten häufig sehr negativ gezeichnet. So wird den Atheisten gerne ein genereller Hang zu unmoralischem Verhalten nachgesagt. Dies geschieht aber meist nicht mit lauteren Argumenten, sondern auf eine Art und Weise, die weder moralisch noch logisch einwandfrei ist. Dazu lesen Sie bitte auf meiner Website →Was ist mit der religiösen Moral?.

Kleine Kinder sind z. B. Atheisten, bis ihnen ein Erwachsener die Idee nahe bringt, es gäbe einen Gott. Menschen, die noch nie etwas von Gott gehört haben und deswegen keinen Glauben an ihn haben, bezeichne ich als »implizite Atheisten« _2_. Menschen, die über Gott und den Glauben nachgedacht haben und den Glauben ablehnen, beschreibe ich als »explizite Atheisten«. Menschen, die behaupten, es gäbe keinen Gott, bezeichne ich als starke Atheisten. Und Agnostiker bezeichne ich auch weiterhin aus Respekt als Agnostiker, obwohl sie meiner Definition nach meistens Atheisten sind.

 

Muss man den Atheismus rechtfertigen?

Eigentlich muss man das nicht. Aber man kann es. Vor allem muss man den Leuten erklären, was Atheismus wesentlich ist. Häufig wird eine falsche Definition von Atheismus verwandt und diese dann demontiert. Das betreiben einige Theologen, z. B. der Herr Küng in [Küng 2001b], sehr gerne. Es gibt nämlich (so sagt inzwischen die Mehrheit der Theologen) keinen Beweis für die Existenz Gottes. Wenn nun ein Atheist tatsächlich behaupten würde (wie so mancher Theologe ihm fälschlicherweise unterstellt), es gäbe keinen Gott, so müsste der Atheist einen positiven Beweis der Nichtexistenz führen, was angeblich logisch unmöglich sein soll. Nur wer allwissend ist, könnte definitiv behaupten, dass kein Gott existiert. Also ist der Atheismus irrational. Damit wäre allerdings die Behauptung, es gäbe keinen Weihnachtsmann, gleichermaßen vernunftwidrig.

Interessant ist, zu welchen Tricks sich Theologen und Apologeten genötigt sehen, um den Atheismus zu diskreditieren. Siehe auch →Aus der Trickkiste der Theologen.

Man wird aber nur wenige Atheisten aus den letzten Jahrhunderten finden, die behaupten, Gott existiere nicht. Hier wird eine falsche Definition von Atheismus zugrunde gelegt, um die Atheisten auf dieser Basis diskreditieren zu können. Denn sowohl die Mehrheit der Theologen als auch die Mehrheit der Atheisten oder die Mehrheit der Agnostiker sind sich darüber völlig einig, dass es keinen Beweis für und auch keinen Beweis gegen einen Gott gibt _3_. Es sind Theisten, die sagen, dass man daher einen Glauben an Gott benötigt, als Ersatz für einen Beweis. Und ein Atheist ist schlicht jemand, dem dieser Glauben fehlt bzw. jemand, der Glauben für einen schlechten Ersatz für Wissen hält, und der daher die Idee, man könne jenseits des Wissens und jenseits des Erkennens etwas wissen oder erkennen, oft für unsinnig hält (mit Ausnahmen – es gibt auch Esoteriker, die Atheisten sind). Außerdem müsste man genauer über die Eigenschaften Bescheid wissen, die ein Gott haben soll, um zu erwägen, ob dieser Gott existieren kann oder nicht.

Es gibt eine unendlich große Menge an Dingen, an die wir nicht glauben. Bei gläubigen Christen gehören z. B. fast alle Götter anderer Religionen dazu sowie die abweichenden Vorstellungen anderer Gläubiger derselben Richtung. Also sind auch Gläubige dazu fähig, an etwas nicht zu glauben, obwohl sie keinen »Beweis für die Nichtexistenz« haben. Es ist nämlich nicht immer möglich, einen Beweis für Nichtexistenz zu haben – deswegen ist es irrational, an etwas zu glauben, bloß  weil die Nichtexistenz nicht bewiesen wurde … In der logischen Umkehrung wäre es rational, an etwas zu glauben, dessen Existenz bewiesen wurde oder zumindest sehr wahrscheinlich ist oder dessen Existenz unbedingt notwendig ist, um nachgewiesene Phänomene zu erklären. Mit der Hypothese »Gott existiert« kann man aber nichts erklären.

Da Nichtexistenz immer wahrscheinlicher ist als Existenz, ist man daher immer auf der sicheren – rationalen – Seite, wenn man zunächst, bis zum Beweis des Gegenteils, von der Nichtexistenz ausgeht.

 

Warum ich Atheist bin

Warum sollte man nicht an Gott glauben? Die Mehrheit der Menschen tut es doch!

Für einen Nicht-Glauben an Gott gibt es einen ganz einfachen Grund. Ich glaube nicht an Gott aus Mangel an Beweisen.

Nehmen wir eine Analogie, um das Prinzip zu erklären. Angenommen, ein vertrauenswürdiger Freund erzählt mir, dass in ein leer stehendes Haus in der Nähe eine fünfköpfige Familie einzieht, Vater, Mutter und drei Kinder. Dann werde ich ihm dies ohne weiteres glauben. Denn das ist für den Ortsteil, in dem ich lebe, völlig normal. Aber angenommen, ich kenne das Haus und weiß, dass es eben nicht leer steht und dass darin eine Bekannte von mir lebt, mit der ich erst kürzlich gesprochen habe, und die auf jeden Fall hier weiter leben wollte. Dann würde ich anfangen, an der Geschichte zu zweifeln. Ich hätte immer noch keinen Grund, an meinem Freund zu zweifeln – denn solche Dinge kommen vor, und meine Bekannte könnte inzwischen ihre Meinung geändert haben. Aber ich würde so etwas wie einen Beweis oder ein Indiz fordern, bevor ich das glaube.

Wenn nun aber mein Freund behauptet, dass in das Haus eine Familie vom Sirius einzieht, menschenähnliche Außerirdische – dann würde ich mit völligem Unglauben reagieren, Vertrauenswürdigkeit hin oder her. Ich würde einen starken Beweis für seine Behauptung verlangen. Und nur nach dem Vorliegen eines sehr überzeugenden Beweises (Fotos würden mir beispielsweise nicht ausreichen) würde ich anfangen, an diese Geschichte zu glauben (im Sinne von: vermuten, es sei wahr).

D. h. je weiter etwas von meiner alltäglichen Erfahrung weg ist, umso stärker müssen die Beweise sein, dass es wahr ist. Das ist das »normale« Verfahren. Das gilt in ganz besonders starkem Maße, wenn die gemachte Behauptung von mir eine Revision meines Denkens oder meiner Lebensweise erfordert. Je weiter etwas von meiner Wissensbasis entfernt ist, umso vollkommener (überzeugender) müssen die Beweise sein.

Nun ist es so, dass die Behauptung, dass es ein unendliches, ewiges, allmächtiges, (all)gütiges, allwissendes, unsichtbares und allgegenwärtiges Wesen gibt, unendlich weit von meiner eigenen Erfahrung weg ist. Außerirdische vom Sirius mag ich mir noch vorstellen können, aber bei Gott ist das fast unmöglich. Die Beweise für die Existenz Gottes müssten also sehr, sehr, sehr stark sein. Erheblich besser, als wenn ich annehmen sollte, es zögen Außerirdische in ein Nachbarhaus ein.

 

Ein Atheist ist jemand, der Beweise für Gott braucht

Diese starken Beweise aber – so geben die Theisten meist zu – existieren nicht. Im Gegenteil, die Gottesbeweise beruhen alle auf Denkfehlern und sind widerlegt (siehe Gottesbeweise / Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen, und die Berufung auf das Gefühl ist noch sehr viel schwächer. Auch die Behauptung, man müsse eben auf Beweise verzichten und »einfach so« glauben kann nicht befriedigen. Denn dieses schwache Argument wird auch für Vishna, Krishna, Allah etc. angeführt. Danach könnte man sich für jeden Gott entscheiden – was aufgrund des Exklusivitätsanspruchs der monotheistischen  Religionen nicht möglich ist. Man kann an alles glauben, wenn man seine rationalen Skrupel über Bord wirft, aber warum sollte man? Denn um zu entscheiden, warum ich den einen Glauben einem anderen vorziehe, muss ich meine Vernunft einsetzen und die Argumente abwägen. Deswegen gibt es ein Primat der Vernunft  gegenüber dem Glauben. Es wäre fahrlässig, ohne Not auf die Ratio zu verzichten.

Warum das Primat der Vernunft ? Weil wir uns für einen Glauben entscheiden müssen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten zur Auswahl – selbst dann, wenn man sich auf das Christentum beschränkt. Wir können natürlich (wie die übergroße Mehrheit der Gläubigen) den erstbesten Glauben nehmen, mit dem wir als Kind konfrontiert wurden. Aber dann haben wir überhaupt keine Entscheidung getroffen, sondern diese dem »biografischen Zufall« überlassen. Wenn wir auf diese Weise keine Entscheidung treffen, dann können wir auch nicht behaupten, wir hätten eine rationale Entscheidung getroffen. Denn diese bestünde aus einem Abwägen der Gründe für und wider etwas. Man kann auch nicht einfach anfangen, etwas zu glauben, um es dann für die richtige Entscheidung zu halten, weil man es glaubt – dies ist ein logischer Zirkel. Allerdings locken so ziemlich alle Glaubensrichtungen damit, dass man sich erstmal auf den Glauben einlassen solle, der Rest würde sich dann finden. Was wiederum bedeutet, dass man keine Entscheidung trifft. Da fast alle religiösen Überzeugungen mit dieser Strategie der Entscheidungsvermeidung arbeiten, ergibt sich daraus kein Grund, sich auf die eine oder die andere Richtung festzulegen. Dieser »Grund« (wenn es denn einer wäre) spricht für alle Weltanschauungen, also für keine bestimmte. Wie wir es auch drehen und wenden: Ohne ein Abwägen der Gründe für und wider gibt es keine Entscheidung. Die Gründe können sich nicht erst einstellen, wenn wir bereits glauben. Wir müssen also mit dem Abwägen beginnen, bevor wir anfangen, zu glauben. Andernfalls ist es eine Täuschung, anzunehmen, man habe sich aus vernünftigen Gründen für den Gottesglauben entschieden.

 

»Nur glauben« reicht nicht

Es nützt auch nichts, mir vorzuhalten, man müsse schließlich an etwas ohne Beweise glauben, z. B. an die Logik. Zum einen ist die Logik ein ungeeignetes Beispiel, weil sie Voraussetzung meines Denkens ist. D. h., es ist kein Glauben nötig, sondern die Existenz der Logik ist die Vorbedingung, um überhaupt glauben zu können. Das gilt für viele andere Beispiele auch – ich halte es sogar für einen unlauteren Trick, solche Beispiele überhaupt zu benutzen, was mein Misstrauen noch verstärkt. Zum anderen, selbst wenn der Theist recht hätte, und es gäbe Dinge, an die ein Glauben unverzichtbar ist, dann hätte ich nicht die Wahl, ob ich daran glaube oder nicht.

Ich habe aber die Wahl, ob ich an Gott glaube oder nicht. Mehr noch: Ich sehe in den Naturwissenschaften, dass Erklärungen besser sind, die auf Gott verzichten. Ich sehe sogar den Erkenntnisfortschritt, den es gegeben hat, seitdem man auf Gott als »Supererklärung« verzichtet hat. Die Behauptung, wir sollten auf starke Beweise verzichten, weil dieses in diesem Fall nicht sinnvoll ist, ist wiederum eine Behauptung, die weit weg von aller alltäglichen Vernunft ist und wiederum eines starken Beweises bedürfte, damit man sie akzeptieren könnte. Die Beweislast liegt bei den Theisten, die solches behaupten.

Gott mag existieren oder nicht existieren – dies ist von unserem Glauben daran vollkommen unabhängig. Aber für den Glauben selbst bräuchte man eine rationale Rechtfertigung, und die gibt es nicht _4_. Folglich ist es sinnvoll, nicht an Gott zu glauben, bis zum Vorliegen eines wirklich starken Beweises. Und deswegen bin ich Atheist.

Lesen Sie weiter: Bayes Theorem
»George Bush sagt, dass er jeden Tag zu Gott spricht, und die Christen lieben ihn dafür. Wenn Bush behaupten würde, er spräche zu Gott durch seinen Föhn, dann würden sie ihn für verrückt halten. Ich kann nicht verstehen, wieso der Zusatz eines Föhns dies absurder macht . (Sam Harris

1. Dies kann man nämlich so generell nicht behaupten. Wenn man allerdings einen Gott mit spezifischen Eigenschaften nimmt, so kann man anhand der Eigenschaften schon feststellen, ob dieser spezielle Gott existiert oder nicht – unter bestimmten Voraussetzungen Zurück zu 1

2. Wenn jemand noch nie von Briefmarken gehört hat, ist er trotzdem ein Nicht-Briefmarkensammler. Er ist es auch dann, wenn es keine Briefmarken gibt! Zurück zu 2

3. Was ich persönlich für falsch halte: Es gibt sehr wohl Möglichkeiten, die Existenz von Göttern mit bestimmten Eigenschaften  zu widerlegen. Zurück zu 3

4. Persönliches Wohlfühlen erkenne ich nicht als rationalen Grund an – in der Wissenschaft werden die Dinge auch nicht wahr, weil ich mich damit »wohl fühle«. Abgesehen davon wird dies als »Argument« von jeder bekannten Glaubensrichtung verwendet, es spricht also allenfalls dafür, dass der Glauben unabhängig vom Inhalt und unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt ein Wohlbefinden vermittelt. Auch ein Faschist oder Rassist fühlt sich in seiner Überzeugung an seine »Überlegenheit« sichtlich wohl. Selbst wenn es den Tatsachen völlig widerspricht, vielleicht sogar gerade deswegen. Zurück zu 4


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