Religiöser/Irrationaler Glauben: Das Vertrauen darin, dass jemand, der ebenso viel über diese Welt weiß, oder weniger, mehr darüber weiß als Du.
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      Was bedeutet religiöser Glauben?

 

Was bedeutet religiöser Glauben?

Wenn es um das Übernatürliche geht, dann geht es um etwas, was man nicht weiß oder nicht wissen kann. Etwas, was sich rationaler Erklärung entzieht, aus welchen Gründen auch immer. Anders gesagt: Man kann nur daran glauben.

Es gibt zwei sehr verschiedene Arten zu glauben, und unglücklicherweise werden beide Arten durcheinander geworfen, weil wir denselben Begriff dafür benutzen. Im alltäglichen, philosophischen und wissenschaftlichen Sinne heißt glauben nicht mehr als »vermuten«. Das ist schwächer als Wissen, weil man weniger Gründe, Argumente, Beweise und Evidenzen für das hat, was man glaubt. Der Übergang zum Wissen ist fließend, weil auch Wissen auf Vermutungen basiert. Nur haben diese ein besseres Fundament.

Religiöser Glauben meint aber nun das Gegenteil von Wissen – etwas, für das man entweder keine Gründe hat, oder sehr schwache, oder das sogar dem Wissen selbst widerspricht, aber aus irgendwelchen mystisch-magischen Gründen sogar besser sein soll, weil es auf Vertrauen  basiert.

Wenn jemand über das Übernatürliche spricht, dann ist das etwas, was er per Definition nicht wissen kann. Warum sollte ich ihm vertrauen, dass es stimmt, was er sagt? Nachprüfen kann ich es nicht. Wenn er sich irrt oder mich belügt, dann habe ich keine Chance, es herauszufinden. Oft auch, weil die Möglichkeiten, das zu ermitteln, systematisch demoliert worden sind.

Oft ist es zum Vorteil desjenigen, der diese Behauptungen aufstellt. Niemand würde Priester einer »falschen Religion« auch nur eines Blickes würdigen geschweige denn, ihnen den Lebensunterhalt bezahlen.

Die Ausrede ist immer dieselbe: Es gibt Dinge, über die wir nichts wissen. Ja, nur heißt dies, dass wir außer Spekulationen auch nichts darüber sagen können! Dass wir auch nicht sagen können, ob wir uns irren oder nicht. Man macht es noch schlimmer, wenn man das delegiert und einer Autorität vertraut, die es auch nicht wissen kann.

Wenn man etwas nicht weiß, dann ist es ein Gebot der Ehrlichkeit, der Offenheit und der Transparenz, dies auch zu sagen. Aber Vermutungen als wahren Sachverhalt/Tatbestand auszugeben über Dinge, die man schon per Definition nicht wissen kann und auch nicht weiß, ist das Gegenteil von Aufrichtigkeit. Man kann selbst davon überzeugt sein, was es nicht zur Lüge macht, wenn man es sagt. Aber die Stärke einer Überzeugung ist kein Maß für Wahrheit. Autorität ist kein Maß für Wahrheit. Dass ein anderer sagt, wovon er ehrlich überzeugt ist, ist kein Maß für Richtigkeit: Hier neigen viele Menschen dazu, Glaubwürdigkeit für ein Maß für Wahrheit zu halten. Dies bevorzugt die, die eine feste Überzeugung vertreten. Es benachteiligt die ehrlichen Skeptiker. Es belohnt diejenigen, die sich selbst am Besten täuschen können.

Eine starke Überzeugung ist aber oft nur ein Maß für mangelnde Skepsis sich selbst gegenüber. Das ausgerechnet dieser Mangel die Glaubwürdigkeit erhöht ist fast schon Ironie und in jedem Fall ein schlechter Witz. Glaubhaftigkeit ist manchmal ein Maß dafür, wie gut sich jemand selbst täuschen kann und nie ein Anzeichen für Wahrheit. Ob jemand die Wahrheit spricht kann man nur anhand der Tatsachen prüfen. Sind keine prüfbaren Tatsachen vorhanden, wie bei allem, was »übernatürlich« ist, ist Glaubwürdigkeit und Festigkeit der Überzeugungen erst recht kein Maßstab, an dem man den Wahrheitsgehalt einer Behauptung festmachen kann. Tragischerweise verwechseln das viele Leute.

Das führt unter Umständen sogar zum Verlust von Leben, wenn man mal wieder jemand auf einen »Geistheiler« hereingefallen ist. Im Geschäft mit dem Übernatürlichen gehören die meisten Menschen zu den Verlierern. Wenn man nur Geld und Lebenszeit verliert, dann hat man Glück gehabt.

Der Mensch hat, sobald er seinen Verstand aufgibt, keinen verbleibenden Wächter mehr vor den monströsesten Absurditäten und ist wie ein Schiff ohne Ruder jedem Windstoß ausgeliefert. Einer solchen Person nimmt die Leichtgläubigkeit, die man 'Glaube' nennt, das Ruder aus den Händen der Vernunft und der Verstand wird zum Schiffbrüchigen.

Thomas Jefferson


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