Gläubige definieren die Begriffe sich nach Belieben zurecht, um Kritik auszuweichen.
Inhaltsverzeichnis:

      Glossar – ein paar praktische Begriffsdefinitionen
      Bosheftige Definitionen
         Beispiel:

 

Glossar – ein paar praktische Begriffsdefinitionen

Es handelt sich hierbei um praktische Arbeitsdefinitionen, mehr nicht! Für die Definition philosophischer Begriffe siehe auch →Das Lexikon der Philosophie. Sollte ein Begriff hier fehlen, dann bitte dort nachschlagen! Wenn es um einzelne Wörter geht, deren Bedeutung unklar ist, so empfehle ich einen Blick auf das →Wortschatz-Lexikon. Ein interessantes Projekt ist die freie Enzyklopädie →Wikipedia:Hauptseite. Wenn der Begriff dort gut erklärt wird, verweise ich am Ende meiner Erläuterung auf den Eintrag in der Wikipedia.

Aberglaube: Der Glaube an höhere, nicht nachweisbare Mächte, verbunden mit der Auffassung, diese durch Handlungen, Rituale oder Denkweisen (Gebet, Meditation) zu beeinflussen. Ferner der Glaube an Fernwirkungen ohne nachweisbare Energieübertragung (Telepathie, Telekinese) d. h. ohne erkennbare Ursache/Wirkungs-Beziehung. →Wikipedia: Aberglaube

Agnostizismus: Gnosis heißt »Erkenntnis«, also bezeichnet Agnostizismus Nicht-Erkenntnis. Im Zusammenhang mit Gott ist ein Agnostiker jemand, der sagt, dass man die Existenz Gottes nicht erkennen kann.

Atheismus: Wenn Theismus der Glaube an Gott ist, dann ist A-Theismus der Nicht-Glauben an Gott, d. h. das Fehlen eines Glaubens an übernatürliche Wesenheiten. Ein Atheist ist als nicht unbedingt jemand, der sagt »Es gibt keinen Gott« sondern jemand, der sagt »Ich glaube nicht an Gott«. →Wikipedia: Atheismus

Aufklärung: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen« (Definition nach Immanuel Kant). →Wikipedia: Aufklärung

Bayes Theorem: Bayes Theorem ist ein fundamentales mathematisches Prinzip, welches beschreibt, welches Vertrauen wir in die Richtigkeit einer Hypothese haben können, bei gegebenen Beweisen. Es besagt, dass wir umso bessere Beweise benötigen, je unwahrscheinlicher ein Ereignis ist oder je weiter es von unserer Erfahrung entfernt ist.

Erklären: Etwas Unbekanntes aus bekannten Elementen schlüssig ableiten, so dass wir den Ursprung und die Entwicklung rekapitulieren können. Das muss man unterscheiden von Pseudo-Erklärungen, bei denen etwas Unbekanntes aus etwas Unbekanntem abgeleitet wird (»Dieses Artmerkmal existiert, weil Gott es designed hat«). Dem Erklären geht das Erkennen voraus. Wenn wir das Erkannte in den bisherigen Rahmen unseres Wissens integrieren können, wird es bekannt, damit erklärt und erst dann können wir es verstehen. Wenn der Wissensrahmen nicht ausreicht, das Erkannte zu integrieren, muss er erweitert werden (oder umgebaut werden) bis es geht.

Fortschritt: Fortschritt ist ein Prozess, bei dem eine knappe Ressource entweder in besserer Qualität und/oder Quantität einer größeren Gruppe von Menschen (als Quantität) zur Verfügung steht.

Freidenker: Jemand, der in seinem Denken keinen Autoritäten folgt, speziell keinen religiösen Autoritäten. →Wikipedia: Freidenker

Glaube: Subjektive Gewissheit von Erkanntem, die entweder ohne Begründung auskommt oder auf der Annahme einer Letztbegründung basiert. Umgangssprachlich schwingt in dem Begriff »Glauben« die Bedeutung, von vermuten, nicht-genau-wissen, meinen, für-wahr-halten mit, ferner ein Vertrauen in Personen oder Informationen. In der Religion wird die Gewissheit und das Vertrauen in (meist in göttliche, übernatürliche) Wesen mit einem höheren Anspruch verbunden als in der Alltagssprache. →Wikipedia: Glaube

Glaubensgewissheit: Gibt es nicht. Alles Wissen ist unsicher, weil wir keine Letztbegründung haben, und Glauben ist stets noch unsicherer als Wissen, also ist Glauben die Steigerung der Unsicherheit und damit ist die Gewissheit eine Illusion.

Gott: Wenn auf dieser Website von »Gott« die Rede ist, dann handelt es sich immer um das höchste Wesen, das in monotheistischen Religionen verehrt wird. Das ist der Schöpfer des Lebens, des Universums und allem anderen. Wird auf einen anders definierten Gott Bezug genommen, so steht das explizit im Text.

Ideologie: Voreingenommene Denkweise, die nicht an der Wahrheit interessiert ist, sondern daran, die Welt nach einem (dogmatisch) vorgegebenen Schema zu interpretieren. Häufig gründen sich Ideologien auf Letztbegründungen. Kennzeichen einer Ideologie ist, dass sie im Kern nicht an Tatsachen scheitern kann, siehe auch den Abschnitt ↑Immunisierung gegen Kritik, der noch kommen wird.

Illusion: Im engeren Sinne handelt es sich um eine Sinnestäuschung. Sigmund Freud benutzte diesen Begriff im Zusammenhang mit der dem Glauben an die Wahrheit an etwas, wobei der Wunsch die stärkere Triebkraft für die Annahme ist. Siehe auch →Die Zukunft einer Illusion.

Immunisierung gegen Kritik: Der Versuch, Kritik dadurch pauschal abzuwehren, dass man die Kritik nicht für zulässig oder nicht für passend hält, oder in dem man Kritik durch logische Zirkel von vornherein ausschließt. Wenn danach keine Möglichkeit zur Kritik mehr besteht, spricht man von Immunität. Mit der Eliminierung von Kritik sinkt aber zugleich der Erkenntnisgehalt. Siehe auch den Abschnitt Immunisierung gegen Kritik (kommt noch).

Indoktrination: Die systematische Manipulation der Denkweise von Menschen, so dass sie eine Ideologie für wahr halten und bereit sind, in ihrem Sinne zu handeln.

Letztbegründung: Eine Art Urbegründung, die auf absolut gesicherter Erkenntnis basiert und daher nicht mehr anzweifelbar ist. Leider gibt es keine L., außer in sehr trivialen Fällen (»Was weiß ist, ist weiß« – ganz sicher wahr, aber eine Tautologie). Da jede Begründung letztlich im Münchhausentrilemma landet, kann jede Begründung stets nur vorläufig sein. Damit aber ist auch unser Wissen nur vorläufiger Art.

Logik: Ein Verfahren, um aus wahren Sätzen weitere wahre Sätze zu generieren (Aussagenlogik). Die formale Logik kennt nur drei Gesetze und baut darauf auf:

  1. Identität: Alles ist mit sich selbst identisch, oder: Wenn A wahr ist, ist A wahr.
  2. ausgeschlossene Mitte: Etwas ist entweder A oder Nicht-A, anders gesagt: Eine Aussage ist entweder wahr oder falsch.
  3. Widerspruch: Etwas kann nicht A und Nicht-A gleichzeitig sein, oder: Eine Aussage kann nicht gleichzeitig wahr und falsch sein.
Dazu kommen noch Regeln für die Ableitungen. Es gibt noch andere Logiken, diese ist die gebräuchlichste. →Wikipedia: Logik

Logischer Zirkel: Siehe zirkuläre Logik.

Metaphysik: Während ein Physiker in einem schwarzen Raum eine schwarze Katze sucht, über die er gestolpert ist, ist der Metaphysiker jemand, der eine schwarze Katze, die nicht da ist, in einem schwarzen Raum sucht. Der Theologe wäre demnach ein Metaphysiker, der schließlich ausruft: »Ich hab' sie! Ich hab' sie!«. →Wikipedia: Metaphysik

Münchhausentrilemma: Wird ausführlich hier beschrieben. Kurz gesagt handelt es sich darum, dass man bei Begründungen nur die Wahl zwischen drei Übeln hat: Man kann in einem logischen Zirkel landen, in einen unendlichen Regress geraten oder zum Dogmatismus neigen. Aus dem Grund gibt es keine Letztbegründung, und die Gewissheit des Glaubens beruht auf Täuschung.

Naturalismus: Die Überzeugung, dass die Natur die Gesamtheit der Realität ausmacht und dass diese durch wissenschaftliche Methoden zu verstehen ist. Gegensatz dazu ist der Supernaturalismus. →Wikipedia: Naturalismus

Obskurantismus: Aufklärungs- und Fortschrittsfeindlichkeit, Bestreben, die Menschen in ↑Aberglaubenn und in Unwissenheit zu halten.

Ockhams Rasiermesser: Dazu existiert hier ein Essay. Das Wilhelm von Ockham zugeschriebene Ökonomieprinzip der formalen Logik, demzufolge einfache Denkmodelle den komplizierten vorzuziehen seien. →Wikipedia: Ockhams Rasiermesser

Rationalisierung: Damit bezeichnet man das nachträgliche Begründen einer Handlung durch die Vernunft, obwohl der ursprüngliche Grund ein ganz anderer (meist unbewusster Art) war.

Religion: Ein transzendentales System zur Weltdeutung, meist niedergelegt in sog. »heiligen Schriften«, welches meist in einem Glauben an eine oder mehrere Letztbegründungen besteht. Durch die Transzendenz wird versucht, das Glaubenssystem vor Zweifel und Kritik zu schützen, so dass eine Form von absoluter Gewissheit zu entstehen scheint. →Wikipedia: Religion

Solipsismus: Die philosophische Vorstellung, nach der außerhalb unseres Bewusstseins nichts anderes mehr existiert. D. h. wenn Sie diese Website lesen, dann nicht, weil ich sie geschrieben habe, sondern weil Sie sich einbilden, sie sei etwas von Ihnen unabhängig Existierendes, während sie in Wahrheit nur ein Produkt Ihres Bewusstseins darstellt. →Wikipedia: Solipsismus

Supernaturalismus: Wird auch als Supranaturalismus bezeichnet. Es ist der Glaube an Übersinnliches oder Übernatürliches (oder außerhalb der erkennbaren Natur stehendes), welches nur durch göttliche Offenbarung erkannt werden kann. Es handelt sich also um Erkenntnis jenseits des Erkennbaren. Der Gegensetz ist Naturalismus. Allgemein handelt es sich um das Postulat einer über die Natur hinausgehenden Wirklichkeit. →Wikipedia: Supranaturalismus

Tautologie: Eine Tautologie ist eine tautologische Erklärung. Aha! Der Satz selbst ist tautologisch. Anders ausgedrückt: Es handelt sich um einen Satz, der zwar unbestreitbar wahr ist, aber keinen wirklichen Inhalt hat – eine leere Wahrheit. →Wikipedia: Tautologie

Theismus: der Glaube an eines oder mehrere übernatürliche Wesenheiten, meist in der Form von Göttern. →Wikipedia: Theismus

Theodizee: theologische Rechtfertigung eines gütigen Gottes trotz allen Leids und aller Übel in der Welt. Ohne eine gelungene Theodizee ist es nicht möglich, an einen gütigen Gott zu glauben, siehe auch Das Theodizeeproblem. →Wikipedia: Theodizee

Wunder: Ein Ereignis, welches dann und nur dann geschieht oder geschehen kann, wenn gerade kein Skeptiker anwesend ist oder eine andere Person, die mit kritischer Methode vertraut ist (z. B. ein Wissenschaftler). Wird meist definiert als »ein auf göttliche Einwirkung oder auf übernatürliche Kräfte zurückgeführtes Phänomen, das den Erkenntnis- und Erfahrungshorizont des Menschen übersteigt und den Gesetzen der Naturwissenschaften widerspricht« (laut Microsoft-Encarta). Denn es werden alle paar Jahre Phänomene entdeckt, die den (bekannten) Naturgesetzen widersprechen, dann werden die Naturgesetze geprüft und dem geänderten Wissen angepasst. Es wird keineswegs mehr angenommen, dass da ein Gott eingegriffen hat. →Wikipedia: Wunder

Zirkuläre Logik: Siehe logischer Zirkel. Der Verweis und die Definition des logischen Zirkels (wenn man diesen Text weglässt) ist selbst zirkulär. Allgemein gesagt, wenn ein man eine Aussage mach der Art »wenn A wahr ist, dann ist auch B wahr« und dann »wenn B wahr ist, ist auch A wahr« konstruiert, dann hat man einen Zirkel. Obwohl sich die Wahrheit von A und B gegenseitig zu bestärken scheint, wäre es ein Fehler, aufgrund dieses Zirkels eine Aussage über die Wahrheit von A und B zu machen. Denn das Gegenteil von A und B wäre dann genauso »wahr« – und das kann nicht sein.

 

Bosheftige Definitionen

Unter dem Titel erschienen auf Facebook meine Sammlung bösartiger Definitionen. Sie finden sie hier: →Bosheftige Definitionen – mit Grafik. Eine Version ohne Grafik befindet sich hier: →Bosheftige Versionen – nur Text.

 

Beispiel:

Wunder: Ein Ereignis, das immer nur dann geschieht, wenn zufällig kein Skeptiker anwesend ist.
Dass Glaube etwas ganz anderes sei als Aberglaube, ist unter allem Aberglauben der größte.

Karlheinz Deschner


Zurück zum Anfang