Intelligentes Design ist etwas für Leute, deren Gehirn nicht intelligent designed wurde.
Inhaltsverzeichnis:

      Das Designargument für Gott
      Widerlegung des Arguments
      Woran erkennen wir Design?
      Unvollständige Analogie
      Denkfehler der Komposition
      Infiniter Regress
      Könnte man die Widerlegung widerlegen?
      Nicht alles, was nach Planung aussieht, hatte auch einen Planer

 

Das Designargument für Gott

Das wohl bekannteste Argument für Gott ist das sog. »Designargument«.

Die populäre Variante dieses »Beweises« sieht so aus: Sie gehen an einem Strand spazieren und finden dort eine Uhr. Was ist nun plausibler: Dass diese Uhr durch bloßen Zufall entstanden ist, oder das sie ein Uhrmacher hergestellt hat? Wenn man sich vergleichsweise das Universum ansieht, welches sicher noch wunderbarer als eine Uhr ist, muss man dann nicht auch annehmen, dass es von einem »Uhrmacher« hergestellt wurde? Dieser Uhrmacher ist Gott!

Kurz gesagt: Von Dingen, die (vergleichsweise) komplex  sind und die eine nichtzufällige Anordnung haben (wie z. B. eine Uhr) schließen wir auf einen Hersteller.

Formal sieht der Beweis so aus – (P1), (P2) sind die Prämissen, (S) ist die Schlussfolgerung:

  1. (P1) Alle komplexen Dinge in ungewöhnlicher Anordnung wurden hergestellt.
  2. (P2) Das Universum ist komplex und ungewöhnlich angeordnet.
  3. (S) Daraus folgt: Das Universum wurde hergestellt – von einem Schöpfer (Gott).
 

Widerlegung des Arguments

(1) Wenn (P1) wahr ist, dann muss auch Gott geschaffen worden sein, der Schöpfer von Gott muss wiederum geschaffen worden sein usw. usf. Wenn man nun einwendet, dass Gott nicht geschaffen worden ist, dann ist (P1) als Annahme falsch, denn dort steht, dass alle komplexen Dinge (wie z. B. Gott) hergestellt wurden. Wenn aber (P1) falsch ist, ist auch die Schlussfolgerung falsch. Wenn man bei Gott eine Ausnahme macht, so ist damit die universelle Gültigkeit von (P1) widerlegt, folglich können komplexe und ungewöhnliche Dinge auch ohne einen Schöpfer entstehen. Das gilt auch für das Universum! Und das Universum hat den Vorteil, dass wir wissen, dass es existiert.

Man kann sogar sagen, dass dieses Argument widerlegt, dass das Universum einen Schöpfer braucht, denn nicht alles benötigt einen Schöpfer.

(2) Der Hauptfehler des Arguments liegt darin, dass es voraussetzt, was es zu beweisen sucht, d. h., es ist zirkulär. Es erklärt keine Komplexität, sondern setzt diese voraus. Komplexes (z. B. Gott) kann Komplexes (z. B. das Universum) schaffen – doch woher kommt die ursprüngliche Komplexität? Wenn man argumentiert, dass nichts Komplexes durch Zufall oder aus dem Nichts entstehen kann, dann hat man ein Argument gegen Gott. Wenn man aber annimmt, dass sich aus einfachen Dingen komplexe Dinge entwickeln können, dann ist es nicht notwendig, einen Gott anzunehmen. Man kann dann argumentieren, dass das Universum genau die Struktur hat, die man erwarten müsste, wenn man davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, denn erstaunlicherweise hat sich das Universum aus einfachsten Objekten gebildet. Oder man müsste einen Gott annehmen, der selbst sehr einfach gestrickt ist, also beispielsweise über kein Bewusstsein verfügt (denn Bewusstsein ist ein komplexes Phänomen). Oder man müsste annehmen, dass Gott selbst einer Evolution unterliegt. Auch diesen Schlussfolgerungen mögen Theisten nicht zustimmen.

(3) (P2) ist ebenfalls falsch (folgt aus (2)). Tatsächlich besteht das Universum aus sehr einfachen Bausteinen. Die aus diesen einfachen Bausteinen entstandene Komplexität hat sich entwickelt. Es lässt sich empirisch nachweisen, dass alle komplexen Objekte sich aus sehr einfachen Objekten zusammensetzen. Man kann also nicht sagen, dass das Universum komplex ist, man kann nur sagen, es hat sich so entwickelt.

Tatsächlich hat das Universum alle Eigenschaften eines Gebildes, das sich aus den einfachsten Dingen entwickelt hat. Der Weg geht stets von »einfach« zu »komplex«.

 

Woran erkennen wir Design?

(4) Woran erkennen wir Design? Daran, dass sich etwas von natürlichen Gegenständen unterscheidet. Sie finden am Strand eine Uhr und schließen darauf, dass es einen Uhrmacher gegeben haben muss. Bedeutet dies, wenn Sie einen Stein finden, dass es auch einen Steinemacher gegeben haben muss? Das wäre sogar denkbar – ich könnte das Hobby haben, perfekt natürlich aussehende Steine herzustellen, die so gut gemacht sind, dass sie von natürlichen Steinen nicht zu unterscheiden wären. Je perfekter ich arbeite, umso weniger Grund hätten Sie zur Annahme, der Stein sei künstlich hergestellt.

Anders gesagt, Sie können eine hergestellte Uhr von einem nicht hergestellten Stein an bestimmten Unterscheidungsmerkmalen auseinander halten. Beim Stein schließen Sie, dass er natürlich ist, bei der Uhr, dass sie hergestellt wurde. Was Sie benötigen, ist ein Referenzobjekt, um diesen Vergleich durchführen zu können.

Nun die Frage: Mit wie vielen Universen haben wir unser Universum verglichen, um den Schluss auf ein Design ziehen zu können? Wir könnten so einen Schluss nur genau dann ziehen, wenn wir unser Universum mit einem natürlich entstandenen Universum vergleichen. Da wir das nicht können, ist der Schluss nicht gerechtfertigt.

Der logische Fehler besteht darin, anzunehmen, dass »ähnliche Wirkungen auch ähnliche Ursachen« haben. Diese Zusatzannahme steckt implizit in dem Argument. Es führt aber zu einem logischen Widerspruch im Argument, der fatal ist. Natürliche und künstliche Dinge unterscheiden sich. Wir können diese Unterscheidung erkennen: Ein Blatt Papier unterscheidet sich vom Blatt eines Baumes. Ein Ziegelstein unterscheidet sich von einem in der Natur herumliegenden Stein. Ein Brückenpfeiler unterscheidet sich von einem Knochen, obwohl beide eine ähnliche Funktion haben. Wegen dieser Differenzen sehen wir, was hergestellt wurde und was nicht.

Die Uhr ist also unserem Universum unähnlich. Aber weil das Universum der Uhr ähnlich  sein soll, soll beides eine ähnliche  Ursache haben, einen Hersteller oder Schöpfer. Eigentlich müsste man sagen: Weil beides sich unähnlich ist, kann es keine vergleichbaren Ursachen haben. Entfernt man die Unlogik, so bekommt man ein Argument gegen Gott.

 

Unvollständige Analogie

(5) Beim Uhrmachergleichnis wird von der Analogie nur genau der  Teil entnommen, der für das spricht, was man zu beweisen sucht. Wenn aber der Teil der Analogie gültig ist, warum dann nicht auch die anderen Teile? Da wären z. B.:

  1. je komplexer etwas ist, umso mehr »Uhrmacher« waren daran beteiligt. Eine Uhr wird von vielleicht einem Dutzend Menschen hergestellt, ein Flugzeugträger von Tausenden, eine Stadt von Hunderttausenden. Folglich müssen eine sehr große Anzahl von Göttern an der Schöpfung unseres Universums beteiligt gewesen sein, je nach »Schöpfungsvermögen«. Es gibt aber keinen Grund, anzunehmen, dass es nur einen einzigen Schöpfer gibt.
  2. Noch nie ist ein Gegenstand wie eine Uhr durch körperlose Wesen geschaffen worden (fehlende empirische Evidenz). Folglich müssen auch die Schöpfer des Universums körperlich gewesen sein.
  3. Noch nie wurde eine Uhr aus dem Nichts geschaffen. Uhren werden durch Reorganisation vorhandener Materie geschaffen, also muss auch unser Universum durch Reorganisation bereits vorhandener Materie geschaffen worden sein.
  4. An den Fehlern der produzierten Dinge kann man erkennen, dass diese Dinge von nicht perfekten, unvollkommenen, fehlerbehafteten Wesen geschaffen wurden. An den Fehlern der Welt kann man also die Fehlerhaftigkeit der Götter ablesen.

Wenn man die ↑Logik aus dem Uhrmachergleichnis anerkennt und auf Gott überträgt, dann ist das nur möglich, wenn dieser Gott derselben ↑Logik gehorcht. Dann sind (1) bis (4) aber ebenfalls plausibel. Erkennt man das nicht an, bedeutet dies, dass man die ↑Logik in unzulässiger Weise überdehnt hat auf einen Bereich, in dem sie nicht gültig ist, folglich ist der Beweis durch Analogie ungültig. Auf der einen Seite behaupten Theisten gerne, sobald man ihren Glauben mit der ↑Logik kritisiert, dass die ↑Logik auf ihren Glauben und besonders auf Gott nicht anwendbar wäre (diese Behauptung wird meist nicht begründet). Wenn dies der Fall wäre, wären gleichzeitig auch alle logischen Gottesbeweise widerlegt – andernfalls wären die theistischen Behauptungen selbst-widersprüchlich. Auch hier versuchen viele Theisten, wieder zwei widersprüchliche Dinge gleichzeitig zu haben: Anwendung zur ↑Logik zum Beweis von Gott, Nichtanwendbarkeit der ↑Logik auf Gott. Sie sollten sich für eine Variante entscheiden. Besonders das Theodizeeproblem deutet darauf hin, dass wir sehr viele Evidenzen für die Richtigkeit von (4) haben.

 

Denkfehler der Komposition

(6) Im Beweis wird der logische Denkfehler der Komposition  begangen. Dieser ist ein Schluss von den Eigenschaften der Teile einer Menge auf die Eigenschaft der Menge selbst. Beispiel: Kaninchen erreichen nicht ein Alter von 100 Jahren. Folglich kann es vor mehr als 100 Jahren keine Kaninchen gegeben haben. Das ist offenkundig unsinnig. Kaninchen haben rote Augen (meistens), lange Ohren, einen Schwanz. Die Menge aller Kaninchen hat weder rote Augen, noch Ohren, noch einen Schwanz – kann aber länger als 100 Jahre existieren.

Analog: Selbst wenn  alle Dinge im Universum einen Schöpfer hätten, dann heißt dies nicht, dass die Menge aller existierenden Dinge ebenfalls einen Schöpfer haben muss, wie das Argument fälschlicherweise behauptet.

 

Infiniter Regress

Letztlich führt die ↑Logik des Beweises zu einem unendlichen Regress. Wenn das Argument gültig wäre, dann müsste Gott ihn selbst anerkennen. Das führt dazu, dass er einen »Superschöpfer« akzeptieren müsste. Wenn nun ein Gläubiger sagt, dass Gott eben alles weiß und daher auch, dass er der einzige Gott ist – dann zeigt dieses Wissen, dass das Argument fehlerhaft sein muss. Es bedeutet, dass Wissen existiert, das den Beweis ungültig macht.

Jedes Argument, mit dem man etablieren könnte, dass für Gott kein Superschöpfer existiert, ist ein Argument gegen das Designargument. Denn man kann dieses Argument auch auf das Universum selbst anwenden.

Man kann sich nicht damit herausreden, dass Gott eben das höchste Wesen ist, das existiert. Denn das setzt Wissen voraus, dass wir nicht haben (können). Gott selbst kann das auch nicht wissen, denn dazu müsste er wissen, dass er alles weiß. Das aber ist logisch unmöglich, weil er dazu auch das wissen müsste, was er nicht weiß. Wenn Gläubige zudem so freigiebig mit Eigenschaften sind, die Gott haben sollte, widersprechen sie ihrer eigenen Ansicht, dass man über Gott nichts wissen kann. Vermuten kann man allerdings viel. Aber die ständige Konstruktion von angeblichen Eigenschaften, die Gott haben soll, beweist nur, dass Gott eben eine ausgedachte Fiktion ist. Der Gläubige weiß aus denselben Gründen alles über Gott, wie der Autor eines Romans alles über seine Figuren weiß: Weil die Figuren, in diesem Fall Gott, erfunden worden sind. Mir jeder zusätzlichen Ausrede demonstriert der Gläubige, dass dies für seinen Gott gilt.

Zudem macht jede Zusatzannahme es unwahrscheinlicher, dass Gott existiert _1_.

 

Könnte man die Widerlegung widerlegen?

Um die Widerlegung scheitern zu lassen, müsste man für jeden der sieben Punkte nachweisen, dass die Widerlegung falsch ist. Findet man nur für eine einzige der fünf Widerlegungen kein Gegenargument, so ist der Beweis gescheitert.

Ich schließe daraus, dass der Gottesbeweis widerlegt wurde und gescheitert ist.

Übrigens: Wenn der Gottesbeweis gültig wäre, beweist er nicht die Existenz des christlichen Gottes, sondern nur die Existenz eines Schöpfers. Dies könnte auch der taoistische Gott sein, der deistische Gott, Zeus, die shintoistischen Götter, die hinduistischen Götter, Allah, Manitu, Zarathustra … oder gar uns völlig unbekannte Götter, oder eine natürliche Kraft. Das wird bei diesen Gottesbeweisen meist gerne übersehen (siehe Gegenargument (5) und siehe Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen).

Ich würde mal behaupten, dass selbst die Mehrheit der Theologen heutzutage die Gottesbeweise für gescheitert hält. In [Küng 2001b] widerlegt der Theologe Küng übrigens alle gängigen Gottesbeweise.

 

Nicht alles, was nach Planung aussieht, hatte auch einen Planer

Der generelle Fehler ist, anzunehmen, dass etwas, was nach Planung aussieht, immer auch einen Planer voraussetzt. Wir sind das so sehr von unserer menschlichen Welt gewohnt, dass es uns schwerfällt, davon abzusehen. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass es Menschen so schwer fällt, die Evolutionstheorie anzuerkennen: Sie widerspricht der Intuition. So wie der Aufbau des Sonnensystems, der Atome, der Quantentheorie usw. usf. unserer Intuition widerspricht. Es wäre daher unklug, unsere Intuition zum Maßstab für Wahrheit zu machen. Aber genau dies geschieht momentan wieder, dieser längst widerlegte Gottesbeweis taucht als eine Pseudo-Theorie über »intelligentes Design« wieder auf.

Man muss bereits an Gott glauben, um diesen »Beweis« für gültig zu halten. Man kann das als Indiz sehen, wie der Glauben das Denken verzerrt und uns Dinge für plausibel halten lässt, die logisch falsch sind.

Die Theorie der Evolution durch kumulative natürliche Selektion ist die einzige Theorie, die wir haben, um prinzipiell die Existenz organisierter Komplexität zu erklären.

Richard Dawkins
Man kann Gläubige von irgendwas nicht überzeugen; denn ihr Glauben basiert nicht auf Beweisen, es handelt sich um ein tief empfundenes Bedürfnis zu glauben

Carl Sagan

1. Beispiel: Wenn man einen schwarzen, geschlossenen Kasten vor sie hinstellt, und Sie sollen raten, was sich darin befindet, dann wird mit jeder zusätzlichen Eigenschaft, die Sie nennen, die Wahrscheinlichkeit eines Treffers geringer. Es könnte sich ein Ball in dem Kasten befinden. Dass sich ein roter Ball darin befindet, ist schon weniger wahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass sich ein roter Ball mit grünen Punkten in der Schachtel befindet usw. usf. Zurück zu 1


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