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Die Begründung des Atheismus
 Hier entsteht ein Bereich, der sich speziell mit
dem Atheismus beschäftigt. Den großen Teil der Auseinandersetzung finden Sie
unter Psychologie, Religion und Glauben. Falls Sie die
Seite von Frank Welker über Atheismus suchen - die existiert leider nicht mehr.
Hinweis in eigener Sache:
Wer mich gerne Live erleben möchte, der hat dazu die Gelegenheit, einen Vortrag von mir zu hören zum Thema Naturalismus. Die Ankündigung finden Sie hier:
Naturalismus - Leben ohne Geister, Götter und Dämonen
Dies findet im Rahmen einer Veranstalungsreihe der Säkularen Humanisten statt. Wer mich also gerne einmal persönlich kennenlernen möchte, und wer mit mir diskutieren möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen!
Inzwischen hat sich einiges getan. Vor allem bin ich beruflich inzwischen so stark eingespannt, dass es mir schwer fällt, mein Engagement aufrecht zu erhalten. Das gilt auch für meine Tätigkeit bei mykath.de, hinzu kommt, dass mich da einige Entscheidungen der Moderatoren geärgert haben.
Neue Version: Unter Illusion der Willensfreiheit finden Sie eine überarbeitete Fassung des Textes von Harry Krämer zu dem spannenden Thema Willensfreiheit.
Neuer Service: An dieser Stelle finden Sie aktuelle Nachrichten aus der Politik sowie aus Wissenschaft und Forschung.
Neues Design: Das neue Design von → Atheismus-Online stammt wieder von TIFA29, → http://www.tifa29.de, ebenso das Design von → http://www.atheismus-info.de. Ich hoffe, es gefällt Ihnen auch gut wie mir ...
Murks! Ich sehe gerade, dass alle meine Links auf Bibeltexte kaputt sind - der Server bible.gospelcom.net hat ohne Vorwarnung seine Formate geändert, vor allem bietet er keine revidierte Elberfelder Ausgabe mehr an. Inzwischen habe ich die Links durch einen Verweis auf einen anderen Bibelserver ersetzt (→ http://www.mf.no/), ich kann aber noch nicht garantieren, dass alle Links wieder funktionieren, die meisten gehen aber.
NEU! Neue Website: Unter → http://www.atheismus-info.de finden Sie eine neue Website, die sich mit dem Atheismus beschäftigt. Ich bin dafür kritisiert worden, dass meine Texte zu kompliziert zu lesen sind, mit allen den Syllogismen über Gott und die Religion. Daher habe ich mich entschlossen, eine Website zu gestalten, auf der einfacher argumentiert wird. Außerdem soll auf dieser Website gezeigt werden, wie man als Atheist argumentieren kann, ferner werde ich dort im nächsten Jahr einige neue Ideen realisieren, die mir schon lange im Kopf herumgeistern. Lesen Sie den ersten (leider etwas längeren Artikel): → Einführung in den Atheismus - Diskussionen über den Atheismus und sehen Sie selbst ...
NEU! Kleiner Hinweis: Neuerdings finden Sie vor einigen Links das Zeichen →, dies bedeutet, der Link führt Sie auf eine externe Website. Links, vor denen dieses Zeichen nicht steht, führen hingegen zu Artikeln auf dieser Website.
Ferner habe ich die Druckseiten verbessert, da man auf ihnen (sofern man sie ausgedruckt hat) nicht auf Links klicken kann, steht die Linkadresse hinter dem Text, zusammen mit dem Verweispfeil.
* Wichtiger Hinweis zur Website, bitte unbedingt lesen!
Wichtiger Hinweis in eigener Sache: Durch einen totalen Festplattencrash habe ich alle Änderungen an meiner Website verloren - und leider auch alle E-Mail. Falls Sie mir im letzten Monat eine E-Mail geschrieben haben und ich nicht geantwortet habe, dann werde ich das auch nicht mehr können. Bitte schicken Sie mir Ihre E-Mail nochmal!
Das Ganze wirft mich leider weit zurück. Auch die neue Software zur Erstellung meiner Website ist verloren, die Sicherungskopien sind leider unbrauchbar. Ich habe eine ganze Menge verloren. Es tut mir Leid, dass ich nicht mit besseren Neuigkeiten aufwarten kann ...
NEU! Wichtiger Hinweis zu einem anderen Thema: Stehen Sie kurz vor einer Abtreibung? Dann sollten Sie sich diese Entscheidung noch einmal überlegen. Sie finden dazu Hilfe, Anregungen, Tipps etc. unter: → www.vor-abtreibung.de. Reden darüber können Sie in einem eigens dafür eingerichteten → Forum zum Thema Schwangerschaft und Abtreibungen. Ich mag zwar Atheist sein, aber das macht mich nicht zu einem Befürworter von Abtreibungen!
NEU! NEU! NEU! Neues Forum!: Mein eigenes Forum war bislang schlecht besucht, aus einem guten Grund - es ist Schrott. Aber dankenswerterweise habe ich nun ein neues Forum, in dem ich gerne alle Fragen mit Ihnen diskutiere: → Atheisten.org. Sie können sich dort kostenlos anmelden. Interessante Fragen aus dem alten Forum (und aus einigen Mails) werde ich nach und nach dorthin transferieren.
NEU! Schluss mit Lustig: Auf der neuen Website → www.hahne-buechen.de finden Sie eine Kritik an Peter Hahnes Buch "Schluss mit Lustig" - ein Beitrag zur Wertediskussion.
NEU! Glaubenszweifel - die Website für den Zweifel: Unter → http://www.glaubenszweifel.de finden Sie eine neue Website, die sich mit Zweifel am Glauben und Unglauben beschäftigt.
NEU! Eine Herausforderung für atheistische Ansichten Von einer amerikanischen Website (→ Questions and challenges for atheists) habe ich ein paar Fragen, die von Theisten an Atheisten gestellt werden. Hier sind meine Antworten: Fragen an Atheisten.
Weitere neuere Artikel: Neuigkeiten
Umfrage zu Gott: Ich habe eine kleine Umfrage zur Existenz des christlichen Gottes gemacht, es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie daran teilnehmen. Ich möchte gerne wissen, wie meine Besucher darüber denken. Selbstverständlich ist die Umfrage vollständig anonym.
Umfrage zur Existenz Gottes
Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Natürlich können Sie sich die Umfrageergebnisse auch ansehen, ohne daran teilzunehmen.
Umfrage zur Website: Und weil ich gerade dabei bin, hier noch eine Umfrage zur inhaltlichen Qualität dieser Website:
Umfrage zur Website
NEU! NEU! NEU!
Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum nicht - wie früher - ständig neue Artikel auf dieser Website veröffentlich werden. Der Grund dafür ist einfach: Ich schreibe an einem Buch über Religion. Es entsteht also momentan das Buch zur Website. Ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen, weil viele Leser danach gefragt haben. Den Titel des Werks möchte ich noch nicht verraten.
Das Projekt wird mich noch eine Weile beschäftigt halten, so etwas schreibt man nicht so nebenbei. In dem Buch werden Sie vieles finden, was Sie hier noch vermissen - einen roten Faden, eine systematische Übersicht, eine klare Struktur und eine genaue Erläuterung aller notwendigen Grundlagen. Ferner sind Themen, die ich hier nur angerissen habe oder die ganz fehlen, ein wichtiger Bestandteil des Werkes. Gerne nehme ich auch noch Anregungen von Ihnen auf, lieber Leser, sofern sie in das Konzept des Buches passen. Außerdem ist das Ganze einfacher geschrieben und daher leichter verständlich, ohne oberflächlich zu sein.
Ob, wann und wie das Buch veröffentlich wird, kann ich noch nicht sagen.
Was das Buch so interessant macht: Es füllt eine Lücke. Ein Buch über Religion, Glauben und Atheismus dieser Art gibt es m. W. noch nicht in der deutschen Literatur. Viel ist über den Glauben geschrieben worden, doch der Glauben aus der Sicht eines früher gläubigen Menschen und jetzigen Atheisten ist so noch nicht geschildert worden. Dabei nimmt der Atheismus - spätestens seit der Aufnahme der fünf neuen Bundesländer - stetig an Bedeutung zu. Dies ist das Buch, das mir stets gefehlt hat, und fast bedaure ich es, es selbst schreiben zu müssen und nicht einfach lesen zu können.
Warum veröffentliche ich das Buch nicht einfach auf meiner Website? Das hat nur einen Grund: Viele Menschen - zu denen auch ich gehöre - mögen lieber ein Buch lesen als lange Texte auf dem Computer, ein Buch ist einfach praktischer, man kann es überall lesen, in der Badewanne, auf der Toilette oder im Bett.
Ansonsten bin ich - wie immer - sehr stark an einem Linktausch interessiert. Von einem Linktausch profitieren Sie ebenfalls - meine Seite hat inzwischen ein hohes Page Ranking bei →Google - geben Sie mal "Atheismus" ein, meine Seite erscheint dort als erste - und wenn eine Seite mit einem hohen Ranking auf Ihre Seite zeigt, dann erhöht sich auch Ihr Ranking! Da es sich gezeigt hat, dass die meisten Leute maximal auf die Links von den ersten drei bis sieben Seiten klicken, kann es sein, dass Ihre Seite nur über meine Seite gefunden wird! Es lohnt sich also.
Kontakt: E-Mail schreiben - Feedback-Formular - Neuer Eintrag im Gästebuch - Gästebuch ansehen
Diskussionsbedarf: Wer gerne ausgiebig mit mir öffentlich diskutieren möchte, der findet mich auf → Atheisten.org unter dem Namen Volker.
Mykath.de: Außerdem finden Sie mich auch auf → mykath.de unter dem Namen Volker.
Ferner diskutiere ich auch im → Freigeisterhaus des → IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten) öfters mit, ebenfalls unter dem Namen Volker.
Diskussions-Forum: Neuen Beitrag schreiben - Vorhandene Beiträge ansehen
Dieses alte Forum bitte nicht mehr benutzen, es wird demnächst abgeschaltet!
Das alte Forum war technisch so schlecht, dass viele Leser es mit Recht kritisiert haben, daher bin ich in ein technisch besseres Forum umgezogen (→ Atheisten.org). Sie müssen sich dort anmelden, aber das alles ist kostenlos! Vielen Dank, Andy!
Inhaltsverzeichnis
- Warum ich Atheist bin
- Bayes Theorem
- Sind Gläubige leichtgläubig?
- Suche in der Dunkelheit
- Brief an einen Atheisten - die Antwort
- NEU! Das Argument des Unglaubens
- NEU! Unglauben und freier Willen
Außerdem plane ich eine Bildergalerie zum Thema - erste vorsichtige Versuche können Sie sich hier ansehen.
Was ist Atheismus?
Aus dem Glossar:
Atheismus: Wenn Theismus der Glaube an Gott ist, dann ist Atheismus der Nicht-Glauben an Gott, d. h. das Fehlen eines Glaubens an übernatürliche Wesenheiten. Ein Atheist ist als nicht jemand, der sagt "Es gibt keinen Gott" [1] sondern jemand, der sagt "Ich glaube nicht an Gott".
Agnostizismus: Gnosis heißt "Erkenntnis", also bezeichnet Agnostizismus Nicht-Erkenntnis. Im Zusammenhang mit Gott ist ein Agnostiker jemand, der sagt, dass man die Existenz Gottes nicht erkennen kann
Die Frage ist, ob man den Atheismus rational und undogmatisch rechtfertigen kann oder nicht. Genau dieser Frage, ob es geht und wie es geht, ist Thema dieser Website. Keineswegs ist der Atheismus eine Ideologie, sondern es handelt sich um die Negation (Verneinung) einer Ideologie.
Weitere Verweise zum Thema Atheismus (auf anderen Websites) finden Sie auf meiner Linkseite. Bücher zum Thema Atheismus finden Sie im Literaturverzeichnis.
Das Bild der Atheisten wird von den Theisten häufig sehr negativ gezeichnet. So wird den Atheisten ganz gerne ein genereller Hang zu unmoralischem Verhalten nachgesagt. Dies geschieht aber meist nicht mit lauteren Argumenten, sondern auf eine Art und Weise, die weder moralisch noch logisch einwandfrei ist. Dazu lesen Sie bitte Warum Christen die besseren Menschen sind, Euthyphrons Dilemma und Was ist eigentlich Sünde?.
Kleine Kinder sind z. B. Atheisten, bis ihnen ein Erwachsener die Idee nahe bringt, es gäbe einen Gott. Menschen, die noch nie etwas von Gott gehört haben und deswegen keinen Glauben an ihn haben, bezeichne ich als "implizite Atheisten". Menschen, die über Gott und den Glauben nachgedacht haben und deswegen den Glauben ablehnen, beschreibe ich als "explizite Atheisten". Menschen, die behaupten, es gäbe keinen Gott, bezeichne ich als Antitheisten. Und Agnostiker bezeichne ich auch weiterhin aus Respekt als Agnostiker, obwohl sie meiner Definition nach Atheisten sind (und ich ihrer Definition nach Agnostiker). Zur Unterscheidung von Atheisten und Agnostiker siehe auch das FAQ: Agnostizismus und Atheismus - wo ist da der Unterschied?.
Muss man den Atheismus rechtfertigen?
Eigentlich muss man das nicht. Aber man kann es. Vor allem muss man den Leuten erklären, was Atheismus eigentlich ist. Häufig wird eine falsche Definition von Atheismus verwandt und diese dann demontiert. Das machen einige Theologen, z. B. der Herr Küng 2001, sehr gerne. Es gibt nämlich (so sagt inzwischen die Mehrheit der Theologen) keinen Beweis für die Existenz Gottes. Wenn nun ein Atheist tatsächlich behaupten würde (wie der Theologe ihm fälschlicherweise unterstellt), es gäbe keinen Gott, so müsste der Atheist einen positiven Beweis der Nichtexistenz führen, was logisch unmöglich ist. Nur wer allwissend ist, könnte definitiv behaupten, dass kein Gott existiert. Also ist der Atheismus irrational. Damit wäre allerdings die Behauptung, es gäbe keinen Weihnachtsmann, gleichermaßen irrational.
Man wird aber fast keinen einzigen Atheisten aus den letzten Jahrhunderten finden, der behauptet, Gott existiere nicht. Hier wird eine falsche Definition von Atheismus zugrunde gelegt, um die Atheisten auf dieser Basis diskreditieren zu können. Denn sowohl die Mehrheit der Theologen als auch die Mehrheit der Atheisten oder die Mehrheit der Agnostiker sind sich darüber völlig einig, dass es keinen Beweis für und auch keinen Beweis gegen einen Gott gibt. Es sind die Theisten, die sagen, dass man daher einen Glauben an Gott benötigt, sozusagen als Ersatz für einen Beweis. Und ein Atheist ist schlicht jemand, dem dieser Glauben fehlt bzw. jemand, der Glauben für einen schlechten Ersatz für Wissen hält, und der daher die Idee, man könne jenseits des Wissens und jenseits des Erkennens etwas wissen oder erkennen, oft für unsinnig hält (mit Ausnahmen - es gibt auch Esoteriker, die Atheisten sind). Außerdem müsste man genauer über die Eigenschaften Bescheid wissen, die ein Gott haben soll, um zu erwägen, ob dieser Gott existieren kann oder nicht.
Es gibt eine unendlich große Menge an Dingen, an die wir nicht glauben. Bei gläubigen Christen gehören z. B. fast alle Götter anderer Religionen dazu. Also sind auch Gläubige dazu fähig, an etwas nicht zu glauben, obwohl sie keinen "Beweis für die Nichtexistenz" haben. Es ist nämlich nicht möglich, einen Beweis für Nichtexistenz zu haben - deswegen ist es irrational, an etwas zu glauben, weil die Nichtexistenz nicht bewiesen wurde ... In der logischen Umkehrung wäre es also nur rational, an etwas zu glauben, dessen Existenz bewiesen wurde oder zumindest sehr wahrscheinlich ist oder dessen Existenz unbedingt notwendig ist, um nachgewiesene Phänomene zu erklären. Mit der Hypothese "Gott existiert" kann man aber nichts erklären - siehe Wie Theologen die Welt erklären.
Warum ich Atheist bin
Warum sollte man nicht an Gott glauben? Die Mehrheit der Menschen tut es doch!
Für einen Nicht-Glauben an Gott gibt es einen ganz einfachen Grund. Ich glaube nicht an Gott aus Mangel an Beweisen.
Nehmen wir eine Analogie, um das Prinzip zu erklären. Angenommen, ein vertrauenswürdiger Freund erzählt mir, dass in ein leer stehendes Haus in der Nähe eine fünfköpfige Familie einzieht, Vater, Mutter und drei Kinder. Dann werde ich ihm dies ohne weiteres glauben. Denn das ist für den Ortsteil, in dem ich lebe, völlig normal. Aber angenommen, ich kenne das Haus und weiß, dass es eben nicht leer steht und dass darin eine Bekannte von mir lebt, mit der ich erst kürzlich gesprochen habe, und die auf jeden Fall hier weiter leben wollte. Dann würde ich anfangen, an der Geschichte zu zweifeln. Ich hätte immer noch keinen Grund, an meinem Freund zu zweifeln - denn solche Dinge kommen vor, und meine Bekannte könnte inzwischen ihre Meinung geändert haben. Aber ich würde so etwas wie einen Beweis oder ein Indiz fordern, bevor ich das völlig glaube.
Wenn nun aber mein Freund behauptet, dass in das Haus eine Familie vom Sirius einzieht, menschenähnliche Außerirdische - dann würde ich mit völligem Unglauben reagieren, Vertrauenswürdigkeit hin oder her, und ich würde einen starken Beweis für seine Behauptung verlangen. Und nur nach dem Vorliegen eines sehr überzeugenden Beweises (Fotos würden mir beispielsweise nicht ausreichen) würde ich anfangen, an diese Geschichte zu glauben (im Sinne von: vermuten, es sei wahr).
D. h. je weiter etwas von meiner alltäglichen Erfahrung weg ist, umso stärker müssen die Beweise sein, dass etwas wahr ist. Das ist das "normale" Verfahren. Das gilt in ganz besonders starkem Maße, wenn die gemachte Behauptung von mir eine Revision meines Denkens oder meiner Lebensweise erfordert. Je weiter etwas von meiner Wissensbasis entfernt ist, umso perfekter (überzeugender) müssen die Beweise sein.
Nun ist es so, dass die Behauptung, dass es ein unendliches, ewiges, allmächtiges, (all)gütiges, allwissendes, unsichtbares und allgegenwärtiges Wesen gibt, unendlich weit von meiner eigenen Erfahrung weg ist. Außerirdische vom Sirius mag ich mir noch vorstellen können, aber bei Gott ist das fast unmöglich. Die Beweise für die Existenz Gottes müssten also sehr, sehr, sehr stark sein, erheblich besser, als wenn ich annehmen sollte, es zögen Außerirdische in ein Nachbarhaus ein.
Diese starken Beweise aber - so geben die Theisten selbst zu - existieren nicht. Im Gegenteil, die Gottesbeweise beruhen alle auf Denkfehlern und sind widerlegt (siehe Gottesbeweise / Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen), und die Berufung auf das Gefühl ist noch sehr viel schwächer. Auch die Behauptung, man müsse eben auf Beweise verzichten und "einfach so" glauben kann nicht befriedigen - denn dieses schwache Argument wird auch für Vishna, Krishna, Allah etc. angeführt. Danach könnte man sich für jeden Gott entscheiden - was aufgrund des Exklusivitätsanspruchs der Religionen nicht möglich ist. Man kann an alles glauben, wenn man seine rationalen Skrupel über Bord wirft, aber warum sollte man? Denn um zu entscheiden, warum ich den einen Glauben einem anderen vorziehe, muss ich meine Vernunft einsetzen und die Argumente abwägen. Deswegen gibt es ein Primat der Vernunft gegenüber dem Glauben. Es wäre fahrlässig, ohne Not auf die Vernunft zu verzichten.
Warum das Primat der Vernunft? Weil wir uns für einen Glauben entscheiden müssen (es gibt sehr viele Möglichkeiten zur Auswahl - selbst dann, wenn man sich auf das Christentum beschränkt). Wir können natürlich (wie die übergroße Mehrheit der Gläubigen) den erstbesten Glauben nehmen, mit dem wir als Kind konfrontiert wurden - aber dann haben wir überhaupt keine Entscheidung getroffen, sondern diese dem "biografischen Zufall" überlassen. Wenn wir auf diese Weise keine Entscheidung treffen, dann können wir auch nicht behaupten, wir hätten eine rationale Entscheidung getroffen, denn diese bestünde aus einem Abwägen der Gründe für und wider etwas. Man kann auch nicht einfach anfangen, etwas zu glauben, um es dann für die richtige Entscheidung zu halten, weil man es glaubt - dies ist ein logischer Zirkel. Allerdings locken so ziemlich alle Glaubensrichtungen damit, dass man sich erstmal auf den Glauben einlassen solle, der Rest würde sich dann finden - was wiederum bedeutet, dass man keine Entscheidung trifft. Da fast alle Glaubensrichtungen mit dieser Strategie der Entscheidungsvermeidung locken, ergibt sich daraus kein Grund, sich für die eine oder die andere Richtung zu entscheiden. Dieser "Grund" (wenn es denn einer wäre) spricht für alle Glaubensrichtungen, also für keinen bestimmten. Wie wir es auch drehen und wenden: Ohne ein Abwägen der Gründe für und wider gibt es keine Entscheidung, die Gründe können sich nicht erst einstellen, wenn wir bereits glauben, wir müssen also mit dem Abwägen beginnen, bevor wir anfangen, zu glauben, ansonsten ist es eine Täuschung, anzunehmen, man habe sich aus vernünftigen Gründen für den Glauben entschieden.
Es nützt auch nichts, mir vorzuhalten, man müsse schließlich an etwas ohne Beweise glauben, z. B. an die Logik. Zum einen ist die Logik ein ungeeignetes Beispiel, weil sie Voraussetzung meines Denkens ist, d. h., es ist kein Glauben nötig, sondern die Existenz der Logik ist die Vorbedingung, um überhaupt glauben zu können (das gilt für viele andere Beispiele auch - ich halte es sogar für einen unlauteren Trick, solche Beispiele überhaupt zu benutzen, was mein Misstrauen noch verstärkt). Zum anderen, selbst wenn der Theist recht hätte, und es gäbe Dinge, an die ein Glauben unverzichtbar ist, dann hätte ich nicht die Wahl, ob ich daran glaube oder nicht.
Ich habe aber die Wahl, ob ich an Gott glaube oder nicht. Mehr noch: Ich sehe in den Naturwissenschaften, dass Erklärungen besser sind, die auf Gott verzichten. Ich sehe sogar den Erkenntnisfortschritt, den es gegeben hat, seitdem man auf Gott als Supererklärung verzichtet hat. Die Behauptung, wir sollten auf starke Beweise verzichten, weil dieses in diesem Fall nicht sinnvoll ist, ist wiederum eine Behauptung, die weit weg von aller alltäglichen Vernunft ist und wiederum eines starken Beweises bedürfte, damit man sie akzeptieren könnte. Die Beweislast liegt bei den Theisten, die solches behaupten.
Gott mag existieren oder nicht existieren - dies ist von unserem Glauben daran vollkommen unabhängig - aber für den Glauben selbst bräuchte man eine rationale Rechtfertigung, und die gibt es nicht [2]. Folglich ist es sinnvoll, nicht an Gott zu glauben, bis zum Vorliegen eines wirklich starken Beweises. Und deswegen bin ich Atheist.
In den anderen Artikeln zum Thema Psychologie, Religion und Glauben beschäftige ich mich mit der Religion, speziell der christlichen und dem Wesen des Glaubens:
Wieso glauben wir, woran wir glauben und wie funktioniert der Glauben? Diese Fragen werden hier psychologisch fundiert beantwortet - und das theologisch-christliche Denken zugleich fundamental kritisiert. Es wird gezeigt, dass es keine rationale Rechtfertigung für den Glauben gibt, und dass demgegenüber der Atheismus (das Fehlen eines Glaubens an Gott) eine vernunftgemäße Grundlage hat. Das Denken in der Religion ist archaischer Natur, es ist dogmatisch-stagnierend und führt zur Intoleranz, weil sich der Glauben nicht mit der Vernunft verteidigen kann, sondern mit den Mitteln der Indoktrination und des Zwangs arbeiten muss, um sich durchzusetzen. Toleranz und Meinungsfreiheit folgen aus der Idee, sich irren zu können. Während die Wissenschaft den Irrtum einkalkuliert und ihm einen hohen Stellenwert bei der Erkenntnis zuweist, versucht der Theismus, den Irrtum zu verdrängen und zu ignorieren und sucht nach Erkenntnis jenseits der Erkenntnis, Wissen jenseits des Wissens und versucht die wissenschaftlich erklärbare Welt mit dem Unerklärlichen zu mystifizieren und dem Verstehen zu entziehen. Aber jenseits der Vernunft gibt es nur Unvernunft, jenseits des Verstehens nur Unverständnis und jenseits des Verstands nur Unverstand. Jenseits des Rationalen lauern die Denkfallen des Irrationalen und wer vom Obskurantismus angelockt in sie hingerät, der wird seinen Verstand gebrauchen müssen, um aus dem Labyrinth wieder hinauszufinden. Wie man dies macht, das ist das Thema dieser Seiten, eine Anleitung zur Dekonstruktion christlichen Denkens, eine Wegbeschreibung zum eigenständigen Denken, eine Anleitung, der Gedankenkontrolle der Religion zu entkommen. Denken in Freiheit ist das Ziel der Aufklärung.
Bis dieser Bereich fertig ist, muss ich Sie leider vertrösten, aber es gibt bereits einige Artikel zu diesen Themen im Bereich Psychologie, Religion und Glauben:
Interessante Literatur zum Thema
Pro Atheismus
Boyer, Pascal: 2004, Und Mensch schuf Gott, Klett-Cotta , Stuttgart. Eine anthropologische, neurobiologische und linguistische Theorie, warum der Mensch Gott erfinden musste, eine Theorie sämtlicher existierender Religionen - gründlich fundiert und experimentell abgesichert. Ein Muss, wenn man wissen will, wieso die Religionen entstanden sind.
Mackie, John L.: 1985, Das Wunder des Theismus, Reclam, Ditzingen. Eine der besten deutschsprachigen Einführungen in den Atheismus.
Barker, Dan: 1992b, Losing Faith In Faith. From Preacher To Atheist., Freedom From Religion Foundation, Inc., Madison. Das Buch eines Mannes, der 19 Jahre lang fundamentalistischer Priester war und der Atheist wurde. Humorvoll zu lesen, aber eben auch sachlich-fundiert.
Drange, Theodore M.: 1998, Nonbelief and Evil: Two Arguments for the Nonexistence of God, Prometheus Books, New York. Zwei Argumente für die Nichtexistenz des (christlichen) Gottes, eines davon ist das Theodizeeproblem, hier systematisch dargestellt und mit einer Widerlegung der meisten bekannten Lösungen des Problems.
Gale, Richard M.: 1993, On the Nature and Existence of God, Cambridge University Press, Cambridge. Sehr in die Tiefe gehendes Werk über die Natur Gottes.
Martin, Michael: 1990, Atheism: A Philosophical Justification, Temple University Press, Philadelphia. Das grundlegende Werk zur Einführung in den Atheismus, sehr anspruchsvoll.
Martin, Michael (Hrsg.) und Monnier, Ricki (Hrsg.): 2002, The Impossibility of God, Prometheus Books, New York. Ein Buch mit sog. atheologischen Argumenten, die beweisen, dass es keinen Gott geben kann.
Minois, Georges: 2000, Geschichte des Atheismus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart., Böhlaus Nachf., Weimar. Das Geschichtswerk über den Atheismus.
Smith, George H.: 1979, Atheism : The Case Against God, Prometheus Books, New York. Gründliche und systematische Einführung in den Atheismus.
Contra Atheismus
Bibel: 2001, Die Bibel, R. Brockhaus, Haan. Das Buch der Bücher – laut Isaac Asimov eine der besten Begründungen für den Atheismus, die je ersonnen wurden.
Fries, Heinrich und Glockmann, Peter: 1971, Ich sehe keinen Gott, Herderbücherei, Freiburg. Auseinandersetzung mit dem Atheismus aus gläubiger Sicht.
Frossard, André: 1970, Gott existiert. Ich bin ihm begegnet., Herder, Freiburg. Ein überzeugter Atheist begegnet Gott und wird so von seiner Existenz überzeugt - kein Roman, sondern ein autobiographischer Bericht eines Ex-Atheisten.
Küng, Hans: 2001, Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, Piper, München. Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes aus theologischer Sicht, fundiert, aber langatmig und wenig befriedigend
Kutschera, Franz von: 1991, Vernunft und Glaube, de Gruyter, Berlin. Gründliche Einführung in den Glauben und eine Begründung dafür, warum es vernünftig ist, zu glauben.
Lewis, Clive Staples: 2001, Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben., Brunnen-Verlag, Gießen. Vernünftige Gründe eines ehemaligen Atheisten, warum er an Gott glaubt und Christ wurde, literarisch sehr gut gemacht und sehr gut zu lesen.
Sölle, Dorothee: 2002, Gott denken. Einführung in die Theologie., Dtv, München. Gute Einführung in die Theologie über Gott.
Weissmahr, Bela: 2002, Philosophische Gotteslehre, Kohlhammer, Stuttgart. Eine gründliche und tiefgehende philosophische Einführung in die Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben, argumentativ sicher das fundierteste Werk Pro-Werk, das ich bislang gelesen habe.
Das ist nur ein Ausschnitt aus meinem Literaturverzeichnis. Dort finden Sie noch weitere Literatur zum Thema.
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Konfusius, er zitiert: " Ein Atheist sagt nicht 'Es gibt keinen Gott', aber er sagt 'Ich weiß nicht, was Du mit Gott meinst; ich habe keine Idee, was Gott sein könnte; das Wort Gott ist für mich ein Laut ohne eine klare Bedeutung' ... 'Den Gott der Bibel verneine ich; an den christlichen Gott kann ich nicht glauben; aber ich bin nicht so voreilig und behaupte, es gäbe keinen Gott so lange Du mir nicht definieren kannst, was das ist'." ( Charles Bradlaugh)
Anmerkungen:
- Dies kann man nämlich so generell nicht behaupten. Wenn man allerdings einen Gott mit spezifischen Eigenschaften nimmt, so kann man anhand der Eigenschaften schon feststellen, ob dieser spezielle Gott existiert oder nicht - unter bestimmten Voraussetzungen. (Zurück)
- Persönliches Wohlfühlen erkenne ich nicht als rationalen Grund an - in der Wissenschaft werden die Dinge auch nicht wahr, weil ich mich damit "wohl fühle". Abgesehen davon wird dies als "Argument" von jeder bekannten Glaubensrichtung verwendet, es spricht also allenfalls dafür, dass der Glauben unabhängig vom Inhalt und unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt ein Wohlbefinden vermittelt. Auch ein Faschist oder Rassist fühlt sich in seinem Glauben an seine "Überlegenheit" sichtlich wohl, selbst wenn es den Tatsachen völlig widerspricht, vielleicht sogar gerade deswegen. (Zurück)
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