Gott kann man unter zwei Bedingungen nicht beweisen: 1. Er existiert nicht. 2. Er greift niemals in diese Welt ein.
Inhaltsverzeichnis:

      Vorbemerkung zu Kalams kosmologischen Gottesbeweis
      Das Argument
         Argument 1 – Beginn der Existenz
         Argument 2 – Unendlicher Regress
         Argument 3 – Etwas aktuell Unendliches kann es nicht geben
         Argument 4 – Ursache des Universums
         Argument 5 – Nur was einen Anfang hat, kann eine Ursache haben

 

Vorbemerkung zu Kalams kosmologischen Gottesbeweis

Das ist ein Argument für die Existenz Gottes, es gehört zu den »kosmologischen Gottesbeweisen«. Vor allem im islamischen Raum ist es verbreitet. Das Wort →Kalam bedeutet soviel wie arabische Philosophie oder Theologie. Das Argument geht zurück auf Aristoteles, ist hier viel weiter entwickelt worden. Es besteht aus mehreren Argumenten, die aufeinander aufbauen.

 

Das Argument

Ich stelle zu Beginn die einzelnen Betsandteile der Argumentation dar und übe gleich Kritik daran. Da es sich um eine Kette aus sich stützenden Behauptungen handelt, ist mit dem ersten Argument im Grunde genommen schon die Kette erledigt. Um zu zeigen, wie man Argumente widerlegt, nehme ich alle Teile auseinander.

Positiv  ist an dem Argument hervorzuheben, dass die Existenz Gottes nicht »einfach so« behauptet wird, sondern dass die Behauptung durch rationale Überlegungen gestützt wird. Es wird eine Begründung geliefert, wenn man geneigt wäre, einen Sachverhalt ohne Rechtfertigung zu akzeptieren, könnte man buchstäblich alles glauben. Das wäre selbstwidersprüchlich – wenn man akzeptiert, alles zu glauben, dann ebenso von allem das Gegenteil, und das geht nicht.

 

Argument 1 – Beginn der Existenz

(P1) Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache.
(P2) Das Universum begann zu existieren.

(S1) Daher: Das Universum hat einen Ursache für seine Existenz.

Im Prinzip habe ich das schon hier behandelt: Vorbemerkung zu den Gottesbeweisen (die Einführung sollte man gelesen haben, um die Begriffe zu verstehen). Hier wird ein simpler, genialer Dreh benutzt, der die Probleme des Arguments von Aristoteles vermeidet.

Beschäftigen wir uns mit den Prämissen:

(P1) Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache.

Es ist die Rede von »allem, was zu existieren beginnt«. Da Gott, wird angenommen, nicht zu existieren beginnt, braucht er keine Ursache. Das Problem hierbei ist, dass der Begriff der »Ursache« missbräuchlich verwendet wird. Damit wir behaupten können, dass A die Ursache von B ist, müssen ein paar Voraussetzungen  erfüllt sein.

A kann dann und nur dann die Ursache von B (= Wirkung) sein, wenn …
  1. A muss existieren. Ansonsten ist das synonym zu »eine nicht existierende Ursache A verursachte B«, was gleichbedeutend ist mit »B hatte keine Ursache«.
  2. B muss existieren. Sonst haben wir eine Ursache, die auf nichts wirkt.
  3. A muss Energie auf B übertragen. Ansonsten fehlt jede Verbindung zwischen A und B, die Behauptung wäre willkürlich.
  4. A und B müssen im selben Raumzeit-Kontinuum existieren. A und B können weit auseinander liegen, es muss eine räumliche Verbindung zwischen beiden geben. Und beide müssen in derselben Zeit existieren. Das bedeutet, wir haben es mit einem zeitlichen Vorgang zu tun, es gibt ein »Vorher« und ein »Nachher«, vor der Wirkung und nach der Wirkung.

Ohne die Vorbedingung können wir nicht von Ursache  reden. Für die Annahme einer Schöpfung des Universums werden drei der vier Bedingungen verletzt!

Wir kennen eine »Schöpfungsursache« nicht. Jede bisher beobachtete Ursache bestand darin, dass Existierendes eine Änderung im Zustand  von etwas Anderem, das existiert, bewirkt.

Wir sehen eine antike Vorstellung von Ursache-Wirkung am Werk. Die Nebenwirkung des falschen Konzepts ist, das keine Möglichkeit besteht, zwischen Korrelation  und Kausalität  zu unterscheiden. Das gelingt nicht mal bei singulären Ereignissen  wie der Entstehung unseres Universums, wenn wir nur ein Beispiel kennen. In der Wissenschaft gibt es nur materielle Ursachen, alle abweichenden Ideen wurden verworfen.

Wenn Gott (Ursache) das Universum erschafft (Wirkung), dann …

  1. … wird die Existenz Gottes vorausgesetzt – und damit wird das Argument zirkulär, man setzt voraus, was zu beweisen wäre.
  2. … existiert das Universum nicht und verletzt die zweite Bedingung, um von einer Ursache reden zu können. Gott wirkt auf eine Sache, die nicht existiert.
  3. … wird die Existenz von Energie (und damit Materie) vorausgesetzt. Die soll erst geschaffen werden!
  4. … setzt man die Existenz von Zeit und Raum (oder Raumzeit) voraus, und damit die Existenz von Materie und Energie, da Raum und Zeit Eigenschaften  der Materie sind.

Wenn ein Ding entsteht, kann es keine Ursache haben. In meinem unveröffentlichten Buch habe ich zwei logische Beweise geführt, die ich hier nicht wiederholen möchte. Man kann es empirisch beweisen:

Die Entstehung von Etwas wurde bislang nur bei der Vakuumenergie  beobachtet. Das nennt man den →Casimir-Effekt. Da entsteht Energie aus dem Nichts. Eine Ursache ist nicht bekannt, wenn auch vermutet wird, dass sich darin die Energie der Raumkrümmung manifestiert – das ist umstritten _1_. Der Casimir-Effekt folgt aber aus der Symmetrie des Vakuums und der →heisenbergschen Unschärferelation.

Im Argument wird der Begriff der Ursache missbräuchlich verwendet. Es wird die Existenz von Raum, Zeit und Materie vorausgesetzt, die erst entstehen sollen. Damit widerspricht sich die Prämisse selbst, sie ist falsch. Wenn Energie ohne Ursache entstehen kann, ist kein Gott notwendig, um die Existenz des Universums zu erklären. dass es möglich ist wurde zumindest mathematisch bewiesen: →A Mathematical Proof That The Universe Could Have Formed Spontaneously From Nothing.

Das Problem ist, dass dem eine veraltete Vorstellung über Raum, Zeit und Materie zugrunde liegt. Es wird von einer absoluten Zeit ausgegangen, das widerspricht der Relativitätstheorie, die beweist, dass es nur eine relative Raumzeit geben kann. Anders gesagt: Zeit ist ein lokales Phänomen, das an Raum und Materie gebunden ist. Sobald wir von Zeit reden können, setzen wir die Existenz der Materie voraus. Zeit ist Bewegung von Materie/Energie im Raum. Die Schöpfung, wenn es sie gegeben haben könnte, wäre ein zeitlicher Prozess. Man setzt voraus, dass es ein »Vorher« und ein »Nachher« gab. Siehe dazu Ein Argument gegen Gott.

Das wird bei der zweiten Prämisse deutlich:

(P2) Das Universum begann zu existieren.

Das setzt eine absolute  Zeit voraus, eine mittelalterliche Vorstellung von Physik. Wenn die Zeit erst mit der Existenz des Universums begann, dann existiert das Universum alle Zeit, die es gibt. Es gab kein »vor Beginn der Zeit«, das ist selbstwidersprüchlich, weil man damit behauptet, dass Zeit verging, bevor es Zeit gab. Das ist die Voraussetzung dafür, dass man von »Schöpfung« reden kann – dass es eine Zeit vor dem Beginn der Zeit gab, was kompletter Unsinn ist _2_.

Zeit tritt nur dort auf, wo Materie vorhanden ist (und Raum). Zeit ist eine lokale Begleiterscheinung von Materie, eine definierende Eigenschaft von Materie. Man kann sagen: Materie existiert zu allen Zeiten, oder, es gab keine Zeit ohne Materie. Es gibt keinen Beginn der Zeit, weil das eine absolute Zeit voraussetzt.

Subtil wird dem Leser eine zweite Idee untergeschoben: Der Anfang unseres Universums ist der Beginn der Existenz der Materie. Woher will man das wissen? Woran sollte man erkennen, ob es vorher schon Materie gab oder nicht? Das Argument formuliert die versteckte Prämisse nicht, weil der Leser stutzig werden könnte.

Das bedeutet, dass an der Prämisse alles falsch ist.

Schlussfolgerung: Das Argument setzt gleich auf zwei  falsche Prämissen, es kann nicht stimmen. Die Schlussfolgerung würde sich aus den Prämissen ergeben, da die ↑Logik korrekt ist, aber beide Voraussetzungen sind selbstwidersprüchlich, zu dem ist das Argument zirkulär: Eine Schöpfung durch Gott wird vorausgesetzt, um zu zeigen, dass es eine Schöpfung durch Gott war.

Man könnte jetzt argumentieren, dass es sich um eine spezielle Form der Verursachung handelt, eine »Schöpfungsursache«. Die kann man sich willkürlich definieren, so dass Gott in der Lage wäre, Materie aus dem Nichts zu erzeugen (Hokuspokus …). In dem Fall wird in beiden Prämissen vorausgesetzt, dass es so war, und das Argument endet in einem logischen Zirkel. Es hieße:

Weil wir voraussetzen, dass es eine Schöpfungsursache als Spezialfall von Ursachen gibt (die in keinem Fall beobachtet wurde), dann folgt daraus, dass das Universum fabriziert wurde. Das Universum wurde von Gott erschaffen, weil wir sagen, dass es von Gott erschaffen wurde.

Und damit bricht das Kartenhaus in sich zusammen. Die Prämissen sind entweder falsch, dann folgt die Schlussfolgerung nicht, oder die Prämissen werden so modifiziert, dass sich aus ihnen ergibt, was gezeigt werden soll.

Wir finden die falsche Behauptung, dass alles, was zu existieren beginnt, eine Ursache haben muss, auf der Mehrheit der für Gott argumentierenden Websites. Ebenso wie »man kann Nichtexistenz nicht beweisen« ist das ein nicht hinterfragter Glaubenssatz, über den man nicht ausreichend nachdenkt. Den Gläubigen werden die Behauptungen untergeschoben. Sie klingen plausibel, so wie es plausibel aussieht, als ob die Erde eine Scheibe sei.

 

Argument 2 – Unendlicher Regress

Begründung für (P2):

(P3) Etwas kann nicht aktuell unendlich sein.
(P4) Ein unendlicher Regress von temporalen Ereignissen wäre aktuell unendlich.

(S2) Daher: Ein unendlicher Regress von temporalen Ereignissen ist unmöglich (oder, anders gesagt, das Universum muss zu existieren begonnen haben – (P2)).

(P3) Etwas kann nicht aktuell unendlich sein.

Ob das der Fall ist, ist unter Philosophen umstritten. Nehmen wir an, dem wäre so: Dann könnte Gott nicht unendlich lange existieren. Dem wird in Kalams Argument nicht widersprochen, stattdessen behauptet man, dass Gott zeitlos  existiert.

In dem Fall greift Draygombs Paradoxon: Ohne Zeit hatte Gott keine Zeit, um die Zeit zu erschaffen. Schöpfung setzt Zeit voraus, ohne Zeit gibt es keinen Prozess. Ein Schöpfer könnte sich nicht entscheiden, die Welt zu erschaffen, weil er keine Zeit hat, um eine solche Entscheidung zu treffen. Er hätte ebenso keine Zeit, seinen Entschluss umzusetzen.

Ist die Prämisse falsch, ist das Argument fehlerhaft oder ungültig.

(P4) Ein unendlicher Regress von temporalen Ereignissen wäre aktuell unendlich.

Das setzt eine absolute  Zeit voraus, die es nicht gibt (Relativitätstheorie).

Die Schlussfolgerung ist falsch: Das Universum begann nicht zu existieren. Ein »Beginn« ergibt nur einen Sinn, wenn man das Vergehen von Zeit voraussetzt. Da die Schlussfolgerung falsch ist, muss eine der Prämissen irrig sein, und ich tippe darauf, dass (P2) nicht korrekt ist.

 

Argument 3 – Etwas aktuell Unendliches kann es nicht geben

Warum kann eine aktuelle Unendlichkeit nicht existieren? Hier die Begründung:

(P5) Eine Menge, die durch sukzessives Hinzufügen von Elementen entsteht, kann nicht aktuell unendlich sein.
(P6) Eine temporale Serie von Ereignissen ist eine Menge, die durch sukzessives Hinzufügen entsteht.

(S3) Daher: Eine Menge temporaler Ereignisse kann nicht aktuell unendlich sein.

(P5) Eine Menge, die durch sukzessives Hinzufügen von Elementen entsteht, kann nicht aktuell unendlich sein.

Wie gesagt: Das ist umstritten.

(P6) Eine temporale Serie von Ereignissen ist eine Menge, die durch sukzessives Hinzufügen entsteht.

Ist Zeit eine Menge, der man Teile hinzufügt? Möglich. Das setzt voraus, dass die Zeit eine Quantenstruktur  hat, sich aus kleinsten Elementen zusammensetzt. Ob dem so ist wissen wir nicht. Falls nicht, ist die Prämisse ein Irrtum.

Im Argument werden weiterhin eine Reihe von Möglichkeiten außer acht gelassen. Die eine ist, dass Zeit in sich geschlossen ist, wie die Oberfläche einer Kugel: Sie hat keinen Beginn. Die andere ist, dass es kein Naturgesetz gibt, dass der Zeit eine Richtung zuteilwerden lässt. Es ist möglich, dass sich Materie in der Zeit rückwärts bewegt. A kann die Ursache von B sein, und B in der Zeit zurück die Ursache von A. Dann könnte man von einem Beginn der Zeit reden, das würde bedeuten, dass unser Universum ein zweites verursacht hat. Das wiederum unsere Ursache ist (Biversum). Das andere würde sich unendlich in Richtung unserer Vergangenheit erstrecken, und die Schlussfolgerung (S3) wäre falsch.

Das mag bizarr erscheinen – wie die Quantenphysik befremdlich zu sein scheint.

Wir haben zwei weitere Möglichkeiten (eine Zeitschleife wäre eine dritte), die ohne unendliche Zeit auskommen, in der das Universum keinen Anfang in der Zeit hat. In keinem Fall wäre die Zeit unendlich und trotzdem  gäbe es kein »Beginn der Zeit«. Da das Argument solche Möglichkeiten nicht berücksichtigt, ist es unvollständig, und die Schlussfolgerungen folgen nicht.

D. h., selbst wenn  die Prämissen alle korrekt wären, folgt daraus nicht, dass das Universum einen »Beginn in der Zeit« hatte. Das ist nur eine  von mehreren Möglichkeiten, eine, die auf stark veralteter Physik beruht. Man müsste argumentativ die anderen Alternativen ausschließen, ich sehe keine Möglichkeit, das zu tun.

Gott wird als aktuell unendlich gedacht. Er verfügt über unendliches Wissen. Wenn die Prämisse stimmt, hätten wir damit ein Argument gegen  den Schöpfer.

 

Argument 4 – Ursache des Universums

(P7) Die Ursache des Universums muss unabhängig von dem sein, was es verursacht hat (unabhängig von Zeit, Energie und Materie).
(P8) Alles, was unabhängig ist von Energie, Materie und Zeit ist zeitlos und hat keinen Anfang.

(S4) Daher: Die Ursache für das Universum ist zeitlos und hat keinen Anfang.

(P7) Die Ursache des Universums muss unabhängig von dem sein, was es verursacht hat (unabhängig von Zeit, Energie und Materie).

Es gibt keine Ursache, die unabhängig von Zeit, Raum und Materie ist. Das ist, wie zuvor erwähnt, eine missbräuchliche Verwendung des Begriffs »Ursache«. Vielmehr muss man alle drei Bedingungen voraussetzen.

(P8) Alles, was unabhängig ist von Energie, Materie und Zeit ist zeitlos und hat keinen Anfang.

Man kann argumentieren, dass Ideen unabhängig von Raum, Zeit und Materie existieren. Die Zahl »1« ist ein abstraktes Konzept, das unabhängig von allem besteht, ansonsten wäre es selbstwidersprüchlich, zu behaupten, dass es »immer schon« nur einen  Gott gegeben hat. Solche Konzepte sind statisch, unveränderlich, Veränderungen setzen Zeit voraus. Eine Sache, die statisch ist, kann keine Ursache sein, nicht in dem Sinne, in dem wir den Begriff gebrauchen.

Nebenbei, wenn das Konzept »1« zeitlos-ewig existiert, impliziert es die Existenz der gesamten Mathematik und damit der ↑Logik. Logik kann keinen Schöpfer haben. Wenn Gott zeitlos-ewig existiert und allwissend ist, kannte er das Konzept der Mathematik und Logik »schon immer« und kann nicht der Schöpfer der Konzepte sein. Woher hätte er das Wissen darüber bekommen können?

Somit, wenn man auf die Weise argumentiert, kann die Existenz des Universums von abstrakten Konzepten »verursacht« worden sein – sofern man ein anderes Konzept von Ursache  voraussetzt. Das Argument ist irrig, oder, wenn man darauf beharrt, muss es kein Gott gewesen sein, der das Universum erschaffen hat.

Woher will man wissen, dass Materie nicht ewig existiert?

Bemerkenswert ist eine zusätzlich Implikation: Alles, was geistig ist, existiert zeitlos (etwa die Mathematik). Alles, was es zeitlos gibt, kann keine Ursache haben. Aus dem Grund haben Mathematik, ↑Logik, Naturgesetze, da es sich um geistige Konzepte handelt, keine Ursache und keinen Schöpfer. Postulieren wir, dass eine Seele rein geistig existiert und zeitlos-ewig ist, kann es hier ebenso keinen Schöpfer geben. Wenn die Seele die Voraussetzung für Menschen ist, haben Menschen keinen Schöpfer!

Gott existiert, wird behauptet, immateriell, ewig und zeitlos. Aufgrund dessen kann er keinen Schöpfer haben. Mathematik, ↑Logik, alles, was daraus folgt, kann keinen Schöpfer haben. Die menschliche Seele, die ebenso immateriell ist, ebenso zeitlos-ewig existiert, kann aus denselben Gründen keine Ursache und keinen Erschaffer haben. Oder: Nichts Geistiges kann einen Schöpfer haben, ansonsten müsste man fragen, wer oder was Gott erzeugt hat. Gott kann sich nicht selbst erschaffen haben, weil er in dem Fall hätte existieren müssen, bevor es ihn gab. Sämtliches Wissen, das Gott hat, kann nicht von ihm stammen, es müsste es einen Beginn in der Zeit haben. Und genau das wird mit dem Argument bestritten!

Das ist von den Verfassern der Argumentation alles nicht bedacht worden. Oder es wird damit gerechnet, dass es dem Leser nicht auffällt. Für die Mehrheit wird das stimmen. Die Minderheit der Atheisten kann man bequem mit der moralischen Keule diskreditieren und ihre Begründungen ignorieren.

 

Argument 5 – Nur was einen Anfang hat, kann eine Ursache haben

(P9) Ein Ereignis oder ein Wesen kann nur dann eine Ursache haben, wenn es einen Anfang hat.
(P10) Die Ursache für das Universum ist zeitlos und hat keinen Anfang (identisch mit (S4)).

(S5) Daher: Die Ursache für das Universum kann nicht selbst eine Ursache haben.

Das argumentiert, dass nichts Geistiges eine Ursache oder einen Schöpfer haben kann, da es keinen Anfang hat – wie Gott. Ddas trifft auf Mathematik, ↑Logik, Naturgesetze, menschliche Seelen etc. ebenso zu, wie für alles Wissen, das der Schöpfer hat.

(P9) Ein Ereignis oder ein Wesen kann nur dann eine Ursache haben, wenn es einen Anfang hat.

Eine Ursache für eine Sache, die anfängt, zu existieren, gibt es nicht. Aus dem grund lautet die Schlussfolgerung: Nichts, was zu existieren beginnt, kann eine Ursache haben. Wenn das Universum anfing, zu existieren, kann es keine Ursache, keinen Schöpfer gehabt haben.

(P10) Die Ursache für das Universum ist zeitlos und hat keinen Anfang (identisch mit (S4)).

Das kann ebenso gut ein Naturgesetz sein. Da es sich um ein geistiges Konzept handelt, hat es keinen Anfang und existiert zeitlos. Der Schluss auf »Gott war es « ist nicht gerechtfertigt, da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Vor allem dann nicht, wenn wir die Argumentation für korrekt befinden!

Wie anfangs bemerkt, dass das Universum einen Anfang in der Zeit hat, ist eine unbegründete Behauptung. Ebenso, dass es eine »Ursache« braucht, die nicht in realem Sinne eine Ursache ist, sondern auf einem vagen Konzept von Kausalität beruht. Für das wird man kein Beispiel finden, und keine stützende Beobachtung.

Es ist ein Riesensprung, wenn man es akzeptiert, dass etwas Geistiges der Ursprung des Universums war, von einem zeitlos-ewigen statischen Naturgesetz zu einem zeitlos-ewigen, dennoch dynamisch agierenden Schöpfergott zu kommen, der außerhalb der Zeit »agiert«, obwohl er es nicht kann.

Fortsetzung: Kalamitäten mit Kalam, Teil II
Die englische Erfahrung zeigt, dass niemand die Existenz Gottes wirklich bezweifelte, bis die Theologen versuchten, ihn zu beweisen.

Alister E. McGrath

1. Der Grund ist, dass das Universum flach  ist, der Raum ist nicht gekrümmt und kann daher keine Ursache der allgegenwärtigen Vakuumenergie sein. Zurück zu 1

2. ohne Zeit hatte Gott keine Zeit, um die Zeit zu erschaffen. Zurück zu 2


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