Intelligentes Design ist eine Theorie, die jedes intelligente Design bei ihrer Erstellung vermissen lässt.
Inhaltsverzeichnis:

      Das Designargument für Gott, zweiter Teil
      Die Uhr am Strand oder was ist Design?
      Ein häufiger Einwand …
      Gott als Produkt einer Fabulation
      Wer designed den Designer?

 

Das Designargument für Gott, zweiter Teil

Einige werden sich gewundert haben, warum ich die Tatsache der Evolution _1_ nicht als Gegenargument benutzt habe, wie dies in diversen Büchern und aller Ausführlichkeit Richard Dawkins getan hat _2_. Der Grund besteht darin, dass es damit erst richtig losgeht. Im ersten Teil habe ich das Argument logisch vernichtet, mit der Evolutionstheorie kann man es empirisch widerlegen.

 

Die Uhr am Strand oder was ist Design?

Es gibt noch ein Problem mit dem »Uhrenvergleich«. Es wird behauptet, dass die Uhr einen Designer hat. Und das ist völlig falsch! Wie entsteht ein Design für eine Uhr? Niemand hat sich hingesetzt und einzeln und alleine sich ausgedacht, wie eine Uhr aussieht. Sondern jedes Design einer Uhr entsteht dadurch, dass man ältere Designs nimmt und sie abändert. Jedes Design einer Uhr kann man fast lückenlos bis hin zur grundlegenden Idee, der Sonnenuhr, zurückverfolgen. Die besteht aus einem Stock im Boden und ein paar Strichen im Sand oder Steinen, auf die der Schatten fällt.

Das gilt nicht nur für Uhren, das gilt auch beispielsweise für Autos. Das moderne Design der Autos hat niemand »erfunden«. Sondern es hat sich aus dem Design der Pferdekutschen entwickelt. Es sind immer nur Details verändert worden. Design ist ein Prozess kontinuierlicher Veränderung. Einige davon setzen sich durch, die entsprechenden Uhren oder Autos werden besser verkauft. Andere gehen wiederum unter. Selbst eine »Revolution« wie eine Digitaluhr ist der Art und Weise abgesehen, wie wir Uhrzeiten aufschreiben: als Ziffern, und nicht, in dem man ein Ziffernblatt hinmalt. Man wird lange suchen müssen, bis man ein Beispiel für etwas findet, was fertig designed erschaffen wurde. Wir sehen nur meist das Endprodukt. Die Uhr am Strand zeigt also als Analogie genau das Gegenteil von dem, was Theologen und Gläubige behaupten: nämlich, dass es im Universum nur eine Entwicklung in eine Richtung gibt, zunächst vom ganz Einfachen zum immer Komplexeren. Von da ab kann es auch wieder bergab gehen, manchmal besteht Design auch aus Vereinfachung. Damit das passieren kann, muss man aber zunächst eine Verkomplizierung voraussetzen.

 

Ein häufiger Einwand …

Die meisten modernen Christen gestehen es zu, dass es eine Evolution gab. Sie gehen davon aus, dass ein allmächtiger, gütiger, liebender Gott den Umweg über den Entwicklungsprozess nahm, um Leben zu erschaffen. Das bedeutet, dass die Grausamkeit der natürlichen Auslese, das gewaltigste Blutvergießen, dass es je gegeben hat, Teil eines »göttlichen Plans« zur Vervollkommnung ist. Sorry, aber ich finde den simpelsten, dümmsten, peinlichsten Kreationismus, den man aufspüren kann, noch tausendmal plausibler als das. Warum?

Weil Allmacht – im Glaubensbekenntnis übrigens gleich zweimal erwähnt – genau das eine bedeutet, nämlich, dass man keine Mittel zur Erreichung eines Zwecks benötigt. Mittel zu benutzen um einen Zweck zu erzielen ist das genaue Gegenteil. Es ist auch unplausibel, dass ein Gott, der aus dem Nichts etwas erschaffen kann – das Universum – nun plötzlich darauf »umsteigt« und einen sehr langsamen, sehr fehleranfälligen, sehr blutigen, sehr leidvollen Prozess benutzt, um etwas zu erschaffen. Das ist um keinen Deut verständlicher als die Annahme der Biblizisten _3_, dass ein allmächtiger Gott erst das Universum aus dem Nichts erschafft, dann aber Lehm und eine Rippe braucht, um die ersten Menschen zu erschaffen.

Dass die Evolution zu einem Teil  durch Zufall beeinflusst wird, kann man nicht an den positiven, sondern vor allem aus den negativen  Beispielen ersehen. Diese werden aber oft ignoriert. Man würde einen Designer, der das menschliche Auge so konstruiert, wie es beschaffen ist, achtkantig von jeder Schule werfen. Die Idee eines »guten Designers« entsteht aber dadurch, dass man nur betrachtet, was gelungen ist und alles andere ausblendet. Klingt vertraut? Wir finden dasselbe Muster bei der Behandlung des Theodizeeproblems. Gott wird aus dem Guten heraus entwickelt, unter Vernachlässigung von allem anderen. Was natürlich bedeutet, dass dieser Gott in erster Linie überhaupt nichts anderes sein kann als eine Erfindung des Gläubigen. Man kann eine Geschichte anhand von Tatsachen erzählen oder anhand von Dingen, die man sich ausdenkt. In letzterem Fall geht man davon aus, was man glaubt, was richtig sein könnte. Ersteres nennt man einen Tatsachenbericht, Letzteres einen Roman. Wenn man eine Mischung nimmt, etwa selektiv nur bestimmte Tatsachen benutzt, sich den Rest aber ausdenkt, hat man einen Tatsachenroman: Beruht auf Tatsachen, enthält aber fiktionale Elemente. Gott ist in dieser Hinsicht ein Tatsachenroman. Aber einer mit wenig Tatsachen und viel Fiktion.

 

Gott als Produkt einer Fabulation

Wenn man mit Gläubigen diskutiert, dann bemerkt man sehr schnell zwei interessante Tatsachen: Erstens, jeder Gläubige hat ein anderes Bild von Gott. Das fällt den Gläubigen kaum auf, weil sie so vage und verschwommen über Gott reden, dass man sich quasi alles und nichts darunter vorstellen kann. Das Wort »Gott« triggert nur sehr verschiedene Assoziationen. Zweitens, dass die Gläubigen zwar sagen, dass man über Gott nichts wissen kann, aber dass sie selbst stets sehr genau wissen, wie Gott ist und warum er so und nicht anders handelt. Letzteres bedeutet aber nur: DU kannst nichts über Gott wissen, ICH  aber schon.

Es ist, als ob ich mit einem Romanautor über seinen Roman diskutiere: Natürlich kann ich nicht wissen, wie sich die Geschichte entwickelt und wie die Romanfiguren handeln werden, bevor ich die ganze Geschichte gelesen habe. Der Autor aber weiß das alles sehr genau, so genau, wie er sich das halt ausgemalt hat. Er  ist der Konstrukteur, er  hat die Oberhoheit über seine Figuren. Dasselbe finden wir bei Gläubigen, deswegen ist dieses Verhalten der Beweis dafür, dass man sich seinen Gott selbst erschaffen hat. Es ist immer interessant zu sehen, wie lange es dauert, bevor ein Gläubiger sich darauf beruht, das Gott halt mysteriös und ein Geheimnis ist. Das geschieht, sobald die eigene Konstruktion selbst für den Glaubenden erkennbar an innerer Konsistenz verliert. Eigentlich müsste der Gläubige, wenn er sich selbst ernst nehmen würde, gleich damit anfangen, zu sagen, dass er nicht weiß, warum Gott etwas tut (beispielsweise den Umweg über die Evolution nimmt). Selbstverständlich weiß der Gläubige auch nicht, warum das der Fall sein soll. Aber bis man dahin wieder zurückkehrt, fabuliert der Gläubige munter drauflos. Deswegen ist bei jedem Gläubigen die Schilderung auch unterschiedlich.

Ich denke nicht einmal, dass dem Gläubigen das bewusst ist. Wir sind uns schließlich auch nicht bewusst, dass unser Gehirn die Lücken in den Betrachtungen oder in Erinnerungen automatisch füllt. Wir merken nicht einmal, dass wir einen guten Teil des Tages blind sind, weil wir blinzeln – denn unser Gehirn füllt die so entstehenden »Sehlücken« sehr geschickt mit Erinnerungen auf. So merkt also kein Gläubiger, dass er seine Schilderungen von Gott mit Erfindungen auffüllt. Weil ein Wesen, das in erster Linie mysteriös und undurchschaubar ist, ist alles andere als verehrungswürdig. Das mit dem »Mysterium« ist wiederum nicht einfach nur eine Ausrede, die nicht nur auf beiden Beinen lahmt – die braucht eine Bahre. Seit wann würden wir etwa jemanden einen Bankraub durchgehen lassen, weil er halt »auf mysteriöse Weise« wirkt?

 

Wer designed den Designer?

Wir können jetzt die anfängliche Frage beantworten: Wer entwarf den Designer? Nun, da dass Gottesbild ebenso der Evolution , einer reingedanklichen Entwicklung, unterliegt wie viele Ideen auch, kann man sagen:

Der Mensch entwirft Gott. Er weiß es nur nicht, er hat auch keine »Instrumente«, mit denen er das bemerken könnte. Die Geschichte Gottes ist ein Roman, aus dem man im Laufe der Zeit immer mehr Tatsachen entfernt hat. Weil diese zu leicht mit der Konstruktion Gottes kollidieren könnten. Was man vornehmen kann ist eine »Dekonstruktion Gottes«. Rekonstruieren lässt sich nichts, denn dazu bräuchte man Fakten, so hat man aber nur Gedanken und mehr nicht. Gott ist stets so, wie die Gläubigen ihn sich denken.

Was braucht man eigentlich noch mehr an Indizien, um zu bemerken, dass wir es bei Gott mit einer Gedankenkonstruktion zu tun haben? Der Gläubige will das so wenig bemerken wie er wissen will, ob ein Medikament ein Placebo ist oder nicht. Denn er fürchtet, die »positiven Einflüsse« des Glaubens an Gott zu verlieren, wenn er aufhört, an Gott zu glauben. Das ist zwar ein Irrtum, wie man hier sehen kann: →Derren Brown – Fear and Faith, Part I. Hier kehrt die durch ein Placebo überwundene Höhenangst nicht zurück, als Derren Brown es dem Versuchskandidaten erzählt. Das ist ein verbreiteter Irrtum. An der Wirksamkeit eines Gebetes ändert sich nichts, ob Gott existiert oder nicht. Was heißt, dass er nicht existiert.

Wenn ich einen Mord, einen Kindesmissbrauch, eine Vergewaltigung verhindern könnte, würde ich es tun. Das ist der Unterschied zwischen mir und Deinem Gott

Aus dem Internet, anonym

1. Die Evolution  ist eine vielfach beobachtbare Tatsache. Die Evolutionstheorie  ist »nur eine Theorie«, aber eine der besten wissenschaftlichen Theorien, die wir haben. Die schiere Menge der Indizien, die für die Evolutionstheorie sprechen, ist erdrückend, erschlagend, überwältigend. In dem Sinne ist auch »Schwerkraft nur eine Theorie«, aber weil dem so ist, würde es niemand wagen, von einem Hochhaus zu springen, der nicht einen sicheren Weg sucht, sich umzubringen. Man könnte auch sagen: Angesichts der Beweise für die Evolutionstheorie ist es normalerweise intellektueller Selbstmord, dagegen anzugehen, wenn man nicht wirklich ähnlich überwältigende Beweise hat, die frei von Denkfehlern sind. Die Einwände der Kreationisten und IDler sind hingegen meist von geradezu lächerlicher intellektueller Schlichtheit (und Unredlichkeit). Zurück zu 1

2. Siehe etwa [Dawkins 1996], [Dawkins 1997a], [Dawkins 2009a], [Dawkins 2012b], um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zurück zu 2

3. Das sind Leute, die die Bibel »wörtlich« nehmen, oder dies zumindest behaupten. Was damit gemeint ist, ist eigentlich, dass sie die Bibel als eine Art Tatsachenbeschreibung nehmen. Viele Christen sind Teilzeit-Biblizisten, sie nehmen z. B. die Sintflutgeschichte nicht wörtlich (als Tatsache), dafür aber die Auferstehung. Wenn die Sintflut eine Legende ist, wieso dann nicht die Auferstehung? Es gibt dafür nur zwei Gründe, nämlich erstens, dass man es sich so wünscht, und zweitens, die lahmste Ausrede von allen, nämlich, dass man unter Verwendung aller rationaler Ressourcen den Zweifel an der Auferstehung mit einem Gegenzweifel aushebeln kann. D. h., alles, was man sagt, ist letztlich, dass es noch nicht so widerlegt wurde, wie es der eigenen, sehr sehr hoch gelegten Messlatte für Widerlegungen entspricht. Was nur bedeutet, dass man ein paar anonymen Autoren aus der Antike mehr traut als seinem eigenen Verstand und den heutigen Wissenschaftlern zusammengenommen. Man möchte daraus fast ablesen, dass sie ihrem eigenen Verstand zu Recht misstrauen, wenn sie zu solchen Schlussfolgerungen kommen. Aber, das stimmt nicht ganz, weil es sich zugleich um eine Art Denkökonomie  handelt, ich werde darauf zurückkommen. Zurück zu 3


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