Vom Atheisten erwartet man logische Argumente. Wenn er sie nicht äußert, nennt man ihn irrational. Wenn er sie äußert, behauptet man, dass Gott nicht der Logik unterliegt.

Es gibt einige Argumente, die in Diskussionen ständig wiederkehren. Hier sammle ich meine Antworten darauf. Viele der Themen werden anderswo ausführlich behandelt (dann erfolgt ein Verweis darauf). Nochmal: Das sind weder Thesen noch Argumente von mir, sondern Argumente, die ich in Diskussionen häufiger zu hören bekomme und die meiner Meinung nach allesamt falsch sind! Deswegen widerlege ich sie ja!


Inhaltsverzeichnis:

      Widerlegung häufig geäußerter Argumente für den religiösen Glauben
      • Argumente zum Glauben
         Man kann die Bibel (oder den Glauben) nur als gläubiger Mensch verstehen
         Jeder Mensch muss an etwas glauben
         Mein Glauben ist wahr
         Du kannst den Glauben nicht widerlegen
         Der Glauben tut mir gut und deswegen ist es richtig, zu glauben
         Ich glaube an die Liebe – wie jeder Mensch. Und Gott ist die Liebe!
         Die meisten Menschen können den Glauben nicht aufgeben, ohne etwas sehr Wichtiges im Leben zu verlieren
         Der Glauben ist also irrational? Na und? Er kann trotzdem war sein!
         Die christliche Lebensweise ist der Beweis der Wahrheit des Christentums
      • Verhältnis zwischen Wissen und Glauben
         Auch die Wissenschaft beruht auf Glauben und Axiomen (= Dogmen)
         Jedes Denken beruht letztlich auf Glauben
         Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben
         Glauben ist eben nicht rational zu verstehen – und Du überbewertest die Rationalität
         Nach dem Motto: »Was nicht sein darf, kann auch nicht sein« leugnet die Wissenschaft die Wunder
         Die Wissenschaftler haben sich von Gott abgewandt!
         Wissenschaft kann auch nicht alle Wahrheiten finden
         Selbst Einstein glaubte an Gott – er sagte »Gott würfelt nicht«
         Die Wissenschaftler beschreiben die Welt nur, während die Religion sie erklärt
         Auch der Atheismus ist bloß ein Glauben!
         Formale Logik ist nicht alles – was ist mit den anderen Logiken?
         Die Religion beschäftigt sich mit der spirituellen Welt, die Wissenschaft mit der materiellen Welt. Beide Sichtweisen »überlappen« nicht
      • Die Bibel
         Die Bibel ist das absolut wahre Wort Gottes
         Die Bibel ist wahr wegen der vielen richtigen Prophezeiungen

 

Widerlegung häufig geäußerter Argumente für den religiösen Glauben

 

• Argumente zum Glauben

 

Man kann die Bibel (oder den Glauben) nur als gläubiger Mensch verstehen

»Kurze Antwort: Ich verstehe auch die Pocken, die Pest und Cholera nicht, ich weiß aber, warum sie nicht mag

Aber im Ernst: Es gibt verschiedene Arten des Verstehens. Verstehen  im Sinne von »gedanklich nachvollziehen« kann man eine Auffassung nur, in dem man sich mit ihr beschäftigt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man diese Auffassung dann auch teilt! Ich kann die Gedankengänge und psychologischen Vorgänge und die Handlungen eines Mörders verstehen, ohne selbst einer zu sein. Ich kann auch darüber urteilen. Es hätte auch keiner Verständnis dafür, wenn ein Mörder vor Gericht sagt, dass der Richter kein Urteil über ihn fällen könne, solange der Richter noch keinen Mord begangen habe!

Teilweise kann man bestimmte Dinge sogar nur verstehen, wenn man darüber nüchtern  urteilen kann. Dazu darf man aber nicht zu sehr emotional involviert sein (wie beim Zustand des Glaubens). Deswegen behaupte ich auch, dass ich sehr viel mehr vom Glauben verstehe, seit ich ein Ungläubiger bin! Denn auch das Wissen darum, warum ich geglaubt habe, habe ich immer noch. Ich habe den Glauben verloren, aber nicht das Wissen um den Glauben und die Gründe meiner Gläubigkeit. Ich bin nur nicht mehr betriebsblind oder »befangen in eigener Sache«.

Wenn man unter »Verstehen« ein »die Auffassung teilen« versteht, dann kann man den Glauben nur als Gläubiger verstehen – aber das ist trivial (zirkuläre ↑Logik). Was einem Gläubige damit eigentlich sagen ist Folgendes: »Du kannst nur glauben, wenn Du glaubst«. Es gibt noch eine tiefere Form des Verstehens, wenn man selber eigenständig die Gedanken ergänzen und erweitern kann. Ein noch tieferes Verständnis erlangt man, wenn man die Auffassungen auch lehren kann. Das tiefste Verständnis von den Dingen hat man aber erst, wenn man eigenständig Fehler finden kann (das kritische Denken, Stufe 3 der Erkenntnis). Daran scheint es den Gläubigen zu mangeln – deswegen ist das Verständnis des eigenen Glaubens bei den meisten Gläubigen auch eher gering einzustufen. Man kann den Vorwurf also umdrehen: »Du glaubst nur, weil Du Deinen Glauben nicht wirklich verstanden hast«. Aber da das ein logischer Zirkel ist (genau wie er Vorwurf andersherum), sollte man diese unredliche Taktik lieber nicht benutzen.

Gute Argumente zeichnen sich dadurch aus, dass man sie versteht (nachvollziehen kann), wenn man die Argumente noch nicht teilt. Wenn man Argumente nur dann verstehen kann, wenn man sie bereits teilt (verinnerlicht hat), dann sind die Argumente sehr schwach und werden allenfalls emotional verstärkt. Das ist aber nur eine Form der Indoktrination, nicht der Überzeugung. Ein Zeichen dafür, dass die eigene Meinung auf Fremdmanipulation beruht! Eine durch Manipulation oder Indoktrination verinnerlichte Meinung kann man bei sich selbst entdecken, wenn man sich fragt, ob man seine eigenen Auffassungen auch kritisieren kann. Kann man dies nicht, so sollten die inneren Alarmglocken schrillen.

Vieles von dem »Verständnis des Glaubens« beruht darauf, Kritik abzuwehren, nicht zuzulassen, sondern allenfalls nur »Kritik an der Kritik« zu äußern. Deswegen haben viele Gläubige so große Probleme damit, Kritik überhaupt zu verstehen. Sie sind nicht flexibel genug, beide Seiten einzunehmen. Diese mangelnde Flexibilität wird aber von vielen Gläubigen sogar als Vorteil gepriesen! Gleichzeitig wird diese Flexibilität – da man sie nicht hat – auch der Gegenseite abgesprochen. Mit diesem Trick arbeiten alle Sekten, Psycho-Sekten und andere geschlossene Denksysteme – das ist sozusagen ihr Erkennungszeichen und ihr Echtheitssiegel.

Übrigens nehmen sehr viele Glaubensrichtungen dieses Argument in Anspruch. Der Moslem wird Ihnen absprechen, den Islam zu verstehen, weil Sie kein Moslem sind. Vielleicht haben Sie die falsche Religion »gewählt« (die Mehrheit der Christen trifft keine Wahl – sie übernehmen eine Wahl) und wissen es nur nicht? Vielleicht müssten Sie auch Hinduist oder Schintoist sein? So betrachtet wären Sie aus Ignoranz (Unkenntnis, Unwissen, Unverständnis) Christ. Auch können Sie nicht wissen, ob Ihr Verständnis der Bibel richtig ist. Es gibt eine Fülle unterschiedlicher Auffassungen, z. B. in der zentralen Frage der Erlösung. Dann würden Sie Ihren eigenen Glauben nicht verstehen!

Kennzeichen von Ideologien (und Religionen) ist die ↑Immunisierung gegen (Abwehr von) Kritik.

Zum Thema »↑Immunisierung gegen Kritik« gibt es einen eigenen Abschnitt. Begründet wird diese Haltung aus der Bibel meist mit 1 Korinther 2:6-16. Das wäre ein eigenes Kapitel wert.

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Jeder Mensch muss an etwas glauben

»Kurze Antwort: Ja, und ich glaube, ich trinke jetzt noch ein Bier.

Aber im Ernst: Es gibt zwei Arten von Glauben (siehe dazu das Glossar. Wenn man unter Glauben das Bilden und Verwerfen von Hypothesen ansieht, dann muss jeder Mensch glauben. Wenn man den metaphysischen Glauben (z. B. an Gott) meint, dann kann man vollkommen ohne Glauben auskommen. Das ist für Gläubige schwer vorstellbar. Ich könnte jetzt argumentieren, dass man dies nur als Ungläubiger verstehen kann … aber das wäre unredlich (siehe voriges Argument).

»religiöser Glauben« und »Wissen« ist viel unterschiedlicher, als viele Glauben – Merkmal des Glaubens ist eine Abwehr von Kritik, Wissen lässt Kritik zu, und zwar besonders da, wo wichtige Dinge auf dem Spiel stehen. Wissen setzt sich immer dem Risiko des Scheiterns aus. Glauben ist Feigheit vor der Kritik. Es ist Kritiklosigkeit, welches den Glauben blind macht.

Das Problem ist, dass »Glauben« in so unterschiedlicher Bedeutung verwendet wird. Einmal als eine Abschwächung des Wissens in Form einer schwachen Vermutung, dann als »religiöser Glauben« als blindes Vertrauen in fremde Autoritäten. Beide Lesarten des Wortes stehen sich fast schon diametral gegenüber.

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Mein Glauben ist wahr

»Kurze Antwort: Mein Unglauben auch. Es braucht schon mehr als bloße Behauptungen, um mich zu überzeugen. Ist das bei Dir anders?

Wahrheit ist definiert  als Übereinstimmung mit den Fakten. Daher kann man Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt kritisch prüfen. Kann man es nicht, dann hat die Aussage nichts mit der gängigen Definition von Wahrheit zu tun (gibt es denn mehrere Wahrheiten?). Kann man also Glaubensaussagen keiner skeptischen Prüfung unterziehen, dann können diese auch nicht für Sie wahr sein, sondern allenfalls unbestimmt. Im Gegenteil, wesentliche Punkte des Glaubens widersprechen dem, was wir als wahr annehmen, d. h. geglaubt wird oft im Widerspruch zur Wahrheit. Wenn etwas mit den Fakten übereinstimmt, reden wir auch nicht mehr von Glauben, sondern von Wissen, und beides schließt sich gegenseitig aus: Was wir wissen, glauben wir nicht, wir glauben nur Dinge, die wir entweder nicht wissen oder nicht wissen können. Wir »glauben« auch nicht an unser Wissen, wie viele Theologen uns in zweifelhafter Absicht weismachen möchten. Siehe dazu den nächsten Punkt.

Manchmal wird auch darauf abgezielt, dass es Sätze gibt, die wir als wahr betrachten, obwohl sie wissenschaftlich nicht belegbar sind, wie etwa diesen Satz: »Bachs Musik ist schön«. Diesem Satz werden viele Menschen zustimmen, manchmal sogar mit den Worten: »Ja, das ist wahr«. Aber hier handelt es sich um ein Werturteil, und das hat mit Wahrheit nicht das Geringste zu tun. Ob ein Sonnuntergang oder ein Musikstück schön ist, ist eine Geschmacksfrage. Wenn Theologen (die haben immerhin studiert) anfangen, diese Dinge – Wahrheit und Werturteile – durcheinander zu werfen, dann tun sie dies im Irrtum. Wenn andere Gläubige dies tun, dann ebenso in irrender Unkenntnis der Lage. Eine Existenzaussage wie »Gott existiert« ist kein Werturteil (keine Geschmacksfrage). Es ist bezeichnend, dass Gläubige dazu gebracht wurden, dieses miteinander zu verwechseln – manchmal habe ich den Eindruck, sie wurden absichtsvoll verwirrt.

Wesentliche Teile des Glaubens werden so definiert, dass sie niemals mit den Fakten kollidieren können – man nennt dies Immunisierung gegen Kritik. Es steckt manchmal eine gewisse Absicht dahinter, eine kritische Prüfung wichtiger Behauptungen unmöglich zu machen – viele Betrüger benutzen das gleiche Verfahren, meist zur Fremdtäuschung. Sie müssen sich immer die Frage stellen: »Warum kann oder sollte ich bestimmte Dinge nicht überprüfen?«. Warum sollte Gott die Erfüllung seiner Gebote verlangen, wenn er nicht einmal bereit ist, seine Existenz auf überprüfbare Weise zu bestätigen? Warum sollte man an Jesus als Gott glauben, wenn es keine Belege dafür gibt, dass er es war? Es gibt genügend Anzeichen dafür, dass er in Anlehnung an die vielen Gottessöhne vor seiner Zeit (Horus, Mithras, Dionysos, Tammuz, Attis, Adonis, Krishna etc. pp.) später von seinen Anhängern dazu »erhoben« wurde. Glauben wird verlangt und erwartet, wenn  die Beweislage schlecht ist und nicht zugunsten der Auffassungen spricht, und um Widersprüche zu übertünchen.

Es gibt zwei weitere monotheistische Religionen, die die Gottessohnschaft von Jesus bestreiten – das Judentum und der Islam. Beide haben dafür ihre guten Gründe, die Juden haben Jesus weder zu seinen Lebzeiten noch später als Sohn Gottes anerkannt, abgesehen von denen, die zum Christentum konvertiert sind. Wenn es so eindeutig wäre, wie von Christen oft behauptet wird, wieso wird diese »Wahrheit« dann nicht von den Juden anerkannt? Nur den Juden »Verblendung« zu unterstellen ist etwas zu einfach, mit denselben Argumenten und genau diesen Gründen können die Juden diesen Vorwurf zurückgeben.

Wenn also Theologen oder Gläubige zunächst  behaupten, der Glauben sei wahr, so handelt es sich um ein Irrtum oder um ein Missverständnis. Man definiert  den Begriff nicht, benutzt in aber abweichend von dem, was im Alltag, in der Philosophie und der Wissenschaft üblich ist. Erst, wenn man ihnen dies klar macht, dann erfolgt der Rückzug auf die Position: »Auch wenn ich keine Belege habe, so kann es dennoch wahr sein« (eine extrem schwache  Behauptung). Vor Gericht würde so eine Aussage als unsinnig zurückgewiesen. Etwas kann wahr sein, wenn man keine Beweise hat – es kann aber genauso gut unwahr sein. Wenn wir es nicht entscheiden können, was davon stimmt, sind beide Positionen absolut gleichwertig. Wenn für den Glauben dann aber auch noch eigene Wünsche sprechen, dann sollte man vorsichtig  sein, die Wahrscheinlichkeit, sich zu irren, steigt dramatisch. Denn in den meisten Dingen ist das Universum nicht so, wie wir es uns wünschen. Man könnte zusammenfassend sagen, dass Glauben und Irrtum ein und dasselbe sind. Weil wir beides nicht voneinander unterscheiden können. Wir nennen Dinge gleich, wenn sie für uns nicht voneinander unterscheidbar sind.

Und noch etwas, über das die Gläubigen gerne anders sehen: Es ist nicht möglich, an Dinge zu glauben, die widersprüchlich sind.

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Du kannst den Glauben nicht widerlegen

»Kurze Antwort: Heißt dies, weil wir nicht widerlegen können, dass eine Teekanne den Sirius umkreist, dass eine Teekanne den Sirius umkreist? Der wissenschaftliche Fachausdruck für eine Behauptung, die man nicht widerlegen kann, lautet Bullshit. «

Das ist ein sehr  merkwürdiges Argument – eigentlich kann man es nicht einmal ein Argument nennen. Ich kann auch nicht widerlegen, dass rosa Einhörner existieren. Dann dazu müsste man das ganze Universum absuchen, und zwar nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit und in der Zukunft. Daher ist es praktisch unmöglich, die Existenz von rosa Einhörnern zu widerlegen. Bedeutet dies, dass rosa Einhörner existieren? Statt »rosa Einhörner« kann man nahezu alles einsetzen. Das gilt dann auch für Zeus, den Göttervater, für Zyklopen und jede andere mythologische Gestalt, für jedes nur vorstellbare Wesen. Wenn man also mit diesem »Argument« jeden Mythos verteidigen kann, dann ist jeder Mythos »wahr«. Dann haben alle Religionen recht – das Christentum, der Islam, der Hinduismus, der Schintoismus, der Buddhismus und tausende andere. Auch wenn sie einen exklusiven Anspruch haben, d. h. glauben, sie alleine seien alleine »wahr«. Das sind sie dann auch, und zwar alle gleichzeitig, so sehr sie sich auch widersprechen.

Das »Argument«, etwas sei wahr, weil es nicht widerlegbar ist, ist ein Universalargument. Wenn wir zulassen, dass es zur Verteidigung irgendeiner Glaubensrichtung eingesetzt wird, dann ermuntern wir damit jede Art von Faschisten, Terroristen und Stalinisten, für ihre jeweilige »Wahrheit« zu kämpfen. Denn wir hätten keine Gegenargumente. Und Sie können auch nicht widerlegen, dass Sie mir 1.000.000 Euro schulden – ich sende Ihnen meine Kontonummer zu, damit Sie Ihre Schuld begleichen können. Universalargumente, die alles »beweisen« können, beweisen zugleich überhaupt nichts.

Damit überhaupt Menschen zusammenleben können, ist es notwendig, die Beweislastregel  zu beachten. Wer immer eine Behauptung aufstellt, muss sie belegen. Wenn ich also sage, Sie schulden mir 1.000.000 Euro, dann muss ich dazu einen Beleg bringen. Nicht Sie müssen »beweisen«, dass ich Unrecht habe, sondern ich muss belegen, dass ich recht habe. Wenn Sie behaupten, dass Gott existiert, dann müssen Sie dafür auch Belege bringen. Ich muss nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Und wenn ich Ihnen keine Belege für die Existenz von rosa Einhörnern bieten kann, dann dürfen Sie darüber lachen und dies als einen Mythos bezeichnen (was Sie sicher auch tun werden).

Und so kritisch Gläubige auch gegen andere  Religionen eingestellt sind – bei ihrer eigenen Religion versagt  diese Kritik. Christen bereitet es keine Mühe, nicht an Shiva zu glauben. Legten sie dieselben Maßstäbe an ihre eigene Religion an, dann wären sie keine Gläubigen. Glauben ist nicht die Folge einer schwachen Kritikfähigkeit, sondern die Ursache dafür. Diese Ursache wirkt sehr selektiv! Christen glauben nicht an Shiva, weil  es keinerlei Hinweise auf seine Existenz gibt. Sie glauben an den christlichen Gott, obwohl  es keinerlei Hinweise auf seine Existenz gibt. Und dabei ist das »christliche Konzept von Gott« auch noch in sich höchst widersprüchlich, wie ich anhand der Theodizee gezeigt habe. Und es ist »eigentlich« unmöglich, an Dinge zu glauben, die in sich widersprüchlich sind. Außer, man suspendiert jede Form kritischen Denkens, wenn es um die eigenen Glaubensinhalte geht. Dann werden auch Argumente wie »Du kannst es nicht widerlegen«, die man normalerweise als lächerlich ansieht, plötzlich akzeptiert. Das nennt man dann das »Wunder des Glaubens«.

Amüsanterweise taucht dieses Argument oft in derselben Diskussion wie sein »Kontrahent« auf, nämlich dass auch die Wissenschaft auf Glauben und Axiomen (= Dogmen) beruht. Zunächst wird häufig versucht, die Glaubwürdigkeit und die Autorität der Wissenschaft für die eigenen Zwecke zu »rekrutieren«. Schlägt das zurück, etwa weil man zeigen kann, dass Glauben und Wissen in einem Gegensatz stehen, wird sofort eine Kehrtwende vollzogen. Man grenzt sich gegen die Wissenschaft ab, um sich gegen Argumente von dort zu immunisieren.

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Der Glauben tut mir gut und deswegen ist es richtig, zu glauben

»Kurze Antwort: Mir tut es gut, daran zu glauben, dass ich Sechs Richtige im Lotto habe. Heißt dies, dass ich jetzt so leben sollte, als ob ich schon gewonnen hätte ?«

Die Wirkung  Ihres Glaubens hat nichts, aber auch überhaupt nichts, mit der Wahrheit  des Glaubens zu tun. Man kann an die Wirkung von Amuletten glauben, daraus Selbstvertrauen gewinnen und deswegen Probleme leichter lösen. Aber das »Amulett« lässt sich durch etwas Beliebiges ersetzen, solange wir nur glauben.

Als Argument ist das Wohlfühl-Argument deswegen ungültig, weil es auch für alle anderen, widersprechenden Glaubensrichtungen angeführt wird. Z. B. für den Islam. Menschen fühlen sich meist wohl in ihrem Glauben, wenn dies auf die Wahrheit des Glaubens deuten sollte, dann deutet das Argument im Islam darauf, dass es nur einen Gott gibt, im Hindusismus darauf, dass es mehrere Götter gibt, im Christentum darauf, dass es einen trinitarischen Gott gibt, im Buddhismus darauf, dass wir Gott nicht erkennen können, im Jainismus darauf, dass es keine Götter gibt. Wenn ein Argument für die »Wahrheit« von zwei oder mehr sich widersprechenden Dingen spricht, dann ist es ungültig.

Das wird meist übersehen – der Glaube tut mir gut, daher ist er auch richtig. Das ist das, was den Menschen eingeredet wird, und weswegen sie anfangen, zu glauben. Sie glauben zunächst, der Glaube sei wahr. Dann, wenn sie genügend Verstand beisammen haben, um sich ernsthaft mit der Wahrheit zu beschäftigen, wird diese Brücke hinter ihrem Rücken abgebrannt: Jetzt braucht man keine Beweise mehr, keine Gründe, keine Rationalität, jetzt ist es die Wirkung, die als Krücke dienen soll, den Glauben aufrecht zu erhalten.

Aber können Sie an etwas glauben, von dessen Wahrheit Sie nicht überzeugt sind? Nein. Sie können nicht an den Osterhasen glauben, denn Sie sind überzeugt, dass es den nicht gibt. Sie glauben nicht an Zeus, weil Sie überzeugt sind, dass es den nicht gibt. Sie glauben nicht an den Weihnachtsmann, weil Sie überzeugt sind, dass es den nicht gibt.

Nur beim Glauben an Gott machen Sie eine Ausnahme – warum nicht beim Weihnachtsmann? Weil Sie sich selbst betrügen. Sie haben angefangen, zu glauben, und jetzt können Sie nicht mehr zurück, aus Angst, in ein Loch zu fallen. Dass man den Glauben rational begründen kann, diese Hoffnung haben Sie längst aufgegeben – hätten Sie dies zu Anfang gewusst, Sie hätten nicht erst mit dem Glauben angefangen. Dies ist eine Selbsttäuschung. Sie täuschen sich darin, dass der Glauben an etwas nichts mit der Wahrheit zu tun habe. Und Sie täuschen sich darin, dass man Wahrheit haben kann, ohne Prüfung und ohne Zweifel.

Übrigens wirken auch Placebos deswegen, weil man daran glaubt, nicht, weil sie einen Wirkstoff enthalten. Also mindestens diesen Placebo-Effekt kann man dem Glauben zusprechen. Aber das hat nichts mit der Wahrheit des Glaubens zu tun. Placebos wirken auch bei Atheisten.

Noch ein Zitat:

»Wir sagen uns, es wäre ja sehr schön, wenn es einen Gott gäbe als Weltschöpfer und gütige Vorsehung, eine sittliche Weltordnung und ein jenseitiges Leben, aber es ist doch sehr auffällig, dass dies alles so ist, wie wir es uns wünschen müssen. Und es wäre noch sonderbarer, dass unseren armen, unwissenden, unfreien Vorvätern die Lösung all dieser schwierigen Welträtsel geglückt sein sollte. (Sigmund Freud

Es gibt fast nichts auf dieser Welt, was einem Argument mehr Gewicht verleiht, als der Wunsch, es möge wahr sein. Ich habe das Wort »fast« eingefügt, weil eine geladene Schrotflinte doch eine noch bessere »Argumentverstärkung« darstellt als ein Wunsch. Das reicht manchen Menschen aus, um etwas als wahr anzuerkennen. »Der Glaube erhebt doch gar nicht den Anspruch bewiesen werden zu müssen bzw. zu wollen« sagen sich diese Menschen, und hier ist der Grund: Weil sie wünschen, es ist so, wie sie glauben, und weil Beweise ihren Glauben zerstören könnten, deswegen darf es keine Beweise geben. Wunsch und Angst sind jetzt die beiden Triebfedern, die den Glauben aufrecht erhalten.

Warum wird so sorgfältig darauf geachtet, dass Glauben nicht bewiesen werden kann? Wäre es nicht schöner, an etwas zu glauben, weil es beweisbar wahr wäre? Beweise haben nur den Haken, dass allzu leicht auch das Gegenteil bewiesen werden kann, und diesem Risiko möchte man sich nicht aussetzen. Das ist der Grund, warum viele Gläubige mit einer gewissen Verächtlichkeit  auf Rationalität und Beweise herabsehen und sie für unnötig halten. Nicht, weil man sie nicht braucht, sondern weil sie die Angst in sich tragen, Beweise könnten etwas enthüllen, was nicht ihren Wünschen entspricht. Und deswegen wird der Glauben gegen jeden Beleg und jede rationale Überlegung, die seine Falschheit zeigen könnte, so hartnäckig verteidigt. Und deswegen die vielen fadenscheinigen Argumente, mit denen man Beliebiges verargumentieren kann.

Dieses Phänomen tritt nicht nur bei Anhängern einer Religion auf, sondern auch in vielen anderen Zusammenhängen im Alltag. Neurologen und Psychologen können ein Lied davon singen. Aber wenn etwas so wichtig ist wie die Religion (in den Augen ihrer Anhänger), dann sollte man seinen Glauben auch entsprechend würdigen und ihn angemessen prüfen.

Es spricht nichts dagegen, seine Illusionen auszuleben. Solange man damit andere nicht beeinträchtigt oder Forderungen an sie stellt, oder sich von ihnen dafür bezahlen lässt, oder ihnen auf die Nerven geht, etwa durch Missionierung. Das gilt in viel größerem Maße noch, wenn »die anderen« Kinder  sind.

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Ich glaube an die Liebe – wie jeder Mensch. Und Gott ist die Liebe!

»Kurze Antwort: Ich glaube an das Böse. Heißt dies jetzt, dass der Teufel existiert ?«

Das ist ein gerne genutzter »Gottesbeweis«, den ich schon häufig gehört habe.

Dem liegt folgende Vorstellung zugrunde: Liebe ist wissenschaftliche nicht nachweisbar, aber Liebe existiert. Mit Gott verhält es sich genauso: Er ist wissenschaftlich nicht nachweisbar, aber  er existiert. Das ist ein Argument vom Typ Non sequitur  (= keine logische Verbindung), der Versuch, eine unbegründete Analogie zu einem Argument aufzuwerten. Aber selbst die Prämisse ist schon falsch: Selbstverständlich ist Liebe wissenschaftlich nachweisbar ! Wenn man einen Menschen an genügend Messgeräte anschließt, dann kann man sehen, wenn er seiner Liebe begegnet. Der Pulsschlag beschleunigt sich, die Pupillen weiten sich, die Adern verengen sich und weitere physiologische Merkmale. Außerdem ist die Liebe ein kulturelles Phänomen und daher Untersuchungsgegenstand von tausenden  von wissenschaftlichen Untersuchungen. Neuerdings kann man sogar sehen, welche Hirnareale dabei aktiviert werden. Deswegen ist Liebe wissenschaftlich nachweisbar, und sie existiert, wie nahezu jeder Mensch weiß. Nur existiert sie nicht unabhängig oder außerhalb der Köpfe von Menschen – wie Gott auch.

Dass Gott die Liebe ist, ist eine Metapher – wenn man sich das AT ansieht, dann ist er überwiegend ein Gott des Krieges, außerdem ist Gott der Schöpfer allen Übels.

Das es in dem Argument keine logische Verbindung gibt, wird offensichtlich, wenn man es auf andere Gefühle anwendet (und dann liest es sich wie eine Parodie, aber es ist genau dieselbe ↑Logik!):

Ich glaube an den Hass – und Gott ist der Hass. Ich glaube an den Gleichgewichtssinn – und Gott ist das Gleichgewicht. Ich glaube an das kitzlige Gefühl – und Gott ist der Kitzel.

Abgesehen davon kann man dieses Argument auch anders parodieren. Angenommen, X sei etwas, von dem wir wissen, dass es existiert, was wir aber nicht wissenschaftlich nachweisen können. Wwobei ich die interessante Frage mal außer acht lasse, woher wir denn dann wissen sollen, dass es existiert … Dann kann man genauso gut sagen: Wir können X nicht nachweisen – genau wie rosa Einhörner, X aber existiert, und deswegen existieren auch rosa Einhörner. Wenn das ein Beweis sein soll (und tatsächlich wird das so verwandt!), dann »beweist« er alles.

Es gibt aber auch eine ernsthaftere Variante dieses Arguments. Bei diesem Argument wird gesagt, dass es Dinge gibt, die nicht nachweisbar sind, die aber existieren. Daher ist die Abwesenheit eines Gottesbeweises kein Beweis für die Abwesenheit Gottes. Auch hier erhebt sich die Frage, wie man wissen will, dass etwas existiert, wenn man keine Nachweismöglichkeit hat. Häufig wird dann mit Phänomen argumentiert, von denen wir uns auch wünschen, sie existierten, für die es aber keinen Nachweis gibt, wie Telepathie, Telekinese u. ä. Eine unbegründete Annahme wird über eine Analogie wie die mit den rosa Einhörnern mit einer anderen unbegründeten Annahme verknüpft, um etwas zu beweisen. Das nennt man dann … eine schlechte Analogiebildung. Analogien können benutzt werden, um einen Punkt zu illustrieren oder verständlich zu machen, aber nicht, um etwas zu erklären oder zu beweisen.

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Die meisten Menschen können den Glauben nicht aufgeben, ohne etwas sehr Wichtiges im Leben zu verlieren

»Kurze Antwort: Wenn ich eine fixe Idee nicht aufgeben kann, ist das dann ein Argument dafür, dass sie wahr ist ?«

Aber – sagt dies irgendetwas über den Wahrheitsgehalt des Glaubens aus? Wenn jemand meint, mit einem Irrtum besser leben zu können als mit der (oft unangenehmen) Wahrheit, dann ist das in Ordnung. Solange er nicht versucht, anderen seine Meinung aufzuschwätzen.

Es gibt eine Menge Christen, die mit ihrem Glauben ganz zufrieden leben, ihre Kinder nicht damit indoktrinieren (na gut: das ist schon selten) und die bereit sind, die Staatsgesetze zu akzeptieren und die nicht meinen, in ethischen Diskussionen recht zu haben, weil sie Christen sind. Diese Haltung finde ich völlig korrekt und akzeptabel.

 

Der Glauben ist also irrational? Na und? Er kann trotzdem war sein!

»Kurze Antwort: Ist der Glauben, dass kein Gott existiert, rational? Na und? Er kann trotzdem wahr sein ! «

Es ist meine Absicht, den Menschen zu zeigen, dass der Glauben letztlich irrational (gleichbedeutend mit unvernünftig ) und unbegründet ist. Es gibt einige Gläubige, die bereit sind, dieses Verdikt zu akzeptieren. Sie wollen aber nicht vom Glauben lassen, beispielsweise aus emotionalen Gründen, oder weil das Leben so erträglicher und sinnvoller erscheint.

Die meisten religiösen Systeme beruhen letztlich (in ihrem Kern) auf zirkulärer und falscher ↑Logik. Da die Richtigkeit einiger Kernannahmen zugleich dogmatisch verfochten wird, entsteht ein Gewebe aus Argumenten, die sich gegenseitig zu tragen scheinen. Dieses System hat zwei Fehler – jeder Dogmatismus ist vollkommen willkürlich, und jeder logische Zirkel lässt sich mit der gleichen Berechtigung so formulieren, dass er das Gegenteil besagt. Außerdem kann man jeden Zirkel in Tautologien (= leere Wahrheiten) zerlegen, so dass er jeden Sinn verliert und jeden Inhalt. Damit ist der Glauben im Kern irrational und inhaltlich von vollkommener Beliebigkeit. Ob Sie nun an Gott glauben oder nicht, ist eine Entscheidung geprägt von Willkür und Zufällen. Man kann nur hoffen, dass Ihre irrationale Entscheidung nicht gegen Sie oder andere Menschen als eine Waffe verwendet wird. Dies macht die Irrationalität gefährlich, hinzu kommt die Unberechenbarkeit  irrationaler Menschen. Solange Sie sich nicht gegen die rationale Gesellschaft wehren, ist dies in Ordnung. Aber eine Portion Irrationalität und genügend irrational fremd gesteuerte Menschen sind eine Bombe, die jederzeit zum religiösen GAU führen kann. Sie sollten es sich überlegen, ob Sie eine Waffe in den Händen skrupelloser Menschen sein wollen. Oder ob Sie nicht doch lieber anfangen, selbst und für sich zu denken.

Wenn etwas irrational  ist, dann impliziert das, dass wir nichts über den Wahrheitsgehalt sagen können. Er kann eben nicht »trotzdem« wahr sein, er kann allenfalls sinnfrei sein, bestenfalls falsch.

Abgesehen davon basiert der Kern des christlichen Glaubens nämlich doch auf ↑Logik – verwirft man die ↑Logik, verwirft man auch zugleich den Glauben. Beispiel:

(P1) Um das Heil zu erlangen, muss man Jesus als seinem Retter akzeptiert haben (an ihn glauben, ihm folgen, seine moralischen Gebote für richtig halten – es ist gleichgültig, was man hier einsetzt, das Argument bleibt davon unberührt).
(P2) Ich akzeptiere Jesus nicht als meinen Retter (glaube nicht an ihn, folge ihm nicht, halte seine moralischen Gebote für falsch usw. usf.)

(S) Deswegen werde ich errettet werden (irrationale oder alogische Schlussfolgerung aus (P1) und (P2)).

Wenn Sie sagen, dass die Schlussfolgerung (S) falsch sei, /auf was für einer Basis können Sie das tun ? Wenn die ↑Logik nicht in Glaubensdingen gilt, ist der Schluss (S) richtig. Wenn Sie (S) verwerfen, weil es nicht logisch ist, auf diese Weise zu argumentieren, widersprechen Sie Ihrer eigenen Ansicht! Wenn Sie meinen, errettet zu werden, weil (P2) bei Ihnen lautet, dass Sie Jesus als Ihren Retter akzeptieren (an ihn glauben usw. usf.), ist das ein korrekter logischer Schluss. Wenn Sie behaupten, Gott stehe »jenseits« der ↑Logik, ist Ihr Schluss falsch und meiner oben ist richtig, weil Gott sich nicht an die Regeln menschlicher ↑Logik hält oder halten muss. Das kann man für jeden Glaubenssatz sagen – wenn Sie meinen, dass aus der Auferstehung von Jesus irgendetwas folgt, nach welcher Regel geschieht das? ↑Logik ist nichts anderes als die Anwendung von Regeln. Zu behaupten, ↑Logik sei in Glaubensdingen nicht angemessen ist dasselbe, wie zu behaupten, es gäbe keine Regeln im Glauben. Unter diesen Umständen ist alles möglich, ebenso, dass Gott Sie mit der Hölle bestraft, weil  Sie an ihn geglaubt haben.

Wenn es Ausnahmen von den Regeln der ↑Logik gibt, woher wollen Sie wissen, wo die bestehen und wo nicht? Die Ausnahmen könnten an jeder Stelle zuschlagen, was den Glauben zu einer Lotterie macht. Das bedeutet, wenn Sie keine ↑Logik (kein regelbasiertes Denken) zulassen, dass beliebige Dinge aus dem Glauben folgen. Benutzt wird die Strategie, um den Konsequenzen auszuweichen und ist reines Wunschdenken – Sie halten den Glauben für wahr, weil Sie wünschen, dass er wahr ist. Das ist ein extrem schwaches Argument.

Hinzu kommt: Wenn Gott der Schöpfer des Universums ist, ist die Welt seine erste Offenbarung. Die »Schöpfung« folgt strengen logischen Gesetzmäßigkeiten. Wenn Ihr Glauben oder eine zweite göttliche Offenbarung (z. B. die Bibel) keiner erkennbaren ↑Logik folgt, steht damit die zweite Offenbarung in einem Widerspruch zur ersten Offenbarung. Was bedeutet, eine der beiden Offenbarungen ist falsch – entweder, Gott hat das Universum nicht geschaffen oder er hat sich nicht in der Bibel offenbart. In beiden Fällen ist das Christentum falsch. In jedem Fall ist jede Ihrer Schlussfolgerungen falsch, weil Sie keine Basis haben, um die zu tätigen. Die Konsequenzen für den Glauben sind verheerend. Alle Argumente für den Glauben sind falsch, wenn Sie versuchen, auf solche Weise alle Argumente gegen den Glauben falsch erscheinen zu lassen. Nichtlogisches Schließen ist beliebiges Schließen, Glauben wäre nur ein Wort für Beliebigkeit. Sie hätten sich damit den Boden unter den Füßen weggezogen.

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Die christliche Lebensweise ist der Beweis der Wahrheit des Christentums

»Kurze Antwort: Wenn ein positiv und als sinnerfüllt empfundenes Leben ein Beweis für die Richtigkeit des Christentums wäre, dann wäre ein Christ, der verzweifelt und depressiv ist, dazu der Gegenbeweis

Aber tatsächlich  ist es so, dass die Lebensweise nicht der Beweis für die Wahrheit von irgendetwas sein kann.

Nehmen wir mal an, dass die Aussage »die christliche Lebensweise ist der Beweis der Wahrheit des Christentums« wahr ist. Dann wäre die islamische Lebensweise der Beweis der Wahrheit des Islams, die hinduistische Lebensweise wäre der Beweis der Wahrheit des Hinduismus usw. usf. Da sich diese Religionen in ihrem Wahrheitsanspruch aber gegenseitig ausschließen – wenn das Christentum wahr ist, kann der Islam nicht wahr sein, wenn der Hinduismus wahr ist, können weder Christentum noch Islam wahr sein usw. usf. – und wir können diese Liste noch beliebig um hunderte von sich gegenseitig ausschließenden Religionen ergänzen. Jede dieser Lebensweisen wäre damit ein Beweis für die Falschheit aller anderen, ebenfalls exklusiven Religionen. Da wir in allen Religionen Menschen finden, die sehr positiv von ihrer eigenen Religion denken und die meinen, dass sich dies in ihrer Lebensweise widerspiegelt, würden sich diese »Wahrheitsbestätigungen« (wenn es welche wären) gegenseitig aufheben. Denn die »Wahrheit« des einen ist die »Falschheit« des anderen.

Es ändert sich nichts, wenn man statt »positiv und sinnerfüllt« andere Attribute benutzt (wie z. B. sündenfrei oder sorgenfrei etc.). Denn es lassen sich auch nach christlichen Maßstäben sündenfrei lebende Juden oder Moslems finden, die damit die »Wahrheit« des Judentums beziehungsweise des Islams bezeugen und damit gleichzeitig die Falschheit des Christentums.

Nichts, was wir an Merkmalen in anderen, widersprechenden Religionen ebenfalls finden, ist ein Argument für irgendeine der Religionen. Es ist allenfalls ein Zeugnis dafür, dass der Glauben unabhängig vom Inhalt positive Wirkungen hat, ein Umstand, den ich für kaum bestreitbar halte. Sonst könnte man nicht erklären, wieso es in der Medizin einen Placebo-Effekt gibt. Der Glaube an die Wirksamkeit des Medikaments heilt, obwohl es eine Tatsache ist, dass ein Placebo keinen Wirkstoff enthält. Ließe man das Argument gelten, würde dies bedeuten, dass ein Placebo gleichzeitig  einen Wirkstoff enthält – weil  man das glaubt – und zugleich  gäbe es keinen Medikament im Placebo.

Das gilt z. B. auch für Wunderheilungen – diese finden wir in allen Religionen und sogar bei Atheisten. Die Wunderheilungen sagen nichts über die Wahrheit der Religionen aus, weil auch hier das Wunder der einen Religion immer die »Falschheit« der anderen Religionen bedeuten würde, wenn man das als Argument gelten ließe. Wenn also jemand auf seine positive Lebensweise als Zeugnis der Wahrheit seines Glaubens hindeutet, so wäre dies nur genau dann der Fall, wenn wir diese positive Lebensweise nur in diesem einen Glauben finden würden.

Wenn also jemand Kraft aus seinem Glauben bezieht oder meint zu beziehen, dann ist dies kein Hinweis oder Zeugnis für die Wahrheit des Glaubens, sondern für etwas ganz Anderes.

Ein analoges Argument gilt z. B. auch für Märtyrer oder Wunder.

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• Verhältnis zwischen Wissen und Glauben

 

Auch die Wissenschaft beruht auf Glauben und Axiomen (= Dogmen)

»Kurze Antwort: Wissenschaft arbeit mit Modellen, die falsifiziert werden können. Wenn der Glauben nicht falsifizierbar ist, kann man ihn auch nicht mit wissenschaftlicher Vorgehensweise vergleichen

Wissenschaftler arbeiten mit Hypothesen, die prinzipiell falsifizierbar (verwerfbar) sind. Man nähert sich der Wahrheit, in dem man falsche Hypothesen eliminiert, dies nennt man »kritische Methode«. Nicht-falsifizierbare Annahmen gelten als reiner Unsinn, weil sie diesen Erkenntnisprozess stoppen. Das hängt damit zusammen, dass für jede nicht-falsifizierbare Annahme genauso gut auch das Gegenteil wahr sein kann, denn diese ist ebenfalls nicht falsifizierbar. Axiome gibt es in den Naturwissenschaften nicht, sondern nur in der Mathematik – die Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, die sich mit der Natur der Welt nicht befasst und darüber keine Aussage macht. Das Unbekannte wird mit dem Bekannten erklärt, und diese Erklärungen werden permanent durch bessere Erklärungen ersetzt. Eine Theorie hat umso mehr Erklärungswert, je weniger Zusatzannahmen man machen muss (Ockhams Rasiermesser). Und je mehr Erklärungswert eine Theorie hat, umso besser kann man die Welt damit simulieren.

Dan Barker sagt dazu in seinem Buch »Losing Faith in Faith«, siehe [Barker 1992a]:
» Wahrheit verlangt keinen Glauben. Wissenschaftler reichen sich nicht die Hände jeden Sonntag und singen: »Ja, Gravitation existiert! Ich glaube an die Gravitation! Ich werde stark sein! Tief in meinem Herzen glaube ich, dass das, was hoch – hoch – hoch geht, auch wieder runter – runter – runter kommen muss! Amen!« Wenn sie es doch täten, dann müssten wir denken, sie seien sich ganz schön unsicher darüber

Im religiösen Glauben wird versucht, das Bekannte mit dem Unbekannten zu erklären, es gibt keine kritische Methode Im Gegenteil, man versucht eine Widerlegung durch ↑Immunisierung gegen Kritik zu verhindern, man benutzt Dogmen oder zirkuläre ↑Logik und lässt sich vom Wunschdenken leiten.

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Jedes Denken beruht letztlich auf Glauben

»Kurze Antwort: Wenn man mit Glauben »Vermuten« meint, dann ja. Aber religiöser Glauben ist etwas völlig anderes

Dieses Argument ist verwandt mit dem vorigen. Allerdings ist die Argumentation trickreicher, sie geht meist so:

Unser Denken basiert u. a. auf ↑Logik. Aber das Denken kann sich nicht selbst begründen, dann wäre es zirkulär. Es gibt auch keinen Beweis dafür, dass diese Denkgesetze richtig sind. Also akzeptieren wir die grundlegenden Denkgesetze alleine dadurch, dass wir glauben! Es ist also der Glauben, der die Grundlage allen Denkens bildet. Deswegen hat Glauben Vorrang vor dem Wissen.

Der letzte Satz ist ein non seqitur  (= es folgt logisch nicht). Selbst wenn wir die Denkgesetze auf Basis eines Glaubens akzeptieren würden (was ich bestreite) folgt daraus nicht, dass in allen Lebenslagen der Glauben Vorrang vor dem Wissen hat. Aber fangen wir systematisch an.

(P1) Die Grundlagen des Denkens können nicht bewiesen werden.
(P2) folglich beruht alles Denken darauf, dass wir an die Grundlagen glauben.

(S) Aus dem Grund beginnt alles Denken mit dem Glauben.

In diesem Argument wird die Doppeldeutigkeit des Wortes »Glauben« wieder einmal ausgeschlachtet. Wenn wir Glauben mit Vermuten übersetzen und den religiösen Glauben davon abgrenzen als metaphysischen Glauben, dann kommen wir zu folgendem Argument:

(P1') Die Grundlagen des Denkens können nicht bewiesen werden.
(P2') folglich beruht alles Denken darauf, dass wir vermuten, die Grundlagen seien richtig.

(S') Aus diesem Grund beginnt alles Denken mit dem metaphysischen Glauben???

Das ist ein klassisches non seqitur. Wir vermuten, dass die Grundlagen des Denkens richtig sind, weil sie sich in einem 3,5 Milliarden Jahre andauernden Prozesses, den wir Leben nennen, bewährt haben. Wir haben also eine gut begründete Vermutung. Es ist eine Vermutung wie alles Wissen. Der metaphysische Glauben allerdings hat sich nicht bewährt, er ist bloße Spekulation, ja, er ist sogar jeder Form der Bewährung entzogen. Letztlich kann der Gläubige entweder behaupten, metaphysischer Glauben sei etwas anderes als Vermuten, dann ist das Argument völlig unsinnig. Oder aber er gibt zu, dass auch metaphysischer Glauben auf reinen Vermutungen basiert, also nichts anderes ist. Dann ist der entscheidende Unterschied der, dass wir die Vermutungen, auf denen unser Wissen basiert, rational rechtfertigen können. Wenn der Gläubige das bei seinen Vermutungen auch kann, dann sind sie so gut wie seine Begründung. Kann er es nicht, sind sie schlechter.

Wie so häufig basiert die theistische Argumentation darauf, mitten in der Argumentation die Bedeutung der Worte zu ändern. Dieser Trick ist so beliebt, weil er in mündlichen Diskussionen nur sehr schwer zu durchschauen ist. Aber auch in geschriebener Form wirkt dieser Trick sehr überzeugend. Viele Theisten »glauben« an dieses Argument, wenn sie es verwenden, dann nicht, um zu betrügen, sondern weil sie selbst betrogen wurden (mit diesem und ähnlichen Tricks). Überhaupt muss man bei Theologen sehr aufpassen, weil sie alltägliche Worte oft in einer ganz anderen Weise benutzen, als wir es gewohnt sind (Beispiele sind Begriffe wie Gnade, Geschenk, Liebe, Freiheit, Glauben, Vater, Erlösung, Heil, Ewigkeit, Demut, Gewissheit u. v. a. m.). Juristen machen das auch (weil ihr Fachjargon aus deutschen Worten besteht), aber die wechseln wenigstens nicht mitten in der Diskussion die Bedeutung.

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Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben

»Kurze Antwort: Ja. Wissen ist an Erkenntnis gebunden, religiöser Glauben nicht, denn glauben kann man alles und sein Gegenteil. Man hat nur keinerlei Kriterien – anders als beim Wissen – was von dem Glauben wahr ist und was falsch oder sinnfrei ist.«

Diesem Konstrukt sind wir bereits begegnet. Auch hier wird versucht, eine Sphäre zu schaffen, in der man vor Kritik (aus dem Bereich des Wissens) geschützt ist. D. h., man beansprucht einen Sonderstatus für sich. Auch dies ist eine Variante der Immunisierung gegen Kritik. Selbstverständlich nimmt man es gerne für sich in Anspruch, dass die Wissenschaft bestimmte Aspekte des Glaubens bestätigt, aber wehe, die Wissenschaft widerspricht dem. Dann verbittet man es sich, dass das Wissen auch um die Dinge herum entwickelt wird, mit denen sich der Glauben beschäftigt.

Diese Einseitigkeit  sollte schon misstrauisch machen: Man akzeptiert jede Bestätigung, egal wie schwach oder falsch sie ist. Aber man anerkennt keine Widerlegung, gleichgültig, wie stark oder richtig sie ist. Alles, was man so bekommt, sind »fixe Ideen«.

Wir leben in einer  Welt, in einem  Universum – deswegen ist es schlechterdings unerfindlich, warum es zwei verschiedenartige »Wahrheiten« geben sollte. Und man kann nicht an Dinge glauben, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Insofern steckt das Wissen den Rahmen ab, und ein (metaphysischer) Glauben ist nur außerhalb dieses Rahmens möglich. Da sich der Rahmen des Wissens ständig erweitert, können Glauben und Wissen auch jederzeit miteinander kollidieren. Außer, man glaubt nur an Dinge, die man nicht wissen kann, und dann stellt sich die Frage, warum man daran glauben sollte, wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt? Abgesehen von dem Wunsch, es sei wahr. Aber Dinge werden nicht dadurch wahr oder unwahr, dass wir uns wünschen, es sei so. Auch der Glauben braucht eine Begründung, damit man überhaupt anfängt zu glauben. Nach einer gewissen Zeit, wenn der Glauben zur Gewohnheit geworden ist, meint der Gläubige, jetzt auf diese Begründung verzichten zu können, vergisst aber, dass er nie damit angefangen hätte, wenn er von Anfang an keinerlei Gründe gehabt hätte.

Wer meint, jemand würde damit anfangen zu glauben, wenn man ihm sagt: »Es gibt keine Gründe, zu glauben, deshalb tue es trotzdem« – der glaubt schon zu lange. Übrigens, mit dieser initialen Begründung trifft das Münchhausentrilemma auch den Glauben selbst in vollem Umfang. Gläubige meinen, wenn sie die Wurzeln ihres Glaubens ignorierten, entkämen sie dem Trilemma. Das ist eine Selbsttäuschung.

»Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen« (Bucaille). Auch hier sehen wir, wie das Wissen um die Dinge Einfluss auf das hat, was wir glauben oder sogar glauben können. Der Versuch, Glauben und Wissen voneinander abzuschirmen, kommt aus der schlechten Erfahrung der katholischen Kirche. Die Kirche hat eine bestimmte Kosmologie vertreten und wurde in die Rückzugsgefechte um diese Kosmologie verwickelt (Galileo Galilei als Stichwort). Sie hat in diesem Zuge sehr an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Seitdem achtet man sorgfältig darauf, nicht mit dem Wissen in Konflikt zu kommen. Deswegen hat die katholische Kirche 1996 auch die Evolutionstheorie anerkannt – während sich einige Christen heute mit dem »Kreationismus« gegen die Evolutionstheorie ein ähnliches Rückzugsgefecht liefern).

Übrigens schließen sich beide Argumente gegenseitig aus. Man kann nicht behaupten, »Jedes Denken beruht letztlich auf Glauben « und » Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben «.

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Glauben ist eben nicht rational zu verstehen – und Du überbewertest die Rationalität

»Kurze Antwort: Erzähle das mal den Opfern, die sterben mussten oder verletzt wurden, weil jemand die Rationalität für überbewertet hielt. Glauben kann man alles, auch, dass Ungläubige sterben müssen.«

Glauben kann man sehr wohl rational verstehen  – Sigmund Freud ist dafür ein gutes Beispiel und viele andere Psychologen, Psychiater, Religionssoziologen usw. usf. ebenfalls. Dass man den Glauben selbst nicht rational nachvollziehen kann, ist eine Auffassung, die ich teile und auf meiner Website zu verdeutlichen suche. Dass man (wenn man unter »Verstehen« das »Teilen der Auffassung« begreift) den Glauben nur teilt, wenn man ihn teilt, ist eine trivial-zirkuläre Wahrheit.

Allerdings setzt das »Teilen des Glaubens« eine rationale Entscheidung voraus. Ansonsten ist der Glauben durch (meist frühkindliche) Indoktrination entstanden. D. h., man hat sich nicht für den Glauben entschieden, sondern für das Festhalten an durch Gehirnwäsche aufgeprägte Glaubensgrundsätze. Wie kann man glauben, man habe eine rationale Entscheidung für den Glauben getroffen, wenn man die Rationalität so gering bewertet? Und wenn die eigene Rationalität so schlecht ist, wie kann man dann glauben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben?

Vernunft und Rationalität sind gleichbedeutend. Wenn mir jemand ein Auto oder Aktien verkauft, mit der Bemerkung »Du überbewertest die Rationalität«, dann weiß  ich, dass ich betrogen  werden soll. Warum schrillen bei den Menschen nicht die Alarmglocken, wenn man ihnen bei ihrer Religion dasselbe erzählt ?

Tatsächlich treffen die meisten Gläubigen keine rationale Entscheidung für den Glauben. Sie glauben, was man ihnen aufgezwungen hat, bevor sie ihre Ratio entwickeln konnten. Danach hat man ihnen dann die Schwäche ihrer Ratio als eine Tugend eingeredet, um sie »bei der Stange« zu halten. Was sie als »Vernunft im Glauben« betrachten heißt nur »nachträgliche Rationalisierung des Glaubens« (siehe Angst und Angstabwehr).

Ein anderer Ausdruck für »schwache Ratio« aber ist (entschuldigen Sie bitte den volkstümlich-beleidigenden Ausdruck) Dummheit. Sie können nur wissen, ob Sie nicht in Dummheit glauben, wenn sie die rationale Entscheidung nachholen. Dazu aber müssen Sie die (wesentlichen) Gegenargumente kennen und verstanden haben. Man kann etwas nur wirklich dann richtig erkennen, wenn man es von allen Seiten betrachtet hat. Einseitigkeit ist keine Tugend, auch wenn Sie dies im Religionsunterricht oder der Bibelschule gelernt haben mögen. Einseitige Information ist meist Folge einer Manipulation. Betrüger zeigen Ihnen schließlich auch nur eine Seite einer Sache. Vernünftig sein heißt, beide Seiten zu betrachten.

Aber Information alleine genügt nicht. Man braucht noch (mindestens) eine Methode, um über den Wahrheitsgehalt von Aussagen  entscheiden zu können und da ist die Vernunft unverzichtbar. Vernunftverzicht hingegen nennt man auch »unvernünftig« (das klingt leider wieder nach Beleidigung, ist aber nicht so gemeint).

Wenn Sie eine rationale Entscheidung im Wissen um die Argumente und Konsequenzen getroffen haben und sich für den Glauben entscheiden, dann ist das in Ordnung. Meinen Segen haben Sie (aber den werden Sie dann nicht brauchen). Ich wünsche Ihnen dann von ganzem Herzen, dass Sie damit glücklich werden.

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Nach dem Motto: »Was nicht sein darf, kann auch nicht sein« leugnet die Wissenschaft die Wunder

»Kurze Antwort: Wissenschaft beschäftigt sich mit allem, was sein kann. Moral nennt man das Gebiet von dem, was nicht sein darf. Beides wird im Glauben, aber nicht in der Wissenschaft vermischt.«

(Religiöse) Wunder, so höre ich immer wieder, sind per definitionem  der Wissenschaft entzogen. Denn ein Wunder ist genau das, was nicht (wissenschaftlich) erklärt werden kann. Die Wissenschaft aber leugnet nichts, sie untersucht nur kritisch. Komischerweise verschwinden die Wunder bislang immer, wenn man sie kritisch prüft. Könnte es nicht umgekehrt sein, dass man über Wunder nur versucht, etwas der kritischen Prüfung zu entziehen? Und genau, weil dies versucht wird, und weil viele der »Wundertäter« (beispielsweise Uri Geller) bislang des Betrugs überführt wurden, deswegen sind die Wissenschaftler skeptisch. Und nach den Erfahrungen haben sie jedes erdenkliche Recht dazu!

Man kann Wunder auch so definieren: Wunder sind Dinge, die nur geschehen können, wenn keine skeptische Prüfung stattfindet. So wie Uri Geller immer nur dann auftrat, wenn er wusste, dass keine Zauberkünstler im Publikum waren – denn die hätten seine Tricks durchschauen können). Wunder sind auch eine Methode der Immunisierung gegen Kritik. Denn wenn etwas der wissenschaftlichen Deutung entzogen wird, in dem man die Wissenschaft für »unzuständig« erklärt, dann kann es damit auch nicht kritisiert werden. Das Motto »Was nicht sein darf, kann auch nicht sein« wird dann zur Beweislastumkehr benutzt: Jetzt soll der Skeptiker erklären, dass das Wunder nicht stattgefunden hat, was natürlich logisch meist unmöglich ist. Und wenn es nicht widerlegt werden kann, dann muss es wahr sein (der übliche Trugschluss).

Eine weitere Methode, um die Wunder dem Zugriff des skeptischen Forschers zu entziehen, ist die Verlagerung in unerreichbare Sphären – z. B. in die Vergangenheit, die uns nicht mehr zugänglich ist. Zwar ist dieses Wunder jetzt meist noch weniger belegbar als vorher und kritisch prüfbar schon überhaupt nicht, aber die Widerlegung ist jetzt vollkommen unmöglich. Das ändert aber überhaupt nichts an der Tatsache, dass derjenige, der das Wunder behauptet, es auch belegen muss! Wenn ich also behaupte, Odysseus habe gegen Zyklopen gekämpft, dann kann ich mich nicht einfach hinstellen und sagen, es ist wahr, weil Sie es nicht widerlegen können! Ich müsste schon Belege bringen (z. B. das Skelett eines Zyklopen – dann wäre es noch nicht im Einzelnen bewiesen, aber zumindest wahrscheinlicher). Sonst hätten Sie jedes Recht, mit den Schultern zu zucken und zu sagen: »Der Volker hat es nicht belegt, also stimmt es auch nicht«. Und genau dies werden Sie wohl auch tun. Nun ist der Kampf gegen Zyklopen nichts, was von besonderer Wichtigkeit wäre …

Aber bei Religionen sieht dies ganz anders aus. Es ist wichtig, deswegen dürfen wir schwächere Maßstäbe anlegen. Die Wunder der anderen Religionen werden selbstverständlich allesamt angezweifelt, aber die Wunder der eigenen Religion sind sakrosankt! Da werden dann alle möglichen Verteidigungsstrategien aufgebaut. Was bei einem anderen als unredlich gebrandmarkt wird, ist die eigene Methode. Skeptiker wie ich werden in Diskussionen bei jeder Behauptung aufgefordert, genaue Belege zu bringen, für alles Belege, und wehe, eine der Quellen erweckt auch nur den Anschein von Dubiosität oder ein Link im Internet funktioniert nicht mehr oder es findet sich nur der Hauch einer Chance daran Kritik zu üben – dann zeigt dies ganz klar, dass der Skeptiker Unrecht hat. Aber die eigenen vollkommen unbelegten Behauptungen und die Abwesenheit aller Belege berechtigt den Skeptiker natürlich und selbstverständlich nicht, auch nur den geringsten Zweifel zu hegen. Alles, was der eigenen Meinung entspricht, wird leichten Herzens (um nicht zu sagen: leichtgläubig) akzeptiert, was wichtig ist, wird ungeprüft übernommen, weil es wichtig ist, aber alles, was der eigenen Meinung widerspricht, muss sorgfältigst und genauestens geprüft werden und der Hauch einer Ungereimtheit berechtigt zu sofortiger Zurückweisung.

Die Regeln des Glaubens:

Je wichtiger eine Aussage ist, umso weniger muss ich sie prüfen.
Je weiter eine Aussage von meiner Meinung entfernt ist, umso sorgfältiger muss ich sie prüfen.

Eigene Wunder bestätigen das Geheimnis des Glaubens, Wunder anderer Religionen sind Betrug.

Und da erzählen mir Gläubige ernsthaft, ich  sei der Meinung, was nicht sein darf, könne auch nicht sein??? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn Gläubige dieselbe Skepsis, die sie abweichenden Meinungen gegenüber vorbringen, auch mal ihrer eigenen Auffassung angedeihen ließen.

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Die Wissenschaftler haben sich von Gott abgewandt!

»Kurze Antwort: Nein. Man kann sich nicht von etwas abwenden, was in dem Bereich, in dem man forscht, nicht existiert.«

Wenn man mit Naturwissenschaften argumentiert, dann wird häufig der »Vorwurf« erhoben, die Naturwissenschaftler hätten sich bewusst und willentlich von Gott abgewandt. Nur wegen dieser »Entscheidung« spiele Gott keine Rolle mehr in den Wissenschaften. Dieses Argument ist historisch falsch. Die ersten Naturwissenschaftler waren nämlich fast ausnahmslos Theologen – und selbst jemand wie Charles Darwin war ursprünglich Theologe. Und in den ersten naturwissenschaftlichen Studien wird noch an allen Stellen auf Gott Bezug genommen. Aber im Laufe der Zeit fand man heraus, dass Erklärungen vom Typ »Warum ist A so? Weil Gott es so gemacht hat! Warum ist B so? Weil Gott es so gemacht hat! Warum ist C so? Weil Gott …« überhaupt nichts  erklären, sondern immer das Ende der Erklärungsmöglichkeit und damit auch das Ende des Verstehens markieren. »Weil Gott es so gemacht hat« ist ein Universalargument. Selbst auf der untersten Stufe, der bloßen Beschreibung, kann man an dem Auftauchen des Begriffs »Gott« sofort sehen, dass hier Unverständnis und Unkenntnis signalisiert werden.

Aus diesem Grund fing man an, die Welt zu erforschen, »als ob es keinen Gott gäbe«, um zu sehen, wie weit man damit kommt. Und man kam immer weiter und weiter. Gott erwies sich für die Erklärung dieser Welt nicht nur als nutzlos, sondern auch als überflüssig. Und da man mit dieser »Gottlosigkeit« so gute Erfahrung gemacht hat, behielt man sie bei. Ähnliches gilt auch für alle supernaturalistischen Argumente, diese sind ungültig, weil sie nichts erklären. Esoteriker neigen deswegen ebenfalls zu einer gewissen Wissenschaftsfeindlichkeit, weil sie meinen, die Wissenschaft wende sich »gegen« ihre Überzeugungen so aus purer Boshaftigkeit – dabei tut sie dies aus Notwendigkeit. Selbst in den Klöstern und im Vatikan wird heute so geforscht, als ob es keinen Gott gäbe – nicht, weil dort der ↑Atheismus grassiert, sondern aus dieser praktischen Notwendigkeit heraus.

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Wissenschaft kann auch nicht alle Wahrheiten finden

»Kurze Antwort: Ja, und? Das heißt nicht, dass die ganzen Obskurantisten irgendeine Wahrheit finden können.«

Niemand  bestreitet das. Thema dieser Website ist ja gerade eben, ein Gespür für die Unsicherheit des Wissens zu bekommen. Daraus wird dann von Gläubigen aber eine falsche Schlussfolgerung gezogen: Wenn die Wissenschaft unsicher ist, unser Glauben ist es nicht. Aber – und genau dies ist der Punkt! – wenn bereits Wissen unsicher ist, dann gilt dies für den Glauben erst recht, da er auf einer niederen Stufe der Erkenntnis entsteht. Der Irrtum, dass Glauben sicherer sein könnte als Wissen entsteht dadurch, dass keine Kritik am Glauben zugelassen  wird. Dies aber ist ein Mangel des Glaubens, keine Tugend !

Oft wird mit dem Argument, dass die Wissenschaft viele Irrtümer begangen hat, die Wissenschaft abgelehnt. Nur, woher wissen wir von den Irrtümern der Wissenschaft? Durch die Wissenschaft selbst. Wenn man aus den Irrtümern der Wissenschaft den Schluss zieht, dass diese nicht zuverlässig ist, dann ist die Aufspürung der Irrtümer auch nicht zuverlässig. D. h. man weiß überhaupt nicht (mehr), ob es sich überhaupt um Irrtümer handelt! Es ist ja gerade die Stärke der Wissenschaft, dass sie ihre eigenen Irrtümer (und die anderer) erkennt! Baum Glauben hingegen ist dies – sofern er aus unwiderlegbaren Behauptungen besteht – nicht möglich, einmal begangene Irrtümer überhaupt zu erkennen.

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Selbst Einstein glaubte an Gott – er sagte »Gott würfelt nicht«

»Kurze Antwort: Das ist eine falsche Legende.«

Dieses Zitat wird gerne verwendet, aber es zeigt nicht, dass Einstein an Gott geglaubt hat. Es gibt zu diesem Thema →eine eigene Website. Da die Website in Englisch ist, hier ein Zitat von Einstein selbst zu dieser Frage (Übersetzung von mir):

»Es ist selbstverständlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen lesen, eine Lüge, welche systematisch wiederholt wurde. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe dies niemals bestritten, sondern es klar ausgedrückt. Wenn es etwas in mir gibt, was man als religiös bezeichnen kann, dann ist es meine ungeheure Bewunderung für die Struktur dieser Welt, soweit sie die Wissenschaft erforscht hat. – Albert Einstein in `The Human Side`, editiert von Helen Dukas (Einsteins Sekretärin) und Banesh Hoffman, Princeton University press.«

Es ist schade, dass solche Märchen von Christen erzählt werden. Geschichten dieser Art werden gerne geglaubt, und wenn sie oft genug wiederholt werden, dann werden sie Allgemeingut. So in etwa entstehen auch Religionen.

Außerdem hängt die Wahrheit der Religion sicher nicht daran, dass bestimmte intelligente oder weise oder wissende Menschen auch daran glauben, weil das genauso gut gegen die Religionen spricht, weil auch immer besonders viele intelligente oder weise oder wissende Menschen eben nicht an die Religion glauben. Ohnehin wird diese Art von Argumenten sehr einseitig und selektiv interpretiert: Wenn Einstein an Gott glaubt, dann spricht dies für die Existenz Gottes, tut er es nicht, dann spricht dies nicht gegen die Existenz Gottes, sondern wird als »neutral« angesehen. Anders gesagt, Bestätigungen des Glaubens gleich welcher Art werden akzeptiert, Widerlegungen oder Gegenargumente werden ignoriert.

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Die Wissenschaftler beschreiben die Welt nur, während die Religion sie erklärt

»Kurze Antwort: Religionen beschreiben nicht die Welt, sondern bieten oft extrem simple, ultra-reduktionistische Pseudo-Erklärungen.«

Das Problem mit dieser Behauptung ist, dass hier zum einen versucht wird, die Welt wieder in zwei Bereiche aufzuspalten. Eine, in der Wissenschaft herrscht und eine, in der die Religion an der Spitze steht, damit die Wissenschaft nicht etwa die Religion kritisieren kann. Es handelt sich also um das altbekannte Motiv der Immunisierung gegen Kritik, verbunden mit der Idee, die Religion sei »irgendwie höherwertig« als die Wissenschaft. Aber diese Behauptung ist schlicht und ergreifend falsch. Das Argument ist sogar doppelt falsch: denn die Wissenschaft ist nicht nur in der Lage, die Welt zu erklären (wenn auch nicht in allen Aspekten), sie kann sogar eine höhere Stufe als die des Erklärens erreichen und die Welt verstehen. Während die Religion nicht einmal in der Lage ist, die Welt zu erklären. Hier ist eine sehr merkwürdige Vorstellung im Spiel, was »Erklären« denn nun eigentlich bedeutet.

Was bedeutet beschreiben? Wir nehmen Begriffe, und zeigen damit, was in der Welt vor sich geht. Was bedeutet erklären? Wir nehmen einen unbekannten Begriff (beispielsweise) und verwenden bereits bekannte Begriffe, um diesen so zu umschreiben, dass er selbst bekannt wird. Was bedeutet verstehen? Das bedeutet, wir sind in der Lage, Teile der Welt zu simulieren und sie so nachzuvollziehen, dass wir ihr Verhalten erkennen können, ohne es selbst ausprobieren zu müssen. Alles dies ist Bestandteil sämtlicher Wissenschaften. Beschreibungen sind die Grundlagen für Theorien, Theorien »reduzieren« neue Sachverhalte so, dass sie uns bekannt werden, weil sie auf bereits Bekanntes zurückgeführt werden, und mit den Theorien simulieren wir die Welt so, dass wir sogar Prognosen machen können (was selbst bei so hoch komplexen Geschehnissen wie dem Wetter erstaunlich gut funktioniert). Könnte man das Wetter vorhersagen, wenn man nicht genaue Erklärungen für die Vorgänge hätte? Nein.

Da die Religion aber nun unbekannte Dinge nimmt, deren Existenz nicht nachgewiesen ist (Gott), und darauf bestimmte Dinge zurückführt, kann man hier nicht von »Erklären« reden, auch nicht beim besten Willen. Unbekanntes mit Unbekanntem zu umschreiben ist keine Erklärung – angenommen, sie könnten weder Englisch noch Latein, wäre es dann für Sie eine akzeptable Erklärung, wenn ich das Wort »Window« (= Fenster) mit dem lateinischen Wort »Fenestra« »erkläre«? Nein, denn danach wüssten Sie immer noch nicht, was »Window« bedeutet. Erst, wenn ich Ihnen sage, dass »Window« dasselbe meint wie »Fenster«, hätten sie eine wirkliche Erklärung. Hinzu kommt erschwerend, dass die Religion an entscheidenden Stellen auf die ↑Logik verzichtet. Damit ist dann jede Erklärung (die nachvollziehbar sein sollte) grundlegend zerstört, ein Verständnis unmöglich. Tatsächlich vermindert die Religion das Verständnis der Welt.

Man sollte nicht vergessen, dass die christliche Religion lange Zeit eine veraltete und falsche Kosmologie vertreten hat – Religion macht auch Aussagen über die Realität. Wo sie dies nicht tut, wird sie sinnentleert. Und genau dies ist mit dem Christentum nach dem Untergang der alten Kosmologie passiert, in deren Rückzugsgefechte sie sich hat verwickeln lassen. Sie verzichtete fortan weit gehend darauf, eine Erklärung der Welt zu liefern, weil sie damit jederzeit von den fortschreitenden Wissenschaften widerlegt werden konnte. Diese Lektion haben die Theologen gelernt! Und da, wo die Wissenschaft beim Erklären hilflos ist, ist es die Theologie erst recht.

Beispiel: Wir wissen nicht, wie das Universum entstehen konnte. Jetzt kommen die Theologen mit der Pseudo-Erklärung: Gott hat das Universum geschaffen. Jetzt können wir uns immer noch nicht erklären, wie es nun tatsächlich entstanden ist (hat Gott mit den Fingern geschnippt und es war da? Wie hat Gott die Materie geschaffen? Wie hat Gott die Naturgesetze in Kraft gesetzt?), wir haben eine weitere unbekannte Größe: Gott. Woher kommt Gott? Wie ist er entstanden? Unser Unverständnis über diese Welt hat sich vermehrt, nicht vermindert. Erklären sollte aber die Menge dessen, was wir nicht verstehen, vermindern und nicht vermehren. Eine schlechte Erklärung hinterlässt mehr Fragen als Antworten (wobei auch eine gute Erklärung weitere Fragen nach sich zieht, dies liegt am Münchhausentrilemma. Die Gläubigen verschieben das Etikett »unbekannt« vom Universum auf Gott und meinen nun, sie hätten damit etwas erklärt! Aber sie haben leider nicht das Unbekannte, sondern unser (relatives) Wissen von der Welt reduziert.

Aus diesem Grund lautet einer der Kernsätze des kritischen Rationalismus auch, stets diejenige Lösung zu bevorzugen, die die Anzahl der Probleme vermindert. Nicht die ist zu nehmen, die sie vermehrt. Eine Lösung, die mehr Probleme bereitet als sie löst ist unbrauchbar. Deswegen können wir auf die »Erklärungen« der Theologen gut verzichten, sie tragen zur Lösung unserer Probleme meist nichts bei. Hinzu kommt, dass die meisten dieser »alleserklärenden« Argumente überhaupt nichts erklären.

Theologische »Erklärungen« mögen unser Bedürfnis nach einfachen Erklärungen befriedigen, aber ein forschender Geist fragt weiter und bleibt dabei nicht stehen. Pseudo-Erklärungen lösen nämlich unsere Probleme nicht.

Eine genauere Auseinandersetzung mit dem Thema verschiebe ich auf später.

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Auch der Atheismus ist bloß ein Glauben!

»Kurze Antwort: Nein. ↑Atheismus ist das Fehlen eines Glaubens an Gott.«

Wenn man den Glauben als metaphysischen Glauben nimmt, d. h. als Glauben an die Wahrheit von etwas, wofür es keine Evidenzen gibt, und dies auch noch für wahr hält, dann sind Atheisten meist generell gegen diese Art der Pseudo-Erkenntnis. Wenn man den Begriff des Alltagsglaubens nimmt, dann sind Atheisten für eine rationale Rechtfertigung des Glaubens. Kann man einen Glauben nicht mit der Vernunft begründen, dann sollte man ihn als wilde Spekulation betrachten. Kann man ihn begründen, dann ist auch damit noch nicht seine Wahrheit erwiesen.

Was Glauben _1_ ist, habe ich unter →Atheismus beschrieben.

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Formale Logik ist nicht alles – was ist mit den anderen Logiken?

»Kurze Antwort: Nichts wird dadurch wahr, dass man nach Belieben die ↑Logik wechselt.«

Neben der klassischen formalen ↑Logik (die auf Aristoteles zurückgeht) gibt es noch andere Logiken. So wird z. B. gerne die fuzzy Logic  (unscharfe Logik) angeführt, die vor allem in der Maschinensteuerung verwendet wird, und die nicht nur »wahr« und »falsch« kennt, sondern auch beliebige Zwischenzustände. Die Fuzzy Logic lässt sich allerdings, wenn auch nur näherungsweise, auf die binäre Logik reduzieren, denn sie läuft auf Digitalcomputern, und die können nur binäre, zweiwertige ↑Logik und sonst nichts. Wenn es auf einem Computer läuft, dann beruht es auf klassischer ↑Logik.

Außerdem, und das ist interessant, wird von denen, die fuzzy Logic verwenden, meist nur behauptet, dass man damit die Widersprüche in ihrer Religion beseitigen kann, bislang ist man mir auf Nachfrage jeden Beweis für diese Behauptung schuldig geblieben. Mehr noch, ich habe selbst in einigen Diskussionen Fuzzy Logic verwendet, und die Ergebnisse waren meist noch verheerender, als wenn ich zweiwertige (klassische) ↑Logik verwandt hätte. Überhaupt benutze ich selbst nur selten eine reine zweiwertige ↑Logik, sondern eine dreiwertige ↑Logik, die die Zustände wahr, falsch und sinnfrei kennt.

Eine weitere ↑Logik, die aber von religiösen Apologeten so gut wie nie verwandt wird, ist die dialektische ↑Logik, die ursprünglich auf die alten Griechen zurückgeht und vor allem von Hegel und in der Folge von Marx und Engels verwandt wurde. Ich bin ein großer Freund der ursprünglichen Dialektik, ohne die hegelschen Erweiterungen.

Dann gibt es noch die sog. parakonsistenten Logiken. Auch von denen wird manchmal behauptet, sie könnten die Widersprüche in den Religionen auflösen, weil sie mit Widersprüchen anders umgehen. Aber wird ein quadratischer Kreis – nach »normalem« menschlichen Ermessen unmöglich – durch die Anwendung einer anderen ↑Logik möglich? Nein – und es ist gleichgültig, welche ↑Logik wir anwenden, faktische Widersprüche bleiben erhalten, ganz unabhängig von der angewandten ↑Logik. Wir leben nicht in der Welt von Harry Potter, wo es möglich ist, bestimmte Zaubersprüche auszusprechen, und schon ändert sich die Realität. Wir können weder durch das Murmeln von Zaubersprüchen noch die Verwendung einer anderen ↑Logik etwas daran ändern, wie unsere Welt aussieht, wir können Widersprüche nicht einfach »wegzaubern«, in dem wir unsere Sicht- oder Sprechweise der Welt ändern. Wenn Allmacht und Güte und die Übel der Welt (Theodizeeproblem) zu Widersprüchen führen, so genügt es nicht, an eine andere ↑Logik zu denken und – Hokus Pokus Fidibus: schwupps! – schon löst sich der Widerspruch in Nichts auf. Schon überhaupt nicht genügt der bloße Hinweis auf eine andere ↑Logik, um widersprüchliche Tatsachen miteinander zu vereinbaren.

Beispiel: Es gibt keinen viereckigen Kreis _2_. Das ändert sich nicht, auch dann, wenn ich die Perspektive ändere.

Bei dem Glauben, eine andere ↑Logik würde an widersprüchlichen Tatsachen etwas ändern, handelt es sich folglich um primitiven, magisch-mystischen ↑Aberglaubenn. Das wäre nur anders, wenn mir jemand beweisen könnte, dass sich durch Änderung des Denkens etwas an der Realität selbst ändert, aber diesen Nachweis sind bislang alle, die es behaupteten, schuldig geblieben, obwohl hohe Preise für derartige Beweise ausgelobt wurden.

Kleine Kinder müssen erst lernen, dass Sprache und Denken keinen Einfluss auf die Realität haben. Bedauerlicherweise lernen manche Menschen dies zwar für ihr tägliches Leben, aber vergessen die Unmöglichkeit des magischen Denkens sofort wieder, wenn es um ihre Religion geht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf – nämlich, dass ihre Religion irrational ist.

»Ich glaube es, und daher ist (oder wird) es wahr« ist eine Form des magischen Denkens.

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Die Religion beschäftigt sich mit der spirituellen Welt, die Wissenschaft mit der materiellen Welt. Beide Sichtweisen »überlappen« nicht

»Kurze Antwort: Das gilt nur dann, wenn beide nicht miteinander interagieren.«

Diese Ansicht ist unter vielen Theologen populär. Aber ich bin anderer Meinung. Zum einen greift die Religion auch stets in unsere "materielle" Lebenswelt ein und meldet dort ihre moralischen Ansprüche an. Zum anderen ist dies eine substanzlose Behauptung, die ich aus den gleichen Gründen ablehne wie den Supernaturalismus.

Wenn diese behauptete "geistige Welt" (nennen wir sie GW) existiert, dann kann sie nicht unabhängig von der materiellen Welt (MW) existieren. Beide, MW und GW müssen miteinander interagieren. Wenn Sie morgens aufstehen, dann bewegen Sie ihre Beine – Bestandteile der MW, in dem Sie in Gedanken ihren Beinen "Befehle" geben. Würden Ihre Gedanken aus der GW keinen Einfluss auf die MW haben, dann würden sich Ihre Beine nicht bewegen, und Sie bekämen auch keine Rückmeldung, wenn Sie sich irgendwo stoßen. Da dies mit großer Zuverlässigkeit funktioniert, gibt es also eine starke Kopplung. Wäre es anders, könnte kein Chirurg durch Durchtrennen von Nervenfasern Ihre geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen und keine Viren Ihr Gehirn lahm legen.

Deswegen wird meist noch zusätzlich angenommen, dass es eine "spirituelle Welt" (SW) gibt, die sich mit Gott etc. beschäftigt, und die kein Bestandteil der Wissenschaft sein kann, weil sie kein Bestandteil der MW ist. Durch Erklärung der Unzuständigkeit der Wissenschaft wird versucht, den Bereich der SW einer kritischen Prüfung zu entziehen – anders gesagt, man soll "einfach glauben" was einem darüber erzählt wird. Diese ↑Immunisierung gegen Kritik (siehe auch hier) sollte einen schon alleine misstrauisch machen.

Aber wir dürfen hier nicht, wie die Gläubigen uns suggerieren wollen, auf alle Möglichkeiten der kritischen Prüfung verzichten. Denn wie wir bei der Beziehung zwischen der GW und der MW gesehen haben, muss es irgendeine Form der Interaktion der SW mit der MW geben. Gibt es keine, dann ist die SW für unser Leben vollkommen irrelevant – und sie ist soweit jenseits unserer Erfahrung, dass jeder Gedanke darüber mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ein Irrtum ist (so wie etwa Spekulationen über die Planeten einer Sonne in der Galaxie M87, ca. 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt).

Damit etwas für uns real ist, muss es die Sphäre unserer Erfahrung erreichen. D. h. es muss unserer Erfahrung zugänglich sein. Wenn wir unsere Erfahrung darauf nicht anwenden können, dann sind Informationen aus der SW für uns reinstes Chaos, nicht unterscheidbar vom Rauschen im Radioempfänger. Wenn wir unsere Erfahrung nur teilweise darauf anwenden können, dann können wir nicht wissen, in welchen Teilen wir Irrtümer begehen und in welchen Teilen nicht. Dann kann alles ein Irrtum sein. Stellen Sie sich ein Telefonbuch vor, in dem 20% aller Telefonnummern vertauscht wurden. Können Sie von irgendeiner Telefonnummer mit Sicherheit sagen, ob sie zum Ziel führt, ohne es ausprobiert zu haben? Nein. Ohne Prüfmöglichkeit ist das Telefonbuch wertlos. Das gilt dann auch für alle Aussagen, die über die SW gemacht werden!

Wenn die SW aber für unsere Erfahrung auch nur halbwegs zugänglich ist, d. h. auch nur einen minimalen Grad an Verlässlichkeit besitzt, dann fällt sie in den Bereich der Wissenschaft, die sich mit menschlicher Erfahrung beschäftigt, z. B. der Psychologie. Woran sonst sollten wir die SW messen, wenn nicht an unserer Erfahrung? Ansonsten kommen wir wieder dazu, mit "Argumenten" aus der SW Beliebiges auf beliebige Weise zu beurteilen. Dann ist alles möglich. Carl Sagan hat in seinem (sehr empfehlenswerten) Buch "Der Drache in meiner Garage" dies anschaulich illustriert. Wenn mein Nachbar behauptet, er habe einen Drachen in seiner Garage und wir sehen die leere Garage, dann werden wir misstrauisch. Wenn man uns erzählt, der Drache sei unsichtbar und unhörbar und nicht messbar (durch Infrarot, Radiowellen etc.), und man würde ihn erst sehen, wenn man an ihn glaubt – dann würden wir diesen Unsinn zurückweisen. Warum sollte man beim Glauben, speziell dem an die SW, eine Ausnahme machen?

Wenn etwas unsere Welt durchdringt und mit uns in irgendeiner Form interagiert, dann ist es Bestandteil dieser Welt und für uns fassbar und dann können wir es prüfen.

 

• Die Bibel

 

Die Bibel ist das absolut wahre Wort Gottes

»Kurze Antwort: Neben hunderten von anderen Büchern, die dasselbe behaupten, und für die es auch keine sinnvollen Argumente gibt.«

Wenn dem so wäre, dann wäre die Bibel eine ↑Letztbegründung. Wenn es eine Letztbegründung gäbe, dann könnten wir sie wegen des ↑Münchhausentrilemma nicht verstehen oder als solche erkennen. Da wir schon beim Erkennen scheitern, können wir eine falsche nicht von einer echten Letztbegründung unterscheiden. Man kann also nur behaupten, die absolute Wahrheit zu haben, man kann es nicht beweisen. Und wenn man es nicht beweisen kann, ist es eine wertlose Behauptung. Denn wenn wir zwei Positionen nicht unterscheiden können, dann sind sie (für uns) gleich!

Transzendenz besteht nun darin, eine geheimnisvolle Unterscheidung in zwei identische Positionen hineinzuschmuggeln, möglichst, ohne dazu nachvollziehbare Argumente zu benutzen. Das ist 1. unredlich und 2. manipulativ, vor allem, wenn "emotional" argumentiert wird.

Warum aber sollte ich an etwas glauben, wenn man es nicht beweisen kann?

Das mag bestimmte Bedürfnisse befriedigen, aber Glauben ist ein schlechter Ersatz für Wissen. Wissen, so könnte man definieren, ist rational gerechtfertigter Glauben (glauben im Sinne von "vermuten"). Glauben im religiösen Sinne verzichtet auf die rationale Rechtfertigung, geglaubt wird, weil man es in einem bestimmten Kontext für sinnvoll hält, aber dadurch wird der Glauben nicht wahr.

Hinzu kommt, dass der Glauben an eine Letztbegründung von einer niedrigeren Stufe der Erkenntnis kommt. Damit ist der Erkenntnisgehalt zumindest zweifelhaft, meist aber fehlend (und die Schwachheit der Argumente muss dann durch die Intensität des Emotionalen daran Festklammerns kompensiert werden).

Und für eine gute Begründung enthält die Bibel entschieden zu viele Fehler und Widersprüche. Das minimale Wahrheitskriterium der 2. Erkenntnisstufe (interne Konsistenz, Widerspruchsfreiheit) wird von der Bibel nicht erreicht. Das wird meist durch mehr oder weniger "kunstvolle" (und oft sehr willkürliche) Interpretationen "ausgeglichen".

 

Die Bibel ist wahr wegen der vielen richtigen Prophezeiungen

»Kurze Antwort: Die Bücher von Jules Verne enthalten auch lauter richtige Prophezeiungen. Sind die Geschichten deswegen wahr?«

Die Bibel enthält jede Menge an falschen Prophezeiungen. Beispiel: Jesus prophezeite das Kommen des "Reichs Gottes" noch zu Lebzeiten seiner Gefolgsleute.

Markus 9:1  1 Und er sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in (seiner ganzen) Macht gekommen ist.
Lukas 9:27  27 Wahrhaftig, das sage ich euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
Lukas 10:9  9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
Lukas 21:22-28  22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in Erfüllung gehen soll, was in der Schrift steht. 23 Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn (Gottes) wird über dieses Volk kommen. 24 Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen. 25 Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. 26 Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. 27 Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. 28 Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.
Lukas 21:29-32  29 Und er gebrauchte einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen Bäume an: 30 Sobald ihr merkt, dass sie Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. 31 Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. 32 Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft.
Matthäus 10:23  23 Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in eine andere. Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.

Die falschen Prophezeiungen werden meist völlig ignoriert. Man lässt nur das Positive gelten – dies nennt man "selektive Wahrnehmung".

Das Märchen, dass nur Gläubige die Bibel "richtig" lesen könnten, kommt daher, dass sehr selektiv-unkritisch gelesen wird, d. h. man liest stets so, dass die eigene Meinung bestätigt wird (wie immer die gerade auch aussieht). Wenn man der Ansicht ist, dass der Gott der Bibel ein Gott der Liebe ist, dann wird man die Stellen, an denen Schwangere aufgeschlitzt werden auf Geheiß Gottes eben einfach überlesen oder windelweich interpretieren – oder gar das Töten von Menschen als gute Tat preisen. Das ist weder ehrlich noch intellektuell redlich.

Das "Ausblenden" von Dingen, die der eigenen Meinung widersprechen oder das Uminterpretieren von Bibelstellen, bis sie in das eigene Weltbild passen und das selektive, unkritische Lesen sind das Merkmal eines indoktrinierten Verstands. Zeit, die eigenen Denkvoraussetzungen kritisch zu prüfen. Denn ein indoktrinierter Mensch ist eine unfreie Marionette, an deren Fäden ein anderer zieht. Das nennt man Manipulation. Diese Indoktrination pflanzt zwei falsche Annahmen in den Verstand ein – 1. es gibt eine irrtumsfreie Position und 2. ich habe sie in der Bibel. Von diesen Annahmen aus betrachtet kann man nicht recht haben und wird daher alles, was einen Irrtum aufzeigen könnte, seinerseits für einen Irrtum halten und daher ablehnen! Das aber ist eine echte Denkfalle. Es ist genau umgekehrt: Nur durch das Erkennen von Irrtümern gewinnen wir an Erkenntnis dazu, können wir keine Irrtümer mehr finden, stagniert unsere Erkenntnis, wir hören auf zu wachsen. Eine weitere gute Auseinandersetzung mit den Prophezeiungen der Bibel finden Sie hier: →PROPHECIES: IMAGINARY AND UNFULFILLED von Farrell Till, einem ehemaligen Priester.

Siehe auch: [Callahan 1997]

Es gibt fast nichts auf dieser Welt, was einem Argument mehr Gewicht verleiht, als der Wunsch, es möge wahr sein

Volker Dittmar

1. Inzwischen definiere ich den religiösen Glauben  so: Vorgeben, zu wissen, was man nicht weiß. Zurück zu 1

2. In der euklidischen Geometrie, der unserer Welt. Zurück zu 2


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