Wenn keine Tatsache Deinen Glauben ändern kann, basiert Dein Glauben auf keiner Tatsache.
Inhaltsverzeichnis:

      Der Webfehler des Glaubens
      Selbstbetrug wird belohnt
      Eine allgemeine Moral ist zum Vorteil der Allgemeinheit
      Niemand kann meine Interessen zutreffender vertreten als ich selbst
      Es kann keine »supernaturalistische« Moral geben

 

Der Webfehler des Glaubens

Aller religiöser Glauben läuft stets darauf hinaus, dass man einem anderen etwas glaubt, was dieser nach eigenem Bekunden nicht wissen kann. Oder man glaubt sich selbst etwas, was man nicht wissen kann.

Viele Menschen verwechseln das mit Erkenntnis: Sie sind überzeugt davon, etwas zu kennen, was sie nicht kennen können. Diese Selbstwidersprüchlichkeit fällt ihnen nicht auf. Sie überzeugen sich selbst, d. h., sie täuschen sich selbst darüber. Dieses Verhalten belohnt sich selbst: Man weiß etwas, was man vorher nicht wusste, und denkt, man habe eine Erkenntnis gehabt. Noch höher fällt die Belohnung aus, wenn andere einem auch glauben. Das bedeutet, in Glaubensfragen setzen sich die Individuen durch, die sich selbst am Besten täuschen können. Ein paar wenige mögen darunter sein, die auch andere gut täuschen können, aber das ist eher selten.

 

Selbstbetrug wird belohnt

Wer sich die schönsten Illusionen so machen kann, dass er selbst daran glaubt, wird dadurch glaubwürdig, dass er sich selbst glaubt. Andere täuscht dies, weil »aufrichtig sagen, wovon man selbst überzeugt ist« mit »die Wahrheit sagen« verwechselt wird. Die Autorität entsteht durch die Kunst, sich selbst erfolgreich etwas einzureden. Die Glaubwürdigkeit entsteht durch die Stärke der Überzeugung. Zweifler sind benachteiligt, Skeptiker weniger glaubwürdig.

Es gibt kaum einen menschlichen Irrtum, der nicht schon auf diese Weise vertreten wurde. Wobei die Kategorie von Irrtümern bevorzugt werden, die demjenigen, der sie anderen glaubhaft vermitteln kann, selbst unmittelbar nutzen. Das wird derjenige aber vor sich selbst und anderen verbergen. Denn es würde seine Glaubhaftigkeit wiederum schmälern, wenn es offensichtlich wäre. Deswegen tut man sich selbst gegenüber so, als ob dies vor allem zum Vorteil der Allgemeinheit wäre. Das wird deutlich bei der moral.

 

Eine allgemeine Moral ist zum Vorteil der Allgemeinheit

Wenn alle sich an dieselben Regeln halten, dann ist im Durchschnitt der Allgemeinheit am Besten gedient. Vor allem ist dies fair. Es gibt kein faires Spiel, wenn für die Beteiligten unterschiedliche Regeln gelten. Also kann man hier seinen Nutzen deutlich machen: Man propagiert eine Moral für alle, bevorzugt den Altruismus, und sorgt »nebenbei« dafür, dass Teil der Regeln ist, dass man dabei selbst von Leben kann. Dann kann man sich immer einreden, man habe dies nicht in erster Linie für den eigenen Nutzen gemacht, sondern zum Wohle aller. Aber in Wahrheit dient man nur sich selbst.

Denn dies ist immer mit etwas verbunden, was gerade nicht dem »Wohl aller« dient. Denn:

 

Niemand kann meine Interessen zutreffender vertreten als ich selbst

Ich schwöre, dass diese Welt ein besserer Ort für alle wäre, wenn es nicht so viele »Gutmenschen« gäbe, die meinten, besser zu wissen, wie andere ihr Leben leben sollten als diese selbst !

Deswegen muss man Moral aushandeln und kann sie nicht »von oben herab« übernehmen. Das setzt freie und gleiche Individuen voraus. Das setzt voraus, dass es keinen »obersten Führer« gibt, der die Regeln für alle festsetzt. Das setzt voraus, dass es keinen Gott geben darf, der über die Moral bestimmt. Vor allem darf es keine Menschen geben, die sich anmaßen, im Namen dieses Gottes über die allgemeinen Regeln zu bestimmen.

Gäbe es einen Gott, er wüsste, dass Menschen sich ihre Moral ohne äußere Einflüsse durch Aushandeln selbst geben müssten. Wann immer also eine Moral »von oben herab« durch einen Gott verfügt wird, weiß man, dass es sich entweder um keinen oder einen falschen Gott handelt.

 

Es kann keine »supernaturalistische« Moral geben

Hier überschneiden sich die Themen »Supernaturalismus« und »Moral«: Gott ist das, von dem man nichts wissen kann. Man kann also auch nicht wissen, welche Wertvorstellungen er vertreten würde, wenn er das täte. Und wenn er es täte, wäre es besser, wenn er das unterließ: Damit wir Menschen eine Moral haben können, darf es keinen Gott geben, der uns Regeln vorschreibt. Es ist aber im Interesse bestimmter Personen, uns eine Moral vorschreiben zu können. Folglich wird Gott nur vorgeschoben, um die eigene Moral zur Vorschrift für andere machen zu lönnen. Dies geschieht über den Mechanismus der Selbsttäuschung – aus dem dann eine Fremdtäuschung wird.

Aber eine supernaturalistische Moral ist eine Moral, die man nicht kennt. Kennt man sie, dann nur, weil man sie sich selbst eingeredet hat, oder weil sie einem eingeredet wurde.

Man kann also, wie die sog. Wertidealisten, die Position vertreten: Wenn wir Menschen eine Moral haben wollen, darf es keinen Schöpfergott geben, der uns unsere Werte vorschreibt. Man kann also entweder  eine Moral haben oder  an Gott glauben. Man sollte aber zugunsten einer Ethik nicht einmal an Gott glauben, selbst wenn er existieren sollte. Eine Offenbarung Gottes, der uns vorschreibt, wie wir zu leben haben, ist das Ende einer jeden möglichen Moral.

Ist das Hirn zu kurz gekommen, wird sehr gern Moral genommen.

Wiglaf Droste


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